to all the boys i've loved before

von faya luna
GeschichteRomanze, Freundschaft / P12
14.11.2017
03.11.2018
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I. From: Lacy Lowry. To: All the boys I've loved before.

[1. Dezember]


Die Strahlen der Wintersonne erhellten die kleine Küche, fielen auf ihr helles Haar und wärmten ihr Gesicht. Lacy Lowry schloss genießerisch die Augen, dann nahm sie einen Schluck von ihrem Hagebuttentee. Sofort bereute sie diesen Schritt, das heiße Getränkt verbrannte ihre Zunge und ließ sie husten. Der Schmerz zog durch ihren Mund ihre Kehle hinunter, kurz aber stechend. Sie hätte damit lieber noch ein wenig warten sollen. Seufzend wandte sie sich ihren Pancakes mit Erdbeeren zu, die sie sich heute morgen ganz entspannt zubereitet hatte. Endlich hatten die Semesterferien begonnen und die schönste Zeit des Jahres war angebrochen. So sehr Lacy den Sommer auch liebte, wenn im Winter der Schnee fiel und an Weihnachten alle Menschen, die sie liebte zusammenkamen, war das für sie der beste Teil des Jahres, die Zeit auf die sie sich immer freute.

Während sie sich der New York Times zuwandte und damit begann, aufmerksam die Artikel zu studieren, griff sie wieder nach ihrer Tasse. Diesmal nahm sie aber einen vorsichtigen Schluck, ein Lächeln schlich sich auf ihr Gesicht, als das fruchtige Aroma sich in ihrem Mund verbreitete. Die warme Tasse mit beiden Händen fest umschlossen las sie sich die Schlagzeilen auf der Titelseite durch. Anscheinend erwarteten die Geschäfte vor Weihnachten wieder den gewohnten Ansturm an Leuten, die Geschenke kauften. Lacy selbst hatte noch keine für ihre Freunde besorgt. Dass musste sie unbedingt noch machen, nicht, dass sie damit drei Tage vorher erst anfing.

Ein melodisches Pling riss sie aus ihren Gedanken und brachte sie dazu, den Blick von der Zeitung wieder auf ihr Frühstück zu lenken. Das störende Geräusch kam von ihrem Handy, das neben ihr auf dem Tisch lag. Mit einem leisem Seufzen stellte Lacy ihren Tee vor sich ab und griff nach ihrem roséfarbenen iPhone. Neugierig warf sie einen Blick auf das Display. Eine ihrer Freundinnen hatte in ihre gemeinsame Gruppe geschrieben. Mit einem Lächeln entsperrte Lacy das iPhone und öffnete den Chat.

Tania: Bin gestern gut bei Lukas angekommen, wollen wir uns heute im Raytoon treffen?

Lacys Lächeln vertiefte sich. Titania studiert im Gegensatz zu den meisten ihrer Freunde nicht in New York, sondern in San Francisco. In den Semesterferien kam sie aber immer nach New York, um ihren Zwillingsbruder Lukas und ihre Freunde zu besuchen. Das letzte Mal war im Sommer gewesen, Lacy hatte das fröhliche Mädchen schon vermisst. Umso mehr freute sie sich auf das Wiedersehen.

Lacy richtete ihren Blick wieder auf ihr Handy. Inzwischen hatten zwei ihrer anderen Freundinnen geantwortet.

Mira: Supi, bin dabei!

Lay: Ich kann nicht kommen, Aiden kommt mich besuchen:)

Hazel: Schade, aber ich bin dabei

Schnell tippte Lacy ihre Antwort, dann wanderte ihr Blick zu der Uhr, die über der Spüle hing. Sie hatte noch zwei Stunden, dann würde Hazel sie abholen kommen. Lacy konnte es immer noch nicht ganz fassen, dass sie tatsächlich im selbem Haus wohnten. Es war unwahrscheinliches Glück gewesen, dass sie die Wohnung in der Malleur Street für kleines Geld hatte mieten können. Kurz darauf hatten Hazel und ihr Freund Frank die Wohnung eine Etage unter Lacy gekauft. Miranda hatte früher noch mit ihrer Schwester Katie in der Wohnung gegenüber gewohnt, seit Katie jedoch ausgezogen war, wohnte Sherman bei der Brünette, die den Blumenladen im Erdgeschoss leitete.

Schnell trank Lacy den Rest ihres Tees, dann erhob sie sich und machte sich auf den Weg in ihr Schlafzimmer. Heute morgen beim aufstehen war sie noch zu müde gewesen, um das erste Türchen ihres Adventskalenders zu öffnen. Jetzt verzogen sich ihre Lippen zu einem vorfreudigen Lächeln, ihre himmelblauen Augen funkelten vor Aufregung wie die eines kleinen Mädchens. Viele mochten es als kindisch ansehen, dass sie mit Zwanzig noch einen Adventskalender besaß, aber für Lacy war es eine der kleinen Freuden des Lebens, auf die sie nicht verzichten wollte. Der Geschmack nach Schokolade und Karamell zerging auf ihrer Zunge, ließ ihr Lächeln noch strahlender werden. Jeden Morgen ein Stück Schokolade, jeden Morgen ein Stück Glück.

Ein leises Miauen lenkte Lacys Aufmerksamkeit auf eine Katze mit weißem, langem Fell. Queen, wie sie ihre Katze getauft hatte, strich ihr um die Beine und blickte sie aus schwarzen Augen auffordernd an.

„Na komm her, du.“ Vorsichtig hob Lacy sie hoch und trug sie zurück zur Küche, um ein kleines Schälchen mit Milch zu füllen. Ihre Katze trug ihren Namen zurecht, sie war die kleine Königin in der Malleur Street 15, wo Lacy ihre Wohnung hatte.

Nachdem Lacy in den Tiefen ihres Kleiderschrankes etwas passendes zum anziehen gefunden und sich fertig geschminkt hatte, setzte sie sich an ihren kleinen, hölzernen Schreibtisch. Auf diesem herrschte das reinste Chaos, überall lagen noch Unterlagen ihres Literaturstudiums herum, sogar eine leere Kaffeetasse. Lacy beschloss die Unordnung zu beseitigen, wenn sie wieder da war. Jetzt musste sie erstmal den Brief für Piper finden. Lacy hatte vor, ihre große Schwester und deren Mann Jason dieses Weihnachten zu sich einzuladen, nachdem sie letztes Jahr bei ihnen in ihrem großem Haus in Los Angeles zusammen gefeiert hatten. Die Einladung dafür hatte sie schon in einer langweiligen Vorlesung geschrieben, wofür sie von ihrer Sitznachbarin einen empörten Blick kassiert hatte. Aber Lacy konnte nichts dafür, dass ihr Professor alles so langweilig und einschläfernd wie nur möglich erzählte.

In der zweiten Schublade fand sie dann endlich einen Stapel Briefe. Verwirrt zog Lacy die fein gezupften Augenbrauen zusammen. Sie sollte wirklich mal ihren Schreibtisch aufräumen. Was hatte sie denn noch für Briefe hier rumliegen?

Neugierig überflog sie die Adressen. Das war doch nicht möglich...oh Götter. Lacy kicherte leise auf. Wie hatte sie das nur vergessen können! Sie hatte schon immer eine Schwäche für Romantik gehabt. Damals hatte sie beschlossen, allen Jungen, die sie je geliebt hatte, einen Abschiedsbrief zu schreiben – um mit der Vergangenheit abzuschließen und all ihre Gefühle einfach mal rauszulassen. Fünf Liebesbriefe an fünf verschiedene Jungen.

Das schrille Klingeln ließ sie aufschrecken und die Briefe achtlos auf den Schreibtisch werfen. War es wirklich schon so spät? Lacy hatte völlig die Zeit vergessen – typisch für sie, irgendwie schaffte sie es nie pünktlich zu sein. Schnell hastete sie zur Tür und öffnete diese schwungvoll. Hazel brauchte nur einen Moment, um die Situation zu erfassen und spielerisch die Augen zu verdrehen. Dann betrat sie die Wohnung und schloss die Tür hinter sich, während Lacy hektisch ins Badezimmer lief, um ihre trockenen Lippen nochmals mit dem Pflegestift nachzufahren. Dann schlüpfte sie in ihre Winterstiefel und blickte dabei vorwurfsvoll zu Hazel hoch. Ihre Freundin hatte sich keinen Millimeter bewegt und beobachtete sichtlich amüsiert Lacys Versuche, sich gleichzeitig zu beeilen und richtig anzuziehen.

„Du könntest mir helfen“, nachdenklich betrachtete sie ihre Schalsammlung, „Auf meinem Schreibtisch liegt ein Brief, ich wollte ihn auf dem Weg noch kurz einwerfen.“

Während Hazel durch eine der Türen verschwand, warf sich Lacy ihren anthrazitfarbenen Wintermantel über und betrachtete dann ihr Outfit im Spiegel.

„Du siehst hübsch aus, Lace. Und jetzt komm, wir müssen uns beeilen.“

„Wir sind doch eh schon zu spät.“ Schnaufend folgte Lacy Hazel die Treppe hinunter. Ihre Freundin ging nicht auf ihr letztes Kommentar ein, sondern öffnete schon die Türen eines weißen Mini. Das Auto war Lacys ganzer Stolz, sie hatte ziemlich lange dafür gespart.

„Na los“, Hazel drehte das Radio auf und sah sie auffordernd an. Lacy schmunzelte. Ihre Freundin war lieb, aber Geduld war nicht ihre Stärke.

* * *

Der Geruch von Zimt, Plätzchen und Kaffee stieg Lacy in die Nase, sobald sie das kleine Café betrat. Hinter ihr seufzte Hazel verzückt auf.
Ihre Freundinnen warteten tatsächlich schon auf sie. Erfreut stellte Lacy fest, dass sie für sie mitbestellt hatten, auf ihrem Platz stand eine Tasse, deren Inhalt einen Geruch nach Karamell und Zimt verströmte. Aufmerksam musterte Lacy ihre Freundinnen, Miranda nippte schon an ihrer heißen Schokolade, und lächelte sie wohlwollend an. Titania schenkte ihr ein breites Strahlen, ein paar Strähnen ihres hellblonden Haares fielen ihr ins Gesicht.

„Ich hab euch alle so vermisst, San Francisco ohne euch ist so leer.“

Hazel lachte auf. „Leer? Tania, so wie ich dich kenne hast du in dem halbem Jahr, das wir uns nicht gesehen haben, schon wieder neue Freundschaften geschlossen.“

Die Lippen der Blondine verzogen sich zu einem Schmollmund. „Aber das ist nicht dasselbe!“

Lacy verdrehte die Augen und stupste ihre Freundin sanft in die Seite. „Aber jetzt bist du ja hier.“

„Mmh...“, Tania starrte abwesend auf die Tischplatte, dann hob sie den Kopf und lächelte erneut breit. „New York ist im Winter so schön! Die ganze 5th Avenue ist in rot und gold geschmückt, überall leuchten Lichterketten und man kommt so richtig in Weihnachtsstimmung! Denkt ihr, dass es noch schneien wird?“ Aufgeregt blickte sie sie an, ihre Wagen waren leicht gerötet. Lacys Lächeln wurde unverweigerlich eine Spur breiter.

„Vielleicht, kalt genug ist es auf jeden Fall schon.“

Sie hoffte wirklich, dass es noch schneien würde. Ein Weihnachten ohne Schnee konnte und wollte sie sich einfach nicht vorstellen.
Die Mädchen saßen noch lange im Café und lachten über dies und das, bis sich schließlich draußen der Himmel verdunkelte und die zahlreichen Lichter der Stadt aufleuchteten. Es wurde einstimmig beschlossen, noch auf ein Glas Wein, oder in Hazels Fall eine heiße Schokolade bei Lacy vorbeizuschauen. Und so sangen sie die ganze Fahrt zur Malleur Street Weihnachtslieder, wobei Lacy aufpassen musste nicht noch jemanden mit ihren Fahrkünsten anzufahren – gerade in der Dunkelheit war sie immer besonders vorsichtig.

„Mira, sieh es ein, du kannst einfach nicht singen.“

Hazel versuchte verzweifelt Miranda davon abzuhalten ihre eigene Version von „Last Christmas“ zu singen – erfolglos.

Lacy war so froh, ihre Freundinnen zu haben. Der Tag war, bis auf Laylas Ausfall perfekt gewesen. Nichts würde Lacys Stimmung jetzt noch trüben können.

* * *

„Hazel“ Lacys Stimme hallte durch die Wohnung. Ihre Freundinnen lachten noch immer im Wohnzimmer, wo sie es sich mit einer Flasche Wein und vielen Decken vor dem Kamin bequem gemacht hatten. Lacy selbst war erst vor ein paar Minuten widerwillig von ihrem Platz aufgestanden und hatte die Wärme des Feuers hinter sich gelassen. Sie hatte nur einen Literaturaufsatz holen wollen, um ihren Freundinnen das Kommentar ihres Professors durchzulesen. Das war immer für ein paar Lacher gut. Lacy hingegen war gerade gar nicht zum Lachen zumute – ein Blick auf ihren Schreibtisch und sie hatte festgestellt, dass etwas Entscheidendes fehlte.

„Hazel“ Lacy lief zurück, rutschte mit ihren dicken Socken beinahe auf dem Holzboden aus. „Hazel, hast du den Brief für Piper wirklich in den Briefkasten geschmissen?“

Ihre Freundin hatte den Brief die ganze Zeit in der Hand behalten und war kurz aus dem Auto gesprungen, als Lacy vor einem gelbem Briefkasten angehalten hatte. Jetzt runzelte das Mädchen mit den karamellfarbigen Locken verwirrt die Stirn.

„Ja, Lace, du warst doch dabei?“

Verzweifelt blickte Lacy in Hazels braune Augen.

„Und wie viele Briefe hast du eingeworfen?“

Jetzt blickte Hazel womöglich noch verwirrter. Auch Miranda und Titania verstanden nicht, warum Lacy auf einmal so verzweifelt war.

„Sechs Stück, sie lagen alle auf deinem Schreibtisch.“

Lacy atmete laut hörbar aus und ließ sich resigniert in ihren Lieblingssessel fallen.

„Ich brauche ein Glas Wein. Ein volles Glas.“

„Lacy, was ist los?“ Titania war von ihrem Platz gerutscht und kniete nun vor ihr, auch ihre anderen beiden Freundinnen waren näher an sie herangerückt und musterten sie mit einem sorgenvollem Ausdruck in den Augen.

„Die Briefe -“, Lacy stockte und blickte gequält zur Decke, „Nur der eine war für Piper. Die anderen waren Liebesbriefe.“

Stille. Lacy hörte nur Queen leise miauen.

„Liebesbriefe, an alle Jungen die ich zuvor geliebt habe.“


hallo an alle die das hier lesen:)

zuerst einmal freut es mich riesig, dass ihr diese FF angeklickt habt. Wie immer dürft ihr mir Rückmeldung aller Form da lassen:)

ich habe beschlossen eine kleine Weihnachtsgeschichte zu schreiben – zumindest wird sie in der Zeit zwischen dem 1. und 25. Dezember spielen. Die Idee ist eigentlich simpel: Lacys Briefe landen alle bei ihren Empfängern, die daraufhin kurzerhand beschließen sie besuchen zu kommen. Das sorgt natürlich für einiges an Chaos in Lacys Leben und das kurz vor Weihnachten. Außerdem werden nebenbei noch einige Probleme anderer Charaktere angesprochen, aber der Fokus wird auf Lacy liegen.

Wie aus dem Kapitel hervorgeht, hat Lacy bis jetzt fünf Jungen geliebt. Welche das sind bleibt noch geheim – ihr könnt aber gerne raten:)
Der erste sollte relativ leicht zu erraten sein.
Für den Zweiten sollte man meinen OS 'we could be anything' kennen – oder man errät es auch so:)
Ein Hinweis auf den Dritten findet ihr in Jamies aka -khaleesi- OS 'one more chance.'
Der Vierte ist zugegebenermaßen schwer zu erraten...aber sowohl Rick Riordan als auch die Aphroditekinder beschreiben ihn als sehr attraktiv.
Also wenn jemand raten möchte...die Auflösung kommt vermutlich erst im dritten Kapitel:)

Außerdem habe ich mich für diese FF mal an einer Website versucht. Ihr findet sie über dem Kapitel verlinkt.

Allerliebste Grüße,

faya

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