Nobody Does It Like You

GeschichteRomanze, Freundschaft / P18
26.11.2017
24.04.2020
34
117.781
50
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Dieses Kapitel
6 Reviews
 
06.12.2017 2.075
 
Hallöchen liebe Leser!

Pünktlich wie versprochen gibt es zum Nikolaus ein neues Kapitel. Und damit ihr es auch gleich morgens sozusagen im virtuellen Schuh habt, sitze ich nach Mitternacht hier und lade das Kapitel hoch! :D
Ich muss dazu sagen, dass die Geschichte langsam beginnt und das Hauptgeschehen erst ab ca. Kapitel 4 seinen Lauf nimmt, aber irgendwie muss es ja einen Anfang geben.

Ich freue mich so so sehr darüber, wie gut die Geschichte ankommt, zwei Reviews, drei Empfehlungen und so viele Favoriten, die ich bisher nach einem Kapitel noch nicht hatte. Vielen Dank!!
Das nächste Kapitel wird nächste Woche kommen, wann genau weiß ich noch nicht.

Liebe Grüße und eine schöne Woche!
Eure Flowerista




Nobody Does It Like You
Neues Jahr, neue Herausforderung


Madrid, Spanien; Samstag, 30. Dezember 2017  

„Und das waren auch schon unsere Sport-News des heutigen Tages. Damit habe ich meine letzte Moderation für dieses Jahr gehalten und daher wünsche ich allen Zuschauern ein schönes Silvester 2017 und ein gesundes sowie erfolgreiches neues Jahr 2018. Ich hoffe, dass Sie uns auch im nächsten Jahr die Treue halten werden. Ihre Isabell Fernández“, beende ich meine heutige Moderation und die Kamera zoomt in die Totale. Das rote Licht an der Kamera erlischt wenig später und die Leute von der Regie klatschen Beifall. Ich lächle ihnen zu und versuche dabei jeden kurz anzusehen.
Danach verlasse ich unseren Moderationstisch und mache mich auf den Weg zurück ins Büro, um meine Sachen zu packen. Morgen werde ich hier nicht gebraucht, erst am 2. Januar 2018 ruft die Arbeit wieder nach mir. Doch bevor ich überhaupt in die Nähe des Großraumbüros komme, werde ich von unserem Sportchef Jorge aufgehalten.
„Isabell, hast du noch kurz Zeit? Ich möchte gerne mit dir über nächstes Jahr sprechen“, fängt er an und ich nicke.
„Sicher. Jetzt gleich in deinem Büro?“, frage ich.
„Unbedingt“, bestätigt Jorge und ich gehe mit ihm mit. Jedoch werde ich immer nervöser, je näher wir seinem Büro kommen. Vermutlich will er sich mit mir über Olympia unterhalten und seine positive Entscheidung könnte ein weiterer Schritt nach vorne werden.
Der Sportchef des Senders Antena 3 ist einer der wenigen von uns, die ein eigenes, abgetrenntes Büro haben, aber dieses dient meistens nur zu solchen Gesprächen. Ansonsten hat er auch einen Schreibtisch bei uns im weiträumigen Büro und sitzt dort auch die meiste Zeit über.
„Möchtest du etwas trinken?“, fragt Jorge und bittet mich hinein.
„Nein, danke“, antworte ich und setze mich auf einen der zwei Stühle vor seinem Schreibtisch. Sein Büro ist modern, aber nicht aufdringlich eingerichtet. Es hängen einige Bilder von ihm mit Spaniens Sportgrößen an den Wänden. Rafael Nadal oder Iker Casillas. Nur um einige zu nennen.
„Gut. Dann kommen wir gleich zum Punkt. Ich habe gesehen, dass du dich für die Übertragung der Olympischen Winterspiele zur Verfügung gestellt hast. Du möchtest also die Eiskunstlauf-Wettbewerbe kommentieren?“, fragt Jorge nach und ich nicke.
„Genau. Da ich ja selbst drei Mal dabei war, bin ich meiner Meinung nach die perfekte Besetzung dafür“, zeige ich mich bereit.
„Das sehe ich tatsächlich auch so. Daher wirst du zusammen mit einem ehemaligen Choreographen die Wettbewerbe kommentieren. Wir werden, auch wegen unserer Gold-Hoffnung, alle Wettkämpfe übertragen, von den Herren zu den Damen bis zum Eistanz und Paarlauf. Und den Teamwettbewerb natürlich“, erklärt mein Chef und innerlich freue ich mich tierisch.
„Das hört sich super an! Wenn es dann auch wieder für eine Medaille reichen würde, wäre das wirklich toll“, entgegne ich strahlend.
„Schön, dass du dich freust. Und da du wie gesagt selbst dabei warst, möchte ich auch, dass du die Eröffnungsfeier und die Abschlussfeier ebenfalls kommentierst“, lässt Jorge die Katze aus dem Sack und ich gebe mir Mühe, meinen Mund vor Staunen nicht offen stehen zu lassen.
„Wirklich? Das wäre die Kirsche auf der Sahnetorte!“, sage ich überglücklich.
„Ich weiß. Und daher denke ich, dass du dir das verdient hast mit deiner harten Arbeit“, findet Jorge und ich sehe ihn dankend an.
„Vielen Dank. Es ist schön wieder zu Olympischen Winterspielen reisen zu dürfen“, entgegne ich.
„Das kann ich mir gut vorstellen. Wir werden übrigens auch versuchen in den Pausen der Wettkämpfe deine Kurzprogramme und Küren zu zeigen. Aus allen drei Spielen natürlich“, erklärt Jorge und spätestens jetzt bin ich völlig platt.
„Wow. Ich weiß gar nicht, was ich dazu sagen soll“, erwidere ich bloß. Es ist fast unheimlich.
„Freu dich einfach. Du hast es dir verdient, deshalb möchte ich deinen Wünschen nachgehen“, sagt Jorge und ich atme tief durch. Harte Arbeit macht sich doch bezahlt! „Aber ich habe da noch ein anderes Anliegen an dich“, sagt Jorge und ich werde wieder hellhörig. Ist da etwa doch ein Haken dran?
„Und was wäre das?“
„Du hast doch sicher die E-Mail vor einiger Zeit erhalten, in der die Verantwortlichen unseres Hauptsenders nach einem neuen Team bestehend aus Reporterinnen, Kameramännern und Kommentatoren für die neue Saison der berühmtesten Rennserie der Welt suchen“, fängt Jorge an und ich nicke. Ich hatte nach meinem Besuch in der Eishalle tatsächlich noch einmal nachgeschaut und wie meine Cousine auch so eine E-Mail bekommen. Bisher habe ich sie ignoriert.
„Ja, habe ich“, antworte ich zunächst.
„Weißt du, diese Rennserie ist weltweit bekannt. Sehr gute Einschaltquoten, zumindest bisher, und einige der Rennen möchten wir auch auf unserem Hauptsender übertragen, nicht nur auf dem Sportsender, der ja leider nicht im Free-TV angeboten wird. Aber mit dem Hauptsender bekommen wir noch mehr Aufmerksamkeit“, berichtet Jorge weiter und ich nicke. „Ich habe mir heute Morgen die bisherigen Bewerbungen angesehen. Leider war deine nicht dabei“, kommt er auf den Punkt.
„Ich weiß. Und ich habe auch nicht vor eine einzureichen“, erkläre ich. Jorge schaut mich nachdenklich an.
„Hm. Das ist schade. Ich kann mir dich gut vorstellen, zum Beispiel an der Seite deiner Cousine Sienna“, überlegt er.
„Aber ich habe doch so gar keine Ahnung davon“, entgegne ich.
„Das kann man ändern. Oder wenn Sienna zum Beispiel alles Spezifische übernimmt, könntest du den Part abseits der Rennstrecke übernehmen. Die jeweilige Stadt vorstellen oder spezielle Interviewrunden mit den Fahrern führen. Es hat sich gezeigt, dass sich Quizduelle zwischen den Teams an großer Beliebtheit erfreuen. So etwas würden wir da auch einplanen. Da gäbe es also einiges, was wir für dich hätten. Und ich bin mir sicher, dass sich dein Erfolg dadurch noch steigern wird. Olympische Winterspiele sind einmal in vier Jahren und dauern nur drei Wochen. Hier hättest du für ein ganzes Jahr einen festen Arbeitsbereich. Natürlich würdest du auch weiterhin, wenn du denn da bist, die abendlichen Sport-News präsentieren. Aber ich nehme an, dass du mehr willst. Und glaube mir, die Formel 1 ist mehr. Viel mehr. An deiner Stelle würde ich mir das also noch einmal gründlich durch den Kopf gehen lassen“, beendet Jorge seine Rede. Ich muss zugeben, er macht es mir schon ein bisschen schmackhaft. Und wie ich heraushöre, sollte Sienna den Platz sicher haben.
„Da müsste ich jedes Mal vor Ort sein, richtig?“, frage ich nach.
„Genau. Einundzwanzig Rennen, fast überall auf der Welt. Ich wüsste nicht, was dagegen spricht“, unterstreicht Jorge nochmals. Ich nicke langsam und entgegne: „Okay. Ich werde mir die E-Mail noch einmal durchlesen und mich vielleicht bewerben. Aber es ist nur ein vielleicht, keine Bestätigung.“
„Verstanden. Anmeldeschluss ist der 7. Januar. Nur mal so erwähnt“, grinst Jorge und ich nicke wieder.
„Gibt es sonst noch etwas?“, frage ich.
„Nein. Feier schön. Wir sehen uns nächstes Jahr“, beendet mein Chef das Gespräch und ich verabschiede mich ebenfalls von ihm.
Nachdenklich verlasse ich sein Büro und packe meine Tasche. Vielleicht sollte ich mit Sienna darüber reden. Was dafür spricht und was dagegen. Aber ich bezweifle, dass ich bei einem Gespräch mit ihr überhaupt etwas für die Kontra-Liste finde. Sie wird mich ebenso überreden wollen wie mein Chef. Vielleicht sollte ich dem Ganzen eine Chance geben.
In Rio hatte ich auch nicht von allen Sportarten eine Ahnung, aber es hat trotzdem sehr viel Spaß gemacht. Und ich wollte doch meinen Horizont erweitern. Als Sportreporterin sollte ich nicht nur den Standard können. Mich nicht auf bestimmte Sportarten wie Fußball oder Eiskunstlaufen konzentrieren. Und wenn es eben Motorsport ist, dann werde ich mich dieser Herausforderung stellen. Wenn ich Jorge wirklich glauben kann, werden einige Rennen sogar auf unserem Hauptsender übertragen. Nicht nur auf A3 Deporte, wofür man bezahlen muss. Zwar nicht viel im Vergleich zu anderen, aber nicht jeder möchte dafür Geld ausgeben. Und außer der Wettkämpfe der Herren wird es vom Eiskunstlaufen sicher auch nichts auf dem Hauptsender geben, was meiner Meinung nach eine Schande ist, aber Eiskunstlaufen ist eben nicht sehr populär hierzulande. Aber zugegeben, man kann einen normalen TV-Sender nicht mit Sport zukleistern. Dafür gibt es uns.
Vielleicht sollte ich mir tatsächlich einen Ruck geben und zumindest die Mail lesen. Mit diesem Kompromiss packe ich meine Tasche zu Ende und mache mich auf den Weg in meine Wohnung.


Madrid, Spanien; Freitag, 19. Januar 2018  

Nervös starre ich den ungeöffneten Briefumschlag an, den ich soeben aus dem Briefkasten herausgeholt habe. Es ist lächerlich, dass ich ihn nicht öffne, denn früher oder später muss ich es, damit ich weiß, ob sich meine Bewerbung gelohnt hat. Ich habe mich letzten Endes doch dafür entschieden, mich für diesen Job zu melden. Erst einmal nur für ein Jahr, weiteres würde sich ergeben. Zwar hat Jorge mir gut zugeredet, aber ich kann mir nicht sicher sein, dass ich diesen Job bekomme.
Ich würde mich schon freuen, muss ich sagen. Ich habe tatsächlich Gefallen an dem Gedanken gefunden. Es wäre etwas vollkommen Neues. Und ich hätte meine Cousine Sienna bei mir. Wenn ich Jorge glauben kann und das keine Schikane von ihm war. Ich merke schon, ich verschiebe das Öffnen des Briefes immer weiter.
Als ich mich gerade aufraffen kann, endlich diesen bescheuerten Brief zu öffnen, klingelt mein Smartphone. Na gut. Dann eben später. Ich nehme mein Handy, welches auf dem Küchentisch liegt, an dem ich sitze, und schaue auf das Display. Sienna.
„Ja?“, melde ich mich, nachdem ich den Anruf entgegengenommen habe.
„Ich hab den Job!!!“, kreischt Sienna in den Hörer und ich halte das Handy von meinem Ohr fern. Jorge hat also die Wahrheit gesagt. Ich freue mich für sie. Jetzt muss nur noch ich diesen bescheuerten Brief öffnen!
„Glückwunsch, Sissi. Du hast es dir verdient. Ich bin stolz auf dich“, sage ich ehrlich. Sienna ist wie eine kleine Schwester für mich. Unsere Mütter sind eineiige Zwillinge, daher haben wir vielleicht auch eine engere Bindung zueinander als andere Cousinen. Und ein bisschen ähnlich sehen wir uns auch, wenn man mal von unserer Haarfarbe absieht. Während ich braune Haare mit einem rötlichen Unterton habe, sind ihre Haare schwarz gefärbt.
„Hast du auch einen Brief bekommen?“, fragt Sienna mich neugierig.
„Ähm. Ja. Aber ich habe ihn noch nicht geöffnet“, antworte ich.
„Was? Warum nicht? Los, öffne ihn! Ich möchte wissen, ob wir das gemeinsam angehen werden!“, entgegnet sie und ich versuche derweil den Briefumschlag mit einer Hand zu öffnen.
„Ist ja gut. Ich öffne ihn schon“, sage ich, doch es ist nicht sehr leicht das nur mit einer Hand zu erledigen, daher lege ich das Smartphone zur Seite und öffne den Briefumschlag gewaltsam, was natürlich nicht unbedingt schneller ist. Aber wenig später halte ich den Brief in der Hand, falte ihn auseinander und beginne zu lesen.
„Sehr geehrte Señorita Fernández, vielen herzlichen Dank für Ihre Bewerbung. Die Atresmedia Corporación hat sich sehr über Ihre Bewerbung gefreut.“ Ich überspringe die nächsten Zeilen, in denen nur von meiner Bewerbung gesprochen wird, und hoffe im Verlauf des Briefes eine Antwort zu finden. „Wir freuen uns wirklich sehr Ihnen mitteilen zu können, dass wir Sie für unsere Formel-1-Übertragungen ausgewählt haben, um als Reporterin vor Ort von den Geschehnissen zu berichten.“ Ich habe den Job. Ich habe ihn?! Ja! Mit einem Lächeln im Gesicht nehme ich das Smartphone in die Hand und vernehme Siennas Stimme.
„Das ist wirklich unhöflich von dir, einfach nicht mehr zu antworten…“, findet sie, doch ich unterbreche sie ohne darauf einzugehen.
„Sie nehmen mich“, sage ich lediglich und ein weiteres Mal kann ich mir ein Lächeln nicht verkneifen.
„Was? Im Ernst? Wir beide?! Wir beide nehmen es mit zwanzig Rennfahrern auf? Wie genial ist das denn bitte?!“, freut Sienna sich und ich muss das Smartphone wieder ein bisschen weiter weg halten, um keinen Hörsturz zu bekommen.
„Ja, ich weiß. Das ist schon irgendwie cool“, stelle ich fest.
„Cool? Noch viel besser! Das wird unser Jahr, meine Liebe. Unser Jahr!“
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