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Schwarze Liebe

von Liaya
GeschichteMystery / P18 / Gen
29.11.2017
08.05.2018
34
122.437
6
Alle Kapitel
59 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
22.02.2018 5.036
 
Halli Hallo! :)
Zuerst wie immer an dieser Stelle meinen herzlichsten Dank für eure Kommentare :)))
*riesig freu*
Nun kurz zu diesem Kapitel: Der Kampf ist vorbei und die Story nähert sich ihrem Ende zu.
Es bleiben aber noch einige Fragen bzw der weitere Verlauf der Leben der Personen offen. Lest selbst und lasst euch überraschen ^^

Viele liebe Grüße,Liaya

***********************


Sie saß im Eiscafé direkt um die Ecke ihrer Wohnung und grübelte.

Heute Morgen war die Brünette von dem Klopfen an ihrer Tür plötzlich geweckt worden. Es war Miyako, die ihren mehr oder weniger friedlichen Schlaf gestört hatte.
Aus früherer Gewohnheit wollte sie aufstehen und direkt aufmachen gehen. Doch als sie sich halb dunkel an den Kampf von letzter Nacht erinnerte, hielt sie sich abrupt auf dem Weg zur Tür auf.
Marron versuchte sich so still wie möglich zu verhalten, damit Miyako dachte, dass sie nicht daheim wäre.
Irgendwann wurde das Klopfen immer leiser und stumpfte schließlich ganz ab.
Beruhigt atmete Marron auf und versuchte sich zu sammeln. Ihr Körper fühlte sich an, als ob man mit Steinen auf ihn eingeschlagen hätte. Sie machte sogar den Versuch, sich im Spiegel zu betrachten. Doch als sie merkte, dass sie keine einzige Wunde hatte, gab sie es wieder auf.
Mehrere Gedanken gingen ihr gleichzeitig durch den Kopf.
Sindbads Bild tauchte vor ihren Augen auf. Wo war er? Und wo waren Akeru, Fynn und Access?
Wieso war sie wieder in ihrer eigenen Wohnung aufgewacht?
Ein eigenartiges Gefühl bemächtigte sich ihrer. Hatte sie alles nur geträumt? Hatte der Kampf wirklich stattgefunden?
Es fiel ihr ziemlich schwer, sich zu ordnen. Und jetzt kam auch noch Miyako.
Sie wollte nicht mit ihr reden. Nicht jetzt! Erst einmal musste sie ihr Durcheinander im Kopf wieder auf die Reihe bekommen.
Unwillkürlich tastete sie ihren Brustkorb ab. Die Stelle, wo normalerweise ihre Kette mit dem Kreuz hing.
Als sie beunruhigt feststellte, dass da nichts war, rannte sie in ihr Schlafzimmer, um dort nach der Kette zu suchen. Aber vergeblich. Keine Spur.
Panik stieg in ihr auf. Immer wilder durchsuchte sie ihr Wohngemächer nach dem silbernen Accessoire. Nichts! Wo immer sie auch suchte, der besagte Gegenstand war nicht aufzufinden.
Dann beschlich sie ein neuer Gedanke. Chiakis Nummer!
Sofort griff sie nach ihrem Handy und durchblätterte ihr Telefonbuch. Sein Name war nicht drin!
Unter einem heftigen Schock stehend schüttelte sie ihren Kopf und suchte nach irgendeiner
Rettungsleine.
"Bitte nicht! Bitte nicht! Hab ich das alles wirklich nur geträumt??!", dachte sie gebannt und atmete schwer.
Schweißgebadet rannte sie ins Bad, öffnete hektisch ihren Hängeschrank und griff nach einem Schwangerschaftstest. Es war ihre letzte Hoffnung. Sie brauchte Gewissheit. Sie klammerte sich an diesen einen Hoffnungsstrang wie eine Ertrinkende an den Rettungsring.
Immer heftiger schlug ihr Herz als sie den Test beiseite lag und voller Bangen auf das Ergebnis wartete.
Sie hatte Angst. Angst, dass das alles, was in den letzten Wochen und Monaten passiert war, nur von ihr erträumt gewesen war. Dabei... dabei war es doch so real gewesen! Realer hätte es nicht sein können.
Sekunden und Minuten vergingen. Angst und Panik kämpften um die Vorherrschaft. Sie hörte mittlerweile ihr Herz in ihrem Hals pochen und hielt das Warten nicht mehr länger aus.
Mit feuchten Händen strich sie sich über die Stirn und griff zitternd nach dem Testergebnis.
Als sie es sah, setzte mit einem Mal ihr Atem aus.
Sie schluckte und legte das Plastikteil langsam aufs Waschbecken nebenan. Dann verließ sie tranceartig ihr Badezimmer, ging in ihr Schlafzimmer und zog sich Jeans und ein gelbes Shirt an. Eben das Erste, was ihre Hände erhascht hatten.
Dann ging sie zum Garderobenständer und nahm ihre Jacke, zog sich diese über und schlüpfte in ihre Stiefel. Bevor sie ihre Wohnung kreidebleich verließ, spähte sie durch den Türspalt ob ihre Freundin Miyako eventuell auf dem Gang wäre.
Leer. Niemand war anwesend.
Eiligen Schrittes tappte sie in den Aufzug und fuhr nach unten.
Raus. Irgendwohin. Egal, wohin. Sie musste zu sich kommen. Also ging sie geistesabwesend dorthin, wohin sie ihre Füße trugen.

Und jetzt saß sie eben in diesem Eiscafé nebenan. Sie wählte dieses Lokal aus keinem bestimmten Grund aus. Vielleicht weil sie nicht wusste, wohin sie sonst gehen sollte. Möglicherweise aber auch weil sie hier öfters als Kind gewesen war und die warme Atmosphäre, die hier drin herrschte, schon immer mochte.

Inzwischen war schon fast eine Stunde vergangen, seitdem sie dieses Café betreten hatte und schon die vierte Tasse Kamillentee trank.
Warum fand sie Herrgott nochmal seine Nummer nicht mehr in ihrem Handy?
Klar dachte sie daran, sich ein Taxi zu nehmen und zu seiner Adresse, die sie noch halbwegs in Erinnerung hatte, hinzufahren. Doch sie traute sich nicht. Zu groß war die Angst, enttäuscht zu werden.
Marron lächelte bitter. Was sollte sie bloß machen?
Hinfahren und der Wahrheit ins Gesicht schauen, egal wie sie aussehen würde?
Oder wieder  nach Hause gehen und sich ins Bett legen, um noch etwas zu schlafen?
Nein, diese Option verwarf sie gleich wieder.

"Marron Kusakabe?"
Der dunkle Klang einer Männerstimme schreckte sie urplötzlich aus ihren Gedanken auf.
Ihr Körper zuckte zusammen, als sie sich über die Schulter schaute.
Der Mann, der hinter ihr stand, war ihr fremd.
Schwarze, kurzgeschnittene Haare, kräftiger Körperbau, dunkle Augen und eine Brille mit strenger Fassung auf der Nase.
"Wer... wer sind die?", fragte sie und ging sofort auf Abstand, indem sie ein Stück zurückwich.
Anstatt zu antworten, zog er einen Dienstausweis aus seiner Jackentasche hervor und ließ sie überrascht aufblicken.
"Yusaku Nakamori - Kriminalpolizei
Department Tokio"
Die schwarzen Buchstaben stachen deutlich sichtbar auf der weiß- blauen Visitenkarte hervor.
Ihr wurde mulmig zumute. "Was wollen Sie von mir?", fragte sie ängstlich.
Er steckte seinen Ausweis wieder ein. "Ich bitte Sie, mir zu folgen", gab er kalt von sich und deutete mit einer Kopfbewegung Richtung Ausgang.
Der erste Gedanke, der ihr in jener
Sekunde durch den Kopf ging, war schleunigst aufzustehen und wegzurennen.
Doch sie blieb ruhig. Äußerlich zumindest.
Sie startete noch einige Versuche, herauszubekommen, was los sei, der Polizist verweigerte jedoch jegliche Erklärungen.
"Darf ich wenigstens noch bezahlen?", fragte sie ziemlich eingeschüchtert.
Er nickte und ließ sie den Vorgang tätigen. Dann folgte sie ihm stumm in sein Dienstauto.
Während der Fahrt zum Revier starrte sie nach Fassung ragend aus dem Fenster.
"Ruhig, Marron. Nur keine Panik aufkommen lassen. Es wird sich bestimmt alles klären", versuchte sie sich kläglich in Gedanken zu beruhigen.
Ihre Angst stieg aber sie zwang sich, stark zu sein.
Als der Wagen auf dem Polizeiparkplatz zum Stillstand kam, verließ sie das Fahrzeug und folgte brav dem Angestellten ins Kommissariat hinein.
Dabei  wurde sie das Gefühl nicht los, wie eine Schwerverbrecherin behandelt zu werden.
Dabei war alles ruhig. Noch jedenfalls.

Vor einer dunkelgrauen Tür blieb der Mann stehen und bedeutete ihr zu warten. Sie nickte nervös und lehnte sich mit dem Rücken an einer Wand an.
Der Mann betrat alleine das Zimmer um nach zwei Minuten wieder herauszukommen.
"Sie können nun reingehen", bemerkte er kurz. Er war ziemlich wortkarg, stellte sie fest und das reizte sie.

Sie atmete aus und ging hinein. Und riss ihre Augen weit auf.
Ihr Mund öffnete sich, um etwas zu sagen aber ihre Stimmbänder versagten ihr den Dienst.
Vor ihr hockte Miyakos Vater, Hauptkomissar Todaj persönlich  und an seinem Tisch ....
Sie traute ihren Augen nicht.
In diesem Zimmer saß Chiaki.
Er lächelte sie liebevoll an und nickte ihr zu.
Seine Lockerheit erstaunte sie.
"Herr Todaj? Chiaki? Was geht hier vor sich?", stotterte sie mit einer rauen Stimme.
"Hallo Marron. Setz dich bitte", entgegnete er und deutete auf den Platz neben Chiaki.
Unsicher und auf wackeligen Beinen bewegte sie sich auf den Stuhl zu und nahm Platz.
Chiaki legte seine Hand auf ihre.
"Hast du gut geschlafen?", fragte der Kommissar in einem milden Ton.
"Nein... ich meine ich weiß es nicht. Ich kann mich nicht erinnern"
"Gut so! Das ist eine Aussage, die ich fürs Protokoll verwenden kann", bemerkte er.
Sie verstand nicht und blinzelte ihn ungläubig an.
In aller Seelenruhe zündete er sich eine Zigarette an und inhalierte den grauen Rauch.
"Ich erkläre es dir" Himuro erhob sich von seinem Drehstuhl und begann in Kreisen in seinem Büro zu laufen.
"Nun, Freundschaft ist nicht gerade das, was man zwischen mir und Kaiki Nagoya nennen kann. Dennoch werde ich ihm einen Gefallen tun und Ihn", er deutete dabei mit seinem Kopf auf Chiaki "nicht in Haft nehmen. Obwohl ich jahrelang nur diesen einen starken Wunsch verfolgt habe".
Sie fühlte sich unwohl, nickte aber trotzdem ohne ein Wort fallen zu lassen. Die Braunhaarige spürte, dass der Kommissar nicht zu Ende gesprochen hatte.
"Ich weiß mittlerweile, das heißt ich weiß es nicht hundertprozentig aber ich wage es trotzdem zu vermuten, dass du Jeanne, die Kamikaze- Diebin bist"
Automatisch blickte die Brünette ihren Freund an und wurde noch einen Tick unruhiger.
"Nein, er hat nichts verraten, das kannst du mir glauben. Selbst unter Folter würde er dich nicht verraten. Das sehe ich ihm an", entlastete er Chiaki sofort und seufzte tief.
"Das war allein meine Schlussfolgerung. Aber wie auch immer. Es gibt sie nicht mehr. Weder Jeanne noch Sindbad"
Sie räusperte sich und machte ein fragendes Gesicht. "Wie... wie meinen Sie das?"
Der Kommissar blieb an seinem Schreibtisch stehen und lehnte sich an ihn. "So wie ich das sage. Chiaki hat mir gerade ausführlich geschildert, was vorgefallen war" Er sah beide mit einem unfassbaren Blick an.
"Mein Verstand weigert sich, all dies zu glauben! Hätte ich damals in dieser Nacht nicht mit meinen eigenen Augen gesehen, dass dieser...dieser... nun ja wie auch immer, in der Luft geschwebt hatte, würde ich euch jetzt ohne jegliche Bedenken in die Klapse stecken!"
Himuro war unbehaglich zumute und das sahen Marron und Chiaki ihm an.
Es war fast so, als würde er am Rande seines Bewusstseins nach einer plausiblen Erklärung suchen, die er nicht zu fassen bekam.
Auf einmal hielt er inne und drückte rasch seine Zigarette im Aschenbecher aus. Dann ergriff er wieder um einiges gefasster das Wort.
"Ihr beide könnt euch sicherlich vorstellen, dass ich einen derartigen Abschlussbericht nicht einreichen kann. Das ist einfach absurd! Ich sträube mich ernsthaft dagegen über solch einen Irrsinn zu schreiben! Deswegen werdet ihr beide nicht als Täter sondern als Zeugen fungieren. Ich will endgültig den Fall "Sindbad der Dieb und Jeanne, die Kamikaze-Diebin" schließen"
"Was sollen wir tun?", fragte Chiaki, der überhaupt nicht überrascht zu sein schien.
Marron hingegen machte ein irritiertes Gesicht.
"Nun, mein Plan ist natürlich nicht der Genialste von Allen aber ich werde ihn durchziehen. In der Nacht, als der angebliche Nichtmensch erschienen war, warst du, Marron und du Chiaki ebenfalls anwesend gewesen. Keiner hier im Kommissariat weiß, was sich in der besagten Nacht abgespielt hatte. Ich habe lediglich dokumentiert, dass ich auf einem Einsatz war" Er räusperte sich und machte eine kurze Pause.
Marron schaute Himuro angespannt in die Augen. Sie fühlte sich unwohl und wäre am liebsten sofort wieder gegangen. Doch angesichts der Situation, in der sie gerade steckte, wusste sie, dass Davonrennen ihre Lage nur dramatisch verschlechtern würde. Also blieb sie weiterhin sitzen und hörte dem Inspektor zu.
Himuro setzte wieder an "Während meines Einsatzes ist unerwarteter Weise Sindbad aufgetaucht. Diesmal jagte er nicht. Er war einfach so ohne Vorwarnung gekommen. Ich wollte ihn festnehmen, doch er war nur da gewesen, um mir kund zu geben, dass weder er noch Jeanne jemals wieder auftauchen werden. Ihr beide wart damals dabei gewesen. Wir haben uns natürlich zufällig getroffen. Das versteht sich doch von selbst.Und für euch war Sindbads Erscheinen ziemlich überraschend gewesen wie auch für mich. Ihr beide werdet als Zeugen meinen Bericht mitunterschreiben. Damit schließe ich den Fall offiziell"
Chiaki nickte. Marron schüttelte unverständlich den Kopf. "Ich versteh das nicht. Ich meine, geht das denn so einfach?! Außerdem Miyako war ja auch da gewesen an dem Tag. Sie wird die Aussage widerlegen können"
Himuro wanderte wieder zu seinem Stuhl und nahm Platz. Marron bewunderte ihn für die Ruhe, die er ausstrahlte. Er schien kein bisschen wütend zu sein.
"Erstens: Ja, das geht so einfach. Das geht weil ich bis heute keine einzige Beschwerde von den Opfern habe, die mit Sindbad zu tun hatten. Jeder der Befragten fühlte sich nach seinem Verschwinden erstaunlich gut. Dementsprechend habe ich auch keine Forderungen seitens der Opfer gegen Sindbad. Zum anderen Punkt vermisst keiner der Opfer irgendwelche Gegenstände, die gestohlen wurden. Also habe ich auch hier nichts gegen ihn in der Hand. Größtenteils habe ich ihn in meinem eigenem Interesse gejagt.
Das Einzige, was ich ihm vorwerfen kann, ist das Katz und Mausspielen mit der Polizei sowie Störung des Friedens in der Nacht. Dafür wird er dem Kommissariat eine Entschädigungssumme in Höhe von fünf Millionen Yen überweisen"
Chiaki verschluckte sich fast. Er blinzelte den Kommissar vollkommen von den Socken an. "Also Herr Kommissar, jetzt übertreiben Sie ein wenig oder?"
Der Angesprochene blieb ernst. "Ganz und gar nicht. Das sind doch Peanuts für den Sohn eines Klinikbesitzers. Außerdem  kann ich natürlich alles Gesprochene wieder zurücknehmen und dich doch noch hinter Gittern bringen. Irgendetwas werde ich sicherlich gegen dich finden, wenn ich ganz tief graben werde.
Meine Sache ist es, den Abschlussbericht einzureichen und den Fall endlich vom Tisch räumen"
"Das ist Bestechung", gab der Blauhaarige unverschämt von sich.
"Bestechung? So nennst du das also! Glaubst du ernsthaft, dass unsere ganzen Einsätze wegen dir, auf Kosten des Staates erfolgt sind?! Das ist keine Bestechung! Das nennt man Verantwortung für sein Handeln übernehmen! Außerdem rette ich dir gerade deinen Allerwertesten, mein Lieber!"
Chiaki lachte kurz auf und seufzte einsichtig. "Verzeihen Sie. Das stimmt wohl. Sie haben Recht. Ich werde mich fügen. Morgen haben Sie die Summe auf dem Konto"
"Nicht auf mein Konto! Auf das Konto des Kommissariats! Übrigens ich hoffe für dich, dass du klug genug bist, nicht von deinem eigenen Konto die Überweisung zu tätigen"
Er nickte. "Das versteht sich von selbst"
"Gut! Nun, was Miyako betrifft, ihr braucht euch keine Gedanken zu machen. Ich habe ihr bereits von meinem Vorhaben erzählt. Sie wird dicht halten. Aber ich rate ganz besonders dir, liebe Marron, sprich mit ihr. Sie ist ziemlich durcheinander und sie ist wie ich, sie braucht Antworten, Erklärungen und was auch immer. In ihrem Kopf herrscht Chaos.
Weder ich noch ihre Mutter finden momentan einen Weg zu ihr. Sie hat.... hat sich vollkommen verschlossen.
Sie ist geschockt. Immer noch. Seit dieser Nacht. Und sie wird es wohl noch eine Weile lang bleiben. Gib ihr Zeit. Ich habe sie gebeten, dich nicht zu drängen. Aber bitte, rede mit ihr"
"Ich werde es tun, ich versprechs", seufzte sie und klang etwas verzweifelt.
"Was ist mit meiner Bestrafung?", fragte sie dann ängstlich.
"Hm.. wie interessant, also gestehst du hier und jetzt offiziell, dass du Jeanne warst?", fragte Himuro sie mit einem Hauch Amüsement.
Sie biss sich auf die Lippe. "Was? Nein! Ich..."
"Gut so! Das würde ich dir auch nicht raten. Ich habe lediglich Sindbad bei der Verwandlung zugesehen. Also ist es für mich immernoch ein großes Geheimnis, wer Jeanne ist bzw. war. Und da sie nur einmal vor mir erschienen war, hat sie nicht für solch immense Einsätze gesorgt im Vergleich zu Sindbad".
Nachdem er alles erklärt hatte, wurde er etwas unruhig. Die beiden, die vor ihm saßen, merkten ebenfalls seine aufkommende Unruhe und bemühten sich, so schnell es ging, die Dokumente an den gekennzeichneten Stellen zu unterschreiben und das Büro zu verlassen.
Himuro steckte die Papiere anschließend in einen braunen Umschlag, hämmerte einen Stempel drauf und packte sie in seine Schreibtischschublade.
Er seufzte tief und nickte den beiden ernst zu. Anschließend begleitete er sie zur Tür und blieb an der Schwelle stehen.
Chiaki reichte ihm die Hand. "Danke, Herr Kommissar", sagte er und ließ ihn spüren, dass er es mit der Dankbarkeit wirklich ernst meinte.
Himuro erwiderte den Händedruck etwas zögerlich und bemerkte " Na ja, ich finde es schon fast ein wenig schade, dass die Jagd aufgehört hat. Du hast für eine gewisse Spannung gesorgt. Jetzt wird mir wohl hin und wieder langweilig werden", lächelte er.
Der Blauhaarige breitete amüsiert seine Mundwinkel aus. "Passen Sie gut auf, was Sie sagen, Herr Kommissar. Vielleicht wird mir auch eines Tages langweilig und ich kehre zurück, um Tokio wieder in Spannung zu halten", scherzte er.
Marron räusperte sich und piekste ihn in die Seite, damit er sich wieder besinnte. Schließlich waren Sie an einem respektvollen Ort und sollten den notwendigen Ernst auch aufbringen.
Himuro kniff seine Augen zu Schlitzen. "Nur zu. Wer weiß, vielleicht wird mir wirklich in zwei, drei Jahren langweilig. Dann werde ich auf dich warten. Aber es wird keine Gnade mehr geben, das verspreche ich dir", entgegnete er ihm.
Chiaki nickte und dann verschwand er mit Marron in der Hand den Flur  entlang zum Ausgang.

"Was zum Henker sollte das eben?!", fuhr Marron ihn in seinem Wagen an als sie auf der Rückfahrt waren.
Der Blauhaarige lächelte vergnügt. "Was denn? Ein kleines bisschen Nervenkitzel musste doch sein"
"Ach ja? Darf ich dich daran erinnern, dass wir  in absehbarer Zeit ein Baby bekommen werden  und dass es einen Vater brauchen wird, der nicht im Gefängnis sitzt?"
Er grinste sie an. "Immer. Du darfst mich immer daran erinnern. Ich kann diese hammer Nachricht nicht oft genug hören, mein Schatz"
Marron wich seinem Blick aus, wurde rot wie eine Tomate.
"Du machst mich wirklich jedes Mal verrückt!", stöhnte sie und verdrehte ihre Augen.
"Das freut mich", zwinkerte er.
"Ach ja, was ich dich fragen wollte - seit wann hast du denn im Kommissariat gesessen und warum kann ich deine Nummer nicht mehr in meinem Telefonbuch finden?", fragte sie ihn und lenkte vom Thema ab.
"Ich bin heute um sieben Uhr morgens wach geworden und bin sofort zu Herr Todaj gefahren. Ich wollte die Sache nicht mehr länger auf die lange Bank schieben.
Was mein Handy betrifft.... tja... es ist weg. Verschwunden. Ich kann es nirgends auffinden. Hängt vermutlich damit zusammen, dass dort Noyns Nummer gespeichert war. Und zusammen mit ihm ist auch das Handy verschwunden. Wurde sowieso Zeit, dass ich mir ein neues Teil anschaffe", erklärte er.
"Aha, verstehe. Sag mal, aber dann hast du ja kaum geschlafen. Es ist jetzt halb zwölf und als der Kampf geendet hatte, begann doch der Tag erst"
"Eine Stunde um genau zu sein. Mehr Schlaf hatte ich nicht. Ehrlich gesagt, bin ich hundemüde aber zuerst will ich etwas in den Magen bekommen. Machst du mir ein Gratin?" Er schaute sie mit einem Dackelblick an.
Sie wusste zuerst nicht, was sie antworten sollte, weil er sie mit seiner Bitte vollkommen überraschte.
Doch dann drehte sie sich zum Fenster, zuckte geheimnisvoll mit den Schultern und setzte einen verträumten Blick auf.
Er wunderte sich, sagte aber nichts und steuerte gut gelaunt zu ihr nach Hause.


Als sie vor Marrons Wohnblock ankamen, aus dem Wagen ausstiegen und auf den Eingang des Hochhauses zugingen, erlebten sie ihr blaues Wunder.
Vor der Glastür standen Miyako und Yamato, die sich über etwas unterhielten.
Beide registrierten gleichzeitig Marron und Chiaki und verstummten auf der Stelle.
Ein Blick in die Augen ihrer Freundin sorgte für die Bildung eines dicken Kloßes in Marrons Hals.
Die Schwarzhaarige schaute sie wie eine Feindin an.
"Miyako...?", stotterte die Braunhaarige und tat vorsichtig einen Schritt auf sie zu.
"Und du bist?", antwortete die Angesprochene mit einer Gegenfrage.
Marron erschrak. "Wie. . Wie meinst du das? Ich bins doch, Marron!"
"Ach ja? Da bin ich mir nicht mehr so sicher. Marron Kusakabe oder Jeanne,die Kamikaze- Diebin?"
KLATSCH! Das war eine Ohrfeige, die ihr Ziel nicht verfehlte.
Chiaki ging dazwischen, um die Situation etwas zu retten.
"Hallo Miyako. Leider sind wir uns das letzte Mal unter keinen guten Umständen begegnet. Ich bin Chiaki. Wir müssen mit euch reden. Oder besser gesagt mit dir. Minazuki..."
Er schielte kurz zu ihm rüber, um festzustellen, wie viel er sagen durfte und erhaschte einen stoppenden Blick seitens Yamato. Also hatte er es ihr nicht erzählt. Die Schwarzhaarige wusste nichts von Akeru.
Hm... Na ja auch gut. Dann würde er auch kein Wort über seine Identität verlieren.
"Minazuki kann ebenfalls zuhören, wenn er möchte", verbesserte er sich schnell.
"Etwas spät zum Reden, findet ihr nicht?", zischte Miyako.
Marron schluckte hart und versuchte ihre Sprache zu finden. Vergeblich.
Sie wusste nicht, wie sie mit ihrer Freundin sprechen sollte. In ihrem Kopf herrschte Leere. Sie hatte Angst vor diesem Gespräch. Und sie war nicht vorbereitet gewesen. Dass Miyako hier unten am Eingang stehen würde, damit hatte sie nicht gerechnet gehabt.
Nun... jetzt hatte sie keine andere Wahl, als sich dem Gespräch zu stellen.
Dennoch bekam sie kein einziges Wort heraus.
"Beruhig dich, Miyako. Wir werden euch alles erzählen. In Ruhe. Danach könnt ihr selbst entscheiden, ob es zu spät war, mit euch jetzt darüber zu sprechen oder nicht. Kommt, lasst uns nach oben gehen", ergriff Chiaki schließlich das Wort und setzte sich in Bewegung.
Eine Weile lang sagte Miyako nichts, warf den beiden sehr skeptische Blicke zu.
Dann schüttelte sie bejahend ihren Kopf und gab nach.
Wut und Enttäuschung hin oder her. Gesprochen musste werden. Das war ja schließlich das, was sie schon die ganze Zeit wollte. Dass man ihr nämlich endlich die Wahrheit erzählte über das, was sich in den letzten Monaten zwischen ihrer Freundin und Chiaki abgespielt hatte. Und vor Allem, was hinter dem Jeanne und Sindbad Spiel steckte.
Sie hatte ihrem Vater versprochen, dass sie kein einziges Wort über die beiden in der Öffentlichkeit fallen lassen würde.
Aber innerlich zerfraß sie ihre Wut über die beiden. Am liebsten würde sie auf ihre Freundschaft mit Marron pfeifen und sie eiskalt samt Chiaki ausliefern. Immerhin wurde sie von den beiden über Monate lang belogen. Das war wie ein harter Schlag ins Gesicht für sie. Unter besten Freundinnen hatte man keine Geheimnisse. Anscheinend war sie für Marron schon längst nicht mehr die engste Freundin. Andernfalls konnte sie sich die Geheimnistuerei nicht erklären.
Aber nun gut, die beiden wollten immerhin reden und sie war gewillt ihnen noch eine Chance zu geben. Also folgte sie samt Minazuki den beiden in Marrons Wohnung hinein.

Sie wurde nicht enttäuscht. Über eine ganze Stunde lang erzählten nach anfänglichen Hemmungen Marron und Chiaki, was in der ganzen Zeit passiert war. Beide redeten abwechselnd und blieben bei der Wahrheit.
Als die Brünette schließlich geendet hatte, saßen alle eine ganze Weile lang da und niemand sagte ein Wort.
Miyako schüttelte immer wieder ihren Kopf. Fassungslosigkeit war ganz breit auf ihrem Gesicht zu sehen.
Hätte sie Noyn damals nicht mit ihren eigenen Augen gesehen, hätte sie die beiden sofort für geisteskrank erklärt.
Schließlich war es Marron, die das Schweigen brach. "Miyako, wie wird es jetzt mit uns weitergehen?" Ihre Besorgnis war deutlich herauszuhören.
"Ich ... ich weiß es nicht. Ich muss das verarbeiten. Bitte lass mich solange in Ruhe. Ich komme selbst auf dich zu. Das .... das ist einfach das Krasseste, was ich je in meinem Leben gehört habe! Ich kann das immer noch nicht so wirklich glauben. Meine beste Freundin und Nachbarin ist... ich meine war Jeanne! Ich habe dich damals angeschossen, Marron! Und du... du hast nichts gesagt! Dabei haben wir uns doch einen Tag, nachdem es passiert ist, gesehen! Wie.... wie konnte ich nur so blind sein? Du hast deine Hand öfters an der Stelle liegen gehabt und ich.... ich habe nichts gemerkt!", rief sie aufgebracht. In diesem Moment war sie mehr wütend auf sich selbst als auf ihre Freundin.
"Du hast unter Schock gestanden. Das ist vollkommen normal", erwiderte die Brünette in einem ruhigen Ton.
Eigentlich hätte Marron ihr am liebsten die Hand tröstend auf die Schulter gelegt aber sie hatte Angst, dass Miyako sie abweisen würde. Also zwang sie sich eine gewisse Distanz zu bewahren.
"Ja, das war es wohl... der Schockzustand. Trotzdem Marron, weißt du, was ich damals durchgemacht habe? Das war.... das war" Sie hielt inne und presste ihre Lippen aufeinander.
"Ich weiß, Miyako und es tut mir leid, ehrlich! Ich .... ich war nicht ehrlich zu dir, weil ich Angst gehabt hatte. Ich wollte dich nicht schockieren. Mir war klar, dass, wenn ich dir meine Identität verrate, dass du dann auf Abstand gehen würdest. Ich wollte dich als Freundin nicht verlieren. Dabei hab ich wohl genau das getan. Ich hatte eine höllische Angst, dass du auf Abstand gehen würdest und dabei war ich die ganze Zeit diejenige gewesen, die sich von dir distanziert hat. Wie paradox.
Und jetzt, nachdem das alles endlich vorbei ist, weiß ich selbst nicht, wie wir weiterhin miteinander umgehen sollen.
Ich möchte dich als Freundin behalten, das ist die Wahrheit. Und ich möchte, dass du Patentante von... von unserem Baby wirst"
Der letzte Satz endete in einem Flüsterton.
Miyako klappte die Kinnlade runter. Sie verschluckte sich und hustete mehrmals.
"Bitte was?! Pa....Pa....Patentante? Das wird ja immer doller! Ihr... ihr beide bekommt ein Kind? Soll das heißen, du bist schwanger????"
"Jap", brachte die Angesprochene zwischen zusammengepressten Zähnen hervor und wich Miyakos Blick aus.
Urplötzlich räusperte sich Yamato, der die ganze Zeit geschwiegen hatte. "Ehm, sorry aber ich muss jetzt gehen. Mir fällt gerade ein, dass ich noch etwas Wichtiges erledigen muss", bemerkte er und sprang wie von einer Biene gestochen von seinem Platz auf.
Ehe einer die Chance hatte, etwas zu sagen, war er schon durch die Tür verschwunden.
"Siehst du, selbst Yamato ist das Ganze zu viel! Was erwartet ihr dann von mir?", warf Miyako ein.
Marron seufzte gequält. "Du hast recht. Ich erwarte nichts von dir, Miyako. Nimm dir die Zeit, die du brauchst. Und.... und sag mir .... gib mir bitte Bescheid, ob du für unser Kind....", sie brach ab und fuhr sich über die Stirn.
Miyako biss sich auf die Lippen. "Ein Baby...ich .... ich brauch Zeit. Aber das ist das schönste Geständnis von allen, das ich heute von euch gehört habe. Seit wann bist du schon schwanger?"
"Seit ungefähr zwei Wochen. Ich kann es selbst noch nicht so richtig fassen, ehrlich gesagt", gestand die Brünette offen.
Miyako nickte. Dann wurde auch ihr ihre Anwesenheit hier in diesem auf einmal zu eng scheinenden Raum zu viel. Sie musste gehen. Gehen und über alles nachdenken. Dafür brauchte sie Abstand. Und sie musste durchatmen.
Also verabschiedete sie sich mit einem knappen "wir sehen uns dann" von den beiden und ging.

Den Rest des Tages verbrachte Marron wortkarg beim Kochen und sprach nur abgebrochene Sätze mit Chiaki.
Er seinerseits ließ sie in Ruhe. Zumindest bemühte er sich darum.
Die Braunhaarige dachte noch mehrmals über das stattgefundene Gespräch nach und quälte sich mit Selbstvorwürfen.
Nachdem auch das Abendessen ziemlich still verlaufen war, hielt Chiaki es nicht mehr aus und machte ihr einen Vorschlag.
"Marron, das geht so nicht mehr weiter. Hör auf, dich zu quälen. Das bringt nichts. Weder dir noch Miyako. Und vor allem schadet deine Stimmung unserem Kind. Du musst auf andere Gedanken kommen. Diese Woche müssen wir noch zur Uni. Schließlich dürfen wir das nicht auf der Strecke liegenlassen. Aber ab nächster Woche sind Semesterferien. Ich buche uns einen Flug. Du darfst dir aussuchen, wohin es gehen wird. Wir haben viel durchgemacht und wir brauchen eine Auszeit. Also wohin willst du?", fragte er mit einem freudestrahlenden Lächeln.
Marron riss ihre Augen auf.
Urlaub?
Hatte sie eben richtig gehört?!
Sie traute ihren Ohren nicht. Nie hätte sie an Urlaub gedacht. Sie war von Kind an hier in Tokio. Und nie in ihrem Leben hatte sie diese Stadt verlassen. Ihr ganzes Leben spielte sich hier ab. Klar hatte sie schon öfters in ihrem Leben darüber nachgedacht, ihre Grenze zu erweitern und einfach mal wegzufliegen. Egal wohin. Aber bisher hatte es sich nie ergeben. Und jetzt bot sich in der Tat die Gelegenheit dazu und sie wusste nicht, ob sie sich darüber freuen sollte.
Angesichts der Situation war ihr überhaupt nicht nach Urlaub zumute. Doch andererseits gab sie Chiaki Recht. Momentan konnte sie hier nichts mehr ausrichten. Miyako brauchte Zeit. Und das akzeptierte sie.
"Also?", riss sie der Blauhaarige aus ihren Gedanken.
Sie schloss kurz ihre Augen, atmete tief durch und entgegnete nur ein Wort "Malediven".
Ein breites Grinsen huschte um seine Lippen.
Erleichtert gab er ihren einen Kuss auf die Wange, strich eine lockere Strähne aus ihrem Gesicht und sagte ganz leise "Ich fahr schon mal buchen. Auf dem Rückweg fahr ich bei meinem Vater vorbei und komme bald wieder zurück. Erhol dich solange".
"Ist okay", murmelte sie und begleitete ihn zur Tür.

Als er weg war, schloss sie hinter ihm ab und ließ sich an der Tür heruntergleiten. Das war ein anstrengender Tag und zum ersten Mal seit langem spürte sie, dass ihr Leben endlich in die richtige Richtung anfing zu laufen. Irgendein Gefühl verriet ihr, dass Miyako ihr verzeihen würde und sie wieder wie in alten Zeiten miteinander tratschen würden. Sie brauchte sie.
Sie Alle.
Miyako, Chiaki, Yamato und ...

Plötzlich richtete sie sich stocksteif wieder auf.

Sie hatten heute über so vieles gesprochen. Doch eines hat Chiaki und sie selbst vollkommen außer Acht gelassen!

Wo waren Fynn und Access?

Mit den Tickets in der Hand setzte sich Kaikis Sohn in seinen Wagen und fuhr Richtung seines Elternhauses.
Es begann zu regnen. Zuerst ganz leise dann immer stürmischer.
Er verringerte sein Tempo und fuhr vorsichtiger zu seinem Ziel.
Seine Gedanken drifteten langsam ab.
Jene Nacht vor anderthalb Jahren tauchte urplötzlich vor seinen Augen auf.
Damals hatte es ebenfalls in Strömen gegossen.
Ja... damals.....
Der Tag, an dem Kaiki hinter sein Geheimnis gekommen war.....



To be continued....
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