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Schwarze Liebe

von Liaya
GeschichteMystery / P18 / Gen
29.11.2017
08.05.2018
34
122.437
6
Alle Kapitel
59 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
17.12.2017 3.603
 
Hallo liebe Leser/innen!

An dieser Stelle geht es weiter :)
Falls euch etwas auffällt, egal was, teilt es mir mit. :)) Hoffe aber, dass alles soweit schlüssig ist.
Da wir jetzt bei fast der Hälfte angekommen sind und ich zudem momentan wirklich viel um die Ohren hab, werde ich eine kurze Verschnaufpause machen. ))) So etwa 5 Tage. danach geht es weiter, versprochen!

So und nun lehnt euch zurück und habt ganz viel Spass beim lesen dieses Kapitels :)

Mit den besten Grüßen
Liaya ;)

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Kapitel 15 - Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit!

Sie stand unter einem Schock. Ihr Körper zitterte. Ihre schmalen Finger krallten sich in die Waffe, die sie immernoch in ihrer Hand hielt, fest. Sie saß auf dem kalten Erdboden, mit dem Rücken an einen hohen, dicken Baumstamm angelehnt. Um sie herum waren Menschen. Viele Menschen. Und alle sie redeten auf sie ein. Was sie sagten, verstand sie nicht. Hörte es nicht, weil alle Stimme gedämpft zu ihren Ohren drangen. Ihr Blick war starr in die Ferne gerichtet. Sie blinzelte nicht einmal. Irgendwann spürte sie Übelkeit in sich aufkommen. Aber es war ihr egal. Sie ignorierte es.
Dann registrierte sie, dass ihr jemand eine Decke um die Schultern legte. Auch das ließ sie einfach über sich ergehen.
Einige Sekunden später sah sie mit einem leeren Blick ihren Vater, Himuro Todaj an, der ihr vorsichtig mit einem Tuch in der Hand, die Waffe entriss.
Miyako hörte ihn auf sie einreden, vernahm, dass sich seine Lippen bewegten, begriff aber kein einziges Wort von dem Gesagten.
Sie war nicht in der Lage zu Hören, zu Denken und eine Antwort zu geben.
Sie war zu nichts in der Lage gewesen.
Das ganze Geschehen lief komplett an ihr vorbei. Irgendwo weiter weg erblickte sie Akô, die mittlerweile in den Armen ihres Vaters ruhte.
Als nächstes spürte sie, wie jemand ganz plötzlich ihren Körper rüttelte. Erst sanft, dann etwas heftiger.
"Miyako! MIYAKO, komm zu dir! Hörst du?", schrie ihr Vater auf sie ein.
Sie hob ihren Blick und schaute ihn an. Verständnislos.
"Na komm, ich helf dir auf"
Sie nickte geistesabwesend. Himuro griff unter ihre Achseln und stemmte sie in die Höhe.
In ihrem Kopf drehte sich alles, ihr wurde schwarz vor Augen. Im selben Moment spürte sie ihn. Den schweren Stein in ihrem Magen. Die Übelkeit ergriff sie und bannte sich ihren Weg von ihrem Bauch bis zum Hals hinauf. Unwillkürlich begann sie nach Luft zu rangen, merkte aber schnell, dass es ihren Zustand nur verschlimmerte. Hustend taumelte sie einige Schritte vorwärts, kippte ihren Kopf nach unten und übergab sich.
Himuro stellte sich neben sie und reichte ihr ein Tempo sowie eine Flasche Wasser, die sein Angestellter ihm freundlicherweise gebracht hatte.
Nachdem sie dankend einige Schlucke zu sich genommen hatte, putzte sie ihre laufende Nase und spülte ihren Mund aus.
"Na, geht es wieder?", nickte Himuro seiner Tochter zu.
"Ja, danke. Ich... Papa es tut mir leid. Es tut mir so leid. Ich war außer mir. Ich wollte es nicht! Ich wollte nicht schießen! Ich wollte es nicht!" In ihren dunklen Augen bildeten sich Tränen.
Er schloss sie in seine Arme. "Sch! Miyako, ich weiß. Beruhig dich. Bitte beruhig dich. Wir werden später reden. Es ist besser, wenn du jetzt nach Hause fährst, hörst du? Fahr heim und versuch auf andere Gedanken zu kommen. Du hast einen schweren Schock erlitten. Deine Mutter wird sich um dich kümmern. Ich sag ihr Bescheid. Wataru wird dich heimfahren. Ich erledige den Rest hier"
Sie antwortete nicht. Alles, wozu sie in jenem Moment fähig war, war zu weinen. Hemmungslos. Ihre bebenden Finger krallten sich in den Mantel des Kommissars.
Er schloss die Arme noch fester um seine Tochter und ließ sie eine Weile lang ausweinen.
Nach einigen Minuten schien sie sich etwas zu beruhigen und seufzte tief. Himuro ließ sie sanft los und sah in ihr nickendes Gesicht.
"Ist gut, Papa. Es ist wohl besser so, wenn ich jetzt zu Mama fahre. Ich werde stark sein, ich verspreche es", schwor sie ihm und folgte dem Mitarbeiter namens Wataru, der bereits auf Miyako gewartet hatte.
Der Kommissar machte seinem Angestellten ein Zeichen mit dem Kopf, dass er auf Miyako aufpassen sollte. Dann endlich konnte er sich dem Opfer zuwenden.


Vor einigen Minuten war Sindbad, Jeanne in seinen Armen haltend in seinem Apartement erschienen und legte ihren Körper behutsam auf sein Bett.
Die Wunde blutete immernoch heftig, sodass das weiße Bettlaken sich abrupt rot davon zu färben begann. Jeanne rührte sich nicht und er spürte Panik in sich aufkommen.
Er wusste nicht, konnte nicht beurteilen, wie tief die Verletzung war. Und ob die Kugel sie nur gestreift hatte oder durch ihren Bauch hindurch ging oder immernoch in ihrem Körper war. Sindbad sah nur eins-  dass es zu viel Blut war, das heraustrat. Und diese Tatsache raubte ihm den Nerv. Trieb ihn an eine Grenze dessen, wo nackte Angst und Panik aufeinandertrafen.
Zitternd legte er seine Hand auf sein Kreuz und wurde wieder er selbst. Obwohl er am liebsten ausgerastet wäre und vor Hass geschrien hätte, wusste er, dass er sich beherrschen und einen kühlen Kopf bewahren musste.
Er rang mehrmals und in sehr kurzen Zeitabständen nach Luft. Durchatmen. Er musste tief durchatmen und den Schock bekämpfen. Für Aufregung und Unruhe war jetzt keine Zeit.
Nach einigen Minuten fasste er sich einigermaßen und beschloss, sich stur aufs reine Handeln zu konzentrieren. Er wusste, die Zeit war jetzt sein Feind.
Er rannte ins Bad, wusch sich schnell die Hände, holte den Erste-Hilfe-Kasten und eilte zu Jeanne zurück. Hastig schob er ihr Oberteil hoch, riss mehrere Verbandspackungen auf, streifte sich Handschuhe über und presste ihr die Mullbinden auf die Wunde drauf, um die Blutung zu stoppen. Dann rüttelte er sie äußerst vorsichtig. "Jeanne, hörst du mich? Jeanne?",rief er ihr zu. Sie reagierte nicht. Chiaki legte seine Fingerspitzen auf die Innenseite ihres Handgelenks und kontrollierte ihren Puls. Er schloss dabei die Augen und konzentrierte sich auf das Pulsieren ihrer Ader und atmete nach einigen Sekunden etwas erleichtert auf. Zwar waren die Pulswellen niedrig aber immerhin war sie noch am Leben.
Das war ein gutes Zeichen.
Mit einer Hand drückte er ihre Wunde weiterhin zu und mit der anderen Hand schlug er ihr zärtlich auf die Wange. "Jeanne! Jeanne, hörst du mich? Bitte komm zu dir! Mach die Augen auf, bitte! Komm schon!"
Wieder keine Reaktion. Angestrengt presste er seine Lippen aufeinander und überschlug die Situation und die Möglichkeiten, die er hatte.
Sein Kreuz konnte zwar heilen aber das Problem war, dass es nur seine eigenen Wundmale aufrichten konnte. Bei ihr würde es keine Wirkung zeigen. Und ihr eigenes Kreuz konnte nur sie selbst einsetzen. Verdammt und zugenähnt! Einen Augenblick lang dachte er an die Option, seinen Vater zu benachrichtigen, warf diese Idee aber schnell wieder aus dem Kopf.
Das Hauptproblem in dieser Situation war, dass Marron als Jeanne dalag. In dieser Erscheinung konnte er sie schlecht den Notärzten vorführen. Verdammt, verdammt, verdammt!
Seine einzige Chance war es, sie mit allen Mitteln aus ihrem Tiefschlaf aufzuwecken. Er musste dafür sorgen, dass sie zu sich kam.  Aber sie reagierte weder auf seine Ansprache noch auf seine Berührungen.
Chiaki schloss seine Augen, überlegte krampfhaft und dachte anschließend fest und entschlossen "Bitte entschuldige aber du lässt mir keine andere Wahl, Jeanne. Ich tu es wirklich ungern aber du musst wachwerden!" Damit holte er aus und verpasste ihr eine Ohrfeige, so stark, dass man ein lautes Klatschen hören konnte.
Und zu seiner Erleichterung geschah tatsächlich ein Wunder. Betäubt und mühsam regte sie sich  und schlug ihre Augen auf.
"Jeanne! Wie schön, du kommst zu dir", atmete er erleichtert auf und lächelte sie an.
Die Angesprochene wusste zunächst nicht, wo sie sich befand. Sie fühlte sich wie unter einer vollen Dosis Narkosemittel stehend. Vor ihren Augen verschwamm alles. Irritiert blinzelte sie den Blauhaarigen an und bemühte sich um ein klares, scharfes Bild.
Dann endlich funktionierte es und sie konnte Chiakis Statur erkennen.
"Chiaki...", wisperte sie kaum hörbar und versuchte orientierungslos ihren Kopf anzuheben.
"Halt, halt halt. Sch, ganz ruhig, nicht bewegen", hielt er sie auf und griff nach ihrer unbeweglichen Hand um sie auf ihre Kette zu legen. "Jeanne, tu jetzt bitte das, was ich dir sage"
Ihre Lider erschlafften und fielen wieder zu.
"Nein, nicht einschlafen! Jeanne, halt dich wach, das ist wichtig!", rief er ihr ungeduldig zu.
Intensiv gab sich die Angesprochene alle Mühe seiner Aufforderung nachzukommen und öffnete kräftezehrend ihre Lider.
"Gut so! Du machst es prima! Bitte verwandel dich zurück, Jeanne"
Sie nickte und drückte soweit es ihren Kräften nach möglich war, ihre Hand gegen ihr Kreuz und wurde eine Sekunde später wieder sie selbst.
Freudig nickte er ihr zu. "Okay, gut so! Du bist stark, halt durch" Er atmete aus und machte ihre Kette auf um sie gleich darauf samt ihrer offenen Hand auf ihre Wunde zu legen.
"Und jetzt konzentriere dich bitte auf deine Verletzung und denk ganz fest an den Verschluss deiner Wunde"
Die Braunhaarige willigte mit ihren Augen ein und tat es.
Ihre Handlung fing an, Wirkung zu zeigen. Über ihren Bauchbereich herum breitete sich ein helles Licht aus und das Blut fing an, langsam zu verschwinden.
"Gut so! Mach weiter", sprach Chiaki ihr zu und ließ seinen Blick nicht von ihr ab.
Doch dann geschah etwas, was ihn zur Verzweiflung trieb.
Mitten im Verfahren fielen ihre Augen wieder zu und sie verlor erneut ihr Bewusstsein, ehe sich die Wunde komplett zuziehen konnte.
Erschlagen schüttelte der Blauhaarige seinen Kopf. Zwar startete er noch einige Versuche, sie wieder wachzurütteln aber sie führten alle ins Nichts.
Frustriert traf er einen Entschluss, der ihm schwerfiel. Aber er hatte keine andere Option und wusste nicht, wie er sonst noch ihr Leben retten konnte.
Mit zittriger Hand fasste er sein Telefon und wählte die Nummer seines Vaters.
In der Leitung tutete es einige Male, bevor sich eine verschlafene Stimme meldete.
"Ka..Kaiki Nagoya am Aparat, wer ist dran bitte?",
"Vater, ich bins! Wach auf, ich ...." Er war durcheinander und merkte, dass er zu stottern anfing. Chiaki ballte eine Faust und zwang sich zusammenzureisen. "Komm schnell zu mir. Eine Freundin hat eine Schusswunde und ...."
Weiter kam er nicht und wurde direkt von Kaiki's nun hellwacher Stimme unterbrochen "Bin schon auf dem Weg! Halt sie wach, wenn es irgendwie möglich ist! Press ihr ein Handtuch auf die Wunde und stopp soweit es geht die Blutung!", rief er laut in den Hörer und war gerade dabei sich anzuziehen.
Der Angesprochene verdrehte genervt seine Augen. Als ob er keine Ahnung hätte, wie man eine Wunde versorgt. Schließlich studierte er Medizin. Doch er verzichtete auf eine Bemerkung und antwortete stattdessen brav "Ist gut" und legte auf.
Zwanzig Minuten später war sein Vater samt einem Krankenwagen an Ort und Stelle.
Während seine Kollegen die bewusstlose Marron auf eine Tragfläche umlegten, erkundigte sich Kaiki bei seinem Sohn, wie viel Blut seine Freundin bereits verloren hätte.
Der Angesprochene schüttelte bedauernd den Kopf. "Ich kann es nicht einschätzen. Viel meiner Meinung nach. Ich weiß es nicht. Zum Teufel nochmal, ich weiß es nicht!", schrie er.
"Ist ja gut! Beruhige dich, Sohnemann. Sie hat einen Puls. Zwar einen schwachen aber immerhin schlägt ihr Herz noch. Wir müssen sie operieren. Und das möglichst schnell. Danach sehen wir weiter"
Chiaki nickte, griff nach Portmonee, Jacke und Autoschlüssel und folgte Kaiki nach draußen.

Einige Stunden später befand sich der Blauhaarige wartend vor dem OP- Saal und wippte ungeduldig mit seinem Fuß auf und ab. Seine Augen waren die ganze Zeit auf den Raum fixiert, in dem sich die Brünette befand.
Irgendwann erlosch das rote Lämpchen über dem Saal und signalisierte ihm, dass es vorbei war. Das Warten hatte endlich ein Ende.
Als Kaiki übermüdet aus dem Raum kam, sprang sein Sohn so hastig von seinem Stuhl auf, dass dieser den Halt verlor und zur Seite umkippte.
"Und? Wie geht es ihr? Wie ist die OP verlaufen? Hat sie es geschafft?" Vor lauter Unruhe redete er wie ein Wasserfall.
Kaiki schwieg und deutete ihm mit einem ernsten Gesichtsausdruck ihm zu folgen.
Der Blauhaarige riss seinen Mund auf, schluckte aufgeregt und setzte sich stumm in Bewegung.
Wie lange sie marschiert waren, wusste er nicht. Chiaki registrierte nur, dass sie an mehreren Krankenschwestern vorbeipassiert waren und über Abkürzungen, die wahrscheinlich nur für das Krankenhauspersonal bestimmt waren, irgendwann das Zimmer erreichten, in dem die Braunhaarige jetzt friedlich und schlummernd auf ihrem Bett lag. Er sah ihr schlafendes Gesicht durch ein Fenster und beruhigte sich etwas.
"Setz dich", bat ihn Kaiki und nahm auf einer Bank vor dem Patientenzimmer Platz.
Sein Sohn seufzte laut und gesellte sich widerwillig neben ihn.
Kaiki legte sichtlich angespannt seinen Kopf in den Nacken und musterte die frisch gestrichene blassgelbe Decke über ihm.
"Sie wird es schaffen. Die Kugel ging hindurch. Ihr Zustand ist einigermaßen stabil", sagte er ruhig.
Als Chiaki etwas entgegnen wollte, hielt er ihm warnend die Hand vor seiner Brust.
"Ich bin noch nicht fertig. So wie ich die Situation sehe; und glaub mir, ich täusche mich ganz sicher nicht, gehe ich stark von der Vermutung aus, dass du sie aus welchen Gründen auch immer in deine Machenschaften reingezogen hast. Und jetzt sag mir eins, mein Lieber. Hast du den Verstand verloren?! Es reicht schon, dass DU in diesem ganzen Wahnsinn bis zum Hals drinsteckst! Was zum Henker hast du dir dabei gedacht?", stierte er ihn wütend an.
Der Angesprochene starrte reglos zur Seite.
Ja, sein Vater wusste von Sindbad. Dummerweise gab es eine Situation in der Vergangenheit, bei der Kaiki hinter sein Geheimnis gekommen war. Und sein Vater musste ihm widerwillig schwören, dass er dicht halten würde.
Kaiki hielt nichts von Sindbads Job. Er verstand den Job nicht. Und gab sich auch keine Mühe, Chiakis Gründe nachzuvollziehen. Er wollte nicht, dass Chiaki so etwas tat. Versuchte es ihm damals mit allen Mitteln auszureden. Aber sein Sohn war stur. Er machte das, was er wollte. Es war Kaiki auch bestens bekannt, dass die Polizei nach Sindbad fahndete und es tat ihm weh zu wissen, dass sie nach seinem eigenen Sohn suchten. Und als ob das nicht genug wäre, zog Chiaki jetzt auch noch eine weitere Person in seinen Job rein.
Grübelnd erhob sich Chiaki von seinem Platz und lehnte sich mit dem Rücken ans Fenster der Patientin.
"Ich... ich bin dir keine Rechenschaft schuldig, Vater. Es gab Gründe dafür, warum sie gebraucht wurde und diese Gründe..."
"Kannst du mir nicht erzählen. Ja, ja! Ich weiß!", stieß Kaiki ungehalten hervor und fuhr sich über die Stirn.
"Werdet ihr jetzt zusammenarbeiten?"
Der Blauhaarige seufzte und zuckte ratlos mit den Schultern. "Das kommt ganz auf sie an"
Kaiki entfuhr ein verbissenes Stöhnen. "Hm... ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll, Chiaki. Auf mich hörst du ja schon lange nicht mehr"
"Ja, um genau zu sein seitdem Chisato gestorben ist!", stimmte er seinem Vater zu und verschränkte unbeherrscht seine Arme vor der Brust.
"Oh man, fängt das schon wieder an! Chiaki wie oft soll ich dir noch wiederholen, dass ich..."
"Du konntest dich damals verdammt nochmal anders verhalten! Du konntest es!", warf er seinem Vater vor und wandte sein Gesicht von ihm ab.
Kaiki schüttelte entsetzt den Kopf und wechselte das Thema. "Tu mir bitte einen Gefallen und lass sie die Nacht noch hier verbringen. Ich hab ihr Kreuz gesehen als ich sie operierte. Wahrscheinlich kann sie sich genau wie du damit heilen. Das kann sie ruhig tun. Vielleicht ist es umso besser, wenn sie schneller fit wird. Aber lass sie trotzdem ausschlafen. Morgen früh werde ich, sofern sie darauf bestehen wird, die Entlassungspapiere unterschreiben"
Chiaki hob den Kopf an und musterte seinen Gesprächspartner ernst. "Und deine Kollegen? Sie werden sich doch wundern, wenn Marron nach so einer OP direkt entlassen wird?"
"Mach dir da keine Gedanken. Ich werde mir was einfallen lassen. Schließlich bin ich nicht umsonst Chefarzt" Damit kehrte er Chiaki den Rücken zu und machte sich entlang des Korridors Richtung Aufzug auf. Zwischen Tür und Flur blieb er kurz stehen und ergänzte "Ach ja. Tu mir bitte einen Gefallen. Pass auf sie auf und lass es nie wieder zu so etwas kommen. Ich werde mich jetzt um Kommissar Todaj kümmern. Er hat mehrmals bei mir angerufen während ich mit diesem Mädchen beschäftigt war. Ich gehe stark davon aus, dass er wissen möchte, ob heute Nacht eine Person mit Schussverletzung bei mir eingeliefert wurde. Du erinnerst dich? Er hat sich bereits in der Vergangenheit einige Male bei mir gemeldet, wenn gesuchte Personen mit Verletzungen auf einmal verschwunden waren"
Der Blauhaarige nickte. "Was wirst du ihm sagen?"
Der Chefarzt lächelte das erste Mal seit dieser Nacht. "Na was schon? Das übliche. Ich halte mich an meine Schweigepflicht", zwinkerte er ihm zu und verschwand im Aufzug.
Eine Weile lang blieb der Blauhaarige reglos auf der Stelle stehen und betrachtete Marron durchs Fenster. Er wusste nicht, was er als nächstes tun sollte. Zu ihr reingehen? Nach Hause fahren und sich ebenfalls etwas Ruhe gönnen?
Marron schlief tief und fest. Das war augenscheinlich.Ihre Lider waren geschlossen, ihr Brustkorb senkte sich auf und ab.
Er lachte leise. Wie friedlich  sie doch aussah, wenn sie schlief!
Unbewusst biss er sich auf die Lippen und begab sich in den Raum hinein.

Im Hause Todaj war die Situation sehr angespannt, als Himuro von seinem Dienst heimkehrte.
Das Erste, was er aus dem Flur heraus erhaschte, war seine Frau auf der Couch sitzend mit seiner Tochter, die ihren Kopf auf den Schoß ihrer Mutter gebettet hatte.
Und in diesem Moment wusste er, dass die Nacht noch lange nicht vorbei war für ihn.
Himuro zog seine Schuhe und seinen Mantel aus, legte beim Vorbeigehen am Tisch seine Dienstwaffe darauf ab und gab seiner Frau einen flüchtigen Kuss auf die Stirn.
Als er neben ihr Platz nahm, hob Miyako ihren Kopf und grüßte ihn.
"Ich lasse euch jetzt besser allein. Ihr habt zu reden und ich gehe in die Küche und koche uns allen einen starken, heißen Kaffee", schlug Miyakos Mutter vor und begab sich in die Küche.
"Danke, Schatz. Den können wir jetzt wirklich gebrauchen", rief Himuro ihr nach und wandte sich Miyako zu.
"Wie geht es dir?"
"Hm, den Umständen entsprechend", lachte sie leise und starrte auf den Boden. "Muss ja morgen aufs Revier und eine Aussage machen".
Himuro zog verwundert die Augenbrauen in die Höhe. "Wozu?"
"Na ich hab doch geschossen und die da oben wollen bestimmt ..."
Ihr Vater räusperte sich. "Nein Miyako. Als erstes- und merk dir das gut, hörst du? ICH habe geschossen und "
Fassungslos unterbrach sie ihn "Aber..."
Er legte ihr aufhaltend den Zeigefinger auf den Mund. "Kein aber. Meine Kollegen haben die Waffe gründlich gesäubert und ich hab sie anschließend für einen Schuss in die Luft benutzt. Somit sind meine Fingerabdrücke jetzt drauf. Nur meine. Als Auszubildende darfst du nur in Notwehr schießen. Der Fall stellte  keine Notwehr dar. Ich dagegen als Kommissar darf meine Waffe auch in anderen Fällen benutzen. Aber darüber unterhalten wir uns ein anderes Mal. Würdest du dich stellen, wäre deine Ausbildung somit Geschichte. Das lasse ich nicht zu. Die Kollegen, die vor Ort waren, sind bereits informiert und werden im Falle des Falles die Sachlage bezeugen. Damit wäre dieses Thema vom Tisch. Der zweite Punkt. Ich bin immernoch der Hauptkomissar, der Chef dieses Reviers. Wenn du dich vor jemanden rechtfertigen musst, dann vor mir, nur damit das klar ist. Was nach oben dringt, habe immer noch ich zu entscheiden. So und jetzt bin ich fertig. Wenn du etwas zu sagen hast, ich bin ganz Ohr"
Er musterte seine Tochter ernst.
"Ich kann das nicht zulassen. Ich muss doch für mein Handeln irgendwelche Konsequenzen tragen!",rief sie außer sich.
"Das wirst du auch, meine Liebe. Wir reden morgen darüber. Auf dem Revier in meinem Büro"
Er klopfte ihr kurz auf die Schulter und erhob sich, um duschen zu gehen.
Miyako kniff reumutig ihre Augen zusammen und schluckte.

Chiaki hockte eine Weile lang in Ruhe neben Marron auf dem Bett und blickte sie an.
Als er ihr über den Handrücken strich, bewegte sie sich und öffnete mühsam ihre Augen, um in sein lächelndes Gesicht zu schauen.
"Wie fühlst du dich?",fragte er sie zärtlich.
Ihre Reaktion überraschte ihn und zog ihm den Boden unter den Füßen weg.
"Hör auf!",warf sie ihm mit einem wütenden Blick vor.
"Was?"
"Ja genau, was!", rief sie mit einer rauen Stimme und räusperte sich.
"Marron, ich versteh nicht ganz" Er blickte die Brünette irritiert an.
"Das war mir klar, dass du damit kommst! Chiaki, ich gebe dir eine letzte Chance! Was verschweigst du mir? Was hatte Akô damit gemeint, als sie mich fragte, ob ich die Wahrheit wüsste? Du verschweigst mir doch etwas. Ich will ALLES wissen! Wie verdammt kam es zu unserem Treffen? Für wen arbeitest du? Und warum rufen wir "im Namen des Teufels" wenn wir uns verwandeln? Sag mir die Wahrheit! Jetzt!"
Chiaki hielt inne. Sie hielt ihm eine imaginäre Pistole vor die Brust und er wusste, sie meinte es ernst.

Fortsetzung folgt....
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