Walking on broken glass

GeschichteRomanze, Angst / P18
Catherine de' Medici Claude of France Dauphin Francis Kenna King Henry II of France Sebastian "Bash" de Poitiers
14.11.2017
05.10.2019
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Disclaimer: „Reign“ oder die darin verwendeten Personen gehören nicht mir, aber die verrückte Idee, Henry, Catherine & Co. in unsere Zeit zu versetzen, die gehört mir. :-) Die Verletzungen irgendwelcher Rechte sind nicht beabsichtigt.
Pairing: Catherine/Henry – Cathry (main pairing); Mary/Francis (minor pairing)
Rating: M / P16
Katergorie: modern Alternate Universe, Romance, Drama
Summery: habt ihr euch je gefragt, wie Catherine & Henry wohl in unserer Zeit leben würden? Wäre ihre Ehe ebenso zerrüttet, schwierig und frustrierend? Ja verdammt, wäre sie!
Bemerkung: Ich bin sicher, dass es einem in einer AU-FF nicht immer gelingen wird, völlig in-character zu bleiben. Ich werde mich jedoch bemühen, allen beteiligten Figuren so gerecht wie möglich zu werden.



Walking on broken glass


Kapitel 1


Mit quietschenden Reifen schoss Henry Valois mit seinem schwarzen Ford Mustang die enge Zufahrt zum Parkdeck hinunter. Er war spät dran, nicht das erste Mal in dieser Woche. Aber dieses Mal würde Catherine ihm die Hölle heiß machen. Noch mehr, als sie es sonst schon tat. Die von ihr einberufenen, monatlichen Jour-Fix-Sitzungen zur Lage ihres Unternehmens, die nicht selten als Brainstorming der Führungsebene zur Expansion und Weiterentwicklung dienten, nahm seine Frau sehr ernst. Und das Zuspätkommen eines Teilnehmers fasste sie als persönlichen Affront auf. Ganz besonders, wenn diese Person ihr Gatte war.
Henry bremste nach der letzten Kurve scharf ab und stieß einen lauten Fluch aus, als er Catherines roten Porsche auf dem für die beiden Geschäftsführer reservierten Parkplatz stehen sah. Sie hatte ihren Wagen rückwärts eingeparkt und beanspruchte dabei einen Teil des ihm zugewiesen Parkplatzes.
„Himmel Arsch Frau, wo hast du parken gelernt!“, erboste er sich verärgert und fuhr um die nächste Kurve, um einen freien Mitarbeiterparkplatz zu suchen.

Ärgerlicherweise wurde er erst im zweiten Untergeschoss fündig und verlor weitere wertvolle Minuten. Nachdem er endlich sein Auto abgestellt hatte, eilte er gehetzt zum Fahrstuhl, der zu seiner wachsenden Frustration in nahezu jeder Etage des Gebäudes hielt um Leute hinein oder hinaus zu lassen. Henry warf immer wieder einen Blick auf seine Rolex, doch egal wie oft er die Zeit auch überprüfte, die Tatsache, dass er zwanzig Minuten zu spät dran war, änderte auch seine Ungeduld nicht.
Endlich sprang die Fahrzugtür in der sechsten Etage auf und der Geschäftsführer von Val-Sec - Valois Security stürzte durch den Flur, an Catherines Sekretärin vorbei und riss atemlos die Tür zum Besprechungszimmer der Führungsetage auf.

Fünf Augenpaare hefteten sich augenblicklich auf den Neuankömmling. Aus einem davon schossen Giftpfeile in seine Richtung.
„Wie reizend, dass auch du es einrichten konntest, Henry“, sagte seine Frau anstelle einer Begrüßung und keinem der Anwesenden entging der eiskalte Unterton, der ihren Worten anhaftete. Der arktische Winter war nichts gegen eine verärgerte Catherine de' Medici.
Henry brummte lediglich genervt vor sich hin und schenkte sich anstelle einer Erwiderung erst einmal eine Tasse Kaffee ein. Einer Auseinandersetzung ohne vorherige Koffein Einnahme war er an diesem Morgen nicht gewachsen.

Catherine deutete Richard de la Croix - ihrem Personalchef und Henrys altem Freund - mit einer Handbewegung an, mit seinem Bericht fortzufahren. Henry hörte nur mit einem Ohr zu. Personalangelegenheiten regelte seine Frau und sie interessierten ihn zugegebenermaßen auch nicht. Was für ihn zählte, war die stetige Weiterentwicklung ihrer Produkte und der harte Kampf, sich nach wie vor an der Spitze eines heiß umkämpften Weltmarktes zu halten. Die Konkurrenz schlief nicht, wartete immer wieder mit Innovationen im Segment der Internet-Sicherheit auf und auf lange Sicht konnten sie nur wachsen, indem sie weitere Türen im Bereich der Sicherungs- und Überwachungstechnik aufstießen. Sollten Catherine sich um die Mitarbeiterbelange und ihre Finanzen kümmern, solange der Laden lief und sie sich nicht in sein Fachgebiet, die Entwicklung, einmischte, würde er auch sie frei schalten und walten lassen, wie es ihr beliebte.
Denn egal, wie launenhaft, temperamentvoll und stur seine Frau auch sein mochte, sie war eine gewiefte Geschäftsfrau mit einem feinen Gespür für die richtigen Investitionen.

Ihr gemeinsamer Sohn Francis saß neben seiner Mutter und saugte jedes Detail von Richards Ausführungen begierig auf. Hin und wieder senkte sich sein blonder Schopf, wenn er sich Notizen machte. Der Junge war vor wenigen Wochen 21 Jahre alte geworden und Catherine hatte darauf bestanden, dass er nun alt genug war, Schritt für Schritt ins Management einbezogen zu werden. Und der Bengel machte sich gut. Vielleicht agierte er noch ein wenig zögerlich und zaghaft, doch er hatte den Geschäftssinn seiner Eltern geerbt und kam seinen wachsenden Verpflichtungen gewissenhaft und eifrig nach. Mit ein wenig Zeit und etwas mehr Erfahrung würden sie Fancis die Junior-Geschäftsführung anvertrauen können.

Als nächstes folgte der Bericht von Paula Baker, einer Mittfünfzigerin mit dunklem Topfhaarschnitt und einer nervtötenden, nasalen Stimme, die sich endlos über das einzige Thema ausließ, über das sie jemals sprach: Die Finanzbuchhaltung. Bereits nach wenigen Minuten schwirrte Henry der Kopf, während Paula sie mit Begriffen wie Working Capital, EBITDA-Margen und Cash Flow quälte.

Gelangweilt zog er sein Handy aus der Jacket-Tasche und entsperrte das Gerät. Zahlreiche Nachrichten warteten darauf, von ihm gelesen zu werden. Unter anderen hatte Kenna ihm eine Whatsapp geschickt. Grinsend öffnete er den Nachrichtenverlauf. Das versaute kleine Ding hatte ihm vor wenigen Minuten ein Bild gesendet, auf dem sie sich mit einem Nichts aus schwarzer Spitze auf ihrem Bett räkelte. Einem Bett, in dem er diesen Morgen aufgewacht war. Leicht verkatert und orientierungslos.

Am Abend zuvor war er mit der Kleinen ausgegangen. Eigentlich hatte er sie lediglich in ein gutes Restaurant ausführen wollen, doch Kenna hatte ihn dazu überredet, mit ihr zusammen in einen der angesagten Clubs zu gehen. Letztendlich hatte er sich überreden lassen.
Sie war ein süßes, naives kleines Ding, das  in einer Wohngemeinschaft mit zwei ebenso jungen Mädchen lebte,wie er heute morgen entsetzt und nur mit seinen Boxershorts bekleidet feststellen musste. Nicht gerade die beste Art, in den Tag zu starten. Und um der Wahrheit die Ehre zu geben, alle drei hätten seine Kinder hätten sein können.
Er mochte sie, auch wenn ihm ihre oftmals kindische Art mehr und mehr nervte. Auch war sie nicht die hellste Kerze auf der Torte, aber sie vergötterte ihn und tat seinem Ego gut. Alles Dinge, die er von Catherine leider nicht behaupten konnte.  

Henry drückte den Zurück-Button und sah, dass auch seine Frau ihm zahlreiche Nachrichten geschickt hatte.  Die erste gestern Nachmittag, in der sie ihn aufforderte, ihren jüngsten Sohn Charles pünktlich von seinem Softball-Spiel abzuholen, da sie in einer Besprechung mit potentiellen Partnerunternehmen festsaß. Dieser ersten Nachricht waren zahlreiche weitere gefolgt, der Ton ihrer Botschaften hatte sich von Text zu Text verschärft, bis sie ihn gegen Mitternacht als einen „verantwortungslosen, schwanzgesteuerten Hurenbock“ tituliert hatte. Auf italienisch.

Henry unterdrückte ein lautes Seufzen und just als er auch diesen Nachrichtenverlauf wegklicken wollte, blinkte eine neue Textnachricht auf.
<Ich weiß ja, dass du mir keinerlei Respekt mehr entgegenbringst, aber könntest du wenigstens Paula zuliebe deinen albernen Handyspielereien etwas unauffälliger nachgehen? Du bist Geschäftsführer dieser Firma, die ich mühsam zu dem, was sie heute ist, aufgebaut habe. Also reiß dich verdammt nochmal zusammen, Henry!>

Er hob daraufhin seinen Kopf und musterte Catherine, die völlig unbeteiligt am anderen Endes des Tisches thronte, ihren Blick starr auf Paula gerichtet hatte und mit keinem Muskel zuckte.
Wie immer war seine Frau das Vorzeigebeispiel einer perfekten Geschäftsfrau. Ihr langes, rotblondes Haar war perfekt frisiert und fiel in perfekt gestylten Locken auf ihre Schultern, das sündhaft teure Armani Kostüm saß perfekt, die helle Seidenbluse darunter ebenfalls und er war sich sicher, dass auch ihre schwarzen Stilettos perfekt auf ihr Outfit abgestimmt waren. Und sie war perfekt im Multitasking, denn nichts verriet, dass sie wenige Sekunden zuvor noch ihr Gift in seine Richtung versprüht hatte.

Henry begann, eine gepfefferte Erwiderung zu tippen, machte jedoch den Fehler, währenddessen aufzusehen. Den mörderischen Blick, den seine Frau ihm in diesem Moment zuwarf, ließ ihn hart schlucken. Er ließ sein Handy mit einem leisen Poltern auf den Tisch fallen, als hätte er sich seine Hände daran verbrannt. Das süffisante Lächeln auf Catherines Gesicht und die Art,wie sie kurz darauf mit Unschuldsmiene eine Augenbraue hob, ließ augenblicklich seinen Puls hochschnellen.

Unwillkürlich fragte er sich, wann sie beide sich das letzte Mal wie normale Menschen miteinander verständigt hatten. Jede ihrer Begegnungen, egal ob in der Firma oder zuhause, war ein fortwährender Machtkampf. Einer von der Sorte, die ihm jede Unze Energie entzog. Wie viel leichter war es, sich in seinen harmlosen kleinen Affären mit Frauen wie Kenna zu verlieren. Denn Kenna sah ihn nicht mit diesem Blick tiefster Enttäuschung an oder keifte ihn nicht an, wenn er die letzte Milch aufgebraucht oder einen Termin verschwitzt hatte.
Und Kennas Körper gefror nicht zu Eis, sobald er seine Hände über ihn gleiten ließ. Sie hieß seine Berührungen vielmehr willkommen, liebte ihn mit einer Hingabe, die seinem Ego schmeichelte und seine Lust auf eine Art stillte, die Catherine nicht länger aufzubringen vermochte. Einer der wenigen Umstände, die er ihr niemals vorhalten würde.
Was er seiner Frau jedoch vorhielt, war die lähmende Hilflosigkeit, die ihn immer dann überkam, wenn er wieder einmal an ihren Schutzmauern abprallte. Schutzmauern, die sie vor einem Jahrzehnt hochgezogen hatte und die trotz zahlreicher Versuche seinerseits sie zum Einsturz zu bringen, nicht einmal einen Riss davongetragen hatten.

Im Endeffekt hatte er nur aufgeben können. Und ihre sture, von falschem Stolz geleitete Nonchalance hatte ihn mehr Frauen in die Arme getrieben, als er zählen konnte. Mit der Zeit wusste er nicht mehr, ob er sie bestrafen oder sich von seiner zerrütteten Ehe und seinen Schuldgefühlen ablenken wollte. Vielleicht beides. Henry war nicht stolz auf sein Verhalten, aber da Catherine keinerlei Anstalten machte, das zu kitten, was noch von ihrer Ehe übrig war, vergrub er seine zwiegespaltenen Gefühle für sie im tiefsten Winkel seines Innersten und wählte den Weg aller Feiglinge. Resignation gepaart mit Ignoranz und einer gehörigen Portion Bitterkeit.

Er ahnte, dass es nicht ihre vier Kinder waren, die sie beide an ihrer für tot erklärten Ehe festhalten ließ, sondern dieses Unternehmen. Ohne Catherines Medici-Geld stände die Firma vor dem Konkurs und ohne seine Fachexpertise konnte auch sie die Firma nicht alleine auf dem Markt halten. Das wussten sie beide und Henry beobachtete Catherines Anstrengungen, ihren ältesten Sohn, ihren golden Jungen, in seinem jungen Alter bereits in der Geschäftsführung zu etablieren mit wachsender Beunruhigung.
Der Junge brachte seiner Mutter eine beinahe blinde Verehrung entgegen. Ihn jedoch bedachte sein Sohn mit der Art von Blicken, die er sich ganz offensichtlich bei der Frau abgeguckt hatte, die sie perfektioniert hatte. Außer Catherine gab es niemanden auf dieser Welt, der mit einem einzigen Blick das Blut in seinen Adern gefrieren lassen konnte.

Um ihren Ambitionen entgegenzusteuern, hatte er Francis älterem Halbbruder Sebastian eine Stelle in der Entwicklung angeboten und setzte alles daran, ihm sein Wissen angedeihen zu lassen. Der Junge war zwei Jahre älter als Francis und stammte aus einer Liaison mit Diane, einer älteren Frau, die er in jungen Jahren - noch bevor er Catherine kennengelernt hatte - geschwängert hatte. Bash war ein intelligenter, aufstrebender junger Mann und obwohl er ihm nicht immer ein guter Vater gewesen war, hatte er sich bereits als loyaler und innovativer Mitarbeiter erwiesen. Dennoch war seine Stellung nicht mit der von Francis vergleichbar, der im Gegensatz zu Sebastian unaufhaltsam von seiner Mutter gepuscht wurde.

„Danke Paula. Wir müssen ein verstärktes Augenmerk auf die Zahlungsmoral unserer Großkunden legen. Überfälligkeiten bremsen unseren Cashflow unnötig aus. Paula, ich brauche diesbezüglich alle Zahlen des letzten Quartals. Henry?“

Er räusperte sich und erhob sich aus seinem Stuhl. Meetings dieser Art ermüdeten ihn. Er war sich sehr wohl bewusst, dass sie unablässig für ein Unternehmen dieser Größe waren, doch warum Catherine darauf bestand, dass auch er daran teilnahm, war und blieb ihm ein Rätsel.
Im Gegensatz zu den anderen Anwesenden lehnte er es ab, Präsentationen mit Daten, Zahlen und unnötigem Firlefanz vorzubereiten. Er sprach frei von der Leber weg, konzentrierte sich dabei lediglich auf seine laufenden Projekte und entließ sich nach seinem kurzen und knackigen Vortrag selbst aus dem Meeting.

Kaum hatte er die Tür hinter sich geschlossen, wurde sie bereits von Catherine wieder aufgerissen, die ihm hinterher gestürmt kam.
„Was sollte das schon wieder?“, fauchte sie ihn ungehalten an.
„Das habe ich mich auch gefragt, als ich heute morgen gesehen habe, wie unmöglich du eingeparkt hast. Wir sind hier nicht in Italien, Catherine. Das nächste Mal, wenn deine Karre meinen Parkplatz blockiert, lasse ich sie abschleppen, das schwöre ich dir.“
Anstatt sich wegen ihrer miserablen Fahr- und Parkkünste zu schämen, rollte sie bei seiner Drohung lediglich mit den Augen, was Henry auf die Palme brachte.
„Du wirst schon sehen, was dann passiert.“ Catherine hatte sich vor ihm aufgebaut und das drohende Funkeln in ihren braunen Augen löste Unbehagen in seiner Magengegend aus.
„Ich kann es kaum erwarten. Hast du nicht noch ein Meeting?“, fragte er mit ironischem Unterton und deutete auf die Tür des Besprechungszimmers.
„Du zufällig auch.“
„Meine Schuldigkeit ist hier getan. Ich habe noch Arbeit, Catherine. Richtige Arbeit.“

Keine zehn Pferde würden ihn zurück in dieses Meeting bringen. Sollte sie sich um all die trockenen, furchtbar langweiligen Angelegenheiten kümmern, seine Berufung lag in praktischen Anwendungen.
„Ist es wirklich zu viel verlangt, dich einmal im Monat wie ein verdammter Geschäftsführer zu verhalten, Henry?“ Eine Antwort von ihm wartete sie gar nicht mehr ab, sondern stolzierte zurück in das Besprechungszimmer.

Ganz automatisch wanderte sein Blick auf ihren Hintern, der unter dem eng geschnittenen Kostüm sehr schön zur Geltung kam. Er verfluchte den Umstand, dass sie noch immer die Fähigkeit hatte, sein  Lustzentrum anzusprechen.
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