Das Phantom

GeschichteMystery, Romanze / P16
Lucas Hunter Nikita Duncan OC (Own Character) Sascha Duncan
20.11.2017
10.04.2018
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Einen wunderschönen guten Abend an alle Leser und besonders an Zaubertrick, die mich sehr unterstützt hat bis jetzt! :) Vielen Dank!
Ich hoffe, dass ich euch mit dem ersten Kapitel nicht allzu sehr verwirrt habe und hoffe, dass es euch nicht davon abhält weiterzulesen. Falls euch Fehler irgend einer Art auffallen, dann schreibt sie einfach in die Kommentare, ich werde mich dann ab dem 14.12. (nach meinen Prüfungen) darum kümmern.

Viel Spaß beim Lesen!

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Als Ratsherr Kaleb Krychek am folgenden Abend in das Büro von Nikita Duncan teleportierte, beendete diese gerade eine sehr vertraulich wirkende Unterhaltung mit Anthony Kyriakus.
Das Oberhaupt des NightStar-Unternehmens musste bereits lange vor ihm eingetroffen sein und wieder einmal fragte sich Kaleb, was die beiden Ratsmitglieder so eng miteinander verband.
Natürlich hatten beide Töchter, die dem Medialnet den Rücken gekehrt und sich dem selben Gestaltwandlerrudel angeschlossen hatten, doch auch wenn man die geschäftliche Verbindung zu den Leoparden außer Acht ließ, waren die privaten Treffen zwischen Anthony und Nikita immer häufiger geworden.
Selbst wenn sie sich gegen ihn verschworen, würde es Kaleb nicht im Geringsten beunruhigen. Für ihn stellten sie keinerlei Gefahr dar, denn inzwischen war er so mächtig geworden, dass selbst ihre geballte wirtschaftliche Kraft ihn nicht mehr in den Ruin treiben konnte.
Dennoch fand er die Allianz der beiden Ratsmitglieder höchst interessant.
„Nikita,“ begrüßte er sie mit einem kurzen Kopfnicken. „Anthony.“
„Kaleb.“ Nikitas Stimme war ebenso kalt wie die einer Eisskulptur. „Ich nehme an, dass es einen dringenden Grund für dein unangemeldetes Erscheinen gibt.“
Kaleb musste ihre Gedanken nicht lesen, um zu wissen, dass die Ratsfrau sein plötzliches Auftreten nicht guthieß. Nikita hatte ihm bereits einmal gesagt, dass sie sein unangemeldetes Teleportieren in ihr Büro nicht weiter billigte.
Doch außergewöhnliche Umstände erforderten außergewöhnliche Maßnahmen.
„Die Kuos sind vor wenigen Stunden ermordet worden,“ informierte Kaleb die anderen beiden Ratsmitglieder.
Nikitas mandelförmige Augen sahen ihn an. „Die gesamte Familie?“
„Ja,“ erwiderte Kaleb kühl, ohne mit der Wimper zu zucken. „Meine Quelle war diesbezüglich sehr genau. Ich war jedoch selbst vor Ort, um mich zu vergewissern.“
Diese Information konnte er ihnen mitteilen ohne zu viel über seine privaten Spionagearbeiten preiszugeben.
„Sie verfügen über ausgezeichnete Sicherheitsmaßnahmen,“ sagte Nikita. „Es ist nahezu unmöglich unerkannt einen Assassinen in das Gebäude einzuschleusen. Es muss ein TK-Medialer gewesen sein.“
„Zu diesem Schluss bin ich auch bereits gekommen,“ bestätigte Kaleb.  
Es war nicht erforderlich, dass er zugab das gesamt Sicherheitssystem der Kuos auswendig gekannt zu haben.
„Bis ich mir die Videos der Überwachungskameras angesehen habe,“ fügte er hinzu.
Kaleb sandte den beiden Ratsmitgliedern das Material zu, damit sie auf dem gleichen Stand waren.
„Wie ist das möglich?“ schaltete sich nun auch Anthony ein.
Kaleb wusste worauf der ältere Mann anspielte.
Auf den Aufzeichnungen der Überwachungskamera war absolut niemand zu sehen, der den Angriff ausgeübt hatte.
„Darüber bin ich mir auch noch nicht im Klaren,“ gestand Kaleb. „Falls es ein TK-Medialer war, hat er seine Spuren gut verwischt. Allerdings kenne ich niemanden, der die Fähigkeit hat sich unsichtbar zu machen.“
Nikita hatte wieder einmal eins und eins zusammengezählt. Sie besaß einen messerscharfen Verstand, den die Ratsfrau durchaus einzusetzen wusste.
„Dann handelt es sich also um einen Angriff aus dem Net.“
Kaleb nickte. „Das ist auch meine Schlussfolgerung. Allerdings fehlt auch hier jegliche Spur des Angreifers.“
Schweigen.
„Dann haben wir es mit einem Profi zu tun,“ stellte Anthony schließlich fest.
Kaleb hatte seine Theorie was das unentdeckte Eindringen des Mörders betraf bisher für sich behalten. Er konnte sich nicht sicher sein was die anderen Ratsmitglieder mit dieser Information anfangen würden.
„Ich muss wieder zurück,“ unterbrach er das Schweigen.“ Und mich um ein paar wichtige Dinge vor Ort kümmern. Ich werde euch auf dem Laufenden halten, sollte es Neuigkeiten geben.“
Fünf Minuten später befand sich Kaleb Krychek am anderen Ende der Welt, um den restlichen Ratsmitgliedern dasselbe zu berichten.

„Glaubst du, dass es ein Schlag gegen dich sein sollte?“
Anthony stand so dicht neben Nikita, dass sich ihre Schultern fast berührten. Beide hatten ihren Blick noch auf die Stelle gerichtet, auf der Kaleb Krychek soeben verschwunden war.
„Möglich,“ erwiderte Nikita kühl, ohne ihn anzusehen. „Allerdings hätte sich der Täter weitaus effizientere Ziele aussuchen können, um mir zu schaden. Das Wegfallen der Kuos schmälert zwar den Gewinn des Unternehmens, aber es fallen dadurch keine großen Verluste an.“
Anthony nickte und verschränkte die Arme hinter dem Rücken. Wenn der Anschlag nicht Nikita galt, musste es einen anderen Grund geben eine sehr alte und mächtige Familie auszulöschen.
Den Daten Krycheks zufolge waren nicht nur Mitglieder ermordet worden, die unmittelbar in dem Unternehmen mitarbeiteten, sondern auch jene, die sich auf Posten außerhalb Pekings befanden.
„Wer auch immer für den Anschlag verantwortlich ist, es handelt sich jedenfalls nicht um einen gewöhnlichen Assassinen,“ sagte Anthony ruhig. „Wir sollten das Thema nicht aus den Augen verlieren. Ich bin sicher es steckt mehr dahinter als eine Rivalität zwischen Konkurrenten. Ich werde meine Leute nach weiteren Anschlägen Ausschau halten lassen.“
Nikita wandte sich ihrem Schreibtisch zu und nahm in dem Chefsessel dahinter Platz. „Es gibt keinerlei Spuren von dem Täter. Es ist also sinnlos seine Zeit damit zu verschwenden einem Phantom nachzujagen. Ich werde sehen, ob ich mehr über den Hintergrund der Kuos herausfinden kann.“
Sie klappte einen flachen Bildschirm auf, der in die Schreibtischoberfläche eingelassen war.
Anthony erkannte die Marke und das Modell des Geräts. Es war noch nicht auf dem Markt erschienen, doch das Oberhaupt des NightStar-Unternehmens behielt die Machenschaften aller Ratsmitglieder im Auge; so auch die Nikitas. Nicht zuletzt, weil sie sich ein Gebiet teilten – es war immer von Vorteil über den anderen Bescheid zu wissen. So wusste Anthony auch um das kleine Technologie-Unternehmen, in das Nikita erst kürzlich investiert hatte. Es wurde von Menschen betrieben; eine Tatsache, die die Ratsfrau in den Augen der anderen Ratsmitglieder unter ein schlechtes Licht stellte.
Anthony selbst verurteilte seine neueste Verbündete deswegen nicht. Für ihn war es nur ein weiteres Puzzleteil, das er über Nikita Duncan aufgedeckt hatte und seiner wachsenden Sammlung hinzufügen konnte.
„Wir sollten uns noch einmal treffen sobald wir etwas Brauchbares in der Hand haben,“ sagte Anthony ohne etwas über seine Gedanken preiszugeben.
Nikita sah von ihrem Bildschirm auf und nickte. Ihre mandelförmigen braunen Augen waren ebenso kühl und emotionslos wie die ausdruckslose Maske ihres Gesichts.
Anthony war in Gegenwart der Ratsfrau, die bereits über ein Jahrzehnt im Rat überlebt hatte, stets auf der Hut.
Anders als Nikita Duncan hatte er die Verbindung zu Faith nicht abgebrochen. Nach außen hin hatten sie eine rein geschäftliche Beziehung, doch Anthony war seiner Familie schon immer nahe gewesen. Er konnte es zwar nicht öffentlich zugeben, vor allem nicht seit er einen Sitz im Rat hatte, aber Anthony sorgte sich um seine Tochter. Seine Konditionierung mochte makellos sein, aber er war nicht so tief in Silentium wie die Frau ihm gegenüber.
Anthony traute niemandem im Rat, doch er hatte Nikita stets beobachtet seit sie sich zu einer Allianz zusammengeschlossen hatten. Wenn er sie zunächst für unnahbar und kaltherzig gehalten hatte, so hatten ihre Handlungen dieses Bild von ihr in den letzten Monaten deutlich ins Wanken gebracht. Anthony wusste von dem Treuhandfonds für Nikitas Enkelin, auch wenn sie immer noch abstritt etwas mit der Sache zu tun zu haben – die anonyme Spende trug ohne Zweifel die Handschrift der Ratsfrau.
Auch die Tatsache, dass sie Sascha noch immer Schutz bot, wenn es erforderlich war, sagte eine Menge über sie aus.
Anthony hatte langsam den Eindruck, dass er die wirkliche Nikita Duncan gar nicht kannte. Dass die ausdruckslose und kaltherzige Maske, die sie ihm und dem Rest der Welt zeigte nur eine Fassade war, um sich und ihre Familie zu schützen.
Er beschloss, dass er die Ratsfrau zukünftig mehr im Auge behalten wollte.

Nachdem Anthony ihr Büro verlassen hatte, wandte sich Nikita wieder ihrem Bildschirm zu.
Der Anschlag hatte zwar nicht ihr gegolten, damit hatte sie ihm die Wahrheit erzählt; doch es war nur die halbe Wahrheit gewesen.
Wer auch immer hinter den Morden steckte, wollte ein Zeichen setzten.
Nikita bediente die Konsole an ihrem Schreibtisch und wählte die Nummer ihres Sicherheitschefs.
„Mr. Shannon, ich möchte, dass Sie so viel wie möglich über die Ermordung der Familie Kuo herausfinden,“ informierte sie ihn direkt. „Ich kann mich im Moment nicht selbst damit beschäftigen. Selbstverständlich erwarte ich vollste Diskretion Ihrerseits, Mr. Shannon. Ich verlasse mich auf Sie.“
Nikita legte auf noch bevor der andere Mann etwas erwidern konnte. Normalerweise verließ sie sich auf niemanden, doch Max Shannon und seine Frau, Sophia Russo, waren in diesem Fall eine Ausnahme.
Nikita rief die Daten auf, die sie bisher über ihren ehemaligen Geschäftspartner gesammelt hatte. Wie sie selbst hatte auch Lucy Kuo, Familienvorstand und Leitung des Unternehmens, Geschäfte mit Gestaltwandlern gemacht. Doch warum sollte sich jemand die Mühe machen, eine so weit verzweigte, bekannte und wirtschaftlich starke Familie bis auf das letzte Kind auszulöschen?
Die Antwort fand Nikita bereits zwei Seiten weiter – eine andere gab es nicht. Doch um sich vergewissern zu können, musste sie sich die Akten im Archiv in den Tiefen des Medialnets ansehen.
Sie hinterließ eine Nachricht an Sophia Russo, in der sie ihr mitteilte, dass sie bis auf weiteres heute nicht mehr gestört werden wollte. Dann öffnete sie ihren Geist den Weiten des Medialnets.
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