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Alles auf der Erde

GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Coyote Stark Hitsugaya Toushirou OC (Own Character)
14.11.2017
27.12.2019
32
51.854
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15.09.2019 1.680
 
Kapitel 22: Unter den Toren

Sie prallte hart auf dem Boden auf und ihr entfloh ein gequältes Stöhnen.
Kraftlos versuchte sie sich aus der Lache ihres eigenen Blutes hoch zu stemmen, rutschte ab, donnerte ein weiteres Mal mit dem Kopf auf die weißen Fliesen.
„Du bist also zurück“, ertönte eine sanfte Stimme über ihr.
„Meister“, sie hustete Blut: „Ich habe versagt...“
„Das sehe ich“, stellet Aizen fest und seufzte: „An dir klebt das Reiatsu von Kyōraku.“
Yukiko ließ ihre Wange auf den kalten Stein sinken, schielte mit einem Auge hoch zu ihrem Gott: „Er und Ukitake...“, hustend erbrach sie einen weiteren Schwall Blut.
„Beide, meine Arme, ich kann dir nicht vorwerfen gegen die beiden zu verlieren ohne Resurreccion“, er breitete seine Hände mit einem gönnerhaften Lächeln über ihr aus und rief Tousen über seine Schulter zu: „Kaname, bring Fräulein Inoue her.“
Dann wandte er sich wieder ihr zu: „Wie fühlt es sich an, in deinem eigenen Blut zu liegen, Miyuki? Bringt es alte Erinnerungen hoch?“, fragte er liebevoll und verschränkte die Arme hinter seinem Rücken, während er ihre Verletzungen studierte: „Sie haben dich wirklich übel erwischt. Haben sie Bankai benutzt?“
„Beide im Shikai“, würgte sie angestrengt heraus und kämpfte gegen die Bewusstlosigkeit: „Daruma...“
„Erstaunlich. Beide im Shikai und du lebst noch...“, für einen Moment schien der Shinigami ernsthaft überrascht, dann fing er sich: „Wie zu erwarten von meiner Schöpfung. Du magst heute zwar versagt haben, aber wenn du den beiden in deiner Resurreccion begegnest, wirst du dich rächen können.“
Schritte kamen näher, Yukiko versuchte den Kopf zu heben, schaffte es jedoch nicht.
„Oh“, hörte sie Orihime machen und das Mädchen fing an zu rennen.
„Bleib wach“, forderte ihr Meister, kraftlos griff sie nach seinem Schuh: „...kann...“, als ihr Körper sie im Stich ließ.
Sie spürte, wie sie die Dunkelheit holte, wie die Kälte durch sie hindurchkroch. Selbst mit offenen Liedern wurde die Welt um sie herum schwarz wie die Nacht, schwarz wie Aizens Seele.
Der Frost durchzog sie, aber es war nicht die Kälte ihres Dämons, es waren die eisigen Krallen der Hölle, die nach ihr griffen.
Und dann plötzlich, strahlte ein Licht auf und die Wärme verscheuchte die Vorboten des Todes.
Und in der Sonne sah sie die Menschenfrau.
Sie weinte.
„Warum weinst du“, fragten ihre körperlosen Lippen: „Ich bin dein Feind...“
Das Mädchen schüttelte ganz leicht den Kopf, antwortete aber nicht.
Yukiko versuchte nach ihr zu greifen, aber da waren keine Arme, mit denen sie hätte greifen können.
„Holst du mich zurück?“, fragte sie, ihre Stimme glockenklar im hellen Nichts.
Diesmal nickte Orihime Inoue.
„Dann bist du mein Schutzengel“, hauchte sie, als die Dunkelheit ihrer Lieder sie vom Licht trennte.
Wie eine Ertrinkende schnappte sie nach Luft und riss die Augen auf. Panisch griffen ihre Hände nach den Armen der Menschenfrau.
Inoue zuckte zusammen.
Für einen Moment sahen sie sich an, dann lenkte Aizen ihren Fokus auf sich: „Wahrlich erstaunlich. Wie fühlst du dich, Yukiko?“
„Heil.“
Ihr Blick glitt über ihren Körper.
Er war ganz, so ganz, wie er seit Aizen eben war.
Unsicher setzte sie sich auf, tastete ihren Bauch ab.
„Vielen Dank, Fräulein Inoue, ein wirklich eindrucksvoller Beweis deiner Kräfte. Kaname, bring sie zurück in ihr Zimmer.“
Der Brünette reichte ihr eine Hand und sie ließ sich von ihm hochziehen, für einen Moment war sie wacklig auf den Beinen, dann fing sie sich: „Meister... wie ist das möglich?“
„Das hat dich nicht zu interessieren“, erklärte er sanft und bedeutete ihr, ihm zu folgen: „Nun erzähl mir, waren Ukitake und Kyōraku die einzigen?“
„Ja Meister, sie trafen als Erste ein, kurz nachdem ich ankam. Sie sind direkt ins Shikai gegangen. Ukitake hat versucht mich davon abzuhalten, Katen Kyoukotsus Spiele mitzuspielen, damit Kyōraku siegen kann“, sie biss sich auf die Zunge: „Kyōraku ist gefährlich Meister. Das war nur sein Shikai. Was kann sein Bankai?“
„Er wird es nicht verwenden können“, beruhigte Aizen sie, während er gelassen durch den eintönigen Korridor schlenderte und die Arrancar zog die Augenbrauen zusammen: „Wie? Warum sollte er es nicht verwenden können?“
„Er kann nicht riskieren alle Taichou in den Tod zu reißen. Sein Bankai ist nur in einem Zweikampf halbwegs sicher anwendbar. Es ist ein wirklich schreckliches Bankai, es passt zu seinen Dämonen, wirklich...
„Bist du dir sicher, dass er es nicht verwenden wird, Meister?“, hakte sie unsicher nach.
„Ich bin mir sicher“, er drehte sich zu ihr um und packte sie am Kinn: „Sieh mich an, Yukiko.“
Ängstlich erwiderte sie seinen sanften Blick. Ein zauberhaftes Lächeln umspielte seine Lippen und er ließ seine Hand von ihrem Kinn federleicht über ihre Wange gleiten, ihren Hals hinab auf ihre Brust: „Du hast Angst vor ihm...“
Die Blauhaarige blieb stumm.
„Gut, das heißt, du wirst ihn nicht unterschätzen“, Aizen wandte sich ab und ließ sie allein im Gang stehen.

Sie sah über die Dächer der Stadt und hielt ihre Kräfte versiegelt.
Ihr Blick glitt über Hochhäuser und Straßen, auf der Suche. Die Abenddämmerung tränkte alles in Blut, dennoch genoss sie den Anblick.
Denn es war echtes Licht.
Sie konnte die beiden spüren.
Ihre Beine liefen los, wie von alleine, durch den Himmel, unsichtbar für all die Menschen unter ihr.
Er saß am Fluss und sprach mit Matsumoto.
Für einen Moment fühlte es sich an, als würde ihr Herz zerreißen, dann kam der leere, dumpfe Schmerz.
Sie sollte da sitzen, neben ihm.
Sie sollte nicht der Feind sein.
Aber sie war es.
Ihre Finger zuckten unkontrolliert, und ihre Kehle wurde eng.
Sie wollte schreien, aber sie konnte nicht einmal atmen.
Angestrengt ballte sie ihre Fäuste, bohrte ihre Fingernägel in ihre Haut.
Ihr Körper zitterte, wehrte sich gegen sie.
Es war das Monster in ihr.
Die Wut.
Sie erinnerte sich an Zeiten, in denen es keine solche Wut in ihre gegeben hatte, Zeiten, in denen sie die Gute war.
Nicht mehr.
Mühsam atmete sie ein und aus, langsam und ruhig, kämpfte gegen die Wut, den Hass, den Blutdurst an.
Sie fragte sich, wie so oft, was sie geworden war.
Und wer sie endlich davon befreien würde.
Aber sie kannte die Antworten auf beide Fragen.
Sie war ein Monster und niemand konnte sie befreien.
„Ich gehöre Aizen“, flüsterte sie sich selbst zu.
Der Wind trug ihre Worte davon.
„Ich gehöre Aizen.“

Die Tür fiel ins Schloss.
Müde sah sie auf: „Starrk.“
„Yukiko.“
Der hagere Mann blieb stehen, starrte sie an: „Was ist passiert?“
Irritiert zog sie die Augenbrauen zusammen: „Was meinst du?“
„Du bist anders“, stellte er fest und sie erwiderte genervt: „Ich weiß nicht, wovon du sprichst.“
„Irgendetwas ist in der Seireitei passiert...“
„Ich bin besiegt worden, das ist passiert“, sie schnaubte wütend.
„Da ist etwas, was du verschwiegen hast“, Starrk durchbohrte sie regelrecht mit seinem Blick und die Arrancar sah zu Boden.
„Vertraust du mir nicht mehr?“, plötzlich hörte er sich verletzt an und sie sah auf: „Starrk, du bist ungerecht. Du weißt, ich vertraue dir. Du bist mein einziger Verbündeter.“
„Dein einziger Verbündeter? Was ist mit all den anderen?“
„Grimmjow will König sein, Nnoitra ist ein unberechenbares Monster, Ulquiorra ein devoter Diener, Hallibel, pff, kann ich nicht einschätzen, genauso wenig wie Barragan. Nur du, nur du bist ein echter Freund.“
„Was ist mit Aizen-Sama, Tousen-Sama... Ichimaru?“, er ging einen Schritt auf sie zu, aber sie wich nicht zurück: „Ich diene Aizen aus Angst, nicht aus Schuldgefühl“, sagte sie, schärfer als gewollt: „Ichimaru... er hasst was ich geworden bin, ich kann es ihm nicht verübeln. Und Tousen? Ich mag ihn genauso wenig wie er mich.“
Der Primera packte sie an den Schultern: „Ich bin also dein einziger Freund? Verdammt, dann rede mit mir!“
Sie presste die Lippen zusammen, sprach dann aber: „Der erste Taichou, dem ich in der Seireitei begegnet bin war ein...“, sie zögerte. Was war Tōshirō für sie? „Ein alter Freund“ war zu wenig, beschrieb nicht, wie tiefgehend ihre Beziehung gewesen war, aber „Bruder“ stritt ab, was er für sie gefühlt hatte. Was sie für ihn empfand.
„Bester Freund“, beschloss sie: „Er war mein bester Freund. Ich habe zehn Jahre unter seinem Dach gelebt, mit ihm gegessen, neben ihm geschlafen. Und seine Fukutaichou... war eine gute Freundin. In den letzten paar Monaten vor meinem Tod habe ich bei ihr gewohnt.“
„Du hast also Aizens Befehl nicht befolgt und nicht den ersten Taichou, den du getroffen hast, angegriffen“, stellte Starrk fest.
„Doch... das habe ich“, sie spürte, wie ihre Augen feucht wurden: „Wir haben gekämpft... bis Kyōraku und Ukitake eingetroffen sind.“
„Alleine gegen vier“, stellte der Primera fest, aber Yukiko schüttelte den Kopf: „Tōshirō und Rangiku sind gegangen, als die anderen beiden Taichou den Kampf übernommen haben. Er konnte es nicht ertragen, konnte nicht gegen mich kämpfen.“
„Die anderen beiden haben nicht gezögert, dich zu bekämpfen... kanntest du sie auch?“, fragte er und nahm ihr Kinn, zwang sie, ihn anzusehen.
„Ukitake-Taichou war ein Vertrauter, ich habe ihm beinahe alles erzählt, er war stets derjenige, den ich um Rat gebeten habe. Er hat mir Shogi beigebracht...“
„Und doch hat er seine Klingen gegen dich geführt.“
„Kyōraku-Taichou war wie ein Vater für mich...“
„Und doch hat er seine Klingen gegen dich geführt. Yukiko, du musst dich unter Kontrolle bekommen. Du bist jetzt eine von uns.“
„Ich weiß“, brennend heiß lief die erste Träne über ihre Wange, tropfte auf Starrks behandschuhte Hand.
„Du musst die Vergangenheit hinter dir lassen, du bist keine Shinigami mehr. Diese beiden Taichou, sie haben die Wahrheit eingesehen und dich bekämpft. Das musst du auch tun. Wir werden all diesen Taichou im Kampf begegnen, du kannst dann nicht unsicher sein, kannst nicht zögern. Es wäre dein Tod. Du musst eine Seite wählen, Yukiko. Wähl die Seite der Sieger, wähl das Leben, wähl mich.“
Sie schluckte und nickte kurz: „Ich weiß. Und ich weiß auch, auf welcher Seite ich stehe. Aizen wird mich töten, ohne zu zögern. Ich habe keine Wahl. Es gibt nur eine Seite, es gab schon immer nur eine Seite. Seine.“
„Gut“, Starrk schlang die Arme um die Arrancar, zog sie an sich: „Ich will nicht, dass du stirbst.“
Yukiko schloss die Augen und lauschte dem Herzschlag des Espada: „Ich will auch nicht, dass du stirbst, Starrk.“
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