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Schwarze Liebe

von Liaya
GeschichteMystery / P18 / Gen
29.11.2017
08.05.2018
34
122.437
6
Alle Kapitel
59 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
22.12.2017 3.235
 
Guten Abend, liebe Leute!
Ein neues Kapitel ))) viel Freude und bis bald :) Ich hoffe, es geht allen gut, wünsche euch ein schönes Weihnachtsfest schon mal vorab )))

Mit den herzlichsten Grüßen,
Liaya

Ps. Die Hälfte ist geschafft !!!! :D

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Kapitel 16 Don't go too fast, Sindbad!

Ihre rehbraunen Augen funkelten ihn an, als sie ihn anblickte und ihre Hände angespannt in die bauschige Krankenhausdecke krallte.
Er schluckte, dachte angestrengt darüber nach, was er tun sollte. Marron verdiente es, endlich die Wahrheit und zwar die ganze Wahrheit über ihren dunklen Job zu erfahren. Die letzten Stunden hatten ihm gezeigt, wie einfach es war, sie mit Wissenslücken anzugreifen. Sie wusste nicht, für wen sie arbeitete und ihre stockende Reaktion auf Akôs Frage war nurzu selbstverständlich.
Chiaki fühlte, wie er für einen kurzen Moment anfing, das Gleichgewicht zu verlieren und dabei war, in ein tiefes, schwarzes Loch zu stürzen. Im letzten Moment hielt er sich jedoch auf und biss sich auf die Unterlippe, ehe er den Mund öffnete.
Sein Blick wurde ernst. "Sie nennen sich Black Smoke, was so viel wie Schwarzer Rauch bedeutet"
Marron sank ihren Blick hinab zur Bettdecke und kniff nachdenklich ihre Augen zu Schlitzen. Ihre Gehirnzellen begannen auf Hochtouren zu arbeiten. "Schön. Weiter. Wen meinst du mit "sie"? Sind es mehrere? Sind es Menschen? Geben "sie" dir bzw. uns die Befehle?"
"Ja, es ist eine ganze Organisation. Ich weiß nicht, wie viele es sind, die da im Hintergrund ihre Fäden spinnen. Einige hunderte, vielleicht tausende. Hab mich ehrlich gesagt nie dafür interessiert. Ich erledige nur meinen Job. Die Aufträge zur Jagd erhalte ich per SMS. So wie gestern, als Akô mir als nächstes Opfer mitgeteilt wurde. Wir, du und ich, arbeiten für Black Smoke. Bisher war ich der einzige Jäger nach Dämonen. Du bist die Zweite. Mehr gibt es von uns nicht"
Er atmete stockend aus und fuhr sich an den Kopf.
Marron strich sich misstrauisch über die Stirn. "Und wie kamst du auf mich? Warum ausgerechnet ich? Ich meine es gab doch bestimmt auch andere Kandidaten oder?"
"Nein. Es gab keine anderen. Du wurdest ausgesucht und ...." Er hielt inne, bemühte sich aber trotzdem ihrem Blick standzuhalten. Der Blauhaarige begriff, dass ihr Verhältnis zueinander auf einem seidenem Faden hing und dass dieser Faden jeden Moment reißen würde.
"Ausgesucht? Von wem?!", riss Marron fassungslos ihre Augen auf. Sie glaubte ihren Ohren nicht zu trauen.
Der Blauhaarige zögerte. Er wollte die Beziehung zu der Brünetten auf keinen Fall zerstören. Zugleich wusste er, dass Schweigen ihn keinen Stück näher zu Marron bringen würde.
"Von ihm. Meinem Boss. Er wollte unbedingt dich als meine Partnerin sehen"
Sie schüttelte unverständlich den Kopf. Einerseits begriff sie nichts von dem, was er sagte, anderseits wusste sie jetzt nicht mehr so recht, ob sie das alles überhaupt noch hören wollte. Jedes Geständnis, das er ablegte, schmerzte sie.
Chiaki wollte nach ihrer Hand greifen aber sie entzog sie ihm bewusst.
"Also hast du nur mit mir gespielt? Hast mir schöne Augen gemacht, mit mir geschlafen nur um mein Vertrauen zu gewinnen? Für dich war das nichts weiter als ein Spiel richtig? Und ich dumme Kuh hab dir vertraut! Mein Gott war ich blind! Und du hast bestimmt über mich gelacht"
Marron war nicht wütend. Sie war enttäuscht. Ein weiteres Mal. Für sie brach erneut eine Welt zusammen. Tief in ihrem Inneren hatte sie zwar schon längst gespürt, dass irgendetwas faul an dem ganzen Job war aber sie verdrängte den Gedanken immer aufs Neue. Weil.... Weil sie IHN liebte.
Chiaki überlegte lange, bevor er antwortete. Zwar hätte er ihre Vorwürfe abwehren können, in dem er ihr sagen würde, ihre Behauptungen würden nicht stimmen aber er entschied sich, bei der Wahrheit zu bleiben. Mit all ihren Konsequenzen.
Um einige Tonnen psychisch erschwert, erhob er sich von ihrem Bett, wanderte zum Fenster, schob den gelben Stoffvorhang etwas zur Seite und warf einen langen Blick durchs Fenster in die dunkle Nacht. Ihr geknicktes Gesicht spiegelte sich in der Glasscheibe.
Und dann gestand er es ihr. Ruhig und gefasst machte er reinen Tisch.
"Ja, du hast recht. Ich streite es nicht ab. Ich sah es Anfangs als eine Art Spiel. Es hat mich gereizt, dich kennenzulernen und einen Weg zu dir zu finden. Als du Sex mit mir wolltest, hab ich zuerst gezögert. Du warst Jungfrau. Ich wollte dich nicht verletzen. Aber du wolltest es unbedingt und ich ..." Er seufzte, fasste sich erneut an den Kopf. "Ich .... Marron ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich hab dich ausgenutzt, ja! Verdammt, ja ich hab es! Zu behaupten, ich hatte keine andere Wahl, wäre gelogen. Ich hätte meinem Boss absagen können. Von Anfang an. Ich habs aber nicht"
Marron schwieg und wandte ihren Blick gen Boden. Ein unwiderstehlicher Drang nach Tränen bannte sich in ihr hoch. Ihr Körper zitterte, ihre Hände ballten sich im Stillen zu Fäusten.
Sie räusperte sich, um nicht auf der Stelle loszuweinen.
"Wer ist er? Der Boss?", wisperte sie.
Der Blauhaarige drehte sich zu ihr um. "Das kann ich dir nicht sagen. Die Zeit ist noch nicht reif dafür"
"Was?! Noch nicht reif?! Was soll das heißen? God damn it! Chiaki, how long do I have to wait?!"
Der Angesprochene riss überrascht seine Lider auf. "Seit wann sprichst du Englisch?"
Ihr entfuhr ein leises Lachen. "Ja, das hab ich mich auch gefragt. Und die Antwort lautet, seit ich Jeanne wurde. Tja, da staunst du was? Ich hab noch nie Englisch beherrscht und jetzt versteh ich alles. Ist wohl eure gängige Sprache in diesem Job, was?"
Statt eine Antwort zu geben, nahm er schwer überlegend auf dem Stuhl neben ihrem Bett Platz.
Marron blieb hartnäckig. "Chiaki, weich meiner Frage nicht aus. Wieso darf ich den Namen des Bosses nicht erfahren?"
Der Angesprochene seufzte. "Weil er sich selbst melden wird wenn es soweit sein wird. Ich habe ihn bereits informiert, dass Jeanne erwacht ist. Vermutlich wird er dich baldmöglichst sehen wollen"
Fassungslos klatschte Marron in die Hände und presste ihre Lippen aufeinander, bis sie einen Druck spürte und ließ dann wieder locker.
"Bravo! Super! Nein im Ernst. Schön, dass du alles hinter meinem Rücken machst. Gibt es sonst noch etwas, was ich nicht weiß?"
Er schüttelte verneinend den Kopf, legte ihn in den Nacken und schloss seine Augen. Chiaki wusste, er hatte sie sehr verletzt und fragte sich schon in Gedanken, wann sie ihn rauswerfen würde.
"Wird er mit mir irgendetwas anstellen? Muss ich Angst vor dem Treffen haben?",fragte sie zu seiner Überraschung.
"Nein! Wie kommst du denn darauf?! Es wird nur ein Kennenlernen sein mehr nicht, denk ich"
Sie schaute ihn kurz an, wandte den Blick wieder ab und schüttelte mehrmals ungläubig ihren Kopf.
Dann entstand Stille. Keiner von beiden hatte dem Ganzen etwas zu ergänzen gehabt. Jeder war in seine eigenen Gedanken versunken. Bis die Brünette die Stille unterbrach. Zwei Wörter. Leise ausgesprochen. Zwei Wörter, die in seinem Herz ein schmerzhaftes Stechen verursachten.
"Bitte geh"
Er hielt inne. "Marron bitte..."
"Geh! Jetzt! Verschwinde! Raus!", befahl sie ihm hasserfüllt.
Sie war es leid. Er hat sie belogen, ausgenutzt und hintergangen. Sie war aufgewühlt und brauchte ihre Ruhe.
Ihr eiskalter Blick schmerzte ihn mehr, als er erwartet hatte.
Ohne einen weiteren Versuch zu starten, sank er den Kopf und bewegte sich Richtung Tür.
Bevor er das Zimmer endgültig verließ, drehte er noch ein letztes Mal seinen Kopf in ihre Richtung und sah sie mit einem festen Blick an. "Weißt du, warum ich den Auftrag, dich zu suchen und auszubilden nicht abgelehnt habe? Ich hätte nein sagen können aber ich tat es nicht. Lange habe ich darüber gegrübelt, weshalb ich den Auftrag nicht abgelehnt habe. Jetzt weiß ich es. Es gab nur einen einzigen Grund dafür. Nur einen -und dieses Gefühl lügt nicht"
Die Brünette riss ihre Augen auf. "Welches Gefühl?"
Doch der Angesprochene verließ in jenem Moment den Raum und blieb ihr eine Antwort schuldig.

Am nächsten Morgen fand sich Miyako auf dem Revier ihres Vaters wieder. Gerade eben hatte er mit ihr über die Konsequenzen ihres unvorsichtigen Vorgehens von letzter Nacht gesprochen und jetzt stand sie vor dem 25 Meter hohem, glasigen Polizeigebäude, um sich ein Taxi nach Hause zu schnappen.
Unter dem Gesichtspunkt betrachtet, dass sie letzte Nacht gegen eine wichtige Regel verstoßen hatte, war die Strafe, die nächsten vier Wochen ausschließlich im Innendienst verbringen zu müssen, keine harte Bestrafung. Für Miyako jedoch, die mit hohem Engagement und ausgeprägter Leidenschaft im Außendienst beschäftigt war, war die Maßnahme ihres Vaters eine strenge gewesen. Sie empfand den Innendienst als langweilig. Hier fehlte es an Action und Spannung. Aber immerhin durfte sie ihren Ausbildungsplatz behalten. Also nahm sie ihre Strafe einigermaßen tapfer entgegen und stieg in den angehaltenen, gelben Wagen mit der Aufschrift Taxi ein.

Himuro Todaj beobachtete seine junge Tochter aus seinem Büro, als sie in den Wagen einstieg und seufzte leise.
Die letzten Tage, Wochen waren sehr anstrengend für ihn gewesen. Müde strich er sich  über die Augen, machte kehrt und setzte sich hinter seinen Schreibtisch. Er hatte Lust, einen Brandy zu trinken. Doch er verwarf den Gedanken schnell wieder.
Wann er das letzte Mal Alkohol getrunken hatte, wusste er nicht mehr. Viel zu lange war es her. In seinem Job war Alkohol ein Tabu. Strengstens untersagt. Also hatte er auch irgendwann privat aufgehört das ein oder andere Schlückchen Branntwein zu trinken.
Dann zwang er sich wieder seiner Arbeit Widmung zu schenken. In seinen Gedanken fing er an, die letzen 20 Stunden zu rekonstruieren. Dass Akô mit ihrer Ausrede den Raum, in dem er sie samt seinen Männern überwachte, leicht verlassen konnte, war für ihn klar gewesen. Er kaufte ihr von Anfang an ihren angeblichen Gang auf die Toilette nicht ab. Aber was hätte er tun sollen? Akôs Vater gab schließlich die Kommandos. Und das Kommando lautete, sie gehen zu lassen.
Was ihn in diesem Augenblick mehr beschäftigte, war dieses Mädchen namens Jeanne. Hatte Sindbad jetzt eine Partnerin? War sie diejenige, die ihm Kommandos gab? Nein, das konnte er sich nicht vorstellen. Das war unmöglich nach all dem, was er beobachtet hatte. Schließlich war Sindbad derjenige gewesen, der "na mach schon, Jeanne" geschrien hatte. Wer also war sie, diese Kamikaze-Diebin?
Der Mann, der inzwischen in seinen mittleren vierzigern war, kratzte sich nervös am Hinterkopf. Verdammt! Er war doch wirklich kein Stück weitergekommen in seinen Ermittlungen! Erschöpft schloss er seine Augen und atmete durch. Im Gegenteil - jetzt hatte er noch mehr Fragen zu klären als vorher.
Wenn sie nun also zu zweit waren, hieß das, es gab noch mehr von ihrer Sorte? War es womöglich eine ganze Organisation? Mit welchem Ziel?
Ah! Es war wirklich zum Verrücktwerden!
Er stand vor einem Rätsel und es brannte ihm unter den Fingernägeln hinter das Geheimnis von Sindbad und Co. zu kommen.
Himuro war zielstrebig. Wenn er sich etwas schwor, dann hielt er daran fest. Und er wusste, irgendwann würde der Tag kommen, an dem der Dieb und das blonde Mädchen vor ihm sitzen würden. Nicht irgendwo. Nein, in seinem Revier, im Verhörzimmer! Damit schlug er mit seiner Hand auf den Tisch und erhob sich siegessicher von seinem Stuhl, um zu einer Dienstbesprechung mit seinen Angestellten zu gehen.

Als Marron zur selben Zeit heimkehrte und aus dem Aufzug stieg, traf sie im Korridor auf Miyako, die gerade dabei war, ihre Wohnungstür aufzusperren.
Die Schwarzhaarige drehte sich überrascht zu ihr um. "Hallo Marron, wo kommst du denn her? Ich hab dich schon eine Ewigkeit nicht mehr gesehen!", grüßte sie sie fröhlich.
Die Braunhaarige stockte, wurde noch bleicher, als sie ohnehin schon war. Sie machte ihren Mund auf, um etwas zu erwidern, war aber nicht in der Lage, etwas zu sagen.
Bei Miyakos Anblick schossen der Brünetten wieder Bilder in den Kopf, als ihre Freundin auf sie geschossen hatte. Unwillkürlich begann sie angestrengt ein und auszuatmen.
"Marron? Alles ok? Du siehst ja aus, als hättest du den Teufel in Person getroffen"
Marron spürte wie ihr ein eiskalter Schauer über den Rücken lief, versuchte sich aber wieder zu fangen und Miyakos Bild mit der Waffe in der Hand schnell aus dem Kopf zu werfen.
"Hey Miyako. Eh ja, tut mir leid. Ich war irgendwie in Gedanken. Hab...hab die Nacht schlecht geträumt und bin etwas durch den Wind", lächelte sie aufgesetzt und bemühte sich um eine sichere Haltung. "Wie geht es DIR?"
Bekümmert wechselte die Schwarzhaarige den Blick und schaute auf den Boden. "Ach weißt du, ich hab großen Mist gebaut..."
Obwohl Marron die Antwort schon ahnte, fragte sie Miyako trotzdem obligatorisch, was denn geschehen war.
Miyako bedachte sie mit einem prüfenden Blick, überlegte, ob sie ihr berichten sollte, was vorgefallen war. Letztendlich wollte sie Marron in ihrem geknickten Zustand nicht noch mehr belasten.
"Miyako?"
Die Angesprochene hob ihren Kopf und entschied sich zum Reden.
"Na ja weißt du, ich hab gestern etwas Furchtbares angestellt.... Ich .... ich hab auf jemanden geschossen. Und... und ich hab sie getroffen. Sie sackte auf der Stelle zusammen und ... und da war Blut. So viel Blut! Ich werde diesen Anblick nie vergessen können! Dabei wollte ich doch nicht... Ich wollte es nicht tun!!!!",schluchzte sie.
Gespielt riss die Brünette ihre Pupillen auf. "Was? Du hast geschossen? Auf wen? Warum? Wie geht es der Person jetzt?"
Miyako starrte in die Luft, rang nach Atem und ließ sich besorgt auf den kalten Boden angelehnt an ihre Tür hinplumpsen.
Ihre Arme schlängelte sie um ihre Knie.
"Ich weiß es nicht. Sindbad hat sie mitgenommen, nachdem ich sie angeschossen habe. Ich war gestern Abend auf einem Einsatz mit Paps unterwegs. Ihr Name ist Jeanne. Sie ist gestern das erste Mal aufgetaucht"
Marron legte die Stirn in die Falten. "Miyako von was redest du?! Sindbad? Jeanne? Hast du zu viele Märchen gelesen?"
Miyakos Blick wurde auf einmal ernst. "Nein! Sie nennen sich so!"
In Marrons Körper entfachte sich ein Kampf. Sie wusste ja, dass es bei den beiden Personen um sie und Chiaki ging aber sie durfte ihre Identitäten um keinen Preis offenlegen. Deshalb bemühte sie sich, so gut es ihr gelang, die Nichtwissende zu spielen.
"Im Ernst? Sindbad? Jeanne? Und wer sind sie?", hakte die Braunhaarige weiter nach.
Miyako schüttelte den Kopf. "Ich weiß es nicht. Gestern habe ich Sindbad das erste Mal gesehen. Er trägt einen weißen Mantel, dunkle Hose, hat ein Stirnband und sieht jung aus meiner Meinung nach. Mein Vater hat ihn bereits des öfteren gesehen. Er ist auf der Jagd nach ihm. Sindbad sucht sich Opfer aus, verschiedene. Mal sind es Frauen, mal Männer. Er schickt uns bzw. den Opfern Warnungen in Form von Karten. Damit kündigt er sich an. Wieso er sich ankündigt, wissen wir allerdings nicht. Und was er mit den Opfern anstellt, wissen wir auch nicht. Er tötet sie nicht, so viel ist klar. Alle sie leben weiter nach dem Treffen mit ihm. Er nennt sich Dieb. Also stehlt er den Opfern etwas. Wir wissen aber nicht was. Es gibt keine Gegenstände, die die Opfer hinterher vermissen. Soweit Paps mich richtig informiert hat, tauchte Sindbad bisher immer alleine auf. Seit gestern jedoch ist eine weitere Person neben ihm aufgetaucht. Sie nennt sich Jeanne. Auch sie arbeitet anscheinend nach dem selben Schema. Sprich, sie schickt ebenfalls Warnungen. Sie hat blonde Haare, trägt ein schwarz-weißes Kostüm und sieht ebenfalls jung aus. Ja und jetzt sind wir an der Stelle angekommen, wo ich auf sie geschossen habe. Ich wollte Akô, so heißt das Opfer, unbedingt beschützen. Und dann ist mir einfach die Sicherung durchgebrannt und ich .... ich hab auf sie gezielt und abgedrückt!", schrie sie unter Tränen und bedeckte mit ihren Händen ihr verweintes Gesicht.
Unbewusst legte Marron ihre Hand auf die Stelle, wo Miyako sie getroffen hatte und strich darüber.
Dann ließ sie ihren Arm wieder sinken und bewegte sich mit einem verbissenem Gesichtsausdruck auf ihre Freundin zu, um neben ihr Platz zu nehmen und sie in den Arm zu nehmen.
"Sch.. Ist ja gut Miyako. Bitte beruhig dich. Ich bin mir sicher, es geht ihr gut. Du ... du hattest es ja nicht tun wollen. Und außerdem wolltest du das Opfer beschützen. Ich glaube du hast richtig gehandelt in der Situation", versuchte Marron sie zu trösten. Die Angesprochene hob ihren Kopf, wischte sich mit dem Ärmel die Tränen weg und starrte Marron mit einem leeren Blick an.
"Ach Marron, das klingt zwar wirklich beruhigend aber" Sie schüttelte niedergeschlagen ihren Kopf "Ich hab verdammt noch mal geschossen! Weißt du wie sich das anfühlt? Da war so viel Blut! Ich ... das ist ein beschissenes Gefühl! Was ist wenn sie tot ist? Ich wollte sie doch nur einschüchtern, ihr Angst machen. Und ich bin zu weit gegangen..." Sie legte reumütig ihre Stirn auf ihre Knie.
Marron seufzte und strich ihr über die Haare.
Sie wusste nicht mehr, wie lange sie so dasaßen. Miyako ließ sich nicht trösten. Hörte nicht auf die Worte von ihrer Freundin. Versank stattdessen immer mehr in ihrem Selbstmitleid. Irgendwann kehrte Miyakos Mutter von der Arbeit heim und registrierte sofort, was passiert war. Dankend nahm sie Marron ihre Tochter ab, lud die Brünette mit ins Apartment ein, was sie jedoch freundlich ablehnte.
Erschöpft begab sie sich ebenfalls in ihre Wohnung. Sie ahnte ja nicht, was ein paar Tage später auf sie zukommen würde....

Seit ihrem letzten Gespräch mit Chiaki vergingen sechs Tage. Fast eine Woche. Tage, in denen er sich bei ihr zu melden versuchte aber sie ihn komplett abblockte. Sie machte weder die Tür auf, als er bei ihr anklopfte, noch ging sie an ihr Telefon ran. Als er sie einmal auf der Straße erwischte, brüllte sie ihm ein "lass mich in Frieden!" und stieg rasch in ein vorbeifahrendes Taxi ein. Er hatte keine Chance, mit ihr zu reden. Deadline.
Sie versuchte sich mit allen Mitteln abzulenken, indem sie so gut es ging, ihrem Alltag nachging. Akademie, joggen, trainieren, Fernsehen. Alles. Nur nicht an ihn denken. Vergessen, was war. Jeanne vergessen, Sindbad vergessen. Einfach alles!
Und dann, als sie am siebten Tag mitten am Kochen war, holte die Vergangenheit sie ein. Plötzlich. Und vollkommen ungefasst. Nebenher sah sie sich einen Film an, der für eine wichtige Meldung unterbrochen wurde. Die Stimme der Moderatorin hallte laut und deutlich aus dem Aparat.
"Seit einigen Jahren schon ist die Polizei Tokios nach einem mysteriösem Sindbad auf der Jagd. Bisher jedoch erfolglos. Vor einer Woche tauchte wie aus dem Nichts eine weitere Diebin namens Jeanne auf. Genau wie bei Sindbad sind auch Jeannes Ziele bisher unbekannt. Heute morgen erhielt Kommissar Todaj eine weitere Karte von Sindbad. Ich zitiere "Heute Nacht werde ich Jeannes Seele rauben. Gezeichnet Sindbad, der Dieb" Mit dieser Nachricht stellt der Dieb die Auffassungen der Polizei komplett auf den Kopf. Sind sie also Feinde? Wer sind sie? Und wird es heute einen Kampf zwischen den beiden geben? Wir wissen es nicht und halten sie weiterhin auf dem Laufenden"
Marron erstarrte. Ihr Atem setzte aus. Fassungslos schüttelte sie ihren Kopf. Wie in Zeitlupe fingen sich ihre Hände an zu Fäusten zu ballen. Jetzt ist er zu weit gegangen.
Das hieß Krieg....
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