Die neue Krähe

von samphira
GeschichteSchmerz/Trost, Übernatürlich / P18
OC (Own Character)
27.11.2017
06.12.2017
18
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27.11.2017 683
 
Es regnet auf der Beerdigung in Strömen.

Alle Menschen stehen unter schwarzen Schirmen dicht zusammengedrängt. Der Priester spricht ein Gebet, bevor der Sarg in die Erde hinabgelassen wird.
Die Trauergemeinde wendet sich ab und geht in kleinen Grüppchen zurück zu ihren Fahrzeugen.

Nur eine junge Frau steht noch im Regen und blickt stumm auf das Grab, bevor sie sich in den Schlamm kniet und eine schneeweiße Rose darauf bettet.  

Vollkommen durchnässt und schmutzig kommt Lumi nach Hause.

Nun erscheint ihre Dreizimmerwohnung mit Bad und Küche nicht mehr gemütlich, sondern verdammt leer.
Das Licht, was durch die Fenster fällt, ist nicht mehr magisch oder beruhigend, sondern schal.

Hendrik, du fehlst mir so sehr, denkt sie und lässt sich auf einen blauen Sitzsack plumpsen.

Irritiert steht das Mädchen auf, greift unter den Sack und befördert ein zerlesenes Buch hervor.

Einige Seiten flattern wie kleine Vögel zu Boden, als sie es untersucht.
Kein Umschlag und kein Titel ist zu finden.

Das Mädchen geht in ihr Schlafzimmer, nimmt einen Ordner aus ihrer Kommode und legt das Buch vorsichtig hinein, dann holt sie die losen Seiten aus dem Wohnzimmer und sortiert diese an ihre entsprechenden Stellen.
Da Lumi schon als kleines Mädchen immer gern und viel gelesen hat, fängt sie wie von selbst an, herauszufinden, worum es in dem Buch geht.

Ein Mann und sein Sohn wurden im Auftrag eines Drogenbarons getötet, weil sie gesehen haben, wie die Gefolgsleute einen Dealer töteten.
Doch der getötete Vater kam mit Hilfe einer Krähe zurück und rächte sich an den Mördern.

Eine junge Frau mit Namen Sarah erklärte ihm, dass er aus Rache wieder hierher zurückgekehrt sei.
Komisch, mein zweiter Vorname ist Sara, denkt Lumi im Stillen.

Der Untote mit Namen Ash Corven verliebte sich in Sarah, aber er trauerte immer noch um seinen Sohn.

Das Ende ist schrecklich.

Der Drogenbaron nutzte die junge Frau als Köder, was klappte.
So nahm der Mann dem Untoten die Kraft der Unverwundbarkeit und weil Ash sich für die Liebe entschieden hatte und nicht mit seinem Sohn zurückging, konnte er nicht sterben.
Sarah wollte den Baron töten, aber er kam ihr zuvor. Geschockt und wutentbrannt rief Ash die Krähen, gefangene Geister zwischen den Welten.
Sie nahmen den Drogenbaron mit.
Trotzdem starb Sarah in Ashs Armen.

Er solle bis heute durch die Welt reiten, doch wenn zwei Menschen sich wirklich lieben, kann nichts die beiden trennen.
Liebe geht über den Tod hinaus.

Lumi denkt über die Geschichte nach, als ein weiterer Mord geschieht. Genau wie bei Hendrik, bemerkt sie und erinnert sich daran, dass er ihr drei Tage vor seinem Tod gesagt hatte, wenn sie beide mit der Schule fertig seien, ob er sie heiraten dürfte. Er zeigte ihr einen wunderschönen, filigran gearbeiteten Ring bei seinen Worten.
Voller Freude nahm sie seinen Antrag an.

Am Grab von Hendrik Link überkommt das Mädchen erneut die Vergangenheit.

Die junge Frau war auf den Weg zu ihrem Freund, als sie eine böse Vorahnung überkam.

Laufend, fast schon rennend, stand das Mädchen vor dem Haus ihres Freundes.

Sie wollte klingeln, als ein Windhauch, die Wohnungstür auf wehte.
Pure Angst im Nacken, ging Lumi in die Wohnung, welche vollkommen verwüstet war.

Das Mädchen rief vollkommen erschrocken nach ihren Freund, doch niemand antwortete.

Vorsichtig bahnte Lumi sich einen Weg durch das Chaos.
Fassungslos stand sie vor dem Schlafzimmer ihres Freundes und brach kurz nachdem sie reingeschaut hat weinend zusammen.

Der Körper von Hendrik liegt in einer riesigen Blutlache und sein abgeschlagener Kopf hängt vor dem Fenster wie ein markantes Windspiel.

Eine Nachbarin ließ die völlig aufgelöste Lumi bei sich hinein.
Dort rief sie die Polizei.
Leider kamen wenig später, als diese eintraf, schon die ersten Reporter und Kamerateams.

Alle haben der jungen Frau viele Fragen gestellt, welche sie meistens überhaupt nicht beantworten konnte.

Den Beamten war schnell klar, dass sie tatsächlich nichts wusste und auch nicht als Täterin in frage kam, doch noch schloss man sie nicht ganz aus. Lumi begab sich nach diesem Tag in Therapie zu einem Psychologen.

Er hatte niemals Feinde, überlegt die junge Frau, überall war er beliebt.

Wer kann ihm nur so etwas angetan haben?
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