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Schwarze Liebe

von Liaya
GeschichteMystery / P18 / Gen
29.11.2017
08.05.2018
34
122.437
6
Alle Kapitel
59 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
26.12.2017 3.100
 
Halli Hallo,

Es ist der zweite Weihnachtstag und ich poste schön weiter die Fortsetzung der Story :-)
Viel Freude mit diesem Kapitel, ihr Lieben. Für manche kommt es vielleicht unerwartet, andere ahnten es bereits wahrscheinlich schon ))) Lasst euch überraschen!
In diesem Sinne - bis bald )))

Liaya

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Kapitel 18 - Verhör

Es war Mittag. Die Temperatur war weit unter zehn Grad Celsius. Draußen schneite es mal wieder. Die Straßen und Bäume verwandelten sich erneut in eine Winterlandschaft. Der Blauhaarige stand in seiner geräumigen Küche und war dabei, das Mittagessen zu präparieren. Als er die Hitze am Herd minderte und den Topf mit dem Zucchini - Hackfleisch Gemisch zudeckte,spähte er aus dem Fenster und kam nicht umhin festzustellen, dass es in diesem Jahr eindeutig mehr schneite als in den ganzen Jahren zuvor. Die Kinder, die unten eine Schneeballschlacht veranstalteten, freuten sich über dieses Wunder der Natur.
Er seufzte, legte den Bratlöffel auf der Keramikablage hinter ihm neben dem Waschbecken ab und dachte an Marron. Gestern war sie wütend und aufgebracht gewesen. Er konnte in der Tat schlecht einschätzen, wie die Nacht ausgehen würde. Doch von ihrem mehr oder weniger positiven Weggang versprach er sich eine baldige Versöhnung mit ihr. Allerdings beschloss er, sie in der nächsten Zeit erst einmal in Ruhe zu lassen. Er wollte sie nicht mehr bedrängen. Chiaki verstand, dass sie jetzt erstmal Abstand von ihm brauchte und war bereit dies zu akzeptieren.
Nachdem er die Herdplatte ausgeschaltet hatte und den Eintopf auf die benachbarte, kalte Stelle schob, ging er in sein Arbeitszimmer um die Unterlagen für die anstehende Klausur in einigen Wochen hervorzunehmen. Er beschloss, auf das Fernsehen während des Essens zu verzichten um sich stattdessen den Lernstoff ganz nebenbei durchzusehen.

Der Mann in Schwarz stand vor der eisernen Tür seines eigenen Befehlgebers. Bevor er diese öffnete, überlegte er kurz, wann er sich das letzte Mal hier im 33. Stockwerk blicken ließ. Er wurde nicht oft hierher bestellt. Eher in Ausnahmefällen, wenn es etwas äußerst Dringendes zu besprechen gab. So wie heute dem Anschein nach. Irgendein Gefühl verriet ihm, dass sein Oberhaupt etwas im Schilde führte. Etwas, was Sindbad und Jeanne betraf. Und er war wissensdurstig zu erfahren, welche Pläne der Oberste im Sinn hatte.
Also räusperte er sich und schlug die Tür auf, um den langen, dunklen Raum zu betreten.
Wie er sofort feststellte, wurde er bereits erwartet und vollführte eine Verbeugung vor seinem Befehlsgeber.
Dieser wartete nicht lange, erhob sich von seinem Thron und schritt auf den schwarzen Mann im Umhang etwas eilig zu.
"Wie du dir denken kannst, habe ich einen Plan in Bezug auf deine beiden Diener. Ich habe sie, genau wie du, in letzter Zeit sehr genau beobachtet. Dabei ist mir nicht entgangen, dass ihre Zusammenarbeit nur sehr langsam ins Rollen kommt. Es muss viel schneller vorangehen!"
Der Mann in schwarz öffnete seinen Mund, um etwas zu erwidern, wurde aber im selben Augenblick ausgebremst.
"Warte! Ich bin noch nicht fertig! Sicherlich interessiert es dich, wie mein Plan lautet. Nun, du wirst erstaunt sein! Wir, das heißt du wirst Sindbad auf Emither aufmerksam machen. Soweit ich weiß, ernährt sich dieser Dämon schon etwas länger von der Seele des Jungen namens Yuito Senkashiyato. Er sollte mittlerweile so stark sein, dass er gegen Sindbad antreten könnte"
Der Oberste verzog seinen Mund zu einem fiesen Grinsen.
Sein Gegenüber riss erschrocken seine Augen auf und setzte zum Protest an."Das... das ist unmöglich! Emither könnte Sindbad umbringen! Es ist noch viel zu früh für das Einfangen dieser Bestie! Das kann doch nicht Ihr Ernst sein! Was ist, wenn Ether unseren Diener umbringt?!" Er war fassungslos. Mit allem hatte er gerechnet aber nicht mit so einer ungeheuerlicher Wendung.
Er verharrte in seiner Position und schüttelte demonstrierend den Kopf.
Sein Boss musterte ihn eindringlich. " Willst du dich etwa meinen Befehlen widersetzen? Das würde ich dir nicht raten, mein Lieber! Ich bin derjenige, der dieses Reich erschaffen hat. Und ich bin derjenige, der dich erschaffen hat! Du bist mein Sohn! Und solange ich lebe, wirst du mir gehorchen! Ich erteile hier die Befehle, damit das klar ist!", sagte er seinem Untergebenem in einem scharfen Ton.
Verbissen starrte der Mann in Schwarz sein Gegenüber an und behielt seine aufrechte Haltung. Natürlich konnte er sich seinem Obersten nicht widersetzen. Aber klein Beigeben wollte er auch nicht.
Der Oberste mäßigte seinen Ton und begann auf und abzuschreiten. "Ich denke an Folgendes. Momentan fahren wir mit Tempo 100 durch die Gegend. Das reicht uns nicht mehr. Wir müssen viel schneller sein. Das Tempo auf das Doppelte erhöhen. Den Vektor etwas verändern. Damit das geschehen kann, müssen wir Sindbad und Jeanne auf die Probe stellen. Emither kommt uns ganz gelegen! Wir werden schauen, ob Sindbad und Jeanne stark genug sind, gegen ihn anzutreten und ihn einzufangen. Wir brauchen ab nun starke Dämonen. Ohne sie wird unser Plan nicht aufgehen! Und du wirst jetzt dafür sorgen, dass Sindbad noch heute von dem besessenem Jungen erfährt, damit er rasch handeln kann! Hast du mich verstanden?"
Sein Untergebener biss sich auf die Lippen und gehorchte.
"Gut! Dann verschwinde jetzt! Ich will Handlungen sehen!", befahl er dem schwarzen Mann und setzte sich wieder auf seinen Thron.
Sein Untergebener machte widerwillig auf dem Absatz kehrt und verließ raschen Schrittes den eiskalten Saal.
Er wusste, es war nicht richtig, den genannten Dämon Sindbad jetzt zu präsentieren aber er gestand sich auch ein, dass Veränderungen bitter nötig waren. Sonst würde er noch lange diesem nichtsnützigem Drama zwischen seinen Dienern zusehen müssen...

Als Chiaki gegen Abend von der Uni heimkehrte und seine Wohnung aufsperrte, vibrierte sein Smartphone und eine Nachricht seines Bosses ging ein.
Noch bevor er seine Jacke abstreifte, tippte er auf lesen und öffnete den Text.
"Opfer: Yuito Senkashiyato. 20 Jahre alt, Sportstudent. Hier ist das Foto. Keine Nachricht an die Polizei. Keine Warnung an das Opfer. Befehl von oben. Bring uns den Dämon!"
Chiaki verdrehte die Augen, öffnete das Foto und sah einen schwarzhaarigen Studenten mit Brille und Sommersprossen.
Er überlegte, streifte Jacke und Schuhe ab und begab sich direkt in sein Schlafzimmer. "Keine Nachricht an Polizei und Opfer",wiederholte er in seinen Gedanken. War das jetzt eine neue Laune seitens der Unterwelt? Normalerweise blieb IHM doch die Wahl, zu entscheiden, ob er Warnungen rausschicken sollte oder nicht. Irgendetwas war da im Busch. Er fühlte es. Das signalisierte ihm wiederrum, dass er vorsichtig vorgehen musste. Ein kurzer Blick auf die Uhr verriet ihm, dass in zwei Stunden 19:00 Uhr sein würde. Um diese Zeit würde es bereits dunkel sein. Perfekt, um sich in der Wohngegend des Opfers umzusehen.
Und er hätte genügend Zeit um vorher duschen zu gehen und anschließend eine Kleinigkeit zu Abend zu essen.
Er seufzte tief, legte das Handy weg, streifte seine Kleidung ab und griff aus seinem Kleiderschrank nach einem frischem Handtuch, um sich anschließend ins Bad zu begeben.

Die Zeit verging sehr schnell. Er hatte gegessen, trainiert und saß nun um Punkt 19:00 Uhr in seinem schwarzen Audi direkt vor dem Hochhaus, in dem Yuito wohnte. Das Haus umfasste geschätzt fünfzehn Stockwerke. Ein rot-weißes Gebäude, gebaut nach neuem Stil. Die Gegend, in der der Blauhaarige sich befand, war äußerst ruhig. Keine Menschenseele weit und breit war zu sehen. Anscheinend eine Rentnergegend im äußeren Viertel Tokios neben einem Waldgebiet. Aus einigen Fenstern flimmerten Lichter von eingeschalteten Fernsehgeräten. In anderen wiederum war es vollkommen dunkel gewesen.
Sindbad stellte den Motor ab, öffnete die Tür und stieg aus dem Wagen aus. Dabei vernahm er Schritte hinter sich, die im Schnee rhythmisch tappten.
Als er sich zu der Person umdrehte, fing sein Herz kurz zu hämmern an. Da war er tatsächlich. Er hatte nicht damit gerechnet, ihm so schnell zu begegnen. Auf ihn kam Yuito in Person zu. Allerdings wusste dieser nicht, dass Sindbad auf ihn wartete. Also marschierte der Besessene achtlos an dem Blauhaarigen vorbei und hielt erst an, als er seinen Namen hörte.
Der Angesprochene drehte sich um und setzte ein irritiert blickendes Gesicht auf.
"Ja? Und du bist?", fragte er den Blauhaarigen verdutzt.
Sindbad lehnte sich an sein Auto und verschränkte die Arme vor der Brust. "Das spielt keine Rolle. Namen sind nur Schall und Rauch. Meinen brauchst du dir nicht zu merken. Ich möchte mit dir etwas bereden"
Der Angesprochene stutzte, machte einen Schritt nach hinten. Doch Sindbad reagierte schnell. Noch bevor Yuito die Chance hatte, wegzurennen, packte Sindbad seinen Arm und beamte sich mit ihm einige Meter von der Gegend abseits in den Wald hin. Er musste dafür sorgen, dass er kein Aufsehen erregte. Und der Wald nebenan war perfekt für einen Kampf mit dem Dämon.
"Was soll das? Was hast du gemacht?", rief Yuito wütend als sie mitten im Wald wieder erschienen waren.
"Heute werde ich deine dunkle Seele rauben, Senkashiyato!", antwortete Sindbad ihm und ging etwas auf Distanz.
Yuito schüttelte den Kopf und grinste. "Ah, so ist das also! Jetzt versteh ich, du bist vermutlich Sindbad. Was für eine Ehre für mich, dich kennenzulernen, du Dieb"
"Spar es dir! Dafür haben wir keine Zeit!"
Damit zog Sindbad seinen Pin heraus und zielte auf den Besessenen. Er holte aus und rief "Im Namen des Teufels, weiche ...."
Im nächsten Moment schrie Sindbad auf und schleuderte einige Meter nach hinten weg. Der Dämon war schneller.
Ehe der Blauhaarige sich aufrappeln konnte, trat Yuito an ihn heran und schlug erneut zu.
Sindbad schrie laut auf und sackte zusammen. Seine Ärmel rissen, seine Schultern bluteten. An seiner Schläfe tropfte ebenfalls die rote Flüssigkeit. Verdammt! Er war sehr stark! Damit hatte der Blauhaarige nicht gerechnet. Er keuchte und stieß sich mit den Händen am feuchten Boden ab um sich hochzustemmen.
Der Blick, mit dem der Dämon ihn anschaute, war bestialisch. Yuitos Augen leuchteten goldgelb und er lachte hohl.
"Du willst mir die dunkle Seele rauben? Dass ich nicht lache! Eher werde ich deine Seele zum Teufel befördern!"
Sindbad rang nach Luft und holte aus, um den Besessenen mit seiner Macht anzugreifen aber Yuito wich ihm rasch aus und erschien hinter ihm. Er ließ eine leuchtende Substanz in seiner ausgestreckten Hand erscheinen und powerte sie  gegen seinen Angreifer.
Der Dieb versuchte zur Seite zu springen, war aber nicht schnell genug. Erneut schrie er laut auf und fiel mit dem Rücken auf den Boden.
Der Schmerz, der seinen gesamten Körper durchfuhr, war höllisch. Zitternd versuchte er sich auf die Seite zu drehen, spürte aber einen harten Widerstand auf seinem Brustkorb. Er blickte auf und sah, dass der Dämon mit einem Fuß auf ihm stand. Das Gewicht des jungen Sportlers war imens und verhinderte, dass Sindbad sich regen konnte.
"Ich hab dir doch gesagt, dass du keine Chance gegen mich hast!"
Der Blauhaarige umklammerte mit zitternder Hand sein Kreuz und zog so fest daran, dass er sich die Kette vom Hals riss.
"Schwarze Macht erscheine!", schrie er hasserfüllt und ließ ein dunkles Gemisch auf den Dämon los.
Yuito flog zur Seite. Sein Aufschrei hallte noch einige Sekunden lang im Wald nach.
"Jetzt setzen wir dem Spiel ein Ende!", stieß Sindbad keuchend aus und richtete sich unter Schmerzen langsam auf. Den Pin zwischen seinen Fingern umklammert, stotterte er "Verschwinde Dämon!" und warf die schwarze Nadel nach ihm.
Doch Yuito war wieder schneller und löste sich zuerst auf, um dann direkt vor Sindbad wieder zu erscheinen. "Weißt du, langsam hab ich wirklich genug von dir! Lass es uns beenden!", rief der Besessene und schleuderte durch einen heftigen Stoß Sindbads Kreuz aus der Hand. Es flog mehrere Meter zur Seite weg.
Der Blauhaarige schluckte, ballte seine Hände, wollte zuschlagen, registrierte, dass Yuito ein Messer in seiner Hand erschienen ließ. Er holte damit aus und wollte es in Sindbads Bauch rahmen, als plötzlich eine Stimme von oben den Kampf unterbrach.
"Im Namen des Teufels, verschwinde Dämon, Schach- Matt!"
Der Besessene brüllte, wurde kurz in die Luft gewirbelt und verließ fluchend den Körper des jungen Sportlers.
Sindbad schlug erleichtert die Augen zu und fiel außer Atem nach hinten in die Hocke.
Jeanne eilte zu ihm. "Sindbad!"
Sie ging ebenfalls in die Hocke und blickte ihn besorgt an.
Mühsam legte er seine Hand auf ihre und lächelte sie bemüht an. "Wie hast du mich gefunden?"
Auch sie versuchte ihre Mundwinkel etwas zu den Seiten zu verziehen. "Ich hab...hab gespürt, dass du in Gefahr bist"
Er setzte zu einer Antwort an, brach aber ab, als er Lichter in der Dunkelheit vernahm. Er blickte sich um und bemerkte, dass jemand mit Taschenlampen auf die beiden zueilte.
Jeanne registrierte die Lichter ebenfalls. "Wir müssen hier weg. Schnell!", rief sie und versuchte ihm aufzuhelfen.
Er schüttelte liebevoll den Kopf. "Keine Chance. Mein Kreuz ist weg. Ich kann mich nicht wegbeamen. Zu Fuß bin ich zu langsam. Geh du! Lauf weg, mach dass du verschwindest", bat er sie ernst.
"Und .... und du?"
"Ich komme nach, mach dir keine Sorgen um mich", zwinkerte er ihr zu.
Sie wusste, dass er log. Vehement schüttelte sie den Kopf und hörte gleichzeitig, dass die Schritte schon fast in der Nähe der beiden waren.
"Ich lass dich nicht im Stich!", rief sie und unternahm erneut einen Versuch, ihn hochzuziehen. Doch er stieß sie mit Absicht von sich. "Jeanne, Marron geh! Bitte. Ich bitte dich, tu es. Ich komme klar", nickte er und sah in ihr mit sich selbst kämpfendes Gesicht. Sie zögerte, wusste aber, dass er Recht hatte. Sie konnte ihm momentan nicht helfen. Schmerzvoll schloss sie ihre Lider und beamte sich auf einen Baum in sicherer Entfernung, um das Geschehen zu verfolgen.
Nach einigen Minuten wurde Sindbad von mehreren Taschenlampen gleichzeitig geblendet.
Er blinzelte und hielt sich schützend die Hand vor den Augen. Dann erkannte er ein ihm allzu bekanntes Gesicht. Kommissar Todaj trat aus dem Lichtgemenge hervor und bewegte sich auf ihn zu.
Himuro entfuhr ein äußerst zufriedenes Lächeln. "Ich grüße dich, Dieb. Nun ist also endlich der Zeitpunkt gekommen, an dem du MIR deine Zeit schenkst"
"Freut mich ebenfalls, Herr Kommissar", grinste er ihn ruhig und gefasst an.
Himuro nickte lächelnd "Selbst in einem Moment wie diesem bleibst du gefasst, erstaunlich! Hut ab"
Er zog Handschellen aus seiner Manteltasche hervor und legte sie dem Blauhaarigen um.
Er wehrte sich nicht, ließ es mit sich geschehen und folgte mit einem aufgesetztem Pokerface den Polizisten durch den Wald hindurch zu den am Straßenrand abgestellten Wagen.
Himuro und zwei seiner anderen Angestellten kümmerten sich um Yuito und holten Sindbad eiligst ein.
Jeanne sah der Abführung geschockt hinterher und biss sich verzweifelt auf den Zeigefinger. Sie wusste nicht, was sie jetzt tun sollte.
Ein solcher Ausgang dieser Situation überollte sie vollkommen. Ihr war bewusst, dass Sindbad ohne sein Kreuz von dort nicht so einfach rauskommen würde.
Sie musste ihm unbedingt da raushelfen aber sie hatte keinen Plan, wie sie es anstellen sollte.  
Und noch länger Zeit hier zu vergeuden nützte nichts mehr. Sie musste weg. Bedauernd schloss sie ihre Augen und wollte sich gerade wegbeamen als sie aus den Augenwinkeln ein Funkeln unten im Schnee vernahm.
Verwundert schlängelte sie sich vom Baum herunter und rannte auf die Stelle zu, von wo das Lichtchen kam.
Mit großer Erleichterung stellte sie fest, als sie sich bückte, dass es seine Kette war, die geschimmert hatte.
Sie nahm sie in die Hand und verschwand.

Auf dem Revier angekommen, sorgte Himuro erst einmal dafür, dass Sindbad an den notwendigsten Stellen verarztet wurde.
"Wie nett von Ihnen, Herr Hauptkommissar. Wissen Sie, Sie müssen das nicht tun. Ich hatte schon schlimmere Verletzungen gehabt", gab Sindbad preis, als er auf der harten Bank saß und die junge Dame betrachtete, die seine Wunden versorgte.
Himuro lachte kurz auf und zog eine Schachtel Zigaretten aus seinem Mantel hervor. Nachdem er sich diese angezündet und den Rauch langsam ausgestoßen hatte, erwiderte er "Lass gut sein. Ich bin Kommissar und kein Unmensch. Ich werde dich verhören, wie dir vermutlich klar ist. Dafür brauche ich dich in einem stabilen Zustand. Nicht, dass du mir währenddessen umkippst".
Der Angesprochene zuckte desinteressiert mit den Schultern.
Himuro setzte sich halbstehend auf die Tischkante direkt neben dem Dieb, drückte seine Zigarette aus und beugte sich etwas zu ihm vor.
"Zwei Jahre. Ganze zwei Jahre habe ich mich Nachts ins Bett gelegt, die Augen geschlossen und auf diesen Augenblick gewartet. Und siehe da, er ist gekommen. Jetzt habe ich dich auf meinem Revier. Und jetzt wirst du nach meinen Regeln spielen"
"Diktieren Sie sie mir, ich bin ganz Ohr", entgegnete der Dieb unverschämt.
Kommissar Todaj setzte sich auf, bedeutete der Kollegin mit einem dankenden Kopfnicken zu Gehen. Er wollte allein mit ihm sein.
Sie sammelte die übriggebliebenen Verbandsrollen auf und entfernte sich aus dem Raum. Als die Tür ins Schloss fiel, schnappte Himuro sich einen Stuhl und setzte sich gegenüber Sindbad. Langsam und äußerst neugierig musterte er den Dieben von Kopf bis Fuß. Dabei kam er nicht umhin, zu bemerken, dass er ihn an jemanden erinnerte. Er sah jemandem ähnlich. Wem nur? Es wollte ihm nicht in den Sinn kommen.
Er räusperte sich. "Nun gut. Meine Spielregeln. Die da wären, ich stelle hier die Fragen und du gibst mir Antworten"
Sindbads Grinsen wich einem bemüht ernstem Gesichtsausdruck. "Fragen Sie"
Und dann begann der ältere Herr ihn auszufragen. Lange.
Aber alles, was Himuro erreichen konnte, war ein Schweigen seitens des Diebs. Auf all seine Fragen.
Nach einer Stunde einseitigen Fragestellens war der Kommissar es leid und müde, ihn vor sich zu sehen. Er sah sich gezwungen, das  Verhör für den Abend abzubrechen und Sindbad in eine Kammer im Keller abzuführen. Unter strenger Bewachung.
Der Abgeführte seufzte, ließ sich erschöpft auf die Bank in dem dunklen Raum fallen und verschränkte unter Schmerz die Arme hinter seinem Kopf. Mit einem nachdenklichen Blick starrte er die Decke an. Er wusste, lange würde der Kommissar sein Schweigen nicht ertragen können. Es war eine Frage der Zeit, wann er zu härteren Methoden durchgreifen würde.
Er zog sogar eine mögliche Folter in Erwägung. Und er würde diese durchstehen müssen, falls es soweit kommen würde.
Müde gähnte er und drehte sich auf die Seite. Dann schloss er seine Augen und versuchte zu schlafen.
Etwas anderes blieb ihm momentan sowieso nicht übrig.
Und dann plötzlich, wie vom Donner gerührt, setzte er sich augenblicklich auf.
Woher zum Teufel wusste der Kommissar eigentlich, wo Sindbad sich befunden hatte?!
Jemand hatte ihn verraten!
Wer?
WER?
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