Im Regen

GeschichteRomanze, Angst / P18
Dante Noé Archiviste Vanitas (Mensch)
26.11.2017
26.11.2017
26
30.992
1
Alle Kapitel
noch keine Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
26.11.2017 1.382
 
Halloooo auch zu dieser Geschichte, ich muss die hochladen damit ich bei der aktuellen bin, uff. Können bitte mehr Leute ins Fandom kommen?? xDD

Naja, das P18 Rating hat auch guten Grund. Ich werde vor allen Smut Kapiteln sagen, dass es sich um Smut handelt, sodass man diese überspringen kann, aber das Rating ist nicht nur deswegen auf P18, glaubt mir... Eher so, wegen der Angst. Weil haha, so klischee alles erst mal wirkt, be prepared for the worst~~~ xDD

Joa, ich wünsche viel Spaß xD

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Kapitel 1

Ich konnte nicht einmal das hölzerne Kreuz ansehen.
Ich starrte lieber in der Gegend herum, ich wusste, dass ich eine der wenigen war, die nicht weinte, aber ganz ehrlich, ich wollte es einfach nicht.
Sobald ich nicht sprach, musste ich nicht weinen, ich konnte die Tränen noch meine Kehle hinunterzwingen.
Der Regen tröpfelte auf den Boden, die Tropfen hörten sich schwer an, fast traurig, als ob sie den Verlust auch beklagen würden.
Sie glitzerten in den Sonnenstrahlen, die es schafften, die dicken Wolken zu durchbrechen, schienen, als wären sie die Sonne selbst.
Nur leider konnten sie die Welt – meine Welt – nicht mehr erhellen.
Ich stand also da und hoffte, dass es schnell vorüber war.
Ich wollte hier weg, es war ein schreckliches Gefühl. Warum sollte ich mit anderen trauern, wenn ich das auch allein konnte? Verdammt noch mal, wenn man allein war, konnte man immerhin denken.
Aber wie sollte ich das, mit dem Flüstern, dem Pfarrer und dem gottverschissenen Regen?
Ich versuchte, mich irgendwie zu beschäftigen, mit dem Regen, den Bäumen, ich las die Namen auf den Grabsteinen um uns herum.
Ein paar davon waren schon vor Jahrzenten gestorben, wahrscheinlich lebten ihre Verwandten nicht mehr.
Da war ein Familiengrab, Sinclair, wahrscheinlich irgendwelche Einwanderer aus England. Auch schon Jahrzehnte her, wahrscheinlich schon lang in Vergessenheit geraten, niemand erinnerte sich an sie. Sobald man sich an Leute erinnerte, starben sie nicht wirklich, sie lebten in unseren Erinnerungen weiter, bis man sie eben vergaß.
Ich würde sie nie vergessen. Sie war meine Schwester, und eigentlich hatte sie mich bis aufs Blut gehasst, oder naja, so schlimm vielleicht auch nicht wieder.
Wir hatten irgendeine komische Art Hass-Liebe, wahrscheinlich so wie ganz normale Geschwister.
Meine Haare wurden nass, schwerer, sie zogen mich zu Boden und ich sah in den Himmel. Sollte ich doch nass werden, es war ja wirklich egal, ich hatte keinen Schirm.
Nach einer halben Ewigkeit war es dann vorbei und ich begann auch, zu laufen, wahrscheinlich zu schnell, weil ich gegen jemanden stieß.
Ich kam richtig zu Bewusstsein. Davor... war ich irgendwie weggedöst, in meinen Gedanken, ich hatte an nichts denken wollen aber gleichzeitig auch an alles.
Der jemand drehte sich um.
Ich sollte irgendetwas sagen, aber ich wollte nicht weinen, ich wollte es nicht!
Er sah mich an, er weinte zwar nicht aber man konnte in seinen roten Augen sehen, dass es ihm schlecht ging, seine weißen Haaren hingen in nassen Strähnen über sein Gesicht, die dunkle Haut wirkte seltsam blass.
Und Gott, war er riesig?
Und warum kannte ich ihn nicht? War er ein Freund meiner Schwester? Sie ging nicht oft feiern, aber wenn sie feiern ging, waren ihre Snapchat-Stories... verstörend, nennen wir es einfach mal so.
Vor allem, sie war bestimmt mit dieser Dominique zusammen, ihre beste Freundin, das war einfach mehr als Freundschaft und- na gut, ich bin einmal aus versehen in ihr Zimmer gelaufen, weil ich dachte, sie hätte mal wieder meinen Kulli geklaut.
Ja, war nicht die beste Situation, in die ich hätte reinlatschen können. Domi hatte übernachtet, es war auch eigentlich schon halb eins nachts, Jeanne war irgendwie halbnackt und Domi war über ihr und sie haben sich geküsst und ja, der Rest erklärt sich von selbst.
Ich war eigentlich schon immer hetero gewesen, ich meine, ich akzeptierte Homosexualität vollkommen und so, aber ich käme nie auf die Idee, mit einem Mädchen was anzufangen.
Ich hatte hier und da mal ein paar Freunde gehabt, ja, aber wow, das war es dann auch.
Viel war da nicht bei passiert, geschweige denn, dass ich jemals Sex gehabt hätte, so wie Jeanne, und sie war 17 und ich 22, das war extremst deprimierend.
„Ähm... tut mir leid...“, begann der Mann vor mir, er sah zur Seite, es sah so als als wollte er einfach nur noch sterben.
Ich musste was sagen, ich konnte ihn ja nicht da so stehen lassen.
„Schon... ok...“, sagte ich, ich spürte schon die Tränen in mir aufsteigen, Jeanne war nicht mehr da, sie würde nie wieder meine Kullis stehlen, sie würde mich nie wieder nerven und ich würde nie wieder ihr Lachen hören. „Ist... ok, ich meine, sie sind hier, obwohl ich sie gar nicht kenne, also, ich weiß nicht, ob sie Jeanne kannten, also... ich... d-danke...“
Meine Beine gaben auf einmal unter mir nach, ich begann zu weinen, was man aufgrund des Regens bestimmt nicht einmal sehen konnte, meine Knie knickten weg und ich verlor den Halt, ich erwartete, jeden Moment auf dem Matsch aufzukommen, aber stattdessen wurde ich festgehalten.
Ich wusste, dass er es war und ich sollte nicht in den Armen eines Fremden heulen wie ein kleines Kind, aber es war mir egal und außerdem war er warm und seine Jacke war irgendwie trocken.
Seine Arme waren nur an meinem Rücken, aber es war genug, um mich hochzuhalten, ich war mindestens zehn Zentimeter kleiner als er.
Mir wurde schlecht, also, nicht so schlecht dass ich das Gefühl hatte, mich übergeben zu müssen, aber ich konnte mich selbst schreien hören, meine Kehle tat weh, aber ich konnte nicht mehr.
Ich hielt meine Hände zu Fäusten geballt neben mir, ich wollte ihn ja nicht zurück umarmen, ob er das ok finden würde wäre halt die andere Frage.
Ich versuchte, mich irgendwie zu beruhigen, was leider bedeutete, dass ich zitterte wie sonst was.
Ich wollte doch einfach nicht weinen, ich wollte keine Schwäche zeigen, weil, warum sollte ich?
Ich konnte auch einfach weiterhin so tun, als wäre mir alles egal.
Aber es ging nicht.
Ich wusste nicht, wie lang wir noch auf dem Friedhof standen, ich in seinen Armen.
Zehn Minuten, vielleicht auch fünfzehn.
Irgendwann war ich dann ausgelaugt und meine Tränen waren versiegt.
Ganz langsam und sachte ließ er mich wieder los, legte seine Hände an meine Schultern und sah mich an.
„Geht es wieder?“, flüsterte er, ganz leise und strich mir eine Strähne aus dem Gesicht.
Ich nickte ganz langsam.
„Sie... können... gehen... wenn sie wollen, ich meine... ähm, ich komme allein nach hause...“
Ich steckte meine Hände in die Jackentasche meiner Jacke, um irgendwie eine Beschäftigung zu haben.
„Wie sie meinen...“, sagte er, „ich bin... mit dem Fahrrad da... ich könnte sie auch nach hause fahren... oder wartet ihre Familie nicht auf sie?“
Ich schüttelte den Kopf. „Sie werden sich gedacht haben, dass ich in der Masse verloren gegangen bin. Außerdem haben sie anderes im Kopf, ich meine, es ist bestimmt nicht schön, ein Kind zu verlieren, also, sie war meine Schwester und das war schon unheimlich schlimm...“
„Jeanne... war ihre Schwester?“
Ich zuckte die Schultern und nickte dann, er sah plötzlich noch betretener aus, als sowieso schon.
Ich wollte nachhause, in mein Bett, ich wollte allein sein, ich wollte nicht noch länger bei ihm sein, es zog mich bloß noch mehr runter.
„Oh... das... tut mir leid... soll ich sie de-“
„Duz mich bitte, ich kann das nicht leiden.“
„Soll ich dich mit heimfahren, ich habe einen Gepäckträger und... du siehst nicht sonderlich breit... aus...“
Ja, ich war untergewichtig, meine Gelenke waren quasi nicht vorhanden, aber wären sie ein bisschen dicker, würde ich auch nicht so dünn wirken. Mein Oberkörper und meine Oberschenkel waren komplett normal. Ok, bis auf meine Brüste.
Sowieso, wie konnten ich und Jeanne so unterschiedlich sein?
Sie hatte... Extremst viel und ich... quasi nichts. Allgemein war sie breit und weiblich gebaut, ich war schmächtig und wirkte abgemagert und ohne Witz, ich konnte essen, was ich wollte, ich wurde nicht dicker.
„Mh... wenn du meinst...“, murmelte ich, wusste auch nicht, was ich wirklich sagen wollte.
Ich würde ja denken, dass er verdammt gut aussah und unter normalen Umständen hätte ich sofort ja gesagt, aber das erschien mir einfach banal, in dieser Situation.
„Ok... mein Fahrrad steht bei der Kirche... wollen wir da schon mal hinlaufen?“
Review schreiben