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Schwarze Liebe

von Liaya
GeschichteMystery / P18 / Gen
29.11.2017
08.05.2018
34
122.437
6
Alle Kapitel
59 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
10.12.2017 3.465
 
Hallo liebe Freunde,
schon sehr bald ist Halbzeit )) Hier ist die Fortsetzung der Geschichte. Bin gespannt, wie es ankommt.
Das 12. Kapitel wird in den nächsten 2-3 Tagen kommen, bin momentan viel unterwegs und kann es erst hochladen, wenn ich wieder einige Momente der Ruhe habe ;) aber keine Sorge, die FF ist wie angekündigt fast fertig, sprich ich bin schon mit allen Kapiteln durch. Also an diejenigen, die denken, dass ich abbreche - keine Chance :P

So und nun ganz Viel Spaß,

Eure Liaya


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Kapitel 11- Das Erwachen

Kommissar Himuro Todaj war außer sich, als er den Konferenzraum eiligen Schrittes betrat. In ihm brüte es.
Er durchmaß den Raum, bemerkte dabei die schuldigen Mienen seiner Mitarbeiter und blieb am Ende des ovalen Tisches, welcher sich mitten im Raum befand, stehen. Auf einen Sitzplatz verzichtete er. Momentan war ihm alles andere als nach einem gemütlichem Kaffeekränzchen. Er blieb aufrecht und stützte sich an der Rückenlehne eines Stuhles ab.
"Irgendwelche Neuigkeiten?", presste er zwischen den Zähnen hervor und fixierte die drei Männer, die auf Yamato aufpassen sollten.
Alle drei sahen sich flüchtig an, wie um zu bestimmen, wer von ihnen die negative Neuigkeit überbringen sollte.
Dann fasste sich einer von ihnen und erhob sich. "Wir haben überall gesucht. Leider ohne Erfolg bisher".
Diese Antwort überraschte Himuro nicht. Er hatte schon mit ihr gerechnet. Sein Blick musterte den kräftigen Mann mit dunkelroten, kurzgeschnittenen Haaren. Er haute mit der Faust auf den Tisch. Laut, so dass die drei aufschreckten.
"Ich will, dass ihr ihn mit allen Mitteln, habt ihr gehört, mit allen Mitteln findet! Er kann sich doch nicht in Luft aufgelöst haben!",rief er.
Die drei Männer nickten stumm. Keiner von ihnen traute sich, ein Wort zu sagen. Sie wussten, wenn ihr Chef wütend war, dann sollte man besser nicht mit ihm scherzen.
Die beiden anderen erhoben sich und räumten zusammen mit ihrem Kollegen den Saal.
Himuro atmete durch und wischte sich die nasse Stirn mit einem Tempo ab.
So sehr er es versuchte, er konnte es nicht nachvollziehen. Wie um Himmels willen konnten seine Angestellten in dieser Nacht bloß einschlafen?! Wie? WIE? Es waren seine besten Männer! Bisher hatten sie sich nie soetwas geleistet!
Und dieser Yamato hatte ihm auch noch gefehlt! Er hatte schließlich besseres zu tun, als auf einen Jugendlichen aufzupassen!
Womöglich war er schon bei Sindbad.
Der Kommissar schüttelte den Kopf.
Nein, daran durfte er nicht denken!
Er hoffte, dass er nicht in seinen Händen war.
Ganz genau konnte Himuro nicht sagen, welchen Job dieser Sindbad verfolgte. Er konnte ihn nicht einschätzen.
Seine erste Begegnung mit dem Dieb war vor zwei Jahren gewesen. Er erinnerte sich an diesen Tag, als ob es gestern passiert wäre.
Damals hatte er und sein Team die Aufgabe, eine junge Frau vor dem Selbstmord zu bewahren. Sie stand vor einer Klippe und hielt sich ein scharfes Messer an den Hals. Da sie sich mit diesem vor seinen Augen bereits eine Schnittwunde unterhalb ihres Kinns zugefügt hatte, wusste er, dass sie mit dem Selbstmord nicht scherzte.
Nie und nimmer wird er ihre Augen vergessen können. Sie leuchteten wie die einer Bestie. Er hatte sowas noch nie zuvor gesehen. Und ihre Stimme. Sie war nicht die einer jungen Frau. Himuro wusste damals nicht, wie er sie aufhalten sollte. Mit welchen Mitteln.
Er stand vor einem Rätsel. Und dann kam "er". Wie aus dem Nichts erschien dieser Junge in einem weißen Mantel und schwarzer Jeans. Das nächste, was ihm sonst noch an ihm auffiel, waren seine himmelblauen, strahlenden Augen. Und dann geschah etwas, wofür er bis heute keine plausible Erklärung finden konnte. Er stellte irgendetwas mit der Frau an. Was genau irgendetwas war, konnte Himuro nicht definieren. Er hörte nur noch einen lauten Schrei des Opfers. Dieser Schrei war nicht von dieser Welt. Seine Haare stellten sich zu Bergen auf. Und dann fiel die Frau zu Boden, erwachte nach wenigen Minuten und konnte sich an nichts erinnern. Sie war wieder sie selbst.
Als der Kommissar sie in den Armen hielt, erkundigte er sich nach dem Namen des Jungen.
Seine Antwort hallte bis heute laut und deutlich in seinen Ohren.
"Ich nenne mich Sindbad, der Dieb. Und ich rate Ihnen nicht, mich zu jagen. Sie werden immer einen Schritt hinter mir sein" Damit wandte er sich um und verschwand. Zurück blieb ein irritierter und verstummter Kommissar.
Seitdem sind nun zwei Jahre vergangen. Zwei Jahre, in denen der Junge im weißen Mantel hin und wieder während seiner Einsätze erschien. Vorher jedoch schickte er immer seine schwarz-weißen Kärtchen an ihn. Warnungen.
Wieso warnte Sindbad ihn? Wollte er mit der Polizei spielen? Wozu brauchte er sie? Als Zuschauer bei seiner Show?
Er seufzte, holte tief Luft und massierte seine Schläfen.
Bisher konnte er nur feststellen, dass es den Opfern nach Sindbads Auftauchen besser ging. War er also ein Helfer? Spielte er auf der guten Seite?
Andererseits nannte er sich Dieb. Er stehlte etwas. Nur was? Die Warnungen gaben ihm eine Antwort. "Die dunkle Seele rauben".
Nervös ging er durch den Sitzungssaal auf und ab. Was genau bedeutete "dunkle Seele"?
Er hatte keine logische Erklärung.
Und dann erinnerte er sich an eine Nacht, in der er Sindbad danach fragte, auf welcher Seite er stehe.
"Machen Sie sich keine Hoffnungen, Kommissar. Ich spiele eindeutig gegen Sie", war seine Antwort.
Er spielte gegen die Polizei. Befreite andererseits aber Opfer. Von was auch immer. Dass die Polizei ihn jagte, wollte er nicht. Schickte ihnen aber auf der anderen Seite Warnungen. Verdammt! Er drehte sich im Kreis. Es war zum Verrücktwerden! Die Katze biss sich in den eigenen Schwanz.
Die einzige Möglichkeit, die er hatte, war Sindbad zu fassen und ihn zu verhören.
Aber als erstes musste Yamato gefunden werden.
Er blieb am Fenster stehen und zündete sich eine Zigarette an. Draußen war es bereits dunkel. Und es fing an zu schneien. Die ersten Flocken für dieses Jahr fielen langsam vom Himmel herunter und blieben auf dem Asphalt liegen. Er seufzte und blickte auf die Uhr. Dann öffnete er behutsam das Fenster, warf seine Zigarette weg und tappte in sein Büro.

In Chiaki tobte es, als er am vereinbarten Treffpunkt ankam. Er war am Rande der Stadt und er war am Rande des Wahnsinns. Er hatte eine ganze Stunde mit dem Wagen gebraucht und hielt vor dem angekündigten Gebäude an. Bevor er jedoch hineinstürmte, musste er sich eine Frage beantworten, die ihn die ganze Zeit über gequält hatte. Er zögerte, wusste aber, dass er schnell handeln musste.
Die Frage, die ihm unter den Fingernägeln brannte, war, wie er Yamato gegenübertreten sollte. Als Chiaki? Als Sindbad?
Würde er als Sindbad kommen, würde Marron womöglich denken, dass Chiaki ein Feigling wäre und sich vor dem Treffen drücken würde. Als Chiaki hatte er aber kaum Chancen gegen einen Dämon.
Verdammt und zugenäht! Wie sollte er handeln? WIE?
Die Zeit rannte ihm davon.
Er musste aufhören zu zögern und handeln.
Der Entschluss fiel ihm nicht leicht. Aber er traf ihn. Musste ihn aus Not treffen.
Er verzichtete auf Sindbad. Schließlich erwartete Yamato Chiaki. Und als er selbst musste er hingehen.
Entschlossen stieg er die Treppen bis ins oberste Stockwerk hoch und wurde klatschend begrüßt.
"Chiaki, mein Freund, wie schön dich zu sehen!"
"Wo ist sie?",stierte ihn der Angesprochene an.
"Du bist ganz schön ungeduldig. Aber du hast recht. Wir sollten das Ganze endlich beenden. Ich kann deine Miene auch nicht mehr länger ertragen. Ich will dich sterben sehen! Schreiend sollst du zu Grunde gehen!", lachte er teuflisch.
"Meinetwegen. Ich bin einverstanden. Ich will sie sehen", sagte er kühl.
"Dein Wunsch ist mir Befehl". Yamato drehte sich um und verschwand für einige Sekunden hinter einer Tür. Dann erschien er wieder mit der Brünetten, die er am Arm festhaltend vorführte.
Sie zitterte. In ihren Augen war Angst.
Ihr Mund war mit einem Klebeband verbunden, ihre Hände hinter dem Rücken gefesselt.
Als sie Chiaki anblickte, versuchte sie sich aus Yamatos Griff zu lösen. Er griff jedoch fester zu.
Er starrte sie an und spürte, wie sich alles in ihm zusammenzog. Ihm wurde übel. Unwillkürlich rang er nach Luft. Er war so wütend, so hasserfüllt auf den Braunhaarigen, dass er ihn am liebsten in Stücke gerissen hätte.
"Lass sie gehen! Ich bin da. Tu mit mir, was du willst aber lass sie gehen!",schrie er wild.
Mit einem breiten Lächeln schüttelte Yamato den Kopf. "Nein, mein Lieber, so funktioniert das nicht! Erst werde ich dich umbringen, dann lass ich sie gehen! Sie soll zusehen, wie du stirbst! Schließlich brauche ich einen Zeugen!",zwinkerte er ihm zu.
"Du verdammter Bastard! Willst du sie ruinieren? Weißt du, was du ihr damit antust? Sie wird mit diesem Bild vor ihren Augen den Rest ihres Lebens verbringen müssen! Spinnst du jetzt total?!"
"Soll sie doch! Ihr beide habt mich hintergangen! Wie Dreck behandelt! Jetzt werdet ihr die Quittung dafür kassieren!"
Chiaki war fassungslos. War der Typ jetzt komplett irre? Begriff er selbst, was er gerade tat?
Und dann wurde Yamato die ganze Rederei anscheinend zu viel. Plötzlich und ohne jede Vorwarnung hob er seinen Arm, streckte ihn aus, verwandelte sein teufliches Lachen in eine versteinerte Miene und ließ eine schwarze Macht erscheinen, die er auf Chiaki schleuderte.
Es gelang ihm nicht, rechtzeitig auszuweichen. Yamato traf ihn. Keuchend schlug er auf dem Boden auf.
Marron fing an, sich wild zu wehren und schrie. Da ihr Mund verklebt war, waren nur laute "Muh" Geräusche als Resultat zu hören.
Genervt stieß Yamato Marron zur Seite. Sie stolperte und fiel auf den harten Betonboden.
"Marron! Lauf! Lauf weg! LAUF!", befahl ihr der Blauhaarige und richtete sich mühsam auf. Seine Schläfe fing an zu bluten.
Heftig schüttelte die Brünette den Kopf und schrie. Ihr Körper bebte. In ihren Augen war Schock. Sie war kreidebleich.
"Wie rührend, mir kommen gleich die Tränen! Die Prinzessin sieht dabei zu, wie ihr Prinz zu Grunde geht! Dabei weiß sie doch gar nicht, wem sie sich da anvertraut hat!"
Zitternd stand Marron auf und fiel haltlos auf ihre Knie. Sie war erschöpft.
Chiaki riss seine Augen weit auf. "Was meinst du damit?! Was soll das heißen, sie weiß nicht, wem sie sich anvertraut hätte?"
Der Angesprochene zuckte gespielt mit den Schultern. "Ich glaube, diese Frage musst DU ihr beantworten"
"Was verdammt soll das heißen? Was weißt du? WAS?",schrie er auf ihn ein und wollte auf den Braunhaarigen zurennen. Doch dieser reagierte schnell und stieß wieder eine Macht gegen ihn aus. Diesmal sprang Chiaki aber zur Seite und kam unverletzt davon. Die Glasscheibe des Gebäudes zerbrach beim Aufprall des Energieschlags.
Yamato ging auf Marron zu, packte sie unter ihren Achseln und stellte sie aufrecht. Sie stand zu sehr unter Schock, um sich zu wehren.
Dann machte er ihr ihren Klebeband vom Mund ab und befreite sie aus ihren Fesseln. Ließ sie jedoch nicht los. Hielt sie mit Gewalt fest.
"Und nun? Was wirst du jetzt tun, Chiaki? Sie ist fast frei. Versuch sie mir zu entreißen, wenn es dir gelingt!"
"Chiaki... hör nicht auf ihn... bitte...geh. Geh weg!", bettelte Marron.
Yamato lachte dreckig. "Hm. Kaum zu glauben. Du vertraust ihm also immer noch? Wie naiv von dir, Marron! Du willst ihn vor dem Tod schützen? Dann will ich dir die Augen öffnen! Er ist nicht der, für den du ihn hälst!"
"Wie. .wie meinst du das?", stotterte Marron fassungslos.
Chiaki ballte seine Hände, bis die Knöchel weiß hervortraten.
"Halt. Deine. Klappe. Minazuki!", drohte Chiaki hassererfüllt.
"Sonst was, SINDBAD?",riss Yamato grinsend die Augenbrauen hoch.
Marron starrte ungläubig und hielt den Atem an.
"Sind...?....bad? Du bist Sindbad?". Ihre Stimme kippte.
Chiaki kniff bitter seine Augen zu und presste seine Lippen aufeinander.
Die Situation war eskaliert. Er hatte keine Chance. Er hatte keine Wahl.
Und er war es leid zu lügen.
"Du bist zu weit gegangen, Yamato Minazuki. Wie bist du dahinter gekommen? WANN?" Seine Stimme war ruhig, seine Augen funkelten vor Zorn.
Der Angesprochene lächelte. "Das war nicht schwer zu erraten. Als ich aus dem Revier fliehen wollte, kam Sindbad! Als ich dir zu nahe getreten war, schickte Sindbad eine Warnung an die Polizei. Da hab ich eins und eins zusammengezählt. Ich meine, wieso sollte Sindbad plötzlich hinter mir her sein?"
"Ist....ist das wahr? Ist das die Wahrheit, Chiaki?", fragte Marron bebend.
Er vermied ihren Blick. Statt ihr eine Antwort zu geben, senkte er den Kopf und zog still sein Kreuz hervor. Umklammerte es und sprach leise die Worte "Im Namen des Teufels, schwarze Macht erscheine!"
Fassungslos und mit aufgerissenem Mund beobachtete Marron seine Verwandlung. Paralysiert schüttelte sie ihren Kopf. Sie wollte es nicht glauben.
Sie konnte es nicht.
Und doch war es die Wahrheit. Ihr Herzschlag setzte aus.
Vor ihr stand ein ganz anderer Mensch.
"Wa...was geht hier vor sich?", wimmerte sie kraftlos.
"Du musst jetzt stark sein, Marron, hörst du? Lass dich nicht vom Schock beherrschen! Ja, ich bin Sindbad, verdammt! Und ich brauche dich! Marron, hörst du? Ich brauche dich!", rief er auf sie ein.
Er zog seinen Pin hervor.
"Nein! Das ist nich wahr! DAS IST NICHT WAHR! Ich träume, ja ich träume!" In ihren Augen herrschte Chaos.
Chiaki versuchte auf Yamato zu zielen aber Marron stand ihm im Weg. Er konnte es nicht riskieren, sie zu verletzen.
"Beruhige dich. Einatmen - ausatmen. Hörst du! Tu es!", befahl er ihr.
Sie reagierte nicht. Der Schock saß zu tief.
Und dann schrie er. "MARRON VERDAMMT! TU ES!"
Plötzlich, wie auf einen Pistolenschuss schüttelte sie den Kopf heftig und atmete. Ein. Aus. Ein. Aus.
Und spürte, wie sie langsam wieder zu sich kam.
"Gut so! Mach weiter!", rief er ihr zu.
"Wird das Theater noch ewig dauern?", drang Yamatos Stimme genervt dazwischen. "Mir reicht es jetzt wirklich!"
Erneut hob er seine Hand, stieß Marron zur Seite und machte sich zu seinem letzten Angriff bereit.
In diesem Augenblick warf Chiaki gezielt seinen Pin. "Weiche von..."
Der Besessene wehrte mit seiner Macht den Pin ab, ehe er ihn erreichte.
Die Nadel fiel, wie beim letzten Mal zum Boden.
"Das kann doch nicht wahr sein!" Sindbad war fassungslos und entsetzt.
"Du wirst mich nicht besiegen!", lachte Yamato selbstsicher.
"Macht des schwarzen Reiches flieg!",schrie Sindbad und machte einen zweiten Versuch.
Damit hatte der Besessene nicht gerechnet. Er schaffte es nicht, auszuweichen. Der Ball traf ihn und schleuderte ihn zur Seite.
Schreiend hielt er sich am Brustkorb fest.
Sindbad rannte zu Marron, die einfach nur starr auf dem Boden kniete.
Er rüttelte sie. "Marron, reiß dich zusammen! Ich brauche dich! Du musst aus deiner Welt erwachen! Das, was du siehst ist Realität. Die Wirklichkeit. Leg deine Angst ab und hilf mir. Bitte!"
Langsam wie in Zeitlupe hob sie ihren Blick und schaute ihm in die Augen. Dann nickte sie mühsam.
"Was soll ich tun?", flüsterte sie kaum hörbar und mit einem leeren Blick.
Sindbad atmete auf, zog aus seiner Tasche ein Kreuz hervor und hielt es ihr hin.
Stumm betrachtete sie es.
"Nimm es"
Sie tat es.
Bevor er etwas sagen konnte, erwischte ihn ein harter Schlag von hinten. Sindbad fiel in Marrons Schoß und biss sich auf die Lippen, bis sie blutig wurden. Er unterdrückte einen Schreikrampf. Er wollte nicht vor ihr schreien.
Hätte er es tun dürfen, würde er laut schreien. Der Schmerz war höllisch, durchfuhr seinen Körper wie ein Donnerschlag. Er spürte einen Brechreiz hochkommen, unterdrückte ihn jedoch.
"Chiaki? Chiaki?", rief die Brünette panisch und berührte zittrig seine Wange.
Er rappelte sich auf die Knie auf und schluckte.
"Im Namen des Teufels, schwarze Macht erscheine"
Sie blickte ihn fragend an.
"Sag es! SAG ES!"
Sie nickte und sprach die Worte aus.

Ein schwarzer Rauch entfaltete sich um sie herum aus. Ihr Körper breitete sich aus und vollführte eine Umdrehung. Ihre braunen Locken färbten sich goldgelb. Ihre Kleidung wechselte in ein weiß-schwarzes Kostüm. Um ihre Beine erschienen schwarz-weiße Stiefel. Ihre Hände steckten sich in schwarze Handschuhe.
Als die Verwandlung vollzogen war, schaute sie entgeistert auf sich hinab.
"Wer.. wer bin ich?", flüsterte sie schockiert.
"Sag du es mir", forderte Sindbad sie positiv geschockt und erfreut auf.
Ihre Hand wanderte zum Kreuz an ihrem Hals.
Dann hörte sie eine Stimme, die zwar ihre eigene war aber die sie dennoch nicht erkannte.
"Jeanne. Mein Name ist Jeanne"
Zufrieden nickte der Blauhaarige.
Yamato starrte sie an. Unfähig, sich zu bewegen musterte er Jeanne von oben bis unten.
Nach ein paar Sekunden schien er jedoch den Schock überwunden zu haben und erlangte seine Fassung.
"Zum Teufel mit euch! Dann werdet ihr eben beide sterben!"
Er hob seine Hand und ließ einen Dolch in dieser erscheinen.
Jeanne reagierte schnell.
Sie richtete beide Hände gegen ihn und rief "Macht der Unterwelt, vernichte ihn!"
Damit flog ein heftiger Stoß geballter Energie auf den Besessenen zu und hob ihn in die Luft, ließ ihn laut aufschreien und erschöpft wieder zu Boden fallen.
"Schach und Matt!" murmelte sie und zog die silberne Schachfigur in Form eines Panthers an sich.

"Gut gemacht!", nickte Sindbad ihr zu.
"Und was jetzt?", fragte Jeanne irritiert.
"Zieh an deinem Haarband. Wir müssen wieder wir selbst werden, ehe er zu sich kommt".
Sie folgte seiner Anweisung.
Er verwandelte sich ebenfalls zurück.

Als Yamato zu sich kam, fand er seinen Kopf auf Marrons Schoß gebettet.
"Wo....wo bin ich?",stotterte er benommen.
Irgendwie fühlte er sich, als ob er aus einer tiefen Narkose erwachte.
Marron lächelte ihn an. "Es ist alles gut, Yamato. Komm, steh auf, wir müssen nach Hause".
Beim Aufstehen bemerkte er Chiaki. "Eh du auch hier? Wir haben uns lange nicht gesehen",bemerkte er.
"Ja, das stimmt", entgegnete er und musterte ihn ernst. "Sag, wer bin ich?"
Der Angesprochene legte irritiert seine Stirn in Falten. "Wie meinst du das? Du bist Chiaki Nagoya", wunderte er sich über die dämliche Frage.
"Wer noch?", drängte ihn Chiaki.
Yamato schluckte, kam sich komisch vor.
"Na mein ehemaliger Mitschüler. Was meinst du? Was willst du von mir hören?!" Er starrte ihn perplex an.
Der Blauhaarige atmete beruhigt auf und lächelte.
"Ach nichts für Ungut.. Alles okay! Ich wollte nur testen, ob du noch dein Gedächtnis hast!"
"Klar, hab ich das! Ich weiß nur nicht, was ich in den letzten Tagen gemacht habe. Mir brummt der Schädel. War ich betrunken oder so?"
"Sowas in der Art", zwinkerte Chiaki ihm frech zu.
Dann verschwanden die drei aus dem Gebäude. Chiaki fuhr Yamato heim. Marron schwieg die ganze Zeit über und saß auf dem Rücksessel. Sie war so tief in ihren Gedanken versunken, dass sie nicht merkte, wohin Chiaki sie anschließend brachte.
Sie registrierte erst, als er ihr die Wagentür öffnete, dass sie nicht an ihrem Wohnort war.
"Wo sind wir? Das ist doch nicht der Ort, wo ich wohne. Du hast dich verfahren", bemerkte sie abwesend.
Er schüttelte den Kopf. "Hab ich nicht. Ich kann dich nicht heimfahren. Nicht in diesem Zustand. Erst werden wir schlafen. Und dann werden wir reden"
Er streckte seinen Zeigefinger nach oben und wies auf ein Hochhaus.
"Da oben wohne ich. Du schläfst heute Nacht bei mir", sagte er ernst.
"Das kommt nicht in Frage!", protestierte sie.
"Oh doch! Das war keine Frage. Das war eine Anweisung", zwinkerte er ihr ernst zu.
"Hey geht's eigentlich noch?! Was soll das?", widersprach sie ihm gereizt.
Er senkte seine Stimme und legte seinen Arm um ihre Schulter. "Marron, bitte komm mit mir. Ich werde dir nichts antun. Ich möchte dich nur im Blick haben. Diese Nacht war zu viel für dich. Du stehst immer noch unter Schock. Ich hab Angst um dich. Bitte bleib. Nachdem wir geschlafen haben, werde ich dir deine Fragen beantworten. Alle. Aber nicht jetzt"
"Ich will aber keine Antworten haben. Ich will es vergessen. Hörst du? Ich will alles vergessen!", gestand sie eiskalt.
Er nickte und umarmte sie wider ihrer Erwartungen.
"Morgen. Triff die Entscheidung morgen, wenn wir gesprochen haben. Bitte"

Sie wusste nicht, ob sie richtig handelte. Sie wusste überhaupt nicht mehr, was richtig und was falsch war. Aber sie folgte ihm.

Fortsetzung folgt....
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