Schönes Neues Sagami (Subarashii Shin-Sagami)

von Ray Chal
GeschichteSci-Fi, Übernatürlich / P16
15.11.2017
15.11.2017
1
2806
1
Alle Kapitel
2 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
 
Heya, meine erste Elfenlied-FF steigt sofort mit einer Dystopie als Hauptthematik ein. Der Fokus liegt immer noch auf den Diclonii, aber in einer gewissen "Was wäre wenn...?"-Fragestellung! Im letzten Sommer konnte ich mir den Traum von einem kleinen Ausflug nach Kamakura endlich erfüllen und möchte euch - neben der Geschichte selbst - darin verflochten auch ein bisschen die für japanische Verhältnisse kleine Stadt an der Sagami-Bucht mit vorstellen, so viel an authentischen Eindrücken und Kenntnissen immer wieder mit einfließen lassen. Die Originalcharaktere werde ich desöfteren erwähnen, doch die Hauptrolle werden größtenteils Charaktere aus eigener Feder einnehmen. Die neue Prämisse ist eben doch ein gutes Stück anders, wie ihr sicher schon bald feststellen werdet. (:
Ich freue mich über alle unter euch, die einen Blick auf dieses Geschichtchen hier werfen und sich daran selbst erfreuen können! ^w^
Das nur als kleines Vorwort~ Viel Spaß mit der Geschichte! :D


----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------



Kapitel I: Schönes Neues Colosseum


Akemi starrte gebannt auf die große Neontafel des schönen neuen Multisportstadions, des „Sagami Colosseum“. Links prangte das Emblem von Alpha Sagami mit einer Seitenansicht eines Dicloniusgesichts in Magenta auf der rechten schwarzen Hälfte, gegenüber einer linken rosa Hälfte mit eingraviertem griechischen Alpha. Dieser Fußballverein war DIE Sportmannschaft der Diclonii, die jede Saison als stabile Konstante die Meisterschaft ohne Schwierigkeiten für sich entschied, ihr Baseballpendant mit dem maximal medioker kreativen Namen Sagami Diclonii tat es ihnen gleich. Rechts blickte ein roter Samurai grimmig aus seinem weißen, kreisförmigen Gefängnis und präsentierte den Namen der Gegnermannschaft: der 1. FC Sekigahara von 1600. Man brauchte nicht viel Verstand, um zu erkennen, dass ein solcher Verein zu diesen Zeitpunkt unmöglich in Japan existiert haben konnte. Mit ein bisschen Recherche im Netz gelang es Akemi, die Spuren des Sportclubs auf das frühe 21. Jahrhundert zurückverfolgen – lange nachdem Baseball oder Fußball global Fuß gefasst hatten. Demnach durfte auch bezweifelt werden, dass es sich tatsächlich um den „ersten“ Fußballclub der Stadt handeln würde. Doch diese Fragen stellte niemand. Wenn man zweifeln durfte, tat es keiner – hieß das im Umkehrschluss, dass alle daran zweifelten, das als in Stein gemeißelt und unantastbar galt? Diese Gedanken schossen durch Akemis Kopf, doch sie verwarf sie mit einem Schulterzucken schnell. Wer zu viel Zeit in der Traumwelt verschwendete, der verpasste die echte Traumwelt – Nea Sagami, das Paradies auf Erden, in denen das Joch der Menschheit ein für allemal gebrochen war. Es war nicht verboten, den alten Namen „Kamakura“ zu benutzen, doch wer sich in ein möglichst ansehnliches Licht rücken wolllte, der wählte den neuen offiziellen Namen der Stadt, die nach 820 Jahren wieder Zentrum Japans wurde. Die einst übliche Vorsilbe „shin“ für „neu“ vermied man bewusst, denn sie war zu japanisch, was die Diclonii allerdings auch nicht davon abhielt, die ihren mit Original japanischen Namen zu beglücken, sofern es sich denn in die glorifizierte Ära des Umsturzes fügte. Nana, Mariko … diese Namen waren mit Figuren verbunden, auf deren Leben ein ganzer Mythos Fuß fasste.

Doch zwangsläufig wurde Akemi auf ihrem Nebenjob aus ihren Gedanken gerissen: „Ein Bier!“
„Verstanden. Das macht 24 Neo“, erklärte sie einem durstigen Diclonius auf den Zuschauerrängen das übrige Prozedere, als sie den kühlen, goldenen Gerstensaft in einen transparenten Plastikbecher abfüllte. Der Yen war nicht mehr, doch dies war nur eine von zahlreichen tiefgreifenden Änderungen. Nicht nur hatten die Diclonii das Mindestalter für Bier von 20 auf 16 reduziert, sondern auch Canabis legalisiert. In Japan, einem der radikalsten Drogengegner des Erdballs, konnten man unter der Obhut der großen Göttin so manch damals als utopische geltenden Traum erfüllen. Welch ein Privileg sie doch genossen, ihren Verstand ohne irgendwelche Einschränkungen zeitweise ins Delirium zu befördern. Genervt strich sie sich ihren beerenfarbenen Pony aus dem Gesicht, um ihrem Kopf wenigstens etwas mehr Luft an diesem schwül-warmen Sommertag zu gönnen. Indem sie die Treppen auf- und abstieg, durfte sie nicht nur eteas Berufserfahrung sammeln, sondern sich sogar einen kleinen Obulus dazuverdienen. Trotzdem konnte Akemi den Feierabend kaum noch abwarten, doch es galt zu lächeln bis zum bitteren Ende, auch wenn ihr mittellanger Pferdeschwanz nicht zum ersten Mal zwischen dem Biertank auf ihrem Rücken eingeklemmt werden würde. Auf der höchsten Stufe des Stadions wehte immerhin ein ganz angenehmes Lüftchen, zudem bot diese Stelle einen sehenswerten Ausblick auf Zehntausende von Diclonii, an einem einzigen Ort versammelt, aber dennoch hierarchisch und ungleich angeordnet.

Über allem trohnte die Göttin – einem Diclonius, der als einziger seiner Art alle drei über Vektoren kontrollierbaren Elemente beherrschen konnte. Unter ihr standen vier Dutzend Duchessen als Präfekturherrscherinnen, die sich immerhin zwei verschiedene Mächte neben ihre Telekinesis zu Nutze machen konnten. Den dritten Rang nahmen gewönliche Elementardiclonii ein, während sämtliche anderen Diclonii mit einer Stufe darunter vorlieb nehmen mussten. In der Zeit des großen Umsturzes hatte die menschliche Regierungs Japans Militär aus aller Welt angefordert, um seiner Lage Herr zu werden, doch dies brachte im Endeffekt nur noch mehr Tod und Zerstörung, markierte den Beginn von verheerenden Cholera- und Thyphus-Epidemien und beschleunigte den Zerfall der menschlichen Gesellschaft nur weiter. Ein großer Teil der älteren, ursprünglicheren Diclonii überlebte diese Gefechte jedoch nicht, sodass die zurückblieben, die zu jung zum Kämpfen oder gewissermaßen anderweitig eingeschränkt waren. Eigentliche Elementardiclonii ohne Elementarkräfte zählten ebenfalls zu dieser Gruppe. Die fünfte und letzte Schicht vor dem Tierreich stellten die Menschen, auch wenn sich hier nicht alle einig waren, wer denn die bestialischeren Tiere letztlich stellte. Akemi belustigte es, dass die Menschen selbst untereinander noch eine Vielzahl an anderen Klassifizierungen nach Nationalitäten, Berufsgruppe, Geschlecht, sexueller Orientierung und anderen Gesichtspunkten heranzogen. Auf deren Stufe waren sie nun wirklich nicht in der Position dazu, schäbig völlig inkorrekt in semi-schäbig, solide schäbig und total schäbig zu unterteilen. Akemi schüttelte mit dem Kopf, wie albern diese Menschen doch waren – und doch waren sie für das neue Japan von höchster Bedeutung! Die Glücklichen unter ihnen wurden an einer der ein überschaubares Lehrspektrum an Fächern wie Medizin als Dozenten eingestellt, da die meisten Diclonii viel zu jung waren, um für das Zusammenleben als aufstrebender Staat essentielle Erfahrungen in diesen Bereichen zu verfügen. Der Rest von ihnen beschäftigte sich eben mit sämtlichen Arbeiten, für die ein Diclonius reine Verschwendung wäre. Das Schmutzige, das aber doch zum Fortbestehen einer Zivilisation notwendig war, wie Kanalarbeit oder Müllentsorgung. Ansonsten dienten sie den Diclonii als Wirte. Demnach war Kontakt zwischen Menschen und Diclonii nicht verboten, sondern sogar ausdrücklich gewünscht, doch das gestörte Verhältnis spross von Anfang an auf faulem, stickigen Boden. Selbstisolation der verbliebenen menschlichen Bevölkerung Japans hatte dies zur Folge, zu groß war die Angst. Immerhin standen einige zusammen mit den Diclonii für strategische Zwecke auf dem Rasen, nur die ausländische Bevölkerung hielt sich dezent mit Besuchen zurück. Die Einfuhr ausländischer Medien wurde zwar nicht gerne seitens der neuen Herrschenden gesehen, aber illegal war es nicht. Wie gütig die große Göttin doch war!

„Yaatona sore YOI YOI YOI, yaatona sore YOI YOI YOI! KUTABARE Sekihara! KUTABARE Sekihara! KUTABARE Sekihara! KUTABARE Sekihara!“, stimmten die Zuschauer wie eine einzige Einheit stimmgewaltig und martialisch das einstige Tokyo Ondo in ihrem modernen Colosseum an, bewegten ein paar Vinylschirmchen rauf und runter und bogen sich dann sogar den Namen des Gegners zurecht. Wer benötigte schon die absolut ersetzbare Silbe „ga“? Bald würde sich schon niemand mehr an sie erinnern, Sprache war formbar und der Geist war es ebenso. Auch hier erlaubten sich die Diclonii das blanke Kopieren einer menschlichen Errungenschaft, um es als ihre eigene zu deklarieren. Tokyo hatte sein Lied verloren, einen Großteil seiner Bevölkerung und seine Stellung sowieso – das kleine, unbedeutende Fischerdörfchen Edo befand sich wieder an dem Platz, den ihm die mittelalterliche Geschichte zugewiesen hatte. Die neue pulsierende Metropole hieß Nea Sagami, eine Stunde südwestlich von diesem Ort entfernt, den man nach zwanzig weiteren Jahren vielleicht komplett vergessen haben würde. Fasziniert blickte Akemi auf diesen einzigen pulsierenden Dicloniuskörper, bevor sie bereits zwei neue Erfrischungsgetränke fehlerfrei servieren musste. Ihre leicht katzenartigen Augen, beinahe schon mehr violett als Pink, erlaubten sich einen kleinen verstohlenen Blick auf den Personalausweis, der einer gehörnten Kundin beim Herauskramen von Münzgeld heruntergefallen war. Etwas wirklich Aufregendes konnte sie nicht entdecken, nur eben die üblichen Daten, die bei ihrem eigenen Ausweis wiefolgt angeordnet waren:

Akemi Λambda 5 (明美 Λ5)
*21.06.2005
in: Kamakura (鎌倉市)
164 cm


Neben einem Lichtbild, Name, Geburtsdatum, Geburtsort und Körpergröße verriet ein metallicblaues Kreissymbol mit dem Kanji-Zeichen 氷für Eis, um welche Elementarklasse es sich bei ihr handelte. Ein goldenes 雷symbolisierte Elektrizität, während ein ebenso glänzendes 炎-Symbol in Kupfer auf Feuer hinwies. Letzteres traf auf den Diclonius zu, der sich etwas peinlich berührt vorne überbeugte und die Ausweiskarte auflas, um sie kurz von Staub zu säubern und im Anschluss im Portemonnaie zu verstauen.

Die Dicloniusforschung war bereits 2003 beinahe an ihrem Klimax angelangt, benötigte aber nur zwei weitere ungestörte Jahre, um den perfekten Diclonius endgültig in all seinem Glanze auf die Menschheit loszulassen. Elementardiclonii wie Akemi, die nicht nur über die Möglichkeit verfügten, Hitze, Kälte oder elektrische Ladung zu ihren Gunsten über Vektoren zu verteilen, sondern im Gegensatz zu ihren Vorgängern nicht mehr steril waren. Das Genom der bis dato erzeugten Silpetiten wurde entscheidend verändert, zudem hatte man die unbegrenzte Länge der Vektoren für praktische Zwecke eindämmen können, sodass diese ihr Wachstum mit dem Erreichen des 18. Lebensjahres einstellten – im Nachhinein ein Segen für die Diclonii, da die benötigte Energieleistung solcher Vektoren nicht stemmbar gewesen wäre. Der entscheidende Schlüssel jedoch war der zurückgeschnittene Vernichtungstrieb der gehörnten Neumenschen – er wurde keineswegs komplett ausgelöscht, sondern auf eine Stufe mit der geistigen Leistung zurechtgestutzt, der Rationalität. Instinkt und Denken nebeneinander reichten sich die Hand, um zusammen das Optimum für die diclonische Bevölkerung herauszuholen. Was wie gewohnt mit radikaler Dezimierung der Menschen begann, pendelte sich bald bei einem Grenzwert an einem für die Fortpflanzung und niederen Tätigkeiten nötigen Bevölkerungsanteil ein, den es zu erhalten galt. Die Ratio verhinderte letztlich das suboptimale Verschwinden aller Wirte und sicherte eine nachhaltige Basis für die Diclonii. Aber heutzutage dachte niemand mehr großartig nach und jeder akzeptierte die Welt so, wie sie eben war.

Am Ende ihres Arbeitstages waren Akemis rote Basecap, ihr Poloshirt und ihr kurzes Faltenröckchen, allesamt Bestandteile einer mehr oder weniger sommergerüsteten Verkaufsuniform, ein Fall für die Wäsche oder mindestens für den Trockner. Statt sich im Zug zurück ins Herz Kamakuras auf die Kühlanlagen zu verlassen, erfrischte Akemi sich lieber selbst, in dem sie sich statt mit ihren eigenen Händen mit ihren Vektoren durchs Gesicht fuhr, Arme und Hüfte entlang bis zu ihren pitschnassen Oberschenkeln. Die kalte Energie wirkte binnen Sekunden, sodass ein kleines Fläschen Apfelsaft aus dem Automaten sämtliche Auswirkungen des drückenden Wetters annulierte. 30°C verriet ein Blick auf die Wetterbanderole des Zugs, wäre da doch nur nicht die feuchte Komponente! Ein flinker Linienwechsel von der JR-Hauptlinie in Richtung Yokohama und Tokyo zur Enoden-Linie für Enoshima und die Küste der Sagamibucht setzte Akemi erneut für kurze Zeit der niederschlagenden Gewalt des japanischen Hochsommers aus, doch es half ohnehin nichts.
„Morgen geht es an den Strand ...definitiv ...“, flüsterte sie mit gesenktem Blick, ziellos nach unten starrend. Wie gerne hätte sie den Zug bereits an Station 13, Kamakuras durch Schwemmgut und dicke Algenknubbel mäßig sauberen Stadtstrand Yuigahama, verlassen!
„Hase. Hase desu. E12. Deguchi wa migigawa desu. Tsugi wa Gokuraku-ji desu. E11“, kündigte eine zuckerwattesüße Frauenstimme Akemis Endstation Hase-Tempel an, für die sie den Zug auf der rechten Seite verlassen musste. Eine Station weiter lag Gokuraku-ji, ein trotz oder gerade wegen seiner Unscheinbarkeit sehr malerischer und idyllischer Bahnhof, der ab 19 Uhr unbemannt auskommen musste. Es gab kaum eine Woche, an dem Akemi sich nicht auf der Bahnhofsbank dort niedergelassen hatte, um dort ein bisschen Ruhe zu finden. Die Ansagen, die Bahnlinien, der mit besonders dunklem Sand ausgestattete Sand und die Jahrhunderte überdauernden Tempel … ein dösender Blick durchs Fenster verriet der dösenden jungen Diclonius-Dame immer wieder, dass sich seit 20 Jahren auch viele Dinge überhaupt nicht geändert hatten, so unterschiedlich die Umstände nun waren.

„Akemi!“
Müde beerenfarbene Augen blickten eher an der ein Glas Eiskaffee haltenden Person vorbei anstatt in ihre Augen. Akemis Priorität galt nun erst einmal dem Ablegen ihrer Basecap und dem Lösen ihres Pferdeschwanzes, sodass nicht nur die glatten Haare ihre Schultern komplett umhüllten, sondern auch ihre weiß-schwarz marmorierten Hörnchen wie kleine Katzenohren freilagen. Der Garten des Hase-Tempels bot einen prächtigen Anblick – neben einem kleinen Lotusteich glänzte diese uralte buddhistische Sakralstätte mit Ahorn, Bambus und einer Vielzahl anderer Repräsentanten der japanischen Flora, angeordnet zu einem von Menschen geschaffenen naturnahen Erlebnis, dem die erschöpfte Achtzehnjährige nun wirklich keine Aufmerksamkeit schenken konnte. Wieso musste sie sich nach der Arbeit mit ihr treffen, wo sie doch genau wusste, dass die quirlige Natsume schon seit Tagen auf etwas pochte?
Kein Wunder, dass ihr in diesem Moment einzig und allein Gedanken der Selbstgeißelung durch den Kopf gingen: „Wie unvernünftig kann ich denn überhaupt nur sein? Denke ich kein bisschen nach?“ Wer ebenfalls nicht zu denken schien, war Natsume, die ihre fast einen Kopf größere Freundin mit einer wahren Kaskade an Wörtern überschwemmte: „Akemi-chaaaan? Hörst du mir überhaupt zu? Ich habe überlegt, dass wir zusammen an diesem Wettbewerb teilnehmen.“
Akemi starrte ihre Twintails tragende zierliche Freundin blinzelnd an.
„W-was?“, stotterte sie unbeholfen und ließ sich voerst auf einer der Bambusbänke nieder, während die kleine Natsume sich an ihren Knien aufstützte und nach vorne beugte.
„Na das Sommerturnier! Im Frühjahr hattest du Schulstress, im Winter war dir das Wetter zu schlecht, im Herbst … was war noch mal deine Ausrede für Herbst gewesen?“
„Weiß nicht. Dieselbe wie für den Sommer vielleicht. Zu warm?“
„Ach komm schon! Du als Kryodiclonius, ich als Pyrodiclonius … wir sind das beste Team EV-ER!“
„Eines von Dutzenden, wenn nicht sogar Hunderten“, schnaubte Akemi, wandte ihren Blick zur Seite und schloss ihre Augen. Nachdem sich für Diclonii immer weniger echte Gelegenheiten zum Entladen und zum Zurschaustellen ihrer Kräfte boten, nahmen gewalttätige Auseinandersetzungen rasant zu. Die Göttin reagierte mit einer Schutzmaßnahme für ihre gehörnten Lämmchen, durch die im Quartalstakt Kampfturniere stattfanden, die in manchen Fällen dennoch tödlich enden konnten. Ein großer Geldpreis für den Sieger und eine leidenschaftlich geladene Kulisse für alle Teilnehmer, insbesondere in Kamakura selbst, lockten nicht gerade wenige Diclonii an.
Je intensiver die in ein hellblaues Sommerkleid gehüllte Natsume über ihren Strohhalm an dem dunklen Erfrischungsgetränk schlürfte, um so näher bewegte Akemi einen ihrer Vektoren in ihre Richtung.
„Du hast es versprochen!“
„Nie! Wann?“
„Einen Versuch war's wert! Aber versprochen, drüber nachzudenken, hast du!“
„Du weißt, was 'ich denke darüber nach' in unserer Sprache eigentlich bedeutet, oder?“, schaute der größere Diclonius den kleineren ernst an und tunkte einen Vektor in den Eiskaffee, der in Sekundenschnelle zu einem braunen Klotz gefror.
Natsume quiekte erschrocken auf und schüttelte hilflos ihr komplett beschlagenes Glas, bevor sie Akemi einen finsteren Blick zuwarf und ihren Eiskaffee durch ihren eigene Vektor zum Kochen brachte: „Eiskaffee – witzig! Aber jetzt mal ernsthaft: hast du eine solche Angst, zu sterben?“
Eine Antwort erhielt sie nicht, denn zu kompliziert, zu tiefgründig war die Frage, mit der sie ihr in Rot gekleidetes Gegenüber konfrontierte. Akemi verschwendete nicht einen weiteren Gedanken nach dieser Feststellung und verabschiedete sich klammheimlich in das Land der Träume.
Review schreiben
 
 
'