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Snarry-Oneshots

von Herzlos
Kurzbeschreibung
OneshotDrama, Liebesgeschichte / P12 / MaleSlash
Harry Potter Hermine Granger Luna Lovegood Ronald "Ron" Weasley Severus Snape
15.11.2017
29.09.2019
24
28.585
65
Alle Kapitel
180 Reviews
Dieses Kapitel
9 Reviews
 
 
15.11.2017 1.424
 
Hallo zusammen!

Die folgenden Oneshots werden sich alle ausnahmslos um das Pairing "Snarry" [Snape x Harry] drehen. Ich würde mich wahnsinnig über Feedback freuen! An dieser Stelle grüße ich meine liebe Moriar-tea221b, die meine Begeisterung für dieses grandiose Pairing wieder entfacht hat.

Disclaimer: Mir gehört nichts, außer den Ideen für diese Oneshots. Alle Figuren gehören J.K. Rowling und ich verdiene kein Geld hiermit.

Anmerkung: Dieser Oneshot spielt kurz nach dem Krieg. Severus Snape hat überlebt, doch viele andere sind gestorben.

Weiterleben


* * *


Harrys Magen verkrampfte sich; er musste kurz in die Knie gehen und einige Male tief durchatmen, ehe er sich wieder aufrichten konnte. Es war zu viel, der Schmerz nahm völlig Besitz von ihm, machte ihn blind und stumm. Seine Gedanken kreisten unaufhörlich um all die Menschen, die im Kampf gegen Voldemort ihr Leben gelassen hatten. Sirius, Fred, Dumbledore, Remus, Dobby, Cedric... Die Liste war viel zu lang. Es quälte ihn so sehr. Er konnte all denen, die ihre Lieben verloren hatten, nicht mehr in die Augen sehen, er konnte ihren und seinen eigenen Schmerz nicht mehr ertragen.

Nun stand er auf dem Astronomieturm, auf der obersten Plattform, wo schon Dumbledore gestorben war. Ein kühler Wind ließ ihn kurz erzittern. Er schloss die Augen, dachte an seine Mutter, seinen Vater, an Sirius und auch an Ron und Hermine, die ihm so treu zur Seite gestanden hatten. Er wünschte sich, dass sie ihr Glück fanden, jetzt wo sie sich endlich ihre Liebe gestanden hatten. Ein kurzes Lächeln glitt über Harrys Gesicht.

Er ging einen weiteren Schritt auf den Abgrund zu. Das Geländer hier oben war längst zerstört, weshalb seine Schuhspitzen nun bereits über den Rand hinausragten. Er sah hinab und sein Herz machte einen Satz, denn er wusste, dass er gleich sterben würde. Noch ein letztes Mal schloss er die Augen, entschuldigte sich in Gedanken bei allen, die ihm in den Sinn kamen, denn er wollte mit reinem Gewissen sterben. Was er nicht bemerkte, war, dass sich ihm eine dunkle Gestalt genähert hatte, die nun etwa drei Schritte hinter ihm stand.

„Wenn Sie das tun, war alles umsonst“, sagte die Stimme in seinem Rücken. Tief und leise.

Harry erschrak, drehte sich um und musste kurz am Abgrund balancieren. „Professor Snape“, keuchte Harry. Er bemerkte erst jetzt, dass ihm Tränen über die Wangen gelaufen waren. „Bitte gehen Sie“, sagte er sofort.

Snape ignorierte seine Bitte. „Wenn Sie das tun, hat Voldemort gewonnen.“ Er sah ihm fest in die Augen.

„Er hat so oder so gewonnen. Es sind zu viele gestorben.“ Harry erwiderte seinen Blick.

„Ihr Tod wird daran nichts ändern.“

„Nein, aber er wird meinen Schmerz beenden.“

Snape tat, als würde er seine Position, in der er gerade stand, ändern, doch in Wahrheit setzte er seinen rechten Fuß vor den anderen und rückte somit wenige Zentimeter näher an Harry heran. „Er wird Ihren Schmerz beenden, jedoch den anderen noch mehr hinzufügen“, sagte er ruhig. „Was ist mit all denen, die überlebt haben? Miss Granger? Mr. Weasley?“

„Sie werden es schaffen“, sagte Harry leise. „Sie alle werden das schaffen. Aber ich schaffe es nicht mehr.“ Er sah den Tränkemeister an. „Können Sie das verstehen, Professor?“

Ohne zu zögern nickte sein Gegenüber langsam. „Niemand würde Ihnen Vorwürfe machen, wenn Sie tatsächlich springen würden, Mr. Potter.“ Snapes linker Fuß zog nach, wodurch er ihm noch ein Stück näher kam. Dieses Mal blieb es Harry nicht unbemerkt. „Aber es wäre nicht richtig. Sie sind noch jung“, sagte Snape. „Sie haben noch Ihr ganzes Leben vor sich.“

Dieser Satz ließ Harrys Herz verkrampfen und er verzog kurz schmerzvoll das Gesicht. „Ich will das nicht“, keuchte er und senkte kurz den Kopf. Diesen Moment nutzte Snape, um noch einen Schritt auf Harry zuzugehen. Nun war er nur noch einen Schritt von ihm entfernt. „Ich will das nicht mehr“, flüsterte Harry und als er bemerkte, wie nah Snape ihm inzwischen war, rief er laut: „Bleiben Sie, wo Sie sind!“

Der Lehrer reagierte nicht. „Ich kenne Ihren Schmerz“, sagte er leise, während seine tiefschwarzen Augen ihn nicht eine Sekunde lang unbeobachtet ließen. „Ich weiß, wie weh es tut. Ich weiß, wie es ist, wenn man Tag und Nacht an nichts anderes mehr denken kann.“ Er sprach leise und langsam, und seine Stimme war so hypnotisierend, dass Harry die Augen schließen musste. „Aber ich weiß auch, dass es besser wird. Die Zeit ist auf Ihrer Seite, Mr. Potter“, wisperte der Tränkemeister. „Es wird der Tag kommen, an dem der Schmerz Ihnen nicht mehr die Sinne rauben wird; Sie nicht mehr ohnmächtig werden lässt. Dieser Tag wird kommen und daran müssen Sie festhalten.“

Harry öffnete die Augen doch die Tränen ließen seine Sicht verschwimmen. „Ich kann nicht“, hauchte der Gryffindor, drehte sich mit einem Mal um, sodass er mit dem Gesicht zum Abgrund stand und breitete die Arme aus. Just in dieser Sekunde umschlangen ihn zwei Arme von hinten und hielten ihn fest. Snape zog ihn nicht zurück, er hielt ihn einfach fest – und für Harry fühlte es sich an, als würde ihn ein Engel vor dem Tod bewahren. Snapes Körper war warm und seine Arme so stark, dass Harry gar nicht fallen konnte. Ein Schmerzensschrei drang aus seiner Kehle und seine Beine versagten ihren Dienst. Erst jetzt ging Snape rückwärts und zog ihn mit sanfter Bestimmtheit vom Abgrund weg. Harry ging in die Knie und die starken Arme, die ihn noch immer umklammerten, ließen ihn vorsichtig zu Boden gleiten. Der Junge schlug sich die Hände vors Gesicht und weinte. Snape ging vor ihm in die Hocke und ohne auch nur einen Augenblick zu zögern, zog er ihn in seine Arme und begann, ihm zärtlich und beruhigend übers schwarze Haar zu streicheln.

Harry weinte wie ein kleines Kind. Er hatte sein Gesicht in Snapes Robe vergraben, seine Hände hielten sich verzweifelt an ihm fest und er ließ sich von ihm sanft hin und her wiegen. Als die tiefe, leise Stimme des Professor erklang, lauschte Harry auf. „Es wird besser, Harry.“ Ihm entging nicht, dass er ihn plötzlich mit dem Vornamen anredete. „Es dauert, aber du musst durchhalten.“ Snape schmiegte seinen Kopf ganz leicht gegen Harrys und die geflüsterten Worte drangen geradewegs in sein Ohr. „Lass die Dämonen nicht gewinnen. Sie dürfen dein Leben nicht haben, es gehört dir allein.“ Die streichelnde Hand, die nun warm und zärtlich über seinen Nacken strich, fühlte sich so gut an, dass Harry leise seufzte. Seine Tränen waren versiegt und sein Atem ging endlich wieder ruhig und gleichmäßig.

Snape machte Anstalten, sich wieder von ihm zu lösen, doch Harry schlang beide Arme um dessen Körper, vergrub sein Gesicht nunmehr in Snapes Halsbeuge und flüsterte: „Lass mich nicht los.“ Erneute Tränen der Verzweiflung bahnten sich ihren Weg in die Freiheit, benetzten Snapes Haut und lösten eine Gänsehaut bei ihm aus. Er umfasste Harrys Körper, streichelte seinen Rücken und ließ die Worte, dass er ihn am liebsten nie wieder loslassen würden, unausgesprochen.

Es dauerte lange, bis Harry sich soweit beruhigt hatte, dass sie zusammen aufstehen konnten. Kaum hatte Snape ihn auf die Beine gezogen, schon drückte Harry sich erneut an ihn. Eng umschlungen standen sie ganz oben auf dem Astronomieturm und es fühlte sich an, als gäbe es nur sie beide auf der Welt. Snape presste den schmalen Körper fest an sich, während seine rechte Hand noch immer das dichte, schwarze Haar streichelte. Eine Windböe ergriff sie. Harry zitterte.

„Komm“, sagte der Tränkemeister leise und löste sich ein wenig von dem Jungen, um ihn dazu zu bringen, mit ihm zu gehen.

„Wo gehen wir hin?“ Harry sah ihn aus unglaublich müden Augen an.

Snape lächelte. „Tee trinken.“

Und genau das taten sie. Snape brachte Harry in seine Räumlichkeiten, wo er ein großes Feuer entzündete und ihnen eine heiße Tasse Tee kochte. Er legte eine warme Decke um das zitternde Bündel und Harry rollte sich auf dem breiten Sessel zusammen, wie eine Katze. Hin und wieder richtete er sich auf, um einen Schluck Tee zu trinken, ehe er sich wieder einkuschelte. Snape setzte sich ihm gegenüber auf die Couch, nahm ein Buch zur Hand und begann zu lesen, bis Harry ihn schläfrig bat, ihm etwas vorzulesen. Das tat Snape. Mit leiser Stimme las er ihm vor; Seite für Seite, bis Harry schließlich aufstand und sich mitsamt seiner Decke zu Snape auf die Couch legte. Er brauchte diese Nähe. Sein Kopf lag auf Snapes Schoß und dieser hielt mit einer Hand das Buch, und mit der anderen strich er Harry liebevoll durchs Haar.

Dass dies auch zehn Jahre später noch ihre Lieblingsposition sein würde, ahnte damals noch keiner von ihnen.

* * *
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