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Prisma x Liquefacere fines

von Tsubaki
GeschichteMystery, Freundschaft / P12 / Gen
01.12.2017
06.12.2018
95
91.211
6
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Dieses Kapitel
1 Review
 
04.12.2017 479
 
Abschnitt 10


Für ein paar Momente stand Jane lauschend vor der angelehnten Hinterhoftür und verharrte still. Dann glaubte sie ein leises Scharren aus zu machen. Ein Geräusch, als würde man mit einem Werkzeug über Holz kratzen. ...Oder mit Krallen.
Jane schauderte. Sie ging einen Schritt zurück und betrachtete den letzten der Pfotenabdrücke, bevor sich die Spur außerhalb ihrer Sicht hinter der Tür verlor. Es handelte sich um einen eher breit als lang zulaufenden, aber hundeähnlichen Abdruck, der eindeutig Krallen aufwies.
Vielleicht war es doch keine so gute Idee sich hier aufzuhalten oder einen Blick in das Unbekannte zu wagen. Neugier war auch nicht alles. Also ging Jane hastig noch ein paar weitere Schritte rückwärts und drehte sich dann schnell um, um sich wieder dem Geschehen auf dem Platz zu widmen. Sie war jetzt irgendwie unruhig, aber beschloss trotzdem noch einmal zu dem Maronistand zurück zu kehren und sich etwas zum Aufwärmen zu holen.
Zu ihrem Glück stand auch nur eine Frau vor ihr und Jane war kaum angekommen, da kam sie auch schon an die Reihe.
„Wie viele?“, fragte die alte Frau träge und blickte Jane gar nicht richtig an. Die Kelle hielt sie bereits lauernd in der Hand und wartete nur noch auf das passende Kommando.
„10 bitte“, sagte Jane und reichte der Frau einen 5 Euroschein. Diese schüttete routiniert die 10 Esskastanien in eine braune Papiertüte, knüllte das obere Ende zusammen und griff nach dem Schein. Ihre Miene blieb dabei durchgehend unverändert. Selbst, als Jane die Kastanien entgegen nahm, trafen sich die Blicke der beiden nicht.
Als Jane das bewusst wurde, kam ihr der Gedanke, dass die Frau wahrscheinlich die meiste Zeit eher wie eine Maschine behandelt wurde und nicht wie ein Mensch. Sie bot schließlich nichts anderes an, wie Maroni. Da waren die Leute wortkarg. Bei den anderen Ständen ließen sich viel mehr zu einem lockeren Gespräch herab und die Leute hinter den Ständen hatten auch öfter fröhliche Gesichter. Aber hier war die Atmosphäre eher wie an einer Ladenkasse eines Supermarkts, wenn man es verglich.
Nach diesem Gedankengang bemühte sich Jane um ein freundlicheres Gesicht. Sie hatte vorher noch recht zerstreut drein geblickt und ihren Blick für die Umgebung auch ein bisschen verloren. Jetzt, mit der Tüte warmer Maroni in der Hand, fühlte sie sich allerdings schon ein wenig besser.
„Schönen Abend noch“, wünschte sie der Frau beim Weggehen und stellte sich ein Stück Abseits zum Essen hin. Da sie beide Hände zum Schälen der Esskastanien brauchte, stellte sie ihre Taschen dabei wieder ab.
Das erwies sich jedoch als Fehler. Kaum hatte sie begonnen zu essen huschte ein Jugendlicher an ihr vorbei und schnappte im Vorbeigehen eine der beiden Taschen.
„Hey! Gib die sofort zurück“, rief Jane ihm nach, sobald sie realisiert hatte, was gerade passiert war.
Der Junge lachte allerdings nur und rannte weiter.

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