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Alles auf der Erde

GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Coyote Stark Hitsugaya Toushirou OC (Own Character)
14.11.2017
27.12.2019
32
51.854
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14.11.2017 1.459
 
Kapitel 1: Gnade Gottes

Als sie die Augen aufschlug, zum ersten Mal seit langer, langer Zeit, war es düster um sie herum.
Der Nachthimmel über ihr war sternenlos, nur ein paar Wolken zogen vereinzelt darüber hinweg.
Ein trüb leuchtender Sichelmond thronte im Zenit und sein gespenstisches Licht eroberte die triste Welt.
Müde sah sie sich um.
Sand, weißer Sand, soweit sie blicken konnte und eine vage Erinnerung.
Hatte sie das nicht schon Mal gesehen?
Sie wollte aufstehen, aber da war nichts an ihr, was wirklich aufstehen konnte.
Wo einst Beine waren fand sie nun nur noch einen zuckenden Schwanz. Der feine Sand glitt über die pechschwarzen Schuppen, als sie sich hoch kämpfte.
Schwarze, gepanzerte Hände stützen sich im Sand ab und eine schreckliche, scheppernde Stimme erklang in einem wortlosen Schrei.
Unkoordiniert schwankte sie und plötzlich war da Gewissheit: es war ihre Stimme.
Der Fischschwanz peitschte durch den Sand, nicht in der Lage sich zu halten und ihr Schrei wurde lauter und lauter...
Sie fiel und ein verzweifeltes Schluchzen drang aus ihrer Kehle.
Immer und immer wieder versuchte sie, sich zu erheben, das Gleichgewicht zu halten und nach einiger Zeit ging es.
Wie ein Kind, das Gehen lernt, schwankte sie unsicher durch den weichen Sand.
Torkelte.
Stille umgab sie.
Bekannte, gute, alte Stille.
Dann erkannte sie, wo sie war.
Dann wurde ihr klar, was sie war.
Sie wanderte eine Zeit lang durch die Wüste, brach ab und an einen der kristallenen Auswüchse ab und stocherte im Sand, warf den Ast wieder weg.
Nach einer Weile kam sie zu einer tiefen Senke, in deren Mitte ein tiefschwarzes Loch klaffte.
Mit gerunzelter Stirn schlängelte sie sich an den Rand und starrte nach unten in die Tiefe.
Die Dunkelheit starrte zurück und zog sie magisch an, wie Motten das Licht.
Ihrem Instinkt folgend ließ sie sich hinein fallen und fing sich selbst in der Luft auf, schwebte hinab.
Um sie herum schimmerten Kristalle. Es waren riesige, verzweigte Bäume, deren Spitzen im Sand verschwanden, der auf magische Weise oben blieb und nicht mit hinab rieselte.
Die Luft war erfüllt von Hollowgebrüll und Reiatsu.
„Muss Hollow töten“, beinahe wahnhaft erklang ihre Stimme und sie sah sich in der Dunkelheit um, während ihr Hirn ihr den einzigen Befehl gab, an den es sich erinnern konnte:
„Muss Hollow töten...“
Mehr Tier als alles andere jagte sie in der Dunkelheit.
Tage.
Wochen.
Monate.
Jahre.
Und wachsame Augen sahen ihr die ganze Zeit zu.

„Das kann nicht ihr Ernst sein!“, er ließ die Fäuste auf den Tisch sausen, auch wenn er wusste, dass es ihm nichts brachte, wenn er sich aufregte.
Sein Blick glitt zum Fenster und er starrte auf die Schneeflocken, die träge in Richtung Boden taumelten.
„Es tut mir leid, wirklich“, sie hob die Hände abwehrend: „Ich habe es versucht!“
Er spürte ihren Blick auf sich.
Ein leises Platschen erklang und er zuckte zusammen, erst jetzt merkte er, dass er weinte. Hektisch wischte er die Tränen weg: „Schon gut...“
„Ich weiß, dass es dir wichtig war, dass wir alle zusammen kommen“, die Frau beugte sich vor und legte ihre Hand auf seine Schulter: „Ich mache es wieder gut.“
Aber der junge Taichou schüttelte den Kopf: „Du musst nichts wieder gut machen. Du kannst nichts dafür.“
Er erhob sich: „Dann werde ich... alleine gehen.“
Sie schluckte: „Bist du dir sicher?“
„Ja“, entschieden schob er sich an ihr vorbei und verließ sein Büro.
Es tat weh, dass es den anderen nicht mehr wichtig war. Es war noch nicht lange her. Noch gar nicht lange her...
Sechs Jahre, sechs schreckliche Jahre, die er schon ohne sie verbracht hatte.
Der Weg zu ihrem Grab war schon viel zu natürlich geworden für ihn.
Die Blumen in seinem Arm waren weiß, so wie der Schnee, aus dem der Grabstein herausragte.
Er legte den Strauß auf den kühlen Stein und ließ sich vor dem Grab auf den Boden fallen, zog die Knie an: „Ukitake ist krank, deswegen kommt auch Kyōraku nicht. Es tut mir so leid.“
Der Schnee hinter ihm knirschte unter langsamen Schritten, aber der Weißhaarige sah nicht auf: „Ichimaru.“
„Hitsugaya“, der Ältere ließ sich neben ihm nieder, legte dabei seine rotem Blumen neben die Weißen.
Aus dem Augenwinkel sah Tōshirō seinen Kollegen an, der nachdenklich auf den Stein starrte. Es war ein seltener Anblick, Gin ohne Grinsen und mit offenen Augen.
„Hör zu, ich weiß, dass du sie geliebt hast“, setzte der Grauhaarige an, aber der Junge reagierte sofort giftig: „Ich muss gar nichts von dir hören.“
Kurz trafen die blauen Augen auf seine: „Es ist wichtig.“
Seufzend ergab er sich: „In Ordnung.“
„Sie war eine gute Soldatin. Und sie wird wieder eine gute Soldatin werden, eines Tages. Übe dich in Geduld, du weißt genau, dass sie wiedergeboren wird und dann wird sie wieder dem Ruf von Hakuouki folgen. Wir, mehr als jeder andere, sollten wissen, dass der Tod nicht das Ende ist.“
„Das weiß ich“, fauchte der Junge wütend und biss sich auf die Unterlippe.
„Wissen und realisieren sind zwei sehr unterschiedliche Dinge. Du musst damit abschließen, wenn du dich jemals davon erholen willst. Wenn du eine Wunde hast, lässt du sie in Ruhe verheilen und kratzt auch nicht jeden Tag an der Kruste. Schließ damit ab. Zehn Jahre, stell sie dir als Band einer Buchreihe vor, klapp den Band zu und stell ihn ins Regal. Erinnere dich mit Wertschätzung daran, aber ließ weiter.“
Die Weisheiten nervten ihn: „Jaja.“
„Denkst du, dass sie das gewollt hätte?“
Tōshirō zuckte zusammen, aber der Ältere trieb es weiter: „Denkst du, sie wäre glücklich, dich so zu sehen? Denkst du, sie wünscht sich für dich, dass du ihr Jahrelang hinterher heulst, wie ein verdammter Versager?“
„Halt die Klappe!“, schnappte der Kleine und sein Reiatsu explodierte, fror die zarten Blüten ein.
Gin schien unbeeindruckt: „Das Leben geht weiter, weißt du. Du kannst die Zeit nicht anhalten.“
„Ist sie dir inzwischen etwa auch egal geworden?“
Der Taichou sah ihn traurig an: „Wäre ich dann hier? Nein, egal, sicher nicht. Aber ich habe sie losgelassen, sie gehen lassen, ihren Tod akzeptiert.“
„Wie?“
Gin wandte sich wieder ab. Er konnte dem Jungen schlecht sagen, dass seine Verlobte seine Erlösung gewesen war, konnte schlecht sagen, dass es ihn befreit hatte, als das Mädchen gestorben war. Inzwischen wog die Last der Schuld einfach nicht mehr so schwer, ihr Tod fiel kaum ins Gewicht im Vergleich zu all den Dingen, die er schon getan hatte. Sie hatte diesen Weg für sich gewählt und er akzeptierte es.
„Ich kann es nicht erklären. Du solltest Ukitake fragen, er weiß immer Rat“, der Fuchs erhob sich und sah auf seinen Kollegen herunter, hielt ihm die Hand hin, aber der Junge schlug sie weg: „Nur über meine Leiche.“
Mit einem Seufzen wandte sich Gin ein letztes Mal dem Grab zu, seine Finger berührten den kalten Stein zum Abschied, dann ging er, ließ Tōshirō alleine zurück.

Aizen seufzte und betrachtete Gins versteinertes Gesicht: „Du bist noch immer wütend wegen dieser Sache.“
„Nein“, sagte der Grauhaarige und starrte ausdruckslos an die Decke.
Die hagere Brust hob und senkte sich gleichmäßig und er hatte seine schlanken Arme hinter dem Kopf verschränkt. Trotz seiner schlaksigen Gestalt steckte viel Kraft in seinem Körper.
Der Brünette ließ eine Hand über die nackte Brust fahren: „Ich spüre es doch.“
Noch immer sah der andere Taichou stur an die Decke, reagierte nicht auf die sanfte Berührung, die Aizen ihm zukommen ließ. Aber der Körper reagierte artig. Die Brustwarze vom Grauhaarigen wurde hart zwischen seinen Fingern und Aizen konnte sich ein selbstgefälliges Lächeln nicht verkneifen.
„Bitte nicht“, flüsterte der Mann unter ihm leise, aber wann hatte er sich schon jemals darum gekümmert, ob er es wollte, oder nicht. Gin gehörte ihm und ab und an musste er ihn eben daran erinnern, ihn sich erneut unterwerfen.
„Es sind schon sechs Jahre, du solltest so einer lächerlichen Affäre nicht so hinterher trauern“, er drehte den Körper griff in das weiche Haar, zog ihn zurecht.
Es turnte ihn unheimlich an, sich vorzustellen, wie Gin zusammenbrechen würde, wenn er sie ihm zeigte, mehr Tier als Mensch, wild und roh und schwarz. Verdorben. Ein Instrument von ihm, eine neue Marionette, ein nettes Spielzeug.
Die Erinnerung daran, wie sie als frisch geborener, gedankenloser Hollow ihre ehemalige Freundin- Lilei oder so ähnlich?- zerrissen hatte, ließ sein Glied vor Erregung zucken.
Das war ein Anblick gewesen, der ihn sofort hart gemacht hatte.
„Tu ich nicht“, antwortete die Stimme, war hohl und nichtssagend, riss ihn aber dennoch aus seinen Gedanken: „Mich beschäftigt was anderes.“
„Hm“, machte Aizen nur, ehe er sich in ihn schob.
Der Taichou unter ihm machte einen unwilligen Schmerzlaut, doch seine Hände hielten ihn, wo er war. Es gab kein Entkommen.
Der Gedanke, wie Gin reagieren würde, wenn er die Wahrheit erfuhr, ließ Aizen schneller kommen, als ihm Recht war.
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