Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Schwarze Liebe

von Liaya
GeschichteMystery / P18 / Gen
29.11.2017
08.05.2018
34
122.437
6
Alle Kapitel
59 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
17.01.2018 4.378
 
Hallo und guten Abend an euch alle :)
Als Erstes: Sorry, hat etwas gedauert, bis ich dieses Kapitel laden konnte. Ich war echt im Stress und so gut wie nie auf dieser Seite. Jetzt geht es aber weiter. Die nächsten Kapitel versuche ich etwas schneller hochzuladen. ;)
Übrigens die neue Seite gefällt mir besser :)

Kurz zu diesem Kapitel: Hier wird noch nichts Großes geschehen aber zur Brücke musste es geschrieben werden. Im nächsten Kapitel werden endlich mal wieder die Funken knallen )))

Bis bald und LG
Liaya

**********************
Kapitel 23 - Ein unerwartetes Manöver

Der Blauhaarige stand vollkommen unter Schock vor einem schwarzen Grabstein aus Granit und las wie in Trance immer wieder den Namen des Toten. Tatsuki Senkashiyato. In weißen, dünnen Buchstaben liebevoll eingraviert. Darunter in einer kleineren Schrift "Auf ewig geliebter Sohn und Medizinstudent. Möge Gott für immer über deine reine Seele ruhen". Darunter war sein Geburts- und sein Todesdatum angebracht. Rechts neben dem Grab befand sich eine Engelsfigur, die schützend ihre Hand über dem Grabstein hinhielt. Chiaki schüttelte fassungslos seinen Kopf. Der Junge war vor einer Woche gestorben. Seine Hände zitterten, sein Gesicht war kreidebleich. Ihm war übel.
Gleich nachdem er den Kälteschauer über seinem Rücken verspürt hatte, googelte er schnell nach einem Friedhof in der Nähe des Opfers. Als er einen einzigen Treffer in diesem Umkreis fand, machte er sich schnell auf den Weg dorthin. Während der Fahrt hatte er gebetet, dass er mit seiner Vermutung falsch läge. Doch als er ziemlich verschwitzt ankam und sich durch die Reihen der Gräber durchwühlte und schließlich das Schild mit der Aufschrift "Bestattungen ab 2017" fand, brauchte er nicht mehr lange zu suchen. Tatsukis Grabstein stach durch die Größe seines Grabsteins aus allen anderen Gräbern hervor. Außerdem brannten viele Kerzen rund um das Begräbnis herum.
Obwohl er den Jungen nicht gekannt hatte, spürte er direkt, dass dieser einen qualvollen Tod erlitten hatte. Er konnte nicht mit Bestimmtheit sagen, was passiert war aber er fühlte Schreckliches. Und dieses Gefühl schlang ihm die Kehle zu.
"Kannten Sie meinen Sohn?"
Die plötzliche Männerstimme hinter dem Blauhaarigen ließ ihn hochschrecken und abrupt umdrehen.
Woher kam der Mann? Seit wann stand er schon hier?
Chiaki schluckte, musterte den älteren Herren in einem schwarzen Wintermantel und schwarzem Hut. Seine Augen konnte er nicht erkennen. Seine Hände hielt er in seinen Jackentaschen versteckt. Das Einzige, was Chiaki aus dem Gesicht des Mannes erkennen konnte, war, dass dieser ebenfalls kalkweiß abfärbte.
"Kannten Sie Tatsuki?", wiederholte er seine Frage und hob nun seinen Kopf etwas an.
Chiaki räusperte sich und verneinte stumm mit seinem Kopf. Irgendetwas verschlug ihm die Sprache.
"Aus welchem Grund stehen Sie dann hier, vor seinem Grab?", erkundigte sich Tatsukis Vater und blickte den Blauhaarigen ernst an.
Es dauerte eine Weile, bis dieser seine Sprache endlich wiederfand. "Ich...Nein, ich kannte ihn nicht. Eine Person, mit der ich eng verbunden war, liegt hier begraben. Ich habe sie besucht und wollte gerade gehen, als mir das Grab von Ihrem Sohn aufgefallen war. Ich bin ebenfalls Medizinstudent, wissen Sie und es ... es ist wirklich grauenhaft, dass er so jung gestorben ist. Mein Beileid" Chiaki streckte ihm seine Hand hin.
Tatsukis Vater nickte stumm und erwiderte kurz den Handschlag.
"Verstehe. Mein Name ist Hayato Senkashiyato. Und Sie sind?"
"Chiaki Nagoya", antwortete er und verzog seine Lippen ein klein wenig zu einem Lächeln.
Er war sich bewusst, dass er soeben wieder gelogen hatte. Seine Mutter und seine Schwester lagen auf einem anderen Friedhof begraben. Aber Hayato ließ ihm andere keine Wahl.
"Nun, Chiaki, mein Beileid auch für Sie"
"Danke. Das ist ehrlich gesagt schon etwas her, dass sie gestorben ist aber trotzdem. Es tut immer noch weh" Dann wechselte er schnell das Thema. Er wollte nicht über seinen Kummer mit Hayato sprechen. Ihn interessierte stattdessen, was mit Tatsuki geschehen war und so erkundigte er sich möglichst vorsichtig bei seinem Gesprächspartner über die Todesursache.
Dieser wandte den Blick zum Grab ab und schaute lange mit einem versteinertem Blick dorthin. Chiaki wollte sich schon für seine unangebrachte Neugier entschuldigen als Hayato plötzlich seufzend zu sprechen begann.
"Unfall" Er schloss für einen kurzen Moment seine Augen um sie dann wieder zu öffnen. "Lassen Sie uns gehen, Chiaki. Es fällt mir immer noch sehr schwer, hier zu stehen und seinen Namen zu lesen. Nie hätte ich gedacht, dass mein eigener Sohn vor mir seine ewige Ruhe finden würde. Dabei....dabei hatte er noch so viele Pläne für sein Leben gehabt. Ich bin mir sicher, aus ihm wäre ein ausgezeichneter Arzt geworden" Hayatos Unterlippe fing leicht zu beben an.
Chiaki sah ihm an, dass er mit den Tränen kämpfte. Hayato versuchte sich mit allen Kräften zu halten.
"Ja, lassen Sie uns gehen. Es tut mir leid, dass ich Sie gefragt habe, Herr Senkashiyato. Ich ... es geht mich nichts an. Sie müssen nicht darüber reden"
"Schon gut", warf der Angesprochene trocken ein und machte sich mit Chiaki auf -Richtung Ausgang.
Auf dem Weg entschied sich Tatsukis Vater doch noch dafür, die Geschichte seines Sohnes zu erzählen. "Er war an diesem einem Nachmittag unterwegs von der Uni nach Hause gewesen. Mitten auf dem Weg bemerkte er eine Unfallstelle und eine verletzte Frau neben dem Wagen, der auf dem Nothaltestreifen seitwärts umgekippt lag. Wahrscheinlich hatte sie die Kontrolle über ihr Auto verloren und ist in die Leitplanke gerast. Tatsuki hat mich angerufen und Bescheid gegeben, dass er den Krankenwagen rufen und sich verspäten würde. Keine zwanzig Minuten später wurde er selbst von einem vorbeifahrenden Wagen erfasst. Er hat lange  um sein Leben gekämpft. Doch die Verletzungen waren so arg, dass er den Kampf am Ende verloren hatte. Durch seine Alarmierung des Notrufs hatte die Frau überlebt. Für ihn jedoch...."
Chiaki schüttelte bedauernd seinen Kopf. "Ja, das ist wirklich grausam. Das Leben kann echt hart sein. Heute lebt man und ist glücklich und morgen...morgen kann es dich nicht mehr geben. Ich wünsche Ihnen von Herzen viel Kraft, dieses furchtbares Ereignis durchzustehen"
Tatsukis Vater nickte abermals und bedankte sich bei Chiaki. Dann verabschiedete sich Hayato und stieg in seinen Wagen und verließ den Friedhof.
Chiaki saß noch lange grübelnd in seinem Auto und lauschte der unheimlichen Stille. Tatsukis Vater tat ihm leid. Er konnte sich gut vorstellen, wie schwer die nächsten Wochen und Monate für die Familie werden würden.
Dieser unerwartete Vorfall hatte den Blauhaarigen vollkommen aus dem Konzept gebracht. Er überlegte ob er nach Hause fahren sollte, entschied sich aber dann einen anderen Weg einzuschlagen. Schließlich musste er herausfinden, was das von Seiten Black Smokes sein sollte. Warum ließ man ihn einen Toten jagen? Was zum Henker steckte dahinter? Wollte sich Noyn über ihn lustig machen? Er konnte keinen Reim auf diesen absurden Auftrag finden....

"Sindbad, wie nett von dir, dass du hier auftauchst, nach all dem was du uns mit Jeanne angetan hast!",begrüßte Noyn ihn als er den langen Saal mit einer wütenden Miene durchschritt und vor Noyns Thron stehen blieb.
"Was sollte das mit Tatsuki?", fuhr er seinen Befehlsgeber direkt an.
Dieser fing aus vollem Hals an zu lachen. "Ah wie ich sehe, hast du den Köder geschluckt! Du musst doch zugeben, dass es keine so schlechte Idee war, dich mit so einem Gegenangriff aus der Rage zu bringen"
"Verdammt! Der Junge ist tot! Da bist du entschieden zu weit gegangen!", rief Sindbad.
Noyn biss sich auf die Unterlippe und erhob sich mit einem funkelndem Blick von seinem Platz um direkt auf seinen Diener zuzuschreiten. "Ach ja? Ich bin zu weit gegangen? Jetzt pass mal auf, mein Lieber! Ich habe dir den Auftrag gegeben, Jeanne auszubilden. Du hattest mein vollstes Vertrauen dafür. Und was tust du? Ein klitzekleiner Druck auf deine Freundin und sie bricht schon gleich zusammen! Ich wollte sie testen. Doch du musstest dich unbedingt einmischen und all unsere Pläne, die wir jahrelang aufgebaut hatten, zunichte machen! Nicht ich, DU bist zu weit gegangen! Und das mit Tatsuki war nur ein kleiner Scherz meinerseits. Das war nicht einmal der Anfang meines Gegenangriffs. Vernichten kann ich dich noch nicht. Aber ich werde dich jeden Tag, jede einzelne Minute deines Lebens leiden lassen. Und weißt du wie ich anfangen werde?" Er trat näher an Sindbad heran und streckte seinen Zeigefinger gegen Sindbads Brustkorb. Seine Tonart war äußerst scharf. "Ich werde jeden Menschen, der dir etwas wert ist auf bestialische Weise killen! Und weißt du mit wem ich anfangen werde? Mit deinem Vater. Mal schauen, ob er dir wirklich so viel wert ist, dass du ihn beschützen wirst! Soweit ich weiß, steht ihr in einem nicht so guten Verhältnis zueinander. Wenn er dir tatsächlich gleichgültig ist, wirst du seinen Tod ja leicht wegstecken können, stimmts?"
Sindbad starrte ihn eisig an. Um seine Selbstbeherrschung war es nun vorbei. "Du verdammter Bastard!", schrie er seinen Vorgesetzten laut an und machte sich angriffsbereit.
Noyn lachte ihn fies an und tat einen Schritt rückwärts. "Hm, ich an deiner Stelle würde meine Energie aufsparen bis zum Ernstfall. Ich werde dir nicht sagen, wann ich angreifen werde. Vielleicht jetzt gleich? Beeil dich lieber, bevor es zu spät sein wird!" Ehe Sindbad reagieren konnte, kehrte Noyn ihm den Rücken zu und löste sich auf.
"Nein!", schrie der Blauhaarige aus vollem Hals. Und dann machte er ebenfalls kehrt und begann zu rennen. Auch wenn das Verhältnis zu seinem Vater seit langem angespannt war, wollte er in jedem Fall verhindern, dass Noyn ihn umbringen würde. Er würde es nicht zulassen. Schon allein deswegen nicht, weil da noch etwas war. Dieses klitzekleine Stück. Er spürte es tief in seinem Inneren. Kaiki war sein Vater und er war sein Sohn. Kaikis eigenes Fleisch und Blut. Und diese Vater-Sohn Verbindung reichte dem Blauhaarigen aus, um ihn mit allen Mitteln zu beschützen. Außerdem würde er es sich nie verzeihen können, wenn sein Vater wegen seinem dunklen Job sterben würde. Er konnte schließlich nichts dafür, dass Chiaki sich damals dazu entschieden hatte, Black Smoke zu dienen. Es war allein seine Entscheidung gewesen.
Deshalb rannte er wie ein Verrückter nach draußen um sich zum Krankenhaus hinzubeamen. Dort angekommen, verwandelte er sich in einem sicheren Versteck in Chiaki zurück und eilte schnell in die sechste Etage, wo sich das Chefzimmer befand. Zu seiner Enttäuschung war es drin bereits dunkel gewesen und der Raum war abgesperrt.
Rasch zog er sein Handy aus der Tasche und tippte Kaiki eine Nachricht. "Wo bist du?"
Nervös lehnte er sich mit dem Rücken an die Wand und betete dass Kaiki antworten würde. Zu seiner Überraschung und Erleichterung kam die Antwort ganz schnell. Sein Handy vibrierte in seiner Hand und er schaute aufs Display. "Zu Hause, wieso?"
"Ich komm vorbei", schrieb er schnell zurück und steckte das Telefon weg. Als er wieder gehen wollte, bemerkte er eine Krankenschwester auf ihn zukommen. Er erkannte sie sofort. Es war Naomi Satoshi, eine langjährige Angestellte seines Vaters. Mit achtzehn Jahren hatte sie im Krankenhaus ihre Ausbildung begonnen. Jetzt war sie 24. Doch mit ihren rückenlangen kastanienbraunen Haaren und ihrer schlanken und sportlichen Figur sah sie höchstens aus wie 20, fand er. Er sagte kein Wort, betrachtete sie kurz und fand, dass sie etwas zu sicher auf ihn zuging.
"Hallo Chiaki. Ich habe dich schon lange nicht mehr hier gesehen. Was machst du so spät hier? Suchst du deinen Vater?", lächelte sie ihn an und blieb vor ihm stehen.
Er lächelte etwas irritiert zurück. Das war entschieden kein gutes Timing für ein Plauderchen. "Hab ihn schon gefunden!", beeilte er sich, zu entgegnen und wollte an ihr vorbeigehen.
Zu seiner großen Verwunderung versperrte sie ihm den Weg. "Halt, warte bitte. Es gibt da etwas, was ich mit dir gerne besprechen würde. Es geht um deinen Vater. Es ist wirklich, wirklich sehr wichtig!"
Er versuchte ihren flehenden Blick zu ignorieren. "Naomi, es tut mir echt leid aber das muss warten. Ich bin sehr in Eile"
"Ich verspreche dir, mich zu beeilen. Bitte komm kurz mit. Nur für fünf Minuten"
Der Blauhaarige legte angespannt seinen Kopf in den Nacken, kämpfte mit sich selbst und seufzte schließlich. "Also gut, lass uns gehen. Aber beeil dich bitte"
Zufrieden nickte sie und führte ihn in ein Zimmer nebenan.
Sie schaltete das Licht an, ließ ihn vorgehen und schloss die Tür hinter sich.
Chiaki lehnte sich an eine Massageliege an. "Also? Ich bin ganz Ohr"
Was im nächsten Moment geschah verschlug ihm vollkommen die Sprache.
Naomi begann ihr Schwesternkitteln aufzuknöpfen und schritt langsam auf ihn zu.
"Was...was tust du?! Naomi was soll das?" Er starrte sie ziemlich verdutzt und geschockt an.
Sie lächelte selbstbewusst, warf ihren Kittel zur Seite und präsentierte sich  in Unterwäsche vor ihm. "Chiaki, ich habe so lange auf diesen Moment gewartet. Ich fand dich schon immer sehr attraktiv und.." Naomi legte ihre Hand auf seinen Brustkorb und begann sie nach unten zu führen.
Er hielt sie abrupt auf, griff nach ihrem Handgelenk, hielt es fest und schaute sie verärgert an.
"Naomi, lass das! Ich habe wirklich keine Zeit. Und abgesehen davon, wie kommst du darauf, dass ich mit den Angestellten meines Vaters in die Kiste springe? Tut mir leid aber.." Er schüttelte entsetzt mit dem Kopf und schob sie gezielt zur Seite.
Naomi schluckte, schnaufte boshaft und warf ihm einen scharfen Blick hinterher. "Das wirst du noch bereuen Nagoya! Du bist genauso arrogant wie dein Daddy. Wie kannst du es wagen, mich einfach abzuweisen? Ich werde das nicht auf mir sitzen lassen!", schrie sie ihn an.
Er blieb an der Tür stehen und fuhr zu ihr herum. Diesmal schaute er sie etwas milder an. Zuerst suchte er nach tröstenden Worten und überlegte einen kurzen Augenblick. Dann atmete er lange aus.
"Naomi, hör zu. Es tut mir leid. Ich entschuldige mich für meine gewählte Tonart. Das war nicht korrekt gewesen. Bitte versteh doch, ich muss im Ernst schnell nach Hause fahren, das ist Erstens. Und zweitens" Er wandte kurz seinen Blick von ihr ab und musterte sie wieder. "Und zweitens, du bist wirklich sehr attraktiv und sexy. Das meine ich ernst. Aber ..."
"Es gibt bereits jemanden in deinem Leben, stimmts?", vollendete sie seinen Satz mit einer Frage.
Er nickte. "Ja"
Sie nickte ebenfalls geschlagen. "Dann geh!", flüsterte sie frustriert. "Verschwinde!"
Er versuchte einen Schritt auf sie zuzugehen aber sie drehte ihm den Rücken zu.
"Naomi, ich..."
"Ach jetzt mach dich vom Acker! Bitte."
Er seufzte, schüttelte den Kopf, verdrehte seine Augen und ging.
Was war das nur für eine Zeit?! Warum zur Hölle geschahen solche irrsinnigen Sachen und dann auch noch zur unpassenden Zeit?!
Chiaki wurde unruhig, zwang sich das eben Geschehene schnell wieder aus dem Kopf zu werfen, schloss die Tür hinter sich und rannte den Flur entlang zum Treppenhaus um möglichst schnell zu seinem Vater zu eilen....

Marron und Miyako saßen zur selben Zeit in einem Speiselokal im Florence- Park. Da Miyako am nächsten Tag ihren Außendienst wieder antreten durfte, wollte sie dieses bevorstehende Ereignis mit ihrer Freundin bei einem Essen feiern.
Marron wunderte sich anfangs, weshalb Miyako mit dem Innendienst bestraft wurde, doch Miyako winkte direkt mit einem nervigem Blick ab. "Das weißt du doch schon alles. Ich möchte die Story nicht noch einmal erzählen", war alles, was sie ihr entgegnet hatte.
Marron lugte auf ihre Armbanduhr und gähnte. Es war bereits nach 22:00 Uhr. Und sie war müde.
"Ich glaube, es wird langsam Zeit, dass wir gehen, Miyako. Wir sitzen schon seit drei Stunden hier", bemerkte sie und blickte sich angespannt um.
Dabei kam Miyako nicht umhin festzustellen, dass Marron sich seit sie hier angekommen waren, viel zu oft umschaute.
"Sag mal Marron, ist was? Stimmt was nicht?", hakte sie nach und fing sich seitens Marron einen überraschten Blick ein.
"Wieso? Wie kommst du drauf?"
"Na ja, du bist den ganzen Abend lang so komisch. Wieso schaust du dich so oft um? Leidest du etwa unter Verfolgungswahn?"
Die Braunhaarige blickte plötzlich nervös zum Boden. "Ich...weißt du, ich hab irgendwie das Gefühl, dass ich hier bereits schon einmal gewesen war. Aber mit jemand Anderem. Ich weiß nur nicht mit wem"
Miyako blinzelte ein paar Mal, wunderte sich und fasste sich nachdenklich ans Kinn. "Hm... vielleicht mit Chi...."Und mitten im Satz brach sie ab. Verdammt! Sie sollte doch seinen Namen nicht vor ihr erwähnen.
"Mit wem?!"
Miyako biss sich auf die Lippe und winkte direkt ab. "Ach vergiss es! Ich Dummerchen, das war ja ich gewesen. Ich war mit Chichi hier einmal gewesen. Ist eine Arbeitskollegin von mir", ließ sie sich schnell einfallen und trank aus Nervosität ihr gefülltes Glas Cola auf Ex aus.
Marron sah sie verwirrt an und seufzte. Nein, sie täuschte sich nicht . Es mochte ja stimmen, was Miyako sagte aber sie fühlte, dass auch sie  schon mal in diesem Restaurant gewesen war. Da war sie sich ganz sicher. Aber mit wem hatte sie dieses Lokal besucht? In ihrem Schädel war eine schwarze Leere. Sie konnte sich nicht erinnern.
"Aber apropos, du hast Recht. Lass uns gehen. Ist echt Zeit, dass wir in die Betten kommen", riss Miyako sie aus den Gedanken und winkte rasch dem Kellner zu.

Chiaki war heilfroh festzustellen, dass es Kaiki gut ging, als er sein Elternhaus betrat.
Obwohl sein Vater sich wunderte, dass sein eigener Sohn nach langer Zeit ihm endlich mal wieder einen Besuch abstattete, sah Chiaki ihm an, dass er sich darüber auch freute.
Kaiki machte Kaffee und reichte seinem Sohn eine Tasse und nahm ihm gegenüber auf der Couch im Wohnzimmer Platz.
Chiaki war wirklich schon eine geraume Zeit lang nicht mehr hier gewesen. Obwohl er hier aufgewachsen war und bis zu seiner Jugend in diesem Haus gewohnt hatte, fühlte er sich beim Betrachten des beige- braunen Raumes seltsam fremd hier. Als ob es nicht sein ehemaliges Zuhause gewesen war.
Irgendwie hatte er Anderes erwartet. Zum Beispiel das Gefühl von Wärme und Vertrautheit.
Kaiki schlürfte etwas von dem Getränk und stellte die Tasse auf dem Unterteller leise ab. "Nun, Sohnemann, obwohl ich mich sehr freue, dich zu sehen, frage ich mich trotzdem, was dich hierherführt. Ist etwas vorgefallen? Geht es um Marron?",fragte er vorsichtig.
Chiaki wurde unruhig, stand von seinem Platz auf und ging auf den Balkon zu. Vor den Vorhängen blieb er stehen und starrte in die Nacht hinaus.
"Ich wollte dich besuchen, nach dir sehen. Mit Marron ist alles in Ordnung", log er und vermied Kaiki anzusehen.
Dieser fing an zu lachen. "Ach komm, Sohnemann. Denkst du etwa, ich kenne dich nicht? Immer wenn du lügst, guckst du weg. Das war schon in deiner Kindheit so gewesen. Und du hast dich in dieser Hinsicht kaum verändert. Außerdem pflegst du kein gerade gutes Verhältnis zu mir. Wieso solltest du also nach mir sehen wollen? Da stimmt doch etwas nicht. Hab ich Recht?"
Chiaki öffnete den Mund, drehte sich zu Kaiki um und schloss ihn wieder. Er wurde noch einen Tick angespannter.
Als Kaiki weiter zu sprechen anfangen wollte, unterbrach ihn Chiaki unerwartet. "Ich will nicht reden. Ich möchte nur ein paar Stunden hier verbringen und dann fahre ich wieder. Ich hoffe, das ist in Ordnung für dich"
Kaiki zuckte gleichgültig mit den Schultern. "Sicher. Tu, was dir lieb ist. Schließlich ist es immer noch dein Zuhause. Also machs dir bequem"
"Schön", war alles, was Chiaki entgegnete. Die nächste halbe Stunde verbrachten beide in Schweigsamkeit.
Irgendwann hielt es der Chefarzt nicht mehr aus und fing von sich aus zu reden an.
"Chiaki, hör zu. Ich will nicht,dass es so weiter geht mit uns. Ich sehe ein, ich habe einen großen Fehler gemacht damals mit...mit Chisato. Was ich will, ist, dass du mir zuhörst. Wenigstens ein einziges Mal"
Sein Sohn schnaufte, warf genervt seinen Kopf zur Seite und schloss seine Augen. "Da gibt es nichts mehr zu bereden, Vater. Was du getan hast, ist in meinen Augen unverzeihlich!", warf er ihm wütend vor und begann im Raum auf und abzuschreiten.
"Verdammt, Chiaki, begreifst du denn nicht, ich habe deine Mutter beerdigt, der Tod deiner Schwester .... raubte mir damals die Kraft. Ich konnte es nicht. Ich konnte nicht zu ihrer Beerdigung erscheinen. Das war zu viel gewesen. Einen weiteren Menschen, den ich unendlich in mein Herz geschlossen hatte, unter die Erde zu bringen, war...war mehr, als ich damals verkraften konnte", versuchte er sich zu verteidigen.
Chiaki starrte ihn bitterernst an. "Das leuchtet mir ja ein. Das wäre noch irgendwie nachvollziehbar gewesen, wenn du dich nicht stattdessen mit einer deiner Liebschaften zu Hause getroffen hättest!"
"Sie war nur da, um ihr Beileid auszudrücken! Zwischen uns war an dem Tag nichts gewesen! Für wie absurd hälst du mich eigentlich?!"
"Ach, hör doch auf! Ich..." Chiaki schüttelte seinen Kopf. Immer und immer wieder. "Ich will diese Lügenmärchen nicht hören! Ich habe doch gesehen, wie sie dich an diesem Tag angesehen hatte! Und findest du nicht, dass ihr schwarzes Kleid einwenig zu kurz und zu eng für einen Trauerfall war? In so einem Outfit kommt man nicht zu jemanden, dem man sein Beileid ausdrücken will!"
Kaiki seufzte, verdrehte verzweifelt seine Augen und versuchte die Nerven zu bewahren. Die Diskussion drohte wieder in einen Streit überzulaufen. Und das wollte er unbedingt verhindern.
Er fuhr sich übers Gesicht. "Himmel, Chiaki, natürlich hast du Recht. Ihr Outfit war in der Tat etwas unpassend gewesen. Aber ich habe an diesem Tag nicht darauf geachtet. Es hat mich nicht interessiert. Sie kam, um ihr Beileid auszusprechen. Herrgott nochmal, vielleicht.... womöglich wollte sie sogar mehr aber ich habe sie gleich nachdem du gegangen bist von hier weggeschickt. Zwischen uns war nichts gelaufen! Das musst du mir glauben. Und soll ich dir noch etwas offenbaren? Du denkst, dass ich Chisato an diesem Tag nicht besucht habe auf dem Friedhof, stimmts?" Er sah seinen Sohn ernst an. Dieser starrte voller Bitterkeit zurück.
"Ich war da gewesen. Abends. Ich bin hingefahren und habe die halbe Nacht vor ihrem Grab verbracht"
Chiaki zog verwundert die Augenbrauen in die Höhe. "Ach ja? Wieso hast du es mir nie erzählt?"
Eine Weile schaute Kaiki seinen Sohn unschlüssig an. Er wollte nicht reden. Nicht darüber. Aber zur gleichen Zeit wusste er auch, dass es seine letzte Chance war, das Verhältnis zu seinem Sohn einigermaßen auf die Reihe zu bekommen. Also entschloss er sich, ihm endlich die Wahrheit zu sagen.
"Weil du mir seitdem nie mehr die Chance dazu gegeben hattest, es dir zu sagen. Und weil...weil ich Angst hatte"
"Angst?"
"Ja"
"Vor was?"
"Ich bin bei Weitem nicht so stark wie du. Bei der Beerdigung deiner Mutter habe ich mich sehr bemüht, stark zu sein. Innerlich jedoch war ich fix und fertig. Die Tränen... ich habe sie unterdrückt. Immer und immer wieder. Weil ich stark sein musste. Für dich und für Chisato. Nachts, als ihr beide schon im Bett wart, habe ich geweint. Ich habe sie geliebt. Deine Mutter war die Liebe meines Lebens. Es fällt mir immernoch sehr schwer, ihren Weggang zu verkraften. Sie fehlt mir. Jeden Tag.
Als Chisato... ich konnte nicht Chiaki. Ich konnte nicht dabei zusehen, wie ihr Grab unter die Erde herabgelassen wurde. Ein zweiter Tod in unserer Familie..."
Er atmete tief ein und aus. "Verzeih mir, Chiaki. Ich wollte nicht vor dir weinen. Deshalb blieb ich zu Hause. Ich musste mich sammeln, damit ich später für dich da sein könnte. Aber du hast mich seitdem nur noch abgeblockt. Ich zeige es dir nicht so offen aber ich vermisse dich. Du bist alles, was mir noch geblieben ist. Es tut weh, dass du mich nicht mehr an dich heranlässt. Nun... jetzt kennst du die Wahrheit. Wenn du dich weiterhin von mir distanzieren möchtest, dann werde ich das wohl akzeptieren müssen. Eines musst du mir jedoch versprechen. Pass bitte immer gut auf dich auf. Denn... einen weiteren Tod werde ich nicht überleben können. Du bist der einzige Grund, weshalb ich überhaupt noch am Leben bin. Du bist Alles für mich, mein Sohn. Ich bin sehr stolz auf dich. Jeden Tag"
Der Blauhaarige blieb stumm auf der Stelle stehen, wusste nicht, was er sagen sollte. Mit so einer Wendung hatte er nicht gerechnet. Alles hätte er erwartet aber nicht das. Dabei war ihm klar, dass sein Vater die Wahrheit gesagt hatte. Er spürte es. Allerdings fiel es ihm noch sehr schwer, über seinen Schatten zu springen und sich mit Kaiki zu versöhnen...

Marron und Miyako hatten soeben das Restaurant plaudernd verlassen und liefen durch den Park zur Straße, um sich ein Taxi nach Hause zu schnappen.
"Kinder, ihr seid noch hier?", hörten sie plötzlich eine bekannte Stimme auf sie zukommen.
Vor ihnen, aus dem Schatten, trat Miyakos Vater hervor.
"Hallo Paps! Was machst du hier?"
"Ich hatte hier einen Einsatz. Ein Betrunkener, der randaliert hatte. Die Kollegen haben ihn mitgenommen. Jetzt wollte ich eigentlich heimfahren. Für euch wird es aber auch schon Zeit, in die Betten zu gehen", stellte er ernst fest.
"Ja, Sie haben Recht, Herr Todaj. Wir waren gerade auf dem Heimweg", erwiderte Marron und lächelte ihn an.
"Gut. Dann nehme ich euch mit"
Die Mädels nickten und folgten ihm.


Gerade als Chiaki nachgeben und zu seinem Vater etwas sagen wollte, spürte er, wie sein Telefon kurz aufklingelte. Er zog es aus seiner Hosentasche und öffnete Noyns Nachricht. Ein Bild und ein Text darunter. "Schau mal, wen ich hier getroffen habe! Komm als du selbst hierher, sonst sterben sie alle drei hier!"
Er schluckte, blinzelte und merkte, wie ihm auf einmal schwarz vor Augen wurde.
Noyn hatte mit ihm gespielt! Er hätte wissen müssen, dass sein Vater nicht das wahre Opfer von Noyn sein würde.....
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast