Firma Lausens bester Mann

GeschichteHumor / P12
24.11.2017
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Hannes Krabbe stand seit zehn Minuten im Büro der Küppers und starrte den riesengroßen Blutfleck auf dem Teppich an. Die Nachtschicht hatte gerade Übergabe gemacht und ihm mitgeteilt, dass sich dort in der vergangenen Nacht ein kleiner Unfall mit einem Betrunkenen ereilt hatte, der sich partout kein Blut abnehmen lassen wollte. Hannes schüttelte sich. Es sah aus, als hätte man jemanden umgebracht. Scheinbar hatte der Betrunkene sich auch noch übergeben, zumindest ließ der Geruch auf nichts Gutes deuten. Er überlegte, wie er das seiner Chefin beibringen sollte, als er bereits ihre Schritte auf dem Boden hörte. Er drehte sich um und lächelte sie verlegen an.

„Frau Küppers, Sie sind aber heute schon früh“, sagte er unverbindlich und versuchte, ihr den Blick zu versperren.

„Herr Krabbe, was ist das?“ fragte sie und deutet auf den großen Fleck auf dem Boden.

„Das ist ein Fleck, Frau Küppers“, antwortete er wahrheitsgemäß.

„Und warum ist der in meinem Büro?“, fragte sie tonlos.

„Weil die B-Schicht heute Nacht einen Betrunkenen bei Ihnen geparkt hat“, antwortete er und wich ihrem Blick aus.

Sie schaute ihn mit großen Auge an.

„Herr Krabbe, sie besorgen jetzt umgehend jemanden, der diese Sauerei beseitigt!“, befahl sie angeekelt und ging hinter ihm vorbei um die andere Tür in ihr Büro zu nehmen, denn ansonsten  hätte sie über den riesigen Fleck klettern müssen.

Zu der Sauerei kam noch hinzu, dass es erbärmlich stank und sie am Liebsten gleich wieder kehrt gemacht hätte. Sie öffnete das Fenster in ihrem Büro und nahm hinter ihrem Schreibtisch Platz. Glücklicherweise hatte sie jetzt die frische Luft von hinten, so dass es einigermaßen erträglich war. Sie konzentrierte sich auf ihre E-Mails und beschloss, die Dienstbesprechung besser im Bereitschaftsraum abzuhalten. Das hier konnte man eigentlich niemandem zumuten. In diesem Moment war sie sehr dankbar, dass kein Sommer war.

Dirk Matthies betrat den Wachraum und ließ ein lautes „Moin“ vernehmen. Krabbe hatte den Telefonhörer am Ohr und telefonierte lautstark. Er nickte ihm zu und sprach weiter mit der Person am anderen Ende der Leitung.

„Was soll das heißen, keine Kapazitäten? Aber das ist ein Notfall. Wir sind die Polizei und wir sind auch immer für alle sofort da und wir vertrösten auch niemanden auf den nächsten Tag!“, sagte er aufgeregt und versuchte scheinbar, sein Gegenüber dazu zu bewegen, ihm zu helfen.

Dann lächelte er.

„Ja gut, danke. In einer halben Stunde klingt gut“. Er legte auf und grinste.

„Moin, Dirk“, sagte er schließlich zu seinem Kollegen.

„Sach´ ma´, Dicker, was stinkt hier so?“ Dirk verzog das Gesicht.

„Das Büro von der Küppers“, gab Krabbe wahrheitsgemäß zurück und deutete zur offenen Tür.

Dirk schaute von seinem Kollegen zum Büro seiner Chefin und dann wieder mit fragendem Blick zu Krabbe.

„Wasn passiert? Ihat sie ´n Kater?“ er grinste anzüglich.

„Natürlich nicht“, gab Krabbe empört zurück und fuhr verschwörerisch fort: „Die B-Schicht hat heute Nacht einen Besoffenen in ihrem Büro geparkt, weil alles dicht war. Naja, gab ne riesige Sauerei bei der Blutabnahme, weil der Kerl es nicht mehr geschnallt hat und dann hat er auch noch gekotzt...“

Hannes´ Miene stellte Abscheu zur Schau. Dirk grinste.

„Scheiße“, antwortete er trocken.

„Jo“, sagte Krabbe.

„Ich muss mich mal Umziehen“, sagte Dirk dann und marschierte in Richtung Bereitschaftsraum, nicht ohne vorher kurz den Kopf in das Büro seiner Chefin zu stecken.

„Moin,  Frau Küppers“, er schaute sie an, grinste und lies beiläufig seinen Blick über die Auslegeware schweifen.

Der Teppichboden sah übel aus. Er mochte gar nicht so genau darüber nachdenken und der Geruch, der ihm entgegenschlug war übel. Er musste sich beherrschen, sich nicht zu übergeben.

„Hallo,  Herr Matthies“, sie sah von ihrem Rechner auf.

„Wen haben Sie denn umgebracht?“, fragte er schließlich, deutete auf den Boden und grinste.

„Wenn Sie so weitermachen, sind Sie sicher der nächste“, gab sie schlagfertig zurück und rollte mit den Augen.

Er setzte zu einer Antwort an, aber zog es dann doch vor, zu verschwinden. Krabbe tauchte hinter ihm im Türrahmen auf.

„Frau Küppers, ich hab die Firma Lausen angerufen, die schicken gleich jemanden vorbei“, berichtete er.

Sie nickte.

„Danke, Herr Krabbe. Ich hoffe, die kommen schnell“, fügte sie hinzu und atmete tief ein. Zum Glück saß sie am offenen Fenster.

Wenig später konnte sie beobachten, wie auf dem Parkplatz vor dem PK14 ein weißer Mini-Pickup parkte. Die Ladefläche war vollgepackt mit verschiedenen Koffern, Boxen und Reinigunsgeräten und die Seitenfläche zierte der Slogan „Für immer sauber“. Sie reckte den Hals, um den Wagen weiter beobachten zu können.

Zeitgleich standen Hannes und Dirk ein Zimmer weiter und schauten sich den Wagen an.

„Was ist das denn für ein Auto?“ fragte Krabbe irritiert und beugte sich nach vorne, um besser sehen zu können

„Is´n alter Fiat 147 Pickup“ gab Dirk fachmännisch zurück. „Die werden heute gar nicht mehr gebaut.“

Die Tür öffnete sich und ein Mann stieg aus. Er trug eine dunkelblaue Funktionsjacke mit schwarzem Kragen, eine robuste blaue Cargohose und eine passende blaue Mütze. Der lange Schnurrbart und der Pferdeschwanz rundeten das Bild ab.

„Der sieht auch so aus, als würde er heute gar nicht mehr gebaut werden“, murmelte Dirk.

Hannes musste lachen und setzte sich wieder an seinen Schreibtisch. Dirk tat gleiches. Da Paul heute einen Termin bei Gericht hatte, durfte er erst mal nicht auf den Bock und musste sich die Zeit im Wachraum vertreiben. Aber wenn er sich den Vogel da draußen so anschaute, war das vielleicht gar nicht schlecht, das versprach zumindest ein interessanter Vormittag zu werden.  

Kurz darauf betrat der Mitabeiter der Firma Lausen den Wachraum.

„Moin“, sagte er und schaute sich um.

Er hatte einen Koffer in der Hand und sondierte bereits den Raum.

„Mein Name ist Heiko Schotte, ich bin von der Spube“, stellte er sich vor und schaute Krabbe an, der inzwischen aufgestanden war.

„Spube?“, wiederholte Krabbe fragend.

„Ja, Spube“, antwortete Schotte und grinste.

„Sie wissen schon, es gibt die Spusi, das ist eher so Ihre Abteilung...“, begann er „und dann gibt es die Spube, das sind wir, “ erklärte er dann.

Als der Hüne am anderen Ende des Tresens ihn immer noch fragend ansah, beugte er sich vor und flüsterte

„Spurenbeseitigung, Firma Lausen“.

Hannes grinste als der Groschen fiel.

„Achso, von der Firma Lausen, ja dann. Hallo Herr Schotte, schön, dass es doch noch so schnell geklappt hat“, begrüßte er ihn und schob den Thekentisch nach oben.

„Kommen Sie, ich zeige Ihnen mal, worum es geht“, sagte er und ging auf das Büro der Küppers zu.

Schotte folgte ihm.

„Moin“, sagte er, als er sie erblickte.

„Guten Morgen“, gab sie kurz zurück und musterte den Mann.

Krabbe deutete auf den Fleck.

„Ja, also das müsste dann entfernt werden“ sagte er.

Heiko schotte betrachtete den Fleck und dann schaute er zu Krabbe auf.

„Ist kein Problem. Ich nehme an, Blut und Erbrochenes?“, fragte er.

„Sieht so aus,“ antwortete Krabbe.

Schotte nickte und sah sich um.

„Wo kann ich mich denn umziehen?“ fragte er dann.

Krabbe überlegte einen Moment.

„Kommen Sie mal mit“, sagte er dann.

Als er feststellte, dass die Toilette besetzt war, öffnete er ihm kurzentschlossen die Zelle.

„Hier, bitte“, er hielt ihm die Tür auf.

Schotte schaute sich um.

„Hier?“, er grinste, stellte seinen Koffer ab, stemmte die Hände in die Hüften und ließ seinen Blick neugierig durch den Raum wandern.

„Ist das ´ne echte Zelle?“, fragte er dann aufgeregt.
„Ja“, gab Krabbe zurück.

Was für eine blöde Frage? Herr Schotte schien das komisch zu finden.

„Ja“, er grinste übers ganze Gesicht.
„Dann zieh ich mich mal um“, sagte er dann und öffnete seine Jacke.

Krabbe schloss die Tür hinter ihm.


Als sich die Tür hinter ihm schloss grinste Heiko Schotte übers ganze Gesicht. Er war in einer echten Zelle. Wie cool war das denn? Endlich mal bei der echten Polizei und nicht immer nur am Tatort! Er schaute sich um und nahm alles genau unter die Lupe. Das Waschbecken, die Toilette, die Pritsche mit der Decke und die Schmierereien an der Wand und die vergitterten Fenster. Er kam sich vor wie ein echter Verbrecher und stellte sich vor, wie das so wäre, wenn er verhaftet und hier eingesperrt worden wäre. Darauf wartend, dem Haftrichter vorgeführt zu werden. Für einen Moment ging seine Fantasie mit ihm durch und er war einer von den ganz harten Kerlen.

Er holte sein Handy aus der Tasche und rief dann erst mal Merle an, die würde ihm doch nie glauben, wo er gerade war.

„Weißt Du, wo ich bin? Das errätst Du nie! Ich bin gerade im Knast“, sagte er und versuchte, seiner Stimme einen ganz besonders verwegenen Klang zu geben.

„Du bist was?“ fragte Merle am anderen Ende der Leitung und fragte ihn im nächsten Satz, ob er komplett bescheuert wäre.

„Nee echt, Du, in der Zelle...“ fuhr er fort aber da hatte sie schon aufgelegt.

Was hatte sie denn? War doch total spannend!
Er hörte er ein Geräusch draußen auf dem Gang und begann, sich umzuziehen. Wenig später trat er von der Zelle in den Gang.  Trug seinen weißen Overall, Gummihandschuhe und Überzüge an den Schuhen. Die Mütze hatte er auch abgenommen. Als er durch den Gang zurück zu seinem Arbeitsplatz wanderte, fühlte er alle Blicke auf sich liegen. Er bemerkte, dass der große Rotblonde ihn beobachteten, genauso wie der ältere mit den dunklen Haaren, der weiter hinten saß. Sollten sie nur. Das war eben sein Job. Er hatte auch eine Ausbildung gemacht!

Die Frau hinter dem Schreibtisch war scheinbar die Chefin. Das erkannte er daran, dass sie ein eigenes Büro hatte und keine Uniform trug, war ihm gleich aufgefallen. Sie musste die Chefin sein. Sowas merkte man ja. Er fing langsam an, den Fleck mit kaltem Wasser einzusprühen.

„Brauchen Sie noch etwas?“, fragte sie ihn plötzlich.

„Nein, ich hab alles“, gab er zurück.
„Ist ja auch mal schön, nur einen Fleck zu haben und nicht so wie sonst, Leichenteile oder eklige andere Dinge“, sagte er dann.

Sie sah kurz auf, aber ignorierte ihn. Er machte sich weiter am Fleck zu schaffen und sie schaute weiterhin auf ihren Monitor. Sie beobachtete ihn. Er schien den Fleck fachmännisch zu reinigen. Sie hoffte, dass er schnell damit fertig war und sie endlich wieder ihre Ruhe hatte. Außerdem wurde es durch das offene Fenster langsam frisch in ihrem Büro.

Es dauerte nicht lange und Hannes Krabbe stand in der Tür. Sie schaute auf

„Frau Küppers, sie wollten doch die Akte von den Banküberfällen bei der Haspa haben“, sagte er und hielt die Akte hoch.

„Ja, danke“, sagte sie.

Krabbe stieg umständlich über Schotte hinweg und legte ihr die Akte auf den Schreibtisch.
„Danke, Herr Krabbe“, sie schaute kurz zu der Mappe.

„Da fehlt aber noch was, oder? Ich wollte die andere Akte über die Einbrüche vor ein paar Jahren auch“, sagte sie tonlos.

„Ach stimmt, Frau Küppers, hab ich vergessen“, antwortete er beschwichtigend und wandte sich zum gehen.

„Bring ich Ihnen gleich“, prophezeite er.

Diesmal wollte er durch die andere Tür hinaus.

„Herr Krabbe, schicken Sie mir bitte mal Herrn Matthies rein“, sagte sie als er den Raum verließ.

Kurz darauf betrat Dirk das Büro. Er kam gleich durch den anderen Eingang, damit er Schotte nicht beim Arbeiten störte. Er stand etwas unbehaglich vor ihrem Schreibtisch. Sie sah zu ihm auf.

„Herr Matthies“, ihre Stimme klang sehr ruhig.

„Ich warte seit einer Woche auf den Bericht von Ihnen, über den Vorfall im Museumshafen. Wo ist der?“, fragte sie.

Er zuckte mit den Achseln und grinste verlegen.

„Also Frau Küppers, ich hab das... ich hab das..“ stammelte er.

„Herr Matthies?“ unterbrach sie ihn.

„Ich hab das noch nicht geschafft bisher“, stieß er hervor.

„Sie hatten eine ganze Woche Zeit und haben es noch nicht geschafft, mir Ihren Bericht ´reinzureichen?“ fragte sie und runzelte die Stirn.

„Herr Dänning ist heute morgen bei Gericht. Da haben Sie ja Zeit“, sagte sie dann.

Er schnaubte.

„Haben Sie ein Problem damit?“

„Nein, natürlich nicht“.

Er zog den Kopf ein und verließ ihr Büro.

Schotte drehte sich um und grinste sie an.

„Sie sind hier die Chefin, ne?“, stellte er fest.

Sie schaute ihn an und runzelte die Stirn.

„Ich bin die Leiterin dieses Reviers, wenn Sie das meinen“, gab sie zurück.

„Sie haben ihre Mitarbeiter echt im Griff, die kuschen ja alle vor ihnen“, sagte er dann und wandte sich wieder dem Fleck zu.

Sie stand auf, faltete die Hände hinter dem Rücken und ging zu ihm. Betrachtete den schwindenden Fleck und seine Arbeit. Er schaute zu ihr auf und ihre Blicke trafen sich kurz. Sie öffnete den Mund, als wollte sie etwas sagen, überlegte es sich dann aber anders und verließ den Raum.

Krabbe kam auf ihn zu.

„Brauchen Sie noch was? Warmes Wasser, oder so?“ fragte er freundlich.

„Um Gottes Willen, das sind Blutflecken, da kann man nur mit kaltem Wasser dran!“ bekam er als Antwort.

„Meine Mutter macht ja so Flecken mit Aspirin ´raus“, gab der Polizist zurück.

„Ja“, antwortete der Tatortreiniger.

„Das ist n gutes Hausmittel. Das ist ja Blutverdünner“.

„Stimmt“, gab Krabbe zurück und grinste.

„Wichtig ist, dass man nachher die Enzyme aufspalten kann, damit die rote Farbe weggeht“, fuhr der andere fort.

„Ach, das ist ja interessant“, Krabbe bückte sich, um den Fleck ein Bisschen genauer in Betracht zu nehmen.

„Man sieht ja fast nichts mehr“, sagte er dann erstaunt.

Schotte nickte. „Ich bin noch nicht fertig“, gab er dann zurück.

Dirk, der die Unterhaltung von seinem Schreibtisch aus mithören konnte, rollte mit den Augen.

Der Fleck musste einwirken. Schotty wandte sich an Krabbe. Er ging salopp zum Du über. „Sach ma, kann ich hier irgendwo Mittach machen, so lange der Fleck einwirkt?“, fragte er.

Krabbe nickte. Schotte hatte den Reißverschluss seines Overalls so weit nach unten gezogen, dass er den Blick auf ein dunkelblaues Shirt mit V-Ausschnitt und das massive Goldkettchen, dass diesen zierte, freigab.

Er schaute Krabbe fragend an und der begleitete ihn in den Aufenthaltsraum.

„Hier kannst Du in Ruhe Mittag machen“, sagte er.

„Danke!“, er schaute sich um und holte eine Stulle aus seiner Brotdose.

Dann goß er sich einen Kaffee aus der Thermoskanne ein.

„Sach ma, Kollege, was war das denn eigentlich für ein Unfall? Der große Fleck da? Hat Eure Chefin jemanden umgebracht, weil er nicht gemacht hat, was sie wollte?“, fragte er dann grinstend.

„Nein!“ antwortete Krabbe. „Da ist gestern ein Besoffener n Bisschen ausgerastet“, berichtete er dann.

„Achso“, Schotte nickte und biss in sein Brot.

Die Tür öffnete sich und der andere Polizist kam rein, sagte „Mahlzeit“ und marschierte zur Kaffeemaschine.

„Mahlzeit!“ gab Schotte zurück und biss ein zweites Mal in sein Brot.

Er schaute sich um und entdeckte den St. Pauli Wimpel, der neben der Tür hing.

„Oh, Ihr seid Pauli Fans“, sagte er dann und hoffte, dass niemand seine HSV-Socken gesehen hatte.

Er setzte sich hin und schob seine Beine unauffällig unter den Tisch.

„Jo“, gab Dirk zurück und holte sich eine Tasse aus dem Schrank.

Schotte grinste dümmlich. Mit dem Kollegen wollte er lieber keine Grundsatzdiskussion über Fussball anfangen und so wandte er sich wieder Krabbe zu.

„Eure Chefin scheucht Euch ganz schön rum, wa?“ er grinste.

„Och... „, brabbelte Krabbe verlegen.

„Sie ist ´ne gute Chefin“, kam es von der Kaffeemaschine.

„Aber ganz schön tough, wa?“ er grinste und trank einen Schluck Kaffee.

Krabbe grinste verlegen und nickte.
„Boah die ist bestimmt voll der Feger im Bett“, sagte Heiko dann.

Im gleichen Augenblick musste Dirk husten, weil er sich an seinem Kaffee verschluckt hat. Krabbe starrte Schotte an. Dirk ging ein paar Schritte auf ihn zu. Was zu weit ging, ging zu weit. Er atmete tief durch und schaute dem Tatortreiniger ins Gesicht.

„Sach ma hast Du was mit der oder was?“, fragte dieser .

Als Dirk zu einer Antwort ansetzen wollte, öffnete sich die Tür und zwei weitere Kollegen traten ein.

„Mahlzeit“ sagte Nina und ging voran.

Daniel trottete ihr hinterher. Sie ging zum Kühlschrank und nahm sich einen Fertigsalat heraus, stellte ihn auf den Tisch und suchte im Schrank nach Besteck. Daniel holte sich seine Brotdose und setzte sich auf den Platz neben ihr. Beide sahen Schotte erwartungsvoll an. Er schluckte den Bissen herunter und stellte sich vor.

„Ich bin Heiko Schotte, meine Freunde nennen mich Schotty. Ich hab den Fleck weggemacht“, gab er zum Besten.

„Welchen Fleck denn?“, fragte Daniel neulich.

„Das Massaker bei eurer Chefin“, antwortete Schotte und schaute Nina an.

Er musterte sie aufdringlich und lächelte.

„Die Nachtschicht hat einen Besoffenen bei der Küppers reingesetzt weil sonst nichts mehr frei war und das ging wohl schief beim Blutabnehmen“, informierte Hannes sie.

„Achso... und Du hast das dann weggemacht“, Nina schaute Heiko interessiert an.

„Genau“, er nickte stolz.

„Dann bist Du sowas wie ´n Putzmann?“, fragte Daniel ihn.

„Wäh?“, fragte Schotte und schaute ihn verdutzt an.

„Nein“, gab er empört zurück und zog die Augenbrauen hoch.

„Also ja“, sagte er dann und kniff kurz die Augen zusammen.

„Ich bin eigentlich Tatortreiniger“, erklärte er dann.

„Ah so einer, der die richtig fiesen Sachen wegmacht?“, fragte Nina neugierig.

„Genau. Mein Job fängt da an, wo sich andere Leute vor Entsetzen übergeben“, verkündete er dann.

„Ah!“, Nina lächelte verhalten. Der Typ kam ihr spooky vor.

Er zwinkerte ihr zu. „Kannst ruhig Schotty zu mir sagen“, sagte er dann.

Ein Telefon klingelte. Unverkennbar die Titelmelodie vom Tatort. Er ging ein paar Schritte zurück und holte das Telefon aus der Hosentasche.

„Ja Schotty hier?“begann er.

„Ja, bin fast fertig, fahr danach gleich zurück“, gab er Bericht.

„Ja, Tschüss“, er legte auf und straffte die Schultern.

„Ja, dann muss ich mal wieder!“, sagte er „War nett, Euch kennenzulernen“, sagte er dann, schnappte sich seine Brotdose und die Thermoskanne und verließ den Aufenthaltsraum.

Schotte ging wieder an seinen Arbeitsplatz und begann, die restlichen Spuren des Fleckes zu entfernen. Er bürstete rhythmisch auf dem Teppich herum. Zunächst ignorierte sie das, aber irgendwann ging es ihr nur noch auf die Nerven, spätestens als er anfing, leise vor sich hin zu summen. Dieser Mann war es scheinbar gewöhnt, alleine zu arbeiten. Sie räusperte sich.

„Tschulligung“, er drehte sich um und lächelte „Wenn ich arbeite, dann muss ich immer summen, tut mir leid“, sagte er entschuldigend und machte weiter.

„Ist schon gut“, sie ließ den Kugelschreiber fallen und verließ den Raum

Schließlich hatte auch sie ein Recht auf eine Mittagspause.


Dirk ging durch den Gang und hörte ein seltsames Geräusch aus der Zelle. Er wusste, dass niemand drin sein sollte. Die Tür war auch nicht verschlossen, also zog er sie auf und späte vorsichtig in den Raum. Der Anblick, der sich ihm bot, ließ ihn schmunzeln. Frau Küppers saß auf der Pritzsche und lehnte sich gegen die Wand. Sie hatte die Augen geschlossen und atmete gleichmäßig, schien aber nicht zu schlafen. Als sie ihn hörte, öffnete sie die Augen.

„Was machen Sie hier, Herr Matthies?“, fragte sie spitz, als sie ihn grinsen sah.

„Das gleiche wollte ich Sie auch gerade fragen, Frau Küppers“, sagte er.

Sie schaute sich um und massierte sich mit einer Hand den Nacken, bedeutete ihm, einzutreten und die Tür zu schließen.

„Dieser Mann macht mich wahnsinnig. Ich brauchte mal einen Moment Ruhe!“, gab sie dann zu.

Dirk grinste.

„Is´n Bisschen speziell der Kollege, oder?“, sagte er dann.

Sie nickte und lächelte entschuldigend. Er ging zu ihr und nahm neben ihr auf der Liege Platz. Sie rutschte ein Stück beiseite, schlug die Beine übereinander und sah ihn an.

„Naja, manchmal muss man sich eben einen Augenblick zurückziehen, wenn einem alles auf die Nerven geht“, sagte er dann leise.

Sie lächelte und schaute ihn an.

„Ja, muss man wohl“, antwortete sie und wurde sich plötzlich der Nähe bewusst.

Eine verlegene Stille entstand.

Ein Geräusch an der Tür ließ sie zusammenzucken. Die Tür wurde geöffnet und vor ihnen stand Schotte. Er schaute Dirk an.

„Also doch, wäh?“, er zwinkerte ihm zu.

Dirk rollte mit den Augen und Frau Küppers guckte irritiert.

„Entschuldigung, ich wollte mich nur umziehen“, sagte Schotte dann.

„Ja, können Sie ja auch“, sagte sie und sprang förmlich auf. Sie ließ die beiden Männer einfach stehen und verließ den Raum. Dirk folgte ihr ein paar Sekunden später.

Als er sich umgezogen hatte, trug er wieder Cargohose, Funktionsjacke und Mütze. Er ließ sich von Krabbe die Rechnung unterschreiben und ging kurz zu Nina, die gerade an ihrem Schreibtisch saß.

„Ich wusst echt nicht, dass Engel auch bei der Polizei arbeiten dürfen“, sagte er zu ihr.

Sie schaute ihn an und grinste. Daniel, der ihr gegenüber saß, prustete los, während Heiko Schotte ihr seine Visitenkarte auf den Schreibtisch legte.

„Da hinten steht meine private Handynummer drauf“, sagte er leise und drehte sich um.

Hinter seinem Rücken trafen sich die Blicke von Nina und Daniel, beide kurz davor, in Lachen auszubrechen. Er schaute kurz zu Dirk und grinste.
„Feger, wa!“ sagte er und deutete auf das Büro der Chefin.

Dirk schaute ihn an und atmete tief durch.

„Mach Dich vom Acker, Du Klappstuhl“, murmelte er und widmete sich wieder seinen Akten.

Kurz darauf belud Schotte  die Ladefläche  mit Koffer und Putzzeug. Krabbe und Dirk schauten aus dem Fenster und beobachteten ihn dabei.

„Komischer Vogel“ murmelte Dirk und Hannes nickte.

„Dirk, was meinte der denn eben mit Feger?“, fragte er neugierig.

„Dicker, Du darfst alles essen, aber nicht alles wissen“, gab Dirk zurück und räusperte sich.

Als Krabbe ihn enttäuscht ansah, fügte er hinzu: „Naja, Feger eben, wie Besen oder so...“ und ging zurück zu seinem Schreibtisch.

„Aber immerhin ist der Fleck weg!“, sagte Krabbe und ging ebenfalls zurück. „Firma Lausen, sollte man sich merken...“

Die Anmerkungen dieses Mal zum Schluss :
- Es ist nur ein Kapitel und es war einfach mal eine Idee
- Und an dieser Stelle ein Dankeschön an OakHillsDrive, die mir
 geholfen hat, die kleine Shipper-Szene "rund" zu kriegen!  (Man
 muss ja seiner Linie treu bleiben ;) )
- Die Geschichte spielt am Anfang der 26. Staffel.
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