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.*~°~*. Weihnachten mit Eddy und Zino

von - Leela -
CrossoverFreundschaft / P12 / Gen
01.12.2017
26.12.2017
26
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06.12.2017 1.962
 
.~*~.
.~* Mittwoch *~.
.~* 6. Dezember 2017 *~.
.~* Adventskalendertürchen 6 *~.
.~* Nikolaus *~.

Lieber guter Nikolaus…

Jake beobachtete seine beiden Freunde fassungslos. „Das ist nicht euer Ernst!“
      Zinos Blick sagte, daß er noch gar nicht so richtig wußte, worauf er sich da einließ.
      Eddy hingegen hatte eine entschlossene Miene. „Natürlich!“
      Jake hatte sich noch nicht ganz aus seiner Sprachlosigkeit erholt. „Ihr beide…“ Er zeigte auf den molligen Ghostbuster und den großen Gayaner. „… wollt zusammen losziehen und Nikolauslaufen!“
      „Zino muß doch alle Bräuche kennenlernen!“ erklärte Eddy wie selbstverständlich.
      „Ja, aber…“ Jake machte eine wegwerfende Geste. „Ach, vergeßt es.“ Er wußte, daß er seinen Kumpel niemals von der Idee würde abbringen können. Er tröstete sich mit dem Gedanken, daß er bei der peinlichen Aktion nicht dabei sein mußte. „Tut, was ihr nicht lassen könnt. Ich werde in der Zwischenzeit die Kinder versorgen, die bei uns klingeln kommen.“ Er warf Eddy einen durchdringenden Blick zu und ergänzte: „Und wage es nicht, bei uns zu klingeln!“
      „Mist!“ Eddy zog ein Schmollen.
      Zino sah seinen Kameraden erwartungsvoll an.
      Eddy atmete durch, während Jake mit skeptischer Miene schnell den Raum verließ und konzentrierte sich wieder darauf, seinen Freund einzuweisen. „Also, ich habe extra eine Weihnachtsmütze für dich besorgt mit Sternchen auf dem weißen Rand. Ich weiß nicht, vielleicht magst du die ja lieber…“
      „Müssen wir die etwa schon wieder tragen?“ fragte der Gayaner aufgeschreckt.
      „Wenn wir einen guten Eindruck machen wollen, dann ja.“ bestätigte Eddy. „Dazu gibt es aber auch noch den Weihnachtsmantel!“ Der mollige Ghostbuster hob einen der großen roten Mäntel mit dem weißen Puschelabsatz hoch, die über einer Stuhllehne hingen.
      Zinos Miene entbehrte jeglicher Begeisterung, doch er gab sich geschlagen und tat seinem Kumpel den Gefallen, beides anzuziehen. Als er Mantel und Mütze trug, fühlte er sich völlig fehl am Platze – das mußte man ihm auch ansehen, da war er sich sicher.
      Eddy musterte ihn prüfend. „Das sieht phantastisch aus, Zino! Lächele mal ein bißchen!“
      Als Antwort bekam er ein Seufzen. Anscheinend aber war diese Tradition für Terraner ganz normal, und so bemühte er sich zumindest darum, es gelassen zu nehmen.
      „So, und hier ist dein Sack. Ganz wichtig!“ erklärte Eddy und gab Zino einen kleinen Jutebeutel. „Darin sammeln wir nämlich gleich die Süßigkeiten ein.“
      „Und die geben uns die Leute einfach so?“ erkundigte sich der Blonde.
      „Nicht einfach so!“ Eddy zog mit einem Grinsen einen Zettel hervor. „Wir sagen dieses Gedicht auf!“
      Ein Moment der Stille trat ein, in dem Zinos Blick sich selbst an Skepsis übertraf. Seine Miene reichte anscheinend schon aus, denn Eddys Reaktion war entsprechend.
      „Ach, komm schon, das ist lustig! Du darfst es auch ablesen. Ich habe es auswendig gelernt. – Das habe ich mal in einer Zeitschrift gefunden. Es ist von einer Marion aus Bayern. Ich finde es einfach goldig.“
      Zino sah auf das Blatt und begann skeptisch zu lesen: „Aus dem Fenster schau ich raus, suche nach dem Nikolaus. Ist das seine Zipfelmütze? Nein, das ist die Kirchturmspitze…“
      „Ließ es ganz durch! Das ist niedlich!“ Eddy freute sich allein darüber euphorisch wie ein kleines Kind.
      Zino sah noch nicht ganz überzeugt aus, fügte sich aber in sein Schicksal.
      „Du wirst schon noch in Stimmung kommen!“ Eddy klopfte ihm auf den Arm und ging voran zur Tür.
      Zino folgte Eddy in einer Mischung aus Unsicherheit und gespannter Erwartung auf die Straße. Bereits hier konnten sie an verschiedenen Ecken Grüppchen von kleinen Nikolausläufern ausmachen.
      „Siehst du? Die anderen tragen auch alle Weihnachtsmützen!“ triumphierte Eddy. „Wir fahren ein paar Stationen mit dem Bus; etwas außerhalb ist es schöner, und man kennt die Leute noch nicht.“
      Zino war noch viel zu beschäftigt, das Weihnachtsgedicht zu lernen. „Sieht das wie sein Rucksack aus? Nein, es ist der Baum vorm Haus!“
      „Das macht gar nichts, wenn du es nicht hundertprozentig kannst. Meistens zählt es, wenn du dich bemühst.“ erklärte Eddy.
      „Du kannst es ja. Wie wäre es, wenn du es aufsagst, und ich schaue zu, als dein Lehrling, oder so.“
      „Können wir so machen.“ stimmte Eddy zu. Gerade kamen sie auf eine Bushaltestelle zu, und Eddy hatte das Timing gut hinbekommen. Sie mußten nicht lange warten. Rasch kaufte er bei dem Busfahrer zwei Karten.
      Zino ließ in der Zwischenzeit den Blick beklommen über die wenigen anderen Fahrgäste schweifen. Keiner von ihnen trug Weihnachtsklamotten. Schon gar keine Weihnachtsmütze! Er kam sich so albern vor.
      Eddy schob ihn von hinten weiter zu den Sitzreihen.
      Er schluckte und ging unbehaglich weiter.
      „Wir fahren nur drei Stationen, eigentlich brauchen wir uns gar nicht hinzusetzen.“ Eddy stellte sich gemütlich auf den freien Platz vor dem hinteren Ausstieg.
      Zino senkte den Blick und versuchte, nicht ganz so verloren zu wirken, indem er auf den Zettel starrte, den Eddy ihm gegeben hatte. „Dort sein Bart so lang und weiß… Ist ein Zapfen ganz aus Eis!“
      „Bald kannst du es auch!“ Eddy lächelte gewinnend.
      An der nächsten Haltestelle stieg eine Frau aus, die den beiden einen komischen Blick zuwarf, bevor sie aus dem Bus verschwand. Dafür stieg ein Pärchen in warmer Winterkleidung ein.
      Zino räusperte sich leicht und versuchte, ganz unscheinbar und unauffällig zu wirken. Er konnte spüren, daß eine Frau ihn von den hinteren Sitzen aus beobachtete. Zumindest bildete er sich das ein. Vielleicht war das aber auch gar nicht so, und keiner nahm von ihnen Notiz…
      Es war ruhig im Bus, und auch an der nächsten Station gab es keine großen Veränderungen.
      „Die nächste müssen wir raus.“
      Ob Eddys Stimme eine Beruhigung beinhalten sollte, vermochte der Gayaner nicht zu sagen, aber zumindest lächelte er leicht. Dann lehnte er sich zu Eddy und raunte: „Es trägt hier keiner eine Weihnachtsmütze!“
      „Dann sind sie doch selbst schuld!“ flüsterte Eddy zurück. „Weihnachtsbanausen!“
      Er hatte gerade ausgesprochen, als Zino eine Bewegung von rechts ausmachte, und erschrocken zusammenzuckte. Die junge Frau, die ihn beobachtet hatte, war aufgestanden und zu ihnen herübergekommen. Nun stand sie vor Zino und lächelte ihn an. Ein wenig schüchtern holte sie eine Tafel Schokolade aus ihrer Einkaufstasche und steckte sie Zino in den Jutesack. Dann setzte sie sich verlegen zurück auf ihren Platz.
      Die beiden Nikolausläufer sahen ihr sprachlos nach. „Was war das denn jetzt…?“ entfuhr es Eddy leise. In dem Moment fehlte nicht fiel, und er hätte die Station verpaßt. Als sich die Türen öffneten, schaltete er schnell und hastete mit Zino zusammen auf den Bürgersteig. Dort drehte er sich zu dem Bus um, der gerade die Türen schloß und weiterfuhr. „Was war das denn eben gerade…?“
      „Ähm, ist es nicht der tiefere Sinn des Nikolauslaufens, Süßigkeiten zu sammeln?“ fragte Zino vorsichtig nach.
      „Ja, aber doch nicht, bevor das Nikolauslaufen angefangen hat!“ Eddy drehte sich verzweifelt zu seinem Kumpel um. „Du hast nicht einmal ein Gedicht aufgesagt!“
      Zinos Ohren spielten verlegen. „Wir können uns die Schokolade nachher teilen…“
      Der brünette Ghostbuster atmete tief durch und versuchte, sich zu fassen. „Okay. Dann machen wir es jetzt aber richtig!“
      Wie auf Stichwort holte Zino seinen Zettel wieder hervor, während sie gemeinsam den Weg entlang gingen. „Sieh doch nur die Stiefel an! Sie gehör‘n dem Nachbarsmann.“ Der Gayaner machte eine hilflose Geste. „Vielleicht sollte der Nikolaus demjenigen eine Brille in den Stiefel legen.“
      Eddy stöhnte unverhohlen auf. „Also, das mit der Weihnachtsstimmung müssen wir aber noch besser hinkriegen, bei dir.“ Er winkte Zino in eine Seitenstraße. „Laß uns hier mal anfangen.“ Er sah sich rasch um und suchte sich eine Gegend aus, in der gerade nicht so viel los war.
      Hier waren die Häuser niedriger, und Zipfelmütze hin oder her, das sorgte gleich dafür, daß Zino sich wohler fühlte. In dem Wohngebiet, in dem sie sich gerade befanden, standen wunderschöne Einfamilienhäuser, die phantastisch geschmückt und beleuchtet waren.
      Eddy atmete durch und sprang ein paar Mal auf und ab, um sich für die vor ihnen liegende Aufgabe aufzuwärmen. „Okay. Bereit?“
      Zino spickte auf seinen Zettel. „Doch da winkt mir einer zu! Nikolaus, das bist ja du!“
      „Nikolaus, ja das bist du!“ verbesserte Eddy automatisch, ohne nachzuschauen.
      „Meine Variante finde ich niedlicher!“ trumpfte Zino auf und lächelte. Damit schaffte er es, auch seinen Kumpel zum lachen zu bringen.
      „Na, Hauptsache, du kannst es auswendig. Los komm!“ Euphorisch stieg er die Stufen zu dem ersten Haus hinauf, und Zino folgte ihm, etwas unsicher, was ihn nun erwarten mochte. Als sie nebeneinander vor der Tür zwischen den hell erleuchteten Fenstern des Hauses standen, klingelte Eddy. Dann warteten die beiden, gespannt und erwartungsvoll.
      Die Tür ging auf, und die Frau mit den hochgesteckten braunen Haaren sah in die fröhlich grinsenden Gesichter von Eddy und Zino. Noch bevor Eddy aber überhaupt dazu kam, sein Gedicht aufzusagen, schnappte die Frau nach Luft, drehte sich um und rief nach hinten: „Oh, Harald, komm mal her und schau dir diesen süßen Weihnachtselfen an…!“
      Eddy sackte die Kinnlade ab, dann bedachte er Zino mit einem entgeisterten Seitenblick, der noch gar nicht ganz verstanden hatte, was gerade passiert war. „Okay! So etwas hatte ich jetzt nicht erwartet!“

„Na, Erfolg gehabt, auf euren Streifzügen?“ erkundigte sich Jake, als die beiden Nikolausläufer zurückkamen und sich zu ihm in die Küche gesellten.
      Eddy machte eine wunderliche Miene, als er zusammen mit Zino an den Küchentisch trat. Einen solchen Gesichtsausdruck hatte Jake noch nie bei seinem Kumpel gesehen; er konnte ihn nicht einmal deuten.
      Zinos Miene hingegen war aufgeregt, und es schien ihn nicht einmal zu stören, daß er noch immer die Weihnachtsmütze trug.
      „Was ist los, Eddy?“ erkundigte sich Jake.
      Eddy machte eine hilflose Geste. „Zino brauchte noch nicht einmal ein Gedicht aufzusagen! Bevor wir überhaupt irgend etwas machen konnten, sind die Leute auf ihn angesprungen und haben sich über »den hübschen Weihnachtselfen« ausgelassen!“
      Jake lachte amüsiert. „Das machen die Ohren!“
      „Ja, aber daß die Leute da so drauf anspringen! Ich meine, hey, Zino ist größer als die meisten von ihnen! Ich hätte es ja noch verstanden, wenn die Größenanpassung noch nicht richtig funktionieren würde, und er so groß wäre, wie bei seinem ersten Abenteuer in der Realwelt. Aber ich habe den Eindruck, selbst die Kinder haben nicht so viel Aufmerksamkeit bekommen. Eine Frau wollte sich unbedingt mit ihm photographieren lassen! Und als wir bei der alten Lady am Ende der Straße angelangt waren, wurden wir auf Tee und Kekse hereingebeten, und »der arme Weihnachtself« mußte sich erst mal am Kamin aufwärmen!“
      „Tja, dann muß es wohl an Zinos Charme liegen!“ grinste Jake.
      „Ja, oder daran, daß er die Ohren in alle Richtungen bewegen kann.“ kommentierte Eddy etwas mißmutig. „Wie oft wir zu hören bekommen haben, was für ein tolles Elfenkostüm das ist…“
      „Hat es dir wenigstens auch etwas eingebracht?“ erkundigte sich Jake.
      „Ja, ich habe davon auch gleich profitiert. Ich habe den Leuten aber trotzdem mein Weihnachtsgedicht aufgedrängt.“
      Jake lachte herzlich. Er kam neugierig näher, als die beiden ihre Jutesäcke ausschütteten. „Hey, da ist aber ordentlich was zusammengekommen.“ Er kam gar nicht dazu, überhaupt nach einem Zimtbonbon zu greifen, als Eddy ihm schon auf die Finger schlug.
      „Du hättest selber mitkommen können! Das hier ist unser Verdienst!“
      Jake machte eine abwehrende Geste. „Entschuldigung! Ich wollte ja nur mal gucken…“
      Zino war indes lächelnd bei der ersten Tafel Schokolade angekommen, die er von der Frau im Bus bekommen hatte. „Die ist schon etwas besonderes, oder?“
      Eddy musterte ihn nachdenklich. „Ich glaube eher, du bist etwas besonderes.“
      Jake legte seinem Kumpel den Arm um die Schultern. „Kein Grund, neidisch zu sein, Eddy. So etwas wie Zino kennen die Leute hier nicht, deswegen ist er etwas besonderes. Du gibst aber auch einen ganz süßen Weihnachtselfen ab.“ Er klopfte seinem besten Freund kameradschaftlich auf den Rücken und verließ die Küche.
      Eddy schnappte nach Luft. Dann drehte er sich zu der Tür um, die gerade in’s Schloß fiel. „Meinst du das ernst, Jake? Jake?“
      Während der mollige Ghostbuster noch in seinem roten Mantel seinem besten Freund seit Kindertagen nachlief, stöberte Zino aufmerksam durch ihre Süßigkeitenbeute…
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