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Alles auf der Erde

GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Coyote Stark Hitsugaya Toushirou OC (Own Character)
14.11.2017
27.12.2019
32
51.854
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27.12.2019 4.348
 
Epilog

„Du musst keine Angst haben“, Miyuki streckte sich und ließ ihre Knochen knacken.
Die Betten in der 4. waren hart wie Stein und taten ihrem Rücken definitiv nicht gut.
Der Schmerz durchzuckte sie, aber sie hatte es erwartet.
Noch immer fühlte es sich an, als wären die Schnitte frisch, auch wenn man nichts mehr sehen konnte.
Der Schmerz war da, wie ein Schatten, und er würde so schnell nicht wieder gehen.
„Ich weiß!“, Ashido verschränkte die Arme.
„Du siehst komisch aus ohne deinen Fellmantel und die Masken...“, sie musterte ihn. Er war sauber. Seine Uniform ordentlich und neu und das alles sah einfach...falsch aus.
„Ich weiß!“, er schielte zu ihr runter und streckte die Hand aus, wuschelte durch ihr Haar, wie er es immer getan hatte: „Du siehst auch komisch aus, ganz ohne Panzer und ohne Maske.“
„Blödmann“, sie streckte ihm die Zunge raus und lachte: „Ich mag zwar keinen Panzer mehr haben, aber ich bin doch immer noch dein gutes Mädchen, oder?“
Kopfschüttelnd gluckste er: „Klar, du bist immer mein gutes Mädchen.“
„Weißt du, wenn du da rein gehst, stell dir einfach vor, es wäre der Hollowwald, vielleicht fühlst du dich dann wie zuhause!“, sie sah ihn aus dem Augenwinkel an, wartete auf eine Reaktion, aber sein Gesicht blieb unbewegt. Eisern starrte er geradeaus: „Klar, und als nächstes bestell ich mir einen Felsen, auf dem ich schlafen kann.“
„Oh man, Ashido“, sie boxte ihm kichernd in die Seite und hakte sich unter: „Das hab ich ja sowas von vermisst!“
Der Mann lächelte gutmütig: „Ich hab das auch vermisst.“
„Hey, jetzt wenn du in die Sonne kommst, kriegst du vielleicht auch mal ein wenig Farbe!“, sie hob den Blick und betrachtete den blauen Himmel.
„Bei meinem Glück kriege ich Sonnenbrand“, stellte er kühl fest: „Aber die Sonne habe ich auch vermisst...“
„Es ist echt, weißt du, es ist wahr, wir sind zuhause und wir sind in Sicherheit. Kannst du es glauben?“, sie legte ihren Kopf an seine Schulter und betrachtete die leeren Gassen, die sich in alle Richtungen erstreckten.
„Nein... du?“
Stumm schüttelte sie den Kopf.
Eine Weile gingen sie einfach stumm vor sich hin.
„Kannst du schlafen?“, fragte sie in die Stille.
„Nicht wirklich...“, er sah zu ihr runter: „Es ist so leise hier. Und so friedlich, aber ich finde keine Ruhe, habe immer das Gefühl, dass hinter der nächsten Ecke ein Feind lauert.“
„Was denkst du, wie lange wird es wohl dauern, bis wir durchschlafen können?“, ein Shinigami drückte sich an ihnen vorbei, schenkte ihr dabei einen verächtlichen Blick.
„Ich weiß es nicht...“, er seufzte und sah sie an: „Aber ich weiß eines, mit dir an meiner Seite fühle ich mich sicherer.“
„Awww du wirst sentimental!“, zog sie ihn auf und grinste ihn herausfordernd an.
Ashido stöhnte genervt: „Warum begleitest du mich nochmal?“
„Weil ich einen guten Draht zu Kyōraku hab!“, sie strahlte ihn an: „Und weil du mehr Angst vor einem Taichou hast, als vor einem ganzen verfluchten Wald voller Hollow!“
„Stimmt, da war ja was...“, er lachte, zog sie um die nächste Ecke und blieb beim Anblick der Tore stehen: „Wie lange ist es her? Wie lange?“
„Ich weiß es nicht“, sie lächelte ihn milde an: „Aber was soll schon groß anders sein?“
„Ich kenne niemanden außer Kyōraku-Taichou“, er starrte den Eingang zur Division, zu seiner Division an.
„Und du wirst all die anderen kennenlernen“, stellte sie fest und zog an seinem Arm: „Komm, lass uns reingehen!“
Er ließ sich von ihr mitziehen: „Ich weiß nicht...“
„Zu spät!“, Miyuki riss ihn gnadenlos mit, lief los, und die Wache öffnete das Tor für sie: „Hakuma-Goseki, Kano-san.“
„Morgen!“, zwitscherte sie, während Ashido sich unruhig umsah.
Der Vorplatz war leer, aber binnen eines Blinzelns stand Shunsui vor ihnen: „Miyuki, mein Mädchen! Und Kano Ashido!“, er machte eine ausladende Geste: „Willkommen zurück! Lasst uns trinken!“
„Es ist neun Uhr morgens...“, warf die Arrancar ein, aber Kyōraku hatte bereits eine Sakeflasche aus seiner Uniform hervor gezaubert: „Irgendwo auf der Welt ist es gerade bestimmt Abend!“
Mit einem Ruck befreite er die Flasche vom Korken und hob seinen Hut an, um Sakeschalen zu offenbaren: „Miyuki-chan, sei so gut und halt doch mal die Schalen!“
Kichernd griff sie zu und hielt sie, während er für sie einfüllte.
„Kanpai, auf unsere Heimkehrer!“, lachend hob der Braunhaarige seinen Sake und stürzte ihn in einem Schluck runter.
Ashido sah sie entsetzt an, aber sie zuckte einfach mit den Schultern, trank ihren Sake und klopfte Kyōraku auf die Schulter: „Füll ihn nicht ab, er hat seit Jahrhunderten nichts mehr getrunken.“
„Ich und jemanden abfüllen, niemals!“, empörte sich der Taichou gespielt und schnappte sich den Shinigami: „Also, das wichtigste was du wissen musst ist, dass dich Nanao niemals beim trinken erwischen darf!“
„Viel Spaß euch!“, kichernd stahl sich die Arrancar davon.

Schon von weitem hörten sie den Lärm der Aufräumarbeiten.
„Bist du dir sicher, dass ich nicht mitkommen soll?“, er hörte sich verunsichert an.
Miyuki nickte: „Das hier muss ich alleine tun“, sie sah ihn an und schenkte ihm ein trauriges Lächeln: „Ich bin bald zurück.“
Tōshirō nickte unglücklich und sie hauchte ihm einen Kuss auf die Wange: „Wir sehen uns zuhause.“
„Bis dann“, antwortete er und sah ihr nach, wie sie in Richtung Fake Karakura Town verschwand.
Die Attrappe der Stadt wurde von einer Patrouille bewacht: „Hey, kein Zutritt!“, donnerte ein glatzköpfiger Shinigami und Miyuki starrte ihn kalt an: „Ich habe Zutrittsbefugnis. Wegtreten, Soldat.“
„Du befiehlst uns gar nichts, Arrancar“, spuckte ein anderer aus der Gruppe aus.
„Wer von euch bekleidet hier den höchsten Rang?“, fragte sie und schnalzte missbilligend mit der Zunge.
Ein Brünetter trat hervor, warf sich in Haltung und verkündete: „Takahashi, 15. Sitz der 9.Division.“
„Tousens Mann also“, zischte sie gefährlich: „Der Offizier eines Verräters. Ich bin der 5. Sitz der 12. Division, vom Soutaichou persönlich in diesen Posten gesetzt, nachdem ich meine Klinge mit Aizens gekreuzt habe. Was sagt dir das?“, sie legte ihre Hand ruhig, aber bestimmt auf den Griff von Hakuouki.
Unruhige Blicke huschten zwischen den Shinigami hin und her, der 15. Offizier antwortete unglücklich: „Sie haben die höhere Befehlsgewalt, Hakuma-Goseki.“
„Haltung annehmen!“, donnerte sie und die Soldaten machten sich gerade, sie konnte plötzlich Furcht in ihren Augen sehen: „Wegtreten!“
Und sie machten ihr Platz.
Mit hochgerecktem Kinn schritt sie durch ihre Reihen und ließ sie hinter sich.
Das Trümmerfeld rumorte, wo die Neunte und die Fünfte räumten. Eine passende Strafe, die Divisionen der Verräter an diese Aufgabe zu setzten. Es erinnerte auch jene, die diesen Krieg nicht geführt hatten, daran, dass ihre Taichou die Soul Society hintergangen hatten.
Mit traumwandlerischer Sicherheit fand sie ihren Weg.
Er lag noch immer mit seinem verfluchten, seligen Lächeln inmitten der Trümmer. Es sah fast so aus, als würde er schlafen, aber eine dünne Staubschicht hatte sich über ihn gelegt und seine weiße Kleidung hatte sich vollgesogen mit seinem Blut.
Sie blieb stehen, sah auf ihn herab.
„Starrk.“
Und in ihr kochte eine plötzliche Wut herauf: „Du hast versagt, Starrk. Aizen liegt in Ketten und du liegst hier“, ihre Stimme war hart und kalt: „Du hast verloren und du bist gefallen, weil du nicht wirklich gekämpft hast. Und er, dein Meister, er lebt noch immer. Du hättest nie ja zu ihm sagen dürfen.“
Reflexartig streckte sie ihre Hand über ihn. Die Luft knisterte, als sich in ihrer Handfläche der Cero formte: „Du hast Lilynette sterben lassen. Das Spiel ist vorbei. Kein Vater, keine Mutter und kein Kind.“
Miyukis Reiatsu traf ihn mit einem Knall und der Körper fing Feuer. Heiß leckten die Flammen an ihren Fingern, aber sie zog sie erst zurück, als der Schmerz kam.
Zitternd zog sie Hakuouki und Kokuouki, die Flammen tanzten über die Klingen, brachen sich und brachten den Stahl zum Leuchten: „Ich bin wie du. Ich wusste es nie, aber ich bin wie du, eine gespaltene Seele. Feuer und Eis. Und ich bin allein, so allein, du hast mich allein gelassen!“
Du bist nicht allein, widersprach Hakuouki in ihrer Rechten und kühlte die Verbrennungen.
Du bist noch nie allein gewesen, ergänzte Kokuouki.
„Ich bin ein Monster unter Schafen“, Miyuki spürte, wie sich Tränen in ihren Augen sammelten: „Niemand ist wie ich. Starrk, du warst der Einzige, der verstanden hätte.“
Nein, du warst schon immer Shinigami. Du bist Heimgekehrt. Du bist, wo du hingehörst. Du bist zuhause, Hakuoukis Stimme war ruhig und klar.
Tōshirō wird immer für dich da sein, er liebt dich, Kokuouki dagegen hörte sich blechern und hohl an, wie ein Hollow.
Hakuouki ergänzte,und du liebst ihn. Er wird dich verstehen, wenn du nur mit ihm teilst.
„Ich bin ein Monster, das wisst ihr beide...“, sie seufzte und starrte den brennenden Leib an, sah ihm dabei zu, wie er zu Asche zerfiel: „So wie Starrk. Er war auch ein Monster hinter einer Maske.“
Ich bin kein Monster.
Sie erstarrte, dann lachte sie bitter, während Tränen über ihre Wangen rollten: „Nein, vielleicht bist du tatsächlich der einzige Arrancar, der kein Monster ist. Du genießt weder den Kampf, noch das Töten.“
Die Flammen erloschen, zerfielen in glühenden Staub.
Bitterkeit breitete sich in ihr aus und sie steckte ihre Klingen weg: „Aber ich... ich werde für immer damit leben müssen, ein Monster geworden zu sein.“
Um sie herum rumorte es.
Aber sie konnte spüren, wie die Shinigami sie mieden. Miyuki war dankbar dafür. Gerade war ihr die Ablehnung der anderen nur Recht, es hieß, sie würden sie nicht stören.
„Sie nennen mich „Shikome“...“, die Arrancar seufzte geschlagen: „Es stimmt, ich bin ein Dämon, mit zwei Dämonenklingen und einer Dämonen-Maske. Starrk, ich werde dich vermissen. Dich und Lilynette. Wir werden nie eine Familie sein, aber ihr seid dennoch nicht vergessen.“
Wir werden dich auch vermissen.
Sie hörte sich schluchzen: „Wir werden uns wiedersehen, oder?“
Keine Seele geht verloren.

Sie betrat die Wohnung.
Ihr letzter Besuch war lange her und doch hatte sich nichts geändert.
„Alles ok?“, fragte er beunruhigt hinter ihr.
Miyuki versuchte das ungute Gefühl abzuschütteln und ging langsam durch den Flur ins Wohnzimmer.
Ihr Blick wanderte zur Ecke mit der Lampe.
„Miyuki?“
Sie fühlte sich nicht angesprochen, hatte sie doch das letzte Jahrzehnt auf einen anderen Namen gehört.
„Miyuki?“, wiederholte er, bohrte sich in ihr Bewusstsein.
„Hm?“
„Ist alles ok?“, die Sorge in seiner Stimme war bedrückend.
Ihre Beine waren wie Blei, aber sie taten ihren Dienst, langsam, träge.
Ungeschickte Finger fischten den Zettel aus der Nische.
„Was ist das?“
„Ein Zeuge alter Zeiten“, das Papier fing in ihrer Hand Feuer.
„Miyuki, bitte sag mir, dass alles ok ist“, flehte Tōshirō nun regelrecht.
Die Arrancar drehte sich zu ihm um und lächelte mild: „Es ist alles ok. Ich war so lange nicht hier... aber es fühlt sich an, als hätte ich noch gestern hier mit dir gesessen. Es ist komisch, nicht wahr? Wie die Zeit rennt und eilt, wie sich alles so sehr verändert und die guten, alten Tage kommen einem wie gestern vor. Man fragt sich, wie alles so schieflaufen konnte, wie man zu dem hier geworden ist...“
„Miyuki“, sie konnte die Hilflosigkeit in seinen Augen sehen.
„Es ist alles ok“, wiederholte sie, versuchte die Worte wahr zu machen, aber die brennenden Wunden widersprachen ihr und die Dunkelheit in ihrer Seele hatte sich als zweites Zanpakutou an ihrer Hüfte breit gemacht: „Es ist... nur so nostalgisch“, versuchte sie es, wanderte in die Küche, ließ die Hand über den Holztisch gleiten: „Und nichts hier ist Weiß, du weißt gar nicht, wie toll es ist einen Tisch zu sehen, der nicht weiß ist.“
Bitter lachte sie, bei dem Gedanken an Las Noches.
Aizens Palast war regelrecht steril.
Schwarz und Weiß und trostlos.
So wie ihre Dämonen.
„Sieh mich an“, forderte der junge Taichou an ihrer Seite und sie hob den Blick: „Ja?“
„Es wird alles gut, hörst du, Aizen ist weg gesperrt, er kann dir nie wieder etwas tun. Du bist sicher, du bist sicher bei mir, mit mir. Und du wirst heilen...“, seine Finger streckten sich nach ihr aus, berührten ihre Schulter, glitten ihren Arm entlang.
Die Berührung war liebevoll und dennoch, dennoch musste sie dem Drang wiederstehen ihren Arm weg zu ziehen, sich ihm zu entziehen.
Würde ihre Dunkelheit ihn auch verderben?
„Miyuki“, er holte sie zurück in die Realität, matt sah sie ihn an: „Es tut mir leid, ich bin so müde...“
„Komm, du solltest dich hinlegen“, sanft führte er sie ins Schlafzimmer. Auch der Raum sah genauso aus, wie sie ihn in Erinnerung hatte.
Die Arrancar ließ sich auf den Futon sinken, strich über das weiche Kissen.
„Es ist, als wäre es gestern gewesen...“, flüsterte sie.
„Ruh dich aus, wenn du aufwachst wird alles schon viel besser sein“, murmelte ihr der Junge zu und sie ließ sich von ihm runter drücken, zudecken.
„Schlaf dich aus“, forderte er mit diesem furchtbar besorgten Unterton und sie nickte matt.
Tōshirō hauchte ihr einen Kuss auf die Lippen.

Sie rannte.
Ihr ganzer Körper brannte, sie konnte die Flammen hinter sich spüren. Mit langen, heißen Fingern griffen sie nach ihr.
„Du kannst mir nicht entkommen.“
Flackernd reflektierte das Feuer sich auf dem Eis, spiegelte sich.
Ihr Atmen ging schnell und unkontrolliert.
Und sie rannte.
„Ich erlaube dir noch nicht zu sterben.“
Vor ihr war Eis, Eis so weit das Auge blicken konnte.
Ihre zerrissene Uniform gab ihr die Erscheinung eines Geistes.
Weiß in weiß rannte sie über die glatte Fläche, immer weiter, weg von den Flammen, die sich hinter ihr voranwälzten.
„Du gehörst mir, dein Körper, deine Seele, alles was du bist.“
Die Panik in ihr schnürte ihren Hals zu.
Sie wollte schreien, konnte nicht, konnte kaum atmen.
Und sie rannte.
„Was du auch tun wirst, ich werde immer bei dir sein, in dir.“
Das Eis brach mit einem Mal unter ihr weg und sie fiel.
Das Nichts unter ihr verschluckte die Hitze und die Kälte griff aus dem Abgrund nach ihr.
Verzweifelt versuchte sie sich hoch zu kämpfen.
Und dann fing es an zu regnen.
Der erste Tropfen traf ihre Wange.
Panisch wischte sie ihn weg.
Die Flüssigkeit war lauwarm
„Er ist tot, doch sein Meister lebt, ich lebe.“
Sie starrte ihre Hand an.
Rot auf weiß.
Blut.
„Nein…“
„Sieh hoch, Yukiko.“
„Nein…“
„Er ist tot, und du konntest es nur mit ansehen, nicht eingreifen.“
„Nein…“
„Sieh hoch, dein Gott befiehlt es dir.“
Sie spürte ihre Tränen, sie vereisten auf ihrer Haut, während die Kälte sie ins schwarze Nichts zog mit kalten Händen.
Dann hob sie den Blick.
Über ihr hing Starrk wie die Sonne am Himmel, so weit weg und doch so greifbar nah.
Leere, aufgerissene Augen starrten sie stumpf an.
Und aus seinem aufgeschlitzten Bauch regnete sein Blut auf sie herab, durchtränkte ihre Kleidung.
„Nein, nein, nein…“, ihr wispern wurde zu Schreien.
„Miyuki!“
Sie schreckte hoch.
Die Arrancar wusste nicht wo sie war, was wahr war,
Da war nur der Schmerz.
Ihr ganzer Körper bebte und kalter Schweiß klebte an ihr.
Panisch griff sie in der Dunkelheit nach der Person, die sie schüttelte, klammerte sich fest.
„Sh, Miyuki, es ist alles gut, ich bin bei dir, ich bin bei dir“, redete die Stimme sanft auf sie ein.
„Tōshirō“, brachte sie atemlos hervor.
„Es ist alles gut“, wiederholte er erneut.
Langsam gewöhnten sich ihre Augen an die Dunkelheit, sie blinzelte den Jungen an: „Nein, nein, es ist nicht alles gut, es wird nie wieder alles gut sein…“
„Miyuki.“
„Ich muss mich waschen, das Blut, Blut, überall sein Blut“, die Frau quälte sich hoch, er stützte sie: „Da ist kein Blut, Miyuki.“
„Doch, doch das Blut, ich muss sein Blut abwaschen“, wiederholte sie hartnäckig und schleppte sich ins Bad.
Unsicher folgte er ihr: „Wessen Blut?“
„Das von Starrk“, sie schaltete das Licht an.
Für einen Moment blendete es sie und sie kniff die Augen zusammen, dann stolperte sie zum Eimer herüber und begann Wasser hinein laufen zu lassen.
„Miyuki, was tust du da?“, fragte er verunsichert.
„Ich muss mich waschen“, müde sah sie ihn über die Schulter an: „Ich weiß, du verstehst es nicht, musst es nicht verstehen, aber ich muss es abwaschen, das Gefühl von seinem Blut auf meiner Haut.“
Er stand in der Tür und sah sie an.
Sein Blick tat weh.
Er war so mitleidig, verletzt und hilflos, verzweifelt…
„Komm, lass mich dir helfen“ mit einem resignierten Seufzen schob er die Tür hinter sich zu und half ihr aus ihrem Yukata.
Sanft aber bestimmt setzte er sie auf dem kleinen Hocker ab und strich ihr Haar über ihre Schulter.
Sie spürte, wie er innerhielt.
Das X.
Miyuki warf ihm einen Blick zu, aber er sagte nichts, nahm einfach den Waschlappen und wusch schweigend ihren Rücken ab.
Tōshirō war vorsichtig, versuchte ihr nicht weh zu tun, sie fühlte sich wie ein zerbrechliches Ei, so wie er sie anfasste. Und sie spürte seine Blicke, spürte, wie er ihre Narben betrachtete.
So viele Narben, wann hatte sie die alle bekommen?
Und er blieb stumm.
Auch als er sie abtrocknete und ihr in einen frischen Yukata half.
„Tōshirō.“
Der Taichou sah auf. Er hatte tiefe Augenringe, sah so müde aus: „Ja?“
„Ich muss auf den Friedhof.“
„Was?“, seine Augenbrauen zogen sich zusammen: „Jetzt?“
„Ja.“
„Warum?“
„Ich muss einfach…“, sie schüttelte den Kopf: „Ich muss“, und drückte sich an ihm vorbei.
„In deinem Zustand kann ich dich nicht alleine gehen lassen“, sagte er bestimmt und machte sich daran ihr zu folgen.
„Du musst nicht mitkommen“, seufzte sie: „Aber du kannst es gerne tun.“
Sie stieß die Tür auf.
Die kalte Nachtluft empfing sie und Yukiko zog die Schultern hoch, wickelte ihre Arme um ihren Körper.
Tōshirō ging still neben ihr her.
Es kam ihr wie eine halbe Weltreise vor, auch wenn der Weg eigentlich kurz war.
Zielstrebig hielt sie auf die Trauerweide zu.
Und er begleitete sie schweigend.
Die Arrancar legte ihre Hand auf die harte Rinde, fuhr liebevoll darüber, dann rief sie Hakuouki zu sich.
Der Dämon materialisierte sich bereitwillig in ihrer Hand und sie setzte die Klinge an.
„Was tust du da?“, fragte der Junge neben ihr, während sie anfing zu schreiben.
Coyote Starrk ┼
Primera Espada
Gefallen im Kampf
Ruhe in Frieden

Sie senkte die Klinge, betrachtete die Inschrift für einen Augenblick, dann setzte sie ein 2.Mal an.
Lilynette Gingerbuck ┼
Fraccion
Gefallen im Kampf
Ruhe in Frieden

Dann trat sie zurück, wandte sich ab.
„Miyuki“, die Hand des Taichou griff nach ihrer, hielt sie zurück.
Müde sah sie ihn an: „Sie haben kein Grab, keinen Gedenkstein, irgendetwas musste ich ihnen geben…“
Seine Finger verschränkten sich mit ihren und er nickte: „Ich verstehe…“
„Lass uns gehen“, sie wandte sich ab.
Die Kälte der Nacht umschlang ihren Körper wie die Umarmung eines Toten.

„Yukiko“, er nickte ihr zu.
„Grimmjow“, sie erwiderte die Geste nachlässig und sah auf das geschäftige Karakura hinab.
„Du trägst wieder schwarz“, stellte er fest: „Muss ich jetzt Angst vor dir haben?“
„Ich bin nicht dein Feind, solange du dich nicht zum Feind machst“, ein Lächeln stahl sich auf ihre Lippen: „Ich trage wieder schwarz, aber wir sind Kameraden.“
„Gut zu wissen... hey, guck mal, ein Hollow“, er deutete auf eine der Hauptstraßen. Interessiert folgten ihre Augen seiner Geste. Der Hollow war klein und flink, er verfolgte die Seele eines mittelalten Mannes im Anzug.
Der Mann schrie und rannte die Straße entlang, fuchtelte dabei mit den Armen.
Für einen Moment schien es, als würde die Kreatur ihn haben, aber die Seele rettete sich mit einem Sprung in eine Seitenstraße.
„Willst du ihm nicht helfen?“, fragte Grimmjow amüsiert.
„Nein“, die Arrancar zuckte mit den Schultern: „Nicht wirklich.“
„Du bist Shinigami“, erinnerte er sie.
„Ich bin etwas anderes“, widersprach sie.
„Aber du gehörst zu den Guten.“
Sie schnaubte amüsiert: „Die Guten? Du denkst, die Gotei 13 wären die Guten?“
Grimmjow steckte die Hände in die Hosentaschen: „Besser als Aizen...“
„Das ist nicht schwer.“
„Wo du Recht hast...“, der Blauhaarige schien zu hadern, dann zog er Panthera: „Ich helfe ihm.“
Mit einem Wimpernschlag war er verschwunden. Seufzend folgte sie ihm und sah gerade noch, wie sich der Hollow auflöste. Die Seele zitterte und starrte den Espada angsterfüllt an.
„Spielst du gerne den Helden?“, fragte sie ihren Kameraden und er sah auf: „Du solltest die Heldenrolle übernehmen, ich bin geschaffen, um König zu sein.“
„Ich bin kein Held, Grimmjow“, widersprach sie und zog Vendetta. Der Mann fiel auf die Knie: „Bitte nicht, bitte!“
„Ich wollte ein Held sein, früher, habe Aizen heldenhaft zum Zweikampf gefordert. Sieh was es mir gebracht hat“, sie ging auf die verängstigte Seele zu, er flehte noch immer um sein Leben.
„Ich hoffe Sie glauben an keinen Himmel“, sagte sie dem Mann und hob die Klinge, ehe sie sich wieder an Grimmjow wandte: „Meine Geschichte ist nicht die eines Helden... ich bin das Monster.“
„Bitte nicht!“, der Mann hob die Arme abwehrend und sie drückte ihm den Knauf gegen die Stirn. Weinend entschwand die Seele ins Jenseits.
„Du und deine Monster“, der Arrancar lachte hinter ihr: „Du bist kein echtes Monster, das wissen wir beide. Das echte Monster heißt Aizen und liegt in Ketten. Keiner von uns kommt auch nur annähernd an ihn ran.“
„Wo du Recht hast“, sie schmunzelte: „Was hast du jetzt vor, Grimmjow? Jetzt, wo du frei bist?“
„Ich werde König.“

Leise ließ sie dir Tür hinter sich zugleiten.
Dumpf schloss sie sich und die Menschenfrau zuckte zusammen, sah über ihre Schulter zur Arrancar.
„Yukiko...“
„Nicht mehr“, sie lächelte matt: „Hakuma Miyuki, Goseki der 12. Division.“
Orihime sah wieder auf den Körper, der schwach und bewusstlos vor ihr auf dem Futon lag.
Langsam trat sie an die Seite der Schülerin und sah auf den Jungen herab: „Das ist also Kurosaki Ichigo...“, Miyuki ließ sich auf die Knie in den Seiza sinken und beugte sich über den Aushilfsshinigami, berührte zögerlich seine Wange.
Sie war warm und weich.
Unter den geschlossenen Lidern zuckten seinen Augen kurz.
Sein Haar war strubblig und von einem ähnlichen Rotton wie das des Mädchens. Seine Gesichtszüge waren ernst, aber in seinem Gesicht schien etwas Sanftes, Weiches zu sein.
Dennoch konnte sie den Dämon in ihm spüren und erschauderte.
„Was bist du?“, flüsterte sie dem bewusstlosen Jungen zu, dann zog sie ihre Hand zurück: „Er hat Aizen besiegt...“
„Er verliert seine Kräfte“, Inoue neben ihr schluchzte und sie sah das Mädchen an, zögerte, legte ihre Hand auf die der Menschenfrau: „Ich weiß... Orihime, du musst jetzt stark sein, für ihn. Wenn er aufwacht, wird er eine starke Schulter brauchen.“
Sie hob den Blick, sah sie mit verweinten Augen an: „Was könnte ich schon für ihn tun?“
„Da sein...“, wisperte die Arrancar: „Nur für dich ist er nach Hueco Mundo gekommen. Für dich, Orihime. Er hat dich gerettet. Jetzt musst du ihn retten.“
Miyuki sah den Jungen noch einmal an, versuchte nicht zu zittern: „Du musst ihn retten.“
Sie erhob sich, ging zur Tür.
Leise erklang hinter ihr: „Danke.“
Müde sah sie über ihre Schulter, betrachtete die schmale Gestalt von Inoue: „Dank mir nicht, ich habe versagt, so wie Grimmjow, Dank ihm... sobald er erwacht.“
Dann wandte sie sich ab und ließ die Tür hinter sich zugleiten.
Das Monster in ihm jagte ihr einen kalten Schauer über den Rücken, es fühlte sich an, als würden sich seine gelben Augen in ihren Rücken bohren.
Er war das Monster, dass Ulquiorra getötet hatte.
Gut, dass er seine Kräfte verliert, schoss es ihr durch den Kopf, er macht mir Angst.

Sie hasste es, diesen Weg schon wieder anzutreten.
Wie oft, wie oft würde sie noch herkommen müssen?
Die Blumen in ihren Armen wogen wie Blei.
Aiko war die Erste.
Miyuki legte den Strauß aus zarten, weißen Kamillenblüten auf ihr Grab.
Dann kamen Rin und Lilei, denen sie je einen Strauß aus Blaustern hinlegte.
Shirayukihime, die Lilien und Blaustern auf ihr Grab gelegt bekam.
Und dann das letzte Grab, das neue Grab.
Sie kniete weinend vor seinem Grab.

Sie blieb vor dem Stein stehen und betrachtete die weißen Lilien, die in ihrem Arm lagen.
Rangiku hob die Flasche und trank.

„Gin.“
„Du hast mich schon wieder verlassen!“

Und der Stein schwieg sie an.
„Warum hast du mich schon wieder verlassen! Ich liebe dich, Gin!“
Die Tränen erstickten den Rest und ihr Schluchzen wurde lauter.

„Es tut mir so leid, Gin. Es tut mir so leid, dass du deine Rache nicht bekommen hast, dass du dein Happy-End nicht bekommen hast, dass du deine Braut nicht am Altar getroffen hast. Es tut mir so leid, es tut mir alles so leid.“
„Warum konnten wir nie wirklich zusammen sein? Warum hast du mich immer allein gelassen? Ich wollte doch nur mit dir zusammen sein, bei dir, das war alles, was ich wollte! Gin, warum konnten wir nie wirklich zusammen sein?“

Sie seufzte und ließ ihre Finger über die zarten Blütenblätter gleiten: „Wir warten auf dich… Rangiku und Kira und… und ich, wir warten auf dich. Komm wieder zu uns. Komm so schnell du kannst, Ichimaru Gin. Denn wir vermissen dich. Du fehlst. Du fehlst uns so sehr. Rangiku wird bis in alle Ewigkeit auf dich warten, das weißt du. Aber genau deswegen solltest du schnell zurückkehren. Hörst du? Komm zurück zu uns. Es ist alles vergeben und vergessen, die Vergangenheit liegt hinter uns. Du bist reingewaschen. Du kannst zu uns zurück kommen, ohne Maske.“
„Ich vermisse dich! Ich vermisse dich so sehr!“

Ihre Gedanken wanderten zu Starrk und sie schluckte.
Sie griff an ihr pochendes, schmerzendes Herz, trank, versuchte es zu ersticken.

Auch er fehlte ihr.
Er fehlte ihr so sehr.

Gin hatte wenigstens ein Grab.
Warum war da dieses Grab? Warum war nicht er stattdessen da?

Starrk würde niemals eine echte Gedenkstätte haben.
Sie hasste diesen schrecklichen Stein.

Was wohl mit seiner Seele geschehen war?
Wann würde seine Seele wiederkommen?

Sie wusste es nicht.
„Komm zu mir zurück, Gin“, ihre Worte waren kaum zu verstehen.

„Ihr sollt alle zurückkommen, hört ihr?“
Sie nahm noch einen Schluck, ließ die leere Flasche fallen.

Dann kniete sie sich hin, legte die Blumen vor den kalten Stein.
Sie lehnte sich vor, strich mit ihren Fingern über die raue Oberfläche.

Liebevoll fuhr sie die eingemeißelten Schriftzeichen mit ihrem Finger nach:

Ichimaru Gin ┼
Taichou der Dritten Division
Gefallen im Kampf
Ruhe in Frieden






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Weiter gehen wird es hier mit Teil 3
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