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Schwarze Liebe

von Liaya
GeschichteMystery / P18 / Gen
29.11.2017
08.05.2018
34
122.437
6
Alle Kapitel
59 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
26.02.2018 5.871
 
Guten Tag an Alle! :))
ich melde mich mit der Fortsetzung zurück ;)
Sorry für die Wartezeit!

Zu diesem Kapitel: es ist wirklich lang! Ich habe lange überlegt, es in zwei Teile zu teilen... doch es machte keinen Sinn. Ich habs so gelassen.
Dieses Kapitel habe ich über eine Woche geschrieben. Viel gelöscht, dann wieder geschrieben, wieder gelöscht, bis es so geworden war, wie ich es mir vorgestellt hatte. Wegen Rechtschreibung/ Zeiten/ Grammatik - tut mir vorab leid, wenn es gravierende Fehler gibt. Ehrlich, ich hab es um die zwanzig Mal gelesen und kann nicht mehr klar denken...

Hier geht es um "den Vorfall aus der Vergangenheit" und wie Kaiki über Sindbad erfuhr.
Und um noch ein weiteres Geheimnis  .... nun lasst euch überraschen ^^

In diesem Sinne viel Spaß und bis zum nächsten Mal. Ich hoffe sehr, dass es euch gefällt.

LG
Wie immer Liaya )))

***********************

Dieses dunkle Ereignis hatte er schon längst vergessen. Zumindest dachte er so. Jetzt suchte es ihn heim.
Erst langsam dann immer schneller bannten sich längst vergessene Bilder ihren Weg durch sein Gehirn durch um vor seinem inneren Auge zu erscheinen.
Ein Fetzen tauchte nach dem anderen auf und sammelte sich zu einem Puzzle.
Unverständlich und gereizt schüttelte er den Kopf.

Dieser Tag.
Dieser eine verfluchte Tag, der ihm bis heute keine Ruhe gelassen hatte.
Er biss seine Zähne aufeinander und schimpfte. Gottverdammt, warum musste er damals nur in dieses Flugzeug steigen?
Warum nur?!
Diese Frage hatte er sich bereits um die hundert Mal gestellt und nie eine Antwort darauf gefunden.
Er hätte auch anders handeln können.
Es hatte sie doch gegeben. Die andere Option.
Eine Warnung. Eine einzige Warnung hätte womöglich ihren Dienst getan und sie alle wären jetzt noch am Leben gewesen.
Zwei aufeinderfolgende Träume hatten ihn damals vorgewarnt. Bedauerlicherweise zog er aus ihnen einen falschen Schluss und ließ hunderte von Leben draufgehen.
Großeltern, Eltern, Studenten, Kinder, ungeborene Babies....
Alles unschuldige Seelen, die ER allein auf dem Gewissen hatte.
Alles hätte anders verlaufen können, wenn er nur bloß eine anderweitige Handlung vollzogen hätte.
Seine Hand krallte sich so fest in den Gangschalter, dass es wehtat.
Er schluckte, rang stoßweise nach Sauerstoff und merkte, wie ihm übel wurde.
Erinnerungen...
Weshalb gerade jetzt?
Wollte eine höhere Macht, dass er in seinen Schuldgefühlen ertrank? Ausgerechnet jetzt, wo alles wieder gut war und er endlich glücklich sein wollte?
Nein, das war nicht fair.
Aber andererseits was war schon bitte fair in diesem Leben?
Bei dieser Feststellung musste er deprimiert lachen.
Nein, es war eindeutig nicht fair gewesen, ihn jetzt damit zu konfrontieren.
Ausgerechnet in dem Moment, wo es in Strömen goss und er schon genug Mühe damit hatte, sein Fahrzeug sicher zu steuern.
Mit aller Gewalt zwang er sich, die aufkommenden Bilder in seinem Kopf beiseite zu schaffen und stattdessen mehr auf die Straße zu achten.
Es fiel ihm schwerer als er dachte.
Immer wieder flackerte der Moment, an dem er sich aus schierer Auswegslosigkeit vor Kaikis Nase in Sindbad verwandeln musste, vor ihm auf.
Warum?
Warum hier und heute? Der Blauhaarige war nicht darauf vorbereitet gewesen, diesen Vorfall, welchen er extra ganz tief unter den untersten Erinnerungsschichten vergraben hatte, jetzt wieder hervorzukramen.
Ein eiskalter Schweißtropfen lief ihm den Rücken runter.
Er schüttelte hektisch den Kopf, um wach zu bleiben und nicht zum zwanzigsten Mal schon wieder abzudriften.
Seine Hände griffen sich ins Lenkrad fest.
"Wach bleiben!", befahl er sich. "Verkehr. Konzentriere dich auf den Verkehr! Nur auf den Verkehr und auf nichts anderes!", dachte er immer und immer wieder.
Es goss wie aus Eimern. Seine Scheibenwischer huschten in ihrem schnellsten Tempo hin und her und kamen kaum hinterher, die neue Menge an herunterkommenden Niederschlag rechtzeitig von der Windschutzscheibe zu beseitigen.
Innerlich stand er kurz vor einem Schreikrampf, zwang sich jedoch, Fassung zu bewahren.
Bloß kein Aquaplaning verursachen!
Es fehlten noch ca. fünf  Minuten. Fünf Minuten. So viel Zeit brauchte er geschätzterweise noch bis zum Zielort.
Durchhalten, Hände am Lenkrad festhalten und immer schön auf den Verkehr achten.
Gott, er kam sich dämlich vor. Seit wann musste er so viel Kraft aufbringen, um seinen Wagen zu steuern? Diese winzige Alltagstätigkeit konnte er doch sonst immer aus dem FF heraus  tun. Aber jetzt kam er sich so vor, als ob er erst gestern die Fahrschule beendet hätte. Unglaublich, wie viel Menschen aus dem  Automatikmodus heraus anstellten! Bis dato hatte er nie darüber nachgedacht, wie viel Konzentration das Steuern eines Wagens von einem abverlangen konnte.  
Glücklicherweise kam er unverletzt und heilfroh am Zielort an und stellte den Motor ab.
Danach kippte er seinen Kopf in den Nacken, schloss seine Augen und atmete erstmal ganz tief durch.
Himmel, war das eine Nacht!
Als er die Augen wieder öffnete, stellte er genervt fest, dass die Bilder wiederkamen.
Nein, in Ruhe lassen wollte ihn sein Gedächtnis heute eindeutig nicht. Anscheinend musste er sich seiner Angst stellen und dieses Ereignis verarbeiten.
"Schicksal", dachte er und lachte bitter auf.
"Irgendwann holt die Vergangenheit einen immer ein, ganz gleich an welchem Ort man grade ist und was man tut", schoss es ihm durch den Kopf.
Nichts bleibt auf ewig begraben. Gar nichts.
Er musste sich diesem schrecklichen Alptraum stellen. Ihm in die Augen schauen. Auf Kopfhöhe begegnen und nicht wie er es immer tat; mit dem Rücken zu ihm gewandt.
Eine Weile lang betrachtete er die Umrisse der Bäume, die sich im Scheinwerferlicht abzeichneten.
Dann betätigte er den länglichen Schalter an seinem Lenkrad und stellte das Licht aus.
Bis auf das laute Geräusch des Regens war nichts zu hören.
Er nahm erneut einen tiefen Atemzug und stieß die Luft langsam wieder aus.
Also fein. Kramen wir den Tag noch einmal hervor, wenns denn sein muss. Sollte es ihm doch recht sein. So unangenehm die Situation damals auch gewesen war.
Chiakis Lider wurden immer schwerer. Er blinzelte, konnte aber dem Drang nicht widerstehen, seine Augen zufallen zu lassen.
Irgendwann gab er auf und fiel in eine Art Trancezustand....

Sechzehnter Februar vor anderthalb Jahren....

Ein Freitag. Das Datum, welches in ihm jedes Jahr ein Grauen verursachte.
Genau wie heute, regnete es auch damals. Zum zweiten Mal wachte er schweißgebadet aus seinen Alpträumen auf und wusste nicht, was das zu bedeuten hatte.
Warum zum Henker befand er sich in seinen Träumen an Board eines Flugzeugs?!
Irgendwohin zu fliegen stand ganz und gar nicht auf seiner Planliste. Er hatte eine Woche vorlesungsfrei gehabt  und wollte sein Wochenende mit Mina aus dem Massagesalon verbringen.
Doch in seinen Träumen vereiste er irgendwohin  zusammen mit seinem Vater.
Ausgerechnet mit dem Menschen, von dem er seit dem Tod von Chisato einen dicken Abstand genommen hatte.
Mit einem äußerst mulmigen Gefühl im Bauch  startete er in den Tag und verbrachte ihn auch bis zum Nachmittag in diesem Zustand. Ganz gleich, was er anzustellen versuchte, nichts wollte so richtig funktionieren. Weil er eben angespannt und mit den Gedanken woanders war.
Als sein Vater plötzlich und unangemeldet nachmittags bei ihm auftauchte, schlug es bei ihm ein, wie der Blitz.
Der Besuch war nicht ohne Grund gewesen. Sein Traum fing an, sich zu bewahrheiten.
Kaiki ging stumm an Chiaki in sein Wohnzimmer vorbei und legte ihm ein Flugticket auf den Tisch.
Die Worte, die er dabei wählte, waren äußerst knapp gehalten und in einem ernsten Ton formuliert. "Ärztekonferenz. Montag, neun Uhr morgens. Cardiff, UK. Du fliegst mit"
Schock. Ihm blieb der Mund weit offen stehen.
Sofort klingelten alle Alarmglocken auf höchster Stufe bei Chiaki.
Er sah die Katastrophe vor seinem inneren Auge und fing direkt panisch zu protestieren an.
Doch Kaiki wollte nichts hören und verließ gleich wieder sein Apartement.
Danach versuchte er mehrere Male bei Kaiki anzurufen, um ihn von dem Flug abzuhalten doch es war vergeblich.
Stotternd erklärte Chiaki ihm, dass er um keinen Preis der Welt dahin fliegen durfte.
"Und weshalb, wenn ich fragen darf?", wollte Kaiki von ihm wissen.
Chiaki gestand ihm, dass er nichts Gutes spürte und bat ihn einfach, nur auf ihn zu hören.
Doch Kaiki ignorierte die Warnung seines Sohnes. Diese Konferenz wäre viel zu wichtig um sie einfach abzusagen. Entweder würde sein Sohn ihn begleiten oder es aber sein lassen und ihm keinen Unsinn erzählen. Danach legte er auf.
In Chiaki tobte es. So ein Mist! Das war ja klar, dass sein Erzeuger genauso stur war wie er selbst.
Wütend nahm er das Ticket in die Hand und betrachtete es eine Weile. Hinter dem Ticket war ein Flyer angeheftet. "Doctors Academy - Cardiff, United Kingdom"
Zuerst spielte er mit dem Gedanken, abzusagen und seinen Vater alleine fliegen zu lassen. Vielleicht sollte er nicht dabei sein. Möglichweise würde das Unglück nicht passieren, wenn er nicht mit an Board steigen würde.
Aber sein Gefühl verriet ihm, dass er dadurch die Situation nicht verbessern würde; also verwarf er die Überlegung gleich wieder.
Was....was sollte er bloß anstellen? Wie sich verhalten?
Er warf einen angestrengten Blick auf die Uhr und dann wieder auf das Ticket.
Dreißig Stunden Flugzeit. Dreißig.Stunden. Zwei Stopps.
Und bis zum Abflug fehlten sechs Stunden.
Nein, nein. Die Idee, mit Kaiki dahin zu fliegen war doch vollkommen absurd! Er sah keinen einzigen Grund dafür, seinem Vater den Gefallen zu leisten und ihn zu begleiten. Dreißig Stunden im selben Flieger, in dem engen Raum, auf kleinem Territorium mit dem Menschen zu verbringen, von dem er sich distanziert hatte. Schlicht und ergreifend unmöglich. No go!
Wahrscheinlich würde er auch noch neben ihm sitzen müssen.
Sein Verstand sagte ihm damals sofort Nein zu dieser Reise. Aber sein Verstand hatte wohl damals nicht das Letzte Wort gehabt und den Kürzeren gezogen. Denn er war letzten Endes seinem inneren Gefühl gefolgt, weil er gespürt hatte, dass er gebraucht wurde; angespanntes Vater- Sohn- Verhältnis hin oder her.
Da war etwas gewaltig nicht in Ordnung gewesen.
Innerhalb von einer halben Stunde hatte er seine Reisetasche gepackt gehabt und stürmte zum Flughafen.
Kaiki hatte ihm nur kurz zugenickt, als er ihn am Gate antraf. Mehr sagte er nicht. Und Chiaki schwieg sich auch aus. In der Wartehalle und auf dem Flug wurde kein Wort miteinander gesprochen.
Sie hatten logischerweise, wie auch anders nicht zu erwarten war, in der Business Class gesessen. Nebeneinander. Das kotzte ihn  an. Aber alle anderen Plätze waren zu seiner Enttäuschung belegt gewesen. Es gab keine Distanziermöglichkeit. Anfangs beschlich ihn sogar der Gedanke, dass Kaiki extra dafür gesorgt hatte, dass sein Sohn keine Ausweichmöglichkeit gehabt hatte aber er verwarf den irrsinnigen Gedanken wieder. Schließlich arbeitete sein Vater als Arzt und nicht als Platzverplaner im Flieger.
Nun, während Kaiki sich mit Fachzeitschriften über Medizin die unendlich lange Flugzeit vertrieb,
hörte Chiaki Musik und schaute sich wilde Actionthrillerfilme an.
Er hatte schon seit er zehn Jahre alt war ein besonderes Interesse für diese Art Filme gehabt. Ihnen verdankte er zu einem großen Teil seine heutigen Kampfkünste und seinen ausgeprägten, diebischen Spürsinn für besessene Personen.
Vor allem aber lernte er aus den Streifen, taktvoll vorzugehen. All seine Handlungen hundert Mal durchzudenken, bevor er sie in die Tat umsaß.
Anfangs verlief der Flug ziemlich ruhig. Ohne jegliche Störungen.
Doch das seltsame Gefühl, dass noch irgendetwas folgen sollte, ließ ihm keine Ruhe. Seine Anspannung blieb konstant.
Hin und wieder erschien eine Stewardess, um sich nach dem Wohlergehen der Passagiere zu erkundigen.
Fehlanzeige irgendeiner bevorstehenden Gefahr. Er sank in seinen Sessel und versuchte sich zu entspannen. Wahrscheinlich hatte sein Vater recht gehabt und die Sorgen waren wirklich umsonst.
Irgendwann hielt er es in seinem Sitzplatz nicht mehr aus und beschloss, sich die Beine zu vertreten, indem er auf die Toilette ging, die für die Economy- Class Passagiere bestimmt war. Vielleicht.... möglicherweise würde ihm auf dem Weg dorthin etwas auffallen.
Und er sollte Recht behalten. Je weiter er den schmalen Gang nach hinten abwanderte, desto stärker wurde die Unruhe.
Das eigenartige Gefühl, dass eine besessene Person in den Reihen dieses Fliegers saß.
Detektivisch verengte er seine Augen zu Schlitzen und verlangsamte automatisch seinen Schritt.
Seine Blicke schweiften unauffällig über die Passagiere.
Wer was es? Etwa neunzig Passagiere saßen in diesen Reihen. Und es konnte jeder von ihnen sein.
"Kann ich Ihnen helfen?", erklang die freundliche Stimme einer Stewardess hinter seinem Rücken.
Er stockte, schluckte und brach sofort seine Suche ab.
"Eh, nein. Schon gut. Ich hab mich wohl getäuscht gehabt. Mir kam es so vor, als ob hier jemand Bekanntes von mir sitzt. Aber dem ist nicht so. Danke"
Die Dame staunte, bedachte ihn mit einem irritierten Blick und verschwand wieder.
Chiaki ebenfalls. Auf dem stillen Örtchen.
Womit er nicht gerechnet hatte, war, dass sein Vater ihm gefolgt war. Auf die gegenüber liegende Toilette.
Irgendwann ertönte plötzlich ein sehr lauter und schriller Schrei aus dem Passagierraum.
Wie nicht anders zu erwarten war, rissen Chiaki und Kaiki gleichzeitig, wie auf Signal, die Türen auf und blickten nach draußen.
Kaiki verschlug der Anblick, der sich seinen Augen bot, den Atem.
Chiaki hingegen wusste nicht, was schlimmer war. Dass sich gerade im Raum ein Dämon befand, der sich von der Energie aller anwesenden Passagiere ernährte oder dass sein eigener Vater direkt vor ihm gestanden hatte und vollkommen erstarrt auf die schlummernden Passagiere samt beiden Stewardessen starrte.
Der Dämon, in Form eines jungen Mannes hatte mitten auf dem Gang gestanden und über ihm befand sich eine riesige, schwarze Rauchwolke, die Menschen ihre Energie entzog.
Es war das erste und das letzte Mal, dass der Blauhaarige solch einer Sorte von Dämonen begegnete.
Seine Gedanken rasten. Sein Herz drohte ihm aus dem Brustkorb herauszuspringen. Er stand unter Strom.
Kaiki wich nun endgültig das letzte bisschen Farbe aus dem Gesicht. Er regte sich nicht. Sah wie gebannt auf das Bild, das sich seinen Augen bot.
"Vater, geh wieder zurück. Versteck dich!", rief sein Sohn schließlich und versuchte krampfhaft Fassung zu erlangen.
"Was bitte geht hier vor sich?!", stotterte dieser kreidebleich.
Chiaki wurde lauter. "Geh weg!", schrie er ihn an und lenkte dadurch dämlicherweise die Aufmerksamkeit des Besessenen auf die beiden.
"Aha! Noch mehr lebende Energie!", posaunte der Dämon mit einem diabolischen Lachen und fixierte die beiden.
"Na super! Fein gemacht, Chiaki!", dachte er sarkastisch und war nicht in der Lage gewesen, irgendetwas zu unternehmen. Das heißt, in der Lage war er schon gewesen, jedoch erlaubte es ihm die Situation nicht, sich hier und jetzt in Sindbad zu verwandeln.
Als der Dämon ihnen immer näher kam und Kaiki nichts Besseres einfiel, als seinen Vater-Beschützerinstinkt einzuschalten und auf den Dämon mit der Frage, wer er sei und was er wollte zuzugehen, gingen bei Chiaki alle Alarmglocken auf die höchste Stufe.
"Bleib stehen! Geh nicht auf ihn zu! Du weißt nicht, mit wem du es zu tun hast!", versuchte er Kaiki aufzuhalten.
Der Angesprochene warf seinem Sohn einen verständnislosen Blick zu. "Du aber schon oder was?!"
Chiaki verlor jegliche Kontrolle über sich. Nackte Angst und pure Panik ergriffen von ihm Besitz. Ruckartig packte er seinen Vater an der Schulter und sorgte dafür, dass er sich mit dem Gesicht zu ihm umdrehte.
Siehst du denn nicht, er ist besessen! Er ist ein Dämon, verdammt!" Und da war es passiert! Er hatte mehr gesagt, als er wollte. Was dann kam, war eine Kettenreaktion.
Kaiki sah Chiaki sehr schräg an. In dem Moment stürzte sich der Dämon auf seinen Vater, warf ihn zum Boden, streckte seine Krallen angriffsbereit aus und ....
Gott sei Dank ging Chiaki rechtzeitig dazwischen, versetzte dem Dämon einen starken Tritt in die Seite und sorgte dafür, dass er von Kaiki abließ.
Jetzt ging es nur noch um Sekunden. Sekunden, die über Leben und Tod entschieden. Was sollte er tun? Verdammt, was sollte er nur tun? Wie sollte er vorgehen? Angstschweiß drang ihm aus allen Poren. Er fühlte, als ob er gleich ersticken würde. Dennoch war ihm bewusst gewesen, dass er handeln musste.
Neben ihm lag sein geschockter Vater. Hinter ihm waren zwei Toiletten und noch ein Stück weiter hinten hinter einem braunen Vorhang der Raum für das Flugpersonal. Es gab kein Versteck, in dem er sich verwandeln konnte. Auf der Toilette zu handeln wäre genauso wie sich  hier draußen zu verwandeln.
Kaiki würde es sofort bemerken.
Nach vorne, am Dämon vorbeizulaufen war auch zu riskant. Verdammt, verdammt, verdammt!
Der Dämon rehabilitierte sich und streckte wutentbrannt seine Hände aus.
Chiaki ging nur ein einzige Frage durch den Kopf. Seine Identität bewahren, nichts unternehmen und sterben oder aber das Leben seines Vaters und der gesamten Passagiere retten?
Und dann klickte es bei ihm.
Alle Zweifel und Ängste wurden mit einem Mal wie weggewischt.
Tranceartig und mit einer steinernen Miene zog er sein Kreuz hervor und rief sie. Die vier magischen Worte. "Im Namen des Teufels"
Kaikis Augen weiteten sich. Die Energiewelle, die von Chiakis Verwandlung ausging, war so mächtig gewesen, dass er dachte, er musste sich übergeben.
Als Chiaki sich verwandelt hatte und in Kaikis angespannte Augen schaute, fühlte er sich, als ob er sich im wahrsten Sinne des Wortes vor jemandem nackt gemacht hätte.
Das war das erste Mal, dass ihm einer bei der Verwandlung zugesehen hatte. Und es war nicht einfach irgendjemand. Es war sein eigener Vater!
"Es tut mir leid, dass hätte ich nicht tun dürfen aber ich hatte keine andere Wahl"
Kaiki schluckte, starrte ihn einfach nur an ohne zu blinzeln.
Er sah ihn wie einen Fremden an.
Der Rest des Geschehens war, dass Sindbad den Dämon unschädlich machte und es sah alles ganz danach aus, als ob das Schlimmste vorbei wäre. Die Passagiere fingen langsam an, zu sich zu kommen.
Sindbad stand hinter einem Vorhang mit seinem Vater versteckt und wollte sich eben zurück verwandeln als plötzlich die gesamte Maschine heftig zu ruckeln anfing.
"Turbulenzen?", wisperte Kaiki.
Sindbad hielt die Luft an. Nein! Bloß das nicht. Bitte nicht!
Jegliche Farbe wich ihm aus dem Gesicht. Sein Traum....
Das Ende des Traumes verwirklichte sich ebenfalls!
Es erfolgte eine laute Durchsage des Kapitäns, die Passagiere sollen sich sofort anschnallen.
Das Letzte, woran er sich noch erinnerte, waren Schritte.
Laufende Schritte von den Stewardessen, die sich in seine Richtung zubewegten.
Sein Verstand sagte ihm, er müsse die Passagiere retten aber sein Gefühl signalisierte ihm, dass er keine Chance hatte.
Er war hin und hergerissen und musste eine Entscheidung treffen.
Und er traf sie. Schleunigst griff er nach Kaikis Hand und beamte sich und ihn aus der Maschine weg.
Am nächsten Morgen erfuhren beide, dass die Maschine abgestürzt war. Alle Anwesenden an Board waren tot.
Die Leben von 160 Passagieren inklusive Crew waren mit einem Schlag ausgelöscht!
Dieses Ereignis ließ Chiaki nie in Ruhe. Er konnte es sich nicht verzeihen. Deshalb hatte er es irgendwann in den hintersten Ecken seines Gehirns geschoben, um nie wieder daran zu denken.
Kaiki war damals sehr befangen gewesen, zwar dankte er Chiaki für die Rettung aber andererseits war er mehr als geschockt gewesen, zu erfahren, welchen dunklen Job sein Sohn verfolgte.
Er startete um die hundert Versuche, ihn davon abzubringen. Doch sein Sohn war stur. Alle Bemühungen waren zwecklos gewesen.
Chiaki steigerte sich seitdem nur noch mehr in den Job rein, weil er dachte, sich damit abzulenken von seinen Schuldgefühlen und weil er dadurch die Verluste jener Menschenleben wiedergutmachen wollte.... ausgleichen wollte, obwohl ihm bewusst war, dass es ihm nicht gelang. Und niemals gelingen würde....

Heute...

Ein lautes Klopfen an der Fensterscheibe seines Wagens ließ ihn hochschrecken. Müde schlug er seine Augen auf und blinzelte ein paar Mal.
Alles war dunkel. Er hatte bereits vergessen, dass er immernoch in seinem Auto gesessen hatte.
Es klopfte erneut. Dieses Mal hektischer.
Er drehte seinen Kopf und erkannte seinen Vater, der mit einem Regenschirm in der Hand neben ihm stand.
Chiaki betätigte einen Knopf und ließ die Fensterscheibe runterkurbeln.
"Chiaki? Alles okay mit dir?", fragte Kaiki besorgt.
Er gähnte laut und antwortete "uhum".
"Gott sei Dank! Ich habe mir unvorstellbare Sorgen um dich gemacht! Ich hab dich versucht zu erreichen, war bei dir zu Hause, hab auf dem Revier schon nachgefragt, ob Kommissar Todaj wüsste, wo du steckst! Glücklicherweise hat er mich heute Mittag angerufen und Bescheid gegeben, dass du bei ihm warst. Erst da hab ich erleichtert aufgeatmet und konnte wieder ins Krankenhaus zum Arbeiten fahren"
"Ja, sorry, ich wollte mich ja melden aber ich kam noch nicht dazu. Kommst du grade vom Dienst?"
"So ist es. Eigentlich habe ich deinen Wagen zufällig entdeckt. Du bist der Einzige, der hier immer auf dem Gehsteig parkt. Niemand sonst macht es. Nur dass du's mal endlich registrierst, mir gehört die Klinik hier in Tokio und nicht die ganzen Straßen!! Außerdem sind die Straßen samt Gehsteigen Eigentum der Öffentlichkeit. Und bevor du fragst, nein, wir sind nicht in einem Monopoly-Spiel, bei dem wir uns Straßen kaufen können! Also sei so nett und park bitte um. Sonst bekommst du wirklich noch irgendwann Probleme deswegen. Parken auf dem Gehsteig ist
v e r b o t e n, Sohnemann".  Seinen Worten folgte ein Lehrerblick.
Chiaki gähnte erneut. Dieses Mal etwas lauter. "Bist du fertig mit deiner Predigt?", fragte er nicht einen Tick an den Bemerkungen interessiert.
"Ja. Bin ich. Ich freue mich übrigens sehr, dich wohlauf wiederzusehen. Kommst du mit rein?"
"Ich bin mir nicht mehr so sicher", entgegnete Chiaki frech.
"Fein. Dann eben nicht. Ruf mich wenigstens ab und zu mal an, damit ich weiß, dass es dir gut geht", sagte Kaiki und setzte ein Lächeln auf.
Chiaki seufzte und stieg unerwarteterweise doch noch aus seinem Audi aus.
"Schon gut. War'n Scherz. Eigentlich will ich doch mit rein. Ich .... wir müssen glaub ich endlich den ganzen Mist zwischen uns aus der Welt schaffen", gab er einsichtig von sich.
Erstaunt zog sein Vater die Augenbrauen in die Höhe. "Oha! Das überrascht mich jetzt! Um ehrlich zu sein, weiß ich gar nicht, was ich sagen soll.... du.... du vergibst mir endlich?"
Erst jetzt bemerkte Chiaki, dass er vom Regen klatschnass war und stellte sich unter Kaikis Schirm.
"Oh Verzeihung, wie unaufmerksam von mir! Ich steh hier unter einem Schirm und du bist vollkommen ohne Schutz!"
"Kein Ding. Gehen wir rein?"
Kaiki nickte.
Während Chiaki ihm ins Haus folgte, dachte er noch mehrmals über den Absturz nach.
Ja, er hatte seinem Vater das Leben gerettet, anderen Passagieren jedoch nicht. Womöglich wäre die Maschine erst gar nicht gestartet, wenn er damals rechtzeitig an die Fluggesellschaft eine Warnung im Namen von Sindbad abgeschickt hätte....
Doch gleichzeitig hörte er Noyns damalige Worte zu dem Vorfall in seinen Ohren hallen.
"Du kannst es drehen und wenden wie du willst. Du hättest sie nicht retten können. Deine Mission war es den Dämon zu schnappen und deinen Vater vor dem Tod zu bewahren. Diesem Ruf bist du gefolgt und hast deinen Job getan. Mehr konntest du nicht ausrichten. Die Maschine wäre in jedem Fall abgehoben. Eine Warnung hätte sie nicht vor dem Start gehindert. Sieh es ein, ob du es willst oder nicht"
Er seufzte.
Ja.... womöglich hatte Noyn damals sogar die Wahrheit gesprochen....
Ihm wurde eins zumindest bewusst. Es brachte nichts, sich das restliche Leben mit Vorwürfen kaputtzumachen. Dieses Ereignis war passiert und konnte nicht mehr rückgängig gemacht werden.
Mit Schuldgefühlen würde er keinem das Leben erleichtern. Nicht sich selbst und auch Marron nicht. Und sie brauchte ihn jetzt. Mehr denn je. Er musste endlich mit dem Ereignis abschließen und nach vorne blicken.
Und er musste mit Kaiki darüber sprechen, weil sie nie wieder seit dem Vorfall über dieses Geschehen geredet hatten. Es wurde einfach totgeschwiegen und das war nicht richtig.
"Alles ok?"
Kaiki legte seine Hand auf Chiakis nasse Schulter und verzog sein Gesicht.
"Ja, sorry. Bin wohl in Gedanken gewesen", entschuldigte er sich und streifte Jacke und Schuhe ab, um mit dem Arzt ins Wohnzimmer zu gehen.
Es folgte ein langes und entlastendes Gespräch zwischen den beiden. Am Ende umarmten sie sich sogar.

Eine Woche später...

Marron stand am Fenster ihres Gates und beobachtete neugierig wie ein kleines Kind die Flugzeuge draußen. Einige standen einfach nur da, andere wurden gerade mit Kerosin betankt. Sie konnte es nicht fassen. In einer halben Stunde würde sie in einer dieser riesigen Maschine sitzen und abfliegen! Es kam ihr immernoch wie ein verrückter Traum vor. Sie außerhalb Tokios...
Das war unglaublich! Schlicht und ergreifend wie ein Märchen.
Sie war aufgeregt in jeder Faser ihres Körpers. Am liebsten hätte sie vor Freude losgeweint. Überhaupt war sie in den letzten Tagen ziemlich sentimental gewesen. Ob das an der Schwangerschaft lag?
Das musste es wohl sein.
Chiaki kam auf sie zu und legte seine Arme von hinten auf ihren Brustkorb.
"Na? Bammel vor dem Flug?", grinste er frech.
"Angst?! Nein. Wie kann ich denn vor etwas Angst haben, was ich noch nie gemacht habe? Ich lass es einfach auf mich zukommen. Nein, Angst habe ich nicht. Ich bin nur sehr aufgeregt", entgegnete sie und legte ihre Hand auf seine.
"Fliegen ist nichts besonderes, das wirst du bald merken"
"Ach ja? Für dich vielleicht. Bist du denn schon oft geflogen?"
"Hm so um die vier, fünf Mal vielleicht"
"Woah, und wohin?", staunte sie.
Er umarmte sie fester und setzte einen verträumten Blick auf. "Paris, Atlanta, Mailand und das letzte Mal vor anderthalb Jahren nach England"
"Was? Und aus welchen Gründen warst du geflogen?"
Er zuckte mit den Schultern. "Hauptsächlich aus Studiengründen. Alles Reisen zu irgendwelchen Konferenzen und Vorträgen über Medizin. Wobei Paris...." Er hielt inne und winkte sofort mit der Hand ab.
"Wobei Paris was?", hinterfragte sie misstrauisch.
Sie sah es nicht aber sein Körper verriet ihn. Sein Brustkorb vibrierte. Er lachte also mucksmäuschenstill. Dieser Idiot.
Jetzt erst recht wollte sie wissen, was hinter der Reise steckte.
Seine Geheimnistuerei ärgerte sie. Und sie wusste, das machte er mit Absicht.
Er liebte es sie zu necken.
Sie wurde nervös, als er immernoch nichts sagte.
"Also?", hakte sie weiter nach.
"Also was?"
Sie seufzte. "Du weißt genau, was ich meine".
Als sie eine Umdrehung vollführen wollte, um ihm ins Gesicht zu blicken, hinderte er sie daran.
"Ist ja gut. Ich sags dir. Aber ich möchte dir dabei nicht in die Augen sehen", sagte er leise.
Marron setzte einen schiefen Blick auf. "Okaaaaay.... was hast du getan?"
Jetzt war sie sich nicht mehr so sicher, ob sie es hören wollte. Aber lockerlassen war auch nicht mehr.
Er räusperte sich.
"Also gut aber behalte im Hinterkopf, dass du es unbedingt wissen wolltest. Ich wollte ja meine Klappe noch im rechten Moment halten und nichts sagen"
"Tja, dumm gelaufen, mein Lieber. Jetzt ist es zu spät. Ich bin nicht schuld, dass du deine Zunge nicht hüten konntest. Also?"
Er merkte, dass ihre Neugierde bis ins Unermessliche stieg und lächelte, weil sie damit kämpfte, es nicht zu offensichtlich zu machen; was ihr aber gänzlich misslang.
"Oh man, willst du das jetzt echt wissen? Das ist peinlich, darüber zu reden", gestand er mit einem rosarnen Kopf und war heilfroh, dass sie mit dem Rücken zu ihm stand.
Marron kniff ihn in sein Handgelenk, um ihm zu signalisieren, dass er endlich mit der Sprache rausrücken sollte.
Er gab nach und machte gerade den Mund auf, um sein Geständnis abzulegen als die Stimme einer Dame durch den Lautsprecher ertönte.
"Sehr geehrte Damen und Herren,
Ihr Flug Nr. MLE- 5269 ist nun zum Boarding bereit. Bitte begeben Sie sich zum Ausgang E50 und halten Sie ihre Boardkarten bereit.
Im Namen unserer Fluggesellschaft wünschen wir Ihnen einen angenehmen Flug.
Ladies and gentlemen, may I have your attention please....."
"Ehem ja, perfektes timing, würde ich sagen", grinste er mit einer zufriedenen Miene. "Danke, Miss Flughafenangestellte. Sie haben mich gerade vor der Blamage meines Lebens bewahrt", flüsterte er leise aber immer noch laut genug, dass Marron es hören konnte.
Dann entfernte er sich schleunigst, um das Handgepäck zu holen.
"Uhum. Wenn du glaubst, du entkommst mir so, täuschst du gewaltig, mein Verehrtester", dachte sie und folgte ihm zum Boarding.

Auf dem Flug ließ sie ihn mit dem Thema in Ruhe.
Nach fast elf Stunden erreichten sie abends todmüde das Hotel in Addu City, aßen eine Kleinigkeit und gingen ins Bett.

Zwei Wochen traumhafter Urlaub lag vor ihnen und Marron genoss ihn seit dem ersten Tag an in vollen Zügen.
Abschalten. Von allem mal weg.
Nur Chiaki, sie und der himmelblaue Ozean. Ein Paradies auf Erden.
Sie wurde nicht enttäuscht und dankte Chiaki abermals für solch ein unglaubliches Geschenk.
Hin und wieder musste sie aber doch an Miyako und Yamato denken. Sie haben sich nicht mehr bei ihnen gemeldet. Und Marron hatte sich auch nicht getraut, bei Miyako vorbeizuschauen. Sie wollte nicht noch mehr Benzin ins Feuer gießen und beschloss, sie noch eine Weile lang in Ruhe zu lassen. Doch bevor sie zum Flughafen gefahren war, hinterließ sie ihrer Freundin eine Nachricht im Briefkasten, dass sie für zwei Wochen vereist war und über ihre Handynummer zu erreichen ist.

"Sagst du mir jetzt, was damals in Paris war?", fragte sie ihn an ihrem vorletzten Abend am Strand und riss ihn vollkommen von den Socken.
"Wie....wie kommst du denn jetzt plötzlich wieder darauf?!"
Beschämt wandte er seinen Blick ab und schlürfte seinen Cocktail.
"Tja, ich habs nicht vergessen. Diese Info hat sich in meinem Gedächtnis festgebohrt", legte sie mit einem wissbegierigem Blick offen.
"War ja klar",sagte er gespielt genervt und küsste sie liebevoll auf ihre Wange.
"Und? Was ist jetzt?"
Er saß neben ihr. Ihre Blicke waren zum Ozean gewandt. Bis auf das Rauschen der Wellen war nichts zu hören.
"Ist das nicht romantisch?"
Sie stutzte. "Was?"
"Es ist später Abend, wir sitzen vor dem Ozean, lauschen den Wellen,trinken Cocktails und sind wie es der Zufall nicht anders wollte ganz allein hier", sagte er mit einer verführerischen Stimme und zwinkerte ihr zu.
"Worauf willst du hinaus?!"
Anstatt zu antworten, legte er seine Hand um ihre Teile, drehte mit seinem Zeigefinger ihr Kinn zu ihm und gab ihr einen intensiven Kuss.
Als seine Hand begann unter ihr seidenes Top zu wandern, hielt sie ihn auf.
"Oh nein, Chiaki. Das ist zwar ein netter Versuch aber auf die Tour entkommst du mir nicht!",protestierte sie mit einem selbstsicheren Lächeln um die Lippen.
"Das dachte ich mir schon", gestand er schmollend und wischte sich mit dem Zeigefinger ihr Lippgloss von seiner Unterlippe ab.
Sein Blick wanderte in die Ferne. Eine leichte, warme Brise wehte über seinen Körper und ließ sein aufgeknöpftes, weißes Hemd sanft flattern.
Marron streifte ihre Flip Flops ab und buddelte angespannt ihre Füße in den Sand.
" Ich war jung und dumm. So unendlich dumm"
Sie horchte interessiert auf.
Ihr Herz begann laut zu schlagen.
Er seufzte laut.
"Nun ja ... Paris... Paris....
Also reden wir nicht unnötig drumherum. Ich sag's einfach, wie es passiert ist"
Sie schluckte und krallte aus lauter Nervosität ihre Finger in den weichen Sand.
Er trank noch einen weiteren Schluck des Ananas-Melonen-Cocktails.
Dann stellte er ihn auf dem Sand ab und rutschte hinter sie, um seine Arme um sie zu legen.
"Aha, die Masche kenne ich schon. Du weichst erneut meinem Blick aus", stellte sie ohne Begeisterung fest.
"Man, Marron, das ist unfair. Ich möchte nicht darüber reden. Das ist peinlich, verstehst du das?!"
"Meine Güte, stellst du dich aber auch an. Es war dein erstes Mal, hab ich Recht?", fragte sie leicht gereizt.
Er verschluckte sich. "Wo... wie... ich hab doch noch nichts gesagt", stotterte er plötzlich.
"Na was kann es denn sonst sein, dass du so zu verheimlichen versuchst?!", verdrehte sie ihre Augen.
Er schaute mit einem Blick eines Diebes, der gerade beim Stehlen erwischt wurde, weg.
"Also schön, ja. Du hast mich ertappt. Willst du es immer noch hören?", fragte er durch die Zähne.
"Ja, ich will" Ihr Ton war ziemlich ernst.
"Das freut mich. Sagst du es nochmal vor dem Altar?", versuchte er ein letztes Mal abzulenken.
Sie kippte ihren Kopf zu ihm und sah ihn schräg an. "Machst du mir gerade einen Antrag?!"
"Willst du....? Okay schon gut. Also ich war auf einem Seminar gewesen. Danach ging ich mit einigen Teilnehmern einen trinken. Das... das war in einer Bar. Nun wir haben viel gesprochen, die Zeit verging wie im Flug. Während alle Alkohol tranken, blieb ich bei normalen Getränken. Ich war damals ziemlich ordentlich gewesen"
"Was geschah dann?", warf sie ein und biss sich auf die Lippen.
"Es wurde immer später, irgendwann gingen wir in einen Club. Die Jungs waren schon ziemlich gut dabei gewesen. Dort hab ich dann sie getroffen"
"Wen? Wer war sie?"
Er schüttelte den Kopf. "Keine Chance. Auch wenn ichs wollte, könnte ich es dir nicht sagen. Der Grund ist, dass ich ihren Namen nicht kenne. Oder anders gesagt, ich erinnere mich nicht mehr an ihn. Julie, Jolie, Juliette... wirklich keinen blassen Schimmer. Nun, wir haben uns nett unterhalten und irgendwann sagte sie dann, sie müsse noch in einen anderen Club, weil ihre Freundin dort auf sie gewartet hatte. Die Adresse hat sie mir ins Ohr zugeflüstert und ich .... nun.... ich blieb zurück, trank einen Whisky und war ihr eine Stunde später gefolgt. Tja und dann..."
Er machte einen tiefen Atemzug.
"Du bist ihr in den Club gefolgt? Und und wo.... wo habt ihr dann....?"
Es war das erste Mal, dass sie ihn regelrecht rot wie eine Ampel anlaufen sah.
"Ehm ja... auf der Männertoilette. Sie war erfahren. Ich nicht. So und nun Schluss damit! Wie gesagt, ich war jung und dumm"
"Wie hat es sich angefühlt?", bohrte sie weiter nach.
Anstatt einer Antwort, küsste er sie sanft auf die Lippen und flüsterte wahrheitsgemäß "beschissen"
Sie schwieg.
Dann sah er ihr ganz tief und ernst in die Augen. "So und jetzt vergessen wir das Thema wieder. Ich will nicht mal ansatzweise mehr daran denken"
"Wie viele ... mit wie vielen hast du danach...?"
Chiaki legte seinen Finger auf ihre Lippen. "Kein Wort mehr darüber. Das war alles Vergangenheit. Was zählt ist das Hier und Jetzt. Und im hier und jetzt gibt es nur eine einzige, atemberaubende Frau für mich. Und diese atemberaubende Frau macht mich gerade ganz verrückt nach ihr", hauchte er.
Sie seufzte geschlagen und bettete ihren Kopf auf seine Schulter.
"Also gut. Vielleicht hast du recht. Was zählt ist das Hier und Jetzt"
Er nickte liebevoll.

Die restlichen Stunden des Abends verbrachten sie mit dem Lauschen der Wellen. Ganz eng nebeneinander sitzend.
Für Marron war es die schönste Zeit in ihrem Leben.
Ja, er hatte Recht. Sie war glücklich. Und es war ihr egal, wie viele Frauen er in der Vergangenheit gehabt hatte....

Er hatte sich verändert und das war das Wichtigste.
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