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Schwarze Liebe

von Liaya
GeschichteMystery / P18 / Gen
29.11.2017
08.05.2018
34
122.437
6
Alle Kapitel
59 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
04.02.2018 3.395
 
Gute Nacht, ihr Lieben!
vielen herzlichen Dank für eure Mails und für das Warten. Wie gesagt, ich habe nicht immer Internetverbindung deswegen dauert es manchmal. Da die Seite heute ausnahmsweise mal gut lädt, lade ich schnell das nächste Kapitel hier hoch. Es ist bereits das 26. Und es neigt sich dem Ende zu. Na ja, so langsam. :))
Viel Vergnügen und bis zum nächsten Mal. Hoffentlich sehr bald :)

Liaya

********************

Schreiend und nassgeschwitzt schreckte sie aus ihrem Traum hoch und rang nach Luft. Ihr Herz raste.
"Marron, was ist?",rief Chiaki besorgt und legte seine Hand auf ihre Schulter.
Doch anstatt zu antworten, schüttelte sie heftig ihren Kopf, griff sich an die Stirn, kniff dabei ihre Augen zusammen und schluchzte.
"Sch.... beruhig dich. Was auch immer du gesehen hast, das war nicht real. Das war nur ein Traum. Alles gut. Ich bin bei dir", versuchte er sie zu trösten und nahm sie in seine Arme.
"Nein!", schrie sie und dämpfte sogleich ihre Stimme. "Das war kein Traum. Ich habe gesehen, wie er...", ihre Stimme kippte. Sie krallte sich in sein Hemd fest.
Chiaki hob ihren Kopf an, sodass sie gezwungen war in seine Augen zu schauen.
"Was hast du gesehen? Und wer ist er?"
Sie wollte ihren Kopf abwenden doch Chiaki hinderte sie daran. Er nahm ihr Gesicht in beide Hände und drängte sie mit seinem festem Blick ihn anzusehen.
"Er wird dich umbringen. Hörst du?! Du wirst sterben!! Noyn wird dich gnadenlos vernichten und.... und ich werde dich nicht retten können! Chiaki, ich hab Angst! Ich will nicht, dass es geschieht aber ich kann nichts dagegen tun!" Ihre Stimme wurde lauter. Sie wandte ihren Blick ab und weinte hemmungslos.
Der Blauhaarige drückte sie fest an sich, sagte kein Wort. Eine Weile lang ließ er sie ausweinen, streichelte ihr beruhigend über die Haare und machte schließlich einen entschlossenen Seufzer. Ganz sanft drückte er ihren zitternden Körper von sich und sah sie ernst an.
"Marron, du hast geträumt. Glaub mir, ich werde immer bei dir sein. Ich verspreche dir, mir wird nichts passieren. Und dir auch nicht. Uns steht ein harter Kampf bevor und wir werden ihn gewinnen. Eine andere Option haben wir nicht. Black Smoke ist stark. Ihre Macht zu unterschätzen wäre fatal. Aber mit Fynns und Acces Hilfe schaffen wir es. Da bin ich mir sicher" Er zwinkerte ihr liebevoll zu und gab ihr einen sanften Kuss auf die Schläfe.
Sie beruhigte sich, versuchte ein Lächeln, es misslang ihr aber. "Ich hoffe es", wisperte sie. "Ich hoffe es sehr. Chiaki, deine Worte in Gottes Ohr"
Er nickte. "Es wird alles gut. Versuch noch etwas zu schlafen, mein Engel. Es ist noch Nacht"
"Ja, das sollte ich wohl", stimmte sie ihm zu und legte sich wieder hin. Er tat es ihr nach und rutschte enger an ihren Rücken heran und legte seinen Arm um sie.
Nach etwa zwanzig Minuten hörte er ihren rhythmischen Atem und vernahm, dass sie eingeschlafen war.
Dann seufzte er hörbar und erinnerte sich an sein Gespräch mit Acces an diesem Nachmittag.
Der Engel hatte ihn an der Brücke ausfindig gemacht. Chiaki hatte dort mit einem leeren Blick gestanden und über Noyns Geschichte nachgedacht als Acces langsam auf ihn zugeschritten war. Chiaki hatte seine Schritte gehört, regte sich aber nicht.
"Was willst du?",wollte er von dem lila-haarigen wissen.
Der Engel antwortete nicht, blieb neben ihm stehen, lehnte sich an die steinige Brüstung der Brücke und starrte einige Minuten lang in die Ferne.
"Was beschäftigt dich wirklich, Chiaki?", hatte er ihn schließlich mit einem tiefen Seufzer gefragt.
Der Angesprochene stöhnte leise auf und strich sich mit feuchten Händen übers Gesicht.
"Ich denke über Noyn nach..."
Unbeeindruckt zog Acces seine Augenbrauen in die Höhe. "Du lügst. Das ist es nicht, was dich so sehr beschäftigt"
"Was?!"
Chiaki starrte ihn erstaunt an.
"Dich beschäftigt neben Noyn etwas anderes noch dazu. Ich würde sogar behaupten, es beschäftigt dich mehr als Noyns Situation"
Chiaki verzog leicht genervt das Gesicht. Konnte man denn nirgendswo mit seinen Gedanken mal alleine sein? Er brauchte keinen Seelentröster und erst recht nicht jetzt. Er wollte nicht reden.
Acces nahm ihm das Wort ab.
"Du hast Angst. Aber nicht um dich selbst. Um wen dann? Um sie? Du weißt doch, dass sie..."
Der Blauhaarige begann nervös auf seiner Unterlippe zu kauen. "Ist es ... ist es wahr?"
"Kommt darauf an, was. Sag mir, was du fühlst und ich gebe dir Antworten", entgegnete der Engel ruhig.
Chiaki drehte sich mit dem Rücken zur Brüstung und schaute in den Abendhimmel. "Ich werde sterben, nicht wahr? Ich fühle es. Es ist nicht so, dass ich Angst davor hätte.... ich... ich möchte SIE nicht alleine lassen. Verdammt, Acces! Ich... ich hätte nur gerne etwas mehr Zeit mit ihr verbracht. Ich möchte nicht gehen. Nicht jetzt schon!"
Acces Blick wurde ernst und dies erschrak den Blauhaarigen.
"Du hast Recht..."
Und dann erzählte sein Gesprächspartner dem Blauhaarigen die ganze Wahrheit. Chiaki hörte ihm mit einer ausdruckslosen Miene zu.

Und jetzt lag er immernoch wach neben Marron und dachte an das Gespräch. Dann lächelte er kurz bitter, legte sich auf die andere Seite und schlief ebenfalls ein.

Himuro sah um Jahre gealtert aus, als Miyako ihn ansah. Er saß neben ihrem Bett im Krankenhaus und betrachtete schon eine ganze Weile lang das Gemälde mit dem Namen "Die große Welle vor Kanagawa". Es war nicht das Origninalgemälde, sondern lediglich ein Nachdruck. Himuro starrte es an, als ob er aus diesem Antworten herauslesen konnte.
Antworten auf ... Ja, auf was eigentlich?! Er wusste es selber nicht. Das Erlebte von letzter Nacht hatte ihn total aus der Bann geworfen.
"Alles in Ordnung, Paps?"
Unwillkürlich blinzelte der Inspektor und wurde durch die Stimme seiner Tochter wieder in die Realität zurückgeholt. Er blickte sie aus müden Augen an und wusste nicht, was er antworten sollte.
"Papa?"
Der Angesprochene schüttelte den Kopf. "Nein. Äh, ich meine, entschuldige... ich mag den Geruch hier nicht. Desinfektionsmittel haben mich schon immer angewidert. Deswegen versuche ich immer schnell wieder herauszukommen, sobald ich in ein Krankenhaus gehe. Ich hasse Kliniken und halte mich nicht gern hier auf. Das war schon immer so. Mit einer einzigen Ausnahme"
Seine Tochter sah ihn neugierig an. "Welcher Ausnahme?"
Er lächelte sie kurz an. "Der Tag, an dem du auf die Welt gekommen bist. Das war der einzige Moment gewesen, an dem ich gerne in diesen Räumen meine Zeit verbracht hatte"
Miyako lächelte ebenfalls. "Ach, Paps, wenn..."
Weiter kam sie nicht, denn im selben Moment wurden die beiden unterbrochen. Nach einem kurzen Anklopfen betrat Kaiki Nagoya das Zimmer.
Er begrüßte die Patientin und den Hauptkommissar und klärte die beiden darüber auf, dass es nichts Auffälliges mehr an Miyakos Zustand gäbe und dass sie das Krankenhaus am nächsten Morgen wieder verlassen durfte, sofern sie es wünschte.
Die Angesprochene nickte erfreut und bedankte sich.
Nachdem Chefarzt Dr. Nagoya alles gesagt hatte, wollte er wieder gehen, wurde jedoch von Himuro an der Türschwelle aufgehalten.
"Bitte entschuldigen Sie, Doktor Nagoya. Ich hätte da noch ein paar Fragen. Könnten wir uns einige Minuten lang in ihrem Büro unterhalten?"
Der Angesprochene nickte etwas irritiert. "Sicher. Ich weiß zwar nicht, wie ich Ihnen helfen kann aber ich bin gern bereit, mit allen Informationen, die mir präsent sind, Ihnen zur Verfügung zu stehen".
"Danke"
Dann folgte er dem Arzt in die obere Etage.
Nachdem Kaiki ihm ein Glas Wasser angeboten hatte und Himuro es dankend annahm, setzten sich die zwei Herren gegenüber und Himuro begann das Gespräch.
"Sagen Sie, Dr. Nagoya, kennen Sie diesen jungen Mann?" Er legte ihm ein Bild auf den Schreibtisch hin.
Kaiki betrachtete es kurz und zog seine Augenbrauen in die Höhe. "Ja, das ist mein Sohn. Wieso fragen Sie? Was hat er denn angestellt und woher haben Sie sein Foto?"
Der Kommissar lehnte sich auf seinem Stuhl zurück und faltete seine Hände über seinem Bauch ineinander. Kaiki bemerkte, dass eine Ader auf der Schläfe des Kommissars deutlich pochend hetvortrat. Ein Zeichen für Nervosität.
"Das Bild ist aus unserer Datenbank. Sie wissen doch, in Polizeidatenbanken sind sämtliche Personen gespeichert. Ihr Sohn war nie auffällig gewesen. Eigentlich dürfte er in unserem System gar nicht auftauchen. Wäre da nicht der Vorfall mit Chisato gewesen. Nach dem tödlichen Unfall ihrer Tochter hatte er bei meinem damaligen Mitarbeiter, der jetzt in Ruhestand ist, eine Aussage über den besagten Abend gemacht. Ich habe damals einen anderen Fall bearbeitet und bekam nur am Rande von dem Vorfall mit. Jetzt allerdings musste ich wegen einem Vorfall, der ihren Sohn betrifft, selbst die Akten aufschlagen und habe so über die schreckliche Geschichte Kenntnis erlangt. Chisato war nicht Ihre leibliche Tochter, nicht wahr?"
Kaiki schluckte und sank bekümmert seinen Blick auf die Schreibtischplatte. "Ja, ich erinnere mich, Kommissar Todaj. Ihre Kollegen haben auch mich damals befragt. Allerdings nicht gemeinsam mit Chiaki. Und zu ihrer Frage, nein, sie war nicht mein leibliches Kind. Sie war meine Stieftochter. Dennoch habe ich sie von Anfang an in mein Herz geschlossen und sie gemeinsam mit meiner verstorbenen Frau wie mein eigenes Kind aufgezogen"
Himuro nickte mit einem traurigen Blick. "Das ist grausam. Zuerst ihre Frau und dann das Mädchen.... ich... ich weiß nicht, was ich sagen soll.... Sie müssen eine sehr starke Person sein, andernfalls kann ich mir ihren Lebensmut nicht erklären. Ich weiß nicht, ob ich in ihrer Situation auch so stark gewesen wäre..."
"Schon gut. Es geht schon. Aber reden wir nicht darüber. Sie sagten, Chiaki wäre in einen Vorfall verwickelt. Was ist mit ihm? Was ist vorgefallen?"
Einen kurzen Moment schien der Kommissar in Gedanken versunken zu sein. Er überlegte, was er sagen sollte und wie er es sagen sollte. Da er aber Antworten brauchte, entschied er sich zu fragen.
Seine Stimme wurde fest. Er schaute in Kaikis blaue Augen. Unglaublich, wie die zwei, Vater und Sohn sich in ihrem Aussehen ähnelten. Chiaki hatte seine blauen Haare, seine Augen und sein sportliches Aussehen von seinem Vater per Genetik vererbt bekommen. Eigentlich hätte Himuro gleich, nachdem er Chiaki zum ersten Mal begegnet gewesen war, eins und eins zusammenzählen können und bemerken sollen, dass Chiaki Dr. Nagoyas Sohn war. Zumal der blauhaarige Junge sich damals im Park mit seinem Vor - und Nachnamen bei ihm vorgestellt hatte. Dieses Detail ließ er sich jedoch bedauerlicherweise entgehen. Und dann, als er Sindbad im Wald gefasst und auf seinem Revier verhört hatte, hatte er doch gespürt, dass Sindbad ihn an jemanden erinnerte. Wieso ist es ihm nicht eingefallen? Er hätte als erfahrener Inspektor sofort sehen müssen, dass Sindbads Gesicht das gleiche war wie Chiakis. Nur dass die Haarfarbe einige Töne heller war.
Aber genug! Er merkte, dass er abgeschwiffen war und zwang sich, in der Gegenwart zu bleiben.
"Ich glaube, es geht ihm gut. Ich hoffe es jedenfalls. Wissen Sie, letzte Nacht...."  Er schilderte ihm die verrückte Geschichte, die er je in seinem Leben erlebt hatte und wartete auf Kaikis Reaktion.
Er seinerseits hörte Himuro aufmerksam zu und schwieg sich danach aus. Einige Minuten lang. Dann fragte er schließlich "Und was wollen Sie jetzt von mir hören, Inspektor Todaj?"
In seinem Ton klang Schuld.
"Haben Sie gewusst, dass...." Himuro seufzte und setzte erneut an. "Wussten Sie, dass Ihr Sohn Sindbad ist? Ein lang gesuchter Dieb?"
Der Arzt wandte seinen Blick nicht ab. Im Gegenteil, er sah direkt in Himuros dunkle Augen. "Wenn ich Ihnen sage, dass ich Kenntnis davon hatte, werden Sie mich als mitwissende Person verurteilen?"
Himuro holte tief Luft. "Das hängt ganz davon ab..."
"Wovon?"
"Davon ob.... Ach Teufel nochmal! Kaiki, hören Sie, ich möchte weder Sie noch ihren Sohn in den Knast bringen!"
"Was wollen Sie dann, Herr Kommissar?"
Der Angesprochene presste seine Lippen aufeinander und schaute an dem Arzt vorbei aus dem Fenster hinaus.
Es regnete. Gießte in Strömen. Der Schnee von vor ein paar Tagen war längst geschmolzen. Eigentlich mochte der Inspektor Regenwetter nicht. Doch heute passte es zu seiner Stimmung.
"Ich will einfach nur Antworten haben. Was sind das für Menschen, die hinter ihrem Sohn her sind? Was wollen die von ihm? Und weshalb wollten die uns töten? Zudem interessiert es mich, weshalb sich Chiaki .... Sindbad Dieb nennt? Was stiehlt er? Da sind so viele Fragen, verstehen Sie? Bisher hab ich seine Identität nicht preisgegeben. Ich möchte wie gesagt, weder Sie noch Ihren Sohn ruinieren aber dafür benötige ich Antworten"
Als er zu Ende gesprochen hatte, erhob er sich zügig von seinem Stuhl und begann nervös im Zimmer auf und abzuwandern.
Der Arzt warf Miyakos Vater einen verzweifelten Blick zu. "Ich wusste es. Dass er Sindbad ist, meine ich. Und ich wusste, dass er für eine mysteriöse Organisation arbeitet. Mehr kann ich Ihnen im Moment nicht sagen, Herr Kommissar. Ich muss ihn anrufen... mich vergewissern, dass es ihm gut geht. Geben Sie mir bitte die Zeit dafür. Danach sehen wir weiter. So wie ich Chiaki kenne, wird er sich Ihnen früher oder später selbst stellen. Jetzt, wo sie seine Identität kennen, wird ihm wohl nichts anderes übrig bleiben. Sollten Sie ihn verurteilen wollen, werde ich ihm die besten Anwälte Tokios besorgen. Was auch immer er angestellt hat, ich werde bis zum Schluss dafür kämpfen, dass er nicht hinter Gittern kommt. Das verstehen Sie doch oder? Er ist mein einziger Sohn und ich will ihn nicht auch noch verlieren"
Himuro blieb stehen und nickte Kaiki mit einer starren Miene zu. "Hoffen wir, dass er für etwas Gutes kämpft. Gehen Sie, rufen Sie ihn an. Sagen Sie ihm, dass ich bis zu einem klärenden Gespräch mit ihm dicht halten werde. Teilen Sie ihm auch mit, dass er jederzeit in meinem Büro auftauchen kann. Sie haben Glück, dass meine Tochter noch am Leben ist, sonst hätte ich ohne mit der Wimper zu zucken...."
"Danke. Ich weiß"
Dann verließen beide stumm den Raum.

Chiaki saß mit Marron am Frühstückstisch und war gerade dabei sein mit Käse und Tomaten belegtes Brötchen zu verzehren, als sein Telefon auf dem Nachttisch zu vibrieren begann.
"Willst du nicht rangehen?", fragte Marron.
"Später. Lass uns erst mal in Ruhe fertig essen", zwinkerte er ihr zu.
Das kleine Gerät hörte nicht auf zu vibrieren.
"Hm... anscheinend ist es dringend, soll ich nachschauen wer es ist?"
Ehe er antworten konnte, begab sie sich schon zum Telefon.
"Ist dein Vater".
Marron nahm das kleine Gerät in die Hand und trug es dem Blauhaarigen.
"Danke" Er nahm es entgegen und legte es zur Seite.
"Willst du ihm nicht antworten?"
Er nickte geistesabwesend und trommelte überlegend mit seinen Fingern auf der Tischkante.
Das Vibrieren hörte auf.
"Ich weiß, was er will. Herr Todaj hat vermutlich mit ihm bereits gesprochen. Jetzt will er sicherlich wissen, was los ist. Ich schreibe ihm, dass alles gut ist und dass ich mich bei ihm melden werde"
"Wieso willst du nicht persönlich mit ihm reden?", erkundigte sich die Braunhaarige neugierig.
"Weil ich..." Er schaute etwas beschämt zur Seite. Er wollte nicht mit Kaiki am Telefon reden. Diese Sache mit dem Streit über Chisato ging ihm nicht aus dem Kopf. Er wollte Kaiki verzeihen, endlich wieder ein normales Vater - Sohn Verhältnis haben aber er war noch nicht bereit dazu.
Zeit. Er brauchte noch etwas Zeit zum Nachdenken. Die Welt zwischen ihm und Kaiki ordnen.
"Weil du was?", horchte die Brünette nach.
Urplötzlich schüttelte er den Kopf und wechselte seine Miene von bedrängt auf grinsend. "Ach nichts. Ich rufe ihn an. Später" Er griff sich das Handy und tippte eine Nachricht. Dann legte er es wieder beiseite und ging um den Tisch herum auf Marron zu.
Diese wunderte sich und blickte ihn perplex an. "Was ist?"
"Ich liebe dich"
Sie schluckte nervös. "Wieso...wieso sagst du das? Irgendwie machst du mir Angst, Chiaki"
Er bückte sich und gab ihr einen langen Kuss auf die Lippen.
Als er sich von ihr löste, sagte er leise "Was auch immer passieren wird, ich liebe dich, Marron. Bitte vergiss das nie. Ich möchte nur, dass du es weißt. Für alle Fälle"
"Chi...a...ki?" Sie wurde kreidebleich im Gesicht. Seine Worte versetzten ihr einen Schock.
Sollte es .... fühlte er es auch?
Sie kam nicht mehr dazu, ihn zu fragen. Acces und Fynn klopften an der Tür und Chiaki begab sich sofort dahin um aufzumachen.

Nur eine Stunde nachdem die Engel aufgetaucht waren, hatten Marron und Chiaki alle Anweisungen, wie sie vorgehen sollten, erhalten und hielten bereits ihre silbernen Kreuze in den Händen.
"Wir wissen nicht, wann und wo Blake Smoke auftauchen wird um eure Wege zu kreuzen. Sicher ist eins- Sie werden kommen und das schon sehr bald. Vielleicht schon heute. Vielleicht erst morgen. Das bedeutet für uns, dass wir keine Zeit zu verlieren haben. Einen von den drei letzten Dämonen hat Noyn bereits. Das haben wir heute morgen erfahren. Das heißt, es fehlen noch zwei, um ihren Plan in die Tat umzusetzen. Wir müssen schneller sein. Wir müssen vor Noyn die Dämonen ausfindig machen. Acces gibt euch die Bilder der Besessenen Personen. Wir werden uns aufteilen müssen. Ich gehe mit dir, Jeanne und Acces mit Sindbad. Wenn alles nach Plan laufen wird, werden wir uns um Punkt 18:00 Uhr hier wieder treffen", klärte Fynn auf.
"Und wenn nicht?", fragte Marron besorgt.
Fynn senkte betroffen ihren Blick zum Boden. "Mach dir keine Sorgen, Jeanne. Es wird schon gut gehen. Eine andere Option gibt es nicht. Hoffen wir, dass es funktioniert"
"Ja aber..."
Fynn nahm entschlossen Marrons Hand in ihre. "Marron, vertrau auf die Kraft Gottes. Du bist stark, mutig, bereit und unbesiegbar. Behalte meine Worte immer im Hinterkopf, hörst du?"
Stumm nickte die Angesprochene und spürte einen Stich in ihrem Herz als sie Chiaki einen kurzen Blick zuwarf.
Irgendetwas wurde ihr verheimlicht. Das spürte sie und dessen war sie sich sicher. Doch offenbar wollte keiner von den dreien darüber sprechen. Warum nur? Hatten sie hinter ihrem Rücken einen Plan? Was sollte geschehen?
Aus den Augen der dreien war nichts herauszulesen und das ärgerte sie. Es bedrückte sie und gab ihr keine Ruhe.
Acces unterbrach die Stille, die aufgekommen war.
"Seid ihr bereit?"
Erschrocken blickte Marron auf. "Was? Jetzt schon?"
Der Lilahaarige nickte. "Ja, es wird Zeit,dass wir handeln. Hier sind die Bilder. Die junge Frau, Ellen gehört dir, Marron. Sie ist aus den Staaten und lebt schon seit zehn Jahren hier in Tokio. Und der hier" Er hielt das andere Bild Chiaki hin. "Heißt Yuichi, 28 Jahre alt und arbeitet an der Börse. Den nehmen wir uns vor"
Der Blauhaarige nahm das Foto des Braunhaarigen Angestellten in die Hand und nickte kurz.
"Also gut, teilen wir uns auf", schlug Acces vor und kehrte den Damen samt Chiaki den Rücken zu.
"Wartet!", rief Marron.
Chiaki drehte sich langsam zu ihr um und sie ging sehr besorgt auf ihn zu. "Pass auf dich auf bitte", sagte sie leise zu ihm und hielt seine Hand.
"Immer. Und du auf dich auch", antwortete er liebevoll und küsste sie auf die Stirn.
"Wir sehen uns um 18:00 Uhr wieder", ergänzte er flüsternd in ihr Ohr.
Im selben Augenblick lief ihr ein eiskalter Schauer über den Rücken und ein noch tieferer Stich durchbohrte ihr Herz.
Sie wusste, es war gelogen. Sie würde ihn nie mehr wieder sehen. Sie würde nie mehr sein Grinsen sehen, seine Umarmungen spüren und seine Stimme hören.
Und sie konnte nichts dagegen tun.
Nicht nur sein Leben stand auf dem Spiel sondern das Leben aller Menschen.
Entgegen ihrem Willen ließ sie ihn schmerzend los und folgte Fynn.
Obwohl sie spürte, dass es zwecklos war, fing sie leise für ihn zu beten an. Sie flehte Gott an, ihn ihr nicht wegzunehmen....


Fortsetzung folgt....
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