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.*~°~*. Weihnachten mit Eddy und Zino

von - Leela -
CrossoverFreundschaft / P12 / Gen
01.12.2017
26.12.2017
26
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12.12.2017 3.951
 
.~*~.
.~* Dienstag *~.
.~* 12. Dezember 2017 *~.
.~* Adventskalendertürchen 12 *~.

Besuch beim Kaufhausweihnachtsmann

Eddy schaute zum wiederholten Male ungeduldig auf die Uhr, auch wenn er wußte, daß Zino noch ein paar Minuten hatte bis zum verabredeten Zeitpunkt.
      Jake beobachtete es schmunzelnd, während er sich einen Cappuccino machte. „Wollt ihr heute noch mal in die Stadt?“ erkundigte er sich.
      „Ja, aber nicht auf den Weihnachtsmarkt.“ erklärte Eddy. „Heute wollen wir in’s Kaufhaus. Wir müssen doch einmal beim Kaufhausweihnachtsmann vorbeischauen.“
      Unwillkürlich elektrisierte sich alles in Jake. In böser Erinnerung an seine Erlebnisse aus dem letzten Jahr drehte er sich zu seinem Kumpel um. „Eddy! Weder du, noch Zino bringen das richtige Gewicht mit, um sich auf den Schoß des armen Mannes zu setzen! Hast du das verstanden?!“
      Eddy verdrehte die Augen. „Ja, Papa, ich erinnere mich noch gut, was das letzte Mal passiert ist, deswegen möchte ich Zino trotzdem den Kaufhausweihnachtsmann zeigen…!“
      Jake entspannte sich etwas. „Das darfst du ja auch.“ Er lehnte sich mit seinem Cappuccino an die Arbeitsfläche und sah seinerseits zur Uhr. Hoffentlich hielt Eddy die letzte Viertelstunde noch aus, bis er Zino in die Kaufhauswelt entführen konnte.
      Sein Freund lief gedankenverloren wartend durch die Küche. Plötzlich fiel dem Brünetten etwas ein. „Hey, Jake! Was hältst du davon, wenn wir mit Zino mal wichteln?“ schlug er vor. „Mit uns drei, Futura und ihm lohnt es sich ja schon richtig!“
      „Ja, das ist eine nette Idee.“ stimmte Jake begeistert zu.
      „Ich wette, Zino kennt das gar nicht.“ war Eddy sich sicher.
      „Wenn die Gayaner nicht zufällig so etwas ähnliches machen, sicher nicht.“ stimmte der Teamführer zu. „Wollen wir Schrottwichteln machen, oder schöne Sachen?“
      Eddy schaute unschlüssig. „Es ist Zinos erstes Wichteln – da sollten wir nicht gleich mit Schrottwichteln anfangen. Wir wollen ihn doch nicht gleich wieder verschrecken! – Ich wäre für eine Zwischenvariante: Jeder schaut mal, was er nicht mehr gebrauchen kann und bringt das mit.“
      Plötzlich hörten die Jungs Gepolter vom Flur, der zum Skelevator führte, und einen latenten Aufschrei. Die beiden horchten erschrocken auf und liefen sofort ohne jede Absprache dem Skelevator entgegen.
      Eddy schnappte nach Luft. „Der Skelevator ist über das Ziel hinausgeschossen…“
      „Bitte?“ Jakes Stimme überschlug sich fast. „Aber wie geht das denn? Ich dachte, die oberen Ebenen sind für Fremde gesperrt! Der Skelevator muß doch wissen, daß Zino hier aussteigen muß!“
      Eddy machte eine hilflose Geste. „Ich weiß auch nicht…“
      Jake drückte hastig auf die Kontrolle. „Komm schon, Skevi, schick ihn wieder runter!“
      Der Skelevator kicherte.
      „Du hast ihn jetzt nicht bis in die Umkleidestrecke befördert!“ warnte Jake.
      Skelevator kicherte noch immer…

Stockwerke höher gingen gerade die Türen auf, und Zino schrie im Affekt auf. Obwohl er eigentlich keine Höhenangst hatte, hatte er nicht mit einer bodenlosen Tiefe gerechnet, die sich unter ihm auftat. Ehe er noch zum Nachdenken kam, fuhr ein Greifarm auf ihn zu und hob ihn aus der Skelevatorkabine.
      „Whohoo…“ Diesmal hatte seine Stimme einen eher verunsicherten als euphorischen Klang – und dies steigerte sich noch, als er plötzlich in das Energienetz geschleudert wurde. Keuchend versuchte er, sich zu sammeln, da knisterte Energie über sein Fell, und kurz darauf hing er lediglich noch in Unterhosen gekleidet da. Als er registrierte, was gerade passiert war, kippten seine Ohren verschämt nach unten. Unwillkürlich fühlte er die Verlegenheitsröte in die Wangen steigen. „Was, bei Gaya, geht denn hier vor…?“
      Auf dem Förderband neben ihm griff plötzlich eine weitere Hand heraus, pflückte ihn aus dem Energienetz und bot ihm fließend einen bequemen Sitzplatz, während das Förderband weiterfuhr. Das gab ihm einen Augenblick, um wieder zu sich zu finden. Der Gayaner ließ einen überwältigten Blick durch die riesige Halle schweifen. „Okay… So sieht es hier also aus…“ Er atmete tief durch, als er Gelegenheit bekam, Eddys Erzählungen einmal selbst zu verinnerlichen. Dann wurde es dunkel, als der Knochenhandstuhl in die erste Kabine der Ankleidestation hineinfuhr.
      Auf der anderen Seite führte das Förderband aus der zweiten Kabine hinaus und Zino versuchte, das Gleichgewicht wiederzuerlangen, was ihm nach einem Augenblick auch gelang. Er trug wieder seine Sachen, bis auf den Gürtel. Damit wartete eine Maschinerie an der linken Seite, die ihm den Gürtel umschnallte, und dann überraschenderweise ein Ghostpack auf den Rücken knallte. Der Gayaner wurde nach vorne geschleudert, und bekam geistesgegenwärtig das Trapez zu fassen, das ihm gerade entgegenschwang.
      Der Blonde brauchte einen Augenblick, um sich auf die neue Situation einzustellen, so langsam fand er aber mehr und mehr Spaß an dem Geschehen. Als das Trapez über der Rutsche hielt, taxierte der Gayaner kurz die Richtung aus. Er schwang sich elegant herum und tauchte kopfüber in die Röhre der Rutsche ein.
      Auf der anderen Seite hatte Tracy inzwischen geschaltet, der den Tumult mitbekommen hatte, und reagierte blitzschnell, als er die Matratze hinunterließ, über die Zino just in dem Moment in die Garage geschleudert wurde.
      Jake bearbeitete noch immer den Skelevator und hämmerte auf das Eingabefeld. „Komm schon, bring Zino hierher!“
      „Wie du willst!“ kicherte der Skelevator und rauschte an den zwei verdutzten Ghostbustern ganz nach unten.
      Der gayanische Nationalheld kam indes unsanft im Ghostbuggy auf, welches ebenso unsanft aus dem Schlaf schreckte. „Wie… Was…? Sind wir im Einsatz?“
      Zino atmete tief durch. „Eigentlich wollte ich euch nur besuchen…“ Er kletterte benommen aus dem Ghostbuggy, ging zurück zum Skelevator und versuchte sein Glück zum zweiten Mal.
      Als sich die Türen nun auf der Büroebene öffneten, stand Zino rußgeschwärzt mit elektrisierten Haaren vor ihnen, und in der Luft lag der latente Geruch von verbranntem Fell.
      Jake und Eddy musterten ihn mit großen Augen. „Interessant…“ ließ sich Jake vernehmen, als sein Blick einmal an dem Gayaner runter-, und wieder raufwanderte. „Anscheinend wußte die Umkleideebene mit Zino nichts anzufangen, und hat ihm deshalb seine eigenen Klamotten wieder verpaßt…“
      Der Gayaner nahm indes das Ghostpack ab und reichte es Jake mit verlegenem Blick. „Ich glaube, das gehört euch…“

Nachdem Zino sich im Bad der Ghostbuster etwas frisch gemacht und von dem unerwarteten Schock erholt hatte, machte Eddy sich mit ihm zusammen auf den Weg in die Stadt. GB mußte gestehen, auch wenn er lieber noch eine Runde geschlafen hätte, so war er froh, daß kein Einsatz bevorstand. Eddy parkte das rote Cabriolet im Parkhaus – und spätestens da hob sich die Stimmung des Ghostbuggys, als es die weiße Limousine bemerkte, die nicht weit entfernt von ihm stand.
      „Wir müssen noch ein kleines Stück durch die Stadt.“ erklärte Eddy, als er mit Zino zusammen durch das Treppenhaus das Parkhaus verließ. Nach den jüngsten Erfahrungen wollte er Zino den Fahrstuhl nicht zumuten, denn auf der Fahrt hatte der Gayaner zugegeben, daß es purer Automatismus gewesen war, der ihn den Skelevator nach der Erfahrung ein zweites Mal hatte betreten lassen, und kein heldenhafter Mut.
      Die Luft war kalt und klar, und es schneite ganz leicht, was für ein wundervolles Ambiente sorgte, als die beiden Freunde die große Straße entlanggingen. Zino zog die Arme fester um den Körper, während er sich umsah. Bei der Apotheke sahen sie einen Weihnachtsmann, der kleine Geschenke an die Kinder verteilte, die vorbeikamen, und auch bei der Kirche stand ein Mann mit rotem Mantel und Mütze bei einem großen, dort aufgebauten Schlitten.
      Eddy verfolgte Zinos Blickrichtung schmunzelnd und konnte nicht anders als zu kommentieren: „Na, wünschst du dir jetzt vielleicht doch so eine tolle Weihnachtsmütze? Es ist ja doch ganz schön frisch heute…“
      Zino kippte die Ohren nach unten. „Ich glaube, ich halte es auch so aus.“
      Eddy grinste. Er hatte seine Mütze dabei, das ließ er sich nicht nehmen.
      „Eins verstehe ich nicht.“ sinnierte Zino, als sie gerade den Eingang eines Bonbonladens passierten, durch dessen Scheibe sie sehen konnten, wie ein Weihnachtsmann den Kunden kleine Tütchen mitgab. „Du sagtest doch, es gibt einen Weihnachtsmann, der die Geschenke bringt.“
      Eddy nickte. „Ja!“
      „Aber wir haben doch schon viel mehr gesehen! Die sind hier überall in der Stadt und verteilen Geschenke.“
      Eddy kam sichtlich in’s Stocken. „Ähm, ja…“ Er wußte, daß er aus dieser Nummer nicht mehr rauskam, ohne ehrlich zu sein. „Also, den richtigen Weihnachtsmann gibt es nur einmal.“
      Zino ließ sich die Aussage durch den Kopf gehen, bevor er entgeistert fragte: „Dann sind die anderen alle Fälschungen?“
      „Naja…“ Eddy hüstelte verlegen. „Sagen wir mal so, sie sind eine in der gleichen Branche tätige willkommene Unterstützung.“
      „Aha…“ Zino versuchte gar nicht erst zu verbergen, daß er es nicht verstand, ließ es aber dabei bewenden.
      Eddy beschloß ebenfalls, es nicht weiter zu kommentieren, bevor er sich um Kopf und Kragen redete. Manche Sachen mußte man einfach fühlen, die konnte man nicht erklären, und er war sich sicher, irgendwann - und wenn es noch ein paar Jahre dauerte - hatte Zino den Dreh raus.
      Sie mußten noch eine Querstraße entlanggehen, bis endlich auf der Ecke das große Einkaufszentrum in Sicht kam, an das Jake seit dem vergangenen Jahr etwas traumatisierende Erinnerungen hatte.
      Eddy nahm Zino mit in das Kaufhaus, und schon als sie die Schwelle überschritten, schlug ihnen warme Luft entgegen. Zino taumelte unwillkürlich ein paar Schritte benommen zurück.
      „Wir müssen einmal durch die Parfüm-Abteilung durch auf die andere Seite.“ erklärte Eddy entschuldigend.
      Der Gayaner hatte noch nie in seinem Leben einen Kreislaufflash gehabt. Als ihm nun von allen Seiten aber gefühlte zweitausend verschiedene Düfte in der warmen Kaufhausluft entgegenströmten, ging er doch fast in die Knie.
      „Wir können auch außen rum und durch die Haushaltswarenabteilung rein…“ bot Eddy an.
      „Nein, das geht schon.“ winkte Zino ab. Er riß sich zusammen, um sich bloß nicht die Blöße zu geben und folgte Eddy den Gang entlang in die Mitte des Gebäudes. Tatsächlich wurde es besser, als sie die Rolltreppen erreichten.
      „Wir müssen in die zweite Etage, zur Kinderabteilung.“ erklärte Eddy.
      Zinos Ohren flogen nach oben. Seit er bei Eddy Rolltreppen kennengelernt hatte, war das Kaufhaus für ihn allein dadurch zur Erlebniswelt geworden.
      „Aber wir fahren jetzt erst mal nur hoch!“ warf Eddy vorsorglich ein, der sich noch gut daran erinnerte, als er Zino beim ersten Besuch hier nach den ersten zaghaften Schritten auf die sich bewegenden Stufen fast nicht mehr von den Rolltreppen herunterbekommen hatte.
      Zinos Ohren sackten ein Stück ab. „Na gut.“
      Eddy lächelte ihn aufmunternd an. „Na, komm schon, ich hab‘ was viel besseres für dich!“
      Das ließ den Blonden die Ohren mit einem Lächeln wieder aufstellen. Er sprang zu Eddy auf die Rolltreppe und bewunderte beim hochfahren die aufwendige Weihnachtsdeko in der großen Halle zwischen den Rolltreppen. Ein großer Christbaum mit goldenen Kugeln, Schleifen und Kerzen dominierte das Karree, und an den Seiten waren weihnachtliche Girlanden mit Lichterketten und glitzernden Sternen aufgehängt.
      Auf der richtigen Etage schob Eddy Zino von dem Weihnachtsbaum weg in die Richtung der Spielzeugabteilung. Dort war bereits eine Menge los – Mütter mit ihren Kindern, die sich auf einen zentralen Bereich vor einem riesigen, mit Geschenken beladenen Schlitten konzentrierten. Zinos Ohren stellten sich aufmerksam auf. „Ist das jetzt der Weihnachtsmann?“
      „Das ist der Kaufhausweihnachtsmann!“ spezifizierte Eddy. „Das ist schon ganz dicht dran.“ Er sah Zino an, daß er wieder verwirrt war. „Irgendwann hast du den Dreh raus. – Komm, wir müssen noch unsere Wunschzettel ausfüllen!“
      „Wunschzettel?“ Erstaunt folgte Zino seinem Kameraden zu einem der Stehtische.
      „Ja. Zu Weihnachten kann man einen Wunschzettel an den Weihnachtsmann schreiben, damit er weiß, was man sich wünscht. Und mit ein bißchen Glück bekommt man davon etwas zu Weihnachten. Und das können wir hier auch machen. Hier gibt es diese lustigen Kärtchen.“ Er hielt eine Karte mit einem Weihnachtsbaum hoch.
      Neugierig kam Zino näher. Eddy begann bereits, seine Karte auszufüllen. Zino suchte sich eine Karte mit einem Rentier aus und schaute sich die Ausfüllfelder an. Er mußte seinen Namen und sein Alter angeben, und konnte fünf Wünsche aufschreiben.
      Eddy schaute durch Zufall auf Zinos Karte, als der mit seinem Namen anfing. „Oh, und bitte tu dem Weihnachtsmann einen Gefallen, und schreib nicht auf Gayanisch! Sonst könnte es kompliziert werden.“
      Zino senkte verlegen die Ohren. „Oh…“
      In geschäftiger und nachdenklicher Stille füllten die beiden ihre Karten aus.
      Als sie fertig waren, schaute Zino auf Eddys Karte. „Was wünschst du dir denn?“ Eddy drehte die Karte so, daß Zino draufsehen konnte. Auf der Karte seines Freundes las er: »Biographie von Betsy Coleman als DVD«, »Eine eigene TARDIS«, »Einen Jahresvorrat Schokolade«, »Eine Katze« und »Ein ferngesteuertes Flugzeug«.
      „Und was wünschst du dir?“ erkundigte sich Eddy im Gegenzug.
      Zino schob ihm seine Karte zu. In der etwas kantigen Handschrift des Gayaners und einem Haufen Rechtschreibfehlern stand dort: »Fridän für di Weld«, »Kaine Ungerechtichkait mär«, »Das es kaine Krankhaiten mär gibd«, »Das jeder glüklich ist«, »Das ich maine Froinde ni färlire«.
      Eddy hielt kurz die Luft an. Er mußte zugeben, daß er damit nicht gerechnet hatte, und fühlte sich plötzlich auf eine seltsam materielle Art egoistisch. Zinos Wünsche entschuldigten sogar seine grottige Rechtschreibung. Er hatte nicht einmal seinen Namen richtig geschrieben. Immerhin, zumindest nahm man Zino demnach ab, daß er nicht älter als ein Kindergartenkind war. Wenn man allerdings dabei bedachte, daß die Schriftsprache der Gayaner eine ganz andere Dynamik hatte und Zino erst vor nicht allzu langer Zeit angefangen hatte, richtig terranisch schreiben zu lernen, dann war das schon wirklich gut. Eddy musterte Zino beeindruckt. „Mit den Wünschen wärst du bald arbeitslos!“
      Zinos Ohren spielten gedankenvoll. „Das wäre ja nicht das schlechteste.“
      Eddy quittierte es mit einem Schmunzeln. „Komm, dann laß uns mal die Karten abgeben.“
      Aufgeregt reihten sie sich zwischen den Kindern ein und konnten von ihrem Platz aus schon beobachten, wie der wohlbeleibte Mann mit dem roten Mantel, dem weißen Bart und der Brille sich den anderen Kindern annahm.
      Eddy lehnte sich verschwörerisch zu Zino herüber. „Siehste, rote Weihnachtsmütze!“
      „Ja, aber bei ihm hat das irgendwie eine ganz andere Wirkung!“ zischte Zino zurück. „Da sieht das stimmig aus.“
      Sie rückten ein paar Schritte vor. Gerade sah der Kaufhausweihnachtsmann zu ihnen herüber. Als er Eddy entdeckte, weiteten sich dessen Augen in Entsetzen. Selbst unter dem dicken Mantel konnte man sehen, wie sich der Mann anspannte und sich automatisch in dem Sitz weiter nach außen drückte, als wolle er bei der nächsten Gelegenheit flüchten.
      Zino verfolgte die Blickrichtung des Mannes und blieb damit überrascht bei Eddy haften.
      Der trat etwas nervös von einem Bein auf das andere und räusperte sich leicht. „Ähm, da gab es mal einen Vorfall…“ erklärte er unaufgefordert. „Ich hatte gehofft, er hätte das vergessen… Aber ich habe dazugelernt! Also, wir setzen uns gleich nicht mit Schwung auf den Schoß des Weihnachtsmannes!“ Er lächelte dem Rotbemantelten aufmunternd zu, der gerade versuchte, sich wieder auf die Kinder zu konzentrieren.
      Zino versuchte indessen, das Puzzle im Geiste zusammenzusetzen und grinste ungläubig, ließ es aber unkommentiert.
      Als die beiden endlich an die Reihe kamen, sprang der Weihnachtsmann geistesgegenwärtig auf und suchte Schutz hinter seinem Sessel. „Oh, nein! Diesmal nicht!“
      „Keine Sorge, wir wollen nur unsere Karten abgeben…“ beruhigte Eddy den Mann verlegen.
      Noch etwas zaghaft kam der Mann hinter seiner Deckung wieder hervor und setzte sich vorsichtig, und ohne seinen neuen Schützling aus den Augen zu lassen, auf seinen Platz zurück. Eddy kniete sich vor ihn, sah mit seelenvollem Blick zu ihm hoch und gab ihm sein Kärtchen.
      „Na, dann wollen wir mal sehen, was es dieses Jahr ist.“ Der Kaufhausweihnachtsmann rückte seine Brille zurecht und sah auf die Liste. „Ah, die gleichen Wünsche wie letztes Jahr. Hm, den Besuch im Fliegermuseum hattest du ja schon bekommen. Jetzt soll es also ein Flugzeug sein?!“
      Eddy strahlte den Mann an.
      „Na, da wollen wir mal sehen, was wir machen können. Warst du denn das Jahr über auch brav gewesen?“
      Zino wurde das Gefühl nicht los, daß der Mann sich lächerlich vorkam, als er Eddy diese Frage stellte. Dem rutschte indes das Lächeln etwas ab. Sein Blick drückte eher aus, daß er sich wünschte, man würde nicht Jake danach befragen. „Natürlich!“ erklärte er souverän. „Ich habe nicht einen Ghostbustingauftrag ausgelassen, habe mich das ganze Jahr um die Wäsche gekümmert und Tracy nicht einmal geärgert! Naja, ein oder zwei Mal vielleicht, aber er hat auch ganz schön Blödsinn gemacht!“
      „So, so, so…“ Der Weihnachtsmann lachte mit seiner volltönenden Stimme. „Na, dann hast du dir sicher etwas von deiner Liste verdient. Und bis dahin…“ Er griff in seinen Sack und holte ein kleines Geschenkpaket heraus. „Wer sich so viel Mühe gibt, der bekommt auch jetzt schon ein kleines Geschenk!“
      Eddy nahm strahlend das in Goldfolie verpackte Paket entgegen. „Danke!“
      Begeistert machte er Platz für Zino, der noch gar nicht so recht wußte, wie er mit der für ihn ungewohnten Situation umgehen sollte. Er beschloß aber, daß nichts schlimmer werden konnte als der Skelevator am Morgen, und so kniete er sich ebenfalls gemütlich vor dem Weihnachtsmann auf den Boden und gab ihm mit aufgedrehtem Blick das Kärtchen.
      „Und wen haben wir hier?“ erkundigte sich der Weihnachtsmann mit einem Blick auf die Karte. „Sino! Warst du denn auch schön artig das Jahr über?“
      „Ich glaube schon. Ich habe ein paar Medaillen und Auszeichnungen vom Bürgermeister bekommen, für außergewöhnliche heldenhafte Verdienste…“ Er kippte leicht die Ohren nach unten. Es hörte sich so seltsam an, wie er das in diesem Augenblick so sagte.
      „Na, dann schauen wir doch mal, was du dir so wünschst…“ Als der Mann mit der Brille begann, die Wünsche auf der Karte zu entziffern, weiteten sich seine Augen erstaunt. „Das sind aber ganz besondere Wünsche! Möchtest du denn gar nichts nur für dich?“
      „Naja, das ist ja alles irgendwie für mich. Wenn es allen gutgeht, dann geht es mir ja auch besser.“ erklärte Zino.
      Zum ersten Mal erlebte Eddy den Kaufhausweihnachtsmann sprachlos. Es war nicht das erste Mal, daß ein Kind Wünsche wie zum Beispiel »Weltfrieden« aufgeschrieben hatte – meistens folgte dann aber ein Eintrag wie »Ein Pony« oder »Eine richtige Eisenbahn«. Der Mann in dem roten Mantel wußte einen Augenblick nicht, was er sagen sollte, und Eddy interpretierte es so, als wären es gerade diese Wünsche, die er sehr gerne erfüllen wollte, und nicht konnte. Er atmete leicht durch. „Das sind große Wünsche, die nicht einfach zu erfüllen sind, obwohl ich nichts lieber täte.“ erklärte er. „Ich kann dir nichts versprechen, aber ich arbeite daran. Zumindest dessen kannst du dir sicher sein! Ist das in Ordnung?“
      Zino lächelte und nickte.
      „Aber für eine solch edle Einstellung hast du dir auf jeden Fall eine Kleinigkeit verdient!“ Er griff in seinen Sack und holte ein kleines Paket in rotem Folienpapier hervor, das er Zino gab.
      Die Ohren des Gayaners stellten sich auf. „Danke schön!“
      „Sehr gern geschehen.“ Der Weihnachtsmann steckte Zinos Wunschzettelkarte zu den anderen in den Wunschzettelkarton, während sich sein Schützling vom Boden aufsammelte und zu seinem Freund herüberging, der bereits auf ihn wartete.
      „Ich glaube, er war ganz schön beeindruckt von dir.“ meinte Eddy, als sie langsam Platz für die anderen Kinder machten und zu den Rolltreppen zurückgingen. „Du hast dir ja nicht mal eine Tafel Schokolade gewünscht!“
      „Ich habe mir gewünscht, daß alle glücklich sind. Da ist die Tafel Schokolade schon mit drin.“ argumentierte Zino.
      Eddy grinste unwillkürlich. „Auch wieder wahr…“

Eddy und Zino hatten es geschafft, ihre Neugierde bis zu Hause zurückzuhalten, bis sie aufgeregt die kleinen Geschenkpakete öffneten.
      „Ohww…“ Hin und weg hob Zino die kleine Schneekugel hoch, in der der Schlitten des Weihnachtsmannes mit seinen Rentieren über den Himmel flog. Als er die Kugel schüttelte, schneite es.
      „Ich glaube, du kannst da unten noch einen Hebel umlegen.“ Eddy nahm ihm die Kugel aus der Hand, entsicherte die Batterie und schob einen kleinen Schalter zur Seite. Aus der Kugel klang »All I Want For Christmas Is You«.
      Als er Zino die Kugel zurückgab, war er sich sicher, der Weihnachtsmann hätte seinem Freund kein schöneres Geschenk machen können. Weltenentrückt verlor sich der Gayaner in der kleinen Winterwelt.
      Als der Ghostbuster neugierig seine eigene kleine Schachtel öffnete, fand er ein kleines Mobile aus Rentieren um einen Weihnachtsschlitten herum, und schnappte nach Luft. „Aw, das ist toll!“
      Noch während er es bestaunte, gesellte sich Jake mit seiner Tasse zu den beiden in den Wohnbereich. „Na, hat es sich für euch gelohnt?“
      „Jaah!“ Eddy strahlte ihn an und zeigte ihm das Mobile.
      „Wow! Die Rentiere könnten ja direkt aus den norwegischen Wäldern entsprungen sein!“ staunte Jake. „Und was hast du bekommen, Zino?“
      Der Blonde riß sich aus seiner Traumwelt los und zeigte Jake lächelnd die Schneekugel.
      „Das sind wirklich tolle Geschenke!“ gestand Jake.
      „Noch hat das Kaufhaus auf!“ kommentierte Eddy.
      „Nee, laß mal.“ winkte Jake ab und ließ sich mit seinem Becher auf seinem Sessel zurückfallen. „Ich freue mich, wenn ihr euch freut. – Hast du Zino eigentlich schon erzählt, was wir vorhaben?“
      „Oh, nein!“ fiel dem Brünetten ein, und wandte sich, mit einem Schlag munter, seinem gayanischen Kameraden zu. „Wir wollen mit dir wichteln!“
      Zino sah Eddy groß an. Man konnte sehen, wie eine unangenehme Welle durch seinen Körper ging. Sein Blick huschte zu der kleinen Wichteldeko auf dem Sideboard, bevor er Eddy wieder verhalten ansah. „Müssen wir dann wieder alberne Weihnachtsmützen tragen…?“
      Eddy musterte ihn verwirrt, bevor er merkte, worauf Zino hinauswollte. „Nein, wichteln hat nichts mit den Wichteln zu tun. – Naja, wahrscheinlich kommt der Name schon irgendwie daher, aber du mußt keine Weihnachtsmütze dafür tragen.“
      Zino entspannte sich sichtlich wieder und atmete durch. „Dann ist ja gut. – Ähm, was macht man denn nun beim wichteln?“
      „Beim Wichteln geht es darum, daß jeder ein Geschenk macht, und ein Geschenk bekommt, aber keiner weiß, wer von wem.“ erklärte Jake.
      „Genau. Und das ganze wird kombiniert mit einem lustigen Würfelspiel.“ ergänzte Eddy.
      „Aww…“ Zino stellte begeistert die Ohren auf. „Spielen ist toll!“
      „Du, sag‘ mal, du könntest doch auch deinen besten Freund einladen!“ schlug Jake vor.
      „Boo!“ half Zino aus, und Eddy sprang erschrocken einen Schritt zur Seite, bis er begriff, daß Zino ihn nicht hatte erschrecken, sondern Jake nur auf die Sprünge hatte helfen wollen.
      „Ja. Vielleicht hat er ja auch Lust!“ bot Jake an. „Mit mehreren macht es viel mehr Spaß!“
      „Klasse! Ich frage ihn mal!“ freute sich Zino.
      Der Teamführer der Ghostbuster sah die beiden fragend an. „Wollen wir das gleich morgen machen? Oder ist das zu kurzfristig? Futura wäre morgen hier, ich könnte ihr gleich Bescheid geben.“
      „Naja, wir haben ja nichts besonderes vor, in Gaya.“ meinte Zino verlegen. „Ich glaube, das kriegen wir hin.“
      „Aber du darfst nicht vergessen, daß ihr noch ein Geschenk einpacken müßt!“ erinnerte Eddy. „Es soll irgend etwas sein, was ihr ohnehin zu Hause habt und nicht mehr braucht; also bloß nichts neues besorgen. Das ist ja der Witz an der Sache. Von daher dürfte es nicht allzu aufwendig werden, hoffe ich. Und das packt ihr dann in Zeitungspapier ein – das ist auch wichtig, damit man nachher die Geschenke nicht am Papier erkennen kann.“
      Jake schüttelte vehement den Kopf. „Kein Zeitungspapier!“
      „Aber wir haben immer Zeitungspapier genommen!“ wunderte sich Eddy.
      „Ja, aber wenn wir das diesmal machen, dann können wir sofort zuordnen, ob das Geschenk von einem von uns, oder von einem Gayaner kommt!“ Jake sah Eddy bedeutungsvoll an.
      Der Mollige stutzte kurz und überlegte. Dann lächelte er, nahm eine der alten Zeitungen, die auf der Ablage unter dem Couchtisch lagen und drückte sie Zino in die Hand. „Hier! Das ist euer Geschenkpapier!“
      Jake sah ihn sprachlos an. „Ich hätte nie gedacht, daß einmal der Tag kommen würde, an dem du intelligenter bist als ich…“
      Eddy ignorierte den Kommentar und erklärte weiter: „Und was noch wichtig ist: Wenn ihr die Geschenke mitbringt, dann tut das unauffällig! Es soll ja keiner außer euch wissen, wie euer Geschenk aussieht!“
      Jake räusperte sich. „Also bitte dein Geschenk auch nicht voller Vorfreude Boo zeigen! Es soll ja für alle ein Geheimnis bleiben!“
      Zinos Ohren kippten ein bißchen nach unten, als hätte er das tatsächlich nicht bedacht. „Okay, ich werde daran denken.“
      Die beiden Ghostbuster strahlten. „Das wird lustig. Das haben wir viel zu lange nicht mehr gemacht!“ stellte Jake fest. Dann fragte er seinen Gegenüber vorsichtig: „Ähm, Zino, kann deine Schneekugel zufällig auch noch ein anderes Lied…?“
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