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Schwarze Liebe

von Liaya
GeschichteMystery / P18 / Gen
29.11.2017
08.05.2018
34
122.437
6
Alle Kapitel
59 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
06.01.2018 3.075
 
Hallo liebe Leser/innen,

nun, ich präsentiere hier das 21. Kapitel dieser Fanfic. Ich habe lange überlegt, ob ich es so hochladen soll aber da die FF mittlerweile fertig geschrieben ist, habe ich beschlossen, nichts mehr großartiges an den Kapiteln zu verändern. Mir bleibt zu hoffen, dass es für euch immernoch spannend ist. Diejenigen, die am Ende dieses Kapitels denken werden, was das soll, bitte ich um Geduld. Es wird sich alles aufklären ;)

Nochmals Danke an dieser Stelle für die letzten E-Mails von euch, ich freue mich wirklich sehr, dass ihr mit Spannung dranbleibt :)

Mit  lieben Grüßen,

Liaya


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Kapitel 21- Eine qualvolle Entscheidung

Obwohl er ihr nur in die Augen sah, spürte sie seinen Blick in ihrem ganzen Körper. Er durchbohrte sie mit seinen Augen und sie fühlte sich paralysiert. Jeanne war nicht imstande zu atmen, zu fühlen geschweige denn davon, sich zu bewegen.
Erst als Sindbad ganz vorsichtig seine Hand auf ihren Rücken legte und behutsam über die Stelle strich, kam wieder etwas Leben in sie hinein.
Und doch wehrte sich alles in ihr in diesem langen, gruseligen Saal zu stehen und von ihm, dem Boss angesehen zu werden. Sie spürte, dass hier etwas nicht stimmte. Irgendetwas war faul. Und es jagte ihr Angst ein. Aber sie konnte nichts tun als nur dazustehen und ihrem Gegenüber fassungslos in die Augen zu schauen.
"Wunderschön", sagte er zu ihr und riss sie aus ihren Gedanken.
Sie horchte auf.
"Du bist in der Tat bildhübsch, Jeanne. Ich hätte nicht gedacht, dass aus Marron Kusakabe solch eine Schönheit von Kämpferin entsteht"
Sie räusperte sich, zwang sich zur Beherrschung. "Und Sie sind?" Ihre Stimme kippte fast bei der Frage.
Der Mann in Schwarz schritt näher an sie heran. Marron wurde blass.
Sindbad stand neben ihr und hielt sie an einem Zipfel ihres Kostüms hinter ihrem Rücken fest. Sie sollte spüren, dass sie nicht alleine war. Und falls etwas schief gehen sollte, würde er sie beschützen.
Der Boss lächelte teuflisch und schenkte ihr im selben Moment eine Verbeugung. "Du hast Recht. Wie unhöflich von mir, dass ich dich mit Namen anspreche, mich selbst aber nicht vorstelle. Mein Name ist Noyn Claude. Ich bin der Herrscher über die Unterwelt und ich möchte, dass du dich uns anschließt"
Sie starrte ihn entgeistert an, wusste nicht, was sie entgegnen sollte. Und ob sie überhaupt etwas antworten sollte. Innerlich war sie kurz davor loszuschreien.
"Nun ich nehme an, du hast Fragen an mich, Jeanne. Aus diesem Grunde bist du doch hier oder etwa nicht?"
Sie öffnete den Mund, versuchte zu schlucken, bekam aber den dicken Kloß nicht hinunter.
"Anschließt? Inwiefern?", stotterte sie.
"Im direkten Sinn. Du wirst für uns gegen Dämonen kämpfen, sie einfangen und sie zu uns bringen. Das, was du bereits die ganze Zeit schon tust", sagte er ernst.
Sie nahm einen tiefen Atemzug und versuchte möglichst ruhig zu bleiben.
"Was geschieht mit ihnen? Was machen Sie mit den eingefangenen Dämonen, nachdem wir sie zu Ihnen gebracht haben?"
Noyn zog überrascht die Augenbrauen hoch. "Oha, nicht schlecht. Mit dieser Frage hast du mich jetzt wirklich erstaunt. Sindbad wollte soetwas nicht wissen, nicht wahr?" Er ließ einen unbeschreiblichen Blick zu ihm schweifen. Sein Diener blinzelte, blieb aber still.
Noyn strich mit seinem Zeigefinger nachdenklich über sein Kinn ehe er zu einer Antwort ansetzte.
"Du bist ziemlich neugierig, meine Liebe. Das habe ich schon befürchtet. Allerdings bleibe ich dir die Antwort schuldig. Fürs Erste zumindest. Du wirst es noch früh genug erfahren"
Sie biss sich auf die Unterlippe, zögerte, überlegte sich ihre Entscheidung sehr gut, ehe sie ihm antwortete.
"Dann werde ich nicht für Sie arbeiten. Ich will die ganze Wahrheit über meinen Job wissen! Ich will wissen, wozu Sie die Dämonen einsammeln!" Ihr Ton war leise aber bestimmt.
"Jeanne!", wisperte Sindbad ihr zu und versuchte sie dadurch zur Besinnung zu bringen.
"Lass Sie, Sindbad", befahl Noyn ihm und wandte sich der Blonden wieder zu.
"So so... du verweigerst also deinen Dienst, wenn ich dir nicht das sage, was du hören möchtest, habe ich dich richtig verstanden?"
Er streckte seine Hand aus, strich ihr eiskalt mit seinem Zeigefinger über ihre Wange, durchbohrte sie mit seinen weiten, schwarzen Pupillen.
Sie erschauderte, versuchte ihr Gesicht von ihm wegzudrehen. Er ließ es jedoch nicht zu.
Sindbad ballte im Stillen seine Fäuste. Er konnte die angespannte Situation zwischen dem Boss und seiner Geliebten nicht länger ertragen. Er machte sich darauf gefasst, jeden Augenblick angreifen zu können.
"Schau mir in die Augen Jeanne und wiederhole das, was du eben gesagt hast. Dass du uns nicht dienen wirst!", zwang Noyn sie und sah sie erbarmungslos an.
Ihr Körper zitterte. Doch sie entschied sich, bei ihrer Forderung zu bleiben. Woher sie den Mut aufbrachte, die Worte "Ich will es wissen!" auszusprechen, wusste sie nicht. Aber sie fühlte einen inneren Drang in sich, der Wahrheit und zwar der ganzen Wahrheit auf die Spur zu kommen.
Zu ihrer Verwunderung ließ Noyn von ihr ab und trat einen Schritt rückwärts.
Sein Ton wurde harsch. Seine Augen funkelten sie heftig an. "Du bist ganz schön mutig, weißt du das? Und dumm! Ich habe dich gewarnt, war bereit dir noch eine zweite Chance zu geben. Und was tust du? Du zerstampfst sie mit deinen Füßen! Wie arglos von dir!" Er wurde kurz still und lachte hinterhältig auf.
Sie schluckte, hielt seinem Blick stand.
Sindbad packte sie am Handgelenk und drückte mit zusammengebissenen Zähnen fest zu. Sie ignorierte es.
"Nun, dann bleibt mir wohl keine andere Wahl als..." Der Schwarzhaarige ließ ein Foto in seiner Hand erscheinen, betrachtete es kurz und hielt es ihr hin.
Bei dem Anblick dieser Person wurde Jeanne übel. Ihre Pupillen weiteten sich. In ihrem Magen begann sich ein Knoten zuzuschnüren.
"Kennst dieses Mädchen?", fragte Noyn amüsiert und ließ ihr keine Zeit zum Reagieren. "Na klar kennst du sie. Miyako Todaj. Deine beste Freundin, nicht wahr?"
Er schaute Jeanne eindringlich an.
Sie schüttelte schockiert ihren Kopf. "Was.... was soll das?"
"Weißt du, was ich mit ihr anstellen werde, wenn du dich mir nicht fügen wirst? Ich sage es dir. Hör gut zu! Ich werde sie aufsuchen. Ihr auflauern, wenn sie alleine sein wird. Früher oder später wird sie das sein. Und es wird mich nicht kümmern, wo das sein wird. Ich schrecke selbst nicht vor der Toilette zurück! Nun, nachdem ich sie aufgesucht haben werde, werde ich vor ihren Augen ein langes Messer ziehen. Sie wird schreien wollen aber ehe sie die Chance dazu haben wird, werde ich ihr die rasierscharfe Klinge in ihren Bauch rahmen und sie bis nach oben hin zu ihrem Brustkorb aufschlitzen. Schön langsam. Eines kannst du mir glauben, ich werde es in jeder Zelle meines Körpers genießen! Und anschließend werde ich ihr weinrotes Blut vom Messer ablecken. Na wie gefällt dir diese Vorstellung?
Wenn du möchtest, kann ich dich zu diesem Schauspiel mitnehmen. Oder ich schicke dir eine Aufnahme davon, damit du schön nachts davon träumen kannst!" Er ließ seiner Drohung ein langes  grelles Lachen folgen.
"Übrigens- die Polizei zu informieren nützt nichts. Sie sind alle machtlos gegen mich. Das leuchtet dir doch ein. Oder?
Und nun frage ich dich, Jeanne -die Gebieterin des Teufels, wirst du dein Leben weiterhin ganz normal leben können, in dem Wissen, dass du deiner besten Freundin das Leben genommen hast?"
Sie erstarrte. Wurde noch blasser, als sie es schon war. Biss sich so fest auf die Zähne,dass sie knirschten und schüttelte ihren Kopf. Zuerst langsam, dann immer heftiger. "NEIN!!!!!!! Nein, nein! Das können Sie nicht tun! Nein!!!", schrie sie hasserfüllt und merkte, wie ihr bei dieser grauenhaften Vorstellung die Tränen hochkamen.
Sindbad war ebenfalls geschockt. Dass sein Boss so dermaßen weit gehen konnte war ihm nie bewusst gewesen. Nie. Bis zu jenem Zeitpunkt. Erst jetzt schien er wahrhaft zu erkennen, wie gnadenlos die Organisation in der Tat sein konnte. Mit welchen dreckigen Mitteln sie arbeiteten. Mit einem fassungslosen Blick sah er zuerst seinen Boss an und dann etwas milder Jeanne. Und er hasste sich. Er hasste sich zutiefst, dass er sie hierhergeführt hatte. An einen Ort, der für Jeanne nicht hätte schlimmer sein können. Mit jeder vergehenden Minute realisierte er immer mehr, was er ihr damit angetan hatte. Sein Puls fing an langsam zu gefrieren. Er wusste, Noyn hatte sie jetzt in der Hand. Und sie konnte nichts dagegen tun. Sie war machtlos. Und sie würde sich fügen müssen. Das zweite Mal in seinem Leben bekam Sindbad höllische Angst um Jeanne. Sein eigenes Leben war ihm egal. Aber ihres...Sie war noch viel zu jung...
Und die Organisation hatte sie jetzt schon gebrochen. Nie... nie mehr würde sie so sein wie vorher. Er schloss reuevoll seine blauen Augen, presste seine Lippen hart aufeinander und ballte seine Fäuste. Sein Hals schnürte sich zu. Er hatte das Gefühl jeden Moment zu ersticken.
Jeanne ging es nicht anders. Ihre Tränen bannten sich ihren Weg nach draußen. Sie begann zu schluchzen. Hemmungslos und laut. "Das ist nicht wahr! Das kann nicht wahr sein! Das ist ein Traum!!", schrie sie immer wieder und starrte den Boss voller Zorn an.
Dieser lächelte ihr fies zu. "Tja, ich habe dich ja gewarnt. Jetzt hast du ungefähr eine Vorstellung davon, was bei uns mit denjenigen geschieht, die sich uns widersetzen. Oder hast du etwa gedacht, du wärst hier in einem Wunschkonzert? Das ist nicht der Fall! So, ich bin fertig für den Abend! Ihr könnt jetzt gehen. Morgen will ich eine Entscheidung von dir hören, Jeanne. Teil mir mit, was du tun wirst! Immerhin bin ich gnädig und gebe dir 24 Stunden Zeit, um das Ganze zu bedenken. Das ist fair meiner Meinung nach"
Sie war nicht in der Lage, ihm eine Antwort zu geben. Seine Bedenkzeit beruhigte sie nicht. Im Gegenteil. Dadurch realisierte sie noch mehr, wie eng seine Fesseln bereits um ihren Körper geschlungen waren. Wie tief sie in dieser dreckigen Welt bereits drinsteckte, obwohl sie erst vor kurzem da angefangen hatte.
Sie fühlte sich wie eine Marionette, die an seinem Galgen hing.

Wie sie aus dem Raum wieder herauskam, erinnerte sie sich nicht. Sie wusste nur noch, dass ihr irgendwann schwarz vor Augen wurde und sie umkippte.
Als sie wieder zu sich kam, fand sie sich in ihrer eigenen Wohnung auf der Couch liegend. Das Erste, was ihr auffiel, waren höllische Kopfschmerzen, die sie hatte. Marron versuchte zu blinzeln und merkte, dass ihre Sicht vollkommen verschwommen war.  Benommen versuchte sie sich aufzurichten und spürte, dass die Schmerzen in ihrem Schädel noch schlimmer wurden. Mit zusammengebissenen Zähnen hielt sie sich die Hand an ihren Hinterkopf und schlug ihre Augen zu.
Im nächsten Moment hörte sie ihre Wohnungstür aufgehen und wieder zuschlagen. Ziemlich angespannt versuchte sie einen Blick in die Diele zu werfen und sah Chiaki auf sie zukommen. Und mit ihm kamen ihre Erinnerungen wieder hoch. Erinnerungen, auf die sie lieber hätte verzichten können. Im selben Augenblick fragte sie sich, warum es zum Herrgott nochmal nicht möglich war, dass man nach einem schlechten Erlebnis einschlief um am nächsten Morgen in einer neuen Welt aufzuwachen. In einer Welt ohne Sorgen. Ohne Schmerz und Verzweiflung.
Chiaki nahm neben neben ihr auf der Couch Platz. Sein Gesichtsausdruck war ernst. Er legte seine Hand auf ihr Knie. "Wie fühlst du dich?"
Sie räusperte sich, spürte, dass ihr Mund ausgetrocknet war. Dennoch bemühte sie sich zu sprechen.
"Beschissen"
Er nickte stumm. Sein kalkweißes Gesicht fiel ihr direkt auf. Er sah buchstäblich wie ein Gespenst aus. Seine Augen wirkten übermüdet.
Und dann kamen sie. Die Worte aus seinem Mund, die sie wahrscheinlich nie vergessen würde.
"Marron,ich habe lange überlegt..."
"Chiaki, ich will nichts hören!", unterbrach sie ihn und starrte ihn mit einem kühlen Blick an.
"Marron, lass mich ausreden, bitte. Während du die letzten acht Stunden geschlafen hast, habe ich nachgedacht. Bitte verzeih mir, dass ich alles über deinen Kopf hinweg entschieden habe aber ich hatte keine andere Wahl" Er holte tief Luft, registrierte ihre angstvollen Augen und redete weiter. Leise und ernst. "Die Situation, in der wir uns gerade befinden ist gravierend. Marron.... es fällt mir nicht leicht aber ich werde deinen Wunsch erfüllen"
Sie starrte ihn verständnislos an. "Wie meinst du das?!"
"Ich werde sämtliche deiner Erinnerungen auslöschen. An Jeanne, an die Dämonen, an Black Smoke und auch an...." Er zögerte kurz. "Und auch an mich", vollendete er seinen Satz schließlich schwer.
Sie verstand es nicht. "Was soll das jetzt noch bringen?", fragte sie irritiert und schluckte.
"Noyn wird dadurch keinen Anreiz mehr haben, Miyako zu töten. Überleg doch mal. Das Einzige, was Noyn will, ist dass du ihm dienst. Miyako interessiert ihn nicht das Geringste. Nachdem Jeanne von der Bildoberfläche verschwindet, wird es Noyn nichts mehr nützen, deine Freundin zu töten. Und hinter dir wird er auch nicht mehr her sein. Nachdem ich dir dein Gedächtnis wegnehme, wirst du wieder ein ganz normales Mädchen sein. Marron Kusakabe. Jeanne wird für dich nie existiert haben. Du wirst dein altes Leben wieder weiterleben. Glücklich. Wirst...." er seufzte schwer, traute sich nicht in ihre Augen zu schauen. "...wirst eines Tages deinem Traummann begegnen und mit ihm vielleicht eine glückliche Familie gründen" Er lachte kurz bitter auf "Gut möglich, dass es Minazuki sein wird. Er war so viel ich mitbekommen habe, ja in dich verliebt. Ist es womöglich immer noch"
Fassungslos schüttelte sie ihren Kopf. Versuchte seine Worte zu realisieren. Zu verdauen.
"Nein! Das ist doch absurd! Das glaubst du doch selber nicht! Das.... nein! Ich will das nicht! Das kommt nicht in Frage! Da...da muss es doch auch eine andere Möglichkeit geben! Das ist doch verrückt!", wehrte sie sich. "Und ... und überhaupt wo ist die Garantie, dass Miyako dann in Sicherheit ist?"
"Sie wird es. Ich werde dafür sorgen"
Wieder schüttelte sie ihren Kopf. "Und was ist mit dir? Noyn wird dich sofort umbringen!", rief sie.
Chiaki warf ihr einen liebevollen Blick zu. Den Ersten seit den letzten vergangenen Stunden.
"Ich habe dir schon mal gesagt, mach dir keine Sorgen um mich. Du hast keinen Grund dazu, Marron. Schließlich habe ich dein Leben ruiniert. Und ich kann nicht von dir erwarten, dass du mir das verzeihst. Zudem .... er wird mich nicht töten. Dafür bin ich zu wertvoll. Noch. Wenn Noyn mich umbringt, muss er an meiner Stelle jemand Neuen beschaffen und das möglichst schnell. Dazu hat die Organisation keine Zeit. Ich werde brav meinen Job fortsetzen und nach Dämonen jagen. Solange bis sie mich nicht mehr brauchen. Und dann sollen sie mich ruhig aus dem Leben schaffen. Das ist schon in Ordnung. Ich habe zwei von drei wichtigen Menschen in meinem Leben bereits verloren. Jetzt werde ich auch noch dich verlieren. Es wird keinen Sinn mehr für mich geben, noch weiterhin zu existieren"
Sie sah ihn an. Immer wieder. Drehte ihren Kopf weg und blickte ihm wieder ins Gesicht.
Marron suchte geschockt nach Worten aber in ihrem Kopf herrschte eine Leere. Eine Leere, weil sie nicht begreifen konnte, wie es möglich war, dass er auf eine solch wahnsinnige Idee gekommen war .
Sie versank immer tiefer in ihre Gedanken, starrte den Teppich unter ihren Füßen an, riss den Mund auf und hörte seine Stimme weiterreden.
"Marron" Er drückte sanft ihre Hand. "Wir haben keine andere Wahl. Hätten wir sie, würde ich dir so etwas niemals vorschlagen. Glaub mir bitte, ich bereue es zutiefst, dich da reingezogen zu haben. Dir so viel Schmerz zugefügt zu haben. Ich..." Er atmete tief ein und aus. "Ich wünschte, wir wären uns unter anderen Umständen begegnet.... denn... wenn ich etwas niemals bereuen werde, dann ist es, dich getroffen zu haben. Ich liebe dich wirklich. So sehr, dass es mir das Herz zerbricht, dich loszulassen"
"Warte mal, warte mal.... Mal ganz von der Tatsache abgesehen, dass ich mit diesem irrsinnigen Vorhaben nicht einverstanden bin, was ist wenn Noyn mir meine Erinnerungen wiedergeben wird? Was dann?"
Chiaki verneinte mit seinen Augen. "Unmöglich. Er kann nur denjenigen die Erinnerungen wiedergeben, denen er sie genommen hat. Das ist eine Tatsache, ein energetisches Gesetz. Selbst wenn er es versuchen würde, es würde ihm nicht gelingen. Ich war nicht umsonst zwei Jahre lang in der Organisation. Ich habe sämtliche Regeln und Kodex studiert. Heimlich"
"Ja aber das heißt doch dann, dass du mir die Erinnerungen später wieder geben kannst", sagte sie hoffnungsvoll.
Er sah sie fest an. "Wozu? Um dich an die schlimmste Zeit deines Lebens zu erinnern? Ich sehe keinen Sinn darin, Marron"
Sie stand auf, entriss ihm plötzlich ihre Hand und richtete sich vor ihm auf. "Nein! Ich bin nicht einverstanden! Hörst du?! Ich...."
Chiaki schloss bitter seine Augen, seufzte und stellte sich mit einem niedergeschlagenen Ausdruck vor sie hin. "Ich liebe dich, Süße. Und ich werde es tun, solange ich lebe. Mein Herz gehört dir. Werde ..." Er schluckte schwer, strich ihr zärtlich über die Wange. "Werde glücklich", flüsterte er in ihr Ohr und drückte ihr einen letzten, kurzen Kuss auf die Lippen.
Dann geschah alles ganz schnell. Er berührte sein Kreuz, wurde zu Sindbad und ließ ein grelles Licht erscheinen. Marron stand wie angewurzelt vor ihm, wollte schreien aber bekam keinen Ton heraus. Der Lichtstrahl blendete sie, wurde immer größer.
Irgendwann fand sie die Kraft, kurz aufzuschreien. "Nein!" Doch es war bereits zu spät. Sie konnte sich nicht mehr wehren.
Müde und erschöpft sank sie zu Boden. Sindbad fing sie auf. In ihren Augen war eine niemals dagewesene Leere zu sehen.
Ihre letzten, außer Atem geflüsterten Worte hallten noch lange bei ihm nach.
"Ich liebe dich auch".
Dann schloss sie ihre Augen und fiel in einen tiefen Schlaf.
Ein Schluchzer entrang sich seiner Kehle. Er kniff seine Augen zusammen, fühlte sich abscheulich.
Noch eine Weile lang war der Blauhaarige nicht in der Lage, sich von der Stelle zu rühren. Irgendwann fasste er sich jedoch, strich mit seinem Handschuh über ihre Wange, drückte ihr einen sanften Kuss auf die Stirn und flüsterte "Lebe wohl, mein Engel"
Dann verschwand er rasch im Morgengrauen.....
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