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Die Oscar Tod GmbH

Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
15.11.2017
17.05.2018
13
6.380
 
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15.11.2017 517
 
Diese Geschichte entstand in Kollabarotion mit Lyndis_Cealin, Der Kanuit, turbopope, DerPendler, M. und D.

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Das Leben hat es gut gemeint mit Jan Leben. Keine sehr kreative Schlagzeile, aber der Tagesanzeiger von Circula druckte sie so tatsächlich ab, als das große Special über Lebens Lebenswerk – noch so ein unnötiges Wortspiel – veröffentlicht wurde.

Tatsächlich stimmte es aber, was der Tagesanzeiger über Leben schrieb; das Leben hatte es wirklich sehr gut mit ihm gemeint. Schon im ersten Praktikum seines BWL-Studiums machte er seinem Abteilungsleiter einen wahnwitzigen Vorschlag, wie er seine Auslastung optimieren konnte. Zwar musste man dafür Geld investieren, aber man würde locker das Zehnfache dabei rausholen. Das Problem war nur: Es gab auch das Risiko, dass man alles verlor.

Lebens Ausbildungsleiter lachte nur und sagte: „Wenn du mir das Geld gibst, probiere ich es mal. Spiel doch Lotto.“ Und Leben spielte Lotto. Und gewann. Und dann legte er es wie vorgeschlagen an und er verzehnfachte die Arbeitskräfte der Abteilung nicht nur, er verfünfzigfachte sie. Dies führte dazu, dass er vom Praktikanten direkt in den Aufsichtsrat befördert wurde – und somit der Vorgesetzte seines früheren Abteilungsleiters.

Auch alle seine weiteren Planungen gingen auf. Egal, ob er waghalsige Manöver versuchte oder längst abgeschriebene Aktien kaufte. Schon längst ist er Miteigentümer der Firma, in der er damals sein Praktikum absolvierte. Egal, was er machte, es funktionierte. Würde er im sechsten Untergeschoss von Cupiditas arbeiten, würde er wohl jedwedes Projekt dort fertigstellen. Das würde er allerdings niemals machen, denn er hatte zwei Grundsätze: Fünfzig Prozent seiner Einnahmen werden gespendet und er wird niemals irgendetwas Illegales tun, daher wird er auch niemals etwas machen, das mit diesem kriminellen Institut Cupiditas zu tun haben würde.

Schon lange gehört er zu den reichsten Menschen auf Terra Circula. Dies ließ er aber nie raushängen. Er hat ein normal großes Eigenheim und sich vor einiger Zeit aus Langeweile einen kleinen Obststand auf dem Marktplatz gekauft.

Dieser Obststand war sein einziges Kapital, das kein Geld einbrachte, ganz im Gegenteil. Aber er hatte den Obststand nicht gekauft, um dort Geld zu verdienen. Es machte ihm einfach nur Spaß dort zu arbeiten, während seinen Arbeitszeiten konnte er sich gesund ernähren. Armen Kindern, die auf den Weg zur Schule von ihren inkompetenten Eltern nur Fast Food bekamen, steckte er einen gesunden Apfel oder eine nahrhafte Banane zu.

Das Wichtigste war aber, dass er dort mit seinen Kunden – normalen Menschen auf dem Marktplatz – gemütlich klönen konnte. Kaum einer wusste, wer er wirklich war. Er sah aus wie einer von ihnen. Ein schlanker Mann mit einem karierten Hemd, in die modische Jeans gesteckt. Wer nicht gerade den Bericht im Tagesanzeiger gelesen hatte, erkannte ihn nicht. Und wer las schon alle Berichte in Tagesanzeigern? Zumindest kaum jemand der Marktplatzbesucher.

Doch als er eines Tages nach Hause Feierabend machen wollte, hatte er einen Brief in seinem Büro am Marktplatz. Natürlich standen sein Name drauf und die Büroadresse. Was ihn aber neugierig machte, war zum einen die Aufschrift „STRENG VERTRAULICH“ und das Siegel, mit welchem der Umschlag verschlossen war. Es war aus goldenem Wachs gedruckt und bestand aus zwei Schlangenschwänzen, die ein großes S bildeten.
 
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