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Alles auf der Erde

GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Coyote Stark Hitsugaya Toushirou OC (Own Character)
14.11.2017
27.12.2019
32
51.854
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29.09.2019 1.718
 
Kapitel 23: Ich träumte von einem Engel

Schon von weitem hörte sie die Schritte.
Stoisch, präzise, hart.
Es konnte nur Ulquiorra sein.
Dann bog er um die Ecke.
Seine grünen Augen durchbohrten sie.
„Was tust du hier?“
„Ich gehe zur Menschenfrau“, Yukiko hielt nicht an, wollte an ihm vorbeigehen, aber seine Hand schnellte vor, legte sich eisern über ihre Brust, über die Masse, die ihr Hollowloch füllte.
Die Arrancar blieb stehen und wandte langsam den Kopf zu ihm, starrte in seine leeren Augen.
„Was?“
„Was willst du bei der Frau?“, seine Stimme war flach und tonlos, aber fordernd.
„Mich bedanken. Sie hat mich geheilt“, ihre Finger zuckten, seine Hand bewegte sich nicht.
„Geheilt?“
„Hast du es noch nicht gehört?“, sie runzelte die Stirn: „Mein Auftrag ist gescheitert. Ich bin auf zwei Kommandanten zugleich getroffen, sie haben mich beinahe getötet. Ich verdanke der Frau mein Leben.“
„Hast du deine Resurreccion nicht benutzt?“, fragte er monoton, aber sie merkte, dass ihre Niederlage etwas in ihm regte.
„Nein, der Meister hat es mir verboten“, sie versuchte dem Blick weiter stand zu halten, nicht zu blinzeln, nicht auszuweichen.
„Yukiko“, seine Augen huschten kurz über den Flur, dann sah er über die Schulter, ehe er sich ihr wieder zuwandte: „Wenn die Zeit gekommen ist, wirst du mehr brauchen, als nur deine Resurreccion.“
Verdutzt musterte sie ihn: „Mehr? Was meinst du mit mehr?“
„Segunda Etappa.“
„Was?“, ein kalter Schauer lief über ihren Rücken, stellte ihre Nackenhärchen auf.
„Die zweite Entfesselung. Ich habe es geschafft. Das ist unsere wahre Kraft. Wenn jemand sich würdig zeigen und das wahre Potenzial von uns Arrancar erreichen kann, dann du.“
Für einen Augenblick starrte Yukiko ihn einfach nur an, dann fragte sie: „Wie?“
„Das wird dir dein Zanpakutou verraten“, seine Hand verschwand.
„Warte!“, verwirrt sah sie ihm nach.
Aber Ulquiorra ignorierte sie und ging einfach.
„Was zur Hölle...“, zischte sie leise und wandte sich kopfschüttelnd ab. Es war nicht mehr weit zum Zimmer.
Sie klopfte an, als sie ankam und ein ängstliches:  „Herein“,  ertönte.
Schwungvoll öffnete die Arrancar die Tür und starrte in den tristen Raum.
Inoue stand am Fenster und sah sie ruhig an.
„Orihime“, sie schloss die Tür hinter sich: „Ich bin gekommen, um dir zu Danken. Du hast mir das Leben gerettet.“
„Das habe ich gerne getan“, das Mädchen starrte auf ihre gefalteten Hände und errötete leicht.
„Gerne? Gerne ist sicherlich das falsche Wort, ich bin dein Feind und der Befehl mich zu heilen kam auch von deinem Feind. Dennoch, ich bin dankbar, dass du den Befehl befolgt hast. Du hättest es genauso gut verweigern können.“
„Du bist kein Feind“, ihre Stimme war hell und dünn: „Ich hätte dich auch ohne Aizens Befehl geheilt.“
„Wirklich?“, Yukiko runzelte die Stirn: „Warum?“
„Du bist ein guter Mensch“, Inoue sah auf, begegnete kurz ihrem Blick und sah sofort wieder weg.
„Tze“, Yukiko ging langsam zum Sofa hinüber und ließ sich darauf fallen: „Ich bin kein Mensch und erstrecht kein guter.“
„Du warst einmal ein Shinigami.“
Yukiko sah erstaunt zur Frau, hob die Augenbrauen: „Du hörst dich ja verdammt sicher an. Warum denkst du das?“
„Ich habe nachgedacht. Du kennst so viele der Taichou und Fukutaichou, du hast auf jeden Fall mit den Gotei 13 zu tun gehabt. Außerdem sieht dein Hollowloch anders aus, also kannst du keine normale Menschenseele gewesen sein, als du ein Hollow wurdest.“
„Kind, ich habe dir doch gesagt, dass du manche Dinge nicht wirklich wissen willst“, sie genehmigte sich einen Seufzer, ließ ihren Kopf auf die Lehne sinken und sah an die Decke.
„Du bist aus einer Shinigamiseele entstanden. Aber du warst nicht beim Verrat von Aizen dabei...“, Inoue ließ sich neben ihr auf dem Sofa nieder: „Du bist nicht freiwillig bei Aizen.“
Yukiko sah das Mädchen schweigend an.
Orihime erwiderte den Blick: „Du bist eine Gefangene, so wie ich.“
„Vielleicht.“
Das Mädchen blieb eine Weile lang still, dann fragte sie leise: „Was hat er mit dir gemacht?“
„Du solltest besser nicht fragen.“
„Er wird mich töten. Ich denke, das ist das schlimmste, was er tun kann, oder?“
Yukiko gluckste, versuchte das Lachen zu unterdrücken, schaffte es nicht. Es floss einfach aus ihr heraus, verzweifelt und hysterisch: „Oh, mein Kind, wenn du wüsstest, wie weit du danebenliegst!“
„Was hat er dir angetan?“, plötzlich legte sich die warme Hand der Menschenfrau über ihre.
Erschrocken zuckte die Arrancar zusammen: „Inoue, das willst du nicht wissen.“
„Sag es mir...“
Für einen Augenblick saßen sie schweigend auf dem Sofa, Auge in Auge, Monster und Mädchen.
„Er hat mich getötet, auf so grausame Art und Weise, glaub mir, du willst es nicht hören. Und dann hat er meine Seele genommen und einen Hollow aus mir gemacht. Jahre später hat er mich aufgespürt und in einen Arrancar verwandelt.“
„Also habe ich Recht, du warst ein Shinigami.“
„Ich war ein Shinigami“, sie gab nach, schüttelte den Kopf leicht: „Es ist lange her.“
„Womit droht er dir?“
„Tod.“
„Mir hat er mit dem Tod meiner Freunde gedroht...“, Orihime sah auf ihre Hand herunter: „Ich konnte nicht zulassen, dass sie sterben.“
Yukiko seufzte: „Und ich wollte kein zweites Mal von ihm getötet werden. Er hat mir geschworen, wenn ich ihm diene wird er mich nicht töten.“
„Glaubst du ihm?“
„Nein.“
Die Erkenntnis war wie ein Schlag ins Gesicht und nahm ihr für einen Moment den Atem: „Nein... aber ich hoffe, wenn er es tut, wird es schnell und schmerzlos sein.“
„Du musst ihm nicht dienen, du bist stark genug, um zu fliehen!“, das Mädchen drückte ihre Finger zaghaft.
Mit einem Schnauben entriss die Arrancar ihre Hand und schoss hoch: „Du weißt nichts, naives Kind.“
Sie warf ihr einen vernichtenden Blick zu: „Sag so etwas nie wieder. Aizen sieht und hört alles.“
Verdattert sah die Menschenfrau sie an.
„Diese Wände haben Ohren“, Yukiko strich sich durchs Haar: „Rede nie von Verrat.“
Mit einem mulmigen Gefühl drehte sie sich weg, gerade, als sie die Tür öffnen wollte, erklang die Stimme des Mädchens wieder: „Du hast Angst.“
„Ich hab dir doch gesagt, ich bin erbärmlich“, sie warf ihr einen Blick über die Schulter zu.
„Angst macht einen nicht erbärmlich“, widersprach Orihime: „Nur wenn man Angst hat, kann man mutig sein.“
„Dann bin ich nicht mutig“, sie verließ das Zimmer, zog die Tür hinter sich zu und lehnte sich für einen Moment gegen das kalte Holz.
„Ich gehöre Aizen, Aizen ist mein Meister“, wisperte sie gegen das eintönige Weiß, dann riss sie sich los.
Ihre Schritte halten durch den leeren Korridor, ihr Herz pochte unnachgiebig in ihrer Brust.
War sie stark genug um zu fliehen?
Was würde mit Ashido geschehen?
Würde Aizen ihn wirklich aufspüren und töten?
Machte Aizen leere Drohungen?
Ihre Schritte wurden schneller, härter, ihre Absätze donnerten unbarmherzig auf den Stein.
Selbst wenn sie ihm diente, würde er sie wirklich nicht töten?
Yukiko blieb stehen.
Sie wollte schreien, aber blieb still.
Warum sollte sie ihm dienen, wenn er sie sowieso töten würde?
Und welche Gründe gäbe es, um Aizen zu verraten, um zu fliehen.
Tōshirō.
Tōshirō und so viele mehr.
Bevor sie registrierte, was sie da tat, hatte sie das Garganta schon geöffnet.
Für einen Moment zögerte sie, dann ging sie hindurch.
Strahlender Sonnenschein begrüßte sie in Karakura.
Sie stand auf einem Sportplatz.
Unruhig sah sie sich um.
Die Welt der Lebenden war geschäftig, sie hörte den Lärm der Straße, spielende Kinder.
Aber der Sportplatz war leer, einsam und verlassen.
Vorsichtig streckte sie ihr Reiatsu aus.
Wo war er?
Es war schwer, zu suchen, wenn man seine Kraft unterdrückte, um nicht bemerkt zu werden.
Sollte sie sich vielleicht einfach offenbaren?
Ikkaku würde nicht reden, er würde kämpfen.
Bevor sie zu einer Entscheidung kam, spürte sie ihn.
„Tōshirō“, rief sie leise in den Wind.
„Miyuki.“
Sie wirbelte herum.
Er stand auf der Mauer des Platzes und sah sie an.
Für einen Moment zögerte er, im nächsten stand er direkt vor ihr: „Ich wusste, dass du kommen würdest.“
„Tōshirō, ich...“, sie verstummte, wusste nicht, was sie sagen wollte, was sie sagen sollte.
Sanft zog er sie zu sich, legte seine Arme um sie und Yukiko ließ sich gegen ihn sinken: „Ich wusste, dass du zu mir zurück kommen würdest.“
„Ich habe solche Angst...“, ihre Hände krallten sich in seinem Haori fest: „Ich will, dass es aufhört...“
„Wir besiegen Aizen und dann ist es vorbei und du bist frei und alles wird wieder so, wie es mal war“, der Taichou drückte sie gegen seinen schmalen Körper.
„Ich bin ein Monster, Tōshirō“, schluchzte sie an seiner Schulter: „Es kann nicht werden wie es war, niemand kann rückgängig machen, was ich bin...“
„Du bist Miyuki, das ist alles was wichtig ist, es ist egal, ob du Shinigami bist oder, oder...“, er zögerte.
Die Arrancar riss sich los: „Es ist nicht egal...“, stolperte ein paar Schritte rückwärts: „Du weißt nicht, was ich alles getan habe.“
„Miyuki...“, er machte einen Schritt auf sie zu und sie wich zurück, schüttelte den Kopf: „Tōshirō, glaub mir, ich bin... ich bin... da ist dieser Hass in mir, diese Wut, dieser Blutdurst. Seit ich das hier bin.“
Er blieb stehen: „Wie bist du überhaupt ein Arrancar geworden, wie bist du damals verschwunden, wie?“
Yukiko starrte ihn an, schwieg eine Weile, dann wandte sie sich ab, fing an auf und ab zu gehen: „Wie, wie, ja wie? Wie bin ich ein Monster geworden? Ich war dumm, dumm, dumm“, sie blieb stehen, sah ihn wieder an: „Tōshirō, ich habe ihn herausgefordert.“
„Du... du hast Aizen herausgefordert?“, mit großen Augen sah er sie an.
Unglücklich nickte das Mädchen.
„Du wusstest, dass du sterben würdest“, stellte er entsetzt fest.
Wieder nickte sie.
„Damals, in der Nacht, in der du verschwunden bist... warst du bei mir?“
Sie sah weg, verweigerte die Antwort.
„Miyuki, warst du bei mir? Bitte, warst du da? Ich habe von dir geträumt, ich... bitte, ich muss es wissen.“
„Du hast geschlafen“, sie betrachtete mit leeren Augen den staubigen Boden.
„Es tut mir so leid, dass ich dir so viel Kummer bereitet habe... und bereiten werde“, seine Stimme war matt.
Die Arrancar sah auf.
Seine Augen waren feucht: „Du hast mir einen Abschiedskuss gegeben...Warum? Warum?! Wofür bist du in den Tod gegangen?“
Ihr Herz zog sich zusammen, es tat weh, ihn so zu sehen. Sie hätte niemals gedacht, dass er sich an die Worte erinnern würde, die sie ihm damals zugeflüstert hat
„Für meine Ehre.“
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