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Hello Again

GeschichteLiebesgeschichte / P18 / Het
Dirk Matthies Regina Küppers
27.11.2017
27.08.2020
43
100.579
7
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Dieses Kapitel
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25.04.2018 5.592
 
Nicky machte sich sofort daran, ihrer geheimer Mission nachzukommen. Sie lächelte Hannes entschuldigend an und deutete in Richtung Flur.

“Ich bin mal kurz weg, muss mal in Ruhe telefonieren” , erklärte sie sich und verschwand.

Hannes blickte ihr neugierig hinterher.

„Aber Nicky, ich kann Dir doch bestimmt irgendwie helfen!” , rief er ihr hinterher, doch sie schüttelte nur mit dem Kopf.

“Danke Hannes, ich krieg das schon alleine hin” , sagte sie und ging um die Ecke.


Sie nahm sich einen Kaffee aus der Maschine und setzte sich an den großen Tisch im Gemeinschaftsraum. Sie schaute auf ihre To-Do-Liste und überlegte angestrengt, was sie zuerst tun sollte. Im Restaurant würde sie erst in einer Stunde jemanden erreichen, also musste sie mit dem Blumenladen anfangen. Sie dachte nach, ob sie einen grossen Blumenladen im Hamburg kannte, der flexibel genug war, eine so spontane Bestellung spontan auszuführen, aber es fiel ihr keiner ein. Sie seufzte. Sie würde wohl die Internetsuchmaschine befragen müssen… Frustriert nahm sie ihre Unterlagen und ging wieder zurück an ihren Schreibtisch. Hannes Krabbe beobachtete sie dabei argwöhnisch, sagte aber kein Wort. Es dauerte nicht lange, da hatte sie die Telefonnummern von drei grösseren Blumengeschäften gefunden. Sie schrieb sie auf. Danach verließ sie den Wachraum wieder. Hannes sah ihr skeptisch hinterher. Er würde das Geheimnis schon noch lüften...

Nachdem Nicky den Raum verlassen hatte, schaute er zur Küppers. Diese saß an ihrem Schreibtisch und schaute in irgendwelche Unterlagen. Sie machte einen nervösen Eindruck. Hannes überlegte. Hatte er irgendwas nicht mitbekommen?

Nicky hatte es sich derweil wieder an dem großen Tisch im Bereitschaftsraum bequem gemacht und wählte die Nummer des zweiten Blumenladens auf ihrer Liste. Der erste hatte abgelehnt, zu kurzfristig war dieser Auftrag. Sie wartete mit Herzklopfen daran, dass jemand am anderen Ende der Leitung abhob.

Als sie wieder auflegte, grinste sie zufrieden. Für diesen Laden war das alles kein Problem gewesen. Man war zwar erst ein Bisschen skeptisch, aber als Nicky berichtete, dass es sich um eine Spontanhochzeit handelte und auch noch alles an das PK 14 liefern lassen wollte, hatte sie die Floristin überzeugt. Die Bestellung würde sie gleich noch via Fax schicken lassen. Man hatte sich passend zur Jahreszeit auf creme- und rosafarbene Blumen geeinigt, weil diese zudem sehr gut zu einem grauen Kleid passen würden. Nicky hatte es sich nicht nehmen lassen, einen Blumenschmuck für die Heckflosse zu ordern, sowie ein paar kleine Tischgestecke für heute Abend und ein kleines Bouquet für das Reverse des Bräutigams. Sie lächelte und stellte fest, dass ihr diese Form von Organisation Spaß machte.

Wenig später hatte sie auch den Inhaber des Restaurants erreicht, in dem ihre Chefin feiern wollte. Sie hatte ihm gesagt, worum es ging und er hatte ihr direkt versprochen, das Restaurant für die Hochzeitsgesellschaft zu schließen. Als er sie nach Menüwünschen fragte, zuckte sie mit den Achseln.

„Ich habe keine Ahnung“, sagte sie ehrlich.

„Ich werde sehen, was ich machen kann. Ich weiß ja, was sie mag“, antwortete er.

„Das ist prima!“, entfuhr es Nicky.

„Ich werde den Blumenschmuck heute Nachmittag vorbei bringen“, erklärte sie.

„Ja, machen Sie das!“ entgegnete ihr Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung.

Sie verabschiedete sich kurz angebunden von ihm, als Krabbe in den Raum kam um sich ganz unauffällig einen Kaffee einzuschenken. Er schindete Zeit, indem er zusätzlich noch die Arbeitsfläche abwischte und gespülte Tassen in den Schrank stellte. Nicky machte ein weiteres Häkchen auf ihrer Liste und grinste. Jetzt musste sie nur noch die Gäste einladen und damit war alles erledigt. Sie hatte mit der Küppers besprochen, dass die Kollegen auf dem Revier erst eingeladen wurden, wenn sie und Dirk schon auf dem Weg zum Standesamt waren. Ansonsten würde es zuviel Unruhe in den Betrieb bringen. Deswegen ließ sie auch Hannes gegenüber kein Wort verlauten. Hannes konnte nichts für sich behalten. Wenn man wollte dass etwas möglichst schnell die Runde machte, sagte man es am besten Hannes und bemerkte, dass es niemand wissen sollte...

Seltsamerweise wussten das alle nur er selbst nicht. Nicky musste lachen, weil er so neugierig war. Er schaute sie mit einer hochgezogenen Augenbraue an, aber als sie kein Wort sagte und seinen Blick nur stur erwiderte, verschwand er schließlich wieder, ließ sich dabei aber richtig viel Zeit. Er hatte die Hoffnung, dass sie ein weiteres Telefonat führen würde und er etwas davon aufschnappen konnte.

Eine Stunde später hatte Nicky alle Gäste auf der Liste erreicht, die nichtoder nicht mehr im PK 14 arbeiteten. Es konnten leider nicht alle zusagen, aber damit hatten sie und die Küppers gerechnet. Sie verließ den Bereitschaftsraum und klopfte bei ihrer Chefin an. Als diese „Herein“ sagte, öffnete sie die Tür und schloss sie gleich wieder hinter sich, nicht ohne sich vorher noch einmal umzuschauen, man wusste ja nie, wozu Hannes in der Lage war und er schlich schließlich die ganze Zeit hier herum seit sie den Sonderauftrag von der Chefin erhalten hatte. Nicky erwartete fast ein Ohr von der anderen Seite an der Glastür zu sehen.

Die Küppers schaute erwartungsvoll zu ihr auf und ließ den Stift fallen. Sie wirkte nervös, aber das war sicherlich nicht weiter verwunderlich.

„Frau Beck, wie sieht es aus?“, fragte sie neugierig.

Sie fühlte sich immer noch etwas schuldig, weil sie die junge Frau für ihre privaten Zwecke einspannte, aber heute war nicht viel los und sie war sich sicher, dass Krabbe auch mal kurze Zeit alleine klar kommen würde. Sie bot ihr einen Platz an und Nicky ließ sich auf den Stuhl plumpsen.

„Blumen sind bestellt“, begann Nicky und schaute durch das Fenster zu Hannes. Dieser fing ihren Blick auf und schaute gleich wieder weg.

„Sie werden gegen 13h hierher geliefert“, erzählte sie.

„Pastellfarben, rosa und creme zählte sie auf“.

„Aha“, machte die Küppers.

„Passen gut zu Ihrem grauen Kleid“, Nicky grinste.

„Außerdem hab ich noch Schmuck fürs Auto bestellt, Dekoration für die Feier heute Abend und ...“, sie machte eine kleine Pause, „ein Sträußchen für das Revers des Bräutigams“, sagte sie schließlich zufrieden.

Regina schaute sie an und grinste über das ganze Gesicht. Das hatte sie selbst alles gar nicht bedacht.

„Danke, Frau Beck!“, sagte sie ehrlich.

Nicky wich ihrem Blick verlegen aus.

„Ich habe das Restaurant angerufen und heute Abend ist dort geschlossene Gesellschaft. Der Chef stellt ein Menü nach ihren Vorlieben zusammen“, berichtetete sie.

Die Chefin nickte anerkennend.

„Und ich habe alle angerufen, die nicht hier arbeiten“, sagte Nicky schließlich.

„Herr und Frau Hage haben leider keine Zeit“, berichtete sie.

Regina Küppers zuckte die Schultern. „Das dachte ich mir schon“, sagte sie ehrlich und bedauerte, dass ihre beste Freundin ihrem großen Tag nicht beiwohnen würde.

„Katja ist im Ausland, kann also auch nicht kommen“, fuhr Nicky fort.

„Aber Big Harry hat zugesagt“, Nicky grinste.

„Und ihre Mutter auch“, berichete sie dann.

„Und nein, ich habe Ihrer Mutter nicht gesagt, worum es geht, wie sie mich gebeten haben“, sagte sie dann verschwörerisch.

„Und Frau Sommer hat auch zugesagt. Sie hat sich gefreut und gemeint, sie nimmt den nächsten Flug“, Nicky grinste.

Regina nickte wieder anerkennend. Ich weiß zwar nicht, wie sie das gemacht haben, aber gute Arbeit, Frau Beck!“, sagte sie. „Sie sollten mal darüber nachdenken, als Hochzeitsplanerin zu arbeiten“ Nicky lächelte verlegen und stand auf.

Regina atmete tief durch und lehnte sich in ihrem Stuhl zurück. Ihr Blick wanderte immer wieder auf die Uhr und langsam wurde sie nervös. Sie fragte sich einmal mehr, warum sie sich zu dieser blödsinnigen Idee hatte hinreißen lassen. Aber das wusste sie genau, weil sie ansonsten den Mut nicht gefunden hätte, diesen Schritt zu gehen.

„Jetzt pass´ doch mal ein Bisschen auf! Mann, Mann, Mann!“, herrschte ihn Anna von der Seite an als er aprubt auf die Bremse trat.

Er hatte den Wagen vor sich gar nicht richtig wahrgenommen und auch nicht, dass er bremste. Dirk schaute zerknirrscht drein.

„Tut mir leid“, murmelte er. „Willst Du lieber fahren?“, fragte er schließlich.

Sie schüttelte mit dem Kopf.

„Nein, ist schon okay“, sagte sie und schaute aus dem Fenster.

Dann schaute sie zu ihrem Partner. „Wo bist Du heute mit Deinen Gedanken, Dirk?“, fragte sie schließlich.

Er seufzte und überlegte, was er preisgeben konnte. Es war schließlich Anna, mit der er hier auf dem Bock saß. Sie würde schon keinem was davon sagen. Er fädelte den Wagen in den fließenden Verkehr ein und holte tief Luft.

„Wir heiraten heute“, sagte er und flüsterte fast dabei.

Anna spitzte die Ohren.

„Ihr tut was?“, fragte sie überrascht.

Er rollte die Augen.

„Wir heiraten heute“, wiederholte er noch mal.

„Und da sagt Ihr nichts?“, fragte sie überrascht.

Er schüttelte den Kopf.

„Nö“, gab er kleinlaut zu.

„Ganz heimlich, heute Nachmittag um drei auf dem Standesamt“, murmelte er.

Anna schüttelte lachend den Kopf.

„Kein Wunder, dass Du so nervös bist“, sagte sie lachend und drückte ihm den Arm.

„Jo“, kam es einsilbig zurück.

„Und dann?“, fragte sie neugierig.

„Nichts und dann?“, sagte er.

„Keine Feier?“, fragte sie überrascht.

„Keine Feier“, wiederholte er.

„Naja, wir gehen hinterher essen“, sagte er dann.

„Ach was?“, Anna staunte und schaute aus dem Fenster.

Da heiratete ihr Partner, der zudem auch noch ein guter Freund war, hatte ihr kein Sterbenswörtchen gesagt und lud sie nicht mal ein. Ein Bisschen enttäuscht war sie in diesem Moment schon, aber sie schwieg. Er und seine Zukünftige würden schon ihre Gründe haben.

„Wer hätte das gedacht“, sagte sie schließlich belustigt. „Dirk Matthies heiratet“.


Die Blumen wurden pünktlich geliefert und Nicky nahm gleich alles in Empfang, bemühte sich, dass Hannes nicht zuviel von dem sah, was sich unter Seidenpapierlagen in Kartons verbarg. Sie unterschrieb die Rechnung und brachte die Blumen ins Büro ihrer Chefin. Diese war entzückt. Jetzt musste sie nur noch unauffällig den Blumenschmuck an Dirks Auto befestigen und den Rest der Dekoration zum Restaurant fahren. Zum Glück war sie heute mit dem Auto da und nicht mit dem Fahrrad. Hannes schaute ihr interessiert hinterher, konnte aber nicht genau sehen, was Nicky da ins Büro der Chefin schleppte. Es handelte sich um einen Blumenstrauss, aber was war wohl in den Kartons?

Regina war inzwischen umgezogen und betrachtete sich selbst fasziniert im Spiegel. Die Haare hatte sie offen gelassen und mit einer Spange am Hinterkopf gebändigt, so dass sie ihr in Locken auf die Schultern fielen. Das Kleid saß perfekt und die kleine Kugel sah man nur, wenn man ganz genau hinsaß. Sie hatte dunkle Strümpfe gewählt und Pumps, die zwar hoch waren aber nicht zu hoch, sie musste schließlich darauf laufen können. Ein Bisschen mehr Make -Up als gewöhnlich hatten das Bild abgerundet. Es klopfte an der Tür. Wie ertappt schloss sie die Schranktür und sagte „Herein“. Es war Hannes Krabbe.

„Frau Küppers, ich wollte noch den Dienstplan mit Ihnen ...“, sagte er, aber hielt mittendrin inne und starrte sie an.

Sie lächelte, fast ein bisschen verlegen. Es fehlte wahrscheinlich nicht mehr viel und er hätte gesabbert.

„Frau Küppers...“, stammelte er.

„Herr Krabbe, wie kann ich Ihnen helfen?“, fragte sie.

„Dienstplan...besprechen...wir?“, fragte er und bekam keinen zusammenhängenden Satz mehr heraus.

„Herr Krabbe, das hat doch sicherlich Zeit bis morgen, oder?“, fragte sie schließlich.

Er nickte.

„Zeit es hat“, sagte er freundlich und wurde augenblicklich rot.

„Herr Krabbe, ich habe gleich einen Auswärtstermin, wir machen das dann morgen“, sagte sie betont langsam und hoffte, dass ihre Worte auch irgendwann in seinem Kopf ankommen würden.

Er nickte und verließ ihr Büro mit hochrotem Kopf. Als er draußen war, folgte sie ihm und schaute sich im Wachraum um. Dirk war inzwischen vom Streifendienst zurück und sie nahm an, dass er sich auch irgendwo umziehen würde. Sie kannte ihn gut genug um zu wissen, dass er sicherlich nicht mit Uniform zum Standesamt fahren würde. Wobei, man wusste ja nie. Sie musste schmunzeln. Schließlich entdeckte sie Nicky, die gerade wieder nach drinnen kam.

„Frau Beck?“, fragte sie fast flehent.

Diese grinste und kam zu ihr.

„Ja, Frau Küppers?“, fragte sie.

Regina trat zur Seite und ermöglichte der Kollegin den Gang in ihr Büro. Dann schloss sie zunächst die Tür und anschließend auch den Rollladen, damit niemand etwas mitbekam.

„Die Blumen sind im Restaurant“, verkündete Nicky strahlend.

„Danke“,  sagte Regina und lächelte.

Sie holte Luft und ließ sich auf einen Stuhl fallen.

„Gott, bin ich nervös“, sagte sie ehrlich und lächelte entwaffnend.

„Brauchen Sie nicht sein, ist alles in Ordnung“, sagte Nicky und legte ihr etwas unsicher die Hand auf die Schulter.

Sie lächelte zuversichtlich und warf einen Blick auf die Uhr.

„Ich schnapp mir jetzt Harry und mach den Blumenschmuck an Dirks Auto fest“, sagte sie und Regina nickte.

„Machen sie das“,  sagte sie.

„So langsam können wir die Katze aus dem Sack lassen“, fügte sie grinsend hinzu.

Nicky nickte und ging wieder aus dem Büro um ihre Kollegin zu suchen. Den Karton mit der Autodekoration trug sie vorsichtig vor sich her.

„Hannes, weißt Du, wo Harry ist?“, fragte sie und Hannes schaute neugierig auf.

„In ihrem Büro schätze ich mal“, antwortete er.

„Aber ich kann Dir sicherlich auch helfen“, bot er sich dann an.

Nicky schüttelte den Kopf.

„Danke, Hannes, ich weiß das zu schätzen, aber ich krieg das hier schon hin“, sagte sie und grinste.

Sie klopfte an die Bürotür von Harry und Mads und es dauerte nicht lange, bis Mads öffnete. Beide Kollegen schauten sie fragend an.

„Nicht fragen, erfahrt ihr schon noch früh genug!“, murmelte sie grinsend und nahm ihnen so den Wind aus den Segeln.

„Harry, hast Du mal ne Minute?“, fragte sie dann bittend.

„Klar!“, Harry musterte sie überrascht und versuchte einen Blick in den Karton zu erlangen.

„Dann komm mal bitte mit“, sagte Nicky und ging voran.

Harry tat wie ihr geheißen. Im Treppenhaus des PK 14 hielt Nicky an und wartete bis die Griechin sie eingeholt hatte.

„Was geht denn hier vor?“, fragte sie neugierig.

Nicky seufzte und steuerte einen Tisch an, um den Karton kurz abzulegen. Sie öffnete die Verpackung und ließ Harry einen Blick auf die Blumen werfen.

„Ist das Hochzeitsschmuck?“, fragte diese überrascht. „Fürs Auto?“

Ihre Kollegin nickte grinsend. „Das ist es“, bestätigte sie.

„Und was machen wir jetzt damit?“, Harry schien immer noch nicht begriffen zu haben, worum es ging.

„Komm, ich zeigs Dir!“, sagte Nicky verschwörerisch.

Harry hielt ihr die Tür auf und beide verließen das Gebäude. Dirks Heckflosse stand direkt auf dem Parkplatz vor der Tür. Als Nicky darauf zuging, zögerte Harry.

„Was hast Du denn vor?“, fragte sie skeptisch.
Nicky schaute sie an, drehte sich um und vergewisserte sich, dass die Fenster geschlossen waren und niemand lauschte.

„Dirk und die Küppers heiraten gleich“, lüftete sie das Geheimnis.

„Ist nicht Dein Ernst!“, entfuhr es Harry.

„Doch,  mein voller. Heute Abend gibt es auch eine Feier, aber das sag ich Euch alles erst, wenn sie weg sind!“, berichtete sie, stellte den Karton auf der Motorhaube ab und begann vorsichtig, die Blumengirlande auszupacken.

Harry schüttelte lachend den Kopf. Irgendwie passte das ins Bild. Sie folgte Nicky und fasste mit an. Es dauerte nicht lange und der Wagen war geschmückt.


Derweil beobachtete Hannes Krabbe seine Kolleginnen durchs Fenster und als er erkannte, was Nicky und Harry da taten, schnürte es ihm die Luft ab. Sicher. Die Blumen, Nickys Geheimniskrämerei und das schicke Outfit der Küppers...warum war er da nicht selbst drauf gekommen! Er schnappte nach Luft und schüttelte den Kopf. Dann liess er sich matt auf seinen Stuhl fallen und stützte die den Kopf in die Hände und schaute seine Chefin schmachtend durch das Fenster zu ihrem Büro an. Dirk war schon ein Glückspilz!

Regina hatte Nicky und Harry ebenfalls beobachtet und freute sich. Ein seltsames Kribbeln machte sich in ihrem Bauch breit. Sie war nervös. Es klopfte an der Tür, sie sagte herein und drehte sich um. Dirk stand in der Tür und starrte sie an.

„Wow“, sagte er anerkennend.

Sie lächelte und musterte ihn. Schwarze Hose, helles Hemd, den Blazer locker in der Hand.

„Krawatte?“, fragte er unsicher.

Sie schüttelte den Kopf.

„Nein“, sagte sie.

Er atmete hörbar aus.

„Dann ist ja gut“, sagte er und zog den Blazer an.

Sie suchte ihren Schreibtisch mit den Augen ab und fand schließlich das Anstecksträußchen unter ein paar Dokumenten. Sie ging auf ihn zu und steckte es an seinem Kragen fest. Er beobachtete sie aufmerksam und grinste.

„Echt jetzt? Blumen? Du hast an Blumen gedacht?“, fragte er überrascht.

Sie nickte.

„Wenn schon, dann richtig, oder?“ fragte sie.
Er zog sie an sich und küsste sie.

„Wir müssen los“, sagte er dann und schluckte.

„Bist Du bereit?“, fragte er.

Sie nickte wieder.

„Ich glaube schon“, sagte sie leise und griff nach ihrem Mantel und ihrer Tasche.

Dann nahm sie den Strauss aus der Vase.

„Wat mutt, dat mut“, kommentierte Dirk und legte ihr beim Herausgehen eine Hand auf den Rücken.

Nicky und Harry waren inzwischen wieder im Wachraum und Regina formte ein lautloses „Dankeschön“ mit den Lippen.

Sie wandte sich an Hannes Krabbe: „Herr Krabbe“, begann sie und er schaute auf. „Ist alles in Ordnung?“, fragte sie überrascht, weil er kreidebleich war.

„Ich denke ja“, sagte er zweifelnd.

Sie schaute zu Nicky Beck aber diese machte nur eine wegwerfende Geste und schüttelte den Kopf.

„Herr Krabbe“, begann sie nochmal.

„Herr Matthies und ich haben einen Auswärtstermin und kommen heute auch nicht mehr rein“, berichtete sie.

Er nickte nur.

„Ist gut, Frau Küppers“. Mehr brachte er nicht heraus.

Sie zwinkerte Frau Beck zu und verließ mit Dirk im Schlepptau den Raum. Als sie das PK 14 verließen, stutzte er.

„Sach´ma, was ist das denn?“ fragte Dirk überrascht als er sein Auto sah.

„Blumen“, antwortete sie trocken, als sie die Beifahrertür öffnete.

„Watt mutt, dat mutt“, sagte sie lachend und stieg ein.


Ute Hansen schaute erwartungsvoll auf die Uhr. Schließlich ging sie zur Tür des Trauzimmers und steckte den Kopf heraus. Sie rechnete nicht damit, dass Dirk mit seiner Zukünftigen hier erscheinen würde, aber sie musste mindestens eine halbe Stunde warten. Außerdem war es der letzte Termin an diesem Tag, also was  hatte sie schon zu verlieren? Plötzlich hörte sie schnelle Schritte im Gang, haute abermals um die Ecke und staunte nicht schlecht. Sie traute ihren Augen kaum. Dirk Matthies im schwarzen Anzug und daneben eine rot-blonde Frau im eleganten, grauen Kleid. Sie war wahrscheinlich Ende 30 oder Anfang 40, groß, schlank und hatte blaue Augen, wie Ute feststellte, als sie ihr gegenüberstand.

„Also damit hätte ich ja jetzt nicht gerechnet“, entfuhr es ihr als sie erst Regina Küppers und dann Dirk Matthies die Hand schüttelte.

Er grinste.

„Ich habs Dir doch gesagt“, murmelte er kleinlaut.

„Ute Hansen, Standesbeamtin“, stellte sie sich kurz vor und bedeutete dem Paar schließlich, ihr in den Saal zu folgen.

Ein Bisschen seltsam war die Atmosphäre schon, denn das Paar hatte tatsächlich niemanden mitgebracht. Keine Trauzeugen, keine Angehörigen, keinen Fotografen. Aber Ute kannte das. Während der Zeit, die sie jetzt in diesem Job arbeitete, hatte sie schon so einiges erlebt. Das hier war noch harmlos.

Sie bedeutete dem Paar, Platz zu nehmen. Dirk und Regina setzten sich fast gleichzeitig. Sie legte den Blumenstrauss auf den Stuhl neben sich. Ute Hansen holte tief Luft und begann. Sie war froh, dass sie sich trotzdem sie nicht mit der Trauung gerechnet hatte, eine Traurede überlegt hatte. Dirk hatte ihr bei ihrem Vorgespräch ein paar Stichworte gegeben und daraus hatte sie wie üblich eine Rede gebastelt. Das obligatorische „Wir haben uns alle heute hier versammel“, ließ sie nun aber doch weg.

„Liebes Brautpaar“, wandte sie sich an die zukünftigen Eheleute.

„Sie sind heute hier, weil sie getraut werden möchten, weil sie sich dazu entschieden haben, ihre zukünftiges Leben gemeinsam zu verbringen“, begann sie.

Dirk drückte Reginas Hand und wechselte einen sehr intimen Blick mit ihr. Er hatte das richtige getan, da war er sich jetzt sicher. Sie hörten der Standesbeamtin weiterhin zu.

„Sie kennen sich schon eine ganze Weile und arbeiten seit mehreren Jahren zusammen. Und Du, Dirk, hast es Deiner zukünftigen Frau nicht immer leicht gemacht“, fasste sie mit einem Grinsen zusammen.

Dirk lächelte schief und zuckte mit den Schultern.

„Sie hat es trotzdem mit Dir ausgehalten und irgendwann habt Ihr Euch ineinander verliebt“, fuhr Ute fort.

Sie schaute das Brautpaar aufmerksam an und machte weiter. Irgendwann forderte sie die beiden auf, die Ringe zu wechseln. Regina sah Dirk erschrocken an, dieses kleine Detail hatte sie nicht bedacht, aber er griff gelassen in seine rechte Blazertasche und holte ein kleines Schmuckkästchen heraus. Regina war überrascht und grinste, als er es öffnete. Die Ringe waren schlicht und aus weißgold, genauso, wie sie ihn sich auch ausgesucht hätte. Der von Dirk war etwas breiter, fast schon wie ein Siegelring, ihrer schmal. Als er ihr den Ring an die Hand steckte, passte er fast wie angegossen. Seiner ließ sich mühelos über das Fingergelenk schieben, aber er hatte ihn ja auch vorher anprobieren können.

„Zwecks meines Amtes erkläre ich Euch jetzt für Mann und Frau“, sagte Ute Hansen und wandte sich grinsend an Dirk.

„Du darfst Deine Braut jetzt küssen“, sagte sie aufforernd.

Er kam der Aufforderung nach und zog Regina an sich, küsste sie zärtlich und hätte am liebsten gar nicht mehr damit aufgehört.

Doch Ute Hansen unterbrach sie irgendwann.

„Eine Frage hätte ich da noch, das haben wir gar nicht geklärt. Welchen Ehenamen wollt Ihr denn führen?“, fragte sie und schaute von Dirk zu Regina und wieder zurück.

„Äh...also...“, überlegte er laut.

Darüber hatten sie gar nicht gesprochen. Er war sicher, dass Regina ihren Namen behalten würde oder maximal einen Doppelnamen annehmen würde.

„Matthies“, sagte Regina und riss ihn aus seinen Gedanken.

Sie lächelte erst ihn an und dann Ute.

„Wir werden den Namen Matthies führen“, wiederholte sie nochmal und grinste.

„Dann herzlichen Glückwunsch!“, Ute gratulierte und drückte ihnen beiden die Hände.

Dann gab sie Dirk das Stammbuch.

„Alle Achtung, ich hätte nich´ damit gerechnet, aber ich freu mich für Euch“, sagte sie und Dirk grinste.

Wenig später saßen sie in Dirks Heckflosse. Regina schaute auf die Uhr. An sich hatten sie noch genug Zeit bis zur abendlichen Feier und das sollte ja auch eine Überraschung für Dirk werden.

„Was machen wir jetzt?“, fragte sie neugierig.

Er schaute sie an. „Ich hab da so ein paar Ideen, aber Du meinst sicherlich was anständiges, oder?“, fragte er frech und sie lachte.

Sie spreizte die Hand und schaute auf ihren Ring.

„Die sind wirklich schön“, sagte sie leise.

„Das freut mich“, gab er zur Antwort und warf ihr einen Dackelblick zu.

„Danke, dass Du mich heute geheiratet hast“, sagte er ehrlich und schaute ihr in die Augen.

„Ich hab das gerne gemacht!“, entgegnete sie und nickte zur Bestätigung.

„Und besser als ´ne riesige Hochzeit, oder?“, sagte er.

Sie nickte wieder und schaute einen Moment nachdenklich aus dem Fenster.

„Was´n ?“, fragte er.

Sie seufzte.

„Naja, ein Bisschen schade ist es schon, oder?“, sagte sie.

„Was?“, fragte er wieder.

Sie lächelte.

„Ich hab eigentlich immer davon geträumt, kirchlich zu heiraten“, gab sie leise zu.

„Auch wenn nicht unbedingt in weiß“, fuhr sie fort.

Er grinste und streichelte über ihren Bauch.

„Nee“, sagte er lachend. „Unschuld steht Dir grad nicht so“, bemerkte er trocken und hob eine Augenbraue.

Sie schnitt eine Grimasse. Er atmete tief durch. Eigentlich war ihm das Thema auch wichtig gewesen, aber ihr zur Liebe hatte er nicht darauf bestanden. Er schaute aus dem Fenster und dachte nach.

„Echt jetzt? Kirchlich? Dein Ernst?“, fragte er nochmal und schaute sie an.

„Warum denn nicht?“, antwortete sie und runzelte die Stirn. „Was ist denn gegen Gottes Segen einzuwenden?“, fragte sie leise.

„Gar nichts“, antwortete Dirk, startete entschlossen den Wagen und grinste.

Er hatte eine Idee.

„Was hast Du vor?“, fragte sie neugierig.

„Wart´s mal ab“, verkündete er und fuhr los.

Der Wagen wurde von einem Hupkonzert begleitet. In diesen Genuss waren sie schon auf dem Weg zum Standesamt gekommen. Fast jeder, der an ihnen vorbei fuhr oder hinter ihnen, hupte einfach, beim Anblick der geschmückten Heckflosse.

Kurze Zeit später brachte Dirk den Wagen zum Stehen und parkte. Regina sah sich interessiert um. Er ging um den Wagen herum und öffnete ihr die Beifahrertür, half ihr aus dem Wagen. Er drückte ihr den Blumenstrauß in die eine Hand und nahm sie bei der anderen. Sie schaute ihn verwirrt an.

„Was machen wir denn hier?,  fragte sie irritiert.

„Dir geht es doch um Gottes Segen, oder?“, fragte er und sie nickte zustimmend.

Sie gingen ein paar Schritte und standen plötzlich vor der Flussschifferkirche. Regina musste grinsen. Natürlich! Ihr Mann kannte schließlich Gott und die Welt, in diesem Fall sehr treffend gesagt.

„Dirk, was hast Du vor?“, fragte sie.

„Lass mich mal machen“, sagte er, griff nach ihrer Hand und öffnete die Tür zum Kirchenschiff.

Das Licht brannte, aber niemand war im Raum.

„Hinrich?“, rief Dirk laut, aber bekam keine Antwort.

Er schaute sich um.

„Hinrich?“, rief er ein zweites Mal.

Es dauerte nicht lange und der Pastor stand in der Tür. Er schaute Dirk erstaunt an.

„Dirk, was machst Du denn hier?“, fragte er überrascht.

„Ist etwas passiert?“, fragte er dann und musterte erst Dirk und dann seine Begleitung.

Er überlegte für einen Augenblick, ob sie  nicht Dirks Chefin war, aber er hatte sie damals nur kurz gesehen und war sich nicht sicher.

„Ist alles in Ordnung?“, fragte er nochmals und Dirk nickte.

„Ja, Hinrich, alles in Ordnung“, bestätigte er.

Hinrich zog fragend die Augenbrauen hoch und musterte Dirk und seine Begleitung skeptisch.

„Hinrich, kannst Du uns trauen?“, fiel Dirk mit der Tür ins Haus.

„Bitte was?“, Hinrich runzelte die Stirn.

„Kannst Du uns trauen? Du weißt schon, mit Gottes Segen und so?“, wiederholte Dirk sein Anliegen.

Hinrich traute seinen Ohren kaum.

„Ja, das kann ich“, sagte er vage.

„In zwei Wochen habe ich Zeit für eine kirchliche Trauung“, verkündete er.  

Dirk schüttelte den Kopf.

„Jetzt?“, fragte er kleinlaut.

„Nein, das geht nicht“, Hinrich schüttelte den Kopf und wunderte sich über Dirks Ideenreichtum.

„Komm Hinrich, jetzt mach doch mal ne Ausnahme!“, forderte ihn Dirk auf.

„Ich hab doch sicher was gut bei Dir. Und ich bin auch noch der Patenonkel von Niklas!“, sagte er dann bittend.

„Dirk“, Corinna betrat den Raum.

Die Frau vom Pastor begrüßte ihn und Regina und schaute dann von beiden zu ihrem Mann um sich ein Bild zu machen, was gerade vor sich ging.

„Dirk...“, begann Hinrich. „Selbst wenn ich wollte, ich könnte Euch nicht so ohne weiteres trauen. Ihr müsst erst mal standesamtlich heiraten, so darf ich das gar nicht“, erklärte er schließlich.

„Da kommen wir gerade her“, antwortete Dirk trocken und grinste.

Hinrich schüttelte den Kopf.

„Dirk, Du raubst mir noch meinen letzten Nerv“, sagte er schließlich und lachte.

Er seufzte und wandte sich an seine Frau, die aufmunternd nickte.

„Corinna, Schatz, mach uns mal einen Kaffee“, sagte er friedlich und wandte sich an Dirk.

„Damit ich wenigstens eine halbe Stunde habe, mir eine Traurede zu überlegen“, sagte er und versuchte, wütend auszusehen, aber Dirk grinste nur.

„Das heißt, Du machst das?“, fragte er skeptisch.

Hinrich grinste und nickte verhalten.

„Danke Hinrich, das vergess´ ich Dir nie“, sagte Dirk ehrlich und folgte Corinna und Regina in die Küche der kleinen Kirche.


„...so lasst uns aufeinander achten und uns zur Liebe und zu guten Taten anspornen“, Heinrich legte seine Hand auf die Hände von Dirk und Regina und erklärte sie vor Gott zu Mann und Frau.

„Ihr dürft Euch jetzt küssen“, sagte er und grinste.

Sie küssten sich das zweite Mal an diesem Tag.

„Danke, Hinrich“, bedankte sich Dirk abermals. Der Pastor schaute ihn an und zog ihn an sich.

„Für niemand anderen hätte ich das gemacht“, sagte er leise und Dirk grinste.

Anschließend gratulierte Hinrich Regina. Corinna umarmte sie ebenfalls beide und rieb sich eine Träne aus den Augen.



Regina nannte Dirk die Adresse und lächelte. Er schaute sie überrascht an und wunderte sich, warum sie ausgerechnet in diesem Restaurant essen gehen wollte, aber dann schmunzelte er und hatte für einen kurzen Augenblick ihr Bild in diesem sündhaften Kleid vor Augen. Dort hatte alles angefangen, sicherlich. Sie parkten den Wagen vor dem Restaurant und Dirk stutze, weil es fast aussah, als hätte es gar nicht geöffnet. Er runzelte die Stirn und schaute seine Frau an. Sie lachte nur.

„Geschlossene Gesellschaft wegen einer Hochzeit“, sagte sie dann und wartet auf seine Reaktion.

Er zog fragend eine Augenbraue hoch und überlegte.

„Wir feiern hier heute Abend“, erklärte sie.

„Mit unseren Freunden“, fügte sie dann hinzu.

„Ich dachte, das sei Dir wichtig.“, sagte sie dann unschuldig.

Er grinste und zog sie an sich.

„Du bist mir wichtig“, stellte er klar.

„Aber so´ne Feier is´ ja schließlich auch ´was“, fügte er dann hinzu.

Sie gingen hinein und natürlich waren sie die ersten. Der Geschäftsführer des Restaurants kam auf sie zu und schloss sie in die Arme.

„Regina, alles Gute zur Hochzeit!“, sagte er grinsend. Dirk fand ihn fast etwas aufdringlich und beobachtete argwöhnisch, wie er seine Frau im Arm hielt.

„Und ich hab immer gedacht, Du heiratest mich“, sagte er lachend.

Sie schüttelte den Kopf.

„Muss Dich enttäuschen, ich habe mein Wahl getroffen“, sagte sie und deutete auf Dirk und stellte ihn vor. Die beiden Männer schüttelten sich die Hände.

Sie schaute sich um. Es war festlich eingedeckt und überall stand hübscher Blumenschmuck auf den Tischen, passend zur Autodekoration und zu ihrem Brautstrauss. Nicky Beck hatte sich selbst übertroffen. Dirk war ebenfalls beeindruckt. Er pfiff leise und anerkennend. Es dauerte nicht lange, bis die ersten Gäste erschienen.

Nicky hatte sich selbst übertroffen. Nachdem Dirk und die Chefin gegangen waren, hatte sie ihre Kollegen zusammen getrommelt und alle für den Abend eingeladen. Hannes Krabbe hatte seinen Mund gar nicht mehr zubekommen und er war erst mal eine Weile eingeschnappt, weil die Küppers Nicky und nicht ihn um Hilfe und Organisation gebeten hatte. Er hätte das bestimmt mindestens genauso gut hinbekommen! Erst als Nicky ihn zur Seite genommen hatte und ihn darauf hingewiesen hatte, dass sie ohnehin bald nicht mehr im PK 14 sein würde und somit ihre Überstunden ja irgendwie wegbekommen musste, hatte er wieder eingelenkt. Dafür hatte sie ihn für ein Hochzeitsgeschenk sammeln lassen, denn das – so wusste sie aus Erfahrung – konnte er gut.

Dirk und Regina begrüßten die Gäste, ließen sich gratulieren und freuten sich. Sogar an eine Sitzordnung und kleine Tischkärtchen hatte Nicky gedacht. Plötzlich stand Renate Küppers vor ihnen und funktelte sie beide wütend an.

„Ihr hättet ja auch mal was sagen können“, gab sie empört von sich.

Regina schluckte.

„Das hätten wir, Muddel, aber dann wärst Du sauer gewesen und ich wollte keine große Hochzeit“, sagte sie und verschränkte die Arme vor der Brust.

Ihre Mutter war versöhnlich gestimmt.

„Hauptsache, Ihr seid glücklich“, sagte sie ehrlich und schloss erst ihre Tochter und dann ihren Schwiegersohn in die Arme.

Regina und Dirk wechselten einen erstaunten Blick und sahen der alten Dame nach, als sie sich an ihren Platz setzte.


„Mensch, das ist ja ne Überraschung!“, Tanja Sommer drückte erst Dirk und dann schüttelte sie Regina herzlich die Hand.

Dirk schaute sie verdutzt an.

„Du, hier?“, fragte er überrascht.

„Ja, und mit dem letzten Flug wieder zurück nach Berlin, aber Deine Hochzeit wollte ich mir nicht entgehen lassen“, sagte sie grinsend.

„Schön, dass es doch noch geklappt hat“, sagte sie und zwinkerte Regina wissend zu.

Diese grinste. Tanjas Blick streifte das graue Kleid, blieb kurz hängen und fing dann Reginas Blick auf.

„Ihr macht jetzt aber schnell, oder?“, sagte sie wissend und lachte.

„Ich freu mich wirklich“, fügte sie hinzu.

Dann schaute sie sich um und versuchte, noch jemanden ausfindig zu machen, den sie kannte und überließ das Brautpaar den anderen Gratulanten.

Dirk schaute sich um und freute sich. All ihre Kollegen waren da. Anna war mit Max und Hendrik gekommen, Hannes Krabbe saß mit Nicky zusammen, Harry flirtete mit Mads und neben der kleinen Griechin saß Big Harry und schien seinen Spaß zu haben.

Er hatte von Nicky erfahren, dass Katja nicht kommen konnte, weil sie zur Zeit im Ausland war, aber sie schickte liebe Grüße und gratulierte aus der Ferne. Inzwischen war sogar eine SMS von ihr auf seinem Handy eingegangen.

Reginas Mutter schien Frieden mit der ganzen Sache geschlossen zu haben und Hinrich war auch mit seiner kleinen Familie gekommen. Regina hatte Nicky zwischendrin angerufen und sie beauftragt, den Pastor und seine Familie auch noch einzuladen. Er schaute bewundernd auf seine Frau, die sein Kind unter dem Herzen trug und es erfüllte ihn mit Stolz. Schließlich ging er zu seiner Schwiegermutter und nahm sie beiseite.

„Dirk, was ist los?“, fragte sie fröhlich.

„Ich war gerade in einer Unterhaltung mit Herrn Big Harry“, fuhr sie fort und deute auf den Hünen.

„Du bist mir noch was schuldig“, sagte er grinsend.

„Was?“, sie tat unschuldig, wusste aber sofort, worauf er hinauswollte.

„Du weißt schon“, er grinste schief.

„Weiß ich das, Dirk?“, fragte sie.

Er verschränkte die Arme vor der Brust. Inzwischen hatte er den Blazer wieder ausgezogen, er hing über der Lehne seines Stuhles.

„Jetzt sag es mir, Renate“, sagte er. „Wir hatten eine Vereinabrung!“

Sie lachte. „Du sagst ihr nicht, dass Du es von mir weißt!“, befahl sie und er nickte.

„Na Logo, Ehrensache“, versprach er.

„Also gut“, sie holte tief Luft.

„Das Märchen vom Rübchen“, sagte sie und Dirk runzelte die Stirn.

„Sie hat es als Kind geliebt.“, fuhr sie fort.

„Es handelt von Zusammenhalt und dass man alles schaffen kann, wenn man sich gegenseitig hilft“, sagte sie dann.

„Vermutlich ist sie sogar deshalb zur Polizei gegangen“, überlegte sie laut und hob die Achseln.

Dirk musste lächeln.

„Danke!“, sagte er seiner Schwiegermutter und drückte ihr einen Kuss auf die Wange.

Sie lächelte zurück und legte ihre Hand auf seinen Arm.

„Da nich´ für“, antwortete sie.

Er ging zurück zu seiner Frau, nahm auf dem Stuhl neben ihr Platz und legte den Arm um sie.

„Rübchen, ich liebe Dich!“, flüsterte er ihr leise ins Ohr und küsste sie.
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