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Schwarze Liebe

von Liaya
GeschichteMystery / P18 / Gen
29.11.2017
08.05.2018
34
122.437
6
Alle Kapitel
59 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
22.01.2018 4.062
 
Hi!
Also das Internet bzw. die Verbindung hier ist wirklich furchtbar! Deswegen werde ich nicht groß drumherum reden und lade das nächste Kapitel hoch :)

LG,
Eure Liaya

*********************

Kapitel 25- Im Namen des Herrn

Sie blickte starr um sich und fror erbärmlich. Ihre Augen waren nicht mehr dieselben gewesen, als sie sie wieder aufschlug. Ihr leerer Blick war nach vorne gerichtet. Sie spürte unbändige Wut und Hass.
Miyako war Noyn hilflos ausgeliefert und Marron konnte nichts weiter tun, als die Szene schockiert zu beobachten. Vor ihr lag ein schwer verletzter Sindbad.
In ihren Ohren herrschte Taubheit. So, als ob man gerade direkt neben ihr eine Sylvesterrakete abgeschossen hätte.
Und dann ganz plötzlich weckte sie etwas aus ihre Starre.
Ein lauter Schuss.
Sie blickte nach links und registrierte, dass Himuro geschossen hatte. Ein Schuss aus reiner Verzweiflung und Ausweglosigkeit. Dann folgte ein kurzer Aufschrei seitens Miyako. Noyn hatte anscheinend nicht damit gerechnet, dass der Kommissar tatsächlich feuern würde. Er ließ Miyako unbeabsichtigt nach unten fallen. Der Schuss hatte ihren Oberschenkel gestreift. Noyn geschah nichts.
Sindbad schaffte es gerade noch rechtzeitig Miyako aufzufangen. Dann brach er endgültig zusammen.
Himuro rannte sofort zu ihr hin und legte seinen Mantel um ihren zitternden Körper.
"Eins muss ich Ihnen lassen, Herr Kommissar, Sie sind mutiger, als ich dachte!",rief Noyn und erschien auf dem Boden. "Jetzt hab ich aber endgültig genug! Ihr werdet alle sterben!" Er richtete ungeduldig seine Hände gegen die vier Personen und ließ eine leuchtende, schwarze Kugel erscheinen. Als er sie auf die vier losschleudern wollte, ertönte ein bitterer Schrei. "Hör auf! Es reicht!", befahl Marron ihm und fand ihre Stimme wieder.
Er hielt überrascht inne, lachte sie fies an. "Na das ist ja mal eine überraschende Wendung!"
"Lass meine Freunde in Ruhe! Lass verdammt nochmal die Finger von ihnen! Du bist zu weit gegangen! Das werde ich dir nie verzeihen!", schrie sie ihn erbost an.
Der Schwarzhaarige schüttelte unbeeindruckt den Kopf. "Tut mir leid aber dafür ist es schon zu spät"
Er ließ die Kugel gnadenlos auf sie los.
"NEIN!", brüllte die Brünette.
Sie wusste nicht, wie sie es schaffte aber im selben Moment wurde sein zerstörerischer Angriff mit einem Gegenangriff abgewehrt. Die hellleuchtende, warme Energie kam von oben. Über den vieren. Sie war so stark, dass Noyn keine Chance hatte. Schreiend knallte er einige Meter nach hinten auf.
Mühsam und keuchend rappelte er sich gleich wieder auf. "Was....was zur Hölle?"
Erschrocken blickten der Kommissar und Marron in die Richtung, aus der die Hilfe kam. Was sie dort erblickten, verschlug ihnen die Sprache.
Da oben über ihnen schwebten zwei Gestalten. Das Strahlen, das von den beiden ausging, war so grell, dass man ihre Gesichter nicht erkennen konnte.
"Ich komme wieder!",schnaufte Noyn und löste sich auf.
Je länger Marron in das Licht oben hinschaute, desto schlaffer wurden ihre Lider.
Herr Todaj brach als erster über Miyako zusammen.
"Wer seid ihr?", war das Letzte, was die Brünette gerade noch imstande war zu stottern. Dann versank auch sie im Tiefschlaf.

Wie viele Stunde oder Tage seit dieser schrecklichen Nacht vergangen waren, konnte die Braunhaarige nicht einschätzen, nachdem sie unter großer Anstrengung ihre Augen geöffnet hatte. In ihrem Kopf drehte sich alles. Für einen kurzen Augenblick dachte sie sogar daran, sich übergeben zu müssen. Die Übelkeit verging jedoch schnell wieder. Dennoch blieb sie noch eine Weile lang im Bett liegen und ließ ihren Blick im Raum umherschweifen. Eines fiel ihr direkt auf. Sie war nicht zu Hause. Dieser Ort....
Sie kannte ihn.
Sie fühlte sich seltsam geborgen hier.
Sie wollte gerade ihre Augen wieder schließen, als eine ihr ziemlich bekannte Stimme auf sie einredete.
"Marron, du bist wach. Wie geht es dir? Wie fühlst du dich?"
Innerlich lächelte sie in sich hinein. Wie eigenartig es doch war, dass seine Stimme so vertraulich auf sie wirkte. Sie spürte keinen Hass und keine Wut auf ihn.
Benommen hob sie ihren Kopf und setzte sich auf.
Sie antwortete ihm nicht, sah ihn stattdessen lange an. Seine Augen sahen müde aus. Ansonsten wirkte er so, als ob er im Gegensatz zu ihr schon seit einigen Stunden auf den Beinen gewesen war. Er trug eine graue Jeans und ein dunkelblaues Hemd. Bei diesem Anblick hätte sie glatt denken können, dass er gerade aus dem Office oder so heimkam.
"Darf ich mich setzen?", fragte Chiaki vorsichtig und lächelte sie liebevoll an.
Sie seufzte und nickte. Dann rutschte sie ein Stück zur Seite, um ihm Platz zu machen.
"Danke" Er nahm Platz, schluckte seinen Kloß hinunter und wurde etwas unsicher.
"Du fragst ja gar nicht, wer ich bin", bemerkte er und sah sie an.
Marron nickte langsam, holte tief Luft. "Du hast mir nicht zugehört, Nagoya!", sagte sie leise und vorwurfsvoll.
Er riss seine Augen auf, blinzelte und formte mit seinen Lippen perplex ein "Was?"
Marron seufzte. "Ich habe dir gesagt, ich will das nicht. Eindringlich habe ich dich darum gebeten, meine Erinnerungen nicht wegzunehmen und du hast es doch getan"
Er riss erstaunt seine Pupillen noch weiter auf. Falls es überhaupt möglich war.
Sie betrachtete ihn, lächelte innerlich und dachte etwas amüsiert daran, wie lustig und dämlich sein Gesichtsausdruck gerade war. Nach Außen bemühte er sich überrascht zu wirken. Doch sie wusste und spürte, dass er sich in jenem Moment wie ein kleines Kind freute.
"Du...du...kannst" fing er an und schluckte wieder "dich wieder erinnern?!"
Er flüsterte das Ende der Frage.
"Tja zugegeben, ich habe die wenigen Tage wirklich genossen, an denen ich wieder ein ganz normales Mädchen gewesen war. Nur... andererseits war da auch etwas, das ich vermisst habe.... Und..." Sie hob warnend ihren Zeigefinger "das warst eindeutig nicht du!", sagte sie ernst.
Jetzt konnte er sich nicht mehr halten und fiel rücklings über ihre ausgestreckten Beine auf den Rücken.
"Hey!"
Er atmete auf und grinste sie unverschämt an. "Da bin ich aber froh!"
"Was?!"
"Na ja, wenn du etwas vermisst hattest aber nicht mich, dann kannst du auch nicht wütend auf mich sein"
Sie verdrehte ihre Augen und seufzte. "Ja, du hast recht, eigentlich sollte ich unheimlich wütend auf dich sein. Aber ich... ach ich weiß einfach nicht..."
Er antwortete nicht. Ihr Blick wurde nachdenklich. "Ist es vorbei?"
Chiaki schüttelte den Kopf und starrte an die Decke. "Nein, das denke ich nicht. Noyn wird nicht so einfach aufgeben. Leider"
"Ja, das wäre auch viel zu schön gewesen. Sag mal, hast du mich hierher in die Hütte gebracht?", wunderte sie sich.
"Nein. Das waren diejenigen, die uns gerettet haben. Ich bin selbst erst vor ein paar Stunden hier neben dir erwacht. Auf dem Tisch dort drüben lag ein Zettel"
Marron stutzte. "Ein Zettel?"
"Ja. Ein einziger Satz. "Erholt euch und wartet hier auf uns"
"Okay.... Weißt du, wer die beiden sind?"
Chiaki erhob sich. "Nein. Keinen blassen Schimmer"
"Das ist doch merkwürdig. Was war das nur gewesen? Wer hätte Interesse daran, uns zu beschützen und vor allem aus welchem Grund?"
Er zuckte mit den Schultern. "Lass uns abwarten"
Dann herrschte eine Weile lang Stille zwischen den beiden. Niemand sagte ein Wort.
Marron sah Chiaki an, wie er mit sich selbst kämpfte. Anscheinend wollte er ihr etwas sagen, wusste aber nicht, was oder wie er es ihr sagen sollte.
Dann seufzte sie genervt. "Na los, sag schon. Ich seh dir doch an, dass da etwas ist, was du loswerden willst"
"Verzeih mir...."
"Was?!"
Er schaute sie ernst an. "Bitte verzeih mir, Marron. Ich hatte nicht das Recht, dich in diesen Job hineinzuziehen. Und... und Miyako konnte ich auch nicht beschützen. Ich habe mein Wort nicht einhalten können"
Bei dem Namen ihrer Freundin holte die Realität sie wieder ein und sie wurde panisch. "Ach du lieber Himmel! Miyako! Das habe ich ja ganz vergessen. Wir müssen zu ihr! Wer weiß, wo sie jetzt ist und wie es ihr geht!"
"Jetzt beruhige dich, es geht ihr gut"
"Wie kannst du dir da so sicher sein?"
"Das kann ich. Das kann ich weil ich nachdem ich aufgewacht bin, sofort meinen Vater angerufen habe. Er ist im Dienst. Miyako liegt auf seiner Station. Sie hat einen Streifschutz erlitten. Sie wurde bereits behandelt. Es geht ihr gut. Ihr Vater war bei ihr"
Die Brünette atmete erleichtert auf. "Gott sei Dank"
Chiaki nickte ihr zu. Sein Blick wurde bekümmert.
Marron registrierte sofort, an was er dachte und überlegte eine Weile bevor sie fragte.
"Glaubst du, Herr Todaj wird dich verraten?"
Der Blauhaarige kratzte sich nachdenklich am Hinterkopf. "Nein, das denke ich nicht. Er hat schließlich gesehen, mit welchen dunklen und gefährlichen Typen wir es zu tun haben. Zumindest wird er es noch nicht jetzt tun. Wenn er klug ist, wird er mich und Jeanne in Ruhe lassen. Außerdem dürfte er spätestens letzte Nacht begriffen haben, dass es ihm nichts nützen wird, mich auf seinem Revier festzuhalten"
"Uhum....", stimmte sie ihm geistesabwesend zu.
"Dennoch muss ich mit ihm reden. Früher oder später muss ein klärendes Gespräch zwischen uns stattfinden. Dir überlasse ich die Wahl. Immerhin hat er keinen Beweis, dass Marron Kusakabe Jeanne ist"
"Ja....."
Plötzlich erhob er sich energisch vom Bett. "Und nun, Schluss mit Trübsal blasen! Komm steh auf, lass uns etwas in den Magen bekommen, Frühstück ist fertig. Ich habe Riesenhunger!", sagte er und zwinkerte dabei frech.
Sie nickte, ließ ihn vorgehen und kroch mühsam aus dem Bett.

Einige Stunden später, als es Nachmittag wurde, kam endlich die Zeit für den Besuch der beiden fremden Gestalten.
Chiaki war gerade dabei, sein Referat für die Uni auf dem Laptop fertig zu tippen. Marron hockte derweil unruhig vor dem Kamin und blätterte desinteressiert in einer Sportwagen-Zeitschrift herum. Chiaki hatte eine Menge davon, stellte sie fest. Da es die einzigen Zeitschriften waren, die er besaß, blieb ihr nichts anderes übrig, als sich mit diesen abzulenken. Reden wollte sie nicht. Ob sie ihm verzeihen konnte, wusste sie nicht. Dafür war einfach viel zu viel in der Vergangenheit passiert. Sie war noch nicht dazu bereit, diese Barriere zwischen ihr und ihm zu beseitigen. Und ob sie es jemals sein würde, stand in den Sternen.
Aktuell wusste sie eins. Sie mussten Black Smoke vernichten. Gemeinsam. Und für dieses Ziel war sie bereit gewesen, mit ihm zusammenzuarbeiten. Nicht jedoch für mehr.
Klar hatte sie noch Gefühle für ihn. Sie leugnete es nicht. Der Schmerz war jedoch die Barriere.
Sie versank immer tiefer in ihren Gedanken und hörte nicht, wie Chiaki sich zur Tür begab, um zu öffnen.
Erst als zwei völlig fremde und seltsame Personen den Raum betraten, hob sie ihren Kopf an  und kam zu sich.
"Hallo Marron", begrüßte die weibliche Person die Brünette.
"Ha...hallo", stotterte sie und erhob sich.
Für Menschen sahen die beiden etwas eigenartig aus, fand sie, als sie die zwei näher betrachtete.
Die weibliche hatte grüne Haare und abstehende Ohren, wie die bei Elfen.
Der Junge trug dunkle Haare in der Farbe lila und hatte ebenfalls Ohren wie die eines Elfes.
"Setzt euch doch", bot Chiaki ihnen an und deutete auf den runden Tisch mit Stühlen.
"Danke", lächelte das Mädchen.
"Marron, kommst du?", fragte Chiaki.
Sie nickte und nahm ebenfalls Platz.
"Nun, ich bin Fynn und das ist Acces. Bevor ihr fragt, wir sind keine Menschen"
"Wer seid ihr dann?", beeilte sich Marron nervös zu fragen.
Jetzt war es Acces, der das Wort ergriff. "Wir sind Engel. Wir arbeiten im Auftrag des Herrn", erklärte er ruhig.
"Warum seid ihr zu uns gekommen?", erkundigte sich Chiaki interessiert.
"Weil es Zeit wurde zu erscheinen. Der Herr hat euch lange beobachtet. Als die Situation gestern Nacht zu eskalieren drohte, hat er uns zu euch geschickt. Früher oder später wäre dies sowieso passiert. Noyn hätte euch beide vernichtet, sobald er und sein Vater seine Ziele erreicht hätten", berichtete Fynn.
"Welche Ziele verfolgt Black Smoke? Und wer ist Noyns Vater?", wollte die Brünette wissen.
Acces sank seinen Blick und seufzte. "Ihr solltet Dämonen einfangen für die Organisation. Einerseits habt ihr einen guten Job getan, in dem ihr Menschen von dunklen Mächten befreit hattet. Damit lockte Noyn euch. Ihr solltet glauben, dass ihr etwas Gutes für die Welt tut. Dass Jeanne sich jedoch dafür interessieren würde, was anschließend mit den Dämonen geschieht, kam Noyn überhaupt nicht gelegen. Du warst neugierig, Marron und das war auch richtig so. Irgendwer von euch beiden musste seine Augen endlich öffnen und auch mal hinter die Fassade blicken. Aber ich bin abgeschweift....
Nun, zu deiner Frage. Welche Ziele verfolgt Black Smoke? Ganz einfach. Unheimliche, grauenvolle und bestialische Ziele. Sie sammeln Dämonen, die irgendwann wild auf die Erde gestreut waren. Das passierte noch lange vor Noyns Zeit. Der Hass ergriff die Menschheit und mit ihm kamen aus einer anderen Welt Dämonen auf die Erde. Lange Jahre konnten sie unbemerkt dahinvegetieren und sich von menschlicher Energie ernähren. Da die Zahl derjenigen, die ihre Emotionen kontrollieren können noch in Überzahl ist, wurden die Dämonen noch nicht bemerkt. Jedenfalls nicht von Menschen. Doch sie werden immer mehr. Auch Noyn war früher ein Mensch gewesen. Er lebte glücklich und arbeitete als Dozent an einer Uni. Sein Themengebiet war Geschichte. Er unterrichtete mit Leidenschaft dieses Fach"
"Was ist mit ihm passiert?", erkundigte sich Chiaki erstaunt. Nie hätte er gedacht, dass Noyn irgendwann ein ganz normaler Mensch gewesen war. Diese Offenbarung kam für ihn vollkommen unerwartet.
Fynn übernahm das Wort. "Er hieß Hijiri Shikaido. Er lebte für zwei Dinge. Für seinen Beruf und ganz besonders für sie. Ihr Name war Jeanne D'Arc oder Johanna von Orleans oder die Jungfrau von Orleans. Sie hat viele Namen. "
Fynn hielt bewusst inne.
Marron blinzelte sie unfassbar an. "Jeanne D'Arc?! Moment mal, moment mal! Verwechselst du da nicht etwas? Das war ja vor ziemlich langer Zeit gewesen!"
Fynn blieb ruhig und nickte ihr lächelnd zu. "1428  um genau zu sein. Der Zeitpunkt, an dem Jeanne und Hijiri sich begegneten. Noyn sieht viel jünger aus, als er in Wahrheit ist! Durch die Macht des Teufels konnte er sich bis heute jung erhalten. Aber nochmal zurück. Er lernte Jeanne kennen, als sie sechzehn Jahre alt war und er verliebte sich in sie. Sie war fortan die Frau gewesen, für die er bereit war, sein Leben herzugeben. So sehr liebte er sie"
Unwillkürlich warf Marron einen kurzen Blick zu Chiaki rüber. Sie dachte daran, dass er ihr vor nicht allzu langer Zeit dieselben Worte gesagt hatte. Er war ebenfalls bereit gewesen, für sie zu sterben. Chiaki erkannte, woran Marron gedacht hatte und guckte beschämt pfeifend weg.
Acces berichtete weiter. "Ihr beide kennt die Geschichte der Jungfrau. Sie widmete ihr Leben einem Kampf und wurde 1431 durch ein kirchliches Verfahren auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Hijiri konnte sie nicht schützen. Ihr könnt euch vorstellen, dass sein Hass und seine Abscheu der Menschheit gegenüber so stark gewesen war, dass er letztendlich ein Opfer von Dämonen wurde. Er gewährte ihnen freien Zutritt zu seiner Seele. Der Teufel hatte lange auf ein solches Opfer gewartet. Er war perfekt. Etliche Jahre suchte der Teufel nach einem solchen Opfer und als er ihn traf, machte er ihm einen unschlagbaren Vorschlag. Zusammen mit Noyn wollte er die Menschheit ausrotten. Noyn kam dieser Vorschlag ganz gelegen und so schloss er einen Pakt mit dem Bösen. Er verkaufte gnadenlos seine Seele"
Marron schlug sich fassungslos die Hand auf den Mund. "Das ... das ist ja schrecklich!"
Acces nickte. "Ja,das ist es in der Tat. Zu zweit sind sie allerdings nicht stark genug, um ihren Plan durchsetzen zu können. Anfangs und viele Jahre war Noyn derjenige gewesen, der die Bestien eingesammelt hatte. Dann befahl ihm der Teufel, sich einen Diener zu suchen. Dies tat er auch und traf vor zwei Jahren auf dich, Chiaki. Du warst perfekt. Stelltest keine Fragen, hast nur das getan, was man von dir verlangt hatte. Es fehlen noch drei wichtige Dämonen, dann werden sie alle Schachfiguren miteinander vereinen und ihre Macht wird so enorm sein, dass sie alle Lebewesen beseitigen werden. Auf der Erde werden dann nur sie und dunkle Mächte herrschen. Der Glanz dieses schönen Planeten wird kläglich untergehen. Dunkelheit und Hass wird diesen blauen oder besser gesagt schwarzen Planeten regieren"
Chiaki lachte bitter auf. "Und ich habe ihm gedient, ich Dummkopf!"
Fynn legte ihre Hand auf seine. "Du hast es ja nicht wissen können! Deswegen sind wir gekommen. Noch ist es nicht zu spät. Noch können wir etwas dagegen tun. Aber dafür müssen wir gemeinsam gegen Black Smoke antreten. Wir werden euch neue Kräfte geben. Weder du noch Marron werdet von nun an für den Teufel arbeiten. Ihr müsst dem Herrn vertrauen. Und ihr müsst auf das Gute in euren Herzen hören! Ab morgen werdet ihr euch anders verwandeln und im Namen des Herrn kämpfen. Seid ihr bereit?"
"Ja!", antwortete Marron schnell.
Chiaki strich kopfschüttelnd übers Gesicht und schwieg.
"Chiaki, was ist?", fragte Marron irritiert.
"Ich muss kurz an die frische Luft"
Damit erhob er sich und verschwand nach draußen.
"Ja aber..."
Fynn hielt sie auf, als sie ihm folgen wollte.
"Lass ihn. Er wird sich wieder einkriegen. Das ist nicht einfach für ihn. Er hat Schuldgefühle. Er hat dich ja in das Ganze reingezogen. Er muss das erstmal verdauen. Bitte Marron, sei etwas sanfter mit ihm. Er liebt dich wirklich. Ich kann nachvollziehen, dass er dir wehgetan hat mit seinen ständigen Lügen. Aber.... er... er ist halt ein Mann und als er dein Foto gesehen hatte, hatte er sich hoffnungslos in dich verliebt. Er hat es nur sehr spät eingesehen. Chiaki wird dir nicht mehr wehtun. Er hat sich verändert und du hast entschieden dazu beigetragen. Also unterdrücke deine Gefühle nicht. Hör auf dein Herz und fange an, ihm zu vertrauen. Nur gemeinsam werdet ihr die schwarzen Mächte besiegen können"
Fynn schaute sie eindringlich an.
Die Brünette atmete schwer aus. "Das... das weiß ich doch. Ich sehe es ein aber....es fällt nicht leicht. Ich meine, wie stellst du dir das vor? Soll ich auf ihn zugehen und ihm um den Hals fallen vor lauter Dankbarkeit, dass er seine Fehler endlich eingesehen hat?! Das geht nicht so einfach!", verteidigte sie sich.
"Liebst du ihn?"
Marron schwieg.
"Tust du es? Ja oder nein?", wiederholte der Engel seine Frage.
Die Angesprochene rang mit sich selbst und seufzte schließlich. "Man, ja doch. Ich tu's immernoch. Obwohl er ein Vollidiot ist. Immer wieder stelle ich mir die gleiche  Frage. Warum musste es er sein?!"
Acces fing an zu grinsen und pfiff. "Tja, wo Liebe hinfällt..."
Fynn stupste ihn in die Seite. "Acces!"
Marron fand es lustig und fing an zu lachen. Dann gesellten sich auch Fynn und Acces zu dem Lachen.

Als Chiaki nach mehr als 45 Minuten immer noch nicht aufgetaucht war, beschloss Acces ihn suchen zu gehen.
Fynn verabschiedete sich ebenfalls von Marron für den heutigen Tag.
"Er wird kommen. Acces findet ihn, das spüre ich. Und..." Der Engel hob ihren Zeigefinger. "Das wird vermutlich euer letzter gemeinsamer Abend in Ruhe sein. Also nutzt die Zeit wie auch immer", zwinkerte sie Marron frech zu.
"Sag mal worauf willst du hinaus?!"
Fynn zuckte mit einer Unschuldsmiene mit den Schultern und verschwand.
Marron schüttelte ungläubig ihren Kopf.

Eine viertel Stunde später, nachdem Fynn weg war, kehrte der Medizinstudent zurück.
Nachdenklich hockte er sich vor den Kamin.
"Wie hast du dich entschieden?", fragte Marron und setzte sich neben ihn.
Er drehte seinen Kopf und blickte sie lange wortlos an.
Dann hob er seine Hand und strich ihr zärtlich über die Wange. Seine Worte fielen ihm schwer. Seine Augen verrieten ihr, dass er es ernst meinte. "Ich musste daran denken, wie man seine einzige Liebe einfach auf dem Scheiterhaufen verbrannt hatte"
"Chiaki...."
Er schüttelte bestimmt den Kopf. "Nein, warte. Ich kann mir vorstellen, wie er sich gefühlt hat. Früher hätte ich darüber gelacht. Aber heute...." Er sah sie tief an. "Marron, ich weiß nicht, was ich tun soll, damit du mir verzeihst. Ja, verdammt ich gebe es ja zu, ich bin ein Playboy. Aber das ist alles nur Fassade. Es fällt mir schwer, über Gefühle zu reden. Deshalb mache ich oft Scherze darüber. Ich liebe dich und ...." Er wandte beschämt seinen Blick auf den Teppich unter ihm ab. "Ich bin hoffnungslos verschossen in dich. Du machst mich jedes Mal schwach, wenn du neben mir bist. Selbst jetzt rast mein Herz. Glaubst du, es war mir leicht gefallen, deine Erinnerungen auszulöschen? Dann irrst du dich! Ich wollte dafür sorgen, dass du wieder glücklich und in Sicherheit bist. Danach hätte ich..." Er hielt inne, wollte den Satz nicht zu Ende sprechen.
"Ich wurde fast verrückt ohne dich...", flüsterte er stattdessen.
Marron schloss kurz ihre Augen um sie dann gleich wieder heiter und vergnügt wieder aufzumachen. "Ich kann dir nicht verzeihen"
Deprimiert und enttäuscht nickte er.
"Aber ich werde es lernen. Ich werde über meinen Schatten springen"
Er blinzelte, hob den Kopf, glaubte sich verhört zu haben.
"Ja, du hast richtig gehört. Keine, wirklich keine Lügen und Geheimnisse mehr. Und was deinen Playboy- Charakter betrifft, behalt ihn ruhig. Sonst wird es langweilig", grinste sie. "Ich liebe es, wie du mich ansiehst, wie du mich manchmal mit deinem frechen Verhalten auf die Palme bringst. Ich liebe dein Sunnyboy- Lächeln...."
"Dieses?" Er setzte es zum Teil extra auf.
"Oh man, jetzt hör doch auf", bat sie und lief rosa an.
"Wieso denn? Ich tu doch nichts", grinste er und hob seine Augenbrauen mehrmals in die Höhe.
Dann wurde er wieder ernst. "Ich werde die Seiten wechseln. Du glaubst doch nicht im Ernst, dass ich es denen erlauben werde, diese Welt zugrunde gehen zu lassen. Erst recht nicht jetzt, wo du wieder bei mir bist! Ich werde kämpfen bis zum bitteren Sieg, bis zum letzten Atemzug an deiner Seite"
Sie nickte zufrieden.
"Und was machen wir jetzt? Es ist bereits Abend, ich nehme an, schlafen willst du noch nicht? Hast du Hunger? Sollen wir was kochen?", fragte er.
Sie schaute ihn überrascht an. "Kochen?"
"War nur ein Vorschlag. Wir können auch irgendwohin zum Essen fahren, wenn du willst"
"Können wir. Danach", antwortete sie mit einem schelmischem Blick.
Er verstand nicht ganz. "Danach?"
Sie verdrehte die Augen, seufzte kläglich. "Man, Chiaki, du hast wirklich nachgelassen! Sonst bist du doch ..."
Seine Miene verzog sich zu einem breiten Grinsen. Er begriff, was sie wollte und ließ es sich nicht zweimal sagen.
Ehe sie ihren Satz zu Ende sprechen konnte, beugte er sich zu ihr rüber und küsste sie. Erst vorsichtig, dann immer leidenschaftlicher.
Marron erwiderte den Kuss und spürte, wie ihr Körper leicht zu beben begann. Obwohl es nicht der erste Kuss zwischen den beiden war, hatte sie das Gefühl, seine Lippen zum ersten Mal zu berühren.
Er packte sie und trug sie aufs Bett.
Seine Hände glitten vorsichtig unter ihr Shirt und berührten ihren nackten Bauch.
Sie stöhnte kurz auf.
Er hielt inne. "Geht dir das nicht ein bisschen zu schnell?"
"Nein. Ich habe dich vermisst. Und... leider hast du mich süchtig nach diesem Gefühl gemacht. Ich will dich in mir spüren. Wer weiß, wann wir wieder die Gelegenheit dazu haben werden?"
Er lächelte sie an und küsste sie.
Dann machte er dort weiter, wo er aufgehört hatte und sie ließ ihn tun und ließ sich fallen. Zum ersten Mal fühlte es sich endlich richtig für sie an.
Marron war unendlich glücklich und genoss jede seiner Berührungen....
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