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Schwarze Liebe

von Liaya
GeschichteMystery / P18 / Gen
29.11.2017
08.05.2018
34
122.437
6
Alle Kapitel
59 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
02.04.2018 6.227
 
Guten Morgen/Tag/Abend!
Ja, ich weiß, es ist lange her, seitdem ich das letzte Kapitel veröffentlicht habe und ich habe leider diese Zeit gebraucht. Dieses Kapitel ist zwar als letztes Kap angesetzt aber ich füge noch einen Epilog ein. Ich habe lange überlegt und das letzte Kap erstens etwas umgeschrieben und zweitens in ein Kapitel und einen Epilog aufgeteilt sonst hätte dieses Kap  alle Rahmen gesprengt. Es ist auch so schon lang genug geworden )))
So jetzt ziehe ich mich aber zurück^^ Mit den liebsten Grüßen an alle und bis bald!
(Der Epilog kommt bald -)
Ps. Vielen Dank für all eure Kommentare, ich habe mich riesig gefreut )))


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Sechs Monate später....


Er rief sie aus dem Kommissariat aus an. Seine Stimme hatte den Klang von Schuldgefühlen. Er wusste, sie hatte extra gekocht heute abend und erwartete ihn ausnahmsweise mal pünktlich zu Hause. Nicht so wie viele, viele Male, wenn er versprach, bei Zeiten daheim zu sein und aus "bei Zeiten" wurde dann des Öfteren eine, zwei, manchmal auch drei Stunden später. 

Und jetzt, als sie abhob, hörte sie bereits, noch bevor er ihr sagte, um was es ging, dass er erneut später heimkehren würde. 

Marron verdrehte ihre Augen, seufzte und ärgerte sich insgeheim über sich selbst, als sie ihm an diesem einem gewissen Tag ihr Einverständnis dazu gegeben hatte, bei der Kripo anzufangen. 

"Marron, Süße, hör zu, es....", fing er an und schlug lautlos mit der Faust auf seinen Schreibtisch.

Sie räusperte sich deutlich hörbar und er hörte, wie nicht anders zu erwarten war, ihre Unzufriedenheit durch den Hörer.

"Was ist es dieses Mal, Nagoya?"

Er schluckte, lockerte seine Krawatte und spielte mit seinem oberen Hemdknopf. Immer wenn sie ihn "Nagoya" nannte, wusste er, dass sie sich ärgerte. Nein, mehr als das. Sie war enttäuscht. Ein weiteres Mal und er konnte nichts dagegen tun. Die Arbeit forderte seinen gesamten Einsatz und pünktlich Feierabend machen war nicht immer drin. 

Es tat ihm leid. Ja, er war schon einige Male kurz davor gewesen, wegen ihr seine Ausbildung hinzuwerfen aber sie wusste, dass es seine Leidenschaft war und ohne seine Arbeit wäre er nicht mehr derselbe Chiaki, den sie sonst kannte. Er würde sich langweilen, das war ihr bewusst. Also raufte sie sich immer wieder aufs Neue zusammen und versuchte sich mit mehr oder weniger Erfolg an seine Verspätungen zu gewöhnen. Doch nicht heute. Erstens war Freitag Abend, das hieß Wochenende! Er hatte ihr versprochen, den Abend mit ihr zu verbringen. Und zweitens hatte sie schon seit heute Morgen starke Schmerzen im gesamten Bauchbereich. Und das trieb sie in die Hölle und machte sie wahnsinnig. Den ganzen Tag lang versuchte sie sich vergeblich von den starken Krämpfen abzulenken. Und jetzt auch noch das. Mal wieder ein Anruf derselben Art von ihm. 

Sie ballte eine Faust und presste mit der anderen Hand ihr Handy fester an ihr Ohr. Dann schluckte sie ihren Kloß im Hals mit Mühe herunter und versuchte sich mit aller Gewalt zu beherrschen.

"Marron, ich...", probierte er erneut. Sie antwortete nicht, also sprach er weiter. 

"Es ist kein Einsatz. Heute nicht. Wie du weißt, war heute mein letzter Tag der Probezeit und ich hab sie bestanden. Aber das weißt du schon seit Anfang der Woche"

"Und weiter?"

Ihr Ton klang hart.

"Die Kollegen möchten mit mir anstoßen. Mich offiziell in ihr Team aufnehmen. Schatz, glaub mir, ich hab es nicht gewusst. Das kam vollkommen unerwartet für mich. Ich verspreche dir, nicht lange zu bleiben. Wir stoßen nur an und spätestens in einer Stunde bin ich bei dir"

Ehe sie antworten konnte, spürte sie einen erneuten heftigen Stoß im Bauch und unterdrückte ein wehsames Stöhnen. Stattdessen kam nur ein gequältes "Aha" als Antwort. 

"Marron? Alles okay?"

"Ja....", nuschelte sie. "Gib mir mal Miyako. Ist sie irgendwo in der Nähe?", wechselte sie abrupt das Thema.

Verwundert zog er seine Augenbrauen hoch. "Miyako? Ja, warte ich rufe sie. Schatz ist wirklich alles gut?"

"Ja, alles in bester Ordnung. Ich möchte ihr nur etwas sagen"

"Okay", entgegnete er und legte kurz den Hörer zur Seite. 

Die Brünette ging ins gemeinsame Schlafzimmer - sie wohnten seit zwei Monaten in diesem Traum von Haus, ja, er hatte es wirklich gekauft- und hockte sich schwer atmend aufs Bett. Die Schmerzen ließen kurz nach und kamen wieder. 

Durch den Hörer hörte sie gedämpfte Gelächter und Geplauder der Kollegen von Chiaki. 

Als Miyako an den Aparat ging, bemühte sie sich um einen möglichst normalen Ton.

"Hallo Marron. Chiaki meinte, du wolltest mich sprechen. Bevor du etwas sagst,ja,  ich weiß, dass du sauer bist. Es ist wahr, wir wollen nur kurz anstoßen und dann kommt er auf direktem Wege zu dir. Ich sorge dafür. Mein Vater wollte diese in Anführungszeichen Begrüßungsfeier so schnell wie möglich hinter sich bringen und...."

Die Angesprochene rang unhörbar nach Luft und räusperte sich. "Miyako, schon gut. Es ist okay. Wirklich. Ich wollte dir eigentlich etwas anderes sagen...", begann sie.

"Ja?"

Die Braunhaarige schloss angestrengt ihre Augen. "Es .... es ist folgendes. Ich befürchte, dass heute das Baby kommt. Aber...."

Noch bevor sie zu Ende sprechen konnte, hörte sie schon die alarmierende Stimme der Schwarzhaarigen. "Was?! Oh Gott, Marron, du musst ins Krankenhaus!"

"Nein! Noch nicht. Ich habe lediglich gesagt, dass ich es befürchte. Noch geht es. Bitte, sag Chiaki nichts. Ich möchte ihn nicht umsonst beunruhigen. Bitte halt nur dein Handy bereit. Wenn etwas sein sollte, melde ich mich sofort. Ich versprechs. Macht euch einen schönen Abend. Ich wollte nur, dass jemand Bescheid weiß. Mach dir keine Sorgen. Halt nur dein Handy bereit. Das ist alles"

Miyako schüttelte geschockt ihren Kopf. "Ja aber..."

"Kein aber. Ich kenne Chiaki. Wenn ich es ihm sage, dann rast er wie ein Verrückter zu mir und wenn es am Ende ein Fehlalarm ist, habe ich ihm die Feier ruiniert. Das will ich nicht. Bitte tu mir diesen Gefallen. Bitte Miyako"

"Das...  das ist zu viel verlangt, Marron. Was ist, wenn du umkippst oder wenn du nicht mehr die Kraft dazu haben wirst, anzurufen?"

Die Brünette schwieg kurz und registrierte ein heftiges Ziehen in ihrer Mitte. Mit ihrer rechten Hand wischte sie sich den Schweiß von der Stirn und atmete schwer aus. 

"Miya...", stieß sie nach Luft ragend heraus und merkte, wie ihre Sicht anfing zu verschwimmen. 

Miyako presste ihre Lippen aufeinander und hörte hunderte Alarmglocken in ihren Ohren. 

"Marron.....?"

"Ja, ich bin noch... noch da....", keuchte sie.

Doch ihre Freundin hörte sie nicht mehr. Sie hatte den Hörer heftig weggelegt und lief direkt in den Besprechungssaal. 

Chiaki unterhielt sich gerade mit einem Kollegen und bemerkte, wie ihn plötzlich jemand am Arm zog. 

Ruckartig drehte er sich um  und blickte in Miyakos kalkweißes Gesicht. 

"Miyako? Was ist?"

"Marron! Schnell...du.. wir.. ich...", rief sie hochnervös und panisch durcheinander.

Der Blauhaarige riss seine Augen weit auf. "Was ist mit ihr? Na sag schon!", schüttelte er sie. 

"Sie... Oh Gott! Das ... das Baby!"

Er stand da, ließ sie in Zeitlupe los und spürte, wie ihm der Atem wegblieb. 

"Chiaki, euer Baby kommt. Du musst sofort zu ihr!", rief sie laut und merkte erst jetzt, dass sich alle Kollegen um sie und Chiaki herum mit offenen Mündern versammelt hatten. 

Dann geschah alles blitzschnell. Chiaki rannte an Miyako und den anderen schleunigst vorbei und wollte durch den Ausgang raus, traf den Hauptkommissar aber dort, der ihm den Weg versperrte. 

"Herr Todaj, lassen Sie mich durch, bitte", rief er aufgeregt. 

"Ich hab alles gehört. Komm, es ist wohl besser, wenn ich dich fahre. In diesem Zustand wirst du noch einen Verkehrsunfall verursachen"

Der Azubi öffnete den Mund um etwas zu sagen, merkte aber, dass in seinem Kopf ein totales Chaos herrschte. 

Himuro wartete nicht lange, schnappte nach seiner Hand und zog ihn stumm mit sich.

 Chiaki ließ sich führen und nahm herzrasend Platz in Himuros Dienstwagen. 

Der Kommissar startete den Motor und legte den Rückwärtsgang ein. Doch losfahren konnte er nicht. Jemand rann hastig auf das Auto zu und riss die hintere Tür auf. 

"Wartet! Ich will mit!",rief Miyako außer Atem und sprang in den Wagen hinein. 

Himuro seufzte. "Ok, lasst uns fahren". 

Chiaki schluckte. Seine Gedanken rasten. Alles, was der Kommissar und Miyako während der Fahrt sagten, ging total an ihm vorbei. All die Versuche, ihn ein wenig zu beruhigen, scheiterten gnadenlos. Er dachte nur an eins. Marron. 

Er betete, dass er ihr und dem Baby gut ging. 

Wie .... wie konnte es überhaupt dazu kommen, dass das Kleine heute schon das Licht der Welt erblicken wollte? Der Geburtstermin wäre doch erst in zwei Wochen! Was war passiert? 

Sie war doch erst vor ein paar Tagen in einer Kontrolluntersuchung gewesen und alles war in Ordnung. Die Schwangerschaft verlief bisher unproblematisch. 

Frustriert schlug er seine Augen zu. Er ärgerte sich über sich selbst. Warum zum Himmel musste er sie heute Abend alleine lassen? 

Wenn ihr oder dem Baby etwas zustoßen würde, würde er es sich niemals verzeihen. 

"Sollen wir vielleicht einen Krankenwagen rufen?", ertönte Miyakos besorgte Stimme. 

Himuro schüttelte bestimmt den Kopf. "Nicht nötig, wir sind in einigen Minuten bei ihr. Wo muss ich abbiegen?", wandte er sich an seinen Azubi. 

Keine Antwort. Chiaki starrte geistesabwesend nach vorn.

Himuro stupste ihn leicht an. "Hey? Jemand da? Ich war nie bei euch gewesen. Wo muss ich lang?"

Der Angesprochene räusperte sich, kam wieder zur Besinnung. "Eh ja, die zweite Straße rechts und dann immer gerade aus und die letzte nach links. Dann sind wir da"

Der Kommissar nickte ohne jeglichen Gesichtsausdruck. 

Erst jetzt kam es dem Blauhaarigen in den Kopf, dass er besser seinen Vater anrufen sollte. Reflexartig griff er in seine Hosentasche und stellte frustriert fest, dass er sein Handy im Büro vergessen hatte. 

"So ein Mist!", zischte er zwischen zusammengepressten Zähnen und griff sich verzweifelt an die Stirn. 

"Handy?", streckte Miyako ihren Kopf zwischen den Sitzen hervor  und blickte Chiaki fragend an. 

"Ja...."

"Hier", reichte sie ihm das Gerät. 

Auf seinen erstaunten Blick hin antwortete sie "du hast es auf deinem Tisch liegen lassen. Ich hab es mitgenommen".

"Danke", hauchte er aufatmend und nahm es an. 

Dann wählte er die Nummer seines Vaters und wartete unter Strom seine Antwort ab. 

"Chiaki?", hörte er endlich die ihm bekannte Stimme. 

"Hi. Falls du nicht im Krankenhaus bist, mach dich auf den Weg dorthin. Das Baby kommt. Wir kommen sofort vorbei",rief er hektisch. 

"Was? Jetzt schon? Hab verstanden. Bis gleich. Beeilt euch". Damit legten beide auf und Chiaki sah, dass sie bereits einige Meter vom Haus entfernt waren.

"Da vorne. Wir sind da", signalisierte er Himuro. 

Dieser hielt vor dem Gebäude an und Chiaki sowie Miyako sprangen sofort aus dem Auto heraus um ins Haus hineinzueilen. 

Danach ging alles nur noch sehr schnell. 

Intuitiv rannte der Blauhaarige in das gemeinsame Schlafzimmer, Miyako eilte ihm nach. 

Sie fanden Marron auf dem Bett zusammengekrümmt vor.

"Marron?", rüttelte Chiaki sie. 

"Chiaki....",versuchte sie krampfhaft zu lächeln und verzog unter Schmerzen ihr Gesicht. 

"Wir fahren sofort ins Krankenhaus", sagte er ernst und ergänzte "Mensch, wieso hast du mir denn nichts am Telefon gesagt?!"

"Ich... ich dachte, dass es wieder vorbeigeht. Ich wollte dir nicht unnötig Sorgen bereiten"

Er schüttelte nur den Kopf, ließ es unkommentiert und nahm sie in seine Hände und trug sie hinaus zum Wagen. Miyako war sprachlos, konnte vor lauter Panik kein Wort herausbekommen und starrte ihre Freundin einfach nur an. 

Himuro hatte am Steuer gewartet, um keine Zeit zu verlieren und sofort loszufahren. 

Miyako öffnete schnell die Hintertür und half Chiaki. 

Dann, als Marron endlich liegend auf der Rückbank positioniert wurde und ihren Kopf auf Miyakos Schoß gebettet hatte, fuhr Himuro los. 

Während der Fahrt streichelte Miyako Marron beruhigend durch die Haare. "Es wird alles gut, Süße. Nur keine Panik"

Die Brünette lächelte krampfhaft. "Sagt grad die, die mehr Bammel als ich hat"

"Und wenn schon", blickte die Schwarzhaarige beschämt weg. 

Marron legte ihre Hand auf ihre. "Danke. Danke, dass du da bist und nicht auf mich gehört hast. Ich bin so froh, dass ihr da seid"

Miyako verzog liebevoll ihre Lippen. "Immer"

Chiaki schielte ab und zu mit besorgter Miene zu Marron rüber, die sich sehr darum bemühte, einen normalen Gesichtsausdruck zu bewahren. 

"Tut es sehr weh?",fragte Miyako.

Die Angesprochene schluckte und atmete rhythmisch. "Es .... es geht schon. Ich denke, das sind die Wehen"

Miyako drückte ihre Hand fester. "Halt durch, Süße. Du bist stark, du schaffst das"
Während Marron dalag und in Miyakos Gesicht blickte, versuchte sie die aufkommende Panik zu bekämpfen.
Sie ahnte, dass das Baby heute geholt werden würde und sie wollte es nicht wahrhaben aber sie hatte Angst. Aber gleichzeitig befahl sie sich, sich zusammenzureißen.
Die Schmerzen wurden immer heftiger und sie wünschte sich mittlerweile ein Schmerzmittel. Irgendetwas, was ihr wenigstens für ein paar Minuten Ruhe und Entspannung geben würde.
Zum Glück hörte sie im nächsten Moment Chiakis Stimme, die verkündete, dass sie fast angekommen waren.


Als Himuro den Wagen anhielt, kam schon Kaiki mit zwei Kollegen samt einer Trage herausgerannt. 

Die Kollegen hoben sie unter größter Vorsicht auf die Trage und brachten sie auf schnellstem Wege in den Kreissaal.

"Bis hierhin und nicht weiter", stoppte Kaiki seinen Sohn, Miyako und Himuro vor dem Raum. 

Chiaki fing, wie nicht anders zu erwarten war, zu protestieren an aber Kaiki hörte ihm nicht zu und verschwand hinter der Tür.

"Vater, lass mich zu ihr! Du hast nicht das Recht, mir den Zutritt zu verwehren!"

Himuro packte ihn an der Schulter und hielt ihn auf, als dieser trotz des Verbots in den Raum hineinstürmen wollte.

 "Hey, jetzt beruhig dich mal. Dein Vater weiß, was er tut. Er ist ein guter Arzt. In deinem instabilen Zustand ist es besser, wenn du hier mit uns wartest", sagte er in einem ernsten Tonfall und zog ihn gegen seinen Willen zu einem Stuhl und drückte ihn mit Kraft auf diesen. 

"Herr Todaj, lassen Sie mich! Sie verstehen das nicht. Vielleicht wird sie mich brauchen. Sie hat sicherlich Angst. Ich muss ihr bei ihr sein!", wehrte er sich. 

Himuro tat einen kräftigen Atemzug. "In deinem Zustand wirst du sie eher mehr nervös und panisch machen als ihr zu helfen. Also beruhig dich lieber und stör deinen Vater und sein Team nicht. Es wird schon alles gut werden. Daran zweifle ich nicht und du solltest ihm auch vertrauen".

Damit setzte er sich neben den Blauhaarigen und bedeutete auch seiner unruhigen Tochter, Platz zu nehmen. 

Diese gehorchte stumm, nahm Platz und faltete betend ihre Hände. 

Chiaki sagte nichts. Seine Nerven gingen mit ihm durch. Aber er musste eingestehen, dass sein Chef recht hatte. Er sollte lieber nicht stören dadrin. Und dennoch wünschte er sich nichts mehr, als die ganze Zeit über bei ihr zu sein. 
Das Schlimmste war für ihn, dass er nichts tun konnte außer zu warten. Und das machte ihn schlicht und ergreifend wahnsinning. Er biss sich auf die Unterlippe, bis diese weiß wie Käse wurde und anfing zu bluten. Es störte ihn nicht. Vor lauter Nervosität spürte er nicht einmal den Schmerz.



Dann vergingen etliche Stunden. 

Stunden, in denen alle drei schwiegen und bangten. Stunden, die ganz besonders an Chiakis Nerven zerrten. 

Ein paar Mal verschwand Himuro nach draußen, um zu rauchen und seine Frau anzurufen. Dann kam er wieder und setzte sich seufzend wieder zwischen die beiden hin. 

Miyako besorgte Kaffee für alle, doch Chiaki lehnte dankend ab. Er konnte jetzt nichts trinken. Die Zeit zog sich und schien kein Ende zu nehmen. 

Irgendwann war Chiaki von seinem Zustand und dem ausgeworfenem Adrenalin so erschöpft gewesen, dass er gar nicht bemerkte, wie er plötzlich eingeschlummert war und sein Kopf auf Miyakos Schulter fallen ließ.

"Soll ich ihn wecken?", flüsterte Miyako ihrem Vater zu. 

Dieser verneinte mit seinen Augen. "Lass ihn. Ist besser, wenn er etwas abschaltet"

Sie nickte. "Warst du auch so nervös, als ich zur Welt kam?"

Der Kommissar verzog halb lächelnd seinen Mund. "Wenn du wüsstest! Noch schlimmer, um ehrlich zu sein. Aber das war nur innerlich. Äußerlich ließ ich mir nichts anmerken. Deshalb ließ man mich auch bei deiner Geburt dabei sein. Die Ärzte gingen davon aus, dass ich ziemlich abgehärtet war. Was natürlich ein großer Irrtum war"

"Verstehe..."

"Was glaubst du, was mit ihr los ist?", fragte sie besorgt. 

"Ich kann es nicht mit ziemlicher Sicherheit sagen aber ich gehe davon aus, dass Kaiki das Baby holen wird. Wenn es tatsächlich etwas zu befürchten gibt, ich meine, dass sich  irgendwelche Komplikationen abzeichnen werden, dass er einen Notkaiserschnitt durchführen wird. Soweit ich weiß, sollte das Kind doch erst in zwei Wochen erst kommen. Nun, wenn sie Schmerzen hatte und die Fruchtblase noch nicht geplatzt ist, scheint irgendetwas wohl passiert zu sein. Aber das sind nur Vermutungen. Hoffen wir, dass alles gut werden wird. Dr. Nagoya weiß sicherlich, was zu tun ist. Lass uns abwarten. Mehr können wir momentan sowieso nicht tun"

"Oh man, ich mach mir wirklich Sorgen. Hoffentlich wird alles gut"

Er nickte.

"Du magst ihn nicht, was?", wechselte sie das Thema. 

Ihr Vater beäugte genervt aus den Augenwinkeln seinen Azubi und entgegnete nach einer kurzen Bedenkpause "Er... er ist schon ok. Seine Arroganz gefällt mir nicht. Er denkt, er wäre überschlau. Und so verhält er sich auch"

Miyako grinste. "Du magst es an ihm nicht, weil er dich an dich selbst erinnert, als du noch jung warst und bei der Kripo anfingst, stimmts?"

Ihr Vater zischte unbegeistert. "So 'n Quatsch. Wie kommst du da darauf?"

"Mama hat mir erzählt, wie du damals warst", lächelte sie ihn hochzufrieden an , woraufhin er seine Augen verdrehte. "Frauen...."


Es war weit nach ein Uhr nachts, als Kaiki endlich aus einer anderen Richtung auf die Wartenden zukam. 
Er trug noch seinen OP-Kittel, welcher an einigen Stellen mit Blut befleckt war.

Miyako erhob sich hastig. Himuro blieb sitzen und schaute Kaiki abwartend an. 

Der Arzt ließ seinen Blick zu Chiaki schweifen und konnte sich ein freches Grinsen nicht verkneifen. 

"Mein Gott, der ist vor einigen Minuten Vater geworden und was tut er? Schläft sich aus"

"Was? Ist das wahr?", rief Miyako eine Spur zu laut und riss Chiaki abrupt aus den Träumen. 

Wie von einem plötzlichen Elektroschocker getroffen, riss er seine Augen auf, sprang hastig vom Stuhl auf und registrierte, dass Kaiki grinsend vor ihm stand. 

Panisch griff er ihn am Hemdkragen. "Vater! Was ist mit ihr? Geht es ihr gut? Bitte sag, dass...."

Der Arzt legte seine Hand auf Chiakis. "Schau mich an, du siehst doch, dass ich überaus froh bin. Ist das ein gutes oder ein gutes Zeichen?"

"Man, jetzt sag schon, was Sache ist!"

"Komm mit", zwinkerte er ihm zu und drehte sich zum Gehen um. 

Mit einem verdutzten Gesicht ging sein Sohn ihm nach. Miyako und Himuro folgten ihnen. 

Sie durchquerten einen schmalen Flur und blieben vor einem Zimmer stehen. Kaiki warf den Dreien einen warnenden Blick zu und legte seinen Finger auf seine Lippen. "Sch! Seid bitte leise, wenn wir gleich eintreten werden. Marron schläft noch"

Miyako nickte, Himuro signalisierte, dass er hier auf dem Flur warten würde. Chiaki hielt die Spannung nicht mehr aus und drückte selbst die Türklinke herunter. 

Nachdem er den ersten Schritt ins Zimmer getan hatte, blieb er mit aufgerissenen Augen stehen. Das Erste, was seine Augen erhaschten, war seine schlafende Freundin und dann blieb sein Blick auf etwas anderem haften. 

Er schaute dorthin, ohne zu blinzeln. Wie gebannt fesselte ihn ein Gegenstand in diesem Raum. Ein kleines Bettchen direkt neben Marrons Bett. 

Minuten vergingen, in denen er seine Geliebte anschaute und dann wieder das Babybettchen.

Miyako, die dicht hinter Chiaki stand, schaute Kaiki fragend an. Er nickte ihr zu und formte mit den Lippen "Es geht beiden gut. Alles ok"

Sie atmete beruhigt auf und wartete geduldig, bis Chiaki den ersten Schock verdaut haben würde. 

Nach einigen Minuten schien er endlich langsam zu registrieren, dass er nicht träumte und ging ganz langsam auf das kleine Bettchen zu. 

Als er davor stehen blieb, starrte er den Säugling einfach nur an. Ohne jegliche Gedanken und mit leicht geöffnetem Mund. Die Zeit blieb auf einmal stehen. Er vergaß alles um sich herum und betrachtete das kleine Würmchen. Zuerst ohne Emotionen dann mit Neugier, die mit jeder Sekunde wuchs. Dann merkte er, wie sich plötzlich einige Tränen in seinen Augenwinkeln sammelten. Er ignorierte sie. 

Dr. Nagoya stellte sich an Chiakis Seite. 

Sein Sohn blickte unsicher und fragend zu ihm rüber. Kaiki nickte ihm liebevoll zu. 

Dann streckte Chiaki ganz vorsichtig seine Hand zu dem Kleinen hin. 

Genau in diesem Moment öffnete das Baby ganz verschlafen seine Äuglein und schaute direkt in seine. 

Chiaki erschrak für eine Sekunde, weil der plötzliche Augenaufschlag vollkommen unerwartet kam. 

Dann überkam ihn ein Ausbruch warmer Welle durch seinen Körper.Tief einatmend legte er behutsam seine Hand auf das Bäuchlein des Kleinen. Und dann geschah es. 

Das Gefühl, welches er beim Anblick seines Sohnes spürte, war unbeschreiblich. Es war nicht Glück oder Freude. Es war um so vieles mehr als das. 

Es war das schönste, hellste und wärmste Gefühl überhaupt. 

Er lächelte das Baby an und dann passierte etwas, wovon er nie geglaubt hätte, dass so etwas möglich wäre. Er verliebte sich. Ein zweites Mal. 

Unbewusst streichelte er dem Kleinen über das Bäuchlein und wusste, dass er um keinen Preis der Welt zulassen würde, dass ihm etwas zustoßen würde. 

Er spürte eine tiefe Bindung zu seinem Sohn. Er liebte ihn. Jetzt schon. Mit all seinem Dasein. 

Dieser einzige, winzige Moment war der schönste in seinem ganzen Leben. 

"Kann ich jetzt auch mal sehen, wie das Baby ausschaut?", flüsterte Miyako ungeduldig und quätschelte sich zwischen dem Arzt und ihrem Kollegen hindurch. 

"Oh verzeih". Kaiki ging einen Schritt zur Seite und machte ihr Platz. 

"Ach du meine Güte, ist der niedlich!!!", rief sie mit einer piepsigen Stimme. "Hallo du kleiner Mann, ich bin deine Patentante", ergänzte sie voller Stolz und blinzelte den Kleinen begeistert an. 

Dieser gähnte und schlug wieder seine Äuglein zu. 

"Nanu? Willst du etwa schlafen?",fragte sie ungläubig. 

Kaiki nickte. "Ja, lassen wir ihn schlafen. Die Geburt war anstrengend für ihn. Ich habe einen Kaiserschnitt durchgeführt, die Nabelschnur hat sich um seinen Hals gewickelt, daher kamen auch die Schmerzen. Aber jetzt ist alles gut. Ihr habt im richtigen Moment gehandelt. Es geht beiden gut"

"Wann werden sie entlassen?", erkundigte sich Miyako. 

"Wenn alles in Ordnung sein wird, dann in etwa fünf bis sieben Tagen. Marron wird bald von ihrer Vollnarkose erwachen und dann müssen wir zusehen, dass sich ihr Körper von der OP so schnell wie möglich wieder erholt"

Miyako nickte einsichtig. "Verstehe. Dann werde ich sie jeden Tag besuchen kommen"

"Schön", entgegnete Kaiki. 

Dann gingen alle Blicke wieder zu Chiaki. Er stand wie hypnotisiert da, hörte nur mit halben Ohr zu, was besprochen wurde. Seine gesamte Aufmerksamkeit gehörte dem Neugeborenen. Er konnte einfach nicht von ihm ablassen. 

Kaiki räusperte sich. "Mein Sohn willst du dich nicht auch ausruhen? Du kannst beruhigt nach Hause fahren, wenn du möchtest und morgen in aller Frische wieder hierherkommen. Die Schwestern passen auf die beiden auf"

Der Blauhaarige schüttelte seinen Kopf. "Nein. Ich bleibe bei ihr. Bei ihnen. Ich will hier sein, wenn sie aufwacht. Wenn ich ihr schon bei der Geburt nicht beistehen konnte, möchte ich wenigstens da sein, wenn sie aufwacht"

"Also schön. Ich verstehe das. Ich werde mich in mein Büro zurückziehen. Übrigens- wie soll er heißen? Habt ihr schon einen Namen?"

"Oh, ehrlich gesagt, nein. Das heißt, ich glaube Marron hat sich einen Namen ausgedacht aber ich kenne ihn nicht. Also musst du dich gedulden, bis sie zu sich kommen wird. Ohne sie entscheide ich nichts", antwortete er und holte sich von seinem Vater ein "Ok" ab. 

Miyako blieb noch einige Minuten neben Chiaki stehen, um das Baby zu bewundern, dann verzog sie sich mit Kaiki nach draußen. 

"Bis morgen. Drück sie feste von mir, sobald sie aufwacht", sagte sie zu Chiaki. "Und apropos- meine Glückwünsche, du bist jetzt offiziell Papa geworden, auch wenn der Zeitpunkt etwas unerwartet für dich kommt. Ich freue mich so sehr für euch"

Er nickte, bedankte sich und schenkte ihr ein warmes Lächeln zum Abschied. 

Dann fiel die Tür ins Schloss und Chiaki blieb allein bei Marron und seinem Sohn zurück. 

Er betrachtete seine schlafende Freundin und war so sehr stolz auf sie. Stolz darauf, dass sie all die Zeit der Schwangerschaft über so tapfer und stark gewesen war. Und dass sie trotz ihrer Unzufriedenheit über all seine Verspätungen immer noch Verständnis für seinen Job zeigte. Und jetzt hatte sie ihm das schönste Geschenk überhaupt gemacht. Fast neun Monate hatte sie seinen Sohn in ihrem Bauch ausgetragen und gesund zur Welt gebracht. Auch wenn es ein Notkaiserschnitt war. 

Er beugte sich sanft zu ihrer Stirn vor und gab ihr einen zärtlichen Kuss. "Ruh dich aus, mein tapferer Engel. Ich liebe dich. So sehr", flüsterte er leise und setzte sich auf einen Stuhl zwischen ihrem und dem Babybett hin, um über die beiden zu wachen. 

Voller Glückseligkeit legte er seine Hand auf Marrons Handrücken und ließ seinen Blick auf dem Kleinen ruhen. 

Langsam kehrte Ruhe in ihn ein und er wurde sich so richtig bewusst, dass er heute wirklich Papa geworden war. 


Während Miyako überglücklich mit Himuro das Krankenhausgebäude verließ und ihren Arm in seinen einhängte, dachte sie darüber nach, wie es sich wohl für Chiaki anfühlte, Vater geworden zu sein. Er war glücklich, keine Frage aber wie fühlte es sich an? 

Dann musste sie plötzlich an den Moment denken, als sie eines Tages, vor einem halben Jahr auf die Arbeit kam und Chiaki hinter einem Schreibtisch sitzend vorfand.
Mit einem Mal hörte ihr innerer Dialog auf zu existieren.
Sie hatte ihn damals vollkommen perplex angestarrt und stotterte "Du? Hier?"

Er hatte sie zuerst konstentiert angeschaut, lächelte sie dann aber breit an, woraufhin sie ins Büro ihres Vaters gelaufen war mit der Frage "Paps? Was macht....macht.... ER bei uns??!" Dass sie dabei die Tür mit einem heftigen Schwung aufgerissen hatte und diese gegen die Wand knallte, entging ihr.  

Himuro legte gemütlich seine Zigarette beiseite und schaute sie ernst an. "Er arbeitet hier. Dein neuer Kollege. Sei so nett und zeig ihm alles"

Miyako klappte die Kinnlade herunter. "Das....das is jetzt ein Scherz oder?"

Himuro behielt seinen ernsten Blick. "Nein, Miyako, das ist kein Scherz. Leider. Wir haben einen Deal. Wenn er seine Probezeit bei uns besteht, wird er in einem halben Jahr vollständig zu unserem Team gehören"

"Ja aber er hat doch Medizin studiert und ..."

"Jetzt nicht mehr. Er hat sein Studium abgebrochen, um bei uns anzufangen", klärte er sie auf. 

"Hä? Warum das denn?! Und.... und überhaupt, WIESO hat mich keiner vorgewarnt?! Du oder Marron hättet mir doch Bescheid geben können!", zischte sie. 

Ja, sie war damals wirklich fassungslos und hatte Marron kräftig die Meinung gesagt. 

Die Wahrheit, dass sie wütend war, war aber, dass sie sich nicht sicher war, wie sie Chiaki gegenübertreten sollte. Sie akzeptierte ihn als Marrons Partner aber mit ihm zusammenarbeiten? Nein, es war wirklich zu viel für sie. Und vor allem konnte sie nicht nachvollziehen, wie es dazu kommen konnte, dass ihr Vater quasi Sindbad, seinen jahrelangen Gejagten, in diesen Job einstellen konnte? 

Was für ein Deal hatten die beiden unter sich?

Die anfängliche Zeit mit Chiaki als Kollegen war sehr schwer für die Schwarzhaarige. Sie hielt eine gewisse Distanz zu ihm ein. Doch mit der Zeit lernte sie ihn besser kennen, erfuhr von der Abmachung zwischen ihm und ihrem Vater und ihre Skepsis und Zurückhaltung ihm gegenüber verschwand immer mehr. 

Auch wenn sie ihm in der Ausbildung voraus war, konnte sie dennoch auch so einiges von ihm lernen. 

Und seitdem Chiaki und Marron ihr gemeinsames Haus bezogen hatten, verbrachte sie immer mehr Zeit mit den beiden. 
Zwischenzeitlich herrschte zwischen Chiaki und Miyako ein sehr gutes, freundschaftliches Verhältnis und sie freute sich darüber. 
Überhaupt war alles gut gewesen. Wäre da nicht eines gewesen, was ihr etwas Sorgen bereitete. Trotz aller Freude bereitete ihr ein Thema Kummer.

Dieser Grund oder besser gesagt diese Person war Yamato. 

Seit dem Gespräch in Marrons Wohnung hielt er Abstand von Marron und Chiaki. Mit Miyako traf er sich weiterhin aber mit den beiden nicht mehr. Gründe nannte er nicht außer, dass es ihm wohler dabei ginge, den beiden lieber aus dem Wege zu gehen. Sie konnte es nicht nachvollziehen. Etliche Male bat sie ihn, endlich über seinen Schatten zu springen und mit den beiden zu sprechen aber er wollte es partout nicht tun. 
Yamato war ihr bester Freund und sie wünschte sich nichts mehr, als dass er endlich zu den Dreien dazustoßen würde....
Aber wahrscheinlich würde dieser Fall nie eintreten und sie musste lernen, damit klarzukommen. 
Trotzdem tippte sie Yamato während der Autofahrt nach Hause eine Nachricht, dass das Baby jetzt da war. Sie wusste auch nicht so recht, weshalb aber irgendwie verspürte sie den Drang, ihn in Kenntnis zu setzen. Vielleicht würde es irgendetwas bewirken...



Sieben Wochen später....

Marron kehrte gerade von einem Einkauf zurück. Chiaki war auf der Arbeit, Miyako hatte einen Tag Urlaub und verbrachte ihn bei Marron und passte währenddessen auf den Kleinen auf. Übrigens, nachdem sie damals von ihrer Narkose erwacht war und Chiaki sie in aller Ruhe zu sich kommen ließ, hatte er ihr die Frage nach dem Namen für den Kleinen gestellt. Zu seiner Überraschung brauchte sie nicht lange zu überlegen und sagte direkt "Chisato". Damit hatte er nicht gerechnet. "Aber das ... das ist doch...", hatte er gestottert.

"...ein Mädchen und ein Jungenname. Ich möchte, dass er so heißt. Wie findest du es?"

Er hatte überglücklich gelächelt und sich mit einem langen Kuss bedankt. "Ich finde ihn schön. Du bist die Beste, mein Engel"

Gerade wollte sie die Haustür aufsperren, als sie vor ihr ein kleines Päckchen vorfand. 

"Nanu?"

Stutzend stellte sie ihre Plastiktüten ab und  beugte sich herunter, um es in die Hand zu nehmen. 

Kein Absender, kein Empfänger. Nur ein weißer Aufkleber mit der Aufschrift "Bitte sofort öffnen"

Unsicher darüber, was sie tun sollte, blickte sie sich um. 
Alles um sie herum war friedlich und still. Der Himmel war wolkenlos, die Sonne schien, die Vögel zwitscherten. Kein Mensch weit und breit. 
Sie runzelte sich unschlüssig die Stirn und verengte misstrauisch ihre Augen zu Schlitzen. 
Dass sie in jenem Augenblick von einer grinsenden Person, die hinter einem Baum versteckt stand, beobachtet wurde, merkte sie nicht. 
Marron kaute auf ihrer Unterlippe herum und fühlte eine innere Anspannung und gleichzeitig auch eine eifrige Neugier in sich. 
Für eine Sekunde lang blickte sie weg und schaute wieder auf die Aufschrift. "Bitte sofort öffnen", las sie noch einmal.
"Oh man, was soll ich tun? Was soll ich bloß tun?", schoss es ihr immer wieder durch den Kopf.
Dann tat sie einen tiefen Atemzug und öffnete das Päckchen schließlich.
Und erstarrte. 
Ein rotes Kästchen befand sich darin. Ihr Herz schlug immer schneller. 
Wieder schaute sie sich um und wieder erkannte sie niemanden um sich herum. 
Was sollte das? 
Dann öffnete sie das Kästchen und verlor fast den Halt unter ihren Füßen. 
Ein Ring. Ein goldener Ring mit einem Diamanten. Ihr Atem stockte, als sie ihn fassungslos anstarrte. 
Mit zittriger Hand berührte sie ihn und in jenem Moment spürte sie eine Hand auf ihrer Schulter. 
Ruckartig drehte sie ihren Kopf und spürte einen Kuss auf ihren Lippen. 
Geschockt starrte sie in Chiakis Augen. 
Er löste sich von ihr. "Marron Kusakabe, willst du meine Frau werden?",grinste er sie an. 
Sie wollte etwas entgegnen, merkte aber, dass sie keinen einzigen Satz herausbringen konnte. Das kam eindeutig viel zu plötzlich für sie.
"Wa....wa... was machst du hier? Solltest du nicht auf der Arbeit sein?", stotterte sie stattdessen. 
"Ich hab heute früher Dienstschluss. Aber lenk nicht ab. Was sagst du?"
Perplex schüttelte sie ihren lockigen Schopf und blickte zuerst den Ring an und dann ihn. "Woah, um ehrlich zu sein, weiß ich gar nicht, was ich sagen soll. Das ... das kommt sehr überraschend. Ein Antrag vor der Haustür, das ist wirklich...."
"Genial nicht wahr?", grinste er und formte mit seinen Lippen einen Kuss.
"Du bist so einfallslos!",warf sie ihm spielerisch vor. 
"Warum?", staunte er. 
"Na weil das..."
"Nicht originell ist?", vollendete er ihre Aussage.
Sie seufzte und schmollte wie ein kleines Kind. "Ja!"
"Das ist Absicht. So war der Überraschungsmoment garantiert. Woanders wärst du womöglich noch darauf gekommen, dass ich ..."

Sie ließ ihn nicht ausreden, küsste ihn nachgebend auf die Lippen und flüsterte "Ja, ich will. Sehr sogar"
Dann wischte sie sich ein aufkommendes Tränchen aus dem Augenwinkel und ließ sich von ihm umarmen. 
"Ich liebe dich", wisperte er überglücklich und entzog ihr sachte das Kästchen aus der Hand, um ihr kniend den Ring auf ihren Finger überzuschweifen. 
Sie hielt ihre Hand vor ihren Augen und schaute ungläubig und fasziniert zugleich auf ihren Finger. 
"Unglaublich. Du bist wirklich unglaublich, Nagoya!", entkam es ihr. 
"Ich weiß und du bist traumhaft"
"Wieso eigentlich jetzt? Warum nicht ...?"
"Früher?", lächelte er. 
Sie nickte hochrot und wich seinem Blick aus. 
"Weil ich wollte, dass unser Kleiner bei unserer Hochzeit dabei sein wird", zwinkerte er und kniff seine Lippen zusammen. 
Sie nickte langsam und gab ihm einen kurzen Kuss auf die Wange. "Das ist schön. Wirklich, die Idee war gut. Ich liebe dich, Nagoya"
"Hey! Nenn mich nicht so. Schließlich habe ich mich daran gewöhnt, von dir so genannt zu werden, wenn du sauer auf mich bist"

Sie zuckte desinteressiert mit den Schultern. "Tja, wer sagt denn, dass ich im Augenblick nicht auf dich sauer bin?"

Er blinzelte. "Worauf denn jetzt schon wieder?"

Als sie etwas sagen wollte, riss jemand die Haustür von innen auf und fragte neugierig "Na, was ist jetzt? Ich bin total ungeduldig! Hast du "Ja" gesagt?
Es war Miyako und Marron begriff natürlich sofort, dass Miyako in die Sache mit dem Antrag involviert war. 
Wortlos präsentierte sie Miyako ihren Ringfinger und strahlte sie an. 
Mit leuchtenden Augen bewunderte Miyako den Ring und klatschte begeistert in die Hände. 
"Ich freu mich soooo!"
"Lässt du uns rein?", fragte Chiaki strahlend. 
"Eh ja, sorry. Klar doch"
Die Schwarzhaarige tat einen Schritt zur Seite und hielt ihnen die Tür auf. 
Erneut blieb der Braunhaarigen der Mund weit offen stehen, als sie ihr Haus betrat. Überall hingen rot-weiße Luftballons. Runde, in Herzform und durchsichtige mit kleinen Herzchen innendrin. 
"A....aber wann hast du das denn geschafft? Ich war doch längstens eine dreiviertel Stunde weg", staunte Marron. 
"Tja, ich war nicht allein. Komm mit", lud ihre Freundin sie ein und schnappte sie am Handgelenk, um sie ins Wohn-Esszimmer zu ziehen. 
Dort wurden sie und Chiaki von Himuro, Kaiki und Miyakos Mutter klatschend begrüßt. Sie standen versammelt um den Esstisch herum, der bereits mit Essen und Sektgläsern angerichtet war. 
"Das ist einfach irre! Wann habt ihr das alles vorbereitet?"
Miyakos Mutter übernahm das Wort. "Das war ich, Liebes. Ich hab daheim alles zubereitet und als du weggegangen bist, hat uns Miyako angerufen und Bescheid gegeben, dass wir kommen und alles vorbereiten können"
Ein kleines, schüchternes Lächeln entrang Marrons Lippen. "Unglaublich. Das ist so schön. Ihr seid die Besten, wisst ihr das?"
Alle nickten hocherfreut und Miyako lud die beiden Verlobten zum Tisch ein. 
Im selben Moment fing der kleine Chisato in seinem Bettchen zu quengeln an. 
Marron wollte zu ihm hin aber Miyakos Mutter bedeutete ihr, sich zu setzen. "Ich geh schon. Alles gut. Nehmt Platz und fangt schon mal"
"Danke",kam es von der Braunhaarigen.
Als alle am Tisch saßen und auch Miyakos Mutter mit Chisato in den Armen dazukam, wurde auf das angehende Brautpaar angestoßen und gefeiert.  
Marron schaute ab und zu Chiaki rüber und konnte ihr Glück kaum fassen. Sie liebte ihn. Vom ganzen Herzen und sie freute sich, all die Menschen, die ihr so nah am Herz lagen, in diesem Moment um sich zu haben. 
Dieser Tag hätte nicht besser sein können.
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