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Hello Again

GeschichteLiebesgeschichte / P18 / Het
Dirk Matthies Regina Küppers
27.11.2017
27.08.2020
43
100.579
7
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
3 Reviews
 
05.07.2018 1.611
 
Regina und Dirk hatten lange über Emmas Taufe diskutiert. Am schwersten war es, einen Taufpaten zu finden. Dirks erste Wahl wäre auf Anna gefallen, aber die war nicht mehr in der Kirche. Regina hatte kurz über ihre beste Freundin Marie-Luise nachgedacht, aber nach reiflicher Überlegung war diese auch nicht in Frage gekommen, denn wenn Regina ehrlich zu sich selbst war, wollte sie nicht, dass ihre Tochter im Notfall bei Marie-Luise aufwuchs. Letztlich hatten sie sich auf Harry geeinigt. Dirk kannte sie schon so lange und war davon überzeugt, dass sie eine gute Patin abgeben würde und Regina gab schließlich, unter anderem auch in Ermangelung anderer Alternativen, nach. Außerdem musste sie zugeben, dass sie viel von der griechischen Kollegin hielt. Allerdings wusste sie nicht, wie sie die Brücke zu Harry schlagen sollte, denn immerhin war sie ja doch ihre Chefin.

Harry war gerade dabei, Feierabend zu machen und sich umzuziehen. Sie verstaute ihre Waffe im Waffenschrank und ging wieder zu ihren Schrank, zog ihre Jacke heraus und schloss die Tür. Währenddessen betrat Dirk den Raum und ging ebenfalls zu seinem Schrank.

„Harry, hast Du ma´n Moment?“, fragte er ein bisschen verlegen und sie nickte.

„Ja, was kann ich denn für Dich tun?“, fragte sie neugierig und schaute ihn an.

Dirk schluckte und ließ seinen Blick durch den Raum schweifen, blickte kurz aus dem Fenster und schaute schließlich seiner Kollegin in die Augen.

„Du Harry“, er machte eine Pause und schuckte.

„Ja, Dirk?“, antwortete sie und fragte sich, was er vorhatte.

„Sach ma Harry“, begann er wieder. „Bist Du eigentlich in der Kirche?“, fragte er schließlich.

„Ja“, antwortete sie überrascht. Was war das denn für eine Frage?

„Ich bin Griechisch-orthodox“, erklärte sie und nickte dabei.

Dirk schluckte wieder. Er wirkte irgendwie nervös.

„Sach ma, Harry...“, stammelte er.

„Was denn, Dirk? Spann mich doch nicht so auf die Folter“, sie lächelte.

„Emma braucht ne Patin“, sagte er schließlich und schaute sie treuherzig an.

Sie grinste.

„Ja, und?“, fragte sie scheinbar unbeteiligt und grinste.

„Naja", er zuckte mit den Schultern. „Willst Du nich´?“, fragte er schließlich.

Harry grinste übers ganze Gesicht.

„Du meinst, ob ich Paitn von Emma werden will?“, fasste sie die Situation zusammen.

„Ja“, Dirk nickte und schaute sie fragend an, wartete auf ihre Antwort.

„Hat Deine Frau niemand anderen, den sie gerne dafür hätte?“, fragte sie schließlich vorsichtig, aber Dirk schüttelte den Kopf.

„Nein, hat sie nicht“, antwortete er ehrlich.

Harry holte tief Luft.

Im nächsten Augenblick öffnete sich die Tür und ihre Chefin trat ein.

„Na klar mach ich das“, sagte Harry zeitgleich und grinste.

„In Echt?“, fragte Dirk erleichtert. Er war sich nicht sicher gewesen, wie ihre Reaktion ausfallen würde.

„Ja“, wiederholte Harry und strahlte. Sie war gerührt. Damit hätte sie nicht gerechnet.

Dirk machte einen Schritt auf sie zu und nahm sie in den Arm. Als er seine Frau bemerkte, grinste er übers ganze Gesicht. Er lies Harry wieder los.

„Sie hat „ja“ gesagt“, berichtete er grinsend.

Im gleichen Moment huschte ein Lächeln über das Gesicht der Chefin.

„Ich hab nichts anderes erwartet“, sagte sie ehrlich und reichte Harry die Hand.

„Danke Frau Möller, ich freu mich wirklich“, sagte sie bestätigend.

Harry erwiderte den Händedruck. „Danke, ich mich auch“, sagte sie dann.

Regina überlegte einen Moment.

„Unter diesen Umständen sollten wir uns vielleicht doch langsam duzen, meinen Sie nicht?“, fragte sie fast ein bisschen unsicher.

Harry grinste „Ja, das denke ich auch“, antwortete sie.

„Ich heiße Regina“, sagte die Chefin aufgeschlossen.

„Harry“, gab Harry zurück

Dirk legte den Arm um sie.

„Willkommen in der Familie, Tante Harry“ sagte er schließlich und lachte laut.

Hinrich atmete tief durch als er der Lütten das Wasser über den Kopf laufen ließ. Sie gluckste fröhlich und ihr Lachen hallte durch das kleine Kirchenschiff.

Dirk war mächtig stolz auf seine Tocher. Sie standen zu viert neben dem Taufbecken. Er und neben ihm Regina, daneben die Patin, die Emma in ihrem Matrosenkleid hielt und schließlich Hinrich.

„Und so taufe ich Dich auf den Namen Emma“, sagte er und lächelte.

Dann fuhr er mit dem Taufspruch fort:“ Zwei Dinge sollten Kinder von ihren Eltern bekommen“, sagte er und schaute zunächst Dirk an. „Rüben..“ Er hatte Rüben gesagt! Wie kam er denn auf Rüben? Wie peinlich. Dirk schnaubte belustigt, während Hinnrich nach dem sprichwörtlichen Loch im Boden suchte. Er räusperte sich  kurz und korrigierte sich im selben Atemzug:

„Wurzeln...“, sagte er resolut und sein Blick wanderte zu Regina. „Und Flügel“, fügte er hinzu und lächelte.

Er drehte sich um und gab Nicky ein Zeichen. Diese legte ihre Violine an den Hals und fing an zu spielen. Leise ertönte das Tüdelbandlied durch die Kirche. Regina hatte sich eigenlich für „Summertime“ von Gershwin entschieden, aber Dirk hatte auf dieses Lied bestanden, weil Emma eben eine richtige Hamburger Deern war und norddeutsches Volksliedgut wichtig war. Regina hatte irgendwann nachgegeben.

Emma war entzückt von der Musik und brabbelte leise vor sich hin. Harry, die überhaupt nicht damit gerechnet hatte, strahlte mit der Lütten als Patin um die Wette. Dirk nahm ihr die Kleine ab, wiegte sie einen Moment rhythmisch im Arm und legte sie schließlich zurück in den Kinderwagen, während er leise mitsang. Er grinste seine Tochter an. Sie sah einfach nur niedlich aus in dem Matrosenkleid aus, das Regina extra für sie hatte anfertigen lassen. Er platzte fast vor Stolz auf seine beiden Mädchen. Er setzte sich zurück in die Bank und drückte dankbar die Hand seiner Frau. Diese lächelte ihn an und erwiderte die Berührung.

Hinrich fuhr mit seiner Predigt fort und Dirk lehnte sich zurück und lauschte dem Pastor.

Als der Gottesdienst zu Ende war, erhoben sich alle. Sie schüttelten Hinrich die Hand und bedankten sich. Der Pastor grinste und zwinkerte Dirk zu.

„Wenn man mich rechtzeitig informiert und ich ein bisschen Zeit habe, mich vorzubereiten, klappt das auch“, sagte er lächelnd und Dirk nickte.

„Und entschuldigt bitte den Versprecher“, fügte er schließlich kleinlaut hinzu und blickte vor allem Regina an. Diese winkte beschwichtigend ab.

„Das war eine tolle Predigt“, sagte Dirk ergriffen. Regina lächelte und nickte. „Ja, das war es“, sagte sie ehrlich.

„Freut mich, wenn es Euch gefallen hat“, gab Hinrich zurück.

Die kleine Gruppe zog schließlich aus der Kirche aus.

Harry schob stolz den Kinderwagen und Dirk musste schmunzeln. Der Wagen war fast größer als Harry, aber Regina hatte auf einen altmodischen Wagen mit großen Rädern bestanden und war extra dafür nach Dänemark gefahren.

Hinter Harry gingen Dirk und Regina, gefolgt von Renate Küppers und Anna mit Max. Reginas beste Freundin, Marie-Luise hatte es leider auch nicht zur Taufe geschafft, wobei Regina schlichtweg annahm, dass sie einfach keine Lust auf beschauliche Familie hatte. Regina wusste, dass ihre beste Freundin regelmäßig ihren Mann betrog und auf kleinbürgerliches Spießertum keinen Wert legte. Sie seufzte. Es konnte nicht jeder die gleiche Einstellung haben.

Regina hatte einen Tisch im gleichen Restaurant reserviert, in dem sie geheiratet hatten. Da es nicht in Laufweite war, mussten sie sich aufteilen. Während Regina die Lütte im Maxi Cosi auf dem Rücksitz verstaute, klappte Dirk den Kinderwagen zusammen und stellte ihn in den Kofferraum. Wenn sie mit der Lütten unterwegs waren, nahmen sie immer Reginas Wagen. Er liebte zwar seine Heckflosse, aber schon allein den Maxi Cosi konnte man dort nicht mehr richtig befestigen und die Sicherheit von der Lütten ging natürlich vor.

Am Montag lief Hannes wie ein aufgescheuchtes Huhn durch die Gegend. Irgendwas war doch anders, aber er wusste nicht was. Er hatte vorhin ein Gespräch in der Küche zwischen der Chefin und Harry belauscht und war höchst alarmiert, als er die beiden Frauen miteinander lachend angetroffen hatte.

Als Nicky sich an ihrem Schreibtisch niederließ und ihren Kaffeebecher abgestellt hatte, schaute er sie aufgeschlossen an.

„Was ist los, Hannes?“, fragte sie, weil sie ahnte, dass er etwas im Schilde führte.

„Das frag ich Dich, Nicky!“, antwortete er.

Nicky zog eine Augenbraue hoch.

„Was hast Du denn?“, fragte sie.

Er beugte sich verschwörerisch vor und begann zu flüstern: „Ich war gerade in der Küche und stell Dir mal vor, was ich da erlebt habe..:“, begann er geheimnisvoll.

Nicky schaute ihn fragend an.

„Ja?“, fragte sie trocken

„Die Chefin hat mit Harry rumgealbert!“, berichtete er als wäre es ein großes Geheimnis.

„Ja, und?“, Nicky kontne ihm nicht wirklich folgen.

„Und seit wann sind die überhaupt beim Du?“, fragte er dann. Das er davon nichts wusste, war unglaublich.

Nicky grinste. Daher wehte also der Wind.

„Die duzen sich seit Harry Emmas Patentante ist“, antwortete sie wahrsheitgemäß.

„Und woher weißt Du das?“, fragte Hannes jetzt interessiert.

„Weil ich bei der Taufe war“, sagte Nicky grinsend. Sie ahnte, was jetzt kommen würde.

„Wie? Du warst bei der Taufe?“, fragte er rhetorisch. „Und ich war nicht eingeladen? Das find ich aber nicht nett“, maulte er und verschränkte die Arme vor der Brust.

Nicky schüttelte den Kopf und rollte mit den Augen.

„Ich war auch nur da, weil ich Geige gespielt habe, während der Taufe“, berichtete sie und hoffte, dass sie ihren Kollegen so beschwichtigen konnte.

Krabbe zog eine Augenbraue hoch und betrachete sie skeptisch. Schwieg aber beleidigt.

„Die haben nur im ganz kleinen Kreis gefeiert“, zischte Nicky ihn an.

„Das würd' ich jetzt auch sagen“, jammerte er weiter.

„Es stimmt aber“, antwortete Nicky. Dann sagte sie nichts mehr und widmete sich der Akte auf ihrem Schreibtisch.

Hannes beobachtete sie einige Minuten und als er merkte, dass nichts mehr von ihr zurückkommen
würde, räusperte er sich.

„Und? Wars denn schön?“, fragte er Nicky.

Sie nickte nur.

„Die kleine Emma ist aber auch süß“, sagte er plötzlich verträumt und Nicky nickte.

„Ganz ihre Mutter“, flüsterte er so, dass Nicky es nicht hören konnte und widmete sich schließlich auch der Aktenberge auf seinem Schreibtisch.
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