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Alles auf der Erde

GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Coyote Stark Hitsugaya Toushirou OC (Own Character)
14.11.2017
27.12.2019
32
51.854
8
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1 Review
 
27.02.2019 1.105
 
Kapitel 6: Die letzte Träne

Der Palast war ein kaltes, tristes Labyrinth.
Sie saß in einem gigantischen, eintönig weißen Schlafzimmer.
Aizen hatte sie eingekleidet.
Ganz in weiß. Passend zum Schloss, wie eine Barbiepuppe die farblich koordinierte Kleidung für ihr Auto und Haus trug.
Es kam ihr so falsch vor, die Farbe der Unschuld zu tragen in so einem freizügigen Outfit.
Am Anfang hatte er sie jagen lassen und dabei beobachtet.
So waren einige Tage vergangen und er hatte sie zurück ins Schloss geholt und ihr den schwarzen Mantel gegeben, um sich zu verhüllen, ehe er sie regelrecht abgestellt hatte in diesem tristen Zimmer.
Vor ihr prangte ein leerer, weißer Schreibtisch.
Alles war so trostlos an diesem Ort.
So farblos.
Aizen hatte sie allein gelassen.
Er ließ auf sich warten.
Der Shinigami hatte davon gesprochen, jemanden überraschen zu wollen.
Sie wusste, wen er holte.
Wie viele Jahre waren vergangen, seit sie gestorben war? Hatte er sich verändert? War er immer noch mit Rangiku verlobt?
Er hatte sie geküsst.
Es war ein Abschiedskuss gewesen, wild und ungestüm.
Und sie war gestorben.
Yukiko starrte auf den weißen Schreibtisch.
Empfand er überhaupt noch etwas für sie? Es war so lange her, er glaubte sie tot. Nein, es wäre besser, wenn er nichts mehr empfinden würde.
Die Tür schloss sich.
Die Arrancar versuchte nicht zusammen zu zucken. Sie hatte sie nicht kommen hören.
„Wer is das?~“, seine Stimme erfüllte den Raum für einen kurzen Moment.
„Meine Überraschung.“
Sie spürte, wie ihre Hände zitterten, bewegte sich aber nicht.
„Steh auf“, befahl Aizen hinter ihr und sie leistete stumm Folge.
„Wer ist das?“, Gins Stimme wurde ernst, aber Aizen antwortete nicht.
Mit kaum hörbaren Schritten umrundete er die Arrancar und sah sie beinahe liebevoll an. Seine feingliedrige Hand streckte sich nach ihr aus, strich über ihre Wange.
„Ja, wer ist das“, seine Stimme war sanft und bösartig. Verführerisch: „Wer ist das, Gin?“
Der Silberfuchs setzte sich in Bewegung. Sie spürte sein Reiatsu, hörte seine leisen Schritte.
„Wer ist sie?“, seine Stimme zitterte.
„Zieh die Kapuze ab“, befahl Aizen.
Kurz zögerte Yukiko, dann leistete sie Folge.
Für einen Moment entglitt Gin die Kontrolle, sein Reiatsu flammte auf.
Und seine langen Finger glitten in ihr Haar, strichen hindurch: „Wer ist sie?“, wiederholte er, jetzt matt und flüsternd: „Wer ist sie?“
„Yukiko, dreh dich um“, Aizen schenkte ihr ein aufmunterndes Lächeln.
Und sie leistete Folge.
Gins Reiatsu entglitt ihm erneut, stärker, wirbelte ihr Haar auf.
Sie starrte auf seine Brust, konnte ihn nicht ansehen. Auch er war ganz in weiß gekleidet.
Und seine Hände berührten ihre Wangen, strichen ihren Hals hinab, berührten die seltsame Masse in ihrer Brust. Zwangen sie schließlich aufzusehen.
„Miyuki“, er weinte.
Da war kein Lächeln, wie sie es so oft gesehen hatte. Da war auch nicht der ernste Blick, den sie kennengelernt hatte. Da war Verzweiflung und da waren Tränen.
Und sie schwieg.
„Sie heißt Yukiko“, korrigierte Aizen mit heiterem Ton: „Sie ist schön geworden, findest du nicht auch?“
„Sie heißt Miyuki“, Gins Daumen fuhr die Form ihrer Lippen nach: „Und sie ist tot.“
„Du siehst, dass das nicht wahr ist“, sie konnte das Lächeln in Aizens Stimme hören.
„Sie nicht, du kannst sie nicht haben. Es wird wahr sein und wenn ich es selbst tun muss“, und seine Hände rutschten tiefer, legten sich um ihren Hals, drückten zu.
„Sie heißt Miyuki und sie ist tot. Du kannst sie nicht haben.“
„Gin“, ermahnte er ihn leise.
Es tat weh, sein Griff war unerbittlich. Er schnürte ihr die Luft ab, aber sie rührte keinen Finger, schloss die Augen.
Vielleicht wäre es das Beste ihn machen zu lassen.
Zu sterben.
Wieder zu sterben.
Aber durch seine Hände. Durch Liebe.
Und dann wurde sein Griff locker, seine Hände glitten kraftlos an ihrem Körper entlang und das einzige Geräusch war sein Schluchzen.
Sie öffnete die Augen wieder, erwiderte seinen Blick.
„Es tut mir so leid, Miyuki. Ich habe es nicht gewusst. Ich wollte das nicht, du verdienst das nicht. Es tut mir so leid...“
„Yukiko, wem dienst du“, unterbrach Aizen barsch.
„Dir, Aizen-sama“, erwiderte sie leise.
„Yukiko, wessen Befehlen wirst du folgen?“
„Deinen, Aizen-sama.“
„Miyuki...“, hilflos strichen seine Hände über ihre Wangen.
„Yukiko, wem gehörst du?“
„Dir, Aizen-sama.“
„Ist sie nicht ein gutes Mädchen? Yukiko, schlag ihn.“
Sie zuckte zusammen, sah über die Schulter zu Aizen. Suchte in seinen Augen nach einem Zeichen, bekam keins.
„Wie fest?“, fragte sie, um Zeit zu gewinnen.
„Nicht fest. Es geht mir nur um die Symbolik“, ihr Meister lächelte sie an und sie wandte sich angewidert ab, holte aus...
Und schlug den Mann, den sie geliebt hatte, den Mann, den sie vielleicht noch immer liebte.
Ihre Hand war nass von seinen Tränen.
Gin sah sie an, während seine Wange rot wurde, die langsam von neuen Tränen benetzt wurde.
„Du bist tot.“
„Miyuki ist tot“, bestätigte sie, wobei ihre Stimme einbrach: „Yukiko gehört Aizen. Er ist mein Meister, mein Schöpfer und mein Gott. Miyuki ist tot. Sie ist gestorben. Als dumme, sture Offizierin im Dienst der Hofgarden. Gestorben. Alleine und verzweifelt, zu schwach, um sich zu wehren. Gestorben. Und ich bin selbst daran schuld gewesen.“
„Es tut mir leid, dass du gestorben bist“, er strich ihr Haar hinter ihre Ohren: „Es tut mir so leid. Ich habe dich geliebt. Aber du bist jetzt tot. Du bist tot. Das hier ist jemand anderes. Jemand, den ich nicht kenne, nicht mal kennen lernen will.“
Sie spürte, wie ihre Augen feucht wurden.
Es tat weh.
Es tat so weh.
Weil er Recht hatte. Sie war jemand, der sie nie sein wollte, im Dienst desjenigen, den sie hatte vernichten wollen.
Sie war der Feind geworden, gegen den sie damals in den sicheren Tod gezogen war.
Sie war sein Feind geworden.
Eine einzelne Träne löste sich und rollte ihre Wange hinab.
Sanft strich Gin sie weg.
Ihr ehemaliger Taichou sah sie an: „Es war mir eine Ehre, dich gekannt zu haben, Hakuma Miyuki.“
Dann drehte er sich um und ging.
Sein Reiatsu flimmerte schwach in der Luft, verriet wie aufgewühlt er war, auch nachdem seine Schritte bereits verklungen waren.
„Das hast du gut gemacht“, Aizens Hände legten sich auf ihre Schultern wie eiserne Fesseln:  „Er sah sogar noch verzweifelter aus als in der Nacht, in der ich dich getötet habe.“
Ein kalter Schauer lief ihren Rücken hinab.
„Vergiss nicht, ich kann es jeder Zeit wieder tun... wenn du dein Wort brichst. Du warst sein. Jetzt bist du mein.“
Sie starrte die offene Flügeltür an.
Er hätte ihr einziger Verbündeter sein können.
Aber er hatte Miyuki geliebt.
Sie war jetzt etwas anderes.
Sie war jetzt Aizens Spielzeug.
Sie war Yukiko.
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