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Schwarze Liebe

von Liaya
GeschichteMystery / P18 / Gen
29.11.2017
08.05.2018
34
122.437
6
Alle Kapitel
59 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
08.05.2018 8.264
 
Soooo. Diese FF hat endlich ihr Ende gefunden ^^
Ein letztes, grüßendes, herzliches Hallo, liebe Leser und Leserinnen!
Als Erstes: Es tut mir leid, dass ihr so lange auf den Schluss warten musstet!! Ich erkläre es kurz: Leider war ich mit meiner ersten Version des Endes nicht wirklich zufrieden gewesen. Also habe ich es komplett umgeschrieben. Das ist immer so – wenn mir etwas nicht passt, dann wird so lange daran geschrieben, bis es so ist, wie es für mich einigermaßen okay ist. Diese Version nahm bei mir ganze vierzehn Word-Seiten ein! Aber das musste sein. Ich konnte einfach nicht aufhören zu tippen und ich wollte auch nichts auslassen, was ich für wichtig empfunden hatte. Ich habe mehr als 2,5 Wochen daran geschrieben. Gestern wurde alles nochmal korrekturgelesen und heute besser gesagt jetzt lade ich es hoch. Wem es zu viel Text ist, tja… sorry! Ihr müsst es ja nicht lesen *gg* aber ich würde mich freuen, wenn ihr es doch tut :))
Als Zweites: Ich danke WIRKLICH WIRKLICH ALLEN!!! Danke für all die Kommentare, für die Emails, für die zahlreichen Aufrufe, für das Interesse an dieser für mich megalang gewordenen FF und für die Favoriteneinträge sowie Weiterempfehlungen!! DANKESCHÖN!
Ich kann euch gar nicht sagen, wie froh ich bin, dass die FF so gut angekommen ist! Ich habe nicht mit so vielen Rückmeldungen gerechnet.

So und nun ein paar Worte zum Inhalt: Tja… was soll ich sagen? Wie nicht anders zu erwarten war, geht es hier um die Hochzeit, den großen Tag der beiden. Aber vorher musste Chiaki noch durch einen Fall durch. Und: Ihr werdet überrascht sein, wer noch alles auftaucht^^
Viel viel Spass beim Lesen  :))

Ob ich jemals wieder eine FF verfassen werde, weiß ich nicht. Diese hat so viel Zeit eingenommen, dass ich mich jetzt erstmal anderen Sachen widmen werde. Das Schreiben hat mir so viel Freude bereitet aber ich habe momentan weder die Zeit noch die Idee für eine neue FF. Mal schauen. Aber ich denke eher nicht. ;)
Machts gut!

Eure Liaya :))
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Sie warf einen letzten Blick in den großen Standspiegel und kehrte etwas nervös ihrem eigenen Bild den Rücken zu.
„Du bist so wunderschön, Marron! “, wurde sie von Miyako himmlisch und verliebt beäugelt.
„Ach was, nicht doch. Das ist alles das Kleid“
„Na klar doch!“
Es war später Freitagnachmittag. Morgen würde Marron Kusakabe ihren Nachnamen für immer ablegen und den Familiennamen von Chiaki annehmen. Obwohl nichts weiter dabei war, fühlte sie sich ein wenig komisch bei dem Gedanken. Ja, sie wurde regelrecht kribbelig bei der Vorstellung.
Ihr Mund verzog sich zu einem schmalen Strich und ihr Blick wanderte nach unten zum Kleid.
Ein Traum aus weißem Tüll umschlang ihren mittlerweile wieder schmal gewordenen Körper. Ihre zarten Hände waren in weiße Handschuhe aus Samt gesteckt, die ihr bis zum Ellenbogen reichten. Ihre Taille wurde von einem nicht allzu breiten, goldgelben Band verziert. Es fehlte nur noch der Schleier, die Frisur und das Make-up.
Doch dies würde morgen kommen. Heute war die letzte Anprobe und diese wurde in Marrons Ankleidezimmer gemeinsam mit ihrer Trauzeugin und Freundin Miyako durchgeführt.
„Alles gut?“
Marron seufzte und legte den Kopf schräg. „Ja, alles okay. Ich habe nur gerade überlegt, wie komisch es sich doch für mich anfühlt, morgen vor dem Altar zu stehen. Ich kann es kaum fassen, dass es wirklich passieren wird. Seit er mir damals den Antrag gemacht hat, habe ich mir jeden Tag vorgestellt, wie schön dieser Tag werden wird. Dieses unglaubliche Kleid zu tragen und mit Chiaki gemeinsam vor den Altar zu treten, die ganzen Gäste zu empfangen, die schöne Location, unser gemeinsamer Hochzeitstanz…. Überhaupt der ganze Tag… ich habe mich so riesig darauf gefreut. Und jetzt soll es morgen schon so weit sein und ich weiß nicht, wie ich mich fühlen soll. Meine Gefühle fahren gerade Achterbahn, verstehst  du?“
Miyako lächelte sie liebevoll an. „Ja, ich kann mir das sehr gut vorstellen, Süße. Ich kann es selbst kaum fassen, dass du morgen seine Frau werden wirst. Das eine Jahr seit dem Antrag ist so unglaublich schnell vergangen. Mir kommt es so vor, als ob ich erst gestern bei dir im Krankenhaus gewesen war und mit Chisato in den Armen an deinem Bett gesessen habe und jetzt ist er schon ein ganzes Jahr alt!“
Marron atmete tief durch und nickte verträumt. „Ja, wie Recht du hast…“
Dann entstand eine Schweigeminute, die jede in seinen eigenen Gedanken verbrachte.
Schließlich hielt Miyako die Stille nicht mehr aus und griff zu ihrer Handtasche, die neben ihr auf einem Stuhl abgestellt stand. Behutsam öffnete sie den Reisverschluss und zog eine kleine, zartrosa Schmuckschattule heraus, woraufhin sie einen überraschten Blick von Marron einfing.
Miyako tat einen Atemzug und überreichte ihr diese. „Hier, das wollte ich dir geben. Es ist ein kleines Geschenk von mir. Ich hoffe, es trifft deinen Geschmack“, grinste sie.
„Ein Geschenk? Ja aber Miyako, du weißt doch, dass du mir nichts zu schenken brauchst. Allein die Tatsache, dass du meine Freundin bist und mich in Allem unterstützt ist Geschenk genug von deiner Seite“
„Ich will aber. Und jetzt nimm es an und öffne es“
Die Angesprochene schluckte, nahm das Kästchen etwas unsicher in die Hände und klappte es äußerst behutsam auf. Ihre Augen weiteten sich bei dem Anblick des Inhalts. Sie öffnete ihren Mund, schüttelte ihren Kopf und seufzte schließlich. Ihre Augen funkelten glücklich. „Das… das ist einfach unglaublich!“
„Gefällt es dir?“, strahlte die Schwarzhaarige.
„Ja und wie!“
„Dann probiere es an!“
Marron nickte und ließ sich von Miyako helfen. Es war ein goldenes Armband mit glitzernden Steinchen.
„Das muss doch sehr teuer gewesen sein!“
Miyako rollte ihre Augen und verschloss das Accessoire um Marrons Handgelenk. „Jetzt mach dir doch um den Preis keine Gedanken. Es hat schon nicht mein ganzes Vermögen aufgefressen. Außerdem da es ein Hochzeitsgeschenk ist, musste es etwas ganz Besonderes sein. Also trage es mit Freude, meine Liebe“, grinste sie.
Die Braunhaarige streckte ihre Hand vor sich aus und betrachtete das Schmuckstück fasziniert. „Dankeschön! Danke!! Das ist wirklich sehr lieb von dir. Ich mag es. Ich werde gut darauf aufpassen“
„Das will ich doch hoffen“, lächelte Miyako und spähte anschließend auf ihre Armbanduhr.
„Sag mal, Chiaki müsste doch schon bald von der Arbeit zurückkehren. Solltest du nicht lieber das Kleid wieder ausziehen? Es wäre nicht gut, wenn er dich schon heute darin sehen würde“
Wie von einer Nadel gestochen spannte sich Marron plötzlich an und wurde panisch. „Ach du liebe Güte! Du hast Recht! Das habe ich vollkommen vergessen!“
Miyako grinste, seufzte und half ihr schließlich beim Ausziehen des pompösen Kleides.
Danach verließen beide rasch das Ankleidezimmer. Miyako ging zu Chisato, der mittlerweile aus seinem zarten Schlummer erwacht war und Marron steuerte die Küche an, um das Abendessen fertig zu präparieren.

Eine dreiviertel Stunde später…
Voller Gedanken um den gerade eben abgeschlossenen Mordfall fuhr Chiaki in der Abenddämmerung nach Hause. Eigentlich hätte er sich freuen sollen. Morgen würde der Tag seiner Hochzeit sein. Doch im Augenblick war ihm alles andere als nach Freude zumute. Über vier Monate lang hatten er und seine Kollegen nach einem Mörder gesucht und tappten im Dunkeln. Alle Spuren hatten ins Nichts geführt. Bis vor zwei Tagen….
Ein Mädchen. Noch ein Kind von sechs Jahren. Gefunden vor vier Monaten von Spaziergängern im Hinterhof eines Kindergartens. Leblos. Der Körper weggeschmissen wie ein Sack Müll.
Ihre großen, weiten schwarzen Pupillen drückten blankes Schrecken aus. Dieses unschuldige Kind wollte noch leben als sie starb.
Er musste sich damals übergeben als er das kleine Mädchen in einem roten, winterlichen Stoffmantel am Tatort gesehen hatte. Hätte er selbst zu damaligem Zeitpunkt keine Kinder gehabt, hätte es ihn wahrscheinlich nicht so hart getroffen. Doch diese Tatsache ließ den Mord nicht spurlos an ihm vorbeigehen.
Die ersten, die sofort befragt wurden, waren die Angestellten des Kindergartens. Der Anblick der Toten versetzte ihnen einen heftigen Schock färbte ihre Gesichter kreidebleich. Sie hatten sie sofort erkannt. Miya Sakanaki. Sie hatte diesen Kindergarten bis vor einem halben Jahr besucht gehabt. Danach wurde sie eingeschult. Der grausame Tod des Mädchens ließ die Angestellten erstarren. Sie wurde erwürgt. Mit einer Hundeleine, die neben dem Mädchen als Tatwaffe gelegen hatte.
Eine Untersuchung der Leine ergab jedoch keine Fingerabdrücke oder sonstigen Hinweise auf den Täter.
Die Suche nach den Eltern führte die Polizei in ein 25-Stöckiges Hochhaus, ca. 800m vom Tatort entfernt. Chiaki erkannte dieses Haus direkt. Er war in der Vergangenheit  schon zwei Mal dort gewesen. Vor einem halben Jahr. Und auch der Nachname des Mädchens ließ ihn sofort hellhörig werden. Als er vor der Wohnungstür der Familie Sakanaki stand, wurde ihm übel zumute. Schon einmal hatte er dort schlechte Nachrichten überbringen müssen und nun war er gezwungen, es erneut zu tun. Er kannte den Vater des Mädchens, da vor einem halben Jahr die Mutter der Kleinen ebenfalls erdrosselt aufgefunden wurde. Allerdings in einem nahegelegenen Park und nicht im Kindergarten. Und wie auch in Miyas Fall war die Tatwaffe eine Hundeleine gewesen – ohne jegliche Spuren. Der Täter arbeitete äußerst sauber.
Der Vater, der den Offizieren die Tür geöffnet hatte, war dementsprechend alleinerziehend. Als er das Foto der Toten sah, brach er auf der Stelle zusammen.  
Eigentlich sollte Miya bei ihren Großeltern sein. Doch sie war nie dort angekommen. Der Vater hörte niemals auf, sich Vorwürfe zu machen, denn er ließ sie an jenem Abend alleine mit dem Bus dorthin fahren. Sie hatte ihn angebettelt, ihr zu vertrauen und hatte behauptet, dass sie schon alleine zu Oma und Opa fahren kann. Und was sollte schon passieren? Es war eine kurze Strecke. Den Bus hatte sie allerdings nie bestiegen gehabt. Sie wurde vorher ermordet und weggeschleppt.
Nach diesem Tag hatten sie überall gesucht. Alle möglichen Menschen befragt. Kindergärtnerinnen und Nachbarschaften wurden mehrmals verhört. Nichts.
Jegliche Spuren führten ins Nichts. Auch eine Hausdurchsuchung beim Vater des Opfers ergab keinerlei  Resultate.
Chiaki wurde zunehmend verrückt. Mehr denn je zweifelte er in den letzten Tagen an sich selbst. Zwei gleiche Morde in einer Familie und der Mörder wie vom Erdboden verschluckt. Es konnte doch nicht wahr sein, dass dieser verdammte Bastard von Mensch ihnen entwichen war und das unbestraft!
Selbst die schwierigsten Fälle, an denen die Polizei gehangen hatte, konnte er binnen weniger Monate aufklären. Aber dieser hier drohte ihn an den Rand seines Wahnsinns zu treiben. Zumal ihm der Vater wirklich leidtat. Er lag seit Monaten in der Psychiatrie und wurde jeden Tag von professionellen Kräften versorgt.
Anfangs ging zwar die Polizei davon aus, dass er selbst womöglich die Taten verübt hatte  aber durch das genaue Beobachten des Verhaltens von Herrn Sakanaki, konnte man ihn mit neunzigprozentiger Sicherheit ausschließen.

Obwohl Chiaki längst bei seiner Hochzeit in Gedanken sein sollte, hing er stattdessen Nächte lang diesem Fall nach. Er wollte unbedingt den Mörder finden. Mit all seiner Macht. Es war nicht nur seine Arbeit, sondern auch seine Pflicht gewesen, Herr Sakanaki  zu helfen und wenigstens für ein klein bisschen Frieden zu sorgen. Marron gegenüber versuchte er seine Mitgenommenheit nicht anmerken zu lassen. Aber sie bekam trotzdem alles mit und hoffte ebenfalls auf eine schnelle Auflösung.
Wer? Wer war der Täter? Verdammt! Er musste ihn fassen und bestrafen!  Nach aller Härte des Gesetzes. Eher würde er nicht zur Ruhe kommen können .
Dieser Kriminalfall drohte ihn zu zerfressen.

Dann – Vor zwei Tagen hörte der Alptraum endlich für alle auf. Bevor er an jenem Tag zur Arbeit gefahren war, musste er noch schnell zum Flughafen, um seinen Vater für eine wichtige Besprechung in einer anderen Stadt Japans abzusetzen.
Und genau dort stieß er mit einem Passanten, der es sehr eilig hatte, zufällig zusammen. Trotz einer Baseballmütze, die dieser weit über seine Stirn gezogen hatte und die seine Augen gut bedeckte, hatte er den Menschen erkannt und bekam fast einen Anfall bei seinem Anblick. Der Mann eilte schnurstracks seinen Weg entlang und nach anfänglichem Schock und Zögern rannte Chiaki ihm hinterher und hielt ihn auf.  Während er den Fremden und zugleich bekannten Mann festhielt, griff er zum Handy und rief in der Psychiatrie an. Nachdem ihm die Mitarbeiterin bestätigt hatte, dass Miyas Vater ganz sicher immer noch dort war und nie die Klinik verlassen hatte, seitdem er eingeliefert wurde, klickte es bei ihm und er handelte rasch.
Die Tatsache, ein – und dieselbe Person an zwei Orten  gleichzeitig aufzufinden, hatte ihn äußerst stutzig gemacht.  
Er informierte seine Kollegen, die sofort an Ort und Stelle anrückten und den Mann aufs Revier abführten.
Hinterher stellte sich heraus, dass Herr Sakanaki einen Zwillingsbruder gehabt hatte. Der Kontakt war schon seit Jahren abgebrochen, deswegen hatte er auch nie darüber gesprochen gehabt. Nach mehreren Verhören gestand Tatsuki Sakanaki die beiden begangenen Taten.

Eine rote Ampel zwang Chiaki zum Anhalten. Während er gedankenverloren mit seinen Fingern auf dem Lenkrad rumtrommelte, hörte er die Worte des Täters noch einmal laut und deutlich in seinen Ohren hallen. „Einst hatten mein Bruder und ich einen Streit gehabt. Damals hatte er behauptet, dass ich nie eine Beziehung geschweige denn eine Familie haben werde, weil ich psychisch unstabil sei. Außerdem wäre ich viel zu egoistisch für solche Sachen. Wir waren um die 25 Jahre alt. Klar habe ich mich über seine Vorwürfe geärgert aber ich wollte ihnen dennoch keinen Glauben schenken.
Doch als jedes verdammte Treffen und jede angefangene Beziehung mit einer Frau in die Brüche ging, packte mich der Zorn und ich habe mich wieder an seine Worte  erinnert. Dieser Bastard hatte mich verflucht gehabt! Er hat mich verflucht, versteht ihr?
Ich hielt es einfach nicht aus, dass er erstens erfolgreich in seinem Job war und zweitens noch dazu eine Familie hatte! Ich dagegen hatte weder Glück in der Liebe noch im Job. Ich musste mich immer und überall durchschlagen. Das war zum Teufel nochmal ungerecht! Ich war so aggressiv und wütend auf ihn, dass er alles hatte und ich nichts. Also…“
„Also brachten Sie zunächst seine Frau und dann seine Tochter um!“, hatte Chiaki seinen Satz vollendet.
Tatsuki schüttelte den Kopf als Zeichen der Bestätigung.
„Sie sind krank! Ich werde dafür sorgen, dass Sie nie wieder das Blaue des Himmels sehen werden! Sie verbringen den Rest Ihres Lebens in der Zelle! Und soll ich Ihnen noch etwas sagen- wenn Sie eines Tages zur Besinnung kommen werden und Reue für Ihre abscheuliche Tat verspüren und nach Vergebung schreien werden, dann werde ich dafür beten, dass Sie keiner erhören wird! Sie haben keine Gnade verdient und wenn Sie irgendwann einsam in Ihrer Zelle vor Ausweglosigkeit sterben werden, dann soll es Ihre gerechte Strafe sein!“
Damit hatte der Blauhaarige das Verhör beendet und den Raum verlassen.
Der Abschlussbericht wurde heute von ihm getippt. Anschließend übergab er diesen an Herrn Todaj und machte Feierabend.
"Schalte jetzt ab, Chiaki. Ihr habt einen guten Job getan. Auch mir tut die Familie leid aber... Wir sind keine Zauberer, wir können weder das Mädchen noch die Frau wieder lebendig machen. Du heiratest morgen. Also denke jetzt nur daran und sieh zu, dass du morgen wirklich mit Freude, hörst du, mit Freude den Tag verbringst. Schließlich heiratet man nur einmal im Leben, naja normalerweise jedenfalls"
Er hatte seinem Chef zugenickt und verließ das Kommissariat.


Die Ampel sprang zuerst für einen Bruchteil einer Sekunde auf gelb, dann schließlich auf grün.
Chiaki betätigte das Gaspedal und fuhr ganz leicht an, als er plötzlich in letzter Sekunde einen Fußgänger über den Zebrastreifen vor ihm rennen sah. Rasend und beinahe atemlos drückte er auf die Bremse und Hupe zugleich.
Vor lauter Schreck stolperte der Fremde und fiel hin.
Chiaki sprang schleunigst aus dem Wagen heraus und lief wütend zu demjenigen hin. „Sag mal biste blind oder einfach nur lebensmüde?“, schrie er ihn an und starrte geschockt, als derjenige sein Gesicht zu ihm wandte und ihn ebenfalls anstarrte. Allerdings herzrasend vor Schreck.
„Minazuki?!“
„Nagoya?!“
Beide schluckten unwillkürlich als sie mit geweiteten Augen einander anstarrten.
Für einige Sekunden herrschte Stille.
Dann wurden sie von mehreren drängenden Gehupen wieder in die Realität zurückgeholt. Wortlos streckte der Blauhaarige Yamato seine Hand hin und zog ihn hoch.

Als Chiaki seine Sprache wiederfand und Yamato etwas unsicher auf den Bürgersteig zugehen sah, rief er ihm hinterher, dass es ihn gefreut hatte, Minazuki zu sehen und dass dieser in Zukunft besser auf sich aufpassen sollte.
Anschließend begab er sich wieder in seinen Wagen, um den Verkehr nicht noch länger aufzuhalten. Doch bevor er sich reinsetzen konnte, hörte er Minazukis heisere Stimme.
„Eh Nagoya, warte…“
Der Angesprochene hielt inne und bedachte ihn erstaunt.
„Bitte. Warte. Hast du einen Moment Zeit?“
„Also bis auf die Tatsache, dass ich gerade den gesamten Verkehr aufhalte und wenigstens mal den Wagen zur Seite fahren sollte…“
„Oh eh… ja klar… Na dann…“
„Wart ´nen Moment“, zwinkerte Chiaki ihm zu und schaffte den Wagen von der Fahrbahn.
Die verärgerten Autofahrer hinter ihm waren kurz davor, die Polizei zu verständigen.
„Na, wenn die wüssten, dass ich selbst von der Mannschaft bin…“, dachte er sich grinsend und verzichtete auf jegliche unnötigen Auseinandersetzungen.
Als er das Auto ein paar Meter weiter auf einer Parkfläche zum Stillstand brachte, stieg er aus und wanderte mit gespannter Neugier zu dem Angetroffenen, der sich inzwischen auf eine Bank hingesetzt hatte.
„Wirklich alles okay mit dir, Minazuki?“
Draußen dämmerte es bereits. Nach und nach schalteten sich die Straßenlaternen ein.
„Ja. Es war nur der Schreck. Alles easy“
„Wo wolltest du denn so eilig hin?“
Er winkte mit der Hand. „Ach schon gut. Nicht mehr so wichtig. Den Termin habe ich eh schon verschwitzt“
„Verstehe. Also was wolltest du? Sorry, dass ich so direkt frage aber, wenn ich dich daran erinnern darf, warst DU derjenige, der mir bzw. uns mehr als ein Jahr lang aus dem Wege gegangen war. Und jetzt auf einmal bittest du mich zu bleiben? Sorry aber was hat sich geändert?“, fragte er diesen überrascht und gesellte sich zu ihm auf die Bank.
Zur gleichen Zeit tippte er Marron eine Nachricht, dass er sich etwas verspäten würde. Dann steckte er das Handy wieder in seine Manteltasche ein und blickte Yamato immer noch fragend an.
Dieser schnappte nach Luft und stieß sie in einem langen Stoß wieder aus. „Nun, ich wollte mich entschuldigen“
„Wofür?“
„Dafür, dass ich euch ignoriert habe nach all dem, was geschehen war. Ich war wütend, so unendlich wütend auf dich. Ich...“
Zu seiner Überraschung fing Chiaki leise zu kichern an.
„Was ist?!“
„Ach nichts. Siehst du die Bar dort drüben auf der anderen Straßenseite?“
„Bar? Ja. Aber was hat das mit…?“
Der Blauhaarige erhob sich. „Na wie ich sehe, wird das ein längeres Gespräch werden. Komm, lass uns etwas Alkoholfreies trinken. Für mehr bin ich heute leider nicht zu haben, ich muss noch fahren und außerdem wäre es nicht gut, angetrunken zu Frau und Kind nach Hause zu kommen, wenn du verstehst“
Sein Gesprächspartner zögerte.
„Na komm schon, ich sehe doch, dass du nicht abgeneigt bist. Außerdem habe ich auch einen anstrengenden Arbeitstag hinter mir und bräuchte dringend einen Drink“
Yamato überlegte nicht mehr lange und nickte nur.

Nachdem beide sich ein alkoholfreies Bier bestellt hatten, setzte Yamato das angefangene Gespräch fort.
„Ich bin damals fortgelaufen, weil ich einen solchen Hass auf dich verspürt habe! Ich habe dich gehasst, Nagoya! Marron… Ich habe sie geliebt. Schon seit ich sie kennengelernt hatte. Ich wollte…“
„Yamato, ich…“
„Nein! Lass mich ausreden. Es gab keine Andere für mich. So lange habe ich versucht, ihr Herz zu erobern und dann als ich endlich eine Chance, ein Licht im Dunkeln gesehen habe, kamst ausgerechnet DU! Und weißt du, was das Schlimmste war?“
„Was?“ Chiaki hörte ihm aufmerksam zu.
„Dass du nichts Spezielles anzustellen gebraucht hattest. Du bist einfach vor ihr erschienen, wie als ob nie etwas gewesen wäre und zack – sie war dir verfallen! Das war verdammt nochmal ungerecht! Und noch dazu…“ Er schnappte nach Luft und schluckte hart. „Ach Shit, Mann! Du hattest ausgerechnet alles, was ich nicht hatte! Du warst reich, wusstest, wie man Frauen rumkriegt und vor Allem warst du immer so selbstsicher! Ich dagegen war immer ein Feigling. Was mich aber am meisten aufgeregt hatte, war, dass du wirklich JEDE haben konntest aber du hast dir ausgerechnet SIE ausgesucht! Ich habe sie nie aufgehört zu lieben. Selbst als ihr schon zusammen wart, habe ich immer noch gehofft….
Nimm es mir nicht übel aber damals als du scheinbar im Kampf gegen Noyn gestorben warst, da hats mir einerseits leidgetan für dich aber …“
„Du hast deine Chance gesehen, ich versteh schon“, nickte Chiaki.
„Ich würde lügen, wenn ich das Gegenteil behaupten würde. Ja. Dann bist du aber, wie nicht anders zu erwarten war, wiederaufgetaucht und hast den Helden vor ihr gespielt. Ich hätte dich am Liebsten auf der Stelle in Stücke gerissen!
Der letzte Tropfen kam dann, als ihr erzählt habt, dass ihr ein Baby erwartet. Das war einfach zu viel! Viel zu viel! Deshalb war ich rausgerannt und habe mich seitdem nicht mehr gemeldet. Ich habe Zeit gebraucht… Zeit zum Nachdenken und…. SIE zu vergessen. Heute sehe ich ein, dass ich damals einfach nur dumm war. Die verrückte Liebe zu ihr hat mich blind gemacht. Ich wollte die ganze Zeit nicht der Wahrheit ins Auge blicken. Die Wahrheit war und ist, dass sie dich liebt und nur dich und dass ihr wirklich glücklich miteinander seid. Ihr beide habt von Anfang an schon zueinander gehört. Heute will ich mich für mein Verhalten entschuldigen. Echt, es tut mir leid, Nagoya. Ich habe es mittlerweile eingesehen und akzeptiert. Ich wünsche euch Alles Gute. So und jetzt bin ich fertig“
Chiaki lächelte ihn an und nickte.
„Schwamm drüber. Lass uns anstoßen. Ich schätze deine Ehrlichkeit. Wirklich. Du bist erwachsen geworden, Minazuki“
„Scheint wohl so…“
„Es tut auch mir leid. Ich habe dich immer für einen Schwächling gehalten. Doch mit deinem Geständnis und deiner Ehrlichkeit hast du das Gegenteil bewiesen. Komm, lass es uns vergessen und trinken sonst verdurste ich noch“
„Ja, auf die Wahrheit“
„Auf die Wahrheit?! Nein, ich schlage etwas Besseres vor. Auf die Freundschaft. Wirst du mein Trauzeuge morgen?“
Der Braunhaarige verschluckte sich fast an seiner eigenen Spucke. „Bitte was?“
Chiaki ließ sein Bierglas gegen Yamatos klirren und trank einige Schlucke.
„Ich habe keinen. Marron hat Miyako und ich habe keinen ausgesucht. Im Notfall wäre einer meiner Kollegen von der Kripo eingesprungen. Aber wenn ich ehrlich bin, hatte ich bis zum Schluss noch auf eine Versöhnung gehofft“
Chiaki blickte ihn ziemlich ernst an. Yamato haderte. „Ich… das kommt etwas zu plötzlich. Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll“
„Das, was du darüber denkst“
Der Braunhaarige biss sich unsicher auf die Unterlippe, überlegte und seufzte schließlich. „Ja, ich bin dabei. Schwamm drüber heißt Schwamm drüber. Man ja, ich werde gerne dein Trauzeuge sein. Danke, dass du gefragt hast. Ich freue mich sehr für euch beide. Ehrlich“
„Na dann“, lächelte Chiaki äußerst zufrieden und beide ließen ihre halbvollen Gläser noch einmal klirren. Diesmal aber aktiver.
„Dann hast du morgen Einiges zu tun, Minazuki. Ich würde sagen, wir verabschieden uns jetzt besser, sonst kommen wir morgen nicht aus den Federn“
„Ja, stimmt. Geh schon mal vor, ich übernehme die Rechnung und komme nach“, antwortete Yamato.
„Okay, wie du meinst“


Als Yamato das Lokal verließ und zu Chiakis Auto ging, um sich von ihm zu verabschieden, hielt er stutzig inne. Der Blauhaarige grinste ihn an und wedelte mit seinen Autoschlüsseln vor Yamatos Nase.
„Eh soll das jetzt etwas bedeuten?“
„Ja“
„Und was?!“
„Du hast mir gerade viel Arbeit erspart. Da du jetzt mein Trauzeuge bist, bitte ich dich, mich zuerst nach Hause zu bringen und dann den Wagen einmal durch die Waschstraße zu fahren“
Der Angesprochene starrte ihn ungläubig und mit offenem Mund an.
„Ach ja – eins hab ich noch vergessen. Morgen um halb sieben hat Marron einen Friseurtermin und dann hinterher noch einen Visagisten Termin. Also sei pünktlich. Ein Mittel zur Fortbewegung hast du ja jetzt“
Yamato versuchte etwas zu entgegnen, war aber immer noch komplett sprachlos.
„Ah und das ist immer noch nicht alles. Danach bringst du sie zu Miyako, weil dort die Ankleide stattfinden wird. Sie hilft ihr mit dem Kleid und Allem. Sobald ihr fertig seid, fährst du die beiden zur Kirche. Als letztes kommst du noch bei mir vorbei und bringst mich ebenfalls zur Kirche. Bis 10:40 Uhr muss das alles erledigt werden, da die standesamtliche und kirchliche Trauung für 11.00 Uhr angesagt ist. Also…. Ich beneide dich jetzt schon nicht, mein Bester“
Dem Gesagten folgte ein breites Honigkuchenpferd-Grinsen.  
Sein Gegenüber hielt die Luft an. „Also mal abgesehen davon, dass du sie nicht mehr alle hast und mal angenommen, ich würde mich tatsächlich dazu bereit erklären das ALLES zu übernehmen – wieso zum Henker nimmst du dir morgen nicht ein Taxi zur Kirche? Oder noch besser, lässt dich von deinem Vater abholen? Dann wäre zumindest noch irgendwie gewährleistet, dass wir alle pünktlich wären“
Chiaki zuckte desinteressiert mit den Schultern. „Klingt logisch. Macht Sinn ja. Hm…. Andererseits lass mich mal überlegen. Nö“
„Was?!“
Der Blauhaarige stieß sich von seinem Wagen ab und drückte Yamato seine Autoschlüssel in die Hand.
„Erstens- Vater übernimmt morgen Chisato, unseren Sohn, bis zur Trauung jedenfalls. Und zweitens- ich und Taxi?“ Er warf ihm einen schrägen Blick von der Seite zu. „ Das kannst du nicht im Ernst meinen, Mann. Der Bräutigam kommt mit nem Taxi wenn er einen Chauffeur hat? Wie sieht das denn aus? Nee. Du schaffst das schon“
Damit klopfte er ihm auf die Schulter und bewegte sich zum Beifahrersitzplatz.
Der Braunhaarige verfluchte sich jetzt schon dafür, dass er voreilig zugesagt hatte. Er wusste, dass Chiaki ihn extra schikanierte und er konnte es ihm nicht einmal übelnehmen. Irgendwo verstand er, dass Chiaki es nicht böse meinte. Also beruhigte er sich langsam und stieg ins Auto hinters Lenkrad.
„Ich hasse dich, Nagoya. Darf ich fragen, wer EIGENTLICH diesen Job gehabt hätte?“
„Geheimnis“, bekam er als Antwort. „Außerdem was regst du dich so auf? Schließlich bist du derjenige, der mir gegenüber morgen einen Vorteil haben wird. Du wirst immerhin Marron vor mir im Brautkleid sehen“
Abrupt wurde sein Gesprächspartner rot wie ein reifer Apfel. Daran hatte er gar nicht gedacht.

„Also fahren wir jetzt?“, fragte Chiaki, um Yamato wieder in die Realität zurückzuholen.
„Eh ja, fahren wir“, entgegnete er und suchte unsicher und etwas hilflos nach dem Einsteckschlitz für den Schlüssel. Chiaki sah ihm mit einem Ausdruck höchsten Amüsements zu bis er es nicht mehr aushielt.
Dann wies er ihn darauf hin, dass der Wagen per Betätigung des „On“ Knopfes anspringen würde.
Yamato verdrehte seine Augen und ließ einen Kommentar der Art „solch teure Kutschen bin ich ja auch nie bisher gefahren“ fallen und steuerte sehr vorsichtig aus der Parklücke heraus.

„Sag mal hast du überhaupt einen Anzug für morgen?“, kam es vom Blauhaarigen irgendwann mitten in der Fahrt als Frage.
„Oh nein! Daran habe ich nicht gedacht. Mist“
„Dachte ich mir. Also dann – Machen wir noch einen Umweg und fahren dich noch einkleiden!  Und komm ja nicht auf die Idee über Geld zu sprechen. Das geht auf mich. Schließlich tust du mir ja auch einen Gefallen indem du morgen an meiner Seite stehen wirst. Das wird ne große Überraschung für Marron und Miyako werden“
Der Angesprochene beließ es bei einem dankbaren Lächeln.

So kam es, dass die beiden Männer gemeinsam noch eine schnelle Shoppingtour unternahmen. Yamato wurde einige Male fast übel beim Anblick der Preisschildchen aber Chiaki signalisierte ihm, nicht darauf zu achten.
„Das kann ich dir doch niemals zurückzahlen“
„Musst du auch nicht. Das sagte ich doch bereits“
Als der angehende Bräutigam mit Yamatos Outfit zufrieden war, wurde alles bezahlt und sein Trauzeuge chauffierte ihn endlich heim.
„Vergiss die Waschstraße nicht“, erinnerte Chiaki ihn beim Ausstieg.
„Ja doch“, versicherte ihm dieser und verabschiedete sich.


Unterhaltende Stimmen von Miyako und Marron aus der Küche schmückten das Hausinnere, als er durch die Tür hereintrat.
„Hallo ihr drei“, grüßte er die Brünette, Miyako und seinen Kleinen, der sich voller Freude noch ein wenig wackelig auf den Beinen zum ihm hinbewegte.
Begeistert nahm er seinen Sohn in die Arme, gab ihm einen Kuss auf sein rotes Bäckchen und ging zu Marron rüber, die gerade dabei war, den Tisch einzudecken.
„Du bist spät heute, weißt du das? Ich hab inzwischen das Essen schon zwei Mal aufgewärmt gehabt“
Statt einer Antwort gab er ihr einen zärtlichen Kuss auf die Lippen und nickte anschließend Miyako zu.
„Meine herzallerliebste Kollegin, hättest du eventuell noch etwas länger Zeit?“
Nicht nur Miyako sondern auch Marron zogen misstrauisch ihre Augenbrauen in die Höhe.
„Und wofür? Wenn du dich schon so einschleimst, muss doch etwas dahinterstecken. Wenn ich dich daran erinnern dürfte, heiratest du morgen. Das bedeutet folglich, dass wir alle, ja auch ich inklusive, früh aus den Betten kommen müssen. Also würde ich jetzt gerne nach Hause. Aber ich höre mir gern deinen Plan an“, entgegnete die Schwarzhaarige spitzäugig.
„Fein. Dafür hast du was gut bei mir. Könntest du noch eins bis zwei Stunden lang auf Chisato aufpassen? Ich müsste nämlich meine Verlobte kurz irgendwohin entführen“
Vollkommen baff riss Marron ihre Augen weit auf. „Chiaki, was hast du vor? Es ist schon später Abend!“
Seine bettelnden Augen ließen Miyako keine Wahl also erklärte sie sich einverstanden.
Er dankte ihr und wandte sich seiner Verlobten wieder zu. „Nimm etwas vom Gratin mit, wir essen ihn an einem anderen Ort und zieh dir etwas Warmes an, Schatz. Ich rufe uns ein Taxi“
Die Brünette stand da, starrte Chiaki wortlos an, warf ihrer Freundin einen fragenden Blick zu; diese zuckte ahnungslos mit den Schultern.
Dann schüttelte sie ihren Kopf und ging sich umziehen. Chiaki nutzte den Moment, um ein bisschen mit seinem Kleinen im Wohnzimmer zu spielen.
Miyako suchte nach einem geeigneten Behälter, um den beiden das Essen miteinzupacken.


„Wo ist eigentlich unser Auto? Wieso fahren wir nicht damit?“, erkundigte sie sich, als sie schon mitten auf dem Weg waren.
„Das ist eine Überraschung. Wirst du morgen erfahren“
Sein Pokerface und seine Geheimnistuerei machten sie wahnsinnig. Eigentlich hätte sie sich schon längst daran gewöhnen müssen aber es war immer wieder unerwartet für sie, wenn er mit solchen Überraschungen kam.

Einige Minuten später dämmerte es ihr, wohin sie der Weg führte. Sie kannte ihn. Mittlerweile ziemlich gut. Eine geraume Zeit lang war es schon her, seitdem sie das letzte Mal dort gewesen waren.
Der Wagen hielt an, er öffnete ihr Gentleman-like die Tür, bezahlte den Fahrer und führte sie den Weg zu seiner Hütte hinauf.
„Sieh mal nach oben“, meinte er, als sie vor dem Häuschen angekommen waren.
Sie hob ihren Kopf gen den Himmel und öffnete atemlos ihren Mund.
„Unglaublich! So viele Sterne! Das ist wunderschön!“
Er nickte und legte seine Arme um ihre Taille. So blieben sie noch einige Minuten lang stehen, bis es schließlich kühl wurde und er sie ins Haus führte.
„Geh schon mal rein, ich hole Holz für den Kamin. Machs dir gemütlich“

Und plötzlich…
Diese Worte…
Erinnerungen!
Sie hatten Erinnerungen in ihr geweckt, die schon längst vergraben waren.
Ein Déjà-vu suchte sie heim.
Fast die selben Worte hatte er zu ihr gesagt, als sie das erste Mal hier waren.
Vor ihren Augen sah sie sich in jenem schwarzen Outfit mit der Lederjacke, voller Bangen und Kälte draußen stehen – Darauf wartend, die Wahrheit über Jeanne und Sindbad zu erfahren.
Es kam ihr vor, als ob es erst gestern gewesen wäre.
Sie biss sich auf die Unterlippe, schloss ihre Augen und lächelte über ihr eigenes Verhalten damals.
Dann betrat sie gemütlichen Schrittes die Hütte und stellte die Essensbehälter auf dem Holztisch im Zimmer ab und blickte sich um. Sie mochte diesen Ort. Mit ihm waren so viele Erinnerungen verbunden.
Sowohl schöne als auch traurige..

„Woran dachtest du?“, vernahm sie seine Stimme hinter ihrem Rücken.
„Wieso?“
„Du bist nicht sofort eingetreten deswegen interessiert es mich, was in deinem Kopf so rumgeschwirrt hat“
Sie drehte sich um und schüttelte ihren Kopf. „Ach nichts. Es ist nichts. Ich habe nur gerade überlegt, was du wohl hier mit mir vorhast“
Diesen Satz hätte sie lieber nicht laut aussprechen sollen, denn schon fing sie sich einen spitzen Blick von ihm ein.
„Das wirst du gleich sehen“, ließ er mit einem Lächeln fallen und sorgte für Wärme im Inneren.
Sie machte sich derweil dran, den Tisch mit Besteck und Tellern einzudecken.
Als er mit dem Feuer fertig war, verschwand er für einen kurzen Moment und tauchte mit einer Weinflasche in den Händen wieder auf.
„Wein? Sollten wir das nicht lieber lassen?“
Er schüttelte bestimmt seinen Kopf. „Es sind ja nur ein paar Schlucke, nicht mehr. So als Beigetränk zum Essen. Weißt du, wie lange ich mich nach diesem Abend gesehnt habe? Ich hab nichts geplant, ehrlich. Als ich eben vor unserer Haustür gestanden habe, überkam mich die Idee, unseren „letzten“ Abend hier zu zweit zu verbringen. Nur du und ich. Ich liebe dich, Marron. Mehr als mein eigenes Leben. Also lass uns die wenigen Stunden, die Miyako uns gestattet hat, hier zusammen genießen“
Sie schenkte ihm einen liebevollen Blick. „Na dann. Komm, lass uns essen. Es ist alles fertig“
Er nickte, ging zur Musikanlage, die in der Ecke stand, schaltete ruhige Lounge-Musik ein und nahm ein paar Weingläser aus einem Holzschrank heraus.
Nachdem er die Gläser halb gefüllt hatte, reichte er ihr ihres und nahm ihr gegenüber am Tisch Platz. „Auf uns“
„Ja, auf uns“
Sie stießen an und genossen plaudernd das Essen.
Als der Tisch danach abgeräumt war, nahmen beide vor dem Kamin mit ihren Weingläsern Platz und blickten verträumt auf die orange-roten Flammen.
Die Atmosphäre war ruhig und entspannt. Sie lehnte sich mit dem Rücken an seinen Brustkorb, nahm noch einen weiteren Schluck der roten Flüssigkeit, ließ sich den süßlichen Geschmack auf der Zunge zergehen  und betrachtete verträumt die Flammen.
Chiaki sog den blumigen Duft ihrer Haare ein und flüsterte sachte „Woran denkst du, mein Engel?“
Sie stieß einen Seufzer aus. „Weißt du, ich musste gerade wieder an Fynn und Access denken. Was wohl mit den beiden nach unserem Kampf passiert ist? Ich würde sie so gerne wiedersehen. Es ist schon so lange Zeit vergangen und Noyn hatte doch damals behauptet, dass wir sie eines Tages wiedersehen werden. Ich frage mich nur, wann wird das sein – eines Tages? Sie sind bisher nicht aufgetaucht. Ob es ihnen wohl gut geht?“
„Wir werden sie wiedersehen, glaub mir. Ich bin mir dessen sicher. Außerdem habe ich das starke Gefühl, dass sie immer irgendwo in unserer Nähe sind. Um ehrlich zu sein habe ich nie den Gedanken gehabt, dass sie uns für immer verlassen haben. Also vertraue darauf, was Noyn gesagt hatte. Wir müssen nur geduldig sein“
Sie nickte. „Ja, hoffentlich hast du Recht“
„Weißt du, woran ICH gerade gedacht habe?“
Marron drehte ihren Kopf, sah ihn neugierig an.
Er stellte sein Glas auf dem Boden ab, umarmte sie fester. „Ich habe mich gerade an jene Nacht erinnert, als ich dir über Jeanne und Sindbad hier erzählt habe. Unser erster Tag hier. Man war ich damals nervös, sag ich dir! Du warst so wütend auf mich gewesen und bist mit dem Taxi nach Hause gefahren. Du warst vor Zorn weggelaufen. Damals dachte ich, ich würde dich nie mehr wieder sehen. Ich hatte schon die Hoffnung verloren...
Doch als du dann in derselben Nacht so unerwartet wieder zurückgekommen bist und mich quasi schon zum Sex gezwungen hattest…“
Sie räusperte sich unwillkürlich und wurde verlegen. „Ehm ja…. das war …“
„Geil“
„Was?“
„Ja. Ich habe dich für deine Offenheit und für dieses unerwartete Handeln bewundert. Wie du hier so cool reinkamst und mir das Handtuch direkt von der Hüfte abgestreift hattest... “
„Hey jetzt übertreib mal nicht. Ganz so war es nicht gewesen“, fiel sie ihm protestierend ins Wort.
Er warf ihr einen schrägen Blick zu, den sie jedoch nicht sehen konnte, weil sie immer noch mit dem Rücken zu ihm gewandt saß. „Na wenn du wüsstest…“
Marron schluckte, biss sich auf die Lippen.
Ja, dieser Tag hatte sich auch in ihrem Gedächtnis festgebannt.


Und dann…
Auf einmal wurde es still im Raum. Er rutschte ein Stück weit weg von ihr und setzte sich an ihre Seite, so dass er ihr direkt in die Augen schauen konnte.
Diese Stille forderte keine Worte. Ihre verliebten Blicke trafen sich und Chiaki näherte sich langsam ihren Lippen. Er war so nah an ihr, daß sie seinen warmen Atem auf ihren Wangen spüren konnte.
Langsam und vorsichtig stellte sie ihr Glas ab und schlang einen Arm um seinen Oberkörper. Mit der anderen Hand fuhr sie ihm durch die Haare und schloss ihre Lider. Der Kuss wurde immer fordernder.
Als er sich von ihr löste, strich er ihr zärtlich über die Wange und sah tief in ihre rehbraunen Augen. „Du bist so schön. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie du das morgen überhaupt toppen willst. Ich würde dich am liebsten jetzt schon heiraten“
Sie legte ihm einen Zeigefinger auf die Lippen und beugte sich zum vor, als Zeichen, dass er lieber weitermachen sollte.
Und er ließ sich nicht zwei Mal auffordern...

Irgendwann lagen sie nur mit einem Bettlacken bedeckt nebeneinander vor dem Kamin und genossen ihre Zweisamkeit. Es war fast so, als ob die Welt um sie herum aufgehört hätte zu existieren. Verträumt spielte er mit ihrer Haarlocke und wünschte sich in jenem Moment, dass dieser Abend noch länger dauern würde.
Marron gähnte und auch er merkte sich seine Müdigkeit an.
Beinahe wären sie in dieser friedlichen und gemütlichen Stimmung eingeschlafen.
Doch Chiakis Handywecker klingelte gerade noch rechtzeitig und holte sie in die Realität wieder zurück.
Er gab ihr einen Kuss auf ihre Stirn, streichelte ihre Wange, erhob sich ein klitzekleines bisschen frustriert  und zog sie anschließend  mit sich hoch. „Wir müssen. Miyako muss langsam nach Hause. Zu gern hätte ich die ganze Nacht hier mit dir verbracht aber…“
„Ja, du hast ja Recht. Man soll immer gehen, wenns am Schönsten ist. Lass uns fahren. Ich geh mich schnell anziehen“ Das Bettlacken um ihren Körper gewickelt  wanderte sie ins Bad und drehte sich nochmal kurz um, bevor sie es betrat. „Chiaki?“
„Hm?“
„Danke. Du bist einfach unglaublich. Danke für diese wunderschönen Stunden. Ich liebe dich“
„Immer mein Schatz. Das waren nicht die letzten. Wir werden noch so viele Stunden gemeinsam verbringen. Die schönsten und glücklichsten Momente warten noch auf dich“, zwinkerte er ihr liebevoll zu und streifte seine Jeans über.

Wieder zu Hause angekommen, fanden die beiden Miyako auf ihrer Couch schlafend vor. Auf ihrem Bauch lag Chisato, der sich  ebenfalls im Land der Träume befand.
Chiaki legte seine Hand auf Marrons Schulter und so standen sie noch einige Minuten da und sahen den beiden beim friedlichen Schlaf zu.
Irgendwann nahm die Brünette dann ihren Sohn vorsichtig auf den Arm, dieser öffnete kurz seine Äuglein und schloss sie wieder, um weiterzuschlafen. Chiaki nahm ihn ihr ab und trug ihn in sein Bettchen.
In dieser Zeit rüttete Marron ihre Freundin vorsichtig wach....


Dann kam der nächste Morgen und im Hause Nagoya- Kusakabe lief es rund. Um 6:00 Uhr früh klingelte schon Kaiki an der Tür, um seinen Enkel abzuholen. Eiligst durchs Haus rennend packte Marron die Babytasche zusammen und versuchte ihre Nerven zu behalten. Der Kleine quängelte, weil er nicht ausgeschlafen hatte. Kaiki versuchte ihn mit sämtlichen komischen Grimassen zum Lachen zu bringen aber die Masche zog nicht.
Irgendwann kam dann auch Chiaki aus dem Bad heraus und nahm Chisato in seine Arme. „Na Sohnemann, müde? Wenn du wüsstest, wie ich dich gerade verstehe... Aber heute ist ein wichtiger Tag für Mama und mich. Also müssen wir jetzt ganz schnell wach werden. Ich wüsste auch schon, was uns dabei helfen wird“
„Oha und was bitte?“, fragte Kaiki gespannt und bereitete sich eine Tasse Kaffee zu.
„Ein Energydrink“, antwortete Chiaki flapsig und öffnete den Kühlschrank.
Kaiki klappte fast die Kinnlade herunter. Gott sei Dank kam Marron noch rechtzeitig in die Küche.
„Sag mal biste des Wahnsinns? Du kannst doch einem kleinen Kind kein Redbull geben!!“, meckerte sie genervt und fassungslos. „Komm, mein Schatz, ich nehme dich. Dein Vater hat gerade den Verstand verloren. Lass uns lieber einen gesunden Brei essen“, sprach sie auf den Kleinen ein.
Chiaki schaute sie schräg von der Seite an. „Gesunden Brei? Aus dem Gläschen? Das glaubst du wohl selbst nicht“
„Jetzt beruhigt euch doch“, mischte sich Kaiki ein, weil er merkte, dass bei den beiden die Nerven blank lagen. „Komm Marron, ich übernehme die Fütterung. Geh du dich fertig machen. Keine Sorge, ich achte schon drauf, dass Chisato kein Redbull zum Frühstück bekommt“
„Danke Kaiki. Wenigstens einem kann man hier den Kleinen anvertrauen“
„Ja und jetzt beeil dich. In wenigen Minuten kommt dich jemand abholen also verlier keine Zeit“, erinnerte Kaiki sie.
„Jemand?“, fragte sie verwundert. „Ich dachte du fährst mich zum Friseur“, schaute sie Chiaki unverständlich an.
„Sorry aber ich habe keinen Wagen. Also lass dich überraschen“, erwiderte er amüsiert.
Im selben Augenblick klingelte es an der Tür und Marron beeilte sich immer noch ziemlich verdutzt aufzumachen.
Als sie den Besucher erblickte, wurde sie baff. Ihr innerer Dialog hörte für einen Moment auf zu existieren.
„Hallo Marron. Na bist du bereit zum Fahren?“, kam es freundlich von ihm.
„Ya…Ya… Yamato?“
„Ja. Ich bin heute dein bzw. euer Chauffeur. Also?“
Sie drehte ihren Kopf und blinzelte Chiaki mehrmals irritiert an.
Er nickte nur und sie verstand überhaupt nichts mehr.
„Hab ich was verpasst?“, wisperte sie ihm kaum hörbar zu.
„Ja. Deswegen war ich gestern länger weggewesen. Wir haben uns ausgesprochen. Außerdem habe ich noch einen Trauzeugen gebraucht“
Von ihr kam ein langer aber zufriedener Seufzer. „Na wie dem auch sei. Ich freue mich sehr dich zu sehen und dass jetzt wohl anscheinend alles wieder gut ist. Komm doch rein, Yamato. Ich brauche noch 10 Minuten dann können wir los“
„Ist gut. Danke. Ich freue mich auch“, sagte der Braunhaarige glücklich und betrat das Haus.
„Hallo Herr Nagoya“, grüßte Yamato Chiakis Vater
„Hallo Yamato. Freut mich, dass ihr alle wieder zusammen seid!“
„Ja mich auch, Herr Nagoya. Mich auch“, gestand er froh.

Schließlich half Yamato Marron beim Beladen des Wagens mit ihren Sachen und fuhr sie, die immer noch sehr über sein plötzliches Erscheinen überrascht war, zu ihren Terminen.
Er schaffte es gerade pünktlich die ihm aufgetragenen Aufgaben zu erledigen und kam gegen 10:40 Uhr gemeinsam mit Chiaki in die Kirche.
Wie geplant, um elf Uhr begann dann die Trauung. Alle geladenen Gäste waren erschienen. Die weiblichen Gäste hockten mit einem Taschentuch in ihren Händen auf den Bänken und trockneten hin und wieder das ein oder andere Tränchen ab.
Marron staunte nicht schlecht, Yamato in einem stilvollen Anzug zu sehen. Er hatte sich regelrecht in einen ganz anderen Menschen verwandelt.
Miyako ersparte sich jegliche Bemerkungen, als sie ihren Freund bei Marrons Vorbeibringen im Türrahmen angetroffen hatte. Sie verstand auch so alles. Ohne jegliche Erklärungen. Sie freute sich einfach nur vom ganzen Herzen, dass jetzt endlich die Welt wieder heil war.

Nachdem das Brautpaar die Eheringe ausgetauscht hatte, wurden noch viele Fotos vor der Kirche geschossen und anschließend ging es weiter in die angemietete Location zum Feiern.
Zuerst wurde ganz viel auf das Brautpaar angestoßen, dann viele Glückwunschreden seitens der Gäste gehalten, endlich gegessen und getanzt. Der Tag war einer der besten für Marron. Alle waren glücklich, die Stimmung hätte einfach nicht besser sein können.
Schließlich wurde es 22:00 Uhr abends. Es stand nur noch die Hochzeitstorte aus. Diese hatten sie sich bis zum Schluss aufgespart.
Alle Gäste versammelten sich in einem großen Kreis und ließen das Brautpaar in der Mitte stehen. Unter dem Scheine vieler Kerzenlichter und Flackern von Wunderkerzen rollte der Koch die dreistöckige Torte in den Raum und positionierte sie vor dem Brautpaar.
Gemeinsam schnitten sie diese in viele Stücke und probierten das Erste. Danach wurden die Gäste versorgt.
Nach einem letzten gemeinsamen Tanz für diesen Abend ließen sie die Gäste im Raum weiterfeiern und zogen sich gemeinsam mit Miyako und Yamato auf den Balkon zurück.
„Danke, dass ihr da seid. Danke, dass ihr unsere Freunde seid. Und danke, dass ihr diesen wunderschönen und unvergesslichen Abend mitgestaltet habt. Miyako zwar mehr aber das spielt keine Rolle. Wir sind wieder zusammen. Auf uns“, schlug Chiaki vor und hob sein Glas.
„Auf euch und auf uns“, sagten Miyako und Yamato gleichzeitig und stießen an.
Weder Chiaki noch Marron wussten, das wie vielte Glas Champagner es heute war. Aber sie hielten sich noch ziemlich gut auf den Beinen.

„Genießt noch den Rest dieses bald endenden Tages. Wir gehen wieder rein. Ich schaue mal nach Chisato“, kam es von Miyako. Sie packte Yamato am Arm und zog ihn mit sich.
„Danke, Miyako“, entgegnete Marron nickend und lehnte sich an die Brüstung des Balkons.
Chiaki stand neben ihr und beide genossen den Anblick der leuchtenden Sterne am Himmel. Es war eine klare, wolkenlose Nacht. Einfach nur traumhaft.
Leicht und kaum hörbar wehte ein warmer Wind.
„Hab ich dir heute schon gesagt, wie unglaublich du in diesem Kleid aussiehst?“, unterbrach Chiaki die Stille.
„Ja, ungefähr um die zwanzig Mal wenn nicht mehr“, lächelte sie ihn an.
"Dir steht der Anzug aber auch ausgezeichnet. Ich mag es, wenn du Anzüge trägst"
Er gab ihr einen Kuss auf ihre Wange und im selben Moment vernahmen beide ein starkes, helles Leuchten am Himmel. Für einen kurzen Moment wurden sie durch dieses Licht geblendet.
Als das Licht nach und nach abschwächte, mussten beide blinzeln.
„Was zum Himmel war das?“, rief Marron erschrocken.
Chiaki schüttelte seinen Kopf. „Keinen blassen Schimmer“
Langsam wandten beide gleichzeitig ihre Köpfe nach links und hielten die Luft an. Sie glaubten nicht an das, was oder besser gesagt wen sie vor sich sahen.
„Hallo ihr zwei“, riefen zwei Stimmen zur selben Zeit und strahlten das Brautpaar an.
Marron schluckte hart, begann zu zittern. Beinahe hätten sich Tränen in ihren Augen gebildet.
„Na na, nicht weinen. Dein Make-up soll doch noch bis zum Schluss aufrechterhalten werden. Es ist alles gut, Marron“, wurde sie durch Fynns zärtliche Stimme beruhigt.
„Fynn! Acces! Wo wart ihr die ganze Zeit? Ich freue mich so euch zu sehen! Ihr glaubt gar nicht, was für Sorgen ich mir gemacht habe! Erst gestern haben wir über euch gesprochen und heute taucht ihr auf!“
Sie hielt es nicht aus und kam herzklopfend auf die beiden Engel zu und umarmte sie.
Chiaki blieb an seinem Platz stehen und strahlte die beiden einfach nur glücklich an.
„Wir waren immer bei euch, Marron. Immer. Tut uns leid, dass wir uns nach dem Kampf nicht bei euch blicken haben lassen. Wir hatten eine Mission zu erfüllen . Wir mussten sichergehen, dass der Teufel auch wirklich restlos bekämpft wurde und die Erde endlich in Frieden sein konnte“, berichtete der Engel mit den grünen Haaren.
Acces ergänzte „Ja. Wir haben überall auf der Erde nach möglichen verbliebenen Dämonen gesucht und zum Glück keinen einzigen gefunden“
„Wie schön“, entkam es der Brünetten.
„Nun, heute ist euer Hochzeitstag. Wir wollten euch von Herzen gratulieren. Auch zu eurem Baby bzw. mittlerweile schon stolzen einjährigen Sohn. Deswegen sind wir gekommen. Es freut uns sehr, euch so glücklich und verliebt zu sehen“, nickte Acces.
„Uns ebenfalls“, bemerkte Chiaki.
Fynn warf Acces einen kurzen, fragenden Blick zu und erhielt eine Bestätigung von ihm. Beide streckten ihre Handflächen vor sich aus und ließen zwei Kreuze darin erscheinen.
Das Brautpaar wechselte überraschte Blicke aus.
„Oh nein, müssen wir doch noch kämpfen?“, wunderte sich Marron mit Besorgnis.
„Nein, nein, keine Sorge. Das sind keine Verwandlungskreuze. Im Gegenteil das ist unser Geschenk für euch. Wir haben gedacht, falls ihr irgendwann an einander zweifeln solltet oder falls ihr schwierige Momente in eurem Leben durchleben werden solltet, was wir natürlich nicht hoffen, dann braucht ihr nur eure Kreuze zu berühren. Darin ist euer Leben gespeichert, eure schönsten aber auch eure schwierigen Momente, in denen ihr fest zueinander gehalten habt und auf eure Liebe vertraut habt. Die Kreuze werden euch immer Kraft und Mut geben. Wir haben gedacht, dass das das beste Geschenk für euch beide ist“, erklärte Fynn und überreichte beiden ihre Accessoires.
Beide nickten und verzogen ihre Lippen zu einem dankenden Lächeln und nahmen die Kreuze in die Hände.
„Vielen Dank. Das ist wirklich das beste Geschenk überhaupt“, bestätigte Marron.
„Ach ja ehe es in Vergessenheit gerät – solltet ihr uns brauchen oder einfach nur plaudern wollen, dann ruft uns mit Hilfe der Kreuze“, meinte Acces und fügte hinzu, dass es nun Zeit wurde für die beiden, wieder zu gehen.
„Was? Jetzt schon? Ihr seid doch erst gekommen! “, protestierte Marron.
Der Engel mit den grünen Haaren nickte und umarmte sie. „Ja, wir wollten nur kurz vorbeischauen. Wie gesagt, wir sind immer bei euch. Also macht euch keine Sorgen um uns und ruft uns einfach. Und habt noch eine schöne Nacht. Wir wünschen euch nochmals alles Gute!“
Chiaki schüttelte Acces und Fynn die Hand und bedankte sich nochmals bei beiden.
Ein kleines Tränchen verließ Marrons Augen, als die beiden Engel sich in Luft auflösten.
„Komm, lass uns wieder zu den Gästen zurückkehren und noch ein bisschen feiern. Du hast sie doch gehört, wir können sie jederzeit rufen“, bemerkte Chiaki.
Sie nickte und stöhnte leise auf.
Eine allerletzte Überraschung erwartete das Brautpaar um Punkt 0:00 Uhr nachts draußen vor der Location. Miyako hatte ein Riesenfeuerwerk für die beiden organisiert. Voller Erstaunen wandten sich sechzig Köpfe gen den Himmel und bewunderten das Schauspiel.
Mit ihrem kleinen Sohn in den Armen und ihren Freunden, Miyako und Yamato an den Seiten, standen Marron und Chiaki noch eine ganze Weile lang da.
Hinter ihnen war  Kaiki, Himuro und Miyakos Mutter.
In Gedanken dankte Marron Gott dafür, dass sie damals über Chiakis Umzugskisten stolpern musste und ihm dadurch begegnet war. Sie liebte ihn, genoss unendlich seine Nähe. Und sie liebte ihren gemeinsamen Sohn.
Glücklich schmiegte sie ihren Kopf an seinen Oberarm und nahm Miyakos Hand in ihre „Danke, dass ihr in meinem Leben existiert. Danke euch Allen“, flüsterte sie und wurde von Miyako auf die Wange geküsst.
Danach ging auch dieser Tag zu Ende.  Diese Hochzeit war ein voller Erfolg. Es war mehr, als sie sich jemals wünschen konnte.
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