Kaiketsu Zorro - OS

von Sefira
OneshotAbenteuer, Romanze / P16
Zorro
14.11.2017
14.11.2017
2
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Selbst nach so vielen Jahren begeistert mich der Anime Z wie Zorro immer wieder aufs Neue. Die Charaktere, der Zeichenstil, die Geschichte selbst. Doch an manchen Stellen fehlen mir einfach ein paar Worte. Besonders an dieser: Episode 51 - Der Anfang vom Ende - als Lolita Zorros wahre Identität erfährt. An sich gefällt mir die Stelle, aber ich denke mir immer wieder, dass das doch nicht alles sein kann, was die beiden sich zu sagen haben.
Deshalb entstand dieser kleine OneShot hier. Ich möchte den Bildern ein paar mehr Worte mitgeben und habe mir dabei die Freiheit genommen, die Szene etwas zu verändern - -



Der Regen hatte nachgelassen. Stundenlang hatte das Gewitter gewütet, doch nun, in den frühen Morgenstunden, hatten die Wolken sich verzogen. Dunst stieg aus den feuchten Wäldern auf und letzte Tropfen plätscherten von den nassen Gräsern.
Blaue Schatten waberten durch Lolitas Zimmer und kündigten die nahende Dämmerung an. Es war still zu dieser frühen Stunde.
Still, bis ein Klackern an der Scheibe die Stille durchbrach.
Lolita schlug die Augen auf. Verwirrt, den Schlaf noch in den Augen, richtete sie sich auf und blickte zum Fenster hinüber, vor dem sich die Vorhänge bauschten.
Da war es schon wieder. Ein Geräusch, als würde jemand kleine Kiesel an ihr Fenster werfen. Kein Traum. Sie schwang die Füße aus dem warmen Bett auf den kalten Boden und lief zum Fenster.
Suchend glitt ihr Blick durch die geöffneten Flügel über den nebeligen Garten, bis eine Bewegung unter dem Baum vor ihrem Fenster ihre Aufmerksamkeit auf sich zog.
Aus dem morgendlichen Grau trat der kleine Zorro. Sein Gesicht war bleich, die Augen beinahe ängstliche geweitet und sofort bildete sich ein besorgter Klumpen in Lolitas Magen.
Ein ungutes Gefühl beschlich sie. „Kleiner Zorro, was ist? Ist etwas passiert?“ Sie meinte kleine Tränen sich in seinen Augenwinkeln bilden zu sehen, bevor er nach der Maske griff und sie mit einem trotzigen Ruck von seinem Gesicht riss.
„Bernard? Du?“ Sie konnte die Überraschung nicht aus ihrer Stimme verbannen. „Lolita, ich...“ „Warte einen Moment.“ Hastig schlüpfte sie in ihr Kleid, warf einen Mantel über und eilte hinunter in den Garten.
„Was ist passiert Bernard?“, fragte sie den kleinen Jungen erneut, bevor sie das Blut bemerkte, das an seinen schwarzen Handschuhen klebte. Der Junge bemerkte ihren Blick und richtete die Augen ebenfalls auf die rot verschmierten Handschuhe. „Zorro...“, begann er mit leiser Stimme: „Er….er ist schlimm verletzt Lolita und… und...“ Er konnte ein Schniefen nicht unterdrücken. „Ich habe so Angst, dass er stirbt.“ Jetzt rollten die Tränen doch über sein Gesicht und er schlag die Arme um das Mädchen. „Bitte, du musst ihm helfen!“

Er führte sie in den Wald, zwischen den taufeuchten Gräsern hindurch und immer weiter bis zu einer kleinen Lichtung, auf der Viento graste. Der weiße Hengst, der Lolita nur allzu vertraut war, hob den Kopf und schnaubte sacht. An einem Baumstamm hinter ihm konnte Lolita eine zusammengesunkene Gestalt ausmachen. Zorro! Sie warf Bernard einen kurzen Blick zu, packte ihren Korb fester und eilte zum ihm hinüber.
Sein Anblick ließ sie scharf die Luft einziehen. Blut besudelte sein weißes, mit Straßendreck beschmiertes Hemd. Schlaff und leblos lag er auf seinem ebenfalls verdreckten Umhang und atmete schwach. Aus einer hässlichen Wunde am Bauch floss noch immer Blut.
Ein entsetztes Keuchen entwich ihr und sie schlug sich die Hand vor den Mund. So schlimm war er noch nie zugerichtet gewesen. „Glaubst du er wird es schaffen?“, fragte Bernard, der neben sie getreten war mit so leiser Stimme, als würde er sich kaum trauen die Frage laut auszusprechen.
Lolita schluckte. „Dazu muss ich ihn mir erst...“ Ihre Stimme verlor sich, als sie erneut den verletzten jungen Mann musterte, der ihr schon immer so vertraut vorgekommen war.
Er trug noch immer seine übliche schwarze Kleidung, aber in diesem Moment fehlte etwas Entscheidendes.
Etwas Essentielles.
Seine Maske.
Sie konnte es nicht fassen. Einen Moment stand sie einfach nur reglos da, während sie auf den jungen Mann zu ihren Füßen starrte.
Sein Gesicht.
Zorros Gesicht.
Diegos Gesicht.
Ihr Diego. Bleich, verdreckt und seltsam entrückt aber unverkennbar.

„Ich hoffe du kannst uns verzeihen, Lolita“, kam es leise von Bernard.

Doch in Lolitas Kopf wirbelte in diesem Moment alles durcheinander.
Bilder von früher, als sie und Diego noch Kinder gewesen waren. Wie er sie und viele andere stets in Schutz genommen hatte. Wie er stets für sie eingetreten war und sie verteidigt hatte, auch wenn seine Gegner in der Überzahl waren.
Diego, nach seiner Rückkehr aus Spanien. Diego, der Feigling, der immer genau dann verschwand, wenn Zorro am meisten gebraucht wurde. Diego, der ganze Vormittage verschlief. Diego, der ständig mit größeren und kleineren Verletzungen zu ihr kam, von Missgeschicken, die so dämlich waren, dass sie sich nun, bei genauerem Hinsehen, als Lügen entpuppten. Diego, der die Narben Zorros trug. Diego, der nichts von seinem wahren Wesen je eingebüßt hatte, wie sie seit seiner Rückkehr gedacht hatte. Wie hatte sie es nur nicht bemerken können?
Wie hatte sie so blind sein können? Warum hatte sie die Täuschung nie durchschaut?

Mit Bestürzen dachte sie an die unzähligen Male, an denen sie sich über ihn lustig gemacht hatte. An die unzähligen Male, an denen sie ihn mit Zorro verglichen hatte, ihm seine Feigheit vorgehalten hatte, in der Hoffnung, den alten Diego unter all der Trägheit wieder zu finden. Dabei war er die ganze Zeit da gewesen. Hätte sie doch bloß die Augen geöffnet...

„Ka...Kannst du ihm helfen?“ Bernards klägliche Stimme brachte sie zurück aus der Welt ihrer Gedanken. Wortlos ließ sie sich neben Diego auf die Knie sinken und begann vorsichtig sein Hemd aufzuknüpfen.
Warum war ihr nie aufgefallen wie muskulös er war? Wie sehnig und schlank, wobei er doch den lieben langen Tag nichts anderes tat als zu faulenzen... Alle abwegigen Gedanken verschwanden in dem Moment als sie den letzten Knopf öffnete und den feuchten Stoff behutsam von der klaffenden Wunde zog.
Sie war hässlich und noch immer sickerte Blut heraus und lief in roten Striemen an seinen Seiten hinab. Doch sie war nicht so tief wie sie befürchtet hatte. Er würde überleben.
Sie packte die Verbände und Arzneien aus ihrem Korb.

Es war ein seltsames Gefühl gewesen Zorro, nein Diego, zu behandeln. Nicht, dass sie nicht beide schon zuvor verarztet hätte. Doch dieses Mal war etwas anders gewesen. Sie konnte nicht sagen weshalb. Es war, als würde dort ein Fremder vor ihr liegen, den sie gedacht hatte zu kennen. Sie hatte gedacht sowohl Zorro, als auch Diego zu kennen und nun… Nun musste sie feststellen, dass sie beide nicht wirklich gekannt hatte, waren sie doch zwei Seiten derselben Münze.
Auch löste es ein seltsames Gefühl in ihr aus, ihn halb entblößt so vor ihr liegen zu sehen. Es war intimer – hatte nicht mehr die Distanz der Maske aber auch nicht den freundschaftlich spottenden Aspekt zu Diego. Es war, als wäre ihr unbewusster Wunsch wahr geworden und nun wusste sie nicht so recht wie sie sich verhalten sollte.

Die Sonne begann langsam den Horizont zu erklimmen, während Lolita und Bernard in stiller Eintracht neben dem verletzten Zorro saßen und hofften und bangten, er möge bald erwachen.
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