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.*~°~*. Weihnachten mit Eddy und Zino

von - Leela -
CrossoverFreundschaft / P12 / Gen
01.12.2017
26.12.2017
26
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26.12.2017 6.801
 
.~*~.
.~* Dienstag *~.
.~* 26. Dezember 2017 *~.
.~* 2. Weihnachtstag *~.

Weihnachten in der Zukunft

Zino und Boo trafen frühzeitig beim GhostCommand ein. Eddy und Tracy waren bereits startklar. Jadcy begleitete die beiden Gayaner, und hatte sich gemütlich in Zinos Arme gelehnt, wo sie einen guten Ausblick hatte. Augenblicklich flirtete sie mit Eddy, der die kleine Bärendame anstrahlte und sich freute, daß sie wieder mit dabei war.
      „Läßt sie wohl nicht mehr aus den Augen, was?“ schmunzelte auch Tracy.
      Zino sah ihn bald entsetzt an. „Ich lasse sie doch nicht einsam und allein zu Hause, wenn wir feiern gehen!“
      Boo grinste leicht. „Ich habe Zino selten so fürsorglich erlebt! Anscheinend hast du da irgendwelche Mutterinstinkte geweckt, Eddy.“
      Sein Freund wandte sich entgeistert zu ihm um. „Was soll das denn heißen?“
      „Naja, sie ist ja nun mal dein Schützling!“ brachte Boo es auf den Punkt. „Und du kümmerst dich gut um sie! Man merkt, daß sie dein Ein und Alles ist.“
      „Ja, aber das hat ja nun nichts mit Mutterinstinkten zu tun, sondern einfach damit, daß sie so liebenswert ist, und man sie einfach gern haben muß!“ Der blonde Gayaner wandte sich seinem Bärchen zu und ergänzte mit sanfter Stimme, während er ihr über die Bärenwange streichelte: „Nicht wahr, meine Süße?“
      Boo und Eddy wechselten ein verheißungsvolles Grinsen.
      „Oki Doki, wollen wir los?“ fragte Tracy.
      Die beiden Gayaner und Eddy nickten.
      „Wo ist denn Jake?“ erkundigte sich Zino.
      „Jake ist gestern Abend schon mit Futura zusammen in die Zukunft zurückgekehrt.“ erklärte Eddy.
      Boo wiederholte leise Eddys Satz, und schüttelte den Kopf, um die wirren Gedanken zu entknoten, die dieser verursachte.
      „Ja, uns macht das manchmal auch ganz schön wuschig.“ lenkte Eddy grinsend ein. „Wollen wir starten?“
      „Wie kommen wir denn in die Zukunft?“ erkundigte sich Boo neugierig.
      „Mit dem Ghostbuggy!“ erklärte Eddy stolz. „GB hat einen Zeitturbo!“ Er gab seinen Freunden einen Wink und führte sie in die Garage, wo Tracy sich hinter dem Steuer niederließ, Eddy auf der Beifahrerseite einstieg und die beiden Gayaner sich die Rückbank teilten. Zino stieg ganz vorsichtig und sanft ein und nahm Jadcy liebevoll auf den Schoß.
      „Hey, das schwere Muskelpaket ist lernfähig!“ kommentierte GB freudig.
      Zino ließ die Ohren hängen. „Na, das hast du dir ja auch verdient, nachdem du mich hier in deiner Garage beherbergt hast.“
      Eine kurze Stille trat ein. Keiner sagte ein Wort dazu, weder Eddy, noch Tracy, noch GB. Boo ließ einen kurzen Blick über die Situation schweifen und kommentierte: „Okay! Ich frage lieber nicht nach!“
      „Laßt uns starten!“ kürzte Tracy die Sache ab und ließ das Ghostbuggy an.
      Als GB sich in den Flugmodus versetzte, und dabei die Radstelzen ausfuhr, um die Flügel ausklappen zu können, schrien die beiden Gayaner unwillkürlich auf.
      „Woho!“ Im ersten Moment drückte Zino erschrocken Jadcy an sich, damit sie nicht rausstürzen konnte. Als er sich gefangen hatte, grinste er Boo an, der sich gerade am Rand der Karosserie festklammerte. „Das ist lustig!“
      Boo seufzte schwer. „Ich habe keinen anderen Kommentar erwartet.“
      Tracy quittierte es mit einem amüsierten Grinsen. Kurz darauf starteten sie durch, und flogen in das Zeitportal ein. Als das Ghostbuggy durch die Zeit geschleudert wurde, schien sich die ganze Realität einmal auf links zu krempeln. Das rote Cabriolet schlingerte durch einen Strudel aus psychedelischen Farben, schien sich in sich zusammenzufalten und an einer anderen Stelle wieder zu entfalten, während es sich um die eigene Achse drehte, auf den Kopf stellte und das Heck zu vorderst drehte.
      Nach einem ewig langen verschwindend kurzen Moment trat das Ghostbuggy wieder aus dem Strudel heraus und bemühte sich, sich in der Atmosphäre zu fangen.
      „He-hey… Das müssen wir gleich noch mal machen!“ begeisterte sich Zino.
      „Mir ist schlecht!“ Boo hatte sich auf seinem Sitz zusammengekrümmt.
      „Woah…“ Gerade hatte Zino die große Mondstation mitten im Weltall entdeckt. Er klopfte Boo in die Seite. „Hey, Boo, das mußt du dir unbedingt ansehen!“
      Der kleine Erfinder wirkte, als würde er im Augenblick lieber sterben, als er sich mühsam aufrichtete. Als er die Raumstation sah, stellten sich seine Ohren allerdings auch staunend und begeistert auf.
      Eddy blieb gelassen und genoß die Faszination seiner Kameraden. Er konnte sich ein stolzes Lächeln nicht nehmen lassen. Er erinnerte sich noch, daß er ähnlich regiert hatte wie Boo, als er das erste Mal hier hergekommen war, und daß er genauso geflasht von der Zukunft gewesen war, wie seine beiden Kameraden jetzt. Jetzt war er der Profi, der seinen Freunden etwas neues zeigen konnte!
      Zino hielt begeistert Jadcy etwas höher, damit sie sich alles ansehen konnte. „Schau mal, Jadcy, wir sind in der Zukunft!“
      Eddy quittierte es mit einem Grinsen. Er konnte sich einen wissenden Blick nicht nehmen lassen. „Wartet, bis wir drinnen sind!“

Als das Ghostbuggy in den Hangar der Raumstation einflog, erwartete Futura ihre Freunde bereits zusammen mit Jake.
      Selbst Eddy und Tracy bestaunten die festliche Dekoration, die sie hier erwartete. Boo und Zino waren an Überforderung grenzend überwältigt.
      Girlanden aus Tannengrün spannten sich von der Mitte der Decke in weiten Bögen bis zu den Wänden hin, und zogen sich über die ganzen Wände, geschmückt mit goldenen Sternen, roten Kerzen und silbernen Ufos. Durch das Licht funkelte alles in einem für die Neuankömmlinge bald unwirklichen Schein.
      „Herzlich willkommen!“ begrüßte die Ghostbustress ihre Freunde.
      „Wow!“ brachte Zino nur völlig überfordert heraus.
      „Ja, die Zukunft ist in sich schon überwältigend – zur Weihnachtszeit ist es aber besonders schön!“ kommentierte Jake.
      „Das ist doch nur die Empfangshalle!“ lachte Futura und machte eine einladende Geste zum Ausgang hin. „Kommt mit, ich zeige euch die Station!“
      Schon jetzt von der Zukunft ergriffen folgten Boo und Zino mit Jadcy im Arm ihrer Gastgeberin durch die große Halle.
      Die Tür zum Hangar führte auf der anderen Seite in einen großen, hellen Korridor. In die in einem mittelblauen Ton gehaltenen Wände wurden Sterne und Planeten projiziert, die sich stetig bewegten.
      „Wow!“ Zino ließ den Blick von einer zur anderen Seite schweifen, als wolle er keinen Stern auf seiner Reise verpassen.
      „Die Figuren sind Muster, die als Projektionen direkt in die Wand eingelassen sind.“ erklärte Futura. „Es gibt verschiedene Programme. Meistens wird in diesem Teil ein Aquarium simuliert, weil es eine beruhigende Wirkung hat.“
      Boo sah sich staunend um. „Wie funktioniert das?“
      „Oh, das System ist recht einfach zu verstehen, aber länger zu erklären. Dafür müssen wir mal einen Extra-Tag veranschlagen.“ erklärte Futura.
      Zino, der mit Eddy zusammen etwas hinter den anderen zurückblieb, lehnte sich zu seinem Kumpel herüber. „Wie kann etwas beruhigend wirken, das einem simuliert, unter Wasser zu sein, wo man nicht atmen kann…?“
      „Man gewöhnt sich dran.“ meinte Eddy unbeeindruckt. „Die Fische sind besonders schön, und manchmal gibt es ein gesunkenes Piratenschiff gratis dazu!“
      Als er das sagte, stellten sich Zinos Ohren abrupt auf. Jadcy quittierte es mit einem bärigen Lächeln.
      Eddy schmunzelte in sich hinein.
      Vom Korridor aus gelangten sie zu einem Lift, der sie eine Ebene höher trug. als sich die Türen öffneten, sahen sie direkt von einer breiten Promenade aus auf das riesige Freizeit- und Einkaufsdeck der Station.
      Zino schreckte tödlich erschrocken zusammen, als sich ihm ein Service-Roboter von der Seite näherte. Unwillkürlich preßte er Jadcy in den Schutz seiner Arme.
      Der Service-Roboter blieb davon unbeeindruckt. „Herzlich Willkommen und frohe Weihnachten!“ begrüßte dieser die Gäste. „Ich bin M8 und stehe stets zu Ihren Diensten.“
      Futura hatte Zinos Reaktion schmunzelnd beobachtet. „Keine Sorge, die tun dir nichts. Im Gegenteil, sie helfen dir! Wenn du irgend etwas wissen möchtest, brauchst du sie nur zu fragen. Probier es mal aus!“
      Zino schluckte sichtlich, kippte etwas die Ohren ab und überlegt rasch. „Ähm… Wo gibt es denn den besten Friseur hier auf der Station?“ Er ließ ein leichtes Seufzen folgen. Eine dämlichere Frage war ihm auf die Schnelle nicht eingefallen.
      „»Kosmos Cut« befindet sich auf dieser Etage.“ erklärte der Roboter mit seiner sanft-mechanischen Stimme. „Folgen Sie einfach den grünen Pfeilen!“
      Zino sah aufgeschreckt zu seinen Füßen, wo plötzlich eine Linie aus grünen Pfeilen in eine bestimmte Richtung auf den Boden projiziert wurde.
      „»Kosmos Cut« ist sehr empfehlenswert für seine übernatürlich gute Haarpflege, individuellen Kundenwünsche und…“ Ein blaues, sanftes Licht schimmerte kaum merklich über Zinos Fell, vom Haaransatz bis zu den Schuhen herunter, gerade so, als würde der Service-Roboter ihn scannen. „… Ohrstyling!“
      Der Blick des Gayaners war Gold wert. Nach der Sekunde der Sprachlosigkeit fing er sich und brachte hervor: „Was soll das denn jetzt bedeuten…“
      Boo klopfte ihm schmunzelnd auf den Arm. „Der kennt dich eben ganz gut!“ Fasziniert wandte er sich dem kleinen Schweberoboter wieder zu und musterte ihn. „Sind das reine Auskunftsstationen?“
      „Ja, es sind bewegliche Datenbanken, die auf der Station patrouillieren, um dort, wo sie gebraucht werden, Auskünfte aller Art zu geben.“ bestätigte Futura. „Sie wissen alles über die Station, aber auch Geschichtliches, aktuelle Nachrichten, und vieles mehr.“
      „Und wahrscheinlich auch, welches Gel du für dein Ohrenstyling verwendest!“ grinste Boo.
      Zino sah deutlich befremdet zu dem kleinen mechanischen Kerl herunter, der jetzt wieder unschuldig schwieg.
      Seine Kameraden konnten sich ein Grinsen nicht verkneifen, als sie ihren Weg fortsetzten.
      Auf der Station gab es einiges zu sehen. Futuristische Läden, interessant aussehende fremde Außerirdische, intergalaktische Spezialitäten und phantastische technische Innovationen – alles augenblicklich in einer harmonisch-spacigen Weihnachtsdekoration. Boo sah sich staunend um, und es war, als suche er bereits nach neuen Ideen, die er in seiner Erfinderwerkstatt umsetzen konnte. Zino staunte einfach nur, und erfreute sich an der geschmückten futuristischen Station wie ein kleiner Junge. Mit seinem Teddy im Arm wirkte er auch genauso – obwohl er ein gutes Stück größer war als sein Kumpel.
      „Ich habe mir überlegt, ich möchte mit euch in das Ufo-Restaurant gehen!“ erklärte Futura auf ihrem Weg. „Ihr kennt es ja schon,“ kommentierte sie für Eddy, Tracy und Jake. „… aber für Boo und Zino ist es bestimmt toll, und zur Weihnachtszeit ist es besonders schön!“
      „Treffen wir uns mit Morrow da?“ erkundigte sich Eddy.
      „Ja, wenn er nicht gerade mit einer Erfindung beschäftigt ist.“ lachte Futura.
      Bei ihren Worten stellte Boo aufmerksam die Ohren auf.
      „Morrow ist mein Bruder.“ erklärte sie für die Gayaner. „Und ich wette, ihr werdet euch gut verstehen!“ sprach sie Boo direkt an. „Er ist auch Wissenschaftler und Erfinder.“
      „Oki Doki!“ bestätigte Tracy.
      „Na, großartig! Dann können wir ja gleich einen richtigen Erfinderstammtisch machen!“ grinste Eddy.
      „Ja!“ Futura lächelte. „Und dann bekommen sie von uns eine Aufgabe, die sie für uns erfinden und bauen müssen!“
      Tracy kratzte sich am Kopf. „Das artet ja in Arbeit aus!“
      Die Freunde lachten herzlich.
      Futura führte ihre Freunde ein Stück auf der Promenade entlang, von wo aus sie alles sehen konnten.
      Boo konnte sich nicht zurückhalten, den Service-Robotern unterwegs zu verschiedenen Gelegenheiten die unterschiedlichsten Fragen zu stellen. Zino wagte es nicht einmal mehr, sie nach den Toiletten zu fragen.
      „Wir müssen jetzt noch eine Ebene höher!“ erklärte Futura.
      Zino sah sich aufmerksam um. Er vermißte die Rolltreppen, die er so lieben gelernt hatte – es gab aber auch keine anderen Treppen, und Aufzüge konnte er auch nicht finden. Es gab nicht einmal Leitern, an denen man zur nächsten Ebene hätte klettern können.
      Futura bog ein Stück weiter vorne von dem Hauptgang auf einen kurzen Steg ab, an dessen Ende ein Aussichtsbalkon war. Von dort konnte man in die große Halle unter ihnen heruntersehen.
      Jake, Eddy und Tracy gesellten sich bereits zu ihr und machten für die beiden Gayaner Platz.
      Zino schaute über die Brüstung in die Tiefe und drehte sich dann zu seinen wartenden Freunden um. „Und was machen wir jetzt auf dem Balkon?“
      Futura lächelte und sparte sich eine verbale Antwort, dafür drückte sie jetzt, als alle bereitstanden, an einer Nummern-Anzeige auf die 3. Mit einem Mal bewegte sich die runde Plattform und schwebte nach oben
      „Whow!“ Der Start kam so unerwartet, daß Zino erst sein Gleichgewicht wiederfinden mußte und Jadcy geistesgegenwärtig wieder fester an sich drückte.
      Eddy hatte sich auf seiner Seite gemütlich mit dem Rücken an das Geländer gelehnt. Jake lehnte mit den Armen auf der Brüstung und sah in die Tiefe.
      Boo musterte eine Anzeige nachdenklich und fragte Futura: „Wieso werden 7 Personen angezeigt? Wir sind doch nur zu sechst!“
      „Das wird wahrscheinlich wegen Tracy kommen.“ mutmaßte die Zukunftsfrau. „Der wird doppelt gezählt!“
      Zino gewöhnte sich schnell an die neue Art zu reisen und stellte begeistert die Ohren auf. „Wow. Ist das eure übliche Fortbewegungsweise?“
      „Hier in den Kaufhausebenen ja.“ bestätigte Futura. „Wenn du nicht zufällig ein Skyboard hast.“ Sie zeigte in eine Richtung, wo ein paar junge Leute in der Mitte der Halle auf einer Art Surfbrett durch die Luft segelten und ihr Können zeigten.
      Zinos Ohren flogen begeistert in die Höhe.
      „Oh-oh…“ kommentierte Boo leise. „Jetzt weiß ich, was er sich noch zu Weihnachten wünscht, wetten?“
      Als sie auf der oberen Ebene ankamen, hatte Zino seinen Spaß an der Schwebeplattform gefunden, und die Fahrt war viel zu schnell für ihn zu Ende.
      Futura führte ihre Gäste über einen Ringgang, bog auf eine Querstrebe ab und kam mit ihnen direkt im Zentrum der Station heraus. Schließlich gingen sie auf eine Tür zu, die offensichtlich zu einem Restaurant gehörte, denn darüber war ein großer, in buntem Licht projizierter, halbrunder Schriftzug, der verkündete: »Ufo-Restaurant«.
      Als sie auf ihr Ziel zugingen, kam ihnen bereits ein Mann entgegen, der ein wenig älter sein mochte als Futura. „Hallo! Ihr müßt Zino und Boo sein! Futura hat mir bereits von euch erzählt!“ begrüßte er die beiden Gayaner. „Ich bin Morrow!“
      Die beiden entgegneten die Begrüßung herzlich.
      Nachdem auch Eddy und Tracy Gelegenheit bekommen hatten, ihren Bruder zu begrüßen, ging Futura voran zu der Tür in der Wand, auf die gerade leuchtende Sterne über einer Winterlandschaft projiziert waren. Jetzt konnte sich Boo auch die feinen weißen Linien erklären, die auf einem blauen Feld neben der Tür herunterflitterten – das waren keine Schneeflockenketten, wie er zuerst gemutmaßt hatte, sondern die Speisekarte des Restaurants. Erstaunt folgte er der Violetthäutigen durch die beinahe unscheinbar wirkende Tür.
      Kaum hatte er die Schwelle übertreten, blieb er überwältigt stehen. Fast war es, als betrete er eine andere Welt. Das Restaurant stellte sich als großer runder Raum mit mehreren Ebenen und Emporen dar, die über verschiedene Treppen und Stege zu erreichen waren. Das war aber noch nicht das beeindruckendste. Der Blick der beiden neuen Gäste in der Zukunft blieb schnell auf den kleinen fliegenden Objekten haften, die überall in der Halle herumflogen.
      Futura sprach derweil den Herrn am Empfang an. „Guten Abend. Ich hatte reserviert auf den Namen Futura, für sieben Personen.“
      „Ja, bitte folgen Sie mir!“ Der Weg führte sie über eine halbrunde Treppe auf eine obere Etage, und dort in eine Art runden Balkon, wo ein Tisch für sie hergerichtet war. „Bitte sehr!“
      Futura lächelte dem Mann zu. „Vielen Dank!“
      Die Gruppe suchte sich ihre Sitzplätze, mit Ausnahme von Zino, der mit Jadcy an dem Geländer stand, und völlig überwältigt in den Raum darunter schaute. Von hier konnte man die vielen Tische mit den Gästen überblicken. Aus den Fenstern konnte man das Weltall sehen, und an der Decke wechselten sich projizierte Sterne, Tannenbäume und andere weihnachtliche Bilder ab. Jetzt zu Weihnachten waren an vielen Stellplätzen kleine Weihnachtsbäume oder Gestecke aufgestellt, und die Ufos trugen Weihnachtsmützen.
      „Willst du gar nichts essen, Zino?“ erkundigte sich Jake schmunzelnd.
      Der blonde Gayaner wachte mit Zeitverzögerung aus seinen Gedanken und setzte sich mit einem verlegenen Lächeln zu den anderen an den Tisch. Liebevoll setzte er Jadcy vor sich auf die Tischkante.
      „Von hier hat man einen wundervollen Überblick.“ erklärte Futura lächelnd. „Das Essen wird in den kleinen Ufos serviert. Die fliegen direkt an den Tisch.“
      Die Ghostbuster und Morrow genossen es, als die Augen der Gayaner noch größer wurden.
      Futura hatte sich taktisch neben Zino gesetzt und zeigte ihm, wie er die Karte bedienen mußte. Morrow erklärte es für Boo. Futura lehnte sich etwas zu Zino herüber. „Du mußt nur hier auf die Schaltfläche drücken…“ Als sie es demonstrierte, öffnete sich eine virtuelle Karte. „… und kannst dann durch das Angebot blättern. Du kannst dir dein Menü ganz individuell zusammenstellen. Und wenn du fertig bist, bestätigst du einfach hier!“
      Zinos Ohren spielten aufgeregt. „Das ist ja so wie bei dem Datenkristall!“
      „Ja, das Prinzip ist das gleiche.“ bestätigte Futura.
      „Aber kommt denn da gar keiner mehr an den Tisch und nimmt die Bestellung auf?“ erkundigte sich Boo.
      „Nein, das wird alles digital übermittelt.“ erklärte Morrow.
      Zinos Augen verfolgten eine der fliegenden Untertassen gedankenvoll, bis er Morrow wieder ansah. „Aber in der Küche arbeiten schon noch echte Leute… oder?“
      Die beiden Zukunftsmenschen lachten. „Ja, sicher!“
      Beeindruckt schaute Zino sich wieder die Karte an. „Wow, wie viele Pastasorten es hier gibt!“
      „Und er ist noch nicht bei den Pastasaucen angelangt…“ kommentierte Boo, der schon einen Schritt weiter war.
      Futura und Morrow hatten sich schnell entschieden. Auch Tracy war rasch fertig – er hatte als Schlagwort den Begriff »Banane« eingegeben, und sich einen Bananenauflauf zusammengestellt.
      Jake und Eddy brauchten erfahrungsgemäß etwas länger, doch mit der Hawaii-Pizza für Jake und einem Thunfischburger für Eddy waren auch sie bald fertig mit der Auswahl.
      Boo brauchte gar nicht lange, um sich zu entscheiden, er hatte sich eine Gemüseplatte mit Hollandaise zusammengestellt.
      Zino blätterte noch immer völlig fasziniert durch die Karte, war mal bei den Nudeln, mal bei den Kartoffelbeilagen, dazwischen landete er in der Rubrik »Reis«, und konnte sich da bereits nicht entscheiden.
      Die anderen warteten geduldig. Wie erwartet kamen Morrow, Tracy und Boo schnell in’s Gespräch und verfielen bald schon in Fachsimpeleien. Futura unterhielt sich mit Eddy und Jake.
      Zino nahm die Trikolore-Nudeln in seine Auswahl rein, löschte sie wieder und nahm dafür die Botai-Nudeln. Dann entdeckte er die Mandelkroketten, und wechselte sie mit den Botai-Nudeln aus. Als ihm der Wildreis in’s Auge sprang, löschte er die Kroketten, ging aber vorsichtshalber noch mal zu der Pasta zurück.
      „Zino, du hältst den ganzen Laden auf!“ beschwerte sich Eddy irgendwann.
      „Sorry. Ich kann mich nicht entscheiden!“
      „Sollen wir vielleicht dein Menü zusammenstellen?“ fragte Jake, der langsam auch hungrig war.
      „Du kannst auch ein Überraschungsmenü bestellen.“ erklärte Futura. „Dazu mußt du nur auf den Button drücken…“ Sie lehnte sich zu Zino herüber und zeigte es ihm. „Du kannst hier auswählen, ob Vorspeise, Hauptgericht oder Dessert, was du gar nicht haben willst, und ob du es vorher wissen willst.“
      Zino stellte die Ohren interessiert auf. „Das probiere ich mal aus!“ Mit der Auswahl der Sachen, die er nicht mochte, war er schnell fertig – das erste, was er abgehakt hatte, waren Mangos. Stolz schickte er seine Bestellung ab.
      Jake atmete erleichtert durch. „Gott sei Dank! Ich dachte schon, das gleiche Drama erwartet uns noch beim Fleisch, der Gemüsebeilage und der Sauce.“
      „Und stell dir vor, die Pasta hätte dann nicht mehr zur Gemüsebeilage gepaßt!“ lachte Futura.
      „Ja, oder Zino hätte sich doch noch für eine Pizza entschieden, und alles wäre von vorne losgegangen!“ grinste Eddy.
      Wie auf Stichwort knurrte Jakes Magen.
      Mittlerweile waren die drei Erfinder so in Fachgespräche vertieft, daß keiner sie stören mochte. Dafür erzählte Futura Zino etwas über die Station und über die Zukunft. Auch Eddy und Jake hörten gebannt zu, und Jadcy schaute interessiert zu ihr hoch.
      „Gibt es Gaya in der Zukunft denn auch noch?“ erkundigte sich Zino aufgeregt.
      „Ja, natürlich!“ erwiderte Futura wie selbstverständlich.
      „Und wie… wie sehen die Gayaner aus der Zukunft aus? Haben die dann auch violettes Fell?“
      Eddy lachte laut los. „Zino! Tut mir leid, aber das ist doch eine zu lächerliche Vorstellung!“
      Zino rollte etwas verschämt die Ohren ein.
      Futura lachte nicht. „Lach ruhig weiter, Eddy, Zino hat Recht!“
      Eddy verschluckte sich fast, bevor er überhaupt sein Essen bekommen hatte. „Was…?“
      „Du darfst nicht vergessen, daß es einen Grund hat, warum sich das Erscheinungsbild der Zukunftsmenschen - wie ihr sie nennt - geändert hat! Das hat etwas mit atmosphärischen Veränderungen zu tun, die sich über die Jahrhunderte ergeben haben, und davon sind die Gayaner auch betroffen!“
      „Und die haben…“ Eddy giggelte noch immer vor sich hin. „Die haben echt violettes Fell?“
      Jake stieß seinem Kumpel in die Rippen.
      „Es ist ein sehr angenehmes Violett!“ erklärte Futura, fast schon ein wenig pikiert. „Nachdem ich Zino kennengelernt habe, habe ich ein bißchen recherchiert. Die Gayaner haben eine sehr analoge Entwicklung zu uns durch, und dadurch auch die violettlastige Haut- und Fellfarbe.“
      „Wow…“ Zino staunte die Erzählerin fasziniert an. „Ich würde gerne mal so einen Gayaner kennenlernen.“
      „Dann besuch‘ mich doch irgendwann mal. Dann schaffen wir das sicher!“ lächelte Futura.
      „Ich glaub’ das alles nicht…“ murmelte Eddy vollkommen aus dem Konzept gebracht.
      Jake konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.
      „Ähm…“ Futura zeigte auf Jadcy. „Ich würde sie jetzt nicht unbedingt dort sitzen lassen!“
      Zino reagierte sofort wie aus einem Reflex heraus und nahm sie auf den Schoß. Wie gut er daran tat, merkte er einen Augenblick später.
      Mit einem Mal kamen mehrere Ufos an ihren Tisch geflogen, schwebten niedriger und paßten sich in die Andockstationen auf dem Tisch ein. Im ersten Moment erschrak Zino, als sein Teller und das Ufo mit seinem Getränk vor ihm landeten. Doch der Schreck wandelte sich schon bald in pure Faszination um. Es war ein Erlebnis, vor allem für die neuen Gäste, die Ufos auf ihren Platz schweben zu sehen.
      Nun verlagerte sich die allgemeine Aufmerksamkeit erst einmal auf das Essen.
      „So, und jetzt sind wir alle ganz gespannt, was Zino bekommen hat!“ bemerkte Futura.
      Als das Ufo sein Geheimnis lüftete, musterte Zino seinen Teller neugierig. Was er bekommen hatte, sah aus wie ein riesiger Smiley. Er identifizierte es als ein überbackenes Schnitzel mit zwei Ananasscheiben und einer halben Banane, die zusammen das Gesicht ergaben, und einer Bohnenbeilage, die so angeordnet wie die Haare des Smileys wirkten.
      Tracy konnte sich als erster nicht mehr halten vor Lachen.
      „Was bin ich froh, daß ich die Mangos abgehakt habe…“ entfuhr es Zino erleichtert.
      Amüsiert wandten sich die Freunde ihrem Essen zu.
      „Und, bereust du es, die Wahl dem Zufall überlassen zu haben?“ fragte Boo nach einer Weile grinsend.
      Zino schüttelte mit vollem Mund den Kopf. „Daph ipht phantaphtiph!“
      Das nächste Highlight nach einem wundervollen Essen war, als die Ufos zurückkehrten und das benutzte Geschirr einsammelten. Futura hatte Boo und Zino gezeigt, daß sie dazu nur den Abräumbutton im virtuellen Menü zu betätigen brauchten. So wie zu Beginn kehrten die nun leeren Ufos zurück und sammelten das benutzte Geschirr von den Andockstationen ein.
      Eddy beobachtete schmunzelnd, wie Zino und Jadcy einem der Ufos nachsahen. „Kann es sein, daß deine Jadcy auch gerne mal mit so einem Ufo fliegen würde?“
      Zino schaute abrupt nach unten zu seinem Bärchen, das mit seelenvollen Lächeln zu den Ufos hinaufschaute, kippte etwas die Ohren ab und zog sie unwillkürlich fester zu sich heran.
      „Ah, da will der Papa nicht loslassen!“ kommentierte Boo amüsiert, und fing sich damit eine Grimasse von Zino ein.
      Futura ließ ihren Freunden Zeit, das Schauspiel mit den Ufos eine Weile zu genießen, bis ihre eigenen aus der Sicht verschwunden waren.
      Anschließend schlug sie die Hände ineinander. „So, wer möchte noch ein Dessert?“
      „Also, ich nehme auf jeden Fall ein Dessert!“ bestimmte Eddy.
      Zino stellte euphorisch die Ohren auf. „Dessert geht immer!“
      Die Freunde riefen gleichzeitig auf: „Oh, guck am besten gar nicht erst, was es gibt!“ – „Nimm gleich das Überraschungsdessert!“
      Zino ließ demoralisiert die Ohren hängen, kam der Aufforderung aber nach, und hakte sorgfältig noch einmal die Mangos ab.
      Schließlich kamen die Dessert-Ufos an den Tisch, was insbesondere für Eddy jedes Mal ein kleines Highlight war, denn diese sahen aus wie kleine Orion-Raumschiffe. Der Landeschacht wurde ausgefahren und offenbarte das Dessert, das sachte an seinen Platz gestellt wurde.
      „Was hast du bekommen, Zino?“ erkundigte sich Futura.
      „Ich weiß nicht, aber es sieht lecker aus!“
      Boo betrachtete die weiße, sahnige Creme schmunzelnd. „Das könnte jetzt letzten Endes auch Holzkleber sein, alles ist gut, solange es keine Mangos sind!“
      „Na na na na!“ kommentierte Zino und probierte. „Hm, ich weiß wirklich nicht, was es ist, aber ich bin mir sicher, es ist kein Holzkleber!“
      Die Freunde lachten herzlich.
      Als sie fertig waren, holten die Orionraumschiffe die leeren Teller, Gläser und Schalen wieder ab. Eddy sah ihnen sehnsüchtig nach, als hätte er am liebsten eines behalten.
      „Und wie läuft das mit dem bezahlen?“ fragte Boo wißbegierig.
      „Wir zahlen ja schon lange nur noch digital.“ erklärte Futura. „Man kann zwar noch alle Währungen vorne am Tresen umwandeln lassen, aber das ist praktisch nur noch für Besucher interessant. Wir hier lassen alles über ein sogenanntes Cash-Konto laufen.“ Sie rief wieder das Menü auf. „Hier kann man seinen Kontocode eingeben und eine Auswahl treffen… Hier bestätigt man mit seiner digitalen Unterschrift… Und damit wäre alles bezahlt! Ihr seid nämlich eingeladen!“
      Die beiden Gayaner stellten überrascht die Ohren auf. „Hey, vielen Dank!“
      Eddy lehnte sich zu Futura herüber. „Sag‘ mal,… könnte man auf diesem Wege nicht auch so eine Orion kaufen…?“
      Futura lächelte entschuldigend. „Ich glaube, das geht nicht, Eddy…“

Nach dem Essen teilten sich die Freunde in zwei Gruppen auf: Die Erfinder wollten sich bei Morrow zu weiteren Fachsimpeleien treffen, und Futura ging mit dem Rest der Jungs und Jadcy über die Station.
      „Und wo wohnst du hier?“ erkundigte sich Zino.
      „Oh, ich wohne gar nicht hier.“ erklärte Futura. „Ich bin nur zu Weihnachten bei meinem Bruder. Ich wohne in dem Ghostkommando dieser Zeit – das zeige ich euch noch mal zu einer anderen Gelegenheit, dazu brauchen wir ein bißchen Zeit.“
      „Und was machen wir jetzt?“ fragte Eddy neugierig.
      „Was immer ihr wollt! Wenn ihr etwas spezielles hier auf der Station sehen wollt, dann habt ihr jetzt die Gelegenheit dazu.“ Sie sah insbesondere Zino an, der das erste Mal hier war.
      „Tja, was gibt es denn hier alles schönes?“ fragte der etwas überfordert.
      „Frag‘ den Service-Roboter dort doch mal, wo es die Skyboards gibt!“ schlug Jake vor.
      Zino ließ die Ohren sinken. Offenbar waren ihm die Service-Roboter spätestens seit seiner ersten Anfrage suspekt.
      „Skyboards kaufen kann man in »Ka-Leits Sporthandel« auf dieser Ebene.“ gab der Service-Roboter unaufgefordert Auskunft. „Skyboards leihen kann man bei »Wombat‘s« im Erdgeschoß. Bitte treffen Sie eine Auswahl.“
      Jake und Zino wechselten einen Blick. Die Ohren des Gayaners spielten aufgeregt. „Hast du schon mal auf so einem Ding gestanden?“
      „Ich habe das mal ausprobiert. Das ist cool! – Wollen wir das mal hier austesten?“
      Zino stellte die Ohren synchron zu seinem begeisterten Lächeln auf. Sein Blick fiel bald automatisch auf Eddy. „Machst du auch mit?“
      Der trat ein paar Schritte rückwärts und machte eine abwehrende Geste. „Keine Chance! Ich gucke euch gerne zu.“
      Futura lächelte und betätigte die Auswahl B auf dem virtuellen Menü des Service-Roboters. Auf dem Boden erschienen hellblau leuchtende Pfeile, die in die Richtung zeigten, aus der sie gerade gekommen waren. Sie verfolgten die Pfeile, bis sie auf eine der Schwebeplattformen zeigten. Nun ging es zwei Ebenen abwärts. Dort wiesen ihnen die Pfeile weiter den Weg, bis sie bei »Wombat’s SportCenter« ankamen.
      Zino blieb erstaunt vor der virtuellen Angebotstafel stehen. Hier konnte man sich neben Skyboards noch viele andere Dinge ausleihen, zum Beispiel Rollschuhe oder Skateboards. „Schlittschuhe kann man hier auch bekommen?“ entfuhr es ihm verwundert.
      „Ja!“ Futura deutete auf den Hallenboden. „Der Boden kann synthetisch eingefroren und so zu einer Eislaufbahn gemacht werden.“ Sie deutete auf einen anderen Eintrag, wo »Minigolf« stand. „Und der Platz hier läßt sich in einen Minigolfplatz mit fünf verschiedenen Schwierigkeitsgraden transferieren.“
      „Wow!“
      Jake wartete bereits am Eingang.
      Als die anderen zu ihm aufgeschlossen hatten, schaute Zino sich rasch nach Eddy um und fragte verlegen: „Magst du Jadcy solange nehmen?“
      „Wie, willst du ihr den Spaß nicht gönnen?“ fragte Jake mit einem herausfordernden Schmunzeln.
      Zino senkte etwas die Ohren. „Dafür ist sie noch zu jung!“
      Futura lachte herzlich. „Na, das hätte Boo jetzt nicht hören dürfen, dann hätte es wieder einen Kommentar gegeben, Papa!“
      Zino nahm es gelassen. „Jetzt geht es erst mal zu deinem Pflegepapa. Okay, Jadcy?“ Er drückte ihr einen Kuß auf’s Fell und gab sie dann in Eddys Obhut, der sie gerne bei sich aufnahm. Anschließend gingen Jake und Zino zusammen mit Futura in den Laden.
      Wombat stellte sich als großer, kräftiger dunkelhaariger Außerirdischer mit einer Rüsselnase dar, zu dem selbst Zino noch aufblicken durfte. Die Weihnachtsmütze ließ die Erscheinung des Mannes hinter dem Tresen für den ortsunkundigen Gayaner noch grotesker wirken. Dafür fiel er selbst hier mit seinen großen Ohren gar nicht auf.
      Jake erkundigte sich bereits nach den Skyboards, und Wombat zeigte ihnen die Bretter, die aktuell ein festliches Weihnachtsdesign hatten. Jake suchte sich ein Board mit einer Sternschnuppe aus, während Zino bereits sein Augenmerk auf das Board mit den Rentieren gelegt hatte.
      Als Futura mit den beiden Jungs wieder rauskam, hatte Eddy sich ein futuristisches Regenbogeneis besorgt und kam ihnen mit Jadcy im Arm entgegen.
      „Wir warten dann hier auf euch!“ lächelte Futura.
      Jake und Zino nickten. Die beiden blonden Jungs gingen mit ihren Skyboards zu dem Platz, der als Startposition vorgesehen war.
      Zino versuchte, sich aufmerksam an die Unterweisung von Wombat zu erinnern. Man mußte das Board durch das Treten auf das Aktivierungssymbol an der Seite aktivieren. Das war noch recht einfach. Das Board hob ein kleines Stück vom Boden ab. Nun konnte man das Board, wenn man darauf stand, durch verschiedene andere Symbole, sowie durch Körperhaltung und Verlagerung des Gewichts steuern.
      Während Zino die ersten zaghaften neugierigen Schritte auf das Board machte, mußte Jake sich erst einmal wieder in das System reinfinden. Dafür hatte er es einfach zu lange nicht mehr gemacht, und auch nur einmal ausprobiert, so daß von »Können« noch keine Rede sein konnte.
      Von weiter oben segelte plötzlich ein junger Zukunftsmann elegant zu ihnen herunter. „Seid ihr das erste Mal auf einem Skyboard?“
      Zino nickte.
      Der junge Mann mit der violetten Hautfarbe und dem extravaganten Haarschnitt schwebte ganz zu ihnen herunter. „Ich kann euch ein paar gute Einsteigertips geben, wenn ihr wollt.“
      Zino stellte freudig überrascht die Ohren auf.
      Jake nutzte die Situation sofort und klinkte sich gleich mit ein.
      „Allegro!“ stellte sich der Skyboarder vor und reichte Zino die Hand.
      „Zino!“ stellte der Gayaner sich seinerseits vor.
      „Jake!“ zog der Ghostbuster nach, als Allegro ihm ebenfalls die Hand reichte und verbiß sich taktisch zu erwähnen, daß er schon mal auf einem Skyboard gestanden hatte.
      „Okay, paßt auf! Es sieht schwieriger aus, als es ist! Seid ihr schon mal Skateboard gefahren?“
      Jake nickte eifrig, während Zino Allegro fragend ansah. „Was ist Skateboard?“
      Jake zeigte nach oben. „Die Dinger mit Rollen auf dem Boden.“
      Zinos Ohren stellten sich begeistert auf. „Ah, Supergeschwindigkeitsrollbretter! Ja, das kann ich!“
      „Sehr gut! Dann könnt ihr es ja schon fast! Nur, daß es jetzt nicht nur auf dem Boden, sondern auch in die Höhe geht!“ Aufmerksam erklärte er seinen beiden Schülern die ersten Grundlagen.
      Eddy und Futura beobachteten es von der Bank aus, auf der sie sich zum Zuschauen niedergelassen hatten.
      „Das dürfte richtig was für Zino sein, da wette ich drauf.“ lächelte die Zukunftsfrau.
      „Wahrscheinlich kauft er sich danach auch gleich so ein Ding.“ befürchtete Eddy, der nun die Arme um Jadcy gelegt hatte, während sie ihrem Papa mit einem Lächeln zusah. „Hauptsache, er läßt mich damit in Ruhe, es auszuprobieren!“
      Futura grinste. „Das ist gar nicht so schwer. Man muß ja nicht gleich solche wilden Kunststücken machen wie die da oben.“
      „Kannst du das?“ Eddy deutete auf die Skyboards.
      „Ein bißchen. Für mich ist es aber auch nicht ganz so schwierig, weil ich ohnehin fliegen kann.“
      „Beneidenswert!“ kommentierte Eddy und beobachtete seine zwei Freunde, sie gerade ihr Gleichgewicht auf dem Board austaxierten.
      Der Skyboarder, der ihnen zu Hilfe gekommen war, erklärte ihnen einiges, und Futura und Eddy konnten beobachten, wie sie allmählich sicherer wurden.
      „Ich würde gerne mal Tracy auf so einem Board sehen.“ gestand Eddy.
      Futura lachte. „Das macht er bestimmt ganz toll!“
      „Was unsere Erfindertruppe wohl gerade so macht…“ sinnierte der brünette Ghostbuster.
      Futura grinste. „Die haben bestimmt eine Menge Spaß…!“

Morrow führte seine zwei Gäste in seine Arbeitsstation, und nahm sie zuerst mit in seine Werkstatt. Boo schaute sich aufmerksam um. Obwohl bei Morrow - wie wohl bei allen Erfindern - ein ebenso sorgfältiges Chaos herrschte, wie bei Tracy und ihm, wirkte es wieder ganz anders, und hier noch auf eine futuristische Art besonders.
      „Das hier ist mein neuestes Projekt!“ Morrow nahm eine Abdeckung von einer seiner Arbeiten.
      Tracy und Boo kamen neugierig näher.
      „Was ist das?“ fragte Boo, als er die beiden Stützen betrachtete, die durch eine Wäscheleine miteinander verbunden waren, welche wiederum durch eine Box in der Mitte führte. Die Wäscheleine konnte durch einen Seilzug automatisch in Bewegung gesetzt werden.
      „Das ist ein Kleideranpasser!“ erklärte Morrow stolz. „Wenn man ein Kleidungsstück hat, das nicht paßt, kann man es hier einfügen…“ Zur Demonstration hängte er einen Pullover mit einem Weihnachtsmuster auf die Wäscheleine. „… über dieses Menü kann man sagen, was geändert werden soll…“ Rasch machte er ein paar Eingaben. Zum Schluß betätigte er einen Schalter, und die Maschine ratterte los. „… und den Rest erledigt die Maschine selbst.“
      Die drei beobachteten, wie die Wäscheleine in Bewegung geriet und der Pullover in die Station in der Mitte einfuhr. Dann hörte man ein Geräusch wie von Stricknadeln. Nach einem Moment kam das Kleidungsstück auf der anderen Seite mit den gewünschten Änderungen wieder heraus.
      Tracy und Boo nickten anerkennend.
      „Die Maschine strickt, webt oder näht alles nach den eingegebenen Vorgaben um. Sofern Material fehlt, weil etwas größer sein soll als vorher, werden die Materialien synthetisch während der Prozedur hergestellt.“
      „Sehr interessant!“ bemerkte Tracy konzentriert.
      „Ich bin noch nicht ganz mit der Programmierung fertig.“ erzählte Morrow, als er die Maschine wieder abschaltete. „Ich möchte noch die üblichen Konfektionsgrößen hinterlegen, damit man die über eine Schnellwahl auswählen kann.“
      „Großartige Idee!“ bestätigte Tracy.
      „Vielleicht kann man ja auch eine Kombinationsauswahl machen, um zu den Standardgrößen noch spezielle Anpassungswünsche eingeben zu können.“ überlegte Boo.
      „Das ist eine gute Idee.“ bestätigte Morrow gleich.
      „Hm… Vorausgefüllte Belege mit Änderungs- und Zusatzoption!“ warf Tracy ein.
      „Genau, wenn man bei den Konfektionsnummern die Standardwerte hinterlegt, könnte man ein Formularfeld generieren, in das sich bei der Auswahl der Konfektionsgröße die Werte schon mal selbsttätig einfüllen, welche man dann aber noch individuell anpassen und ergänzen kann!“ stieg Boo gleich darauf ein.
      „Das ist großartig! Wartet, jetzt muß ich mir gerade mal ein paar Notizen machen!“ Aufgeregt wirbelte Morrow herum, um sich ein Schreibpad zu besorgen.
      Tracy und Boo wechselten ein Grinsen.

Zino hatte den Dreh auf dem Skyboard schnell raus, und seine helle Freude daran. Fast schon begeisterte er sich noch mehr dafür als Jake. Mittlerweile versuchten sie sich ihn ihrem Können zu übertreffen und wurden in der Gruppe der Skyboarder freudig mit aufgenommen.
      Als die gebuchte Zeit abgelaufen war, segelten die beiden zu Eddy und Futura herunter. Zino ließ jetzt bereits die Ohren hängen. „Können wir nicht noch eine Stunde dazubuchen?“
      Futura grinste. „Wir haben heute aber nicht mehr so viel Zeit! Wenn wir noch gemütlich mit den anderen zusammensitzen wollen, sollten wir uns langsam auf den Weg machen, und ich möchte euch noch etwas anderes zeigen. – Du kannst aber jederzeit zum skyboarden herkommen, dann kannst du auch mal einen ganzen Tag buchen.“
      Seine Ohren stellten sich leicht wieder auf. Rasch brachten er und Jake die Boards zurück und gesellten sich dann wieder zu ihren Freunden. Freudig nahm Zino Jadcy von Eddy entgegen. „Na, hast du mich vermißt?“
      „Natürlich hat sie dich vermißt!“ lächelte Eddy.
      Jake quittierte es, indem er schmunzelnd den Kopf schüttelte.
      Zino nahm Jadcy wieder in die Arme und wandte sich zu Futura um, so daß sie nun gemeinsam weitergehen konnten. „Jetzt weiß ich, was ich das nächste Jahr auf meinen Wunschzettel schreibe!“ sinnierte er.
      Eddy atmete leicht auf. „Das ist eine gute Idee!“

Die drei Bastler hatten noch einiges an Ideen zu der neuen Erfindung zusammengetragen, die Morrow förmlich in Ekstase versetzten. Zusammen schauten sie auf das Pad, und der Erfinder aus der Zukunft schrieb sich rasch alles auf, was Boo und Tracy eingebracht hatten, bis er das Pad zufrieden beiseite legte. „Irgendwann müssen wir drei mal ein Projekt zusammen machen!“ schlug Morrow euphorisch vor.
      „Oki Doki!“ bestätigte Tracy begeistert.
      „Sagt mir nur, wann’s losgehen soll!“ grinste Boo.
      „Prima! Laßt uns das mal in Ruhe besprechen. Kommt mit, jetzt kommt der gemütliche Teil.“ Morrow winkte die beiden einen Raum weiter, der wie eine wissenschaftliche Station aussah. Hier gab es auch eine futuristische, elegante Sitzecke. „Ich habe hier noch etwas exklusives!“ Morrow nahm die Verkleidung einer Konsole ab und holte zu Boos Überraschung eine Flasche Weihnachtspunsch hervor.
      Tracys Augen weiteten sich begeistert. „Mega Oki Doki!“
      Morrow stellte drei Gläser auf den Arbeitstisch.
      „Oh, für mich nicht.“ wehrte Boo gleich ab. „Ich hatte schon den Cocktail beim Essen…“
      „Ach was. Ein Gläschen schadet nicht, und der ist wirklich gut!“ Morrow füllte die Gläser und verteilte sie an seine Kollegen.
      Gemütlich ließen sie sich in der Sitzecke nieder und fachsimpelten weiter, während sie den Tag ausklingen ließen, Punsch tranken und auf die anderen warteten.

In der Zwischenzeit ging Futura mit Jake, Eddy, Zino und der kleinen Jadcy weiter über die Raumstation. Zino kam aus dem staunen gar nicht mehr heraus.
      Das Highlight bildete die große Aussichtslounge, von der aus man direkt in den Weltraum schauen konnte.
      „Wow!“ Zino blieb an dem großen Panoramafenster stehen und beobachtete fasziniert die Raumschiffe, die vorbeiflogen und sich hin und wieder von dem Landeleitstrahl in einen Hangar einwiesen ließen, oder von dort starteten. „Schau mal, Jadcy, richtige Raumschiffe!“
      Futura blieb lächelnd bei Jake und Eddy stehen. „Ich wußte, das würde ihm gefallen!“
      „Es hätte mich erstaunt, wenn nicht!“ bemerkte Jake. „Es fasziniert mich auch immer noch, wenn ich hier herkomme.“
      Das skyboarden schien eine Weile vergessen, und irgendwann hatten die drei Mühe, den Gayaner von dem großen Panoramafenster wieder loszueisen – schließlich löste er sich aber doch von dem phantastischen Anblick, um mit seinen Freunden zurück zu dem Rest der Truppe zu gehen.
      „Du kannst jederzeit zu uns zu Besuch kommen!“ erinnerte Futura noch mal. „Wenn du das nächste Mal hier bist, dann buchen wir einen ganzen Tag skyboarden und gehen anschließend in die Lounge, damit du es richtig genießen kannst, okay?“
      Als der Gayaner die Ohren aufstellte, setzte Eddy nach: „Ja, und Jadcy bringst du an dem Wochenende bei mir vorbei! Dann kann ich etwas mit ihr zusammen unternehmen, und sie ist auch mal allein von zu Hause raus.“
      „Das würdest du machen?“ erkundigte sich Zino atemlos.
      „Ja, sicher!“ entgegnete Eddy und lächelte. „Ich bin doch ihr Pflegepapa!“
      „Na, dann ist das ja schon mal geregelt!“ lachte Jake.
      „Ja, ihr macht das echt gut!“ lächelte Futura. „Ihr seid wirklich sehr verantwortungsbewußt, daran können sich andere mal ein Beispiel nehmen. – Aber, Zino, du kannst sie gerne auch mal allein zu Hause lassen. Dadurch wird sie um so selbständiger.“
      Zino spielte unschlüssig mit den Ohren, als mochte er davon noch gar nichts hören, aber weniger, weil er ihr nicht vertraute, sondern eher, weil er wußte, daß er sie vermissen würde.
      „Du mußt ja nicht sofort damit anfangen.“ lenkte Futura ein. „Aber irgendwann solltest du es probieren. Das ist auch gut für ihr Selbstbewußtsein.“
      „Okay…“ erwiderte er zögerlich.
      „Ach, das kommt schon von ganz allein.“ war Jake sich sicher und bog automatisch in den Korridor ab, der zur Erfinderwerkstatt von Futuras Bruder führte.
      Bei Morrow angekommen, betätigte Futura das Türsignal vergebens. „Das ist ja komisch. Morrow sagte doch, wir wollen uns hier treffen! Naja, wer weiß, wo die drei noch unterwegs sind.“ Sie öffnete die Tür mit ihrem Gastzugang. „Dann warten wir eben hier auf sie.“ Sie führte ihre Freunde durch die Werkstatt in den Wissenschaftsbereich, in dem sie sich von ihren Assistenzarbeiten bei Morrow gut auskannte. In der Tür blieb sie jedoch abrupt stehen und schnappte nach Luft.
      Die Jungs schoben sie etwas zur Seite, um sich einen Überblick zu verschaffen. Sie alle trauten ihren Augen kaum. Morrow lag desolat und halb bei Bewußtsein in seinem Sessel, Tracy hing rücklings kopfüber stöhnend von seinem Sitz auf dem Sofa herunter und Boo lag platt an der Erde und erweckte den Anschein, sich im nächsten Moment übergeben zu wollen. Auf dem Tisch und auf dem Boden sammelten sich leere Punschflaschen.
      Futura hatte Mühe, sich aus ihrer Fassungslosigkeit zu sammeln. „Was ist denn hier passiert…?“
      „Hi, Sis…“ begrüßte Morrow sie lallend.
      Jake beobachtete den Gorilla sorgenvoll. „Tracy, alles in Ordnung?“
      Tracy hob schwerfällig eine Hand. „Tragt mich…“
      Eddy und Zino grinsten sich an, und schlugen mit einem High Five ab.
      Futura war indes an dem Punkt angelangt, an dem sich ihre Empörung Platz machte. „Das ist doch wohl nicht euer Ernst! Ist das etwa das, was ihr euch unter einem gemütlichen Abend vorstellt? Ihr seid doch nicht mehr ganz bei Trost!“
      „Will nur noch sterben.“ murmelte Boo.
      „Also… Das glaube ich jetzt einfach nicht!“ Futura war noch nicht fertig damit, sich aufzuregen. „Da will man einen gemütlichen Abend mit seinen Freunden verbringen, und dann so etwas!“
      Zinos Ohren spielten aufmerksam, während er Jadcy diplomatisch so hielt, daß sie sich das Elend nicht anzusehen brauchte. „Kann ich jetzt doch noch eine Stunde skyboarden buchen?“

*~. Merry Christmas, Zino! .~*
*~.~*
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