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Baileys auf Eis

von Wilna
GeschichteLiebesgeschichte / P18
Rick Sanchez
23.11.2017
28.01.2019
24
18.857
7
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23.11.2017 354
 
Nur ein paar Wortfetzen brachen in meine Traumwelt herein.  Das war einfach nicht zu fassen. Nicht zu fassen wie ich Tag um Tag meines Lebens an diesem dämlichen Ort totschlug, auch Schule genannt.
Morty,  der Junge, der neben mir saß, starrte mich pausenlos an. Ich sah es nicht, spürte es aber. Kleiner, versauter Dreckskerl. An ihm gab es nichts, was mich auch nur im entferntesten anmachte. Nichts. Das würde ich ihm aucb  eines Tages sagen. Eines Tages, wenn ich diesen schrecklichen Ort verlassen und sonst wohin verschwinden würde. Irgendwohin, wo mich niemand finden würde. Auf einen anderen Planeten reisen. In eine andere Welt.

Das Läuten der Schulglocke riss mich aus meinen  undurchdringlichen Gedanken. Zäh raffte ich mich auf und packte meine Sachen zusammen. Stotternd wand Morty sich an mich: "Carla? ...richtig? Weißt du, am Samstag steigt bei mir...also bei mir zuhause...eine kleine...wie soll ich sagen...Party....und..."
"Interessant.", unterbrach ich ihn, "Und was habe ich damit  zu tun?"
Irgendwie gefiel es mir, ihn ein wenig unter Druck zu setzen.
"Naja, ich dachte...vielleicht....kommst du?", fragte er und nahm all seinen Mut zusammen.
Quälend lange sah ich ihn einfach nur an. Seine Hände zitterten, seinen Herzschlag hätte man noch hinterm Mond gehört.
"Ja. Vielleicht tu ich das ja.", lächelte ich, zu seinem Erleichtern.

Provokant schob ich mich an ihm vorbei, sodass ich ihn dabei leicht am Oberschenkel striff.
Dabei entglitt ihm ein leichtes Keuchen.
Lächerlich, die Jungs heutzutage. Wie will der jemals länger als 20 Sekunden durchhalten? Armer Kerl.
Grinsend verließ ich den Raum und nahm die nächste Treppe Richtung Toilette.
Kaum hatte ich mich in einer Kabine eingeschlossen, zog ich eine Flasche Baileys aus meinem Rucksack und nahm einen kräftigen Schluck.
Ein Klopfen an meiner Tür ließ mich kurz erstarren, doch es war nur Jody.
"Hey!", lachte sie, als ich sie reinließ, riss mir die Flasche aus der Hand und trank glucksend.
"Gutes Zeug oder?", fragte ich und ließ mich gegen die dünne Kabinenwand fallen.
"Gutes Zeug.", bestätigte sie.

Was für ein Tag.
 
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