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Alleine auf der Welt

von MeLo-Me
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Helene Fischer OC (Own Character)
29.11.2017
02.02.2018
25
14.834
1
Alle Kapitel
21 Reviews
Dieses Kapitel
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22.12.2017 774
 
**Helene**

Diesesmal schloss ich recht schnell die Tür hinter ihm. Er war so wundervoll. Wenn Josef nicht da wäre, hätte ich ihn geküsst. Ganz sicher sogar. Und wenn ich mich in diesem Moment zwischen ihm und Josef entscheiden müsste, hätte ich vielleicht sogar ihn genommen. Ganz sicher.

Josef war nicht gut für mich. Und mir wurde immer mehr klar, dass ich ihn gar nicht mehr lieb hatte. Er nahm sich keine Zeit für mich, ich war ihm so ziemlich egal und das schlimmste daran war, dass es mich nicht im geringsten störte. Einerseits war ich unendlich traurig und verwirrt. Drei Jahre lief das nun schon so und er hatte sich nicht geändert. Das war traurig. Ich war ihm nicht mehr wichtig und das brach irgendwie mein Herz. Aber zur anderen Seite merkte ich, dass ich Florian toll fand. Und nicht mehr ihn, Josef. Am liebsten hätte ich noch heute mit ihm Schluss gemacht, doch das ging nicht. Vielleicht war ich nur verwirrt. Würde ich das tun, wäre ich single. Ohne jegliche Bezugsperson. Allerdings war ich auch die letzten Jahre komplett ohne eine Person gewesen, die mich liebte. Das war mir nie bewusst geworden, weil ich daran gehangen hatte, aber nun war es mir klar. Wir passten nicht zueinander. Er setzte seine Prioritäten bei seiner Arbeit und das entsprach nicht meinen Vorstellungen vom Leben. Plötzlich liebte ich ihn gar nicht mehr.

Bevor ich Florian nicht kannte, hatte ich an Josef gehangen. Ich hatte mir eingeredet, dass ich ihn liebte und geweint, wenn mal wieder abends alleine im Bett lag. Doch die Begegnung mit Flo hatte alles geändert. Das ich mich irgendwie in ihn verliebt hatte, hatte mir gezeigt, dass ich Josef unmöglich lieben konnte. Ich liebte ihn wirklich nicht mehr richtig. Ich brachte nur das Schlussmachen nicht übers Herz. Schließlich war Josef ja noch immer in dem Glauben, dass alles perfekt lief.

Verzweifelt rutschte ich an einer der großen Säulen neben der breiten Treppe hinab. Ich zog meine Beine an und begann zu heulen. Ich war überfordert, weil ich nicht wusste, was ich wollte. Ich war komplett überrascht davon, dass meine Gefühle sich so plötzlich änderten, aber ich wusste, dass ich nicht nochmal drei Jahre so lebte, wie die letzten drei. Auf gar keinen Fall. Ich wollte endlich mal wieder glücklich sein.

„Hey, weinen musst du jetzt auch nicht", sagte plötzlich eine Stimme. Erschrocken riss ich meinen Kopf hoch. Philine hockte neben mir. Sie war doch nicht hochgegangen. Sie hatte mich beobachtet. Sofort wischte ich mir hektisch die Tränen aus den Augen. Ich wollte etwas sagen, aber ich wusste nicht was.

„Du stehst auf meinen Bruder oder?", fragte sie. Ich schluckte. Ja. Nein. Irgendwie schon. Aber das konnte ich ihr nicht sagen. „Ich hab' einen Freund", sagte ich nur weinerlich. „Das heißt ja nicht, dass du nicht merken kannst, dass du jemand anderen liebst", meinte sie und lehnte sich gegen mich an die Säule.

„Du bist 14?", fragte ich lächelnd. „Jap", grinste sie. Nochmal wischte ich über meine Augen. „Du wirkst immer total unglücklich", stellte sie fest. Ich zuckte mit den Schultern. Ich wollte ihr jetzt wirklich nicht zeigen, dass sie mit ihren 14 Jahren vermutlich mehr Freunde und Liebe hatte und bekam als ich. Wir schwiegen.

„Hast du keine Angst, dass Josef dich hört, wenn du hier sitzt und heulst?", fragte sie vorsichtig weiter. „Er hört mich nicht. Und selbst wenn, ist doch auch egal. Ich bin ihm doch egal. Ihm ist seine Arbeit doch wichtiger als alles andere", wieder rollte eine Träne über meine Wange. „Ich habe ihn seitdem wir hier wohnen erst ein einziges mal gesehen", sagte Philine. „Ja. Ich auch", flüsterte ich böse.

„Josef interessiert sich nur für deine Arbeit und deswegen bist du quasi single. Und jetzt findest du meinen Bruder toll. Richtig? Und du weißt nicht, was du machen sollst", fasste sie zusammen. Ich nickte einfach nur schwach. Wir schwiegen lange. Ich wollte gar nicht mit ihr über meine Probleme reden. Erstens, weil sie Florians Schwester war und zweitens, weil sie ein Kind war. Zudem kannte ich sie überhaupt nicht gut.

„Meine Eltern sind schon früh gestorben und ich habe eigentlich keine Freunde, weil ich durch die Arbeit keine Zeit habe. Ich habe nur Josef. Aber ihn habe ich ja eigentlich auch nicht mehr. Er interessiert sich überhaupt nicht für mich, aber angeblich bin ich ihm wichtig. Ich, ich bin jeden Tag alleine in der großen Villa. Es ist dunkel und gruselig, ich bin total einsam, aber er bekommt das alles überhaupt nicht mit", redete ich mir schließlich doch alles von der Seele.
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