Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Final Fantasy IX 1. Buch - Armee der Schwarzmagier

Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P12 / Gen
Adelbert Steiner Freia Crescent Garnet Till Alexandors XVII / Lili / Dagger Quina Quen Vivi Orunitia Zidane Tribal
23.11.2017
21.02.2018
16
40.306
1
Alle Kapitel
3 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
23.11.2017 2.044
 
Er hatte wieder diesen Traum. Der Traum von einem blauen Leuchten, dass er nicht zuordnen konnte. Es löste ein angenehm warmes Gefühl in ihm aus, wie das Gefühl von Heimat. Die Konturen waren verschwommen, die Gesichter verzerrt, doch sehr deutlich zu vernehmen war dieses durchdringende, blaue Leuchten.
Plötzlich zerrte etwas an Zidanes Arm. Es war Blank, der ihn unsanft weckte. „Komm, Alter steh auf. Der Chef wartet bestimmt schon.“
Während er sich auf den Weg durch das große Schiff machte, rieb sich Zidane noch immer den Arm. Dieses Schiff, auf dem er sich befand, war jedoch kein Gewöhnliches. Nein, es war ein Luftschiff, das weit über dem Boden zu schweben schien, angetrieben vom dichten Nebel, der sich über das ganze Tal erstreckte und sich wohl nie auflösen würde.
Das gesamte Luftschiff war aus goldbraunem Holz gebaut, das ihm ursprünglich einen sehr edlen Eindruck verlieh. Mit der Zeit jedoch nutzte es sich mehr und mehr ab, wobei nur noch eine raue, bröckelige Fassade zurückblieb. So durchschnitt das Schiff die graue, feuchte Nebelmasse und machte das Holz zunehmend morsch.
Die Paneelen knarzten unter seinen doch leichten Schritten, während er versuchte die Balance nicht zu verlieren. Was wollte der Alte nun schon wieder? Noch eine Besprechung? Sie sind den Plan doch schon so oft durchgegangen. Schließlich machten sie so etwas ja nicht zum ersten Mal. Zugegeben, diese Nummer war ungewöhnlich und größer als jede andere zuvor, und dennoch war Zidane, wie immer zuversichtlich.
Auf dem Weg zum Besprechungszimmer kam er an allerhand Gerümpel vorbei: Alte verstaubte Kisten, übereinander gestapelte Möbel aus dunklem Holz.
Doch hin und wieder sah man auch, auf Hochglanz polierte, goldene und bronzefarbene Musikinstrumente auf den Tischen liegen, die noch auf ihren Einsatz warteten. Auch Kleidungsstücke lagen, wenn auch ordentlich zusammengelegt, bündelweise in allen Ecken herum. Bunt bemalte Leinwände lehnten zusammengerollt an den Wänden, teilweise eingerissen, teilweise komplett zerfetzt.
Trotz der Unordnung fühlte sich Zidane hier sehr zu Hause. Immerhin kannte er es nicht anders. Noch nie hatte er in einem sauberen Bett geschlafen, und noch nie hatte ihn jemand dazu angehalten für Ordnung zu sorgen oder ihn aufgefordert seinen Platz sauber zu hinterlassen. Das gab es hier einfach nicht.
Plötzlich bemerkte er, wie merkwürdig still es um ihn herum war. Außer ihm war niemand hier. Wahrscheinlich hatte er die komplette Besprechung mal wieder verpennt. Ein paar Mal hatte er dafür schon eine ordentliche Kopfnuss vom Chef einstecken müssen. Doch Zidane wusste ja, wie er das auffassen musste und nahm so eine Rüge mal eben hin. Außerdem versteckte sich unter dem blonden, verwilderten Zopf, ein harter Dickschädel.
Schließlich stand Zidane vor der Tür zum Besprechungszimmer und stellte sich auf die Zehenspitzen, um durch das runde Fenster spähen zu können. Alles dunkel. Niemand zu sehen. Mit einem beherzten Stoß schwang die Tür auf und er trat hinein. Quietschend schloss sie sich hinter ihm wieder. Plötzlich war er in Dunkelheit gehüllt.
„Hallo? Ist hier jemand?“, fragte er in die Schwärze hinein. „Wo sind denn nur alle?“ Eine Antwort erhielt er jedoch nicht. Zu hören war lediglich das übliche Knarzen des schwankenden Schiffes.
Er wühlte in den ausgebeulten Hosentaschen nach einer kleinen Schachtel, bis er schließlich die Streichhölzer zu greifen bekam. Er zog eines davon heraus und entzündete es.
Viel Licht ins Dunkel brachte dies zwar nicht, doch er wusste, dass ein paar Schritte vor ihm ein kniehoher Tisch stehen musste, auf dem ein fünfarmiger Kerzenleuchter stand. Kerze für Kerze entflammte er ihn nun.
Sofort wurde es heller und die Umgebung sichtbar. Die Tatsache, dass er hier völlig allein war, änderte sich allerdings nicht. Vielleicht ist er diesmal zu zeitig da gewesen. Dass ihm das einmal passieren würde...
Mit dem Kerzenleuchter in der Hand durchschritt er nun den Raum. Noch nie hatte er sich hier so genau umgesehen, wo er doch nach jeder Besprechung schnell das Weite gesucht hatte.
So öffnete er nun Schublade für Schublade, um sich zu vergewissern, dass sein Chef nicht doch irgendwo einen Schatz vor ihm versteckt hielt. Vergebens. Überall nur Müll und leere Flaschen, aus denen die verschiedensten Gerüche heraufstiegen. Zidane rümpfte die Nase und stellte alles wieder an seinen ursprünglichen Platz zurück.
Hin und wieder stolperte er über eine Kiste, die mit allerlei Krempel befüllt war. Er machte sich nicht die Mühe, sie wieder an Ort und Stelle zu rücken.
Mitten im Raum stand ein riesiger, klobiger Schreibtisch. Darauf ausgebreitet lag eine alte Karte, deren Ränder sich bereits kräuselten. Hier und da wies sie kleine Risse auf. Sie zeigte den Aufbau des Schlosses von Alexandria, mit allen Ecken und Winkeln. An manchen Stellen war etwas mit blauer Tinte gekritzelt, was Zidane allerdings nicht entziffern konnte. Er sah sich weiter im Raum um.
Schließlich blieb er vor einer Wand stehen, die von einem großen Plakat verdeckt wurde. Das Papier war bereits vergilbt und wahrscheinlich genauso alt wie das Schiff, auf dem sich Zidane gerade befand. Er liebte Luftschiffe, deshalb las er die Informationen darauf voller Begeisterung:

- Theaterschiff Prima Vista -
Schiffstypus: Luxuskreuzer
Gewicht: 8235 Tonnen
Kapazität: 288 Personen
Antrieb: Nebelantrieb
Werft: Zebolt-Werft
Nationalität: Lindblum

Gerade als er das letzte Wort gelesen hatte, gab es einen lauten Knall hinter ihm. Er wirbelte herum, den Kerzenleuchter vor sich haltend. Die Gestalt, die plötzlich im Türrahmen erschien, sah durch den flackernden Kerzenschein beinahe teuflisch aus. Das Monster setzte unter ohrenbetäubendem Gebrüll zum Sprung an und landete direkt vor Zidanes Füßen.
Krachend fiel der Kerzenleuchter zu Boden. Die Bestie wich erschrocken zurück. Kurz sahen sich beide überrascht an. Für Zidane die Gelegenheit seine Dolche zu beiden Seiten aus den Gürtelscheiden zu ziehen.
Er hatte keine Zeit, es merkwürdig zu finden, dass das Monster ihm mit einem zweihändigem Schwert angriff, anstatt mit seinen Krallen und Zähnen. Er hieb einfach wild darauf los, wehrte die Attacken seines Gegners ab und versuchte mit der Kreatur Schritt zu halten. Das Monster war schnell und eine unglaubliche Kraft lag hinter seinen Angriffen. Wieder brüllte das Wesen vor lauter Mordlust. Mit dem einen Dolch wehrte Zidane die Angriffe des Gegners ab, mit dem anderen versuchte er immer wieder einen Dolchhieb in Richtung der Kreatur.
Diese kurzen Klingen hatte er vor einer guten Ewigkeit vom Chef geschenkt bekommen, als eine Art Willkommensgeschenk zum Eintritt in seine Bande. Die Dolche waren sichelförmig nach hinten gebogen. Blitzähnliche Verzierungen waren darin eingraviert und mit roter Farbe untermalt.
Ein Waffenladenbesitzer in Lindblum erzählte ihm, dass diese Klingen sehr selten sind und gar nicht mehr geschmiedet werden. Sie hatten sogar einen eigenen Namen: Silenquedea. Der Ladenbesitzer wollte ihm viel Geld dafür geben. Aber immerhin war es doch ein Geschenk...
Zidane musste weiter und weiter zurückweichen. Wieder waren die Kisten im Weg und er schob sie hinter sich her. Mit einem Rückwärtssalto schließlich, entzog er sich einer weiteren Angriffsserie des Gegners, und landete mit beiden Füßen direkt auf dem Schreibtisch des Chefs. Tintengläser wurden umgestoßen, Federn zerbrachen, in Leder gebundene Bücher rutschten über die Tischkante. Schnell bekam Zidane im Kampf wieder die Oberhand und drängte die Kreatur unter schnellen Dolchhieben zurück.
Plötzlich bemerkte er, dass das Monster anfing zu schnaufen und stetig langsamer wurde. Es konnte den flinken Dolchhieben von Zidane nicht länger ausweichen.
Schließlich brach die Kreatur unter einem lauten Stöhnen zusammen und sank zu Boden. Die optimale Gelegenheit für Zidane den Gnadenstoß auszuführen. Seine Arme holten weit zum Schlag aus, bis sie schließlich auf die Kreatur herunterrasten.
Doch in der Bewegung hielt er plötzlich inne und beugte sich nach vorn. Ungläubig betrachtete er die Kreatur nun näher. Anders als die Monster, gegen die er sonst kämpfte, hatte dieses nur zwei Beine und bekleidet waren diese noch dazu. Auch der Rest des Körpers war in Stoffe gehüllt. Nicht die schönsten, aber immerhin. Und der riesige Schädel sah, bei näherer Betrachtung, doch eher aus wie bemaltes Pappmaschee.
Noch bevor Zidane seinen, auf dem Boden knienden, Gegner befahl seine Identität preiszugeben, riss sich die Kreatur die Maske vom Kopf, froh endlich wieder anständig Luft holen zu können.
Zidane war bei dem Anblick seines Gegenübers entsetzt und doch nicht überrascht... Es war der Chef.
Nun kam auch der Rest der Bande zur Tür herein: Blank, Marcus und Cinna. Alle machten große Augen, aber wunderten sich nicht lange über dieses Szenario. Der Chef hatte mal wieder eines der Bandenmitglieder auf die Probe gestellt.
„Garharhar, nicht schlecht, Kleiner. Also dann, machen wir uns ans Eingemachte.“, sagte Bark, der Chef der Bande, und verpasste Zidane im Vorbeigehen einen ordentlichen Faustschlag in die Magengrube, den Zidane als lobendes Schulterklopfen verstehen sollte. So ging es bei ihnen immer zu.
Tantalus nannten sie sich. Eine Theatergruppe, die von Ort zu Ort zog, um dort berühmte Schauspielstücke vorzuführen. Zugegeben, sie waren nicht gerade die talentiertesten Schauspieler, aber um ihre wahre Identität zu verbergen reichte es allemal. Denn eigentlich waren sie eine heimtückische Räuberbande, die das adlige Publikum um ihre Schätze und ihren Schmuck erleichterte.
Bisher kamen sie dabei immer ungeschoren davon. Mit dem Luftschiff waren sie stets mobil und nach jedem Raub schnell wieder hinter alle Berge verschwunden.
Diesmal flogen sie nach Alexandria, dem großen Königreich, um das berühmte Theaterstück „Deine Taube möcht´ ich sein!“ aufzuführen. Während des Stücks sollen sie allerdings die Prinzessin entführen. Warum sie das tun sollen, wusste nur der Chef. Sie entführten normalerweise keine Menschen und schon gar keine Prinzessinnen. Doch niemand von ihnen stellte Fragen. Sie führten die Pläne des Chefs kommentarlos aus. Wahrscheinlich wollten sie so Königin Brane erpressen um an ihre wertvollen Schätze zu gelangen. Vielleicht würde Zidane bei der Besprechung ja mehr darüber erfahren.
Jeder hatte im Besprechungszimmer seinen eigenen Stammplatz. So saß Marcus auf einem Stuhl nahe am Schreibtisch des Chefs, der nun total verwüstet war, woran sich allerdings niemand störte. Blank lehnte mit dem Rücken am Türrahmen, die Arme vor der Brust verschränkt. Die Lichtschutzbrille verdeckte fast sein gesamtes Gesicht und einen Großteil seiner rotbraunen Haare.
Cinna legte sich bäuchlings auf eine lange schwere Holzkiste. Seinen Hammer legte er ordentlich, neben sich in Reichweite, ab. Und Zidane setzte sich mit der Rückenlehne nach vorn auf einen entfernt stehenden Stuhl, die Arme vor sich auf die Lehne gestützt.
Direkt am Schreibtisch nahm selbstverständlich der Chef persönlich Platz. Mittlerweile hatte er wieder etwas Farbe im Gesicht und seine Kleidung war ordentlich zurecht gerückt. Eine merkwürdige Bande war das. Einer hässlicher als der andere...
„Also nochmal von vorn.“, begann Bark und sah dabei jeden einzeln an. „Wir werden während der Theateraufführung in Alexandria die Prinzessin entführen. Ich würde vorschlagen, dass wir...“
„Is joa guad, i red ja scho, zefix!“, unterbrach ihn Cinna, der sich nun von der Holzkiste erhob. Er rieb sich die rote Knollnase. Während er sprach strich er sich immer wieder über den nackten Kullerbauch. „Wenn mia okemma san schbiln mia des droagische Deadderstiggl „Deine Taube möcht` ich sein!“, in dem Marcus die Hauptroin schbild.“, erklärte Cinna und blickte voller Erwartung zu Marcus herüber. Keine Reaktion. „Marcus, zefix!“ Erst nach einem Ellbogenhieb in die Rippen, erwachte er schließlich aus seinem Tagtraum.
„Ja genau, ich spiele die Hauptrolle, und so. Aber nur bei dem Theaterstück, und so. Den Rest überlass ich Zidane und Blank, und so.“, sagte Marcus und rieb sich mit der Faust das vernarbte Gesicht.
Blank rückte seine schwarze Lichtschutzbrille zurecht. Noch nie hatte jemand seine Augen gesehen, und auch er vermied es stets in die Augen seines Gegenübers zu blicken. So starrte er zu Boden und ließ sich seine Nervosität nicht anmerken. „Recht so. Dann hab ich genug Zeit mein kleines Ablenkungsmanöver zu starten.“, sagte er und deutete dabei nur beifällig auf ein großes Einwegglas, in dem ein wildes Getümmel herum springender Rieseninsekten zu Gange war: Juckzirpen. „Warum muss ich eigentlich immer die Drecksarbeit machen?“, fragte Blank in die Runde, doch alle sahen schweigend zu Boden. „Na egal, danach bist du jedenfalls an der Reihe, Zidane.“
Zidane wusste ganz genau, was er zu tun hatte. Etliche Male hatten sie das schon durchgesprochen. Er konnte sich einfach nicht vorstellen, warum der Chef dieses Mal so einen Wind um die Sache machte. Bark nahm es sonst nie so genau. Er war eher spontan und improvisierte gern, doch der heutige Auftrag schien ihm besonders wichtig zu sein. „Alles klar, ich schleich mich dann in der Pause in das Gemach und schnapp mir die Prinzessin, richtig?“
Bark schlug mit der Faust auf den Tisch und grinste vor lauter Vorfreude. „Genau, du entführst Garnet Till Alexandros XVII, die Prinzessin von Alexandria.“
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast