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Prisma x Liquefacere fines

von Tsubaki
GeschichteMystery, Freundschaft / P12 / Gen
01.12.2017
06.12.2018
95
91.211
6
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Dieses Kapitel
1 Review
 
05.12.2017 820
 
Abschnitt 12



Die Tür gab sofort nach und mit viel Schwung gelangte Jane ins Innere des Gebäudes. Sie stolperte und fing sich nach wenigen Schritten wieder. Doch kaum hatte sie die Taschen fallen gelassen und die Hände auf die Knie gestützt, hörte sie hinter sich auch schon ein lautes Knallen. Die Tür war ins Schloss gefallen.
Einen unendlich langen Moment folgte bedrohliche Stille.
Dann erklang ein helles: „Hallo“, hinter Jane und füllte den Raum wieder mit Leben. Es war die gleiche Stimme die Jane hergelockt hatte.
„Ist mit dir alles in Ordnung?“, fragte das Mädchen, das sich jetzt zu Jane vorbeugte.
„Ich denke schon“, gab diese zurück und richtete sich wieder auf.
Wie abgesprochen glitten nun beide Augenpaare zur Tür und erstmal kehrte wieder Schweigen ein.
„Tja“, schmunzelte schließlich das fremde Mädchen, „Ich schätze du wirst es aber nicht mehr lange sein, denn die Tür ist wieder zu gegangen.“
Jane stockte. Zwar hatte sie beim Geräusch der zufallenden Tür kein gutes Gefühl gehabt, aber das klang ja geradezu so, als würde sie sich von innen wirklich nicht mehr öffnen lassen.
Sofort lief Jane hin, um es zu überprüfen. Tatsächlich, die Tür war verschlossen.
„Du brauchst es nicht zu überprüfen, ich hab es schon oft versucht“, merkte die Fremde an.
„Bist du schon lange hier?“, kam Jane sofort eine Frage in den Sinn.
„Ich weiß nicht“, gab das Mädchen zurück. „Ich hatte eigentlich nur etwas draußen gehört und bin vor die Tür und dann waren da so merkwürdige Gestalten im Schnee und ich bin wieder umgedreht. Aber scheinbar habe ich die falsche Tür erwischt. Jedenfalls kommt man hier nicht mehr raus.“
Das erklärte zumindest, warum das Mädchen im Schlafanzug herum lief. Jane hatte dem bisher nur wenig Beachtung geschenkt, aber das schlabberige grüne T-Shirt und die schwarze Hose sahen doch mehr nach Schlafsachen als nach Jogginganzug aus, wenn man es genauer besah. Und auch ein Jogginganzug wäre bei diesen Temperaturen doch merkwürdig gewesen.
„Wieso hast du mich dann hergerufen?“, fragte Jane nun etwas missmutig. Sie hatte die Stimme für vertrauenswürdig gehalten, aber statt sie in Sicherheit zu bringen, war sie nun tatsächlich irgendwo gefangen.
„Ich brauchte Hilfe“, gab das Mädchen zurück. „Außerdem ist es draußen auch nicht sehr gemütlich, oder?“ Das stimmte allerdings. Aber ob diese Lage besser war, wagte Jane zu bezweifeln.
„Du hättest die Tür doch festhalten können“, meinte sie und sah sich in dem Raum um. Hier gab es absolut nichts. Einzig die Eingangstür mit einem sehr kleinen Fenster daneben und auf der anderen Seite des Raumes noch eine Tür, die diesmal aber wirklich aus unbearbeitetem Holz mit Türklopfer war – was nicht sonderlich einladend aussah in dieser Situation. Es wirkte so erwartet, dass es schon wieder unglaubwürdig war.
„Hab ich doch versucht“, entgegnete das Mädchen „Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, sie hat mich abgeschüttelt.“
Daraufhin schwiegen beide erneut. Ihnen fehlten die Worte. Es war schwer zu glauben, aber diesen Winter war etwas Merkwürdiges im Gange.
„Was ist hinter dieser Tür“, fragte Jane schließlich und deutete auf die Holztür.
„Da würde ich erst recht nicht lang gehen“, antwortete das Mädchen wie auf Knopfdruck.
„Wieso denn nicht? Dann ist sie also offen?“
„Ja, sie ist offen. Aber dahinter sieht es unheimlich harmlos aus. Unrealistisch. Wie in einem Traum“, versuchte die Fremde eine geeignete Beschreibung zu finden.
Das reichte Jane allerdings nicht an Information. Nachdenklich musterte sie den einzig möglich scheinenden Ausweg. Dann glitt ihr Blick zurück zu der Fremden, die ihr jetzt schon irgendwie vertraut war, obwohl sie noch nicht mal ihren Namen wusste.
„Mein Name ist übriges Jane“, sagte sie und reichte dem Mädchen versöhnlich die Hand.
„Ich heiße Lynn“, stellte sie sich ebenfalls vor. „Sag mal, was hast du alles in den Taschen?“
„Oh, die hatte ich schon fast vergessen“, gab Jane zu und sah zu ihrem Gepäck hinüber. „Ich sollte heute eigentlich in eine WG ziehen und da ist mein ganzer Kram drin.“
„Auch essen?“, hakte Lynn nach.
Jetzt verstand Jane. Lynn hatte natürlich Hunger. Wer wusste schon, wie lange sie bereits hier war. Also begann Jane in der einen Tasche zu kramen und zog schließlich ein paar Schokoriegel hervor.
„Hier, das ist alles was ich dabei hab. Ich hatte ja nicht vor mich zu verlaufen und dann in einem unbekannten Haus eingesperrt zu werden.“
„Ja, das denke ich mir“, lachte Lynn bei dieser Bemerkung.
„Welchen möchtest du?“, bot Jane ihr einen der Riegel an und beschloss den Rest als Notration mitzunehmen. Wer wusste schon, wo es sie noch hin verschlagen würde.
Lynn pickte sich das Bounty heraus und wirkte gleich wesentlich entspannter, während sie genüsslich kaute.
„Also gut“, sagte sie schließlich und brachte Jane damit in die Gegenwart zurück, denn diese war in Gedanken dabei gewesen die Geschehnisse des Abends zu analysieren und über die Tür nachzudenken.
„Was wollen wir tun?“, fragte Lynn kameradschaftlich.

Wähle:

Abwarten und um Hilfe rufen: Abschnitt 18

Durch die andere Tür gehen: Abschnitt 20
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