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Alles auf der Erde

GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Coyote Stark Hitsugaya Toushirou OC (Own Character)
14.11.2017
27.12.2019
32
51.854
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04.08.2019 2.180
 
Kapitel 19: Der Auftrag

Sie stand in ihrem Zimmer.
Jede Faser ihres Körpers wehrte sich dagegen, zu gehen.
Aber Aizen hatte gesagt, dass jetzt die Zeit gekommen war.
Mit glasigen Augen starrte sie Vendetta an, ihre Hand ruhte auf seinem Griff.
Aber der Dämon blieb still.
Er war wütend.
Er wollte den Auftrag nicht ausführen.

Er hatte gerade dem Soutaichou Bericht erstattet, Matsumoto an seiner Seite hörte einfach nicht auf zu reden.
Genervt seufzte der junge Taichou: „Wir haben noch ein paar Stunden, bevor wir zu Ichigo zurückkehren müssen. Wir sollten unsere Berichte schreiben, solange die Erfahrung noch relativ frisch ist.“
„Was, ich wollte eigentlich einen Trinken gehen!“, maulte die Rothaarige und fing sich einen tadelnden Blick ein: „Es ist mitten am Tag.“
Schmollend sah seine Fukutaichou weg: „Na gut...“

Yukiko öffnete das Tor und straffte ihre Schultern.
Ihre Brust zog sich zusammen, schien einen Klumpen zu bilden und ihre Kehle schnürte sich zu, aber sie machte den Schritt ins Nichts.
Am anderen Ende des Tunnels leuchtete ihr Licht entgegen.
Sie trat in die strahlende Sonne.
Die Arrancar hob den Blick und starrte den Himmel an.
Wie lange hatte sie keinen echten Himmel, keine echte Sonne mehr gesehen? Sie wusste es nicht. Das erste, woran sie sich von ihrem neuen Leben erinnerte, war die Dunkelheit des Waldes und Ashido an ihrer Seite.
Sie hatte Hueco Mundo seitdem nur zweimal verlassen...
... einmal auf eigene Faust, um ihren Brief, ihre Warnung vor Aizen zu verstecken, das zweite Mal auf Aizens Befehl hin, um nachts über einen Friedhof zu gehen.
Mit traumwandlerischer Sicherheit machte sie sich auf den Weg.
Ihr Herz wog schwer in ihrer Brust.
Sie hatte sich nicht die Mühe gemacht, zu verhüllen wer oder was sie war.
Ihr Weg führte sie durch altbekannte Straßen, doch sie begegnete niemandem.

„Du solltest so früh am Tag noch nicht trinken“, Ukitake nahm seinem Partner die Sakeflasche aus der Hand und stellte sie mit Nachdruck ins Regal: „Nimm einen Schluck Wasser.“
„Irgh“, machte Shunsui und streckte sich auf seinem Futon aus: „Hast du nicht noch von diesem... diesem Dings, du weißt schon, aus der Welt der Lebenden. Cari- Capo- Irgendwas-Sonne.“
„Capri-Sonne?“, der Weißhaarige lachte leise und betrachtete den anderen Taichou: „Die hat es dir wohl echt angetan?“
Kyōraku schob seinen Hut hoch und blinzelte ihn an: „Es ist süß und ich kann nicht genug davon bekommen, so wie von dir“, er zwinkerte ihm zu und Jūshirō lachte: „Schleimer, ich guck nach, ob ich noch eine habe.“
„Sag mal, hast du schon davon gehört? Arrancar haben Ichigo und Co. angegriffen.“, ließ der Brünette wie beiläufig fallen.
„Ich dachte sie hätten nicht so wirklich gekämpft? Der eine soll wohl riesig gewesen sein“, er stöberte in seiner Süßigkeiten-Kiste, fand den Karton und warf eines der Trinkpakete über seinen Rücken.
Auch ohne es zu sehen, wusste er, dass Kyōraku die Tüte einer Katze gleich aus der Luft auffangen würde.
„Nein, es ist eine zweite Gruppe gekommen. Angeführt von einem Espada.“
Irritiert schloss er die Holztruhe: „Espada?“
„Ja, die zehn stärksten Arrancar hat Aizen zu „Espada“ ernannt. Eine Art Taichou, wie es scheint. Sie sind ihrer Stärke nach sortiert. Der Schwächste ist die Zehn, der Stärkste die Eins“, erklärte Shunsui: „Bei dem Angriff war der Sexta dabei. Er hätte kurzen Prozess mit Ichigo gemacht, wenn Tousen ihn nicht zurück kommandiert hätte. Zumindest wenn man dem Bericht Glauben schenken darf.“
„Tousen...“, der Weißhaarige seufzte: „Eine Schande. Eine Schande.“
„Richtig, eine Schande für uns alle“, stimmte sein Gefährte zu: „Lass das nicht so nah an dich ran, Jūshirō, du könntest es sowieso nicht ändern. Und es ist nicht deine Schuld.“
„Ich weiß“, mit einem Seufzen ließ er sich neben dem anderen Taichou nieder und bettete seinen Kopf auf dessen Brust: „Wieso hat Tousen den Espada zurückgerufen?“
„Das weiß keiner...“

Sie ließ sich unter dem Kirschbaum im Seiza nieder und legte Vendetta über ihre Knie.
Yukiko hasste es zu warten, aber in diesem Fall wünschte sie sich, dass das Warten für immer andauern würde.
Mit einem Seufzer schloss sie die Augen.
Aber ihr Zanpakutou antwortete nicht.
„Vendetta“, wisperte sie, beschwor ihn herauf: „Sprich mit mir, Vendetta.“
Endlich öffnete ihr Dämon ihre innere Welt.
Sie betrat die vertrocknete Wiese und sah sich um. Die weißen, zarten Blüten am Kirschbaum neben dem See waren zu braunen Blättern vertrocknet.
Das Gras, das einst grün gewesen war, war schwarz und braun und grau.
Es zerbröselte zu Staub unter ihren Füßen.
Flocken tanzten grau-weiß in der Luft, schwebten sanft herunter.
„Schnee?“
„Asche.“
Ihr Dämon saß am See und starrte in das Wasser.
Yukiko trat neben ihn, erwartete, sich zu spiegeln, aber der See war trüb geworden. Da war kein Spiegelbild zu sehen.
Vendetta wandte sich ihr zu und sie schluckte: „Es ist fortgeschritten...“
Der Großteil seines Gesichts war schwarz. Die Hörner an seiner Stirn waren gewachsen und seine Stimme... seine Stimme schepperte, wie die eines Hollow.
„Du lässt die Dunkelheit gewinnen.“
„Was soll ich tun?“, ihre Stimme zitterte, triefte vor Verzweiflung: „Sag mir, Hakuouki, was soll ich tun?“
„Du musst ihn hassen“, forderte ihr Schwertgeist: „Hass ihn mit aller Kraft, werde Stärker, wachse, gedeihe und dann töte ihn, töte ihn, töte ihn. Er hat uns das angetan.“
„Rache“, sagte sie matt.
„Rache“, bestätigte ihr Dämon mit brennender Stimme: „Vendetta.“
„Das sind nicht wir“, sie schluchzte: „Wir waren mal die Guten.“
„Und wir sind es nicht mehr“, seine Stimme war eisern.
„Du lässt die Dunkelheit genauso sehr gewinnen, wie ich“, sie ergriff seine Hand und  die Schwärze zog sich zurück.
Irritiert versuchte er, ihr die Hand zu entziehen, aber sie hielt ihn mit aller Kraft fest.
„Hakuouki“, flehte sie.
„Vendetta“, widersprach er.
Aber der Kampf wich aus seinen Augen, wie die Dunkelheit aus seinem Körper.
„Du hast Recht“, ihr Dämon seufzte: „Aber... was sollen wir denn machen? Wir sind nicht stark genug, um ihm zu trotzen.“
„Gin“, sagte sie und Hakuouki hielt inne.
„Du weißt nicht, wann er es tun will.“
„Wann auch immer er es tut“, Miyuki machte sich gerade, vergrub ihre Finger in seinem Arm, so fest, dass ihre Knöchel weiß wurden: „Wir werden, wir müssen bereit sein.“
„Dann solltest du mir gut zuhören...“

Tōshirōs Kopf schnellte mit einem Ruck hoch von der halbgefüllten Seite.
Verwirrt warf seine Fukutaichou ihm einen Blick zu: „Stimmt was nicht?“
„Spürst du das?“, fragte er. Sein Herz hämmerte gegen seine Brust. Angst, stellte er fest, er hatte Angst.
„Was soll ich spüren?“, Matsumoto legte die Feder hin, erhob sich langsam: „Taichou?“
„Hier ist ein Arrancar“, er sprang auf: „Komm. Wir müssen dieses Monster unschädlich machen, bevor es Chaos verbreiten kann!“

„Ich werde dich nicht enttäuschen, Meister. Wie lautet der Auftrag?“, sie riss ihren Blick von dem verbrannten Fleck los, an dem Grimmjows Arm noch vor wenigen Augenblick gelegen hatte und sah Aizen an.
Der Shinigami lächelte und streckte seine Hand nach ihr aus, strich liebevoll über ihre Wange: „Du sollst jemanden für mich zerfetzten.“
Stumm nickte sie.
„Wenn ich dir Bescheid gebe, gehst du in die Soul Society und wartest. Töte jeden Shinigami, der dir begegnet. Jeden einzelnen. Und warte, warte, bis ein Taichou kommt, um dich zu stoppen“, seine Augen schienen sie zu erdolchen: „Und egal welcher Taichou es ist. Töte ihn.“
Yukiko schluckte, dann nickte sie: „Ja, Meister. Habe ich die Erlaubnis, Vendetta zu entfesseln?“
Er runzelte die Stirn, schien kurz zu überlegen: „Nein, halte deine wahre Macht verborgen. Solange du nicht vom Soutaichou überrascht wirst, solltest du ohne Resurreccion zurechtkommen.“
„Ja, Meister“, sie nickte demütig.
Der Startschuss kam einige Tage später, an dem Tag, an dem er sich Orihime Inoue geholt hatte.
Aizen hielt sie am Ende seiner Versammlung auf.
„Los, Yukiko, geh und zerfetz einen Taichou. Du kannst mir gerne den Kopf mitbringen, wenn du willst“, Aizen lächelte sie warmherzig an und bedeutete ihr, zu gehen.

Er spürte Matsumoto dicht hinter sich, aber er konnte nicht darauf warten, dass sie ihn einholte.
Der Arrancar war nicht mehr weit weg, das Reiatsu war gedämpft und ruhig, als würde das Monster meditieren. Tōshirō konnte nicht einschätzen, wie stark oder schwach dieser hier sein würde. Aber die Beschaffenheit des Reiatsu jagte ihm kalte Schauer über den Rücken und stellte seine Nackenhärchen auf. Es kam ihm bekannt vor und er wusste nicht warum.
Ein Teil in ihm bemerkte, dass seine Schritte ihn an einen Ort führten, den er schon seit vielen Jahren mied, aber er realisierte es erst wirklich, als er schlitternd am Eingang des Parks ankam. Er wurde blass.
Der Kirschbaum thronte neben dem kleinen Teich, die Blüte war schon am Ende und die weißen Blütenblätter taumelten träge zu Boden, bedeckten die Wiese, färbten sie weiß. Federleicht schwammen sie auf dem klaren Wasser, das von einer sanften Briese bewegt wurde.
Und vor dem Baum saß der Arrancar.
Sie hatte sie Augen geschlossen und  ihre blauen Locken bewegten sich leicht im Wind. Auf ihrem Schoß ruhte ihr Zanpakutou. Sie sah so sehr aus wie früher und doch so anders.
Matsumoto kam neben ihm zum Stehen, ihre aufgebrachtes Reiatsu erfasste ihn.
„Miyuki“, es war kaum mehr als ein atemloses flüstern, und dann, wie von alleine, lief er los, rannten seine Beine.
Die Frau öffnete die Augen.
Grüne Augen.
Entsetzte, grüne Augen.
Seine Hände legten sich auf ihre Wangen, ihre Haut war hart und unnachgiebig, kühler als früher.
Er presste seine Lippen auf ihre, spürte wie sich Tränen in seinen Augen sammelten, kniff sie zu.
Ihre Hände legten sich über seine, sie drückte sich ihm entgegen, erwiderte den Kuss.
Atemlos trennte er sich von ihr, konnte nicht verhindern, dass er schluchzte: „Miyuki...“
„Tōshirō“, er konnte den Schmerz in ihrer Stimme hören: „Tōshirō, hör mir zu, du musst verschwinden, du und Matsumoto, ihr müsst gehen, sofort.“
„Was? Nein, nein“, er sah sie durch seine tränenverschleierten Augen an. Aus ihrem Haar stachen die Reste ihrer Maske heraus wie flossenförmige Ohren. Sein Blick glitt tiefer. In ihrer Brust war ein Loch, aber es war mit einer merkwürdigen, weißen Masse gefüllt. Sie war ein Arrancar, das war nicht zu übersehen. Aber sie war nicht wie die anderen: „Ich lasse dich nicht allein, ich lasse dich nie wieder alleine. Was ist mit dir passiert? Hat Aizen dir das angetan? War das Gin?!“, die Wut übermannte den Schock und die Verzweiflung.
„Sh“, sie packte ihn an den Schultern, zog ihn runter und der junge Taichou ließ sich auf die Knie sinken, auf Augenhöhe zu ihr.
„Gin wusste nichts davon. Aizen hat das hier aus mir gemacht. Und genau deswegen musst du gehen, müsst ihr beide jetzt sofort verschwinden. Ich bin auf Aizens Befehl hier, ich soll den ersten Taichou, dem ich begegne, töten!“, verzweifelt gruben sich ihre Finger in seine Schultern wie schmerzhafte Krallen: „Verstehst du? Du musst gehen!“
„Nein“, widersprach er, sein Blut rauschte in seinen Ohren: „Miyuki, ich, ich bleibe bei dir, ich beschütze dich, du musst nie wieder Aizen gehorchen, bleib einfach hier! Was soll er schon machen?“
Sie wich seinem Blick aus, aber er konnte den Schmerz in ihren Augen sehen, konnten ihn in ihrem Reiatsu spüren: „Ich weiß was Aizen machen kann, glaub mir, du kannst mich nicht beschützten, das kann niemand. Bitte, Tōshirō, ich will nicht meine Klinge gegen dich erheben. Geh!“, flehte sie mit Tränen in den Augen, dann sah sie über seine Schulter: „Rangiku, nimm ihn, ihr müsst gehen, bitte, ihr müsst gehen!“
„Ich dachte du hättest dich damals umgebracht“, stotterte seine Fukutaichou hinter ihm.
Miyuki schüttelte den Kopf: „Ich bin von Aizen getötet worden. Aber das ist jetzt egal, alles was jetzt wichtig ist, ist, dass ihr geht! So weit weg wie möglich!“
„Nein, du musst das nicht tun, Miyuki, du kannst hier bleiben, ich werde mit dem Soutaichou reden und“, versuchte er ihr zu erklären, aber sie fiel ihm ins Wort: „Ich bin nicht Miyuki. Miyuki ist vor 15 Jahren gestorben! Ich bin Yukiko, ich gehöre zu Aizens Armee und ich muss tun was er sagt, sonst tötet er mich.“
„Du bist Miyuki“, er spürte, wie sich sein Herz zusammen zog: „Bleib bei mir...“
Sie erwiderte seinen Blick. Ihre Stimme zitterte, als sie antwortete: „Das kann ich nicht.“
Und ihre Finger legten sich um den Griff von Hakuouki: „Ich zähle bis zehn. Und dann müsst ihr weg sein, sonst werde ich euch töten.“
Sein Herz setzte für einen Schlag aus.
„Nein.“
„Eins.“
„Miyuki.“
„Zwei.“
Verzweifelt drückte er seine Lippen wieder auf ihre, löste sich, wisperte: „Tu das nicht...“
„Drei.“
Er legte seine Stirn an ihre: „Bitte...“
„Vier.“
„Das würdest du niemals tun...“
Ihre Augen waren kalt und stumpf geworden.
„Fünf.“
„Miyuki...“, er spürte, wie er zitterte. Sein Herz brannte.
„Sechs.“
„Tōshirō, komm“, Matsumoto zog an seinem Arm: „Wir müssen hier weg!“
„Sieben.“
„Sofort!“, seine Fukutaichou schrie beinahe.
„Acht.“
Mit einem Ruck riss sie ihn nach oben, er stolperte, wurde von ihr aufgefangen: „Taichou! Lauf!“
„Nein, bitte, Miyuki, bitte...“
„Neun.“
Miyuki erhob sich. Ihr Gesicht war eine ausdruckslose Maske. Sie zog Hakuouki in einer geschmeidigen Bewegung und die Schwertscheide löste sich in Nebel auf, gab den Blick frei auf eine durchsichtige Klinge.
„Renn!“, schrie Matsumoto, zog an ihm, aber er blieb stehen, wehrte sich gegen sie: „Das wird sie nicht tun...“
„Zehn.“
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