Der unheilvolle Wald

GeschichteFreundschaft, Sci-Fi / P12
OC (Own Character)
25.11.2017
25.11.2017
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Man kann diese Geschichte als Fortsetzung von „Der Angriff der Bestien“, aber auch als eigene Geschichte ansehen.

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Der Abend war angebrochen, und die drei Teenager bereiteten gerade ihr Nachtlager vor. Ein Junge und zwei Mädchen, welche sich inmitten der Wildnis aufhielten. Sie befanden sich in Ungarn, oder Unaaria, wie dieses Land inzwischen genannt wurde. Kai wusste nicht, ob es auch schon vor der Katastrophe so gewesen war, aber inzwischen war das Land von Wäldern und Bergen geprägt. Die Natur hatte sich viel zurückerobert, und zwar vermutlich so ziemlich überall in Euree.
Kai war ein junger Techno. Ursprünglich kam er aus dem postapokalyptischen Hannover, welches zu einer Enklave geworden war, auf der sich jedoch fleischfressende Hydriten breitgemacht hatten. Die beiden Mädchen hatte er unterwegs getroffen, und sich mit ihnen angefreundet.
Kai war sechzehn Jahre alt, hatte lange, schwarze Haare und grüne Augen. Er war etwas muskulös, und trug Kleidung aus Leinen. Ein orangefarbenes Hemd und eine gelbe Hose. Dazu hatte er auch einen Gürtel mit vielen Taschen.
„Ich finde, wir sollten ein Lagerfeuer machen.“ meinte Amira, „Das hält vielleicht die wilden Tiere davon ab, uns anzugreifen.“
„Das hier ist ein Barbarengebiet.“ widersprach Elina, „Feuer könnte sie anlocken.“
Wenn Elina davon ausging, dass ein Lagerfeuer zu gefährlich war, würden sie darauf verzichten müssen. Das Mädchen hatte deutlich mehr Ahnung von der Wildnis, als die beiden anderen.
Elina hatte fünfzehn Winter gesehen und war eine Kriegerin. Sie hatte lange, blonde Haare die sie zu Zöpfen gebunden hatte, blaue Augen und Sommersprossen. Ihr Körperbau war athletisch, und sie trug Wollkleidung, über welcher sich eine dunkelgrüne Lederrüstung befand. Auf genau dieser befand sich das Wappen ihres Ordens. An den Hüften trug sie zwei Taschen, und auf dem Rücken ein stählernes Scimitar.
„Das Nachtlager ist vorbereitet.“ sagte Amira schließlich, nachdem sie fertig war.
Amira war eine Arab, und darüber hinaus eine Mutantin. Amira hatte schon vierzehn Winter gesehen, und sie hatte kurze, schwarze Haare, braune Augen und eine dunkle Haut. Doch als Mutantin hatte sie auch Merkmale, die sie von einem Menschen unterschieden. Ihre Ohren sahen so aus wie riesige Fledermausohren, ihre Arme und Beine waren mit schwarzen Reptilienschuppen bedeckt, und ihre Finger und Zehen endeten in Krallen. Sie trug als Kleidung ein hellblaues Hemd und einen hellgrünen Rock.
Inzwischen ging die Sonne unter.

Als Kai am nächsten Morgen wach wurde, waren die beiden Mädchen nicht mehr bei ihm. Er stand auf und sah sich um. Nur ein Stück entfernt saß Amira und fachte ein kleines Lagerfeuer an, über welchem sie braten wollte. Doch sosehr sie es versuchte, das Feuer ging einfach nicht an.
Nachdem die beiden sich einen guten Morgen gewünscht hatten, gab Kai seiner Freundin den Kleinbrenner. Ein Kleinbrenner war etwas ähnliches wie ein Feuerzeug, allerdings hatten die Technos es im Laufe der Zeit weiterentwickelt.
„Wenn du nächstes Mal ein Feuer machen möchtest, kannst du mich ruhig fragen. Ich leihe dir den Kleinbrenner gerne aus.“ bot er an.
„Vielen Dank.“ gab das Mädchen lächelnd zurück.
„Warte mal, hat Elina gestern Abend nicht gesagt, dass es zu gefährlich wäre, hier ein Lagerfeuer zu machen, weil es Barbaren anlocken könnte?“ fragte Kai nach.
„Nachts kann man ein Lagerfeuer aus großer Entfernung sehen, aber tagsüber muss man in der Nähe sein, um es zu entdecken.“ erwiderte die Mutantin.
„Wo ist Elina eigentlich?“ fragte der Junge weiter.
„Sie betet zu Wudan. Sie ist irgendwo alleine, kommt aber gleich zurück.“ erwiderte Amira, und warf Kai den Kleinbrenner wieder zu, nachdem sie ein kleines Feuer entfacht hatte.
„Und du betest nicht zu Wudan?“ fragte der junge Techno.
Amira schüttelte den Kopf und erwiderte: „Ich bete zu Loona, der Mondgöttin.“
Plötzlich brach Elina durch das Gebüsch und sah entsetzt auf das Lagerfeuer. Sie rannte darauf zu, und schüttete Erde darüber.
„Ich sagte gestern Abend doch, dass ihr hier kein Feuer entzünden dürft.“ redete sie aufgebracht, „Wenn wir nicht aufpassen, finden die Barbaren uns noch.“
„Aber tagsüber sieht man ein Lagerfeuer doch nicht so schnell.“ gab Alina zurück.
„Das nicht, aber den Rauch.“ erwiderte Elina und deutete auf den Rauch, den das Feuer verursacht hatte.
Amira sah zu Boden. Doch Kai legte ihr einen Arm um die Schultern und sagte: „Du wusstest es eben nicht besser. Es kann doch jeder mal einen Fehler machen. Und immerhin haben uns schließlich keine Barbaren gefunden.“
Amira schien etwas zu hören. Ihr Gehörsinn war viel schärfer als der der beiden anderen. Das war eine der Fähigkeiten, die sie als Mutantin hatte. Plötzlich warf sie sich auf Kai und riss ihn mit sich zu Boden. An der Stelle, an der er sich eben noch befunden hatte, sauste ein Speer durch die Luft, und traf schließlich geräuschvoll einen Baumstamm. Elina warf sich ebenfalls in Deckung, und einen Moment später sausten zwei Speere an ihr vorbei.
Nicht weit von den dreien entfernt, standen eine Gruppe von Barbaren. Es waren sowohl Männer als auch Frauen. Sie trugen als Kleidung lediglich Lendenschürze, sogar die Frauen. Die Männer hatten dichte, wilde Bärte, in denen noch Essensreste zu sehen waren. Sowohl sie als auch die Frauen, schienen sich nicht besonders häufig zu waschen. Jeder von ihnen sah wild und hungrig aus. Und war bewaffnet. Sie hatten Schwerter, Äxte und Speere.
„Bei Orguudoo.“ schimpfte Elina.
Der größte, und vermutlich stärkste, Mann unter ihnen stieß einen grunzenden Laut aus, und die Barbaren liefen brüllend auf die drei Freunde zu. Vermutlich war er ihr Anführer.
„Es sind bloß fünf, die können wir besiegen.“ sagte Elina und zog ihr stählernes Scimitar.
Amira zog ihre beiden kupfernen Wulfanendolche hervor, und Kai nahm seinen hydritischen Schockstab. Amira hatte die beiden Waffen einmal irgendwo gefunden, offenbar hatte ein Wulfanenkrieger sie verloren. Doch Kai hatte seine Waffe von zwei Mendriten geschenkt bekommen, mit denen er sich angefreundet hatte. Der Schockstab ähnelte einem Teleskopschlagstock, war jedoch mindestens doppelt so dick. Mit ihm konnte man elektrische Entladungen verschießen, um seinen Gegner zu betäuben oder zu töten.
Der erste Barbar war heran. Kai schoss einen Schwall Blitze ab, und betäubte ihn so. Doch in diesem Moment attackierten ihn die beiden weiblichen Barbaren. Ein weiterer Barbar griff Elina an, und der Anführer kämpfte gegen Amira.
Kai richtete seinen Schockstab auf eine Barbarin, doch die andere schlug ihm die Waffe aus der Hand. Er duckte sich, um einem Schwerthieb zu entgehen, doch eine der Barbarinnen trat ihm wuchtig in die Seite, und schickte ihn so zu Boden. Kai drehte sich schnell zur Seite, als auch schon ein Schwert an der Stelle in den Boden gerammt wurde, an welcher er sich einen Moment zuvor noch befunden hatte. Er tastete nach seinem Schockstab, doch dann erkannte er, dass er zu langsam war, eine Barbarin hob ihr Schwert, und würde es gleich auf ihn niedersausen lassen.
Plötzlich drang eine stählerne Schwertspitze aus ihren Körper hervor. Die Barbarin schaute auf die Klinge herab, und sackte dann zu Boden. Hinter ihr stand Elina. Und neben der Kriegerin lag ein Barbar auf dem Boden. Sie hatte ihren Gegner also schon erledigt. Kai packte den Schockstab, richtete ihn auf die verbliebene Barbarin, und schoss einen Schwall Blitze ab. Auch diese Gegnerin war nun besiegt worden.
Doch Amira kämpfte noch immer gegen den Anführer der Barbaren. Diesen hatte sie schon mehrmals mit den Dolchen getroffen, doch ein so starker Barbar ließ sich von einzelnen Schnitten und Stichen offenbar nicht beeindrucken. Er lachte höhnisch, während er die junge Arab mit wuchtigen Schwertschlägen immer weiter zurücktrieb. Amira wehrte die Schläge mit einem ihrer Dolche ab so gut es ging, doch der Barbar war stärker.
Kai bewunderte ihre Stärke. Ihn hätte der Barbar vermutlich schon durch pure Kraft besiegt. Als der Junge sich fragte, wo Amiras anderer Dolch war, sah er ihn, von den Schwerthieben völlig verbogen, auf dem Boden liegen. Kupfer ging offenbar schneller kaputt als Eisen.
Nach einem heftigen Hieb flog auch Amiras zweiter Dolch verbogen zu Boden. Das Mädchen stand nun unbewaffnet da, während der Barbar mit seinem Schwert ausholte. Weder Kai noch Elina würden sie schnell genug erreichen können. Doch wie sich zeigte, war es auch gar nicht notwendig. Amira spuckte einen Schwall Säure aus, und traf den Barbaren. Dieser schrie auf, ließ sein Schwert fallen, und griff an die Stelle, wo die Säure ihn getroffen hatte. Diesen Moment nutzte Elina, um vorzustürmen, und ihm ihr Scimitar in den Rücken zu rammen.
„Die wären damit kein Problem mehr.“ sagte Kai.
„Nur meine beiden Dolche sind kaputt.“ meinte Amira verärgert.
„Du kannst Säure spucken? Das ist bestimmt nützlich im Kampf.“ bemerkte Elina.
„Solche oder ähnliche Kräfte haben viele von den Göttern gezeichnete.“ erwiderte die Arab.
In diesem Moment flogen einige Pfeile heran, welche die Freunde nur knapp verfehlten. Ein gutes Stück entfernt standen weitere Barbaren. Diesmal waren es fast doppelt soviele wie vorher. Und auch sie brüllten auf, und rannten auf die Freunde zu. Kai, Elina und Amira wandten sich zur Flucht. Gegen soviele Gegner sahen ihre Chancen schlecht aus.
Zu dritt rannten sie durch den Wald, dichtauf gefolgt von den Barbaren. Doch nach einer Weile hatten sie sie scheinbar abgehängt. Sie hatten einen Fluss erreicht, welcher mitten durch den Wald floss. Kai war weitaus erschöpfter als die beiden Mädchen, doch wenn sie hierblieben, würden die Barbaren sie finden.
„Ich kann sie immer noch hören.“ warnte Amira ihre beiden Freunde.
„Sie werden einfach unseren Spuren folgen. Früher oder später holen sie uns vermutlich ein.“ meinte Elina besorgt und sah sich um.
„Der Fluss.“ schlug sie schließlich vor, „Wenn wir durch den Fluss gehen, verwischen wir unsere Spuren, und sie können uns nicht mehr verfolgen.“
„Eine gute Idee.“ stimmte Kai ihr zu.
Elina zog ihre Rüstung aus, und anschließend auch ihre Wollkleidung. Auch Amira zog sich aus.
„Warum entkleidet ihr euch?“ fragte Kai und wandte verlegen den Blick ab.
„Nasse Kleidung ist uns auf der Flucht nur hinderlich. Und wenn wir zu langsam sind, finden die Barbaren uns noch.“ erklärte Elina.
Nun zog auch Kai seine Kleidung aus. Er war peinlich berührt und sah möglichst wenig zu den beiden Mädchen. Diese hielten ihre Kleidung und ihren anderen Sachen über ihre Köpfe, und wateten durch den Fluss. Das Wasser reichte ihnen bis zu den Schultern. Nun ging auch Kai ins Wasser, und hielt seine Kleidung ebenfalls trocken. Am Ufer angekommen, rannten sie sofort ins Gebüsch des dichten Waldes.

Sie waren eine Weile lang gelaufen, und lehnten sich schließlich an einige Bäume. Ihre Kleidung trugen sie noch immer in ihren Händen. Elina hatte erklärt, dass sie erst völlig trocken sein mussten, bevor sie sie anzogen. Kai sah nicht in die Richtung der Mädchen, sondern blickte stattdessen auf eine Mauer, welche mitten im Wald stand. Offenbar war sie auch ein Überbleibsel aus der Zeit vor der großen Katastrophe. Die Mauer war an einigen Stellen mit Moos überwuchert, doch an den freien Stellen konnte man Farbe erkennen.
„Fühlst du dich nicht gut?“ fragte Amira besorgt und beugte sich plötzlich über Kai.
„Nein, ich fühle mich gut.“ gab dieser peinlich berührt zurück.
Die Mutantin war noch immer nackig, so wie er auch, dennoch war sie ihm sehr nahe, und hatte ihre Hände auf seine Schultern gelegt.
„Du vermeidest es, uns anzusehen.“ bemerkte Elina.
„Das ist nur deshalb so... weil wir alle drei... keine Kleidung tragen.“ gab Kai leicht errötet zurück, „Bei meinem Volk ist es unüblich, dass Jungen und Mädchen sich gegenseitig so sehen. Außer, sie sind noch sehr jung und Geschwister. Oder sie wollen zusammen... fegaashaa haben.“
„Das ist aber eine eigenartige Regel.“ meinte Elina.
„Du hast mir noch nicht viel über dein Volk erzählt.“ bemerkte Amira.
Das entsprach der Wahrheit. Kai reiste schon eine ganze Weile zusammen mit den beiden Mädchen, dennoch hatte er noch nicht viel über sich preisgegeben.
„Das werde ich schon bald nachholen.“ versprach der junge Techno.
Kai stand auf und ging näher an die Wand heran. Er wischte etwas Moos beiseite, und sah sich die Farbe auf der Wand an. Es war Graffiti. Höchstwahrscheinlich war es noch vor der Kometenkatastrophe dort angebracht worden. Kai war erstaunt, dass sich dieses Überbleibsel aus der Zeit von damals, so lange hatte halten können. Das meiste dort war auf ungarisch, einiges aber auch auf deutsch und englisch. Entweder war hier in der Nähe ein Ort gewesen, an welchem sich Touristen häufig aufgehalten hatten, oder sie waren in der Nähe der damaligen Grenze zu Österreich.
„Kannst du das lesen?“ fragte Amira überrascht.
„Zumindest einiges davon.“ gab Kai zurück.
„Das ist wirklich erstaunlich. Solche Schriften können nur noch wenige Leute lesen. Sogar die meisten Retrologen verstehen diese Sprache nicht.“ meinte Elina und trat zu den anderen beiden.
Nach einer Weile ging Amira zu Kai und gab ihm seine Kleidung.
„Sie ist inzwischen trocken.“ sagte das Mädchen lächelnd.
„Vielen Dank.“ erwiderte Kai und nahm seine Kleidung entgegen.

Kelzon ließ sich von seinen Sklaven auf einer Sänfte tragen. Seine Soldaten patrouillierten neben den Sklaven, damit keiner von ihnen entkommen konnte. Kelzon war ein Sklavenhändler, und er hatte wieder gute Ware gefunden.
„Mein Herr, ich muss Euch Meldung machen.“ sagte eine Soldatin, die vor seine Sänfte getreten war, und sich demütig verneigte.
„Sprich nur.“ forderte er sie auf.
„Wir werden von einem Rudel Lupas verfolgt. Und zwar schon seit einer ganzen Weile. Wenn die Nacht beginnt, werden sie vermutlich angreifen.“ redete sie.
„Ein großes Rudel?“ wollte Kelzon wissen.
„Groß genug, als dass wir eine Menge Verluste haben würden.“ meinte die Soldatin.
„Nun gut. Wählt einige wertlosere Sklaven aus, verwundet sie, und lasst sie hier zurück. Dann sollen die Lupas eben sie fressen. Bis zur Abenddämmerung werden wir hoffentlich schon weit genug entfernt sein.“ befahl er.
„Sehr wohl.“ gab die Soldatin zurück, und eilte los, um diesen Befehl weiterzugeben.

Einige Tage später hatten die Freunde die Stadt Budapest verlassen. Oder Budapess, wie es inzwischen genannt wurde. Diese Stadt war eine der wichtigsten Handelsstädte in Euree, und man konnte dort viele Dinge kaufen. Auch Waffen. Und so freute sich Amira über ihre beiden neuen Sicheln. Diese bestanden aus Bronze und waren gute Waffen.
„Vielen Dank, dass ihr sie mir gekauft habt.“ freute sich das Mädchen.
„Wir können unsere Freundin doch nicht einfach so unbewaffnet lassen.“ meinte Kai amüsiert.
„Vielleicht erschreckst du ja von nun an deine Gegner, indem du wild mit den Waffen herumfuchtelst.“ meinte Elina trocken.
„Was meinst du damit?“ wollte die Arab wissen.
„Waffen sind praktisch. Aber man sollte mit ihnen auch kämpfen können.“ erklärte die Kämpferin, „Ich habe deinen Kampfstil gesehen. So erreichst du nicht viel gegen starke und erfahrene Gegner.“
Amira sagte nichts. Sie senkte bloß ihre Waffen.
„Wenn du möchtest, bringe ich dir bei, wie man kämpft.“ bot das blonde Mädchen an.
„Das wäre toll!“ freute sich Amira.
Inzwischen dämmerte es bereits, und Kai sah sich um.
„Ich könnte ja unser Lager vorbereiten, solange ihr trainiert.“ bot er an.
„Das ist eine gute Idee.“ meinte Elina.
Die beiden Mädchen gingen ein Stück weiter. Elina zog ihr Scimitar, und Amira hob ihre beiden Sicheln.
„Brauchst du auch eine leichte Rüstung?“ fragte Elina, „Oder möchtest du lieber lernen, wie man schnell und wendig kämpft?“
„Der schnelle und wendige Kampf wäre mir lieber.“ gab Amira zurück, „Eine Rüstung wäre vermutlich zu schwer für mich.“
„Nicht, wenn diese Rüstung aus Insektenpanzern besteht.“ redete Elina.
„Rüstungen finde ich aber zu unpraktisch.“ meinte die Mutantin.
„Wie du meinst. Dann lernst du eben, wie man ohne Rüstung kämpft.“ erwiderte Elina.
Das Klirren aufeinanderprallender Schwertklingen hallte durch den Wald, während Kai das Nachtlager vorbereitete.

Am nächsten Morgen entdeckte Amira ein Tier, welches sich dem Lager näherte. Es war eine Cheenille. Sie war fast so lang wie ein Mensch, und so dick wie ein Baumstamm. Unbekümmert fraß sie die Pflanzen in der Nähe des Lagers. Amira sah sich um. Aus irgendeinem Grund bedeutete die Nähe einer Cheenille, dass auch ein Batterflei in der Nähe war. Diese Insekten wurden so groß, dass ein Mensch auf ihnen reiten konnte.
„Was hast du vor?“ fragte Kai, der ebenfalls aufgewacht war.
„Ich jage unser Frühstück.“ erwiderte die Mutantin.
„Du möchtest dieses Tier töten? Und es dann aufessen?“ fragte der Junge entsetzt.
Der junge Techno war schon seit einer ganzen Weile ein Vegetarier. Und die Vorstellung, dass jemand Tiere jagte und aß, entsetzte ihn. Das Tier auf welches Amira es abgesehen hatte, war eine riesige, mutierte Raupe.
„Ich möchte nicht, dass du es tötest.“ sagte der Junge, „Dieses Tier hat nichts unrechtes getan. Wir können auch einfach wieder Beeren essen.“
„Dort wo ich herkomme, ist es üblich, Tiere zu jagen und zu essen.“ hielt Amira entgegen.
„Und du hast diese Sitte niemals hinterfragt?“ wollte Kai wissen, „Dieses Tier ist unschuldig. Möchtest du ein völlig unschuldiges Lebewesen jagen und töten? Aus dieser Raupe wird eines Tages ein Schmetterling. Ich meine, aus diesem Cheenille wird eines Tages ein Batterflei.“
„Du hast Recht.“ sagte Amira, „Ich werde diesem Tier nichts zuleide tun.“
Die beiden Freunde gingen los, um Beeren zu sammeln. Sie achteten jedoch darauf, sich nicht allzu weit vom Lager zu entfernen, denn Elina schlief noch. Doch dann sahen sie von weitem etwas. Eine große Gruppe von Personen näherte sich. Es waren Soldaten... und Sklaven.
„Das sind Sklaven. Wir müssen etwas unternehmen.“ sagte der Junge.

Kelzon war wütend. Sie hatten Budapess, wo er seine Ware verkaufen wollte, noch immer nicht erreicht. Doch plötzlich hörte er vor seinem Zelt einen lauten Tumult. Brachen da gerade Kämpfe aus? Lehnten sich die Sklaven gegen ihn auf? Er hörte das Klirren von Schwertern, die aufeinandertrafen, und eilige Schritte. Zusammen mit seinen Soldaten verließ er das Zelt.
Ein junges Mädchen schwang einen Scimitar und bekämpfte die Soldaten. Sie war wie eine Kriegerin gekleidet, und ein weiteres Mädchen flankierte sie. Sie schwang zwei bronzene Sicheln. Und sie war eine von den Göttern gezeichnete. Was für eine Kriegerin befand sich bloß in der Gesellschaft einer solchen Kreatur? Bei ihnen stand auch ein Junge. Dieser hatte einen seltsamen Stab, mit welchem er immer wieder Blitze abfeuerte, und jeder seiner Soldaten der getroffen wurde, sackte bewusstlos zu Boden.
„Was bringt drei Halbwüchsige dazu, einfach mein Lager anzugreifen?“ fragte Kelzon.
„Wir haben deine Sklaven befreit.“ rief der Junge aus.
Plötzlich wurden die drei Freunde von mehreren Bogenschützen umstellt. Jeder von ihnen zielte mit seiner Waffe auf sie.
„Es sieht so aus, als müsstet ihr euch ergeben.“ meinte der Sklavenhändler hämisch.
In diesem Moment ertönte ein rasendes Brüllen, und mehrere Barbaren griffen das Lager an.
„Wir sind mitten in einem Barbarengebiet.“ stellte Elina entsetzt fest.
Ein Barbar griff Kai an, doch er schickte ihn mit seinem Schockstab zu Boden. Überall war ein wildes Durcheinander, und Soldaten und Barbaren griffen sich gegenseitig an. Überall flogen Pfeile und Speere umher.
Elina packte Kai und zog ihn mit sich.
„Wir müssen den Leuten hier helfen.“ sagte der Junge.
„Sie sind Sklavenhändler.“ hielt Elina entgegen.
„Trotzdem ist es grausam, wenn sie alle abgemetzelt werden.“ sagte Kai.
„Wenn wir noch länger hierbleiben, werden sie uns auch angreifen.“ stimmte Amira ihrer Freundin zu.
Zu dritt flohen sie fort von den Kämpfen. Kai war traurig, doch die beiden Mädchen hatten Recht. Ohne sich umzudrehen, rannten sie weiter.

ENDE
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