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Schwarze Liebe

von Liaya
GeschichteMystery / P18 / Gen
29.11.2017
08.05.2018
34
122.437
6
Alle Kapitel
59 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
24.12.2017 1.928
 
Guten Morgen, allerseits!
Heute geht es mal wieder weiter :))ein nicht allzu langes Kapitel )))
Ich möchte mich nochmals an dieser Stelle bei allen Kommentatoren herzlich bedanken! Auch die, die mir Reviews in Form von Mails hinterlassen!! Wirklich, es freut mich so sehr, dass euch die Geschichte gefällt!! Es werden noch 16 Kapitel folgen und dann ist Schluss ))))
Ich wünsche euch allen einen schönen Heiligabend und frohe Festtage. Lasst euch reichlich beschenken und genießt das Fest :-)

Mit den allerliebsten Grüßen,
Liaya

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Die Turmuhr schlug zwölf Mal und kündigte Mitternacht an. Sindbad befand sich nicht wie in seiner Nachricht an die Polizei angekündigt auf dem Tokio-Tower sondern im benachbarten hohen Office-Gebäude, mehrere Kilometer vom Tower selbst entfernt. In den Nachrichten wurde der Treffpunkt mit Jeanne nicht erwähnt. Aus einem besonderen Grund. Kommissar Todaj wollte die Presse nicht um sich herum haben.
Sindbad wollte Jeanne unbedingt herauslocken und sah keine andere Möglichkeit, als über die Presse vorzugehen. Er musste einen Ort angeben jedoch nicht denjenigen, an dem er in Wirklichkeit Jeanne erwartete. Sollte die Polizei doch ins Nichts tappen. Das war ihm egal.
Er schloss die Augen, genoss die Stille da oben im 25. Stock auf der Terasse und hoffte, dass sie kommen würde. Er wusste, Jeanne war nicht dumm. Sie würde sich vergewissern wollen und in ihren Briefkasten schauen. Da lag eine persönliche Nachricht für sie.
Er atmete ruhig aus, schlug die Augen wieder auf und bewegte sich aufs Geländer zu. Innerlich war er etwas nervös. Er ahnte, dass sie wütend sein würde. Nichts anderes erwartete er auch. Immerhin war Wut eine bessere Emotion als gar keine Emotion. Wut ließ Menschen handeln. Und darauf setzte er. Auf eine Handlung von ihr. Heute Nacht könnte eine entscheidende Nacht sein. Die Entscheidende. Er wusste, es würde einen Kampf zwischen ihm und der Blonden geben. Sindbad wollte nicht kämpfen. Alles, was er erreichen wollte,  war eine Versöhnung mit ihr. Würde sie ihn angreifen wollen, würde es ihm recht sein. Er wollte sie zurück. Mit jedem vergangenen Tag begriff er immer mehr, wie sehr sie ihm fehlte.
Ein Blick auf die Uhr verriet ihm, dass sie sich verspätete.Aber das nahm er hin. Sindbad war bereit zu warten. Wenn es sein musste, die ganze Nacht lang.

Am anderen Ende der Stadt, mehrere Etagen unter dem Erdboden saß er auf seinem Thron. Der Mann in Schwarz. Sindbads Boss. Seinen ganzen Körper durchfuhr eine teuflische Freude. Auf einer Projektion, die vor ihm erstrahlte, sah er seinen Diener. Er beobachtete ihn und spielte mit einer Schachfigur in seiner Hand. Seit er wusste, dass Jeanne erwacht war, interessierte es ihn jeden Tag mehr und mehr, wie die beiden zusammenarbeiten würden. Aus diesem Grunde verfolgte er sämtliche Handlungen von der Blondine und dem Blauhaarigen. Dass zwischen den beiden ein Riss entstand, passte ihm gar nicht. Jedoch war Sindbads Idee, Jeanne herauszufordern, ein interessantes Manöver. Er war bis auf die Knochen gespannt, wie das Schauspiel ausgehen würde. Sollte Jeanne sich weigern, weiterhin für Black Smoke zu arbeiten, würde er nachhelfen müssen. Dies würde aber bedeuten, dass er sich in der Außenwelt zeigen müsste. Und diese Option wollte er sich offenhalten. Bis zum Schluss. Einfach aus dem Grunde, weil die Zeit noch nicht reif war für sein Erscheinen in der Menschenwelt.

Als er ein leises klackendes Geräusch hinter sich vernahm, wusste er, dass es so weit war. Sie war gekommen. Und er lächelte ohne sich umzudrehen. Irgendwann verstummte das Geräusch ihrer Bewegung und er drehte sich um und machte ein paar Schritte auf sie zu.
Ihr Anblick überraschte ihn. "Du hast also nicht vor zu kämpfen, was?"
Vor ihm stand nicht wie erwartet Jeanne, sondern Marron.
Und sie war in der Tat wütend. Ihre Augen funkelten ihn vor Zorn an.
"What the hell are you tryin', Sindbad? Willst du mich auf DIE Tour zurück? Das kannst du dir abschminken! Was soll das Theater?! Ich glaube, ich habe mich klar und deutlich ausgedrückt! Lass mich in Frieden! Ich hab genug! Ich möchte mein - hörst du, MEIN eigenes Leben wieder leben!",rief sie.
Sindbad blieb ruhig, reagierte auf ihre Forderungen nicht. Er lächelte sie stattdessen an. Verführerisch.
"Schön"
Sie stockte. "Was?!", fragte sie verwirrt.
"Wenn du es wirklich so willst dann beweise es mir!", entgegnete er und kam näher an sie heran. So nah, dass er in ihr Ohr flüstern konnte.
Marron schluckte, erstarrte. War für einen Moment verloren.
"Sag es mir! Sag mir, dass du alles vergessen willst. Unsere Begegnung, unsere Nächte, die Anziehung zwischen uns, das Knistern. Sag es, äußere deinen Wunsch und ich verschwinde für immer aus deinem Leben. Ich verspreche es dir. Du wirst dich weder an mich noch an Jeanne erinnern können. Ich werde all deine Erinnerungen auslöschen. Du wirst dein altes Leben wiederhaben. DAS willst du doch oder? Oder etwa nicht?",provozierte er sie bewusst.
Zitternd trat die Brünette einen Schritt zurück und hielt inne.
Sindbad blieb stehen, zog seine Kette über den Kopf und legte sie in seine Hand, die er ihr ausstreckte.
Sie schluckte. "Was... was soll das? Was tust du?"
"Na deinen Wunsch erfüllen. Es wird nicht wehtun. Ich werde deine Erinnerungen auslöschen. Ein roll back durchführen"
Als sie nicht reagierte, fing er an, langsam seine Handfläche mit dem Kreuz auf sie zu richten. Zitternd schloss sie ihre Augen und öffnete sie erst wieder, als sie ein Aufflackern vernahm.
Ihr Atem stockte. Ein panisches Gefühl ergriff von ihr Besitz. Im letzten Moment biss sie sich auf die Lippen und schrie "Halt! Hör auf! Tu es nicht! Bitte!"
Er stoppte, lächelte und spürte eine große Erleichterung.
Die Braunhaarige atmete angestrengt und schlug sich an die Stirn. "Verdammt! Warum? Warum tut es so weh?! Ich ... ich hab mir das einfach vorgestellt. Ich..." Sie schüttelte ihren Kopf. "Ich kann es nicht! ICH KANN DAS NICHT!"
Als sie bemerkte, dass er sich ihr wieder näherte, wich sie ihm aus. "Ich will dich hassen! Ich will es ja! Ich will dass du mir aus dem Weg gehst, hörst du?! Am liebsten würde ich dich nie mehr wieder sehen. Ich will dich verfluchen aber.... ich kann nicht! Ich kann deine Lügen, deine Hintergänge nicht mehr ertragen! Ich will es nicht!" Sie schaute ihn nicht an, kniff ihre Augen zu Schlitzen und rang nach Luft.
"Marron, ich.."
"Hör auf!", befahl sie ihm und legte hasserfüllt ihre zitternde Hand auf ihr Kreuz.
Sindbad riss seine Augen auf.
"Im Namen des Teufels, schwarze Macht erscheine!", rief sie laut und verwandelte sich vor seinen Augen.
"Ich will dass du bezahlst! Für alles, was du mir angetan hast! Du wirst die gleichen Schmerzen, das gleiche Leid spüren, wie ich es spürte!"
Einen Augenblick lang starrte er sie angestrengt an, schluckte und legte seine Kette wieder um.
"Verdammt Marron.... Jeanne! Tu es nicht! Lass es nicht so weit kommen. Begreifst du denn nicht? Ich will nicht gegen dich kämpfen. Ich will dich zurück. Ich....ich vermisse dich! Ich möchte bei dir sein. Du hast alles Recht der Welt, wütend auf mich zu sein, mich zu hassen. Ich stehe zu meinen Fehlern. Das meine ich ernst. Bitte lass es uns in Worten klären. Lass ... lass es nicht zum Kampf kommen!", bat er sie.
Die Angesprochene stierte ihn an und lachte heuchlerisch. "Zu spät!"
Damit holte sie aus, ließ einen Energiewall erscheinen und schleuderte ihn auf Sindbad.
Er wich bewusst nicht aus, ließ sich treffen und schlug keuchend einige Meter hinten auf dem steinigen Boden der Terasse auf.
Jeanne bewegte sich auf ihn zu und holte wieder aus. "Ich meine es auch ernst, Sindbad! Und ich lasse meinen Worten Taten folgen!" Sie zielte erneut auf ihn und erwischte ihn ein weiteres Mal.  Er unterdrückte einen Schrei, biss sich auf die Unterlippe, so fest, dass sie zu bluten anfing. Sein Hosenbein riss, an seinem Oberschenkel entstand eine saftige Wunde.
Als sie nicht lockerließ und erneut zum Angriff ansetzte, war es für ihn genug. Geschickt wich er aus, indem er schnell eine Rolle seitwärts vollführte und schließlich aufstand, um hinter sie zu springen. Sie schaffte es nicht, rechtzeitig zu reagieren, so dass es ihm gelang, nach ihren Händen zu fassen und sie hinter ihrem Rücken zu verschränken.
Abrupt versuchte sie sich zu befreien. Es misslang ihr aber. Er packte fester zu.
"Au! Du tust mir weh! Lass mich!"
"Ach ja? Ich tu dir weh? Im Ernst?", lächelte er. "Das bisschen Schmerz wirst du ertragen können. Jetzt bin ich dran!" Er stieß sich ab, vollführte einen Salto rückwärts und holte ebenfalls aus. Eine schwarze Rauchwolke erschien und flog auf die Blonde zu. Keuchend schrie sie auf, hielt sich aber auf den Beinen.
Agressiv drehte sie sich um und rannte auf ihn zu. Als sie mit ihrer Faust ausholte, wich er mit dem Kopf rasch aus und schnappte sich ihr Handgelenk.
Mit seiner Linken zielte er auf ihren Bauchbereich und schleuderte sie weg. Schreiend schlug sie am eisernen Geländer mit dem Rücken auf.
"Du bist gut, Jeanne. Sehr gut sogar. Deine Kraft ist immens und beachtenswert. Zu kämpfen jedoch musst du noch lernen. Und genau das werde ich dir noch beibringen", sagte er mit einem ernsten Gesichtsausdruck und ging auf sie zu.
Sie hustete, hielt ihre Arme um ihren Bauch. Sindbad streckte ihr seine Hand aus. Sie blickte ihn missmutig an.
"Na? Hast du genug? Wollen wir nach Hause?", zwinkerte er ihr zu woraufhin sie ihren Blick von ihm abwandte.
"Ich hasse dich! Ich ...." Sie ballte eine Faust und drückte fest zu.
Er nickte lächelnd. "Ich weiß. Und du bist verrückt nach mir. Genauso wie ich nach dir. Lass uns im Bett reden", grinste er sie frech an.
Schweigend streckte sie ihm ihre Hand aus, ließ sich von ihm hochziehen und schaute ihm ernst in seine blauen, tiefen Augen.
Dann küsste sie ihn zu seiner Überraschung kurz auf die Lippen und machte anschließend einen Schritt rückwärts.
"Nein. Nicht heute Nacht"
Damit ließ sie ihn stehen, machte einen Sprung zur Seite, griff nach der Feuerleiter und schlängelte sich hinab in die Dunkelheit.
Sindbad atmete zufrieden auf und blickte in die sternenklare Nacht hinaus. Sein Körper und seine Gesichtszüge entspannten sich. Er wusste, sie hatte ihm nicht verziehen. Noch nicht. Aber es war ein Anfang.
Im selben Moment spürte er ein Vibrieren in seiner Hosentasche und zog sein Handy heraus.
Verwundert zog er seine Augenbrauen hoch. Eine Nachricht. Vom Boss.
"Good Job, Sindbad"
Emotionslos und gleichgültig packte er das Gerät wieder weg. Er ignorierte die Mitteilung. Sie war ihm egal. Für ihn zählte nur, dass Jeanne sich ihm wieder etwas angenähert hatte. Und nur das zählte.
Nachdem er noch einige Minuten auf dem Dach des Gebäudes verbracht hatte, verschwand auch er in der Dunkelheit der Nacht.

Kommissar Todaj saß in seinem Büro und lächelte ebenfalls zufrieden. Gerade eben haben ihm seine Männer mitgeteilt, dass auf dem Tokio-Tower niemand erschienen war. Er bestellte seine Angestellten wieder ab und rauchte gelassen eine Zigarette. Er kaufte Sindbad von Anfang an nicht ab, dass er dort erscheinen würde. Heute Abend hatte er seine Vorgehensweise geändert. Irgendein Gefühl sagte ihm, dass die Karte, die an die Presse gerichtet worden war, eine Falle war. Wie es sich herausstellte, lag er richtig. Das freute ihn. Er ahnte, dass der Dieb in dieser Zeit woanders gewesen war. Und das erste Mal seit langem lächelte der ältere Mann.


Fortsetzung folgt...
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