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Panther's Fangs and Lion's Den (Gramander)

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 Slash
Newt Scamander Percival Graves
25.11.2017
17.11.2020
36
188.392
52
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47 Reviews
Dieses Kapitel
6 Reviews
 
 
25.11.2017 3.460
 
Hallo zusammen,
da bin ich schon wieder. Dieses Mal mit einer Gramander.- Fanfiktion.
Diese Fanfic ist ein Ergebnis eines RPGs mit der lieben -Nele- und wir wollen sie euch nicht vorenthalten!
In dem Zusammenhang sollte ich erwähnen, dass diese FF etwas... körperlich intimer und offenherziger ist als meine anderen. Dies zur Warnung und als Versprechen ;)
Have fun, everyone!


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Wichtige Eckdaten der Geschichte:
1.: Grindelwald ist entdeckt worden, aber mit Credence entkommen.
2.: Graves wurde vom Macusa entdeckt und befreit, nachdem Newt New York obliviiert hat.
3.: Newt wird als Held gefeiert, weil er Grindelwald enthüllt hat und der Macusa steht in seiner Schuld.
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Eine Woche war vergangen, seit ihn der MACUSA aus der vermaledeiten kleinen Box geholt hatte, in der Grindelwald ihn gefangen gehalten hatte. Eine Woche, die er gut genutzt hatte, um wieder zu Kräften zu kommen. Obwohl ihm die Heiler rieten, sich noch länger zu schonen, hatte er ihre Bedenken in den Wind geschossen und war gleich Montagmorgen wieder pünktlich auf Arbeit erschienen. Madame Picquery hatte sein Erscheinen nur mit einer hochgezogenen Augenbraue quittiert und ihm dann auf seinen Wunsch hin die Akten der Ereignisse der vergangenen Wochen aushändigen lassen. Grindelwald hatte ein ziemliches Chaos in New York angerichtet.
Doch nicht nur er allein, wie es schien.
„Newt Scamander“, las er auf einer dicken Akte und er wandte sich an Tina, deren Name auffällig oft in der Akte zur Sprache kam. Sie brachte ihn auf den neusten Stand, berichtete von Mr. Scamanders Heldentaten und der Enthüllung Grindelwalds durch seine Hilfe. Dieser Mann war verantwortlich dafür, dass man Grindelwald enthüllt hatte – und dass Percival gefunden worden war.
Trotzdem… Tinas offensichtlich emotional geprägter Erzählungen zum Trotz hatte Percival ein ungutes Gefühl bei der Sache. Sie schien ihm nicht ganz sauber. Er warf einen neuen Blick auf die Akte: Scamander war an dem Tag in Amerika angekommen, an dem sich der erste Todesfall durch ein Tierwesen ereignet hatte… Oder einen Obscurus, wie die Akten vermuteten. Das war verdächtig.
Percival beschloss, der Sache lieber auf den Grund zu gehen. Wenn jemand eine Horde Tierwesen in New York freigelassen hatte, wie hatte er dann das Recht, sich als Held aufzuspielen?
Ohne zu zögern ordnete er an, den Mann umgehend in Gewahrsam zu nehmen. Dank Tina wusste er, dass sein Schiff erst am nächsten Tag zurück nach London gehen sollte. Bis dahin hatten sie den Mann.

Nachdem sich Percival über alle Einzelheiten der Vorfälle der vergangenen Tage ausgiebig belesen hatte und informiert worden war, dass Mr. Scamander nun eingetroffen war, griff er die Akten, die er zu den Fällen mit den Tierwesen besaß und verließ sein Büro. Einen Zauberstab trug er nicht bei sich – Grindelwald hatte ihm seinen gestohlen und er wurde noch immer auf mögliche Verwünschungen geprüft – aber das machte ihm nicht sonderlich viel aus. Mit einer erhobenen Hand trat er auf den Meetingraum zu, in dem das Verhör stattfinden sollte. Die Tür schwang vor ihm auf. Er trat hindurch, ließ sie wieder zufallen und schritt an einem jungen Mann mit rotem Haar vorbei auf die andere Seite des Tisches. „Mr. Scamander, nehme ich an?“, fragte er und bemerkte unzufrieden, dass man ihnen einen hellen, lichtdurchfluteten, freundlichen Raum gegeben hatte. Nicht der Ort, an dem man für gewöhnlich Verhöre durchführte. Vermutlich wollte man keine falschen Signale setzen, nachdem Mr. Scamander als Held von Dannen gezogen war.
Percival ließ die Akten mit einem Knall zwischen sie auf den Tisch fallen, setzte sich Mr. Scamander gegenüber und verschränkte die Arme vor der Brust. „Percival Graves, Direktor der Abteilung für Magische Strafverfolgung“, stellte er sich mit einem knappen Nicken vor und sagte dann: „Wie Sie wissen, war ich die letzten Wochen eher unpässlich. Ich würde Ihre Geschichte deshalb gern noch einmal direkt von Ihnen hören.“
Mr. Scamander raffte sich zu einem kleinen Lächeln auf. „Natürlich… Was genau wollen Sie denn wissen?“, fragte er mit leichter Verunsicherung in der Stimme. Percival ging nicht auf das Lächeln ein. Stattdessen ließ den Blick abschätzend über den jungen Mann gleiten. Seine Statur war schlank und drahtig, aber auf den zweiten Blick muskulöser als es durch die nervöse Haltung im ersten Moment aufgefallen wäre. Sein Lächeln schien schüchtern. Er wirkte so offensichtlich gutmütig und unschuldig, dass Percival eine Farce witterte. „Warum sind Sie nach New York gekommen, Mr. Scamander?“, fragte er lauernd.
Er bemerkte, dass Mr. Scamander seinem Blick auswich. War er einfach ein wenig sonderbar oder hatte er etwas zu verbergen?
„Ich wollte einen Appaloosa Knuddelmuff erwerben...", murmelte Mr. Scamander, doch er klang selbst nicht allzu sehr von der Antwort überzeugt.
„Aha“, sagte Percival skeptisch und schlug dann die Akte auf. „Hier steht, dass Ihnen einige gefährliche Tierwesen entkommen sind. Ein Okami, ein Erumpet, ein…. Niffler, der eine No-Maj-Bank und einen Juwelier ausgeraubt hat“, sagte er langsam und hob dann die Augenbraue. Er sah Newt mit offenkundigem Misstrauen in den Augen an. „Korrigieren Sie mich, aber meines Wissens fallen Knuddelmuffs nicht in die gleiche Gefahrenkategorie wie die anderen Wesen, mit denen Sie sich beschäftigen. Ein wenig untypisch in Ihrer Sammlung, finden Sie nicht? Fast schon…“ Er machte eine wegwerfende Handbewegung. „…langweilig.“
Auf seine Worte hin schüttelte sein Gegenüber allerdings hastig den Kopf. „Ich habe, um genau zu sein, Tierwesen aus den unterschiedlichsten Kategorien, selbst aus den Gefahrenklassen I und II. Zum Beispiel Mondkälber, Grindelohs, Bowtruckles, Flubberwürmer, Horklumpe...“
Um ihn zum Schweigen zu bringen, hob Percival die Hand. Die Aufzählung weiterer illegaler Geschöpfe interessierte ihn nicht. Er schüttelte den Kopf, während er sich aufsetzte und einen weiteren Blick in die Akten warf.
„Ich kann mir lebhaft vorstellen, dass Sie eine ganze Reihe gefährlicher Tierwesen in Ihrem Koffer haben, die alle innerhalb Amerikas VERBOTEN SIND“, sagte er und betonte die letzten Worte überdeutlich. Er seufzte und beugte sich ein Stück vor, um Mr. Scamander näher in Augenschein zu nehmen, während er die Stirn runzelte. „Erklären Sie mir, warum Sie mit hunderten verschiedenen gefährlichen Monstern im Gepäck mitten in New York auftauchen und No-Majs und Zauberer gleichermaßen der Gefahr aussetzen. Welchen Grund kann es dafür geben?“
Mr. Scamander schaute ihn unsicher unter seinen roten Locken hervor an. Doch seine unsichere Erscheinung konnte Percival nicht erweichen. Er lehnte sich erneut zurück und warf ihm einen herablassenden Blick zu. „….Außer der fadenscheinigen Behauptung, dass Sie einen Knuddelmuff kaufen wollten, bei einem Züchter, dessen Laden wir vor Monaten geschlossen haben.“
Kaum hatte Percival geendet, sagte Mr. Scamander hastig: „Ich... Ich würde niemals irgendjemanden wissentlich gefährden!“ Er schüttelte den Kopf, den Blick erneut gesenkt. „Mir war nicht bewusst, dass der Laden geschlossen wurde. Ich habe es erst erfahren, als ich bereits hier war..."
„Laut Ihren Akten haben Sie bereits wissentlich gefährdet“, unterbrach Percival seine Worte scharf, „Sie sind von Hogwarts verwiesen worden, weil Sie Ihre Mitschüler in Gefahr gebracht haben. Durch ein Tierwesen.“
Mit gewisser Genugtuung beobachtete Percival, wie sich Mr. Scamander getroffen verspannte, als hätte er ihn an einem wunden Punkt getroffen. Er wich Percivals Blick weiter aus und murmelte. „Das damals war ein Unfall..."
Percival seufzte. „Es scheint, als ist Ihnen das Ausmaß des Risikos, das Sie da in Ihrem Koffer tragen, gar nicht bewusst“, sagte er maßregelnd.
Zu seiner Überraschung hob Mr. Scamander nun beinahe dickköpfig den Blick. „Sie sind kein Risiko!" verteidigte er sie mit naiver Entschlossenheit, „Wenn man mit ihnen umzugehen weiß und sich ein wenig mit ihren speziellen Eigenheiten und Verhaltensweisen beschäftigt, dann sind die meisten von ihnen überaus soziale Geschöpfe. Und selbst jene, die keinen Kontakt zu Menschen wünschen, möchten einfach nur ihre Ruhe. Fast alle Angriffe von magischen Geschöpfen in den letzten Jahrzehnten wurden aktiv von Menschen provoziert oder verschuldet."
Percival stutzte einen Moment. Dieser Mann hatte eine derart verschobene Vorstellung von dem Risiko, das gefährliche Tierwesen mit sich brachten, dass Percival einen Augenblick lang sprachlos war. Sein Blick verfinsterte sich, als er bemerkte, dass er bereits vorher jemanden kennengelernt hatte, der die Weltordnung so wie sie war in Frage stellte. Sein schlechtes Gefühl von vorher verstärkte sich.
„Eine Meute gefährlicher Tiere mitten in New York freizulassen, ist ja wohl kaum das Verschulden der Menschen, die zu Schaden gekommen sind… Und die sich nicht wehren konnten“, knurrte er und schlug die Akte in einer gebieterischen Bewegung zu. „Und bitte sagen Sie nicht, dass auch das ein Unfall war. Dafür erscheint es mir doch… zu geplant, zu sehr darauf bedacht, es hier in einer Metropole zu tun. Wo ausreichend Opfer sind, die getroffen werden können…“ Er ließ den Satz ins Leere laufen und warf Mr. Scamander einen prüfenden Blick zu, um zu sehen, wie er auf diese Andeutung reagierte. Die Augen seines Gegenübers wurden größer und größer während dieser Worte. „Wieso... sollte ich Tierwesen bewusst in New York freilassen?" fragte er als hätte ihm Percival gerade etwas völlig Absurdes unterbreitet, das nicht den kleinsten Hauch Sinn machte.
Percivals Gesicht verfinsterte sich. „Um die Zauberergemeinschaft dazu zu provozieren, sich zu enthüllen. Um einen Krieg zwischen No-Majs und Zauberern anzuzetteln… Oder, was am wahrscheinlichsten ist“, fuhr er fort, lehnte sich vor und seine Stimme wurde ein eisiges Fauchen: „Um den Fokus davon abzulenken, dass Gellert Grindelwald seit Wochen mit meinem Gesicht durch New York gelaufen ist und dabei seine Schritte geplant hat. Amerika hielt den Atem an, weil ein verdammtes Erumpet-Weibchen den Zoo auseinandergenommen hat und Grindelwald konnte ungehindert weiteragieren!“ Er schlug mit der Faust auf den Tisch.
Seine Worte ließen Mr. Scamander offensichtlich sprachlos werden und als die Faust den Tisch traf, zuckte er erschrocken zusammen. „Ich... das..." begann er zu stammeln. Er schluckte sichtbar und atmete kurz tief durch, während er den Blickkontakt mit Percival tapfer aufrechterhielt. Das allein schien ihn bereits anzustrengen. „Ich bin keiner von Grindelwalds Fanatikern", antwortete er mit entschiedenerer Stimme, „Ich habe dem Macusa geholfen. Sowohl bei der Enthüllung, als auch bei dem Obliviieren der gesamten Stadt."
Percivals Mundwinkel zuckten in einer Anwandlung eines bitteren Lächelns. „Und haben gleichzeitig dafür gesorgt, dass er fliehen konnte. Und sein Obscurus mit ihm.“ Er nickte in falscher Anerkennung. „Großartig“, sagte er trocken, „Ein einzelner obliviierender Donnervogel reicht aus, damit alle vergessen, um wen es eigentlich ging. Selbst die Zauberergemeinschaft war geblendet, für einen kurzen Moment.“ Er schüttelte seufzend den Kopf. „Sie sagen, Sie sind keiner von Grindelwalds Anhängern“, wiederholte Percival langsam und schaute einen Moment auf seine Hände, die er vor sich auf dem Tisch verschränkt hatte, ehe er erneut aufblickte, „Stattdessen sehen Sie sich als Retter für missverstandene Kreaturen.“ Er unterdrückte ein ungläubiges Schnauben. „Kann es sein, dass Sie den Obscurus bewusst haben entwischen lassen, weil Sie wussten, dass der Macusa ihn andernfalls zerstören würde? Und das Obscurial mit ihm? Sie hatten sogar schon Kontakt zu ihm... und er war nicht das erste Obscurial, das Sie kennengelernt haben...“
Er beobachtete, wie Mr. Scamander die Lippen fest aufeinanderpresste.
„Was hätte ich Ihrer Meinung nach anders machen sollen?" fragte er schließlich mit unüberhörbarem Zittern in der Stimme. „Grindelwald persönlich entwaffnen, ihn besiegen oder gar töten? Es tut mir Leid, aber die Art 'strahlender Retter' bin ich nun mal nicht." Mr. Scamander zog die Augenbrauen zusammen und sein Gesichtsausdruck wurde fast schmerzlich. „Ich hätte Credence gerne vor einer ungerechten Exekution Ihrer Männer bewahrt", antwortete er leise. „Allerdings fürchte ich, dass diese ‚Zerstörung', wie Sie es nennen, immer noch gnädiger gewesen wäre als das Schicksal, das ihm nun in den Händen von Grindelwald widerfährt."
Mr. Scamanders aufrichtiges Mitgefühl mit dem Jungen ließ Percival ein wenig weicher werden. „Sein Schicksal ist tragisch“, stimmte er ruhig zu, „Dennoch… das Leid eines Einzelnen steht gegenüber dem Leid von Vielen, die nun seinen Ausbrüchen schutzlos ausgeliefert sind.“ Er schüttelte den Kopf, doch er lächelte Mr. Scamander beinahe nachsichtig zu. „Sie haben Recht. Grindelwald zu überwältigen ist keine leichte Aufgabe.“  
Er griff nach den Akten. „Ich danke Ihnen für Ihre Zeit, Mr. Scamander. Wir werden die Angelegenheit erneut prüfen. Und in dieser Zeit geben Sie bitte ein vollständiges Register aller in Ihrem Koffer befindlichen Tierwesen in meiner Abteilung ab. Ich möchte gern wissen, womit ich es zu tun habe, wenn ich Ihnen das nächste Mal über den Weg laufe.“
Während er schon auf dem Weg hinaus war, drehte er sich noch einmal herum. „Ach, und Mr. Scamander: Bemühen Sie sich nicht, das nächste Schiff zu erreichen. Solange dieser Fall nicht geklärt ist, werden Sie Amerika nicht verlassen.“ Er lächelte ihm kühl zu und schritt dann aus dem Raum.

*


Eine Woche später apparierte Percival in eine Seitengasse und trat dann daraus hervor, als wäre er zufällig hier entlanggekommen. Er ging zu dem Mehrfamilienhaus gegenüber und betätigte die Klingel, an der ‚Goldstein‘ stand. Es summte. Er drückte sich gegen die Tür, sie schwang auf und er trat ein. Zügig ging er die Treppe hinauf in die erste Etage und fand sich dort vor Tina wieder, die ihn überrascht anschaute. „Mr. Graves?“, fragte sie irritiert und schlug sich gleich eine Hand vor den Mund, als von unten eine Stimme kam, die rief: „Sind Sie das Tina?“
„Ja, ich bin es“, rief sie herunter, griff Percival am Oberarm und zog ihn hinein. „Kommen Sie“, flüsterte sie und als die Tür hinter ihnen ins Schloss fiel, sagte sie: „Sie haben Nerven, hier an meinem freien Tag aufzutauchen, Sir… Wieso haben Sie mir nicht einfach eine Eule geschickt?“
Percival machte sich aus ihrem Griff frei. „Unwichtige Details, Tina, unwichtige Details“, sagte er finster, „Ich muss mit Mr. Scamander sprechen. Und zwar sofort.“
„Mr. Scamander?“, wiederholte sie und verschränkte dann die Arme vor der Brust. „Wieso?“
Percival warf ihr einen eisigen Blick zu, während er die Schultern durchdrückte und sich vor ihr aufbaute. „Ich glaube nicht, dass ein ‚Wieso‘ die richtige Antwort ist, wenn man mit seinem Vorgesetzten spricht, Tina.“
„Aber es ist die feine Art, jemanden zurück zu zitieren und ihn zu beschuldigen, mit Grindelwald unter einer Decke zu stecken, nachdem er nicht nur New York gerettet, sondern auch Sie befreit hat?“, erwiderte sie pikiert und als sein Blick noch düsterer wurde, fügte sie in einer Anwandlung von Respekt hinzu: „Mr. Graves, Sir?“
Er schüttelte den Kopf und nahm aus den Augenwinkeln war, dass ihre Schwester in einiger Entfernung hinter ihr aufgetaucht war. „Tina“, sagte er seufzend und schritt an ihr vorbei, zum Gästezimmer.
„Sie können da nicht rein!“, sagte Tina und versuchte, ihn aufzuhalten, indem sie neben ihm herlief.
Er hielt inne, den Blick misstrauisch auf sie gerichtet. „Und wieso nicht?“
„Weil-weil er gerade… er…“ Tina begann, zu stottern und rot anzulaufen unter Percivals Blick. Ihre Schwester Queenie riss sie aus ihrer Starre, indem sie sie am Arm griff und fortzog.
„Komm, Tina“, sagte sie und während sie gingen, hörte er, wie sie sagte: „Nein…. Das stimmt… das sehe ich nicht so… Darum… Tina, du wirst albern.“
Percival seufzte, schüttelte den Kopf und öffnete die Tür zum Gästezimmer. „Mr. Scamander“, sagte er beim Eintreten, „Ich habe noch immer nicht das Register über Ihre Tierwesen…“ Er unterbrach sich. Vor ihm lag der Koffer. Geöffnet.

Percival zog seinen Zauberstab, den er seit einigen Tagen wieder bei sich trug und stieg die Leiter hinab in den Koffer hinein. „Mr. Scamander?“, rief er hinein, doch niemand antwortete ihm. Wachsam wandte er sich am Fuß der Leiter herum. Er befand sich in einem kleinen Raum, der vollgestellt war mit allen möglichen Utensilien. Recht überschaubar, aber leer.
Percival bemerkte die Tür, die aus dem Raum herausführte und folgte ihr. Vorsichtig, wie er es in seiner täglichen Arbeit gewohnt war, trat er Schritt für Schritt in dieses fremde Terrain vor. Er war bereits einige Schritte gegangen, ohne auch nur ein Tierwesen zu Gesicht bekommen. Wo versteckten sie sich?
Percival drehte sich einmal um die eigene Achse und blieb dann erschrocken stehen. Sein Herz setzte einen Moment aus, als er ein kolossales Ding auf sich zu sprinten sah. Es war schnell und von massivem Körperbau. Vier Pfoten, eine Menge Gewicht. Der Boden bebte, als es näher rannte. Um sich zu verteidigen, hob Percival den Zauberstab.

*


Newt war in seinem Koffer. Um genau zu sein im Nifflergehege, wo er entspannt im Gras saß, nur in Hemd und Hose bekleidet. Der Niffler stand mit verschränkten Armen vor ihm und hatte den Kopf abgewandt, während Newt so freundlich auf ihn einredete wie möglich. „Nun komm schon... Es wäre ein absolut fairer Tausch. Du gibst mir eine Galleone und dafür gebe ich dir zwei Galleonen. Genau genommen ist es nicht mal fair, sondern du hättest sogar noch Gewinn gemacht!" Doch der Niffler hielt weiter den Kopf weggedreht und ignorierte ihn. Newt rollte seufzend mit den Augen. „Also wirklich... Meinst du nicht, es wäre an der Zeit die Schmollerei zu lassen? Ich habe nur die Silberlöffel von Tina aus deinem Bau geholt, sonst nichts! Und das Ganze ist nun schon zwei Tage her!"
Er hörte bereits, dass etwas nicht stimmte, als diverse Tierwesen um ihn herum unruhig wurden. Mit zusammen gezogenen Augenbrauen stand Newt auf und verließ das Nifflergehege. Kurz darauf hörte er das aufgebrachte Brüllen des Graphorns. Hastig eilte er um die Ecke. Das Gehege war nicht weit entfernt. Erschrocken erblickte er Mr. Graves - mitten im Gehege stehend mit gezogenem Zauberstab. Während das Graphorn bereits außer sich auf ihn zu rannte, sprintete Newt die paar Meter hinüber. „Wooooah!" rief er und sprang mit ausgebreiteten Armen vor Mr. Graves, um sich dem Tierwesen entgegen zu stellen. Das Tier bremste haarscharf vor ihm ab, scharrte aber immer noch aufgebracht mit den Hufen auf dem Boden und fixierte den ungebetenen Eindringling. „Ruhig… Alles gut, meine Große. Niemand tut dir etwas...“, beruhigte Newt das Graphorn mit sanften Worten und streckte eine Hand aus, woraufhin es schnaubend seine Tentakel um Newts Finger wand.
Von der Seite sah Newt, wie Mr. Graves langsam den Zauberstab sinken ließ. „Was ist das für ein Ding?“, fragte der Mann und trat einen Schritt zurück.
In dem Moment, in dem Mr. Graves sich bewegte, schnaubte das Graphorn drohend auf. Newt hielt eine Hand nach oben in die Richtung des Aurors und schaute aus dem Augenwinkel zu ihm. "Würden Sie sich bitte ruhig verhalten und nicht bewegen?" wies er ihn betont ruhig an, während er beruhigend über den Kopf des Tierwesens strich.
Er sah Mr. Graves die Stirn runzeln. „Mr. Scamander“, sagte er und nach dem ersten Schock schien seine Autorität zurückgekehrt zu sein, „Sie wissen, warum ich hier bin. Um Wesen wie dieses in das Register aufzunehmen, das ich bisher noch nicht von Ihnen erhalten habe.“
Newt strich weiter lächelnd über den Kopf des Tieres, das sich nun gegen seine Hand schmiegte. "Nun... eventuell sollten Sie sich dafür das nächste Mal ankündigen. Oder zumindest nicht einfach in das Gehege eines Graphorns marschieren, das gerade Junge geworfen hat. Ansonsten werden Sie mit Ihrem Register nämlich nicht viel weiterkommen als ein Graphorn“, antwortete er mit einem kleinen Schmunzeln während er nun über die Schulter zu Mr. Graves schaute.
Er sah deutlich, wie Mr. Graves mit sich rang. Seine Miene verfinsterte sich weiter und schon erwartete Newt, dass er ihm gleich weitere Vorhaltungen machte, doch stattdessen überraschte er ihn. „Wie viele Graphörner also?“, fragte er.
„Zwei ausgewachsene und zwei Jungtiere", antwortete Newt wahrheitsgemäß, während sich das Graphorn beschwichtigt abwandte und zurück zu seiner Höhle stapfte, aus der bereits neugierig die zwei Jungtiere herauslugten.
Newt wandte sich zu Mr. Graves um und bedeutete ihm, Newt zurück auf den Weg zu folgen. Dort angekommen rang er sich ein kleines Lächeln ab. „Sie haben sich also entschieden, mir persönlich bei dem Register zu helfen?"
„Es nachzuprüfen trifft es eher“, erwiderte Mr. Graves unüberhörbar distanziert, „Wenn ich schon einen Mann mit einem Koffer voll illegaler Tierwesen quer durch Amerika spazieren lasse, will ich mir den Koffer wenigstens angesehen haben...“ Er wies auf das Gehege der Graphörner. „Sie wissen, dass diese Wesen höchst illegal sind? Zahllose Tote, darüber hinaus nicht durch Magie zu bändigen… Ganz zu schweigen von dem Schwarzmarkt, der florieren wird, sobald dort bekannt wird, dass hier leibhaftige Graphörner sind. Haben Sie vor, sie zu verkaufen? An den Höchstbietenden?“ Sein durchdringender Blick traf Newt, der ihm bei den Worten geschockt entgegenschaute.
„Ich würde niemals eines meiner Geschöpfe verkaufen!“, antwortete er entrüstet. „Graphörner sind vom Aussterben bedroht. Man schätzt sie mittlerweile auf höchstens 30 Exemplare weltweit! Und daran sind nicht nur Ihr erwähnter Schwarzmarkt und die wertvollen Hörner Schuld, sondern vor allem Unwissenheit und unbegründete Panik vor einem an sich friedlichen Lebewesen. Panik, die zu einer regelrechten Ausrottung dieser Spezies geführt hat!"
Mr. Graves antwortete lange nichts auf seine Worte. Dann, als würde er sich mit der Antwort zufriedengeben, deutete er in eine Richtung. „Was liegt dort hinten?“, fragte er.
Newt, der wegen des neuen verbalen Angriffs auf seine Geschöpfe noch immer ein wenig beleidigt war, folgte unwillig Mr. Graves Blick in die gedeutete Richtung. „Die restlichen Gehege“, antwortete er ein wenig versöhnlich, „Möchten Sie, dass ich Sie herumführe?"
Mr. Graves nickte. „Das wäre hilfreich“, sagte er.
 
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