Adventskalender 2017

GeschichteRomanze, Familie / P16 Slash
01.12.2017
24.12.2017
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Zum wohl hundertsten Mal an diesem Tag ging die Glocke des Drive In. Jennifer rollte innerlich die Augen, doch vor der Kundschaft durfte man es sich ja nicht anmerken lassen, dass man genervt war. Momentan waren die Schichten in dem Café mit Drive-In einfach nur anstrengend. Es war viel mehr los, als normal und dazu kamen zwei Krankheitsfälle, deren Stunden ebenfalls irgendwie geschafft werden mussten.

     Mit einem gespielten Lächeln reichte sie das Wechselgeld über die Theke und verabschiedete ihre derzeitige Kundschaft. Als sie sich zum Drive-In wendete, wurde aus dem falschen Lächeln jedoch ein Echtes. Was teilweise den plötzlichen Schmetterlingen in ihrem Bauch zuzuschreiben war. Sie kannte diesen blauen Golf und den Mann, der darin saß. Er war hier Stammkunde und eigentlich flirteten sie jedes Mal, wenn er seinen Cappuccino bei ihr bestellte. Jennifer ging zu dem Fenster und drückte auf den Knopf, der es öffnete. "Hi", lächelte sie und erntete ein strahlendes Lächeln zurück. "Wie immer?"

     "Wie immer", bestätigte Franz und zählte bereits das Geld ab.

     Jennifer wandte sich um und ging zur Kaffeemaschine. Zum Glück machte diese den Cappuccino fast vollständig selbst. Sie musste nur den Becher darunter stellen, die Milch schäumen lassen und dann auf den Kaffee geben. Sie kannte andere Maschinen, bei denen man die Milch per Hand aufschäumen musste und für jede Tasse Kaffee, Cappuccino oder andere Spezialitäten das Pulver extra einfüllen musste. Gerade wenn viel los war, war das ein Zeitaufwand, der sie ankotzte. Noch vor einem Jahr hatten sie hier so eine Maschine gehabt und in Druckzeiten war es schnell passiert, dass Kundschaft länger warten musste. Entsprechend häufig waren auch die Beschwerden gewesen. Zum Glück war das aber vorbei!

     Sie drückte den Deckel auf den Becher, doch bevor sie ihn in den Getränkehalter aus Pappe drückte, steckte sie unter den Boden noch einen Zettel, den sie vorbereitet hatte. Sie bemühte sich, dass Franz nicht sehen konnte, wie sie den Zettel aus der Tasche zog und versteckte. Eigentlich war es ja lächerlich. Sie schrieb ihm ein Briefchen, wie sie es damals in der Schule mit ihrer besten Freundin gemacht hatte. Sie brachte jedoch einfach nicht den Mut auf, ihn direkt nach einem Date zu fragen. Was, wenn er 'Nein' sagte? Sie konnte es sich nicht leisten, während der Arbeit zu weinen, doch sie befürchtete, dass ein Korb seinerseits genau das bewirken würde. Andererseits wollte sie aber auch nicht warten, bis er sich dazu durchrang, sie zu fragen. Mussten es denn immer die Männer sein, die nach einem Date fragten? Nein! Dazu fand sich Jennifer nun doch zu emanzipiert.

     Sie packte noch ein halbes Dutzend Quarkbällchen ein, die zu 'wie immer' gehörten und packte die Tüte auf den Getränkehalter, bevor sie eben diesen zu ihrem Kunden brachte. Aus einem unerfindlichen Grund war sie nervös. Sie wusste, dass er den Zettel erst finden würde, wenn er seinen Cappuccino trank und trotzdem fürchtete sie schon jetzt eine Abfuhr. "Fünf Sechzig", verlangte sie und Franz gab ihr 6 Euro. Wie immer.

     "Bis morgen?", fragte er, während er seinen Einkauf auf den Beifahrersitz stellte. Die Augenbrauen fragend gehoben, sah er Jennifer an.

     "Bis morgen", antwortete sie und mit einem Mal tanzten wieder die Schmetterlinge in ihrem Bauch.

     Die Hand lächelnd zum Gruß erhoben fuhr Franz los und Jennifer sah ihm noch ein paar Sekunden nach, bevor sie sich dem nächsten Kunden zuwandte. Eigentlich konnte sie morgen kaum erwarten.
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