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Schwarze Liebe

von Liaya
GeschichteMystery / P18 / Gen
29.11.2017
08.05.2018
34
122.437
6
Alle Kapitel
59 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
08.12.2017 4.460
 
Einen wunderschönen und liebevollen guten Abend, verehrte Leser/innen -)
Viel Vergnügen bei diesem Kapitel. Ich ziehe mich schweigend zurück und geh ein Stück leckeren Apfelkuchen essen :) Dort, wo ich zur Zeit bin ist es gerade später Nachmittag *GG*

Ganz liebe Grüße,
Liaya

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Kapitel 10- Wahrheit oder Lüge?

Es roch nach frisch aufgebrühtem Kaffee, als Marron ihn in ihr Apartment hereinließ.
Neugierig schaute er sie an. Unglaublich, wie Kleider Leute machten. Sie trug eine enganliegende, schwarze Leggings, die ihre schlanken Beine äußerst betonten und einen himmelblauen Pullover mit V-Ausschnitt.
Chiaki streifte seine Jacke ab, hängte sie auf den Garderobenständer auf und folgte ihr ins Wohnzimmer.
Als er das letzte Mal hier war, entging es ihm, wie hübsch sie es hier hatte. Sein Blick blieb für einen kurzen Moment auf ihrer grau-weißen Polstermöbel haften. Amüsiert musste er wieder an das erste Mal mit ihr dort denken.
Dabei musste er zugeben, dass er, wenn er es sich so recht überlegte und sie in ihrem "Hausoutfit" betrachtete, wieder mal perverse Gedanken in sich hochkommen verspürte.
"Kaffee mit Milch und Zucker?",schreckte ihn Marrons Stimme aus seinen Träumereien auf.
Der Brünetten entging es nicht, dass ihr Gast scheinbar mit den Gedanken woanders war; sie konnte sich sogar ganz gut vorstellen, wo; deshalb musste sie ihn ganz schnell wieder in die Realität zurückholen.
"Ehm schwarz. Bitte"
"Setz dich doch, ich gesell mich gleich zu dir". Dann verschwand sie für einige Minuten in ihre Küche - ein großer Raum mit einer rot-weißen, riesigen Ausstattung- und kehrte mit einem silbernen Tablett in ihren Händen wieder zurück.
Er nahm ihr das Geschirr helfend ab und stellte es auf den kleinen, rechteckigen Couchtisch ab.
"Hast du alles hier selbst eingerichtet?", fragte er sie neugierig, als sie auf der Couch nebeneinander Platz nahmen.
Die Braunhaarige nickte. "Ja, ich hab nach der Highschool sehr viel gejobbt, bevor ich auf die Akademie ging. Ich wollte unbedingt meine Wohnung so einrichten, wie es mir eben gefallen hatte. Und das tat ich". Nachdenklich blickte sie sich um und trank dabei einen Schluck ihres heißen Getränks. "Eigentlich ist sie viel zu groß für mich. Die Wohnung meine ich. Hundert Quadratmeter sind schon eine stolze Größe für eine einzige Person"
Chiaki nickte. "Ja, das gleiche kann ich auch behaupten. Meine ist sogar ein kleines bisschen geräumiger. Hundertzwanzig".
Die Brünette staunte nicht schlecht. "Wow!",entrang es ihr.
Chiaki nahm ebenfalls einen Schluck Kaffee, schluckte ihn genussvoll hinunter und lächelte sie an.
Dabei fiel ihr Blick auf etwas, dass sie vorher an ihm nicht bemerkt hatte.
"Oh mein Gott, Chiaki, du blutest ja!", stellte sie erschrocken fest und setzte ihre Tasse einen Tick zu heftig auf dem Tisch ab, so dass es kurz ein krachendes Geräusch hinterließ.
Unwillkürlich warf er einen Blick auf die Stelle, wo sie gerade hinschaute. Und biss sich auf die Zähne.
Verdammt! Das hatte er völlig außer Acht gelassen in der ganzen Hektik.
"Ehem.....ja.... Ach, das ist nichts. Das wird schon wieder!",versuchte er abzulenken, stellte aber gleich fest, dass der rote Fleck auf seinem weißem Hemdärmel in der Zwischenzeit um einiges größer geworden war.
Marron ließ nicht locker und erhob sich. "Lass mich das mal anschauen. Das sieht ziemlich ernst aus. Wie ist denn das passiert?", fragte sie besorgt und zog die zerrissenen Enden am Oberarm des Hemdes etwas auseinander.
Verlegen entriss er ihr den Arm und rutschte einwenig zur Seite.
"Marron, entschuldige, aber das ist....", begann er stotternd.
Ja, was sollte er ihr jetzt sagen? Er war ein Dummkopf. Er hätte sich vorher mal lieber verarzten sollen, bevor er zu ihr hinfuhr. Jetzt kassierte er quasi die Quittung für sein unvorsichtiges Handeln.
Marron entging es nicht, dass er anscheinend mit ihr über die Verletzung nicht sprechen wollte. Einerseits wollte sie schon wissen, wie es zu dieser Wunde kam, andererseits schoss ihr der Gedanke durch den Kopf, dass es seine Privatsache war und er ihr keine Erklärung schuldete.
Doch ihre Neugier überwältigte sie schließlich.
"Sag, ist das zufällig.... hat.... hat Yama....?", fragte sie vorsichtig.
"Ach was! Wie kommst du denn darauf?", unterbrach er sie schnell und legte seine Hand auf ihre.
Er wollte sie nicht anlügen aber die Wahrheit sagen konnte er ihr auch nicht.
Besorgt nickte sie. "Okay, schon gut, ich wollte dir nicht zu nahe treten. Tut mir leid. Ehrlich"
"Schon gut",nickte er ihr freundlich zu.
"Du musst es mir nicht erzählen, wenn du nicht willst. Aber lass mich dich wenigstens verarzten. Die Blutung muss gestoppt werden", bat sie ihn.
Er holte tief Luft.
"Okay".  Seine Stimme klang rau.
Er wusste nicht, ob es eine gute Entscheidung war aber Marron ließ sich sonst kaum beruhigen. Also wartete er geduldig, bis sie in ihr Badezimmer rannte und nach einem Erste-Hilfe-Kasten suchte.
Dann erschien sie mit einem Desinfektionsmittel, einem Wattebausch und zwei Verbänden in ihren Händen vor ihm.
"Würdest du dein Hemd.... ausziehen?....Bitte?", bat sie ihn mit einer verlegenen Stimme und merkte, wie ihre Wangen zu glühen anfingen.
Chiaki wäre nicht Chiaki, wenn er auf diese Aufforderung kommentarlos reagieren würde.
Er ließ ein taktvolles Pfeifen los und grinste sie an. "Aber mit Vergnügen. Ich kann auch andere Kleidungsstücke ausziehen", zwinkerte er ihr höchst amüsiert zu.
Marron wurde noch einen Tick roter als sie es schon war. Wenn das überhaupt möglich war.
Sie machte gerade den Mund auf, um etwas zu entgegnen, schloss ihn aber sprachlos wieder.
"Schon gut, schon gut! War nur ein Scherz", beruhigte er sie und knöpfte elegant sein Oberteil auf.
Sie schaute mit Absicht zur Seite, als er sich auszog.
Ihm entging es nicht, dass sie seinen muskulösen Oberkörper mit flüchtigen aber neugierigen Blicken anstarrte.
Dann zwang sie sich zusammenzureißen und nahm ein Stück Watte in die Hand, besprühte es ein paar Mal mit dem Desinfektionsmittel und legte vorsichtig seinen Arm in ihre Hand.
Sie kam nicht umhin, festzustellen, dass die Wunde ernster war, als sie angenommen hatte. Aber sie beschloss ihn nicht noch mehr mit ihren Fragen zu löchern, sondern konzentrierte sich vollkommen auf ihre Arbeit.
Er zuckte nicht einmal zusammen, als sie den Spiritusbausch auf die verletzte Stelle legte und diese mit äußerster Vorsicht betupfte. Im Gegenteil - er blieb seelenruhig und ließ die Prozedur über sich ergehen. Als die Wunde einigermaßen gereinigt war, griff sie nach dem Verband, der hinter ihr auf dem kleinen Tisch lag und band ihn mehrmals um die Stelle um. Das Ende teilte sie mit einer Schere in einer längeren Linie in zwei Hälften und verschloss den Verband damit.
Er beobachtete sie während der ganzen Prozedur und staunte nicht schlecht. Eins musste er ihr lassen. Sie arbeitete sehr konzentriert und sorgfältig.
War wohl nicht das erste Mal, dass sie jemandem einen Verband umlegte.
Als sie fertig war und gerade von ihm ablassen wollte, hielt er sie am Handgelenk fest, beugte sein Gesicht zu ihr vor und flüsterte ihr ein "Thanks" zu und lächelte sie zärtlich an.
Marrons Verlegenheit meldete sich wieder zurück, als sie seinen tiefen Blick auffing.
Dann entstand Stille.
Nur der angespannte Atem der beiden war zu hören.
Chiaki beugte sich weiter zu ihr vor und berührte ihre Lippen. Ihr Herz pochte bis zu den Ohren. Sie ließ den Kuss zu, wehrte sich nicht.
Nicht einmal dann, als er drängender wurde. Sie ließ es geschehen, ließ sich in seinen Armen fallen und genoss es.
Als er von ihr losließ, hockte sie auf seinem Schoß und strich ihm zärtlich über seinen nackten Oberkörper.
Er schloss die Augen und genoss ihre Berührungen.
Irgendwie überkam ihn das Gefühl er müsse sich endlich auch mal fallen lassen.
Die letzten Tage waren auch für ihn anstrengend gewesen. Auch er brauchte eine Pause und sehnte sich nach Entspannung.
Verträumt zog sie die Linie zwischen seinem Brustkorb mit ihrem Zeigefinger nach.
Er kam nicht umhin, ihren auf einmal traurig werdenden Blick aufzufangen.
Wie hypnotisiert nahm er ihre Hand sanft in seine.
"Was ist los? Was hast du?"
Sie atmetete tief durch. "Ich muss an so vieles denken"
"Erzähls mir"
Sie fühlte, wie er mit seinem Daumen über ihren Handrücken strich.
"Hm, wo soll ich bloß anfangen? Es gibt so vieles, über das ich nachdenke".
Gespannt hob er seine Augenbrauen etwas an.
Dann begann sie zu reden. Ruhig.
"Da wäre zum Beispiel Miyako, meine beste Freundin und Nachbarin. Sie will mit mir reden. Morgen. Möchte wissen, warum ich mich auf einmal von ihr zurückgezogen habe"
"Hast du das denn?"
"Irgendwie schon", seufzte sie. "Dabei mache ich das nicht mit Absicht. Es ist nur.... es ..... ach! Ich spüre, dass sich seit.... seit... wir nun ja... "Es" hatten..."
Er lächelte bei ihrer Verlegenheit.
"Sex". Sie horchte auf, er nickte.
"Sex nennt sich das. Nenn die Sache ruhig beim Namen, es ist nichts dabei. Geh lockerer damit um", zwinkerte er ihr zu.
Sie biss sich auf die Unterlippe. "Also wie auch immer.... Nun seit dem spüre ich, dass sich irgendetwas in mir verändert hat. Ich erkenne mich manchmal nicht mehr wieder. Und um ehrlich zu sein, kann ich mit ihr darüber nicht sprechen. Sie wird geschockt sein. Sie hält mich für ein ordentliches Mädchen. Das ... das kann ich ihr doch nicht erzählen", presste sie hervor. "Aber irgendetwas muss ich ihr sagen, ich kann ihr doch nicht ständig aus dem Weg gehen!"
Chiaki nickte, hörte ihr aufmerksam zu.  
"Erzähl weiter. Was bekümmert dich noch?"
Sie wandte ihren Blick von ihm ab. "Sie wird... selbst, wenn ich ihr das mit uns erzähle, wird sie wissen wollen, ob wir...ob du... jetzt mit mir zusammen bist bzw. ich mit dir. Dabei kann ich nicht einmal mir selbst diese Frage beantworten"
Liebevoll strich er ihr über die Wange "was noch?"
Sie räusperte sich, schluckte. "Dann wäre da noch Yamato. Ich kann mir sein eigenartiges Verhalten nicht erklären. Wieso.... warum benimmt er sich so? Und weshalb ist man hinter ihm her? Was hat er denn angestellt, dass die Polizei ihn mit auf's Revier nimmt? Und wer um Himmels willen ist dieser Sindbad?! Ich hab diesen Namen nie gehört. Klingt irgendwie nach einer Person aus einem Märchen". Bei dieser Vorstellung entkam ihr ein leises Lächeln.
"Puh.... das ist Einiges", stellte er fest und lächelte sie an.
"Ich glaube das Einfachste ist deine Freundin Miyako. Du sagst, sie ist deine beste Freundin. Dann rede mit ihr. Erzähl ihr meinetwegen von mir. Das ist schon okay. Ob du dabei den Sex" -er betonte das Wort extra, um ihr die Scheu vor ihm zu nehmen "miteinbeziehst überlasse ich dir. Schließlich weiß ich nicht, wie offen ihr Mädels über sowas redet", grinste er. "Hm... das nächste- unser Verhältnis zueinander. Was empfindest du für mich?", fragte er sie gelassen.
Sie schloss ihre Augen "Das ist unfair! Chiaki, das. ist. nicht. fair"
"Was genau?"
Sie verdrehte ihre Augen. "Dass... dass du mir ..."
Er grinste noch breiter. "Ja, ich bin ziemlich unverschämt, ich weiß"
Dann räusperte er sich. "Hast... hast du dich in mich verliebt?"
Die Frage kam einen Tick zu direkt für die Braunhaarige und warf sie aus der Bann.
"Ich...ich.... na hör mal!"
Jetzt lachte er etwas lauter und piekste sie mit seinem Zeigefinger in die Seite, um sie zu ärgern.
"Können wir über etwas anderes reden?", versuchte sie abrupt das Thema zu wechseln.
"Okay. Reden wir über Yamato. Das erledigt sich schnell. Ich weiß nicht, was mit ihm ist", log er bewusst.
"Und Sindbad... hm... wie bereits gesagt, ich gehe davon aus, dass es ein Deckname für wen auch immer ist"
Sie drehte ihren Kopf, schaute in sein Gesicht und nickte.
Innerlich war sie enttäuscht. Darüber, dass er sie weiterhin im Unklaren ließ über seine Gefühle zu ihr.                    
Dann rieb sie sich die Augen, gähnte und warf einen Blick auf die Uhr.
"Ja, es ist schon ziemlich spät. Ich glaube, ich sollte fahren, nicht?", fragte er sie.
Da fiel ihr seine SMS ein. "Achso, sag mal, du wolltest doch über irgendwas mit mir sprechen. Hörte sich ziemlich dringend an. Was ist es denn?"
Sie stand von seinem Schoß auf und setzte sich neben ihn. Er zog sein Hemd wieder an und zögerte. Fühlte, dass der richtige Zeitpunkt nicht gekommen war, um über "Jeanne" zu sprechen. Außerdem hatte er sie doch gerade eben noch angelogen. Jetzt konnte er erst recht nicht mit der Wahrheit rausrücken.
"Um ehrlich zu sein wollte ich dich einfach nur sehen. Ich hab mich nach dir gesehnt",gestand er. Wenigstens das war die Wahrheit, denn er genoss ihre Nähe. Fühlte sich anders, leicht, wenn er bei ihr war.
Als sie daraufhin schwieg, seufzte er und warf ein "Nun, ich fahr dann mal wieder", ein und erhob sich von dem weichem Sofa.
Sie krallte ihre Hände in den Stoff, blieb sitzen und haderte mit sich selbst.
"Chiaki?"
Er horchte auf, schaute sie gespannt an.
"Kanns... kannst du... würdest du hier bleiben, wenn ich dich darum bitte? Ich möchte nicht alleine sein. Nicht heute Nacht"
Für ihn kam ihre Bitte überraschend. Er stockte.
"Bist du dir sicher?"
Sie nickte.
"Na dann. Liebend gerne".
In ihr Bett ließ sie ihn allerdings nicht. Das kam ihr etwas zu schnell vor. Also bedeckte sie liebevoll die Couch für ihn und ließ ihn dort einschlummern.


Sechs Stunden später, um 9:00 Uhr Morgens begann der nächste Tag für beide.
Gemeinsam deckten sie den Tisch, frühstückten ruhig und plauderten über alles Mögliche jedoch nicht über die letzte Nacht. Marron war es etwas peinlich gewesen, dass sie ihn in ihrer Müdigkeit mit ihren Sorgen zuquatschte. Und vor allem war es ihr immernoch unangenehm, dass sie ihn quasi direkt auf seine Gefühle ihr gegenüber angesprochen hatte. Also ließ sie das Thema irgendwo tief in sich versinken.
Als Chiaki mit seinem Löffel gerade in seiner Kaffeetasse rührte, vibrierte sein Handy. Er horchte auf.
"Ich glaube, das war deins", bemerkte Marron.
Er erhob sich vom Stuhl und ging auf die Kommode hinter dem Tisch zu, um sich das Gerät in die Hand zu nehmen.
Der erste Blick auf den Absender der Nachricht ließ ihn stocken.
Aus den Augenwinkeln vernahm er, dass Marron gerade in ihre Küche gegangen war. Also nutzte er den unbeobachteten Moment und öffnete den Text.
"Erwarte dich in einer Stunde bei mir. Geht um Minazuki. Gezeichnet Boss"
Chiaki biss sich auf die Zähne. Verdammt! Das kam ziemlich ungelegen. Vor allem ärgerte es ihn, dass sein Chef ihn ausnahmsweise am Tag und nicht wie gewöhnlich in der Nacht zu sich bestellte. Was zum Henker sollte das?!
Nervös fuhr er sich über sein Gesicht und steckte das Handy weg.
Als Marron aus der Küche wieder zurückkam, rang er mit sich, seufzte dann und entschuldigte sich bei ihr.
"Süße, hör zu. Ich muss kurz weg. Da ist etwas, was ich dringend erledigen muss. Wird ca. zwei Stunden dauern. Darf ich dann wiederkommen?"
Sie wunderte sich, beschloss aber den Codex von gestern Nacht einzuhalten und ihn nicht auszufragen.
"Na klar. Außerdem musst du doch gar nicht zurückkommen.Wir sind freie Menschen. Du hast dein eigenes Leben wie auch ich. Du bist zu nichts verpflichtet. Ich bin dir sehr dankbar, dass du die Nacht hier verbracht hast. Ich verlange nichts mehr von dir. Um ehrlich zu sein, verlange ich gar nichts von dir. Jetzt rede ich mal wieder wie ein Wasserfall und ich rede sicherlich Unsinn. Entschuldige"
Er schüttelte den Kopf. "Ich will aber. Ich werde wiederkommen. Mach dir keine Sorgen".Damit drückte er ihr einen sanften Kuss in ihre Locken und verschwand eiligst zu seinem Treffen.
Dass er unbedingt zu ihr zurückkehren wollte, hatte einen Hintergrund. Er wollte sie unbedingt vor Yamato schützen, sollte dieser bei ihr auftauchen.

Als Sindbad in der Unterwelt vor seinem Boss zu vereinbarter Stunde erschien, ging dieser gereizt auf und ab.
Irgendwann blieb er vor ihm stehen und musterte ihn.
"Sindbad, hast du Minazuki gefunden? Was ist mit dem Dämon?",fragte er ihn leicht angespannt.
"Ich bin dabei. Letzte Nacht ist er mir entkommen",brachte er zwischen zusammengepressten Zähnen hervor.
"Entkommen?" Sein Boss wurde ein Tick lauter.
Der Blauhaarige senkte den Blick gen den Boden.
"Was soll das heißen, entkommen? Wo ist er jetzt?",bedrängte der schwarze Mann ihn aufgewühlt.
Sindbad bemühte sich, seine Fassung zu bewahren. "Ich weiß es nicht. Verdammt, ich weiß es nicht! Ich suche ihn ja! THE HELL, I DON'T KNOW IT!",rief er jetzt auch gereizt.
"Dann such ihn schneller! Dir ist doch bisher nie ein Dämon durch die Lappen gegangen! What the hell is happening with you?!", fuhr er ihn harsch an.
Sindbad schwieg und spürte in seiner Magengegend eine Wut aufkommen. Er schluckte und versuchte sich mit allen Mitteln im Griff zu halten.
"Was ist mit Jeanne? Wie weit bist du?"
Nervös griff sich Sindbad an den Hals. "Ich bin dran. Dauert nicht mehr lange", stieß er einigermaßen gefasster hervor.
Sein Chef war sichtlich davor auszurasten, hielt sich aber ebenfalls mit Mühe und Not in den Händen.
"Das will ich hoffen! Mir reißt nämlich langsam der Geduldsfaden! Ich will Ergebnisse sehen. Sorg dafür!", befahl er ihm und fügte ein "Und schau zu, dass du wieder der Alte wirst. Ich sehe nämlich, dass du etwas aus der Übung bist. Hat SIE dir etwa den Kopf verdreht?"
Der Blauhaarige ballte hinter seinem Rücken die Hände zu Fäusten. "Nein. Ich beherrsche mich"
"Gut! Nichts anderes erwarte ich von dir! Und jetzt halte mich nicht länger auf. Und finde verflucht nochmal diesen Dämon!"
Widerwillig nickte der Angesprochene und verschwand ohne ein weiteres Wort.
Als er wieder draußen war, überlegte er intensiv, was er als nächstes tun sollte. Direkt zu Marron fahren, war für in seinem aktuellen Zustand keine Option. Er war, um es vorsichtig auszudrücken, ziemlich unruhig. Sein Körper zitterte, weil er wütend war.
Wütend auf seinen Boss und auf sich selbst, dass er Yamato entkommen ließ. Was hingegen Marron betraf, ließen ihn die Worte seines Chefs kalt. Er wusste, dass er auf dem richtigen Weg war und dass der Prozess, aus ihr Jeanne zu machen, eben seine Zeit benötigte.
Diese Zeit hatte er jedoch nicht mehr bei Yamato. Er musste ihn ausfindig machen und zwar schleunigst.
Da er Marron in so einem aufgewühlten Zustand nicht begegnen wollte, beschloss er zunächst einmal Heim zu fahren. Außerdem wollte die Brünette sowieso noch mit ihrer Freundin sprechen. Also beschloss er da nicht zu stören.

In Marrons Apartment herrschte Stille. Seit einer halben Stunde war die Brünette fertig mit ihrer Erzählung. Wie ein Wasserfall hatte sie nach einer Hemmschwelle auf Miyako eingeredet. Sie hatte über alles mit ihr gesprochen. Über Chiaki, über das erste Mal mit ihm und über Yamato. Als sie geendet hatte, fiel ihr ein riesiger Stein vom Herzen.Sie fühlte sich um einige Tonnen erleichtert. Und seitdem entstand ein großes Schweigen zwischen den beiden Freundinnen.
Nahm den ganzen Raum ein. Marron starrte Miyako wie gebannt an, während diese ihre Runden in Marrons Wohnzimmer drehte. Ihre Miene war teils nachdenklich, teils versteinert. Sie konnte nicht einschätzen, über was genau ihre Freundin in diesem Moment nachdachte.
Dann hielt die Schwarzhaarige plötzlich inne, machte einige Schritte auf den Eßtisch zu, griff sich die darauf stehende Flasche Wasser, drehte sie rasant auf und goss sich die durchsichtige Flüssigkeit in ein Glas ein und trank sie aus. Auf Ex.
Mit einem lauten Krachen, dass Marron hochfahren ließ, stellte sie den leeren Becher wieder auf seinem Platz ab.
Und dann ging es los. Der Berg donnerte und setzte die Lawine ins Rollen.
"SAG MAL BIST DU DES WAHNSINNS????",rief sie aufgebracht. Die Braunhaarige fuhr bei der lauten Tonart zusammen.
Sie wollte etwas sagen aber ihre Freundin war noch nicht fertig.
Die Brünette unternahm zuerst einen Versuch, Miyakos strengem Blick auszuweichen, merkte aber sofort, dass es zwecklos war und richtete ihn wieder auf.
Miyako kniff kurz ihre Augen und ihren Mund zusammen, ballte die Fäuste für einen Moment und entspannte sich wieder.
Bemüht, einen ruhigen Schritt einzuhalten, ging sie auf Marron zu und setzte sich neben sie auf die Couch.
"Wieso? Warum? Ich meine... Marron! Wie konntest du nur??! Ich versteh das nicht. Erklär's mir! Wie konntest mit dem erst besten Kerl sofort in die Kiste springen?!"
"Na hör mal!",meldete sich die Braunhaarige entsetzt zu Wort.
"Was denn? Ist doch wahr!"
Dann herrschte eisige Stille im Raum. Wieder schwiegen sie sich an.
Irgendwann war es Marron zu viel geworden und sie stand erschöpft vom Sessel auf.
"Hör zu, Miyako. Ich möchte mich nicht mit dir streiten. Ehrlich. Ich wollte offen mit dir sprechen und das habe ich getan. Wenn du jetzt denkst, dass ich nicht mehr dieselbe bin und nicht mehr mit mir befreundet sein willst, dann akzeptiere ich das. Obwohl es mir schwer fallen wird"
Sie schaute sie ernst an.
Miyako klappte die Kinnlade runter. "Bitte was?! Wie kommst du denn auf so einen Mist?"
"Na ja, ich...dachte nur...."
Seufzend erhob sie sich und ging auf Marron zu.
"Das wird nie passieren. Ich werde immer deine Freundin sein. Aber versprich mir bitte, dass du aufpassen wirst. Ich mach mir Sorgen. Was ist Himmel nochmal, wenn er dich nur ausnutzt? Wenn er nur das Eine von dir will?"
Marron seufzte, schaute trüb zum Boden.
"Ich weiß es nicht, Miyako. Genau davor hab ich ja Angst. Aber.... ich ... ich will ihm vertrauen. Er zieht mich an. Ich muss ständig an ihn denken", antwortete sie.
Miyako schloss ihre Augen, kämpfte eine Weile mit sich selbst und gab sich schließlich einen Ruck.
"Marron, ich weiß zwar nicht, wie man sich derart in jemanden verschießen kann aber.... ich möchte, dass du eines weißt. Ich freu mich, dass du mir das alles erzählt hast. Wenn er dich verletzen wird, bekommt er es mit mir zu tun! Ich werde ihm eine ordentliche Rüge verpassen, die er so schnell nicht vergessen wird!", sagte sie ernst und schlug mit ihrer Faust gegen ihre Hand.
Marron lächelte. "Danke, Miyako! Ich kann zwar selbst auf mich aufpassen aber einen Rückhalt zu spüren tut immer gut. Ich verspreche dir, dass ich auf mich aufpassen werde", nickte sie und umarmte ihre Freundin.
Miyako erwiderte die Umarmung und nickte ihr erleichtert zu.
Dann plapperten sie noch eine Weile über dies und jenes ausgelassen miteinander und irgendwann ging die Schwarzhaarige wieder zurück in ihr eigenes Gemächer.

Chiaki war nach dem Gespräch mit seinem Vorgesetzten so müde gewesen, dass er sich zu Hause erstmal auf's Ohr haute. Wie lange er geschlafen hatte, wusste er nicht. Als er die Augen öffnete, fing es draußen bereits zu dämmern an.
Erschrocken sprang er von seinem Sofa auf und schaute auf die Uhr. Es war bereits weit nach 17:00 Uhr.
"Ach du Shit!", flüsterte er und griff nach seinem Handy. Marron hatte sich nicht gemeldet. Eilig steckte er das kleine Gerät in seine Hosentasche, rieb sich den Schlaf von den Augen, eilte in die Diele um nach seiner Jacke und Autoschlüsseln zu greifen und verließ seine Wohnung.
Während er zu ihr hinfuhr, traf er widerwillig eine Entscheidung. Er musste mit ihr reden. Sie musste endlich die Wahrheit wissen. Es kam ihm so falsch vor, sie noch länger im Unwissen zu lassen.
Was er allerdings noch nicht wusste, war das Wie.
Wie sollte er ihr sagen, dass er sie angelogen hatte? Dass sie von Anfang an ein Teil seines, ihres - der Organisation ein Plan war. Er biss sich auf die Lippen, bis es schmerzte. So sehr er es versuchte, das Gespräch möglichst weit nach hinten zu schieben, umso mehr kam er sich falsch vor. Ein Gefühl aus dem Inneren verriet ihm, dass er keine Zeit mehr hatte. Sie musste es erfahren. Jetzt. Heute.
Und er musste es ihr so erzählen, dass sie ihm weiterhin vertrauen würde. Sonst wäre sein ganzer Plan zunichte.
Als er im Momukuri-Viertel ankam, schaltete er den Motor aus, begutachtete sich im Rückspiegel und stieg aus dem Wagen aus.
Es gab kein Zurück. Jetzt nicht mehr.
Lange atmete er aus, fuhr sich über die Haare und steuerte auf Marrons Wohnung zu.
Dann stand er davor, haderte mit sich selbst und drückte auf den Klingelknopf.
Niemand öffnete. Er drückte erneut. Wieder war Stille.
Verwundert zog er die Stirn kraus.
Dann fiel ihm auf, dass die Tür einen klitzekleinen Spalt breit offen stand.
Leise und vorsichtig schlich er sich hinein. Im Wohnzimmer brannte Licht aber niemand war zu sehen.
"Hey Marron, bist du da?", fragte er.
Als Antwort kam nur die Stille.
Ein ungutes Gefühl bemächtigte sich ihm.
"Marron?", rief er erneut und blickte sich um.
Wieder Schweigen.
Sein Herz begann aufgeregt zu schlagen.
Er schluckte. Ein furchtbarer Verdacht keimte sich in ihm auf.
Er spürte, wie er zunehmend nervös wurde.
Dann geschah alles ganz schnell. Chiaki lief suchend nach einem Zeichen von ihr ihre ganze Wohnung ab. Die Küche, das Bad, ihr Schlafzimmer und schließlich ihr Ankleidezimmer. Nichts!
Sie schien wie vom Erdboden verschluckt. Kein Lebenszeichen.
Panik breitete sich in ihm aus.
Er schüttelte den Kopf, rannte wieder in ihr Wohnzimmer und blickte sich erneut um. Irgendetwas war hier, was er vorhin übersehen hatte. Er spürte es.
Irgendwas! Nur was?
Seine Blicke suchten, durchwanderten forsch den Raum und verharrten schließlich an einer gewissen Stelle. Auf ihrem Couchtisch unter einer Kaffeetasse lag etwas, dass er vorher nicht bemerkt hatte. Ein kleiner, weißer Zettel.
Seine Pupillen weiteten sich angsterfüllt, als er nach diesem griff.
Zitternd laß er die Nachricht.

"Also hast du meine Nachricht gefunden. Freut mich. Die Perle, die einst glänzte, tut es nicht mehr. Sie hat Angst vor mir. Soll sie ruhig, das kümmert mich nicht mehr. Sie bettelt um ihr Leben. Sag, was soll ich tun, Chiaki?
Ich bin bereit, ihr Leben gegen deins einzutauschen. Im Dunkeln der Nacht, wenn die Sonne aus Tokio untergeht, werde ich am Stadtrand im verlassenem Gebäude auf dich warten. Gezeichnet, Yamato der Entführer"

Sein Herzschlag setzte für einige Sekunden aus.

Seine Pupillen verdunkelten sich.

Jetzt war er zu weit gegangen.


Wut.

Hass.
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