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puppet of perfection

von Oneechan
OneshotAngst, Schmerz/Trost / P12
Morty Smith Rick Sanchez
26.11.2017
26.11.2017
1
1.976
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26.11.2017 1.976
 
triggerwarning: Bulimie/Anorexie

Puppet of perfection

Morty wusste nicht mehr genau wie das alles angefangen hatte, seine Eltern hatten ihm versucht zu erklären, dass er nicht so schnell wie die anderen Kinder war und der Psychologe, zu dem er nach seiner ersten Panikattake geschickt wurde, versuchte ihm zu erklären was eine Angststörung war. Ganz zu dem Verdruss seiner Eltern war Morty nicht so normal wie seine große Schwester, er merkte immer deutlicher, dass sie von ihm enttäuscht waren, dass seine Mitschüler auf ihn hinabblickten, er fand sich alleine in einer Welt wieder, in der er nur ein Riss in einem perfekten Schloss aus Glas war, dabei wollte er es nur allen recht machen, wollte nicht mehr eine Enttäuschung sein. Morty war wie besessen davon Perfektion zu erreichen, doch je mehr Mühe er sich gab, um so härter waren die Rückschläge und die Realisierung, dass er nicht normal geschweige denn perfekt sein konnte. Was war ihm letzendlich anderes übrig geblieben, als die Kontrolle über das an sich zu reißen, was nichts und niemand ihm je nehmen könnte: Essen. Anfangs viel das noch leicht, mit der Zeit hatte Morty gelernt Diszipliniert zu sein, seine Mahlzeiten zu reduzieren war kein Problem und in den ersten paar Wochen bestärkte ihn die Waage nur, bis Morty nicht mehr abnahm. Er wusste, dass er weniger essen musste, aber dann würde seine Familie herausfinden was er tat und das konnte er auf keinen Fall zu lassen. So wie er sie kannte, würden sie ihn wieder zum Psychologen schicken und ihm die Kontrolle entreißen, dabei war das das einzige was Morty noch hatte.
Nervös zitternd, kniete Morty vor der Toilette, er konnte spüren wie schwer ihm das Essen im Magen lag, wenn er wirklich abnehmen wollte, dann musste er die Kalorien loswerden. Auf seine Handinnenflächen hatte sich, die Minuten in denen er dort kniete, ein Schweißfilm gelegt. Morty hatte Angst, was passieren würde, wenn er diese Grenze überschritt. Langsam ließ er seine Finger in seinen Mund gleiten, quälend langsam näherte sich Morty seinem Rachen, sein Herz schlug protestierend gegen seinen Brustkorb, aber Morty sehnte sich danach, dass die Zahlen auf der Waage weiter schrumpften. Als der Würgereflex endlich anschlug beugte sich Morty hastig über die Toilette und leerte seinen Mageninhalt darin aus. Stolz blickte er ein paar Tage später auf die Waage unter seinen Füßen: 44 Kilo.
So befriedigend Morty das fand, umso schlimmer wurden die körperlichen Beschwerden von Woche zu Woche, er litt unter Hungerkräpfen, war schwächlicher, müde und sein Hals krazte von der Magensäure, aber Morty konnte nicht zulassen wieder zuzunehmen, er konnte nicht wieder die Kontrolle verlieren und sein perfektes Spiegelbild gehen lassen, möge es kosten was es wolle. Morty konnte endlich zufrieden mit sich selbst sein. Die Besorgnis seiner Familie ignorierte er und wenn sie ihm drohten zum Arzt zu gehen, aß er einfach mehr und schloss sich dann Nachts länger im Badezimmer ein, für ihn war jedes Kilo, dass er verlor ein weiterer Erfolg. Abnehmen war das einzige in dem er noch Bestätigung finden konnte.
Das änderte sich auch nicht, als Rick wieder in das Familienleben trat, ganz im Gegenteil, so schön es war in ihm einen Freund zu finden, so beängstigender waren ihre Abenteuer und die damit einhergehende Machtlosigkeit Mortys, Rick sagte so oft, dass das Universum ein chaotischer Ort ist, der keine Gnade zeigte und umso weniger Gnade zeigte Rick mit ihm, wenn er Morty wieder einmal packte um ihn hinter sich her zu ziehen, weil Morty zu schwach geworden war um lange zu laufen. Rick zeigte ihm regelmäßig wie wertlos Morty geworden war, dass er nicht einmal als Helferling zu gebrauchen war und das einzige was ihm blieb, war immernoch das Hungern und Brechen. Wenn Morty am Ende des Tages es nur noch knapp ins Bett schaffte, hielt ihm das wenigstens die stärker werdende Angst und die paralysierenden Erinnerungen vom Hals.
Seine Familie bekam von dem ganzen gar nichts mehr mit, sie waren wie erblindet von der Hysterie um Rick, wahrscheinlich würden sie sogar glücklicher sein, wenn Morty verschwinden und sie Rick ganz für sich alleine haben würden. Doch entgegen der Eifersucht seiner Mutter und Schwester, interessierte Rick sich herzlich wenig für Morty, er zerrte ihn nur hinter sich her um sich vor der Intergalaktischen Förderation zu verstecken. Aber das war Morty nur Recht, so würde ihn wenigstens niemand zur Rede stellen. Morty konnte sich ganz seinem Kontrollwahn hingeben.
Schon bald wog er weniger als 40 Kilo. Den einsetzenden Haarausfall schob er auf Stress in der Schule, er trug nur noch lange, weite Klamotten und ließ sich von niemandem mehr freiwillig anfassen. Gegen die anderen Symptome tauschte er sich im Netz aus, dort auf Unterstützung zu treffen war nicht schwer, man beriet sich ungehemmt, so dass Morty seinen Zustand fast perfekt verstecken konnte.
„Morty verdammte scheiße, schneller!“
Schweißgebadet rannte Morty Rick hinterher, der ihn im Angesicht, eines hungrigen fremdartigen Biestes, anschrie, bevor er ihn doch am Handgelenk packte und hinter sich her riss. Morty hingegen konnte kaum noch stehen, sein Magen Krampfte sich immer wieder schmerzhaft zusammen, er war müde und fror, obwohl hier sicherlich 25 Grad Celsius herrschten, seine Beine fühlten sich an wie aus Zement, nur schwerfällig konnte Morty einen Fuß vor den anderen setzen, während seine Knie zitterten als seien sie aus Gummi. Sobald sie im Raumschiff ankämen, würde Morty ein paar Schmerztabletten nehmen müssen. Sein Atem rasselte mittlerweile und sein Herz schien jeder zeit seinen Brustkorb aufsprengen zu wollen, zum schreien blieb ihm aber keine Kraft. Auf einmal sackte Morty in sich zusammen, er konnte nur noch spüren wie Rick ihn hastig hoch hiefte, dann verlor er das Bewusstsein.
Desorientiert wurde Morty in einem dämmrigen Raum wieder wach, er musste nicht lange überlegen wem dieser wohl gehörte, denn der strenge Geruch von Alkohol drohte ihn fast zu ersticken: Rick. Morty stöhnte auf, durch die Schmerzen die plötzlich durch seinen Körper jagten, doch als er sich aufzusetzen versuchte, um nach seinen Schmerzmitteln zu suchen fiel ihm auf, dass eine Nadel in seinem Handrücken steckte, panisch riss er sich diese aus, als er erkannte dass Rick ihm Nährstoffe zuführen wollte, unter diesen Umständen würde Morty seine 25 Kilo nicht halten können, dann würde er wieder die Kontrolle verlieren und die Panikattaken würden wieder kommen, winselnd vor Schmerzen und zu schwach das Bett zu verlassen, rollte er sich auf Ricks Bett zusammen, während er Druck auf seine Wunde ausübte.
Leise betrat Rick das Zimmer, wobei er fast an die Decke gegangen wäre, als er sah, dass Morty sich den Tropf entfernt hatte.
„Morty willst du mich verarschen?“ fragte er gereizt, worauf Morty ihn nur entsetzt ansah.
„Denkst du ernsthaft, das wäre deine ersten 500 Milliliter? Du bist seit Stunden nicht aufgewacht, du brauchst die scheiß Nährstoffe.“ Versuchte Rick ihn zu überzeugen, bevor er ein weiteres mal versuchte Morty die Nadel zu setzen, dieser klammerte sich aber gerade zu an seine Hand, das entsetzen in seinen Augen wurde bei der Realisation, dass Rick ihm das schon länger verabreicht haben musste, zu panischer Verzweiflung.
„Morty hör auf dich zu wehren, wenn ich wollte, könnte ich das auch ohne dein Einverständnis machen.“ Aber Morty hörte nicht auf ihn, er wollte nur noch weg, sein erster Impuls war wieder zu brechen, aber das würde nicht funktionieren, dennoch musste er so schnell wie möglich weg von Rick. Aber Rick konnte jede Bewegung Mortys ohne weiteres unterbinden, er war mittlerweile so schwach geworden, dass Rick ihn ohne viel Aufwand auf die Matraze drücken konnte. Morty fühlte sich nun vollkommen hilflos, seine Kontrolle war von jetzt auf gleich dahin und während Morty in Tränen ausbrach, war Rick damit zugange, ihm den Tropf wieder anzulegen.
„R-Rick, nein. B-bitte...“ Morty brach ab, als ein weiterer Krampf ihn überwältigte.
„Morty iss was, dann geht’s dir besser.“ Redete Rick auf ihn ein, aber Morty schüttelte vehement den Kopf.
„N-nein Rick, nein n-ni... nimm ihn mir n-nicht weg. Nimm m-m-mir meinen Körper nicht weg.“ Rick seufzte laut.
„Morty, ich verspreche dir du wirst davon nicht zunehmen, das ist nur gegen die Schmerzen, okay?“ Rick musste sich wirklich zurückhalten nicht loszuschreien. Natürlich war das nur die halbe Wahrheit, Rick hatte das Essen nur etwas verdünnt, so dass es leichter zu verdauen war, zunehmen würde Morty davon aber schon. Trotzdem schüttelte Morty weiterhin den Kopf, es war offensichtlich, dass er Schmerzen hatte, Ricks Geduldsfaden riss langsam, das würde er sich nicht länger ansehen.
Er packte Morty grob an den Schultern, die so fragil schienen, dass Rick Angst hatte sie zu zerdrücken, dennoch konnte er seiner Empörung nicht Einhalt gebieten, er rüttelte Morty, als wüde er ihn aus seinem Delirium wecken wollen:„Verdammt, Morty! Du wirst das jetzt essen, zwing mich nicht dazu dir weh zu tun!“
Und obwohl Morty weiterhin wimmerte und Tränen ihm vom Gesicht tropften, schien Rick ihn genug eingeschüchtert zu haben, dass Morty das unidentifizierbare Gemisch annahm. Obwohl Mortys Körper ihn geradezu anfloh, mehr zu essen, zwang sich Morty nur ein paar Schlucke zu nehmen, er konnte jetzt schon spüren wie seine Erfolge dahinschmolzen, konnte jedes gramm Fett schmecken.
Doch Rick kommandierte nur mit einem kalten:„weiter.“ zum essen, Morty weinte frustriert, leerte aber letzendlich höchst wiederwillig den Becher.
Auch wenn die Krämpfe abebbten, fraß sich Mortys Versagen in seine Brust und hinterließ ein unangenehmes Drücken. Morty zog die Beine zu sich heran, fraglos was er jetzt, wo Rick davon wusste, machen sollte.
„Seit wann?“ fragte Rick ohne viel Zögern, sobald er merkte, dass Morty sich beruhigt hatte. Dieser zuckte nur mit den Schultern.
Rick grummelte unbefriedigt von der Antwort, fuhr aber fort:„Wie viel wiegst du?“
leise murmelnd erwiederte Morty:„25.“
Rick war sichtlich außer sich, er lehnte sich geschafft zurück und fuhr sich durch seine wirren Haare.
„Verdammt Morty... Hast d-du eine Ahnung davon wie gefährlich das ist?“ Morty antwortete nicht.
„Warum?“
„I-ich weiß nicht, ich... Ich wollte d-doch nur... nur d-dass ich Kontrolle ü-ü-über irgendwas habe, i-ich weiß auch nicht, a-alles ist so durcheinander n-nur das... nur das nicht.“
Rick nickte Morty verständnissvoll zu, auch wenn Rick damit keine Erfahrungen hatte, konnte er doch nachvollziehen was sein Enkel fühlte. Das Universum war verrückt und chaotisch und es war schwer mit dieser Wahrheit umzugehen, doch wie konnte er Morty helfen?
„Morty wenn du so weiter machst, w-wirst... wirst du noch sterben. Du brauchst Hilfe.“
Morty senkte seinen Kopf wieder beschämt und schüttelte den Kopf, er konnte nicht aufhören, sonst würde alles über seinen Kopf zusammenbrechen.
„Doch und wenn du dich nicht dazu bereit erklärst, d-d-dann... dann werd ich dich einweisen.“
Als Morty ihn mit geweiteten Blick anstarrte, fügte Rick noch hinzu:„E-es gibt andere Wege damit klar zu kommen, ich versprechs dir, l-lass dich wenigstens darauf ein.“
„W-wieso rick, wieso b-bin ich nie gut genug?“ Rick war vollkommen überfordert mit diesem emotionalem Ausbruch Mortys, er wusste, dass der Fehler bei ihm selbst lag, dass er zu hart zu Morty gewesen war, aber das auszusprechen, wäre wie sich selbst einzugestehen einen Fehler gemacht zu haben.
„Das ist doch kein Grund sich gleich so runterzuhunger.“ Warf Rick ihm vor. Was nur dazu führte dass Morty sich mehr zurückzog.
„Was erwartest du denn, dass ich dir sage? Dass du perfekt bist?! Soll ich dich anlügen?! Morty du bist nicht perfekt, aber niemand hat das jemals von dir verlangt.“
Rick konnte Morty leise Schuchtzen hören, aber vielleicht war das, das was der Junge jetzt brauchte. Wie aus dem Nichts löste Morty sich aus seiner jetzigen Position und klammerte sich an dem Kittel Ricks fest, den Kopf in der Brust seines Gegenüber vergraben
„R-rick... h-halt mich fest, b-bitte. W-w-wenn ich aufhöre, d-dann... dann hab ich n-nichts mehr.“ Schluchtzte er zitternd, Rick legte unbeholfen seine Arme um den viel zu dünnen Körper Mortys. „Morty, du bist nicht allein.“
 
 
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