Nobody Does It Like You

GeschichteRomanze, Freundschaft / P18
26.11.2017
15.03.2019
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Hallöchen liebe Leser!

Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll, es tut mir einfach sehr sehr leid, dass so lange nichts kam! Auch in den anderen Geschichten. Irgendwie war immer was anderes zu tun, oder etwas anderes hat mir mehr Spaß gemacht. Aber ich möchte keine Ausreden suchen, manchmal läuft es, manchmal vergehen die Tage so schnell ohne auch nur einen Satz geschrieben zu haben.
Umso erfreuter war ich, dass dieses Kapitel doch innerhalb dieser Woche entstanden ist und ich es euch heute zeigen kann! In diesem Kapitel ist es ein bisschen mehr Beschreibung, aber ich wollte den Schreibfluss nicht stoppen und es kommt auch nicht bei jedem Kapitel vor. =)

HInweis: Ich habe die Farbgebung von Enriques und Fabios Team etwas geändert. Statt dunkelblau mit rot/gelb jetzt dunkelgrün mit blau/rot. Musste einfach sein. Alle Kapitel sind dementsprechend angepasst worden. (17.03.19 17:45)

Natürlich bin ich jetzt wieder motivierter, denn wie vielleicht der eine oder andere mitbekommen hat, beginnt an diesem Wochenende die neue Formel-1-Saison! Nämlich wie fast immer in den letzten Jahren in Melbourne. Wer also mal einen Blick darauf werfen will, kann entweder am Samstag (16.3.) um 7 Uhr morgens einschalten (Quali) oder am Sonntag (17.3.) um 6 Uhr zum Rennen. Ja, ich weiß, doofe Uhrzeiten. :D Sollte aber über TVNow einige Tage erreichbar sein. =)

Wie ich schon mal gesagt habe, falls Fragen zum ganzen Zirkus hier bestehen, steht mein Postfach immer offen. Aber jetzt Schluss mit dem Vorwort.

Viel Spaß beim Lesen!
Eure Flowerista




Nobody Does It Like You
Interviewmarathon


Melbourne, Australien; Samstag, 24. März 2018  

„Unsere Übertragung beginnt in 15 Minuten. Wir sollten uns also mal so langsam auf den Weg machen. Roberto und Antonio sind bereits da. Und alle anderen ebenfalls“, höre ich Zoe hektisch sagen. Sie drängt uns entschlossen zur Tür nach draußen.
„Sind wir nicht erst später dran?“, fragt Sienna nach, als wir den Container unseres Fernsehteams verlassen haben. Die Frage hätte auch von mir kommen können, denn ich kann mich nicht erinnern, dass wir besprochen hätten, dass wir bereits zum Anfang der Sendung dabei sein würden.
„Ich möchte gerne, dass sich das gesamte Reporterteam vor den Zuschauern präsentiert. Das hatte ich mir tatsächlich erst vorhin überlegt. Außerdem übertragen wir heute auch auf dem Hauptsender, daher wäre es nicht schlecht, wenn der Zuschauer auch euch kennenlernt“, erklärt Zoe, während wir uns beeilen, um rechtzeitig auf der Start- und Zielgeraden zu sein, wo Roberto und Antonio die Übertragung starten werden. Sienna und ich nicken nur, um nicht unnötig Zeit zu verlieren. Schließlich ist Zoe hier die Produktionsleiterin und hat das letzte Wort.
Wir bahnen uns einen Weg durch die vielen Menschen im Paddock. Jeden Tag wird es enger im ohnehin schon nicht sehr großen Fahrerlager. Daher weichen wir auch auf die Strecke und später die Boxengasse aus. Aber auch in der Boxengasse selbst ist einiges los, wie ich sehe, da momentan einige Gäste die Möglichkeit haben, sich die Autos näher anzuschauen. Nach gefühlt sehr langen Minuten kommen wir auf der Start-Ziel-Geraden an. Unser Moderator Roberto fachsimpelt gerade mit Antonio, als wir dazukommen.
„Wir werden die Sendung mit allen beginnen. Wo sind denn unsere Kommentatoren? Die wollte ich eigentlich auch hier haben“, wundert Zoe sich.
„Die sind bestimmt schon in der Kabine. Aber wir haben dort ebenfalls eine Kamera. Sie werden die Zuschauer also von dort oben begrüßen“, erklärt Antonio ihr.
„Stimmt. Gut. Dann nur ihr vier. Einfach kurz plaudern und dann den ersten Teil von Isabells Beitrag ankündigen. Den zweiten Teil gibt es wie besprochen nach der Qualifikation. Heute nur die Beiträge mit den Australiern und dem Porsche-Teamchef. Nicht vergessen. Noch Fragen?“, wiederholt Zoe, was wir vor etwa drei Stunden besprochen haben. Das dritte Training vor der Qualifikation hat der Sender heute bereits live übertragen, allerdings nur auf dem Sportsender. Aber ich freue mich, dass wenigstens die Qualifikation und das Rennen morgen vom Hauptsender gezeigt werden. Was soll man morgens um sieben auch sonst besseres zeigen?
„Drei Minuten noch. Stellt euch schon mal auf!“, dirigiert Zoe und ich habe das Gefühl, dass sie aufgeregter ist als ich. Auch ich bin natürlich nervös, aber positiv nervös.
„Zoe, das wird schon. Keine Sorge“, beruhigt Antonio sie. Er muss es ja wissen, der alte Hase unter uns. Eine Digitaluhr auf dem Teleprompter zeigt an, wie viele Sekunden es noch sind, bis wir live auf Sendung sind. Pünktlich um 16:15 Uhr Ortszeit, viertel nach sechs morgens in Spanien. Dadurch, dass wir heute und morgen erst am Nachmittag mit den Vorbereitungen beginnen, können wir relativ gut ausschlafen und in Ruhe frühstücken. Was nicht gerade schlecht ist.
„Zehn Sekunden noch!“, sagt der Assistent der Hauptkamera und Zoe verschwindet im Hintergrund.
„Bereit?“, fragt Sienna mich.
„Klar“, gebe ich zurück und lächle, als ein Live-Bildschirm den Vorspann des Senders zur neuen Formel-1-Saison zeigt. Wenig später sind wir auf dem Bildschirm zu sehen.
„Herzlich Willkommen in Melbourne, liebe Zuschauer. Die neue Formel-1-Saison steht in den Startlöchern und ich freue mich sehr, dass Sie dabei sind. Neben mir begrüße ich unser Reporterteam, das über das gesamte Jahr hinweg für Sie die Stimmen der Fahrer, Teamchefs und Experten einfangen wird. Neben Antonio, den Sie sicher noch alle kennen, sind Sienna Almagro und Isabell Fernández neu im Team. Wie sind eure ersten Eindrücke?“, will Roberto von uns wissen.
„Guten Morgen nach Spanien. Es ist wahnsinnig aufregend und interessant. Für uns beide eine neue Welt, aber es macht viel Spaß“, erklärt Sienna zunächst und schaut mich an, um überzuleiten.
„Ja, dem kann ich nur zustimmen. Ich freue mich darauf, die ersten Reaktionen der Fahrer nach den Sessions einzufangen“, füge ich hinzu.
„Sehr schön. Isabell hat sich für uns in Melbourne umgesehen und wie es hier außerhalb des Albert Parks aussieht, sehen Sie jetzt“, leitet Roberto meinen Beitrag ein, der auch sogleich gesendet wird.
„Super! Das war doch schon einmal ein guter Anfang. Ihr beiden könnt euch jetzt auf die Interviews vorbereiten. Da werden wir auch spontan entscheiden, wer wen interviewen wird. Außer den üblichen Verdächtigen haben wir da Spielraum. Ich bleibe noch etwas hier und beobachte das Geschehen“, erklärt Zoe. Sienna und ich sehen uns schulterzuckend an und machen uns auf den Weg zurück. Jedoch bleibe ich vor dem Bildschirm stehen, der das aktuelle Sendebild zeigt, und schaue einige Sekunden meinen eigenen Beitrag an. Immerhin ist es mein erster Beitrag in meinem neuen Abenteuer Motorsport! Auch wenn der Beitrag eher wenig damit zu tun hat. Als er zu Ende ist, höre ich, wie Antonio und Roberto wieder anfangen zu reden und sich über die spanischen Fahrer unterhalten.
Ich verlasse also die Start- und Zielgerade über eine geöffnete Mauer und überquere die schmale Gasse zu den Boxen. Durch einen Gang zwischen den Boxen zweier Teams komme ich wieder im Paddock an. Sienna ist nicht mehr zu sehen, aber ich vermute, dass sie wieder in unseren Container geht. Ich lasse mir Zeit, denn die Qualifikation beginnt erst in knapp einer halben Stunde und ab da muss ich auch erst im Interviewbereich sein, in welchem ich bereits gestern nach den Trainings war, und die Fahrer interviewen.
Im Paddock selbst gibt es ebenfalls das eine oder andere Fernsehteam, welches sich dazu entschieden hat, ihre Sendung hier zu beginnen. Einige TV Sender sind natürlich weltweit bekannt und berichten über viele Sportarten und Veranstaltungen, wie die BBC oder NBC Sports in den USA. Oder eben Sky Italia, an denen ich gerade vorbeigehe. Neben der blonden Reporterin steht ein älterer Mann des Maserati-Teams Rede und Antwort. Ich schätze, dass er der Teamchef ist. Ich kenne bisher nur Benedict McLean aus diesem Team, aber im Laufe der Saison werde ich sicherlich alle mal vor dem Mikrofon gehabt haben. Nach diesem Wochenende werde ich auch etwas entspannter sein, zumindest hoffe ich das. Dann weiß ich in etwa, wie so ein Rennwochenende für mich durchschnittlich ablaufen wird.
Als ich an der Unterkunft des Porsche-Teams vorbeigehe, sehe ich Kyle Bradford und Sean O’Rourke. Sie haben ihre Rennoutfits bereits an. Zumindest Schuhe und Hose. Das Oberteil hängt bei beiden an den Hüften herunter, der Oberkörper scheinbar nur mit einem weißen Stoff bedeckt. Ich frage mich, wie dieser Rennoverall ausgestattet ist. Scheinbar besteht er aus mehreren Teilen und ich habe bereits gestern bemerkt, dass viele ihre Overalls so tragen, wenn sie nicht gerade im Auto sitzen. Wahrscheinlich ist es sonst schlicht zu warm unter dem oberen Stoff, der passend in den jeweiligen Teamfarben gefärbt ist. Die Farben des Porsche-Teams sind zum Beispiel hauptsächlich hellrot und gelb. Das Auto ist etwas mehr in weiß gehalten, aber ebenfalls mit hellroten und gelben Akzenten lackiert. Sean und Kyle sind wahrscheinlich auf dem Weg in ihre Box und geben hin und wieder Autogramme. Einige Fans leisten sich die sehr teuren Preise für einen Paddock-Pass, um wenigstens einmal einen näheren Blick hinter die Kulissen haben zu können. Oder sie haben die Pässe gewonnen. Zumindest hat Antonio uns das vorhin erzählt. Er hat uns vorgewarnt, dass heute und vor allem morgen sehr viel mehr los sein wird als gestern.
Auf dem Weg zum Container beobachte ich Kyle. Gestern war irgendwie surreal. Ich kann mich nämlich nicht daran erinnern, dass ich jemals so schnell mit den Sportlern in privaten Kontakt gekommen bin. Aber vielleicht ist es hier ein wenig anders. Oder es liegt ganz einfach an Sienna. Ohne sie hätte man mich sicher nicht angesprochen.
Kyle ist freundlich zu den Fans, die ihn um ein Autogramm bitten und ihn teilweise für ein Selfie einnehmen, obwohl er nicht immer direkt in die Kamera schauen kann. Sean dagegen gibt nicht ganz so viele Autogramme. Selbst ein Lächeln kann ich bei ihm nicht erkennen.
Aber je länger ich beide beobachte, desto mehr muss ich feststellen, dass so ein Rennfahrer in einem Rennoverall schon keine schlechte Partie ist. Es soll ja Frauen geben, die auf Uniformen aller Art stehen. Stripper verkleiden sich ja nicht umsonst als Polizisten. Selbst einfache Fußballkleidung kann diese Wirkung erzielen. Das ist wohl mit ein Grund, warum sich viele Reporterinnen einen Fußballer geangelt haben. Der andere hat etwas mit Vitamin B zu tun. Aber gut, bevor ich hier noch Wurzeln schlage, sollte ich mich auf den Weg machen, denn sogar die Rennfahrer sind mittlerweile in ihrer Box angekommen und bereiten sich auf die Qualifikation vor.

Um Punkt 17 Uhr Ortszeit ist es so weit. Die ersten Fahrer starten ihre Runden in der dreiteiligen Qualifikation. Einige Reporter und Kameramänner stehen im Interviewbereich und schauen auf einem Bildschirm zu, der das Treiben auf der Strecke zeigt. Nun haben die zwanzig Fahrer 18 Minuten Zeit, um eine schnelle Runde zu fahren. Die langsamsten fünf dürfen nach dem ersten Teil nicht mehr mitfahren und kommen anschließend hier im Interviewbereich an.
Nach einer fünfminütigen Pause gibt es 15 Minuten Zeit für die verbliebenen Fahrer, um sich wieder mit einer schnellen Runde zu qualifizieren. Am Ende scheiden wieder die langsamsten fünf aus, sodass im dritten Teil zehn Fahrer innerhalb von zwölf Minuten um die sogenannte Pole Position fahren dürfen. Die Qualifikation dauert so eine Stunde, wenn nichts dazwischen kommt. Ich habe mir heute Morgen den Modus von Antonio erklären lassen, damit ich weiß, worum es hier überhaupt geht und wie alles abläuft.
Ich bemerke beim Zuschauen, dass ich noch nicht alle Namen kenne. Einige sind mir fast noch fremd, zu anderen habe ich bereits eine Person vor Augen. Aber ich bin mir sicher, dass sich das bald ändern wird. In den ersten zwei bis drei Minuten des ersten Teils, des sogenannten Q1, ist noch nicht sehr viel los, aber spätestens als die Top-Teams des letzten Jahres ihre Fahrer rausschicken, ist mehr Betrieb auf der Strecke und somit ist es auch schwerer für alle, eine schnelle Runde zu finden. Man sollte nämlich nicht zu nah hinter dem Vordermann herfahren, denn sonst macht sich die verwirbelte Luft des vorausfahrenden Autos bemerkbar, was das eigene Auto unruhig macht. Natürlich weiß ich das nicht, weil ich Ahnung habe, sondern weil Antonio mir und Sienna heute Vormittag eine Nachhilfestunde gegeben hat. Alles konnte er natürlich nicht erklären, aber zumindest reicht es dafür, um das Geschehen einigermaßen nachvollziehen zu können.
Sienna und ich stehen in verschiedenen Ecken des Interviewbereichs, daher kann ich mich auch nicht sehr mit ihr austauschen, was das Geschehen auf der Strecke angeht. Fast alle Reporter schauen natürlich auf die Bildschirme und fragen sich, wen sie wohl als erstes hier sehen werden. Man könnte sagen, je später ein Fahrer Rede und Antwort stehen muss, desto besser, weil er länger um den besten Startplatz mitfahren kann. Schnell wird klar, dass einige Fahrer gut dabei sind, unter anderem die beiden Porsche-Fahrer, Aston Martin und Chevrolet.
Für Esteban Rivero läuft es nicht ganz so gut. Er hat sich sicherlich mehr erhofft. Er ist gerade auf einer schnellen Runde, da seine Zeit unten mitläuft. Aber auch die scheint nicht gut zu sein, denn bei der Zwischenzeit wird ein Rückstand gelb unterlegt angezeigt. Als er gerade über die Ziellinie ist, macht er aber immerhin einen Sprung vom letzten auf den 17. Platz, was allerdings nicht für ein Weiterkommen reichen würde. Wahrscheinlich war das gelb unterlegte der Rückstand auf einen Platz unter den ersten 15.
Noch sind ein paar Sekunden auf der heruntertickenden Uhr übrig, daher könnte er noch eine weitere schnelle Runde anhängen. Doch ich bemerke, dass plötzlich am oberen linken Bildschirmrand etwas gelb aufleuchtet, was meistens nichts Gutes heißt. Gelb bedeutet, dass irgendwo auf der Strecke eine Gefahr besteht und man seine Geschwindigkeit in dem Bereich der Strecke reduzieren muss. Noch wird nicht gezeigt, was passiert ist, aber wenig später sieht man einen silberblauen Wagen, der in der Mauer kurz vor Start und Ziel hängt. Es ist ein Auto des Seat-Teams, in dem auch Esteban fährt, aber dadurch, dass man ihn gerade erst gesehen hat, kann er es nicht sein. Es ist sein Teamkollege Felipe Santos, der bereits aussteigt. Er hat sich also dabei nicht verletzt, was natürlich immer positiv ist. Sein Wagen steht dort allerdings nicht gut und ist eine Gefahrenstelle, sodass kurz darauf die rote Flagge geschwenkt wird, was bedeutet, dass die Session Q1 abgebrochen wird.
Die Uhr ist mittlerweile aber schon fast bei 0 Sekunden, sodass es ohnehin fast nicht mehr möglich gewesen ist, eine schnelle Runde zu starten. Die Fahrer biegen in die Boxengasse ein und werden von den Mechanikern rückwärts in die Boxen geschoben. In einer Wiederholung wird gezeigt, dass Felipe Santos scheinbar leicht von der Strecke abgekommen ist und keine Chance mehr hatte, den Wagen zu retten. Der Reifen vorne links hängt nur noch sporadisch an der Aufhängung. Er wird also gleich einer der fünf Fahrer sein, die hier auftauchen werden, denn auch seine Zeit ist nur die langsamste von allen. Ich warte also auf meine ersten Interviewpartner, als Zoe neben mir auftaucht.
„Du übernimmst Esteban und wenn es noch klappt, auch Felipe Santos“, sagt sie mir und ich nicke. Zoe geht nun zu Sienna rüber und wird ihr wohl sagen, wen sie übernehmen soll. Außer Esteban ist von den mir bekannten Fahrern keiner unter den letzten fünf.
Es vergehen ein paar Minuten, bis die ersten Fahrer eintreffen. Esteban Rivero ist da und seine Pressesprecherin schaut sich um. Ich winke ihr kurz zu und sie führt Esteban zu mir. Ich interviewe ihn kurz und natürlich ist er nicht sehr zufrieden, aber er weiß, dass hier in Melbourne am Rennsonntag immer etwas zu holen ist, weil viele Fahrer am Anfang einer Saison mehr riskieren und so Fehler entstehen. Felipe Santos sagt kurze Zeit später ähnliches und dass es ihm für die Mechaniker leid tut, die jetzt natürlich den Wagen wieder fahrbereit machen müssen.
Während ich die beiden Seat-Piloten interviewt habe, ist Q2 schon im vollen Gange, sodass ich nicht alles verfolgen konnte. Ich sehe, dass Sienna sogar immer noch einen Fahrer interviewt, aber ich kann nicht erkennen, wer es ist. Wenn ich ihn überhaupt erkennen würde. Q2 ist mit 15 Minuten etwas kürzer, sodass schon wenige Minuten später wieder Zoe auf mich zukommt und mir sagt, wen ich interviewen kann. Ich weiß nicht einmal, wer die fünf langsamsten dieser Session sind.
„Du übernimmst dieses Mal drei Fahrer, Plätze 13, 14 und 15. Das wären David Eastwood, Sergio Pereira und Carlos Rojas“, erklärt Zoe mir. Die ersten beiden Namen sagen mir noch nicht sehr viel, zumindest hatte ich noch nicht das Vergnügen mit ihnen. Aber bei Carlos Rojas klingelt es. Ich glaube, dass Enrique den Namen im Interview erwähnt hat, wenn ich mich richtig erinnere. Ich nicke Zoe zu und kann einen schnellen Blick auf die Zeitentabelle werfen. Für Kyle und Sean läuft es gut, auch für den eben genannten Interviewpartner vom Donnerstag.
„David, Platz 13 ist es am Ende geworden, ich denke nicht, dass Sie damit zufrieden sind, oder?“, leite ich das Interview ein.
„Nein, das Auto und ich können definitiv mehr herausholen. Ich weiß noch nicht genau, woran es gelegen hat, aber wir werden das bis morgen hoffentlich herausfinden und wieder angreifen“, erklärt der Brite. Zumindest das weiß ich tatsächlich noch, dass er einer von drei Briten im Fahrerfeld ist. Und an seinem Dialekt nicht zu überhören.
Mit drei Fahrern am Mikrofon habe ich tatsächlich noch weniger vom letzten Teil der Qualifikation mitbekommen. Irgendwie ein bisschen schade. Aber vielleicht kann ich es mir noch irgendwo ansehen, bevor das Rennen morgen startet. Nur die letzten zwei Minuten bekomme ich mit, vor allem als plötzlich laut geklatscht wird. Ich schaue auf den Bildschirm und sehe ein dunkelgrünes Auto mit roten und blauen Akzenten. Es ist Enrique García, der soeben den ersten Platz belegt hat. Seine Zeit ist die bisher am schnellsten gefahrene in diesen letzten zwölf Minuten. Doch lange bleibt es nicht dabei, ein Fahrer namens Vinzenco Moretti übernimmt den ersten Platz und ist nur um wenige hundertstel schneller. Wieder wird geklatscht, jedoch vor allem aus einer Ecke etwas lauter. Ich sehe, dass es die Sky Italia Mannschaft ist, die sich scheinbar mit ihrem Landsmann freut. Doch auch das ist Geschichte, denn Kyle Bradford fährt auf die eins! Ich kann mir ein Lächeln tatsächlich nicht verkneifen. Ich freue mich für Kyle, da er mir doch recht sympathisch ist, zumindest ist das mein bisheriger Eindruck von ihm. Auch hier sind es nur wenige hundertstel, die er schneller als der Italiener gewesen ist. Sehr eng da vorne!
Sean O’Rourke wird am Ende immerhin Vierter, gefolgt von Ben McLean und Mason Cameron auf sechs. Auch hier freue ich mich, denn es ist immerhin sein Heimspiel. Fabio da Costa wird nur Siebter. Ich denke, dass er nicht zufrieden sein wird, vor allem weil Teamkollege Enrique immerhin auf drei steht. Achter ist der zweite Australier namens Brian Harris, auf neun und zehn landen Scott Raymond und Antoine Bertrand aus Frankreich.
Alle zwanzig Plätze werden auf dem Bildschirm angezeigt und ich warte wieder auf Zoe. Doch dieses Mal dauert es gefühlt etwas länger. Als bereits die ersten Fahrer eintreffen, die ich aber nicht auf Anhieb beim Namen kenne, kommt Zoe auf mich zu. Aus dem Augenwinkel sehe ich Antonio, der uns scheinbar bei den Interviews aushelfen wird. Wahrscheinlich wird er nachher Enrique übernehmen. Die ersten drei Fahrer werden nämlich zuerst bei einer offiziellen Pressekonferenz teilnehmen. Erst danach werden sie hier für die Fernsehsender Interviews geben.
„Benedict McLean und Mason Cameron“, berichtet Zoe mir und ich nicke. Sehr gut. Beide Fahrer kenne ich bereits, Mason natürlich ein wenig mehr. Dieser ist auch als erstes da, denn Ben wird zunächst von der BBC in Beschlag genommen.
„Mason, ich denke, dass Platz sechs eine gute Ausgangslage für morgen ist, oder?“, frage ich nach. Mason grinst mich zufrieden an.
„Oh ja. Ich bin tatsächlich zufrieden und ich hoffe, dass ich das gute Ergebnis für morgen ausnutze und es morgen viele Punkte gibt“, erklärt ein sichtlich entspannter Mason. Wahrscheinlich hat man als Lokalmatador etwas mehr Druck von außen, daher ist Mason zumindest für heute gut gelaunt. Der nächste ist Benedict.
„Platz fünf ist okay, aber ich hätte gerne den einen oder anderen Platz weiter vorne bekommen. Mal sehen, was morgen bringt“, erklärt Ben mir. „Wenn der Teamkollege auf zwei steht, kann man nicht nur mit Platz fünf ankommen. Aber das ändere ich morgen“, ist er sich sicher und ein selbstbewusstes Lächeln huscht über seine Lippen.
„Dann wünsche ich viel Erfolg für morgen“, beende ich das Interview wie bei fast jedem Fahrer. Ich kann natürlich nicht zeigen, ob und wen ich mehr unterstütze. Das sollte ich für mich behalten. Als nur noch drei Fahrer im Interviewbereich stehen und interviewt werden, kommt Zoe wieder auf mich zu.
„Wir teilen die ersten drei unter euch auf. Antonio übernimmt Vinzenco Moretti, Sienna Kyle und du Enrique. Ja?“, fragt Zoe und ich nicke automatisch, auch wenn ich eigentlich protestieren will. Warum übernimmt Antonio nicht unseren Helden? Wobei ich diesen Moretti auch noch nicht kenne. Vielleicht ist das ein spezieller Fall. Nun gut. Bringen wir es hinter uns.
Es dauert wieder einige Minuten, doch dann kommen die ersten drei nacheinander an. Enrique Garcías Pressesprecher schaut sich um und als er mich erblickt, tippt er seinen Fahrer an der Schulter an, um seine Aufmerksamkeit zu bekommen. Enrique trinkt aus einer Wasserflasche und trägt seinen Rennoverall lässig, indem er den oberen Teil an den Hüften baumeln lässt. Ja, das scheint bei den Fahrern beliebt zu sein. Macht dieser Overall wirklich so warm, dass sie ihn gleich ausziehen müssen? Vielleicht sollte ich mal einen Beitrag über einen Rennoverall drehen. Das wäre doch eine Idee!
Als Enrique jedenfalls bemerkt, wer ihn heute interviewen wird, verziehen sich seine Lippen zu einem frechen Grinsen. Ich nenne es das García-Grinsen. So selbstsicher und beinahe arrogant. Mit einer Spur von Lässigkeit. Und mit etwas anderem, das ich noch nicht Benennen kann.
„Haben wir also mal wieder das Vergnügen miteinander? Wird doch ein bisschen schwer, mich jetzt zu ignorieren, hm?“, begrüßt er mich und ich verdrehe die Augen.
„Wie ich gestern bereits sagte, ich ignoriere Sie nicht. Das ist Einbildung Ihrerseits“, erkläre ich leise. Immerhin muss niemand mitbekommen, dass er mich mal wieder aufzieht.
„Bereit?“, fragt mein Kameramann Mario gerade, der auch jetzt dabei ist, und unterbricht damit unser kurzes Wortgefecht. Enriques Blick wirkt plötzlich nicht mehr ganz so frech, beinahe angesäuert, aber vermutlich bereitet er sich lediglich auf die Fragen vor, die ich ihm gleich stellen werde. Wahrscheinlich ist er nicht zufrieden mit dem dritten Platz. Der Pressesprecher nickt und bereitet sein Aufnahmegerät vor, wie jeder Pressesprecher heute.
„Enrique, ich vermute, dass Sie nicht zufrieden sind mit dem dritten Platz, so knapp, wie es heute war?“, frage ich daher auch gleich.
„Nicht wirklich. Ein paar hundertstel schneller und es sähe anders aus, aber so ist das nun einmal. Solange es keine halbe Sekunde ist, ist es okay. Morgen werden die Punkte vergeben, daher wird morgen auch angegriffen“, erklärt er.
„Das heißt, dass wir morgen etwas von Ihnen erwarten können?“, frage ich nach.
„Von mir kann man immer etwas erwarten“, grinst Enrique wieder, so wie ich ihn bisher kennengelernt habe, und schaut mir direkt in die Augen.
„Dann sprechen wir uns morgen an gleicher Stelle wieder. Viel Erfolg für das Rennen“, beende ich das Interview trotz des tiefen Blickes relativ sicher.
„Danke“, antwortet Enrique höflich.
„Sehr schön. Das war es für heute. Ich gehe schon einmal los“, sagt mein Kameramann Mario und sein Assistent nimmt mir das blaue Mikrofon ab.
„Bis nachher“, rufe ich ihm zu. Okay, wieso hat Mario es plötzlich so eilig?
„War das etwa eine Einladung für morgen?“, will Enrique wissen, während sein Pressesprecher bereits auf die Suche nach dem nächsten Sender ist.
„Das ist mein Job. Aber ja, ich bin tatsächlich gespannt darauf, was Sie mir morgen erzählen werden“, entgegne ich.
„Sehr schön. Ich muss jetzt leider weiter. Wir sehen uns morgen. Ich freue mich bereits darauf“, verabschiedet Enrique sich daher mit einem Schmunzeln und folgt seinem Pressesprecher, der mittlerweile bei Sky Italia steht. Ich schaue Enrique hinterher, bis er vor dem TV-Sender steht. Es ist wieder eine blonde Reporterin, vermutlich dieselbe, wie im Paddock vor knapp zwei Stunden.
Überhaupt gibt es doch recht viele Frauen hier im Fahrerlager, da hat Antonio wohl Recht mit seiner Einschätzung, dass ungefähr 30 % der Personen hier Frauen sind. Hätte ich nicht gedacht. Aber ich finde es gut. Ich schaue mich um, doch mittlerweile ist es hier nicht mehr ganz so voll. Nur die drei ersten werden noch von wenigen TV-Sendern interviewt. Wir von Antena 3 sind allerdings fertig. Die Interviews werden teils live, teils etwas zeitversetzt gesendet. Je nachdem, wie es gerade in die Sendung passt.
„Puh! Irgendwie echt anstrengend. Ich habe fast gar nichts von der Quali mitbekommen!“, seufzt Sienna, als wir zusammen mit Antonio zurück zum Container gehen.
„Ja. Irgendwie schade“, finde ich.
„Da kann ich euch beruhigen. Es wird hin und wieder im Media Centre wiederholt, unter anderem zwei Mal morgen vor dem Rennen. Da solltet ihr die Zeit finden, es euch anzusehen“, erklärt Antonio uns.
„Cool! Machen wir das morgen?“, fragt Sienna mich und ich nicke.
„Klar, können wir“, bestätige ich. Wäre das also geklärt. Zufrieden mit dem heutigen Arbeitstag betreten wir den Container, wo es noch eine kurze Abschlussbesprechung geben wird. Und hoffentlich bekomme ich danach etwas zu essen, denn langsam macht sich mein leerer Magen bemerkbar.
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