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Schwarze Liebe

von Liaya
GeschichteMystery / P18 / Gen
29.11.2017
08.05.2018
34
122.437
6
Alle Kapitel
59 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
10.03.2018 7.386
 
Hola, guten Abend!
Leute, ich danke Danke Danke euch für eure Reviews. Es freut einen unheimlich, wenn die Story vielen gefällt. Das hätte ich einfach nicht erwartet!! Herzlichen Dank an jeden Einzelnen von euch )))

Dieses Kapitel heißt nicht umsonst Geständnisse. Lasst euch einfach mal überraschen^^ ich habe wirklich sehr lange an ihm geschrieben und ich hoffe, dass es euch gefallen wird.
Nichtsdestotrotz sind noch einige Momente offen, die noch kommen werden. Mal schauen, vielleicht teile ich das letzte Kapitel in ein Kapitel und einen Epilog. Damit es schöner wird ;)

Ich wünsche euch ein schönes Wochenende und verbleibe

Mit den liebsten Grüßen

Eure Liaya :-)

**************************



Es war alles perfekt. Na ja fast. Bis auf wenige kleine Ausnahmen hatte Marron keinen Grund, sich zu beklagen.
Sie war glücklich. So unendlich glücklich, dass sie die Liebe ihres Lebens getroffen hatte und dass der schreckliche Kampf gegen das Böse endlich geschafft war. Frieden. Endlich herrschte Frieden auf der Welt.
Hand in Hand, mit verliebten Blicken, schlenderten sie im Parkhaus des Flughafens auf Chiakis Wagen zu.
Der Traumurlaub war vorbei und nun wartete Tokio wieder auf die beiden braungebräunten und frisch Erholten.
Marron schwelgte in ihren Erinnerungen über den letzten Abend auf den Malediven und war gerade dabei, Chiaki über ihre Begeisterung von der Show, die am Strand vor dem Ozean stattgefunden hatte, zu erzählen, als dieser abrupt seinen Schritt verlangsamte und irritiert sein Gesicht verzog.
Er hielt sie auf und deutete ihr, keinen Schritt weiterzugehen.
"Was ist denn, Chiaki?"
"Schau da! Da steht jemand an unserem Auto"
Sie blickte mit einem mulmigen Gefühl nach vorne und erkannte, dass da tatsächlich eine ihr unbekannte Person stand. Zudem lehnte sich derjenige ganz entspannt an das Fahrzeug an,so  als ob es sein eigenes wäre.
Marron hielt inne und warf Chiaki einen angespannten Blick zu.
Er ließ ihre Hand los und schritt vorsichtig auf den Unbekannten zu.
"Hallo, kann ich Ihnen helfen? Das hier ist mein Wagen, wissen Sie.."
Der Angesprochene verschränkte amüsiert seine Arme vor der Brust und rührte sich nicht von der Stelle. "Chiaki Nagoya und Marron Kusakabe, nicht wahr?" Seine Stimme klang sicher, wie die eines Königs, der gerade einen seiner Untertanen beim Betrügen erwischte.
Marron hielt inne. Kurz wanderte ihr Blick zu Chiaki und dann wieder zum Fremden. "Und und Sie sind?", fragte sie verunsichert.
"Wisst ihr, ich bin hier, um mich bei euch beiden zu bedanken. Viel zu lange habe ich in der Hölle geschmort und meine Zeit mit einem Kampf vergeudet, der es nicht das Geringste wert war. Ihr habt meiner Seele endlich den Frieden gegeben, auf den ich lange gewartet habe"
Vor lauter Schock riss Marron ihren Mund auf. Konnte es sein, dass...?
War er es wirklich? Sie blickte ihn mehrmals an und konnte es nicht fassen.
Chiaki verengte seine Augen zu Schlitzen. Er wusste wer derjenige war.
"Noyn Claude", stellte er ohne jegliche Begeisterung fest.
Die Person, etwa 1.85m groß, lange rote Haare zu einem Zopf gebunden und einen schwarz- weißen Anzug tragend, nickte dem Blauhaarigen zu. "Ja. Mein bürgerlicher Name ist Hijiri Shikaido. Noyn existiert nicht mehr. Ich wollte euch nicht erschrecken. Meine Seele ist dank euch nun frei. Ich muss sagen, so eine starke Verbindung wie zwischen euch beiden habe ich eine Ewigkeit lang nicht mehr gesehen. Es war allein eure starke Liebe zueinander und zu diesem Planeten, die es ermöglicht hat, Noyn Claude und den Teufel von der Erde zu verjagen. Good job! Endlich kann ich guten Gewissens zu meiner Geliebten zurückkehren", sagte er hocherfreut.
"Sie...sie bleiben nicht hier?"
Hijiri schüttelte seinen Kopf. "Nein. Was soll ich denn hier noch? Meine Zeit hier ist schon längst abgelaufen. Zudem gehöre ich zu einer anderen Ära. Dahin sollte ich auch wieder zurückkehren.
Seit Johanna verbrannt wurde, seit diesem Moment hatte ich nur einen einzigen Wunsch- bei ihr zu sein. Für immer. Allerdings wollte ich, bevor ich zu ihr zurückkehre, ihren Tod rächen. Jetzt ist mir eines klar geworden. Der Tod von anderen Menschen, wird Jeanne D'Arc nicht wieder lebendig machen. Sie hätte nicht gewollt, dass ich zu so einem Mensch werde. Sie hatte sich in meine reine Seele verliebt und so kehre ich nun zu ihr zurück. Rein.
Passt gut auf euch und ihn", er deutete auf ihren Bauch mit seinem Zeigefinger "ebenfalls".
"Keine Frage! Schön, dass du endlich deinen Frieden gefunden hast", entgegnete Chiaki und bemühte sich um ein Lächeln, was ihm jedoch nicht ganz gelang. Angesichts dessen, dass Noyn bei ihm Narben hinterlassen hatte, brauchte er noch eine Zeit lang, um normal mit ihm und der Situation umzugehen.
Schließlich nickte Hijiri den beiden nochmals zu und war gerade dabei, sich aufzulösen, als...
"Halt, warten Sie! Wissen Sie, was mit Access und mit Fynn ist?", fragte die Brünette besorgt.
"Keine Sorge, ihr werdet sie wiedersehen", war das Letzte, was er sagte, bevor er ganz verschwunden war.
"Wann?", rief sie.
Doch er hörte sie schon nicht mehr.
Chiaki nahm sie bei der Hand. "Ich denke schon sehr bald", antwortete er anstelle von Hijiri und nickte ihr liebevoll zu.
Marron schaffte es gerade noch, zurückzunicken, ehe sie plötzlich den Halt unter ihren Füßen verlor und bewusstlos in seinen Armen zusammenbrach.
"Marron?MARRON?"
Der Blauhaarige rüttelte sie sanft, doch sie reagierte nicht. Auch als er gegen ihre Wange ganz leicht mit der Handfläche schlug, kam keine Reaktion ihrerseits.
Erst jetzt fiel ihm auf, dass sie ganz rot im Gesicht war und dass ihre Stirn wärmer als normal war.
Beunruhigt nahm er sie in seine Arme und trug sie schleunigst ins Auto.
Sie musste auf direktem Wege ins Nagoya-Krankenhaus gebracht werden.
Während er fuhr, warf er hin und wieder einen Blick zu ihr rüber. Sie bewegte sich nicht und ein schlimmer Verdacht beschlich ihn. Was ist, wenn mit dem Baby etwas nicht in Ordnung war?
Ruckartig schüttelte er den Kopf und versuchte, diesen Gedanken schnell wieder zu verwerfen.
Chiaki fuhr so schnell er konnte und ignorierte hupende Autos auf der Autobahn. Der Verkehr war ihm egal. Er dachte nur an Marron und sein ungeborenes Kind. Hatte er einen Fehler begangen, indem er ausgerechnet jetzt mit ihr vereist war? Wäre ein späterer Zeitpunkt vielleicht besser gewesen?
Verdammt und zugenäht! War Ihnen denn wirklich nichts vergönnt in diesem Leben?!

Wenige Minuten später kam er endlich vor der Klinik  an und informierte Kaiki per Handy von dem Vorfall.
Dieser kam schleunigst mit zwei anderen Ärzten rausgerannt und nahm die Braunhaarige auf einer Tragbarre in sein Untersuchungszimmer mit.
"Wann ist sie zusammengebrochen?", fragte Kaiki seinen Sohn, als sie im Behandlungsraum waren.
"Gerade eben.... ich meine als wir zum Wagen gingen vom Flughafen aus"
Der Arzt nickte und bat einen seiner Gehilfen um das Herbringen eines Infusionsbehälters.
Dann wandte er sich wieder Chiaki zu. "Sie atmet, das ist ein gutes Zeichen. Womöglich ist es ein Kreislaufzusammenbruch. Wir legen ihr eine Infusion an. Ich bin mir sicher, es wird ihr danach besser gehen"
"Und das Fieber?"
Sein Vater hielt ihm stoppend die Handfläche vor den Brustkorb. "Ruhig. Zuerst stabilisieren wir ihren Kreislauf und danach spritze ich etwas Fiebersenkendes in den Behälter", beruhigte er ihn und schnappte sich während sein Gehilfe noch unterwegs war, ein Klemmbrett, um die Daten der Patientin auszufüllen. Er schrieb schnell, machte hier und da seine Kreuze und hielt plötzlich nervös inne.
"Ehm ich weiß, die Frage ist absurd aber ich muss mich trotzdem erkundigen. Besteht eine Schwangerschaft bei ihr?"
Kaiki schaute seinen Sohn mit gekräuselter Stirn an, als dieser nicht direkt verneinte.
"Schon gut, Chiaki. Ich brauche die Info nur, um zu wissen, welche Medikamente ich ihr geben darf. Ich weiß doch, dass ihr noch jung seid und nicht an sowas....."
"Positiv",murmelte sein Sohn und schaute dem Arzt direkt in die Augen.
"Eh wie bitte?", blinzelte Kaiki ungläubig und räusperte sich.
Chiaki seufzte und wiederholte ernst "Positiv. Du hast dich nicht verhört"
Kaiki holte lange und tief Luft. "Okay.....das..das kommt jetzt etwas überraschend...."
Chiaki nickte nur und verzichtete auf weitere Erklärungen.
Nach Fassung suchend setzte der Arzt sein Kreuzchen bei "Ja" und schüttelte ungläubig seinen Kopf.
"Und wieso erfahre ich das erst jetzt? Ich meine, das hättest du mir doch vorher sagen können oder wolltet ihr etwa heimlich...?"
"Nicht doch! Was denkst du dir?! Ich .... wir wollten dich am Wochenende zum Essen einladen und naja... es dir dann sagen"
Der Angesprochene schluckte, wollte etwas antworten, wurde aber von seinem Gehilfen, der mittlerweile mit der Infusion zurückkehrte, unterbrochen.
"Danke, Shirato. Ich werde mich selbst um Fräulein Kusakabe kümmern. Sieh mal bitte nach der Patientin aus Zimmernummer 324"
Shirato nickte brav und entfernte sich.
Dann wandte sich Kaiki Marron zu und schwieg eine Weile lang.
Als er der Patientin die Infusion angelegt und die entsprechende Flüssigkeit in den Behälter gespritzt hatte, meinte er "Du siehst so aus, als könntest du einen Kaffee vertragen. Geh schon mal in mein Büro. Ich werde eine Ultraschalluntersuchung bei ihr durchführen und nach dem Baby sehen. Danach komm ich zu dir hoch und wir reden in aller Ruhe.
"Nein, ich möchte bei ihr bleiben", protestierte er.
"Sohnemann, ich bin mir sicher, es geht dem oder der Kleinen ganz gut. Mach dir keine Sorgen. Geh, ich komme gleich nach. Du bist etwas bleich um die Nase. Sieh zu, dass du wieder Farbe auf die Wangen bekommst"
Chiaki seufzte und gab nach. "Also schön. Dein Wort in Gottes Ohr. Ich meine, dass es den beiden wirklich gut geht"
Damit verließ der Blauhaarige den Untersuchungsraum und ging ins Chefzimmer, welches sich in der oberen Etage befand.

Zwanzig Minuten später erschien dann auch sein Vater.
Chiaki sprang sofort vom Chefsessel auf. "Und?"
Kaiki verdrehte die Augen, ging auf seine Kaffeemaschine zu, griff sich eine Tasse aus dem Hängeschrank und stellte sie auf den vorgesehenen Platz unter der Maschine ab. Während die heiße Flüssigkeit in einem dünnen Strahl in die schwarze Tasse lief, schnappte er sich gemütlich ein Päckchen Zucker und ließ ihn in das Getränk einrieseln.
"Es geht ihr gut. Das Fieber ist so gut wie weg. Sie kommt bald wieder zu sich"
"Und wie geht es ...?" Vor lauter Anspannung krallte Chiaki seine Finger in die Rückenlehne des Stuhls.
"Gut. Sehr gut sogar. Du kannst aufatmen. Es war dem Anschein nach nur ein Schwächeanfall. Wahrscheinlich liegt es an den Temperaturunterschieden. Dort in Addu City war es sehr warm und hier ist es noch Winter. Das wird schon"
Sichtlich beruhigt und zufrieden ließ er sich wieder in den Sessel seines Vaters fallen.
Kaiki nahm seine Tasse in die Hand und saß sich auf einen der Besucherstühle gegenüber seinem Sohn.
"Du willst wissen, wie es passiert ist, nicht wahr?", ergriff Chiaki sofort das Wort.
Kaiki fing an zu lachen.
"Was ist?!"
"Also hör mal, Chiaki, WIE es passiert ist, brauchst du mir wirklich nicht zu erklären. Dafür bin ich aufgeklärt genug"
Chiaki verdrehte seine Augen. "Ha-ha, ich lach mich tot. Du weißt genau, worauf ich hinaus wollte"
"Ja... aber ein bisschen ärgern darf ich dich doch", zwinkerte der Arzt ihm zu.
Er ignorierte die Worte, starrte ihn humorlos an. "Ich hab es auch erst vor kurzem erfahren. Sie müsste jetzt im...."
"In der siebten Woche, um genau zu sein", klärte Kaiki ihn auf.
"Ja, das dachte ich mir schon. Ich weiß, dass wir noch jung sind aber Herrgott es ist passiert und ich stehe dazu. Du wirst Opa, ob du willst oder nicht"
"Hey, hey, wieso denn so stürmisch auf einmal? Wer sagt denn, dass ich etwas dagegen habe? Es kommt nur unerwartet. Dennoch freue ich mich sehr für euch. Wirklich, das kannst du mir glauben. Ich hoffe nur, dass ihr euch beide im Klaren seid, was das bedeutet, ein Kind zu bekommen. Und vor allem interessiert es mich, wie Marrons Eltern das Ganze sehen"
Er sah ihm interessiert in die Augen. Chiaki strich sich über die Haare. "Gar nicht. Wir haben irgendwann Mal über ihre Eltern gesprochen. Sie sagte nicht viel. Außer dass sie weit weggezogen sind. Das war gewesen, als sie noch ein kleines Kind war. Kommissar Todaj und seine Frau haben sich seitdem um sie gekümmert. Sie hat keinen Kontakt zu ihnen und möchte dies auch nicht ändern", erklärte er.
Kaiki trank einen Schluck, setzte seine Tasse ab und spielte mit dem Ehering an seinem Finger.
"Verstehe. Sie hat Angst verletzt zu werden. Abgewiesen zu werden"
"Ja", seufzte Chiaki. "Du denkst an Mutter, nicht wahr?", fragte er dann und betrachtete den Ehering an Kaikis Finger.
"Ja.... ich hab gerade darüber nachgedacht, dass sie sich auch sicherlich unheimlich gefreut hätte für euch beide.
.... Unglaublich, dreizehn Jahre ist es schon her, seitdem sie uns verlassen hat...."
"Ja.... ich vermisse sie auch. Jeden Tag. Genau wie Chisato. Sie wäre bald Tante geworden", sagte er bedrückt und blätterte gedankenverloren in einer der vielen Patientenakten, die auf dem Tisch vor ihm lagen.
"Ja, sie hätte sich bestimmt ebenfalls riesig gefreut", stimmte sein Vater ihm zu und entzog ihm vorsichtig die Akte aus der Hand.
Dann lenkte er plötzlich auf ein anderes Thema.
"Sag mal, wegen deiner Entscheidung, die du mir bei unserem letzten Gespräch mitgeteilt hattest, bleibt es dabei oder konnte der Urlaub etwas bewirken?"
Chiaki schwieg lange, starrte verbissen das Gemälde auf der Wand vor ihm an und sagte schließlich "Nein. Es bleibt dabei. Ich brauche Action, verstehst du? Ich habe es mir lange, wirklich sehr lange und gut überlegt. Es ist zwar irrsinnig, alles hinzuwerfen aber ich will es. Ich werde es ganz bestimmt nicht bereuen", verkündete er.
"Schade. Wirklich. Aber ich habe versprochen, dich zu unterstützen und das werde ich auch tun. Hast du mit Marron und Himuro schon darüber gesprochen?"
Er schüttelte den Kopf. "Nein. Das steht noch an. Ich wollte noch etwas warten. Nächste Woche gehe ich zum Kommissar"
"Wie du meinst. Dann bleibt mir wirklich nur, dir die Daumen zu drücken, Sohnemann. Das Gespräch wird nicht einfach"
"Danke"
Chiaki erhob sich und ließ sich von Kaiki in Marrons Zimmer bringen....

Ein paar Tage später in Marrons Wohnung....

"Was?! Das ist nicht dein Ernst oder?" Der Brünetten blieb die Luft weg.
Chiaki legte behutsam seine Hand auf ihre.
Sie hatten gerade zu Ende gefrühstückt, als er ihr ein Geständnis ablegte und sie damit vollkommen von den Socken riss.
"Marron, bitte, versteh doch. Ich habe es lange genug überlegt. Ich weiß, was ich tue. Mehr als zwei Jahre habe ich nach Dämonen gejagt. Das ist ein Teil von mir geworden. Ich brauche einen Nervenkitzel. Ich bin nicht dafür geboren, gelangweilt in irgendwelchen Patientenakten herumzuwühlen und sie zu behandeln. Ja, am Anfang fand ich diesen Job sehr interessant aber eigentlich bin ich dieser Studienrichtung nachgegangen, weil ich meinen Vater nachahmen wollte. Dieser Job ist nicht der Richtige für mich. Und.... und ihn für den Rest meines Lebens auszuüben.... Gott, nein! Ich will das nicht. Noch ist es für einen Richtungswechsel nicht zu spät"
Die Braunhaarige bedachte ihn mit einem entsetzten Blick. "Hast du auch dabei an mich und dein ungeborenes Mädchen gedacht?"
"Junge"
"Mädchen!"
"Nein, Junge. Ich weiß es doch", grinste er frech.
Sie schnaufte. "Wie auch immer. Wie stellst du dir das bitte vor?! Während du im Außendienst irgendwo unterwegs bist, werde ich mit unserem Kleinen zu Hause hocken und beten, dass du ja heil und unverletzt von der Arbeit zurückkehrst?"
Er ging um den Tisch herum und schloss sie in seine Arme. "Mir wird nichts passieren. Nach Dämonen zu jagen war um Dimensionen gefährlicher"
"Dass dir nichts passieren wird, hattest du mir schon mal versprochen und was war geschehen?! Noyn hat dich getötet! Oder weißt du es nicht mehr?"
Marron merkte, wie sich ein dicker Kloß in ihrem Hals bildete und schluckte hart.
Wie zum Henker kam er auf so eine verrückte Idee? Sie glaubte in einem schlechten Film zu sein.
Er ließ von ihr ab und stützte sich mit beiden Händen am Esstisch ab.
"Man, Marron, bitte bitte, versuch mich doch wenigstens ein bisschen zu verstehen. Es ist ja nicht so, dass ich von gestern auf heute auf diese Idee gekommen bin. Ja, ich habe gute Noten in der Uni und ja, ich hätte das Zeug dazu, ein guter Arzt zu werden. Aber.... es ist nicht das, was mich glücklich machen wird. Ich liebe die Jagd. Ich brauche sie! Neben dir und unserem Kind natürlich. Ich verspreche dir hoch und heilig, dass ich immer auf mich aufpassen werde, noch mehr als jemals zuvor. Bitte verwehr es mir nicht" Er holte Luft und sah sie eindringlich an.
Sie hob ihre Hand und ließ sie wieder sinken. "Tja, was soll ich sagen?"
"Das, was du denkst"
"Das habe ich bereits. Außerdem, was spielt meine Meinung noch für eine Rolle? Du hast ja deine Entscheidung bereits getroffen" Ihre Stimme klang brüchig und verzweifelt.
"So ist es nicht", entgegnete er ruhig. "Hätte ich sie bereits gefällt, würde ich dich nicht um deine Meinung fragen. Noch habe ich meinen Studienvertrag nicht aufgelöst. Noch ist nichts passiert"
Ein tiefer Seufzer entrang ihrer Kehle. "Chiaki, ich...."
Es klingelte an der Tür und beide horchten auf.
"Erwartest du jemanden?", fragte der Blauhaarige und zog verwundert seine Augenbrauen in die Höhe.
Die Brünette nickte. "Ja, Miyako. Sie wollte vorbeikommen"
"Miyako? Habt ihr euch denn wieder vertragen?"
Es klingelte erneut. Dieses Mal länger.
Marron begab sich zur Tür und erwiderte "Ja, gestern Abend. Sie war bei mir und wir haben ganz lange gesprochen. Es ist alles gut. Mir fiel ein riesiger Stein vom Herzen. Und ja, sie macht die Patentante. Sie kanns schon kaum erwarten, fragt die ganze Zeit, wer es denn sein wird", beeilte sie sich zu erklären und öffnete die Tür.
Chiaki ging ebenfalls in die Diele, grüßte die Schwarzhaarige lächelnd und griff nach seiner Jacke.
"Wo willst du denn hin?", wunderte sich Marron und ging einen Schritt zur Seite, um Miyako vorbeizulassen.
"Geheimnis", flüsterte er lächelnd und gab ihr einen Kuss auf ihre Stirn ehe er verschwand.
"Was ist denn mit dem los?", nuschelte Miyako irritiert.
Marron schaute noch einige Sekunden lang sprachlos Chiaki hinterher, zuckte ahnungslos mit den Schultern und schloss schließlich die Tür zu.
"Ach kümmere dich nicht drum. Wahrscheinlich braucht er frische Luft oder so"
"Habt ihr euch etwa gestritten?", fragte die Schwarzhaarige besorgt.
Marron schüttelte verneinend den Kopf. "Ach was, nein. Nur ein paar Meinungsverschiedenheiten. Nicht der Rede wert. Komm, lass uns Tee trinken. Ich habe noch Croissants vom Frühstück übrig"
"Hm... lecker. Ja, Tee ist nicht schlecht. Über welches Thema wart ihr euch denn nicht einig gewesen?", hakte Miyako weiter nach. Zumindest versuchte sie es.
Die Brünette winkte direkt mit der Hand ab, zum Zeichen, dass sie nicht darüber sprechen wollte.
Sie wollte ihre Freundin nicht mit dem Thema belasten und eigentlich wusste sie tief in ihrem Inneren, wohin sich Chiaki begeben hatte. Es gab nur einen Ort, wo er gut nachdenken konnte. Seine Hütte. Abseits von der Welt.

Und so kam es, dass er sich einige Stunden später bei ihr meldete; übers Handy, um nochmals das Thema aufzugreifen. In der Zwischenzeit hatte sich die Laune der Brünetten um einiges verbessert und auch sie hatte während des Gesprächs mit Miyako über seinen Wechselwunsch nachgedacht. Sie hatte kein Recht dazu, ihm seine berufliche Zukunft vorzuschreiben und nahm ihm am Ende nur das Versprechen ab, dass er wirklich mehr denn je Acht auf sich geben würde.
"Ich liebe dich, mein Engel. Du bist die Beste. Ich werde mein Versprechen halten", schwor er ihr und meinte, dass es heute wahrscheinlich spät werden würde für seine Rückkehr.
Seufzend legte sie auf und ahnte auch diesesmal, wohin ihn der Weg führen würde.


Ein leises, kaum wahrnehmbares Klopfen erweckte Kommissar Todaj aus seinen Studien der Mordakten und ließ ihn neugierig aufblicken.
Er saß in seinem Büro; wie immer mit einem kalten Kaffee vor seiner Nase und einem Aschenbecher einiger verrauchter Zigaretten. Es war später Nachmittag. Seine Dienstleute waren in Sachen eines kürzlich stattgefundenen Mordfalls unterwegs, Besuch erwartete er keinen. Umso überraschter war er, als er Chiaki Nagoya eintreten sah.
"Du schon wieder", seufzte er und legte seinen Dauerschreiber beiseite.
"Guten Tag, Herr Todaj. Ich hoffe, ich störe nicht"
Himuro lächelte gereizt. "Da täuschst du dich. Du störst immer. Was führt dich hierher? Ist etwas vorgefallen?"
Chiaki ließ den Türgriff los, schloss die Puerta leise und trat weiter vor. "Es gibt etwas, was ich gerne mit Ihnen besprechen würde. Haben Sie etwas Zeit? Es ist wirklich wichtig"
Himuros Augenbrauen schellten nach oben, dennoch versuchte er sich möglichst ungehalten zu benehmen. "Etwas Wichtiges? Dann setz dich. Ich hoffe, es wird nicht um Sindbad gehen. Ich kann den Namen nicht mehr länger hören".
Der Angesprochene bedankte sich und nahm Platz. "Nein. Es geht nicht um Sindbad. Es geht um mich. Ich wollte mit Ihnen über...." Er hielt inne, sah, wie der Kommissar eine verstörte Miene aufsetzte und räusperte sich. "Über meine berufliche Zukunft sprechen"
Diese Worte verschlugen Miyakos Vater die Sprache. "Eh wie bitte?! Deine berufliche Zukunft? Da hast du aber die falsche Adresse gewählt, mein Lieber. Da musst du zu deinem Vater und nicht zu mir"
Chiaki lächelte. "Keineswegs. Ich bin hier richtig, glauben Sie mir"
Der Kommissar machte eine unverständliche Miene. "Und wie kann ich dir helfen?"
Chiaki schlug die Beine übereinander und rutschte mit dem Stuhl ein Stück näher an Himuro heran. "Ich möchte mein Studium vorzeitig abbrechen und bei Ihnen eine Ausbildung anfangen. Ich will zur Kriminalpolizei"
Himuro riss seine Augen auf, verschluckte sich fast, rang nach Luft und setzte gerade protestierend an als der Blauhaarige ihn aufhielt. "Warten Sie. Bitte. Ich werde es Ihnen erklären. Vieles habe ich in diesem Leben meinem Vater nachgemacht. Ich habe Medizin angefangen zu studieren, weil ich dachte, dass es keinen besseren und interessanteren Beruf für mich geben konnte. Dabei bin ich nicht meinem eigenem Wunsch gefolgt sondern habe es einfach als richtig befunden, weil mein Vater diesen Beruf ausübt. Ja, ich wollte irgendwann in seine Fußstapfen treten. Aber jetzt nicht mehr. Ich war Sindbad, der Jäger. Ich habe nach Dämonen gejagt. Und jetzt, wo es keine Dämonen mehr gibt, fehlt mir eine gewisse Action. Ich möchte weiterhin hinter jemanden her sein. Aber auf der guten oder sagen wir besser gerechten Seite. Mörder ausfindig machen und hinter Gittern bringen. Das ist das, was ich wirklich will.
Mir ist durchaus bewusst, dass es sehr plötzlich kommt aber glauben Sie mir, ich habe mir wirklich lange den Kopf darüber zerbrochen und ich stehe zu meiner Entscheidung. Geben Sie mir die Chance, Herr Todaj. Bitte"
Himuro blinzelte, schaute Chiaki voller Skepsis an.
Er wusste nicht, was er dazu sagen sollte. Vor allem wusste er nicht, was plötzlich in den Arztsohn gefahren war.
"Sie werden was davon haben, das verspreche ich Ihnen. Nehmen Sie mich an und ich verspreche ihnen, Ihre bisher unaufgeklärten Fälle zu lösen.
"Hm... da nimmst du dir den Mund aber etwas zu voll, findest du nicht? Es gibt nämlich so einige Fälle, an denen mein Team immer noch dran ist"
"Wie viele sind es?"
"Um die dreißig Morde, an denen wir noch dran sind. Immer noch. Das ist zum Haareausreißen! Manche von ihnen sind schon über zehn Jahre alt"
"Fünfzig Prozent"
"Wie bitte?"
"Ich werde fünfzig Prozent der Fälle innerhalb von einem halben Jahr aufdecken"
"Das bezweifle ich stark. Willst du etwa behaupten, dass du intelligenter als meine Leute bist? Leute, die jahrelang hier arbeiten und einiges auf dem Kasten haben! Willst du sagen, dass sie nicht klug genug sind?"
Er schwieg. Absichtlich, um seiner Aussage Nachdruck zu verleihen und um zu verdeutlichen, dass er es wirklich ernst meinte.
"Na? Da bleibt dir wohl die Sprache weg, was?"
Er schüttelte selbstsicher den Kopf. "Nein. Ich behaupte nicht, dass ihr Team nicht fähig ist, die Fälle zu lösen. Sie haben gute und kluge Köpfe, die an den Fällen dran sind. Das steht außer Frage. Ich möchte lediglich schauen, ob ich Ihnen wirklich helfen kann. Mich selbst dabei auch testen, ob ich das Zeug dazu habe, ein guter Kriminalpolizist zu werden. Durch meine Jagden habe ich viel über Täter und Opfer gelernt. Ich kann mich in die Lage vieler Täter versetzen und das befähigt mich dazu, wie ein Täter zu denken. Vielleicht ist es genau das, was Ihnen noch im Team fehlt. Ein Mitglied, der etwas anders denkt als alle Anderen. Geben Sie mir ein halbes Jahr. Sollte ich es nicht schaffen, werden Sie meine selbstsichere und arrogante Fratze nicht mehr länger ertragen müssen. Also ist das ein Pluspunkt für Sie. Löse ich die Fälle allerdings, haben Sie auch dabei gewonnen. Fünfzig Prozent weniger offener Delikte. Das wird ein gutes Rating für ihr Kommissariat ergeben. Und mehr Zeit für andere Fälle einräumen. Ist doch ein guter Deal oder?"
Der Kommissar schluckte, stand von seinem Stuhl auf, kehrte ihm den Rücken zu und starrte eine Weile lang nachdenklich aus dem Fenster raus.
Sekunden vergingen. Minuten vergingen, in denen keiner ein Wort sagte. Im Zimmer war es still, bis auf das Ticken der Wanduhr erklang kein anderweitiges Geräusch.
Chiaki wartete geduldig auf die Entscheidung.
Eine Entscheidung,die sein Leben verändern würde. Würde Himuro auf den Deal eingehen, würde er weiterhin ein Jäger bleiben. Ein Jäger, jedoch einer anderen Art.
Und genau das war es, was er sein wollte. Jagen auf legale Art und Weise.
Himuro räusperte sich, drehte sich mit einem sehr ernsten Gesichtsausdruck um und entgegnete "Das ist zwar hirnrissig und verrückt aber.....Sechs Monate. Keinen Tag länger. 15 Mordfälle. Nicht ein Fall weniger"
Ein breites Grinsen entfaltete sich auf dem Gesicht des Studenten.
"Danke, Herr Todaj. Sie werden es nicht bereuen. Wann darf ich meine Probezeit beginnen?"
Der Angesprochene hielt inne, seufzte mit einem Mix aus Genervtsein und Anwiderung und presste zwischen seinen Zähnen hervor "In zwei Monaten beginnt das neue Ausbildungsjahr. Ich hoffe, du schaffst es bis dahin, deinen Studienvertrag aufzulösen"
Er nickte. "Sicher"
"Dann verschwinde jetzt und lass mir die verbleibende Zeit, um mich damit abzufinden, dass ich dein arrogantes Gesicht bald jeden Tag ertragen muss"
Äußerst glücklich erhob sich Chiaki, nickte ihm dankend zu und bewegte sich auf die Tür zu. Bevor er diese jedoch durchschritt, wandte er seinen Kopf in Richtung des Chefs und sah ihn schelmisch an.
"Duell gefälligst?"
Himuro verstand nicht. "Bitte was?"
"Sie lösen ihre 50% der Fälle und ich meine. Einfach nur ein Spiel. Mal schauen, wer gewinnt. Sie haben doch erwähnt, dass Ihnen ohne Sindbad langweilig werden könnte..."
Als er merkte, wie sich Himuros Gesichtszüge anfingen, anzuspannen, ergänzte er schnell "Schon gut, schon gut. War nur ein Scherz. Ich bin dann mal weg" und machte die Biege.
Als Reaktion seufzte Himuro lautstark und widmete sich wieder seinen Akten zu....


Sieben Tage waren seit diesem Gespräch vergangen. Draußen schien ausnahmsweise die Sonne. Zwar war es noch kühl aber immerhin war der Himmel blau und wolkenlos.
Die Welt war endlich wieder in Ordnung. Das Leben nahm seinen gewöhnlichen Lauf an.
Marron schlenderte gutgelaunt von der Uni nach Hause. Heute war Freitag. Am Abend erwarteten sie und Chiaki Besuch von Kaiki, um mal gemütlich bei einem gemeinsamen Abendessen über dies und jenes zu plaudern.
Als sie merkte, dass ihr etwas warm wurde, streifte sie ihren Mantel ab und hängte ihn über ihre Tasche. In Gedanken begann sie schon den Monat auszurechnen, an dem es endlich so weit sein würde. Sie wussten immer noch nicht, wen sie erwarteten und hatten beschlossen, noch etwas abzuwarten, um es zu erfahren. Für Marron war es ganz klar, dass Chiaki sich einen Jungen wünschte. Dies hatte er immerhin mehr als deutlich kundig gemacht. Obwohl sie ihm gegenüber behauptet hatte, dass sie sich über ein Mädchen freuen würde, war es ihr in Wahrheit nicht so wichtig gewesen. Wenn es ein männlicher Nachkomme werden würde, würde sie sich ebenfalls freuen.
Sie wollte Chiaki nur ärgern, mehr nicht.
Wie er sich als Vater wohl machen wird?
Bei dem Gedanken musste sie unwillkürlich kichern. Ein Playboy, der Vater wird. Noch erschien ihr die Vorstellung ziemlich fremd. Chiaki und ein Baby in den Armen? Der Chiaki, den außer Sex, Flirten und Action sonst nichts weiter interessierte? Nein, das war einfach unvorstellbar.
Obwohl sie sich ja so oft eingestehen hatte müssen, dass er mittlerweile ein ganz anderer Mensch war. Ein Mensch, der es gelernt hatte, zu lieben und der er es lernte, Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen.
Seine Stimme erklang so plötzlich, dass sie kurz zusammenzuckte.
"Hallo Schönheit. Darf ich dich entführen?"
Sie blickte zur Seite, auf die Straße und sah, dass sein Wagen neben ihr angehalten hatte. Er hatte das Fenster heruntergekurbelt und schaute sie verträumt an.
"Wo kommst du denn her?", wunderte sie sich.
"Geheimnis", zwinkerte er frech. "Darf ich dich nun mitnehmen?"
"Wohin?"
"Wirst du schon sehen"
Sie blickte ihn skeptisch an. "Weißt du, Chiaki, letzte Woche hab ich genug Überraschungen erlebt. Ich bin es immernoch am verdauen, dass du bald zur Kripo gehören wirst. Also wenn..."
Er stieg aus dem Wagen und nahm ihre Hand in seine. "Es ist nicht die Art Überraschung", lächelte er und führte sie ins Auto.
Wie ein Gentleman öffnete er ihr die Beifahrertür und ließ sie einsteigen.
"Okay, ich bin sehr gespannt", sagte sie, nachdem auch er sich hingesetzt hatte.
"Das darfst du sein", wisperte er und startete den Motor.
Dann fuhren sie los.
Mit jedem gefahrenen Kilometer steigerte sich Marrons Spannung bis ins Unermessliche. Sie wusste überhaupt nicht, was auf sie zukam und rechnete mit allem.
Chiaki grinste breit wie ein Honigkuchenpferd und sagte kein Wort. Das machte sie noch wahnsinniger.
Der Blauhaarige fuhr ruhig, durchquerte die Autobahn, nahm die entsprechende Ausfahrt und fuhr dann weiter über sämtliche kurvigen Landstraßen bis er schließlich in eine schmale Straße einbog und vor einem großen Haus in der Einfahrt parkte.
"Nanu, wieso hälst du denn hier an? Hast du überhaupt das Recht, hier in der Einfahrt zu parken? Wohnt hier jemand Verwandtes von dir?", sprudelte Marron mit ihren Fragen auf ihn ein.
Wie nicht anders zu erwarten war, blieb er weiterhin äußerst geheimnisvoll, stieg aus dem Wagen aus und öffnete ihr die Tür. "Komm, ich zeig dir etwas"
Mit einem Kribbeln im Bauch reichte sie ihm seine Hand und verließ das Auto.
Zuerst betrachtete sie kurz das große Haus, welches weiß gestrichen war mit grauen, stilvollen Streifen oben und mittig, dann die Gegend. Das Erste, was sie sofort wahrnahm, war, dass die Gegend hier ziemlich ruhig zu sein schien und vor allem, dass hier aller Wahrscheinlichkeit nach sehr wohlhabende Menschen lebten. Die Häuser, es waren um die fünf Stück in dieser Straße, sahen nicht gerade billig aus.
Wieso brachte er sie hierher? Was wollte er ihr zeigen?
Als ob er ihre Gedanken hörte, legte er seine Hand zärtlich auf ihre Schulter und fragte "Na, wie findest du es hier?"
Sie schluckte, blickte zum Haus. "Traumhaft. Muss wohl wirklich eine reiche Gegend sein. Warum sind wir hier, Chiaki?"
"Folge mir"
"Okaaaay..... das wird ja immer interessanter", stellte sie mit einem unbeschreiblichen Gesichtsausdruck fest.
Er begab sich pfeifend zum Haus und blieb vor der Tür stehen. Dann zog er einen Schlüssel aus seiner Jackentasche heraus und steckte ihn ins Schloss. Es raschelte, dann machte es klick und die Tür ging auf.
"Nach dir", lächelte er sie liebevoll an.
Marron ahnte, was jetzt kommen würde, traute sich aber trotzdem nicht, daran zu denken. Es zu glauben.
Vorsichtig schritt sie in die Diele ein und hielt die Luft an. Das Haus sah nicht nur von außen teuer aus sondern auch von innen.
Sie bemerkte nicht, wie Chiaki ihre Hand ergriff und sie in die Räume führte. Zuerst gingen sie ins Wohnzimmer, welches äußerst geräumig war und alles beinhaltete, was zu einer gemütlichen Atmosphäre beitrug. Kamin, riesige, gläserne Terrassentür, die einen traumhaften Blick auf den Garten bot, hochwertige Innenausstattung und....
Sie traute ihren Augen nicht. Ein Pool. Erst jetzt fiel ihr auf, dass sich im Garten ein Pool befand. Doch er ließ sie nicht ruhig schauen. Chiaki deutete mit einer Kopfbewegung, ihm weiter zu folgen.
Wie durch eine Galerie wandernd, bestaunte sie ein Zimmer nach dem anderen und bekam kein einziges Wort heraus.
Als sie schließlich alle Zimmer, es waren sechs Stück, verteilt über zwei Etagen, durchlaufen und in der Küche angekommen waren, schaute er sehr neugierig an.
"Chiaki, was soll das?", fragte sie konfus.
"Wie findest du es?"
"Das Haus ist der absolute Wahnsinn, wenn du das meinst. Wie aus einem Bilderbuch"
"Es gehört uns, wenn du es willst", bemerkte er flapsig.
"Waaaaas?!"
Er nickte und sah ihr ernst die Augen. "Ja, wirklich. Ich meine es vollkommen ernst"
Sie schüttelte ungläubig ihren Kopf.
"Marron, ich möchte dir ein Geständnis machen", fuhr er fort und merkte, wie sie sich anspannte.
"Geständnis?", wiederholte sie seine Worte ängstlich.
Er trat näher an sie heran. "Das erste Mal, als ich dich sah, wollte ich dich nach mir verrückt machen. Ich wollte mit dir spielen. Unsere Begegnung war ein Spiel für mich. Anfangs. Bis zu einem gewissen Moment. Du weißt, ich bin ein Idiot und habe viel zu spät gemerkt, dass ich mich bereits in dich verliebt habe. Heute weiß ich, dass nicht ICH derjenige war, der dich nach mir verrückt gemacht hat, sondern du mich. Ich werde es nie vergessen, wie du mich bei unserem ersten Mal angeschaut hast. Diese Augen, deine Augen haben mich in deinen Bann gezogen. Es waren die schönsten Augen, die ich je gesehen habe. Sie haben gestrahlt. Und sie tun es heute immer noch. Du hast mir gezeigt, was es heißt, jemanden zu lieben mit allem was man hat. Ich sehe in deine Augen und weiß, dass es nie jemanden anderen für mich geben wird. Nur mit dir fühle ich mich glücklich und wohl. Ich danke dir, dass du lebst und dass du mir deine Liebe schenkst obwohl du vielleicht jemanden Anderen verdient hättest. Ich liebe dich, mein Engel und ich möchte den Rest meines Lebens mit dir zusammen sein. Deswegen frage ich dich...."
Sie spürte, wie ihr ganzer Körper bebte und wie ihre Wangen glühten.
"Warte. Halt. Ich.... ich... willst du mir einen Antrag machen?", stotterte sie halbverrückt.
Er räusperte sich und fing an zu grinsen. "Du bist einfach unglaublich, mein Schatz. Ich wollte ernst bleiben aber das ist ganz unmöglich mit dir"
"Na was denn? Was soll es denn sonst werden, so wie du redest?"
"Eigentlich wollte ich dich fragen, ob du mit mir zusammenziehen möchtest", lachte er.
Sie schlug sich beschämt mit der Hand aufs Gesicht und wurde rot wie eine Tomate. "Ach du Scheibenkleister! Ich... äh sorry... ich .... es ist nur so, dass..."
"Dass du es kaum erwarten kannst, meine Frau zu werden, ich weiß", posaunte er selbstsicher wie ein Angeber und freute sich über ihre Reaktion.
"Nein, nicht doch...", versuchte sie sich zu verteidigen.
"Uhum. Das glaube ich dir jetzt voll...", lachte er. "Und? Was hälst du davon, wenn wir hier einziehen? Unser Baby würde hier aufwachsen. Ich freue mich schon, das Kinderzimmer einzurichten"
Sie holte tief Luft und ließ sie stoßweise wieder raus. "Schöner Scherz. Wie willst du denn dieses Traum von Eigentum bezahlen?! Das muss ja ein Vermögen kosten"
Er zog seine Augenbrauen in die Höhe. "Ein Vermögen? Das ist alles, was dich beschäftigt? Du entweichst meiner Frage, Süße"
"Ja aber..."
"Kein aber. Ja oder nein? Das ist doch eine einfache Frage"
Unschlüssig stand sie da. Neben ihm und ließ ihren Blick im Raum schweifen. Es war einfach unglaublich. Der Typ war doch verrückt!
"Marron?"
Die Angesprochene schluckte und zwang sich zu besinnen.
"Ja, ich möchte.... würde gerne mit dir zusamnenleben. Sehr gerne sogar", äußerte sie verträumt.
Er atmete auf. "Das ist schön. Du machst mich glücklich. Um das Geld brauchst du dir keine Gedanken zu machen. Ich verkaufe meine Wohnung und einen Aktienanteil. Du hast wohl vergessen, dass du einen ziemlich wohlhaben Mann hast an deiner Seite", zwinkerte er.
Sie blickte ihn tief an und lächelte schüchtern. "Ich liebe dich. So sehr....", flüsterte sie und ließ sich von ihm ganz fest umarmen.

So standen sie noch lange Zeit da und genossen ihre Zweisamkeit.
Irgendwann wurde es Zeit zu fahren und das Abendessen vorzubereiten.
Sie fuhren zu Chiaki heim und machten sich an die Arbeit. In zwei Stunden stand Kakis Besuch an.

Voller Gedanken an ihr neues Leben konnte sie sich kaum auf das Essen konzentrieren. Es erschien ihr wie ein verrückter Traum. Nie im Leben hätte sie gedacht, dass sie irgendwann Mal in so einem schönen Haus leben würde. Doch es war die Realität und es machte sie ganz kribbelig.
Chiaki bemerkte ihre Nervosität und übernahm ganz entspannt den größten Teil der Vorbereitungen. Er freute sich, seine Freundin glücklich gemacht zu haben. Jetzt fehlte nur noch ein gewisser letzter Schritt, den er tun musste und wollte. Doch in diesem Punkt musste Marron sich noch etwas gedulden....

Irgendwann kam der Zeitpunkt und Kaiki klingelte an der Tür.
"Hallo ihr beiden, ihr seht glücklich aus, das freut mich sehr. Marron?"
Er reichte ihr höflich die Hand.
"Guten Abend, Herr Nagoya", grüßte sie ihn zurück und ließ ihn eintreten.
Nachdem alle im Wohnzimmer am Tisch Platz genommen hatten und mit dem Essen begannen, erhob Kaiki sein Weinglas und sagte "Nun, Marron, ich freue mich sehr, dass du in das Leben meines Sohnes eingetreten bist. Endlich hat er jemanden an der Seite, der ihn zur Vernunft bringt"
Der Blauhaarige räusperte sich und verkniff sich ein Kommentar.
Der Arzt sprach weiter "Wir haben noch nicht wirklich die Gelegenheit dazu gehabt, uns etwas näher kennenzulernen. Ich bin dir das erste Mal begegnet, als du als Jeanne angeschossen wurdest..."
Marron riss perplex ihren Mund auf. "Wie bitte? Woher wissen Sie denn von Jeanne?!"
Der Arzt blickte konfus zu Chiaki. "Oh, hast du es ihr denn nicht erzählt?"
Der Blauhaarige biss sich auf die Lippe und legte seine Hand auf Marrons Schoß. "Ehm ja... darüber haben wir noch nicht gesprochen...", gestand er.
"Oh da bin ich wohl in ein Fettnäpfchen getreten, was?", bemerkte Kaiki.
"Schon gut", murmelte Chiaki. "Er wusste von Sindbad und von .... Jeanne", berichtete er Marron durch die Zähne.
"A. . A.... aber wie und seit wann?"
Kaiki stellte langsam sein Glas ab und warf Marron einen beruhigenden Blick zu. "Ändert das denn was zwischen uns Marron?", fragte er sie.
Die Angesprochene schwieg eingeschüchtert und Kaiki sprach weiter "Ich kann dich beruhigen, Marron. Ich habe nie jemanden ein Wort über euch erzählt. Nur Kommissar Todaj und das auch nur dann als er bereits hinter Chiakis Geheimnis selbst gekommen war. Und ich habe auch nur über meinen Sohn gesprochen. Über dich habe ich nichts verraten. Zudem soweit mir bekannt ist, ist diese Geschichte schon Vergangenheit. Und es ändert nichts an meiner Einstellung zu dir. Ich sehe, dass du ein gutes Mädchen bist. Mehr noch, ich sehe, wie dich mein Sohn anhimmelt. Man braucht nicht in eurer Nähe zu sein, um festzustellen, wie sehr ihr ineinander verliebt seid. Wirklich, ich freue mich. Tu mir bitte nur einen Gefallen, Marron"
Sie beruhigte sich ein wenig, blickte ihn gespannt an.
"Bring ihm bitte bei, ein guter Vater für euer Baby zu sein. Denn leider war ich alles andere als ein guter Vater für ihn. Ich habe seine Erziehung leider etwas vernachlässigt und er hat mich in vielem kopiert. In vielem.... Na ja... nicht Gutem" Er schaute Chiaki bedrückt und entschuldigend an. "Tut mir leid, mein Sohn. Für alles. Ich hoffe, dass ich stattdessen ein guter Großvater sein werde"
Der Blauhaarige seufzte, verdrehte seine Augen und entgegnete "Vater, lass gut sein. Wir haben bereits darüber gesprochen. Schwamm drüber. Was war, das war. Klar wirst du ein guter Opa sein"
Kaiki nickte dankend.
Marron ergriff das Wort. "Das Essen wird kalt. Lasst uns essen"
"Du hast recht. Wie gesagt, es freut mich, dass ihr zwei euch gefunden habt. Auf euch und auf eure gemeinsame Zukunft", antwortete Kaiki und hob sein Glas. "Übrigens wo sind deine Manieren, Sohnemann?"
Er verstand nicht ganz und blinzelte.
"Na ich sehe keinen Ring an ihrem Finger. Hast du ihr denn noch keinen An...." weiter kam der Arzt nicht, Chiaki fing hastig an zu husten und signalisierte ihm mit einem verärgertem Blick, ruhig zu sein.
"Oh .... okay da hab ich wohl schon wieder zu viel gesprochen...", nuschelte Kaiki und beeilte sich, etwas zu trinken.
Marron wurde verlegen und trank ebenfalls einen Schluck alkoholfreien Sekt.
Es war klar, dass sie sich so gern eine Hochzeit wünschte. Jetzt, wo alles perfekt war. Doch anscheinend war es für Chiaki aktuell kein Thema gewesen und so beließ sie es dabei, nichts dazu zu erwähnen. Vielleicht wollte er überhaupt nicht heiraten. War doch möglich gewesen...
Dann würde sie sich damit abfinden müssen, "so" mit ihm zu leben.
Für sie stand fest, dass sie ihn mit diesem Thema nicht bedrängen und vor allem nicht nerven wollte.
Ja, zugegebenerweise war sie heute etwas enttäuscht gewesen, dass er nicht die Worte gesagt hatte, auf die sie gewartet hatte aber was sollte sie tun?
Chiaki riss sie aus ihren trübseligen Gedanken und verwickelte sie geschickt in ein anderes Gesprächsthema. So kam es, dass sie doch noch lächelte und vergnügt mit Vater und Sohn über Gott und die Welt sprach.
Der Abend war ein Erfolg gewesen. Kaiki umarmte sie beim Gehen wie seine eigene Tochter und gab ihr einen Kuss auf die Stirn. "Passt gut auf euch auf, Kinder. Und vielen Dank für den schönen Abend und das Essen. Wir sehen uns"
Mit diesen Worten ging er.

"Ich habe ihn wirklich gern", bemerkte die Braunhaarige, als sie wieder ins Wohnzimmer zurückkehrten.
"Ja.... er hat auch eine gute Seite. Wir haben lange genug kalten Krieg geführt. Zum Glück ist es vorbei. Ich gebe es zwar nicht gerne zu aber ich genieße auch seine Nähe"
"Du hast Glück, dass du einen Vater hast. Für mich sind Miyakos Eltern wie meine leiblichen. Aber deinen Vater habe ich direkt ins Herz geschlossen. Herr Todaj ist etwas fremd für mich"
Er umarmte sie von hinten. "Das ist schön, vielleicht wirst du ihn irgendwann wie einen zweiten Papa sehen. Dad meine ich. Ich würde es mir jedenfalls wünschen. Er kann wirklich gut zuhören, wie sich rausgestellt hat"
Marron legte ihre Hand auf seine und nickte.

Als sie müde im Bett lagen, fiel es ihr wieder ein. Die Frage, die ihr keine Ruhe ließ.
"Chiaki?" Sie blickte ihn an und spürte seinen Atem auf ihren Haaren.
"Hm?"
"Wie hat er es erfahren? Ich meine dass ...."
"Ich weiß, was du meinst. Dass ich Sindbad war und du Jeanne... nun... hör gut zu..."

Und dann erzählte er ihr die Story....


Fortsetzung folgt....
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