Nevli Heff - Der Ring des Xim

von Olol
GeschichteAbenteuer, Sci-Fi / P12
OC (Own Character)
30.11.2017
15.11.2019
35
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1. Tuusa die Hutt

Kantinen. Eigentlich begannen solche Aufträge für sie immer in Kantinen, dachte Nevli Heff bei sich, nicht in Festungen der Hutten. Sie hasste es für die Gastropoden zu arbeiten. Sie war schließlich eine ehrliche Geschäftsfrau und keine Verbrecherin.

Doch die junge, freischaffende Händlerin hatte keine Wahl. Ihr Ruf war ziemlich ramponiert und bei ihren alten Kontakten im Sith-Raum oder auch auf dem Gebiet der Kolonien konnte oder wollte sie nicht nach Arbeit nachfragen.

Die Sache mit den Juwelen von Thrustra hing ihr immer noch nach und es kursierten Kopfgelder, obwohl die offiziellen Behörden der Republik sie in Ruhe ließen, weil sie den weniger offiziellen Behörden geholfen hatte.
Da war dieser Jedi, der ihr den Verlust seines Arms nachtrug, als sie sich gewehrt hatte und nicht einfach von ihm töten ließ. Und wer wusste, welche Leute in der korrupten Verwaltung noch hinter ihr her waren.

Was die Sith anging, hatte sie vielleicht die Aufmerksamkeit von ihnen erregt und das war so klug, wie betrunken auf einem Gundark reiten zu wollen.

Also blieb Nevli nichts anderes übrig, als bei der dritten Fraktion, die durch den ewigen Krieg der beiden anderen unglaublich an Macht und Reichtum gewonnen hatte, um Aufträge zu betteln.. Zum ersten Mal seit sehr langer Zeit expandierten die Hutten wieder, vor allem auf Kosten der Territorien des Äußeren Randes.
Die Republik hatte die komplette Westseite der Galaxis jenseits der großen Hyperraumrouten aufgegeben, so schien es. Und die Sith, deren Reiche dort lagen, waren in einem Bürgerkrieg munter dabei, sich gegenseitig zu zerfleischen, wenn sie nicht für einige Zeit sich zusammenraufen konnten, um die Grenzen der Republik zu überfallen.

Somit gewannen die Klans der Hutten mehr und mehr Macht. Ganze Sektoren fielen unter die Kontrolle der Schneckenwesen.
Tuusa die Hutt war eine der jungen, dynamischen und aufstrebenden Satrapen in dieser neuen Ordnung. Eine Audienz bei ihr zu bekommen, war ziemlich einfach gewesen. Der Ruf Nevlis als Juwelendiebin, die Sith und Jedi und deren gedungene Schläger und Mörder austricksen konnte, hatte Tuusa wohl neugierig gemacht.

So ging die Händlerin, nach außen hin selbstsicher – nichts war tödlicher, als Unsicherheit und Schwäche bei den Hutten zu zeigen – durch die massive Festung Tuusas. Es hieß, sie hatte ursprünglich der Schwarzen Sonne, einer ebenso alten und gefürchteten Verbrecherorganisation wie die Huttenkartelle, gehört und die Erzrivalen hätten sie ihnen abgenommen.
Die Vorläufigkeit mancher Einrichtungen, die Umbauten und die übertünchten Blastereinschusslöcher ließen Nevli die Geschichte glauben. Vielleicht war es auch nur die Planetenregierung gewesen, die hier residierte und Tuusa hatte Propaganda betrieben, um mächtiger zu wirken.

Die Wachen waren jedenfalls Elite. Ganks und Klatoonianer. Nikto natürlich auch. Bei ihnen reichte ein professioneller Blick, um die fremde Händlerin abzuschätzen.
Fast war Nevli etwas geschmeichelt, als gestandene Söldner, die alle viel größer und muskulöser als sie waren, zur Seite wichen, um sie durchzulassen.

Ein Höfling der Hutt hatte diesen professionellen Blick nicht. Ein Nimbanese dachte, er könne wohl auf dem zierlichen Neuankömmling herumhacken und unflätig ein hilfloses weibliches Wesen betatschen.

Blitzschnell – viel schneller, als es menschliche oder nimbanesische Reflexe zugelassen hätten – schlug Nevli Heff ihren staubigen braunen Trenchcoat zurück und ihre behandschuhte Hand riss die Pistole aus dem Halfter an ihrer Hüfte. Mit schrillem, lauten Kreischen löste sich aus der Mündung der Waffe ein Bolzen heißen Plasmas, das in das vom unsichtbaren Laserschuß gerissene Vakuum rot einströmte, und stanzte ein Loch in den Boden vor dem zu Tode erschrockenen Mann, dessen schwarze Augen noch weiter wurden und dessen von Schnurrhaar umgebene Nüstern zitterten.

Erst denken, dann schießen, dachte sie über sich selbst verärgert. Ihr verfluchter Jähzorn!
Zumindest hatte nun die Aufmerksamkeit aller Anwesenden.

„Hohoho“, machte eine sonore Stimme und die Meute der Wachen und Höflinge teilte sich, um den Blick auf das Schwebepodest von  Tuusa die Hutt freizugeben.

Ein junges, nicht annähernd so feistes Schneckenwesen, wie Nevli vermutet hatte, wand sich auf dem Thronpodest und hundert goldene Ketten und schleierartige Behänge aus Goldmünzen glitzerten in der schummrigen Beleuchtung, die Hutten so liebten. Riesige Reptilienaugen hinter dem goldenen Münzschleier richten sich auf die junge Händlerin, die mit einem entschuldigen Schulterzucken die Waffe ins Halfter zurücksteckte.

Nevli erwiderte den Blick unerschrocken. Sie hob den Kopf, so dass unter dem breitkrempigen Hut, aus dem die lagomorphen Ohren durch Löcher hingen, ihre großen, ausdrucksstarken Augen aus dem violetten Fell ihres Häschengesichts hervorschauen konnten.

„De Wanna Wanga, Tuusa“, begrüßte Nevli die Hutt formell.

„Hohoho“, machte die Kreatur wieder und sagte: „Bo Shuda, Nevli Heff!“
Nach der förmlichen Anrede sprach Tuusa auf Basic weiter: „Ein bezaubernder Akzent, meine Liebe. Sie sind viel, hohoho, niedlicher, als ich es bei einer Lepi ihres Rufs vermutet hatte.“

Nevli hatte ein ganz mieses Gefühl bei der Sache. Aber was hatte sie schon für eine Wahl?
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