Geschichte: Fanfiction / Bücher / Perry Rhodan / Bambi

Bambi

von sharon62
GeschichteSci-Fi, Übernatürlich / P12
Atlan da Gonozal OC (Own Character) Perry Rhodan
23.11.2017
18.12.2017
5
19.758
2
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23.11.2017 2.880
 
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Dies ist eine weitere Geschichte aus dem Perry-Rhodan-Universum. Sie spielt fast ausschließlich (bis auf den Schluss) im Flaggschiff Crest XII. Die Terraner werden mit einer geheimnisvollen Frau konfrontiert, die zu einem Schützling der Schiffsmannschaft wird.

Ich werde versuchen, jede Woche ein Kapitel hochzuladen

Viel Freude beim Lesen und wie bei allen anderen Storys auch: ich würde mich riesig über Kommentare/Meinungen/Kritiken freue.


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Perry Rhodan beugte sich über den Kartentisch und lauschte konzentriert den Ausführungen Major Russons. Das vor ihnen liegende Gebiet war gefährlich, und schon viele Raumschiffe waren hier verschollen. Diese Expedition sollte endlich eine großflächige Kartographierung ermöglichen, auch wenn das eine monatelange Abwesenheit von Terra bedeutete. Doch die politische Lage war ruhig, es war nicht notwendig, dass er sich dort aufhielt.
Ganz kurz genoss Perry die heimliche Wärme, die ihn wie immer durchflutete, wenn er an seine Heimat, den Planeten Terra, dachte. Schon vor langer Zeit hatte er sich dem Schutz und Wohl dieser Welt verschrieben – und es bisher niemals bereut. Terra hatte erste Priorität in seinem Leben.
Rasch wandte er seine Konzentration wieder dem Major zu, der einen möglichen Kurs durch das kosmische Staubgebiet beschrieb. Niemand hatte sein gedankliches Abschweifen bemerkt. Nur der Arkonide Atlan warf ihm einen humorvollen Blick zu und zog kurz die Augenbrauen hoch. Perry gab den Blick äußerst bissig zurück, was Atlan mit einem breiten Schmunzeln quittierte.
Ein erschrockener Ruf ließ die Männer aufblicken. Die Offiziere der Crest XII starrten auf ein seltsames Gebilde mitten in der Zentrale. Eine eigenartig leuchtende Kugel erschien aus dem Nichts heraus, wurde rasch fast raumhoch und weitete sich zu einem Umfang von etwa drei Metern aus. In der Mitte bildete sich ein feuerfarbener Riss, der sich zu einem großen Oval öffnete. Dahinter schien etwas zu sein – etwas das eindeutig nicht zur Zentrale des Raumschiffes gehörte. Das Ganze hatte keine drei Sekunden gedauert. Dann traten fünf Männer aus der Öffnung der Kugel. Männer mit Waffen in den Händen.
„Was zum …. Wer sind Sie und wie sind Sie hierhergekommen?“ Perry Rhodan trat auf die Männer zu. Der ihm am nächsten stehende drehte sich zu ihm, sein Gesicht war abweisend: „Geh zurück, Barbar.“
Barbar? Wenn der Kerl ihn damit beleidigen wollte, war er an den Falschen geraten. Perry griff nach dem Arm des Mannes – und starrte verblüfft auf seine Hand. Die drang ohne jeden Widerstand durch den Körper des Fremden hindurch. Ein Faustschlag trieb Perry die Luft aus den Lungen und ließ ihn rücklings taumeln.
Ein anderer der Fremden wandte sich ihnen zu: „Verhaltet euch ruhig. Wir sind nicht wegen euch hier.“
Perry Rhodan rang kurz nach Atem und schob die Offiziere beiseite, die sich sofort vor ihn gestellt hatten. „Ich bin in Ordnung.“ Stirnrunzelnd rieb er sich die Brust, die von dem harten Schlag schmerzte.
„Immateriell?“ staunte Atlan leise.
„Ja, aber offensichtlich nur einseitig. Wie immer das auch möglich sein soll“, brummte Perry.
Die flammende Öffnung hatte sich inzwischen bei einer Größe von circa drei Metern stabilisiert – fast ebenso groß wie die gesamte leuchtende Kugel, die damit zu einer Halbkugel geworden war. Darin tauchte jetzt ein weiterer Mann auf. Er trug ein langes, dunkles, mantelartiges Gewand, das mit verschiedenen hell schimmernden Verzierungen geschmückt war. Hinter ihm konnten die Terraner – und der Arkonide – nun einen Raum mit einem rötlichen Fußboden erkennen.
Zögernd blieb der Mann mehrere Schritte vor dem Riss stehen und sah zweifelnd und erkennbar unruhig zu ihnen. Die Bewaffneten verteilten sich entlang der Öffnung.
„Der Durchgang ist sicher. Die Barbaren stellen keine Gefahr dar“, meldete einer von ihnen.
Langsam trat der Mann näher an die Öffnung, blieb jedoch noch innerhalb des fremdartigen Raumes stehen. Sein Blick wanderte über die leicht wabernden Ränder der Öffnung und wurde ängstlich, als er die Offiziere der Crest XII musterte. Dann riss er sich zusammen und straffte die Schultern.
„Bringt den ersten her!“, befahl er.
Ein hochgewachsener Mann, flankiert von zwei Wachen tauchte auf. Als er die Öffnung erkannte, wurde er bleich. „Revano! Ich habe nichts getan. Das kannst du nicht machen“, stieß er hervor.
Die schimmernden Verzierungen des Mantels warfen bizarre Lichtreflexe auf die flammende Öffnung, als der Angesprochene sich dem Ankömmling zuwandte. „Du wirst mich als Herrscher anerkennen und mir Treue schwören“, verlangte er. „Es sei denn, du willst dort hindurchgehen.“ Ein zufriedenes Lächeln huschte über sein Gesicht, als er das Grauen in den Augen des anderen sah.
Perry Rhodan beobachtete das Geschehen fasziniert. Anscheinend wurden sie als Druckmittel benutzt. Warum der Mann die Terraner so fürchtete, war nicht erkennbar. Doch auch Revano selbst war der Durchgang zur Crest XII unheimlich. Das war eindeutig.
Der Mann gab sehr schnell nach und beteuerte seine Gefolgschaft zu Revano. Dann wurde er fortgeführt. Die Wachen führten auf diese Weise einen Fremden nach dem anderen vor Revano. Jeder schien die flammende Öffnung zu fürchten. Nur wenige versuchten, Widerstand zu leisten und den Treueschwur zu vermeiden. Doch Revano, der mit jedem Sieg selbstsicherer wurde, brach ihren Trotz schnell.
Perry Rhodan ging langsam um die Öffnung herum. Von der anderen Seite sah es immer noch wie eine blendend helle Kugel aus, die sich mitten in seiner Zentrale manifestiert hatte. Er hütete sich, das Gebilde zu berühren. Er hatte nur eine vage Vorstellung, mit welchen Energien hier gearbeitet wurde, doch er konnte sich vorstellen, dass sie tödlich waren. Schließlich stellte diese Kugel offensichtlich eine Verbindung zwischen zwei Welten dar.
Als er wieder vor die Öffnung trat, führten die Wachen wieder jemanden heran. Obwohl auch in dessen Augen die Furcht deutlich erkennbar war, blieb er hochaufgerichtet vor Revano stehen. „Das wagst du nicht. Nur die Weisen dürfen eine Verbannung aussprechen.“
Revano lächelte kalt und ließ einen schmalen Becher bringen. Sein Gegenüber wurde nun doch totenbleich. „Ich herrsche hier und es geschieht genau das, was ich will. Entweder du wirst mein Gefolgsmann, oder du wirst das trinken.“
Die Wachen zerrten den Mann bis dicht an die Öffnung. Erst dort sackte er zusammen und gab auf. Mit gesenktem Kopf wandte er sich schließlich ab, nachdem auch er den Schwur geleistet hatte. Revano lächelte zufrieden. Sein Blick glitt über einen Bereich des Raumes, der außerhalb der Öffnung lag und damit von den Männern der Crest XII nicht mehr eingesehen werden konnte.
„Niemand wird es jetzt noch wagen, an meinem Status zu zweifeln. Ich werde über die Welt herrschen.“
Nur eine einzige Stimme antwortete ihm. Sie gehörte eindeutig dem letzten der vorgeführten Männer. Perry konnte ihn nicht sehen, stellte für sich aber fest, dass vermutlich die ganze Gruppe noch in dem Raum war.
„Unser Treueschwur wird dir nichts nützen. Der Wettstreit wird zeigen, wer über die Welt herrscht.“
„Es wird keinen Wettstreit geben. Jeder wird mich als Herrscher anerkennen“, widersprach Revano. Er richtete sich hoch auf. „Holt die Gefangene her!“
Mittlerweile standen alle Offiziere der Crest XII vor der Öffnung und beobachteten die seltsamen Vorgänge dort drinnen. Jeder von ihnen riss die Augen auf, als sie die Gestalt sahen, die nun hereingeführt wurde.
Ein anscheinend dicker, sackähnlicher Stoff war über Kopf und Oberkörper gestülpt, der mit breiten Riemen um den Oberkörper gebunden war. Dadurch wurden auch die Arme eng an den Körper gefesselt. Die Hände, von der jede einzelne ebenfalls von diesem Stoff umhüllt wurde, waren hinter dem Rücken gebunden. Auch die Füße waren mit breiten Riemen gefesselt, so dass die Gestalt nur kleine Schritte machen konnte. Drei Wachen führten sie herein. Zwei, die ihre Arme hielten, und einer ging dicht hinter ihr. Alle drei hielten dolchähnliche Waffen in den Händen, die den Körper der Gefangenen berührten, so dass diese die Klingen mit Sicherheit spüren konnte.
„Wer immer das ist, der Kerl hat eine höllische Angst vor ihr“, stieß Atlan bei dem Anblick hervor.
Revano warf ihm daraufhin einen wutentbrannten Blick zu, der Perrys Mundwinkel zucken ließ. Da hatte der Arkonide wohl voll ins Schwarze getroffen.
„Nehmt ihr das ab und lasst sie sprechen!“
Die Wachen öffneten die breiten Riemen und zogen den Stoff weg. Eine schmale, zierlich gebaute Frau kam zum Vorschein. Auffallend waren an ihr hauptsächlich ihre Haare. Dunkel, fast schwarz fielen sie ihr bis auf die Schultern. Doch befanden sich viele helle, fast leuchtende Strähnen darin. Der feste Knebel hatte die Mundwinkel wund gerieben. Die Frau blinzelte einige Male, um die Augen an das Licht zu gewöhnen, während die Wachen auch die restlichen Fesseln öffneten.
Ruhig sah sie Revano an, dann wanderte ihr Blick weiter zu der flammenden Öffnung. Auch jetzt zeigte sich keine Regung in ihrem Gesicht. Atlan wunderte sich, entweder fürchtete sich diese Frau tatsächlich nicht davor – wie sonst alle anderen – oder sie besaß eine erstaunliche Selbstbeherrschung. Die Frau musterte die Männer in der Zentrale. Als ihr Blick über Perry und Atlan wanderte, zeigte ein ganz leichtes Zucken der Augen, dass auch sie die Bemerkung gehört und verstanden hatte – und sich anscheinend darüber amüsierte.
Schließlich wandte sie sich wieder Revano zu. Perry staunte heimlich. Die Situation sah inzwischen immer grotesker aus. Die Frau, eindeutig gefangen und in keiner beneidenswerten Lage stand völlig ruhig und gelassen da. Revano hingegen hatte mit jeder Sekunde mehr von seiner Selbstsicherheit verloren und wirkte immer nervöser. Er schien darauf zu warten, dass die Frau zu sprechen begann. Die jedoch dachte gar nicht daran und musterte ihn abschätzend und stumm.
„Ich bin der Herrscher der Welt. Du wirst das anerkennen und mir Treue schwören“, stieß er schließlich schroff aus.
Die Antwort kam ruhig und gelassen: „Der Wettstreit wird entscheiden, wer Herrscher wird. Zeige mir, dass du das Licht rufen kannst. Und dass es bei dir heller leuchtet als bei mir. Dann werde ich mich zurückziehen und dich als Herrscher akzeptieren.“
„Es wird keinen Wettstreit geben. Das Volk wird mich akzeptieren, wenn du es tust. Und du wirst mir hier und jetzt Treue schwören. Oder ich verbanne dich. Niemand wird und kann dir helfen. Die Fürsten haben sich schon zu mir bekannt. Du hast keine Wahl.“
Die Frau drehte sich um. Eine ganze Weile blickte sie in einen Bereich des Raumes, den Perry nicht sehen konnte. „Furcht ist ein unzweckmäßiges Mittel, um Gefolgsleute um sich zu scharen“, bemerkte sie dann leise. „Sie werden dir folgen, doch ich bezweifle, dass du vertrauenswürdige Gefolgsleute mit ihnen hast.“
Niemand bemerkte die kleinen Handbewegungen der Frau. Ihre Fingerspitzen begannen leicht zu glitzern. Sie schloss wie beiläufig die Hände zur Faust, ehe sie sich wieder Revano zuwandte: „Ich werde dich nicht anerkennen.“
„Du hast keine andere Wahl. Willst du verbannt werden? Du wirst dann alles verlieren. Niemand kann bei den Barbaren leben.“ Revano konnte eine leise Unsicherheit nicht ganz verbergen.
Wieder sah die Frau zu den Männern der Crest XII. Ihr Blick war nachdenklich. Doch noch ehe Perry etwas sagen konnte, wandte sie sich wieder ab. Leicht lächelnd antwortete sie: „Träger des Lichts überleben sehr viel.“
„Ich bin der Träger des Lichts! Du bist nicht einmal reinen Blutes.“
„Das stimmt“, bestätigte die Frau immer noch völlig ruhig. „Doch danach wird nicht gefragt. Herrscher wird, wer das Licht in sich trägt. Beweise mir, dass du das Licht herbeirufen kannst. Bis jetzt hat dies noch niemand gesehen. Von mir wissen die Leute jedoch, dass ich diese Fähigkeit habe.“
„Das brauche ich nicht beweisen. Diese Männer folgen mir, das reicht dem Volk aus, mich anzuerkennen. Und nun wähle …“ Eine rasche Handbewegung ließ einen der Wachen herbeieilen und einen kleinen Tisch neben den Mann stellen. Ein Becher stand darauf.
Die Frau lächelte sarkastisch. „Und wie willst du mich dazu zwingen, das zu trinken? Willst du es mir einflößen?“
Ein lauter Ruf verhinderte Revanos Antwort. „Lasst mich. Illana! Nein!“ Eine kleine Gestalt stürzte herbei – ein Kind. Perry Rhodan schätzte das Mädchen auf etwa zehn oder elf Jahre. Die Frau verlor schlagartig jede Gelassenheit. „Flämmchen!“, stieß sie hervor. Die Wachen hielten das Kind fest, bevor es die Frau erreichen konnte.
„Lasst sie los!“ Die Frau wirbelte zu Revano herum. Ihre Augen blitzten wutentbrannt und entsetzt zugleich. „Wie kannst du es wagen, Flämmchen hierher zu bringen?“
„Das war ich nicht.“ Der Mann stotterte fast. „Sie muss von selbst gekommen sein.“
Das Mädchen wand sich aus den Händen der Wachen, die es nicht wagten, allzu fest zuzugreifen.
„Loslassen!“ Das kam so gebieterisch, dass die Wachen unwillkürlich von der Frau zurückwichen. Sie trat einen Schritt vor und fing das Kind ab, bevor es weiter auf die Öffnung zulaufen konnte. „Nein, Flämmchen. Du gehst sofort zurück.“
„Nein. Ich bleibe bei dir“, widersprach das Mädchen. „Wie konntest du es wagen, Illana gefangen zu nehmen?“ Wütend sah sie Revano an. Der war bleich geworden.
„Er hatte Hilfe“, kam die leise Antwort von der Frau. „Ich wurde verraten. Sonst wäre es ihm nie gelungen, mich zu überwältigen.“
„Verraten?“ Erschrocken sah das Kind sie an. „Vom wem?“
Illana schüttelte den Kopf. „Es ist nicht deine Aufgabe, das zu wissen, Flämmchen.“
„Er darf das nicht.“
Jetzt spielte ein kleines, aber resigniertes Lächeln um den Mund der Frau. „Er hat es schon getan, Kleines. Und ich werde ihn nicht daran hindern können, sein Vorhaben durchzuführen. Und du darfst es auch nicht. Das ist nicht deine Aufgabe.“
„Dann komme ich mit dir! Ich gehöre zu dir, nicht zu ihm!“
Wieder schüttelte die Frau den Kopf. Sie legte dem Mädchen den Finger auf die Lippen, um es am Sprechen zu hindern. „Nein, höre mir jetzt zu. Ich brauche dich jetzt.“ Leicht fuhr sie über die Wange des Kindes. Wieder funkelten ihre Fingerspitzen unmerklich. Das Mädchen riss die Augen auf, doch der zwingende Blick der Frau ließ sie schweigen.
„Ich hätte dir gerne mehr Zeit gelassen.  Damit du spielen, tanzen und springen kannst, wie es dir gefällt. Aber es soll nicht sein. Jetzt musst du beginnen, das Volk zu schützen. Es wird dich brauchen. Er wird ein schlechter Herrscher sein. Du musst bereit sein, alles zu tun, um Schutz zu gewähren. Du musst beginnen, deine Verantwortung zu tragen, Flämmchen.“
Verzweifelt sah das Kind sie an: „Aber es muss einen Weg geben. Er darf nicht Herrscher werden. Du bist die Herrscherin. Ich werde allen sagen, was er getan hat.“
„Das wirst du nicht“. Die Frau ließ sich auf die Knie nieder, so dass sie genauso groß war wie das Kind. Zwingend sah sie ihr in die Augen. „Das Volk braucht einen Herrscher. Wir können nicht ohne existieren. Selbst wenn es ein schlechter ist. Und es ist deine Aufgabe, dem Volk zu dienen, nicht dem Herrscher. Du darfst dich nicht einmischen. Tu, was du tun musst, um Schutz zu gewähren. Doch stelle dich niemals gegen den Herrscher der Welt. Das darfst du nicht.“
„Ich will dich nicht verlieren“, flüsterte das Mädchen weinend.
„Das wirst du auch nicht.“ Ihre Stimme wurde so leise, dass die staunend zuhörenden Männer der Crest sie kaum noch verstanden. „Mach dir keine Sorgen um mich. Ich habe eine Vermutung, doch die Zeit wird zeigen, ob ich richtig denke. Du jedoch darfst auf keinen Fall in diese Sache mit hineingezogen werden. Dein Platz ist im Licht. Du musst zurückgehen. Versprich mir, dass du unser Volk schützt, aber dich niemals gegen den Herrscher stellst. Es ist wichtig, Flämmchen.“
Das Kind sah sie mit großen Augen an. Dann nickte es, immer noch weinend. Sie wandte sich dem Mann zu, der blass und unsicher zu den beiden sah. Es war deutlich erkennbar, dass er nicht wusste, wie er in dieser Situation reagieren sollte.
„Ich verachte dich, Revano.“ Das Mädchen sprach laut, seine Stimme klang hell und viel zu hart für ein Kind. „Doch ich werde tun, was Illana von mir verlangt. Weil sie die wirkliche Herrscherin ist.“ Ihre Augen wanderten durch den Raum. „Und ich werde nicht nur dich beobachten, sondern auch diejenigen, die zu feige sind, sich gegen dich zu stellen. Das Licht wird auch über sie richten.“
Noch einmal atmete sie zitternd ein, dann umarmte sie die Frau ungestüm. „Ich hab dich lieb. Bitte, komm bald zurück, ich warte auf dich.“
„Geh, kleine Flamme.“
Sie wartete nur, bis sich die stolpernden Schritte entfernt hatten, dann wandte sich die Frau an Revano. „Du verlangst einen Schwur von  mir. Du sollst einen bekommen. Hiermit schwöre ich, dass ich wiederkommen werde. Und dann werde ich über dich richten. Wie deine Strafe ausfallen wird, wird davon abhängen, wie du geherrscht hast. Also bemühe dich, ein guter Herrscher zu sein, zumindest soweit dir das möglich ist. Und wage es niemals, dich gegen die Flamme zu stellen. Du brauchst sie, und die Flamme wird sich nicht gegen den Herrscher wenden.“
Damit trat die Frau an den Tisch und nahm den Becher in die Hand. Die siegessichere Miene, die Revano bei den ersten Worten der Frau aufgesetzt hatte, zerfiel bei jedem weiteren Wort mehr. Jetzt wirkte sein Gesicht grau, geradezu entsetzt starrte er die Frau an.
„Du … du bist machtlos. Du kannst nichts mehr ändern“, stotterte er.
Die Frau lächelte ihn selbstbewusst an. „Du wirst meine Worte niemals vergessen, Revano. Und niemals wissen, ob ich es nicht doch schaffe, zurückzukehren. Allein das wird schon Strafe für dich sein.“
Sie setzte den Becher an den Mund und trank ihn aus. Noch einen Moment stand sie einfach da, dann begann ihr Körper zu zittern. Der Becher fiel zu Boden und die Frau brach zusammen.
Revano sprang zurück in den Raum. „Verschließt sofort die Öffnung“, schrie er und verschwand aus dem Sichtfeld der terranischen Offiziere. Die Wachen zogen sich ebenfalls zurück. Die flammende Öffnung wurde kleiner, gleichzeitig zog sich die helle Kugel zusammen. Nur wenige Sekunden später war der Spuk vorbei. Nur der zuckende und sich in Krämpfen windende Körper der Frau lag am Boden.
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