All Hellows Eve - Ein zu perfektes Opfer

GeschichteHorror, Schmerz/Trost / P18
Ayato Sakamaki Kanato Sakamaki Laito Sakamaki Reiji Sakamaki Shu Sakamaki Subaru Sakamaki
13.11.2017
17.10.2020
54
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17.10.2020 3.641
 
Hikari stand auf dem spärlich beleuchteten Korridor und starrte auf die Tür ein Stück vor sich.
Sie wusste nicht, ob ihre Entscheidung wirklich klug war, aber nach reichlicher Überlegung war sie zu dem Entschluss gekommen, sie brauchte Hilfe und konnte nur Shu darum bitten.
Wenn irgend jemand in diesem Haus der ganzen Sache wenigstens etwas Einhalt gebieten konnte, dann war es der Älteste. Auch wenn dieser ihr ähnlich häufig aufgelauert hatte wie Laito und Subaru in den letzten Wochen und auch verbal ähnlich verletzend zu ihr war, so war er das dennoch äußerst selten auf so persönliche Weise wie die beiden Jüngeren es oft waren.
In Shu sah sie eine Respektsperson.
Er war deutlich reifer als die anderen Jungs und hatte sich sehr gut unter Kontrolle. Ein junger erwachsener Vampir, der sehr viel wusste und unglaublich stark - aber auch ebenso gefährlich war, was er die meiste Zeit allerdings äußerst geschickt verbarg.
Sie war sich einfach sicher, er konnte ihr helfen, wenn er es denn nur wollen würde.
Wessen sie sich nicht sicher war, war ob sie ihn auch dazu bringen konnte, es zu wollen, denn es gab nun einmal keinerlei Grund für den Ältesten, sie auf irgendeine Weise zu schützen.
Sie brauchte sehr gute Argumente, musste an seine Position als Oberhaupt appellieren, wenn sie überhaupt nur den Ansatz einer Chance haben wollte, etwas bei ihm zu erreichen.
Noch während sie verbissen nach einem guten Grund für ihn suchte, sprang die Tür zu seinem Zimmer mit einem leisen Quietschen ein Stück weit auf und Hikari wäre beinahe zu Tode erschrocken.
Nach dem ersten Schreck kam die Erinnerung an damals, als sie schon einmal vor seiner Tür gestanden - und er ihr auf dieselbe Art Einlass gewährt hatte.
Ein ungutes Gefühl breitete sich in ihr aus.
Obwohl sie extra bereits einige Schritte bevor sie seine Tür erreicht hatte stehen geblieben war, darauf geachtet hatte ihm nicht zu nahe zu kommen, hatte er sie doch bereits gespürt und wusste, dass sie etwas von ihm wollte.
Plötzlich hatte sie fürchterliche Angst in dieses Zimmer zu gehen, wäre am liebsten davon gelaufen, doch sie riss sich zusammen, holte einmal tief Luft und ging dann zur Tür, um ohne weiteres zögern sein Zimmer zu betreten.
Drinnen fand sie genau das vor, was sie auch erwartet hatte.
Shu lag in voller Bekleidung auf seinem Bett, hatte die Augen geschlossen und hörte seine Musik, genau wie es auch beim letzten Mal gewesen war.
Dieses Mal wartete Hikari jedoch nicht, bis er sie zum Reden aufforderte.
"Shu-san", begann sie vorsichtig, aber gefestigt,
"Entschuldige, dass ich dich störe, doch ich hätte eine Bitte an dich."
Stille kehrte ein, hielt immer länger an und ließ ihre Nervosität mit jeder Sekunde weiter wachsen.
Gerade als sie glaubte es nicht mehr auszuhalten, seufzte der Blonde und sofort stand sie stocksteif da.
"Wieso bittest du nicht deinen Verlobten und kommst stattdessen zu mir gelaufen?" vernahm sie seine gelangweilten Worte,
"Du kannst nicht ernsthaft glauben, ich würde dich an seiner statt behüten. Bist du am Ende noch dümmer, als ich es bisher immer angenommen hatte?"
Und wieder ein verbaler Treffer.
Trotzdem ließ sie sich nicht beirren, ging einen Schritt auf ihn zu und nahm all ihren Mut zusammen.
"Ich flehe dich an, dann beschütze mich wenigstens vor Laito", platzte es beinahe aus ihr heraus.
Der Vampir sah sie kurz an.
"Du erwartest von mir, dass ich Laito von dir fern halte? Warum bittest du nicht Subaru-kun? Für die Beschützer Rolle war doch immer er verantwortlich, wenn ich nicht irre."
"Du verstehst das nicht", war sie deutlich verzweifelt,
Laito-kun hat...er hat..."
Sie bekam es nicht über die Lippen, doch das musste sie auch gar nicht.
Der Vampir setzte sich auf, seufzte wieder genervt und sah sie teilnahmslos an.
"Er hat sich genommen, was ihm zusteht", sagte er und fuhr sich mit der Hand durchs Haar, um es zu ordnen,
"Jeder von uns könnte das tun, wenn er es denn wollte, solange du niemandes Frau bist oder dich keiner angemessen verteidigen kann."
Hikari schluckte, hatte große Angst, doch noch mehr fürchtete sie was in den Tagen bis zum Vollmond noch geschehen konnte.
"Keiner von euch hat das Recht Sex mit mir zu haben, wenn ich es nicht will!" brachte sie fest hervor, als der Vampir sich gerade wieder hinlegen wollte.
Sofort hielt dieser inne und sein Blick in ihre Richtung war der eines Jägers, ließ sie zwar kurz erschauern, aber nicht wanken.
"Kannst du diese Stellung auch verteidigen?" wollte er typisch gelangweilt wissen, doch der leicht lauernde Unterton war nicht verkennbar,
"Oder willst du dies am Ende überhaupt nicht?"
Sie schnappte hörbar nach Luft während er sich einfach in sein Bett zurück sinken ließ und die Augen schloss.
Versuchte er gerade wirklich, ihr die Worte im Mund zu verdrehen?
Natürlich konnte sie diese Stellung nicht verteidigen, darum war sie schließlich hier, doch er unterstellte ihr tatsächlich, sie wolle sich gar nicht verteidigen.
Wie kam er auf diese absurde Idee?
"Glaubst du wirklich, ich würde es freiwillig mit jedem von euch tun?" trat sie ganz dicht an ihn heran,
"Denkst du derart schlecht von mir, Shu-san? Wofür hälst du mich eigentlich?"
Sie konnte nicht glauben für wie schlecht und minderwertig er sie scheinbar hielt und da er natürlich nicht reagierte, wollte sie nur noch davon laufen und drehte sich von ihm weg.
Noch mitten in ihrem Schwung jedoch packten Shu´s Finger sie stahlhart am Handgelenk, er zog kurz, machte eine schnelle Drehung und sie fand sich, unter ihm liegend, in seinem Bett wieder.
Völlig geschockt und überrumpelt starrte sie ihn an.
Sie wusste nicht, was ihr mehr Angst machte - wie unglaublich schnell er sein konnte oder das er so über ihr war. Nie zuvor war er ihr derart nahe gekommen.
Er hatte sie aufs Bett genagelt ähnlich wie seine Brüder dies oft taten und war so unglaublich dicht über ihr, dass sie seinen Atem an ihrer linken Halsseite spüren konnte.
"Ich halte dich für die Schöpfung meines Erzeugers", hauchte er ihr ein wenig bedrohlich ins Ohr,
"Du tust genau das, wozu er dich gemacht hat."
Sie hörte wie er an ihr roch und kurz zufrieden schnurrte.
"Dabei könntest du so viel mehr sein...!"
Seine Stimme sank ab, sie spürte seinen Biss in ihrer Halsbeuge und kniff die Augen zu.
Es schmerzte, aber nicht übermäßig und dann kam die Hitze.
Eine kurze Woge, unglaublich heftig stellte sie jede ihrer Zellen unter Strom und war wieder vorbei, noch bevor sie ihr verfallen konnte, als er seine Zähne wieder aus ihrem Fleisch löste.
Ihr Atem ging schnell und sie zitterte am ganzen Leib, so viel Kraft hatte allein dieser kurze Augenblick sie gekostet und sie wusste jetzt was es wirklich bedeutete, allein für ihn gemacht zu sein.
Wenn er sie würde haben wollen, dann wäre sie sein und das jederzeit.
Absolut nichts was sie für einen der anderen Brüder empfand oder was diese bisher in ihr ausgelöst hatten, ganz gleich welcher Natur es war, ob Liebe, Freundschaft oder Leidenschaft, selbst all dies zusammen war nichts im Vergleich zu dem, was der Älteste sie gerade hatte fühlen lassen mit nur einem einzigen kurzen Biss.
"Du siehst, ich könnte deinen Spießroutenlauf jederzeit beenden, wenn ich es wollte", jagten seine unverhofften Worte ihr da einen Schauer über den Körper, denn sie spürte dabei nach wie vor seinen Atem auf ihrem Hals,
"Du bist ein einzigartiges Wesen, also werde dir dessen endlich bewusst, bevor ich am Ende doch noch eingreifen und es verhindern muss! Ich kann nicht zulassen, dass der Plan unseres Vaters aufgeht, verstehst du?"
Seine Zunge glitt kurz über die Wunde und entlockte ihr einen erschreckten Laut.
Als er den Kopf hob sah sie ihn unsicher an, doch er gab sie frei und flegelte sich einfach in seine ursprüngliche Position zurück.
Irritiert blinzelte sie ihn an, kroch langsam aus seinem Bett und zog ihr Nachthemd zurecht.
Das also war es jetzt?
Dafür war sie her gekommen?
Keine Lösung für ihr Problem und noch mehr Fragen?
Wie immer wenn sie das Zimmer eines der Brüder betreten hatte um Hilfe zu bekommen, bekam sie natürlich auch dieses Mal keine.
Sie fragte sich, warum sie es überhaupt immer wieder versuchte, während sie langsam zur Zimmertür schlich, doch dann plötzlich blieb sie wie angewurzelt stehen.
Er wusste, was sie war!
Wenn selbst Ayato es wusste, dann wussten sie es wahrscheinlich alle, doch Shu war den anderen meist weit voraus und von ihm würde sie ganz sicher eher etwas erfahren, als von dem impulsiven Rothaarigen.
"Sagst du mir, was genau ich bin?" fragte sie vorsichtig und drehte sich wieder in seine Richtung,
"Woraus genau hat er mich gemacht, Shu-san?"
Wieder trat Stille ein und der Vampir wirkte, als würde er schlafen, was ihr eigentlich deutlich hätte sagen sollen, es war an der Zeit sein Zimmer zu verlassen, solange sie es noch konnte.
Trotzdem zögerte sie, denn so wie die Dinge im Augenblick lagen, hatte sie einfach nichts mehr zu verlieren.
"Du bist nach wie vor nichts als ein Mensch", erklangen in diesem Moment seine ruhigen Worte,
"Doch gemacht wurdest du sowohl aus den Genen eines Gründervampirs, als auch aus denen anderer Dämonen, zu viele an der Zahl, sie alle zu benennen. Doch ihm war damals noch etwas wirklich Einzigartiges in die Hände gefallen, was er ebenfalls verwendete."
"Gründervampir?" fragte sie zaghaft, als der Blonde nicht weiter sprach,
"Und was für Dämonen? Woraus genau bin ich gemacht, bitte sag es mir doch wenn du es weißt, Shu-san! Und was ist das für etwas Besonderes? Bitte sag es mir."
"Mendokusai!" hörte sie ihn murmeln, dann seufzte er genervt, sprach aber dennoch weiter.
"Gründervampire nennt man die aller ersten unserer Art, sie sind die reinsten und stärksten Blutlinien unter uns, ausgestattet mit Fähigkeiten, welche wir anderen nicht besitzen."
Er setzte sich auf, sah sie kurz an und lehnte sich dann mit den Unterarmen erschöpft auf seine Knie.
"Die Dämonen Gene waren zu zahlreich und beinahe alle von ihnen gingen einfach unter, dominiert und ausgelöscht von den starken Genen des Gründervampirs. Nur ein Dämonengen konnte sich mit dem des Vampirs vereinen, was allerdings zu erwarten war bei einem Succubus, der stetig nur nach Vereinigung strebt."
Wieder machte er eine Pause, sah sie forschend an, ob sie begriff wovon er sprach.
"Ein...Succubus?" fragte sie dann auch, doch es klang schon eher nach einer Feststellung und irgendwie noch tief in Gedanken hängend.
"Dieser verfluchte Paarungstrieb!" flüsterte sie abwesend, hörbar fassungslos, wenn nicht sogar erbost, was dem Vampir ein leises Lachen entlockte.
"Nichts anderes treibt einen Succubus voran", klang seine Stimme, als würde er grinsen, doch als er den Kopf hob, wirkte er gelangweilt wie eh und je.
"Und was weiter?", vergaß sie jetzt völlig, mit wem sie hier sprach, was sofort in der nächsten Sekunde bestraft wurde, als der Vampir aus dem Nichts direkt vor ihr stand.
Wieder zuckte sie heftig, erschrak zutiefst, doch als sie in diese blauen Augen sah, wurde sie seltsamerweise wieder ruhiger.
"Deine winzigen Dämoneneigenschaften sind es nicht, die zählen", blieb seine Stimme weiterhin leise und seine Worte so ruhig, als schliefe er gleich ein, doch wieder lag ein winziger Unterton in allem,
"Du bist die Frucht zweier unvereinbarer Rassen, Hikari Mori. In deinem minderwertigen menschlichen Körper schlummert die Kraft des stärksten aller Gründervampire und durch deine Adern fließt das Blut eines echten Engels! Darum verlockt es jeden von uns wie niemals etwas vorher."
"Ein...Engel...?" kam es fassungslos über ihre Lippen,
"...aber..."
"Du hast Recht", grinste der Blonde leicht spöttisch,
"Es gibt keinen Gott! Aber Engel sind auch nicht, was ihr Menschen euch darunter vorstellt. Sie sind genau wie wir Dämonenwesen, die ersten welche es überhaupt je gab und damit auch jene, aus denen alle anderen Dämonenwesen entsprungen sind. Ihr Blut ist noch heute so rein, wie am ersten Tag."
Hikari blinzelte.
"Also auch reiner als das der Gründervampire?" war ihre Frage.
"Reiner als alles, was in dieser Welt je existiert hat", war seiner leisen Stimme die Faszination dieses Blutes anzuhören,
"Als neutrale Wesen geboren sagte ihr Bewusstsein ihnen schnell, was Gut und Böse ist. Nicht gut und auch nicht böse spaltete sich ihre Spezies. Jene welche nach Macht strebten und dem Bösen folgten wurden nach und nach zu neuen Arten Dämonenwesen, die anderen blieben bis heute Engel.
Diese benutzten ihre Macht dazu, andere Dämonen fern - und ihr Blut somit rein zu halten. Während die restlichen Dämonen sich untereinander vermischten, dadurch ihre Blutlinien ausdünnten oder auch völlig neue Rassen hervor brachten, blieben die Engel rein, entwickelten sich weiter zu immer höheren Wesen und wurden immer mächtiger. Ihr Menschen würdet sie wohl Götter nennen, doch es sind Dämonen jenseits von Gut und Böse."
Nun schwieg er, sah ihr genau in die Augen und sie musste heftig schlucken.
Sie wollte etwas sagen, war aber viel zu durcheinander um dies auch zu tun und versuchte verzweifelt, ihre Gedanken zu ordnen.
"Die Gene des Engels hätten jene des Vampirs auslöschen müssen, so wie diese es mit den anderen Dämonengenen getan haben, verstehst du?", klang seine Stimme nun schon zu fasziniert für ihren Geschmack und sie wich unmerklich etwas zurück,
"Scheinbar hat der Succubus einen unerhofften Nebeneffekt und Unmögliches doch möglich gemacht, denn du warst nicht seine einzige Schöpfung mit den Engelsgenen. Alle anderen waren Fehlschläge, einfach nur menschlich, da die Reinheit der Engel alles andere ausgelöscht - und sich schließlich selbst neutralisiert hat. In dir jedoch ist das Erbgut zweier Spezies perfekt miteinander vereint. Nichts weiter als ein Mensch fließt doch das Blut der Engel durch deine Adern, abgetrennt von deinem zerbrechlichen, menschlichen Körper und doch mittendrin, hält es dich am Leben und mit dir auch die Macht, die du in dir trägst..."
Darum also beherrschte sie die Tiere, konnte Illusionen erschaffen und sicherlich noch einiges mehr, doch so gut es auch tat, endlich Wahrheiten zu erfahren, so war es dennoch auch ein Schock.
Zudem erschien ihr der Älteste allmählich zu gesprächig und vor allem viel zu wach.
Diese Faszination in seiner Stimme gefiel ihr ganz und gar nicht.
Genau genommen hatte sie bereits zwei mal den Punkt überschritten, an welchem sie hätte gehen sollen, solange der Vampir sie noch ließ und so wie es gerade aussah, würde es wohl keine dritte Chance mehr geben.
Wieder wich sie etwas zurück, redete sich ein, sich noch davon schleichen zu können, doch in der nächsten Sekunde spürte sie eine Wand in ihrem Rücken und Shu ganz dicht vor sich.
Mit dem rechten Unterarm neben ihrem Kopf an die Wand gelehnt und der linken Hand neben ihrer Taille an die Wand gestützt hielt er sie dort gefangen, war mit den Lippen so nah an ihrer Halsbeuge, dass sein Atem sie merklich erschauern ließ.
"Der einzige Weg sicher zu verhindern, dass Karl-Heinz irgendeines seiner Ziele erreichen kann, ist es dich zu töten", ließen seine gewisperten Worte sie dann vor Angst erstarren, während er hörbar ihren Duft einsog,
"Doch dieses Blut wäre es wirklich wert..."
Ihre Augen weiteten sich und sie hielt krampfhaft die Luft an, als seine Zähne sich in ihr Fleisch gruben, doch die Glut entflammte nicht.
Überraschenderweise gab es keine Hitze, keine Anziehung und Shu hatte wider Erwarten nicht vor zu tun, was er gerade beinahe schon angekündigt hatte.
Sie kam jedoch nicht dazu sich zu fragen, warum er sich so entschieden hatte, denn kaum löste er den Biss, vernahm sie seine beinahe zufriedenen Worte.
"Vielleicht kann ich dir ein weiteres mal ein wenig Hilfe gewähren", hauchte er und zog sich so weit zurück, dass sie ihn ansehen konnte,
"Sehen wir, was es dieses Mal zu befreien vermag..."
Noch bevor sie begriff hatte er seine Lippen auf ihre gelegt und seine Augen geschlossen.
Sie riss ihre entsetzt auf und spürte wie ihr Herz sofort bis zum Halse schlug.
Es war, als brenne eine Zündschnur in ihr ab, alles kribbelte und ihre Knie wurden weich, obwohl es wieder ein so unschuldiger Kuss war.
Genau wie damals hatte er nur mit leichtem Druck seine Lippen auf ihre gelegt und machte auch dieses mal keinerlei Anstalten, diese sanfte Berührung ihrer Unschuld zu berauben und doch raubte es ihr abermals die Sinne, ein solch unglaubliches Gefühl durchflutete sie.
Als der Vampir sich zurückzog sah sie ihn nur verklärt an und er grinste kurz ein wenig.
"Ich sollte dir deine Erinnerungen rauben, statt dir Dinge zu erzählen, die du hättest selbst längst heraus finden können", schnurrte er, sich darüber bewusst, sie nahm es in diesem Moment sowieso nicht wahr,
"Doch es interessiert mich, wie du dich ab jetzt schlagen wirst."
Eine kurze Bewegung seiner Hand und sie sackte zusammen.

Hikari stand am Fenster und betrachtete den Sonnenuntergang.
Zwei Tage war es her, dass sie in Shu´s Zimmer gegangen war und dort so viele Dinge erfahren hatte, dass sie nun endlich einiges verstand.
Jenes was sie ihr Leben lang diese unerklärliche Sehnsucht hatte spüren lassen, was sie immer wieder hinaus in die Nacht gezogen - und ihr das Gefühl gegeben hatte, irgendetwas würde dort auf sie warten, das was sie dann letzten Endes auch hierher geführt hatte, dies war das Erbgut eines mächtigen Vampirs in ihr.
Mächtiger als jeder der sechs Brüder und sie alle wussten dies.
Ebenso wie sie von dem Engelsblut wussten, das sie alle empfanden,, als wäre es nur für sie gemacht weil es so rein war, dass es selbst ihnen etwas der ursprünglichen Reinheit ihrer Blutlinie zurück gab und sie so stärker machte, wenn sie es tranken.
Shu wusste dies alles bereits um einiges länger als seine Brüder, denn für ihn war sie vorgesehen, doch er wollte den Thron seines Vaters nicht, beanspruchte sie nicht für sich und überließ sie seinen Brüdern.
Nur ein mal hatte er ihr diesen zarten Kuss gegeben, durch welchen sie zum ersten Mal in der Lage gewesen war, ihre vampirischen Gene zu aktivieren und eine Schaar Raben dazu zu bringen, sie vor Kanato zu retten.
Der zweite Kuss von ihm hatte bisher allerdings nichts auffälliges bewirkt, sah man davon ab, dass sie den Succubus ein wenig besser unter Kontrolle hatte und geschickter darin geworden war, die Brüder zu umgehen.
Seit zwei Tagen hatte keiner von ihnen sie mehr erwischt, was ihr die gemeinsame Zeit mit Ayato wesentlich angenehmer - und ihn etwas sanfter machte.
Aufbrausend war er zum letzten Mal gewesen, als sie so lange gebraucht hatte, um aus Shu´s Ohnmacht zu erwachen.
Jedoch wäre auch dies wohl weit heftiger ausgefallen, hätte er Laito an ihr gerochen, welcher zuvor ebenfalls noch ihr Blut getrunken und Sex mit ihr gehabt hatte.
Dank Shu´s ungewohnt intensiver Nähe nach ihrem ausgiebigen Bad jedoch, hatte Ayato nur noch ihn an ihr gerochen und sein Zorn war dementsprechend geringer ausgefallen.
Kurz war ihr der Gedanke gekommen, der Älteste könne dies absichtlich getan haben um sie zu schützen, ging er doch sonst auch niemals so sehr auf Tuchfühlung, aber diese Idee verwarf sie sehr schnell wieder.
Auch wenn er ihr gegenüber ein Stück weit anständiger war als seine Brüder, wenn man das so nennen konnte, so hatte er sie aber immer auch deutlich mehr auf Abstand gehalten und häufig keinen Hehl daraus gemacht, dass ihre Anwesenheit ihm einfach nur lästig war.
Ein tiefer Seufzer entwich ihr, denn sie kam nicht umhin der Tatsache ins Auge zu sehen, dass sie wirklich eine perfekte Einheit mit ihm wäre.
Extra für ihn erschaffen konnte er mit so wenig so unglaublich viel bei ihr bewirken, erweckte mit Leichtigkeit ihr Erbgut, kannte sie...
Wären sie beide sich damals an Hellows Eve begegnet, hätte es ihre Monate lange Odyssee in diesem Haus wohl niemals gegeben, doch ihr Herz hatte vom ersten Moment an für Ayato geschlagen.
Sie fragte sich gerade, wie weit sie wohl heute wäre, wenn sie damals Shu gewählt hätte, als sich von hinten zwei Arme um sie schlangen und ein Kinn sich auf ihre Schulter lehnte.
"Chichinashi", erklang ein verschlafenes Murmeln an ihrem Ohr,
"Ich bin durstig."
"Ayato-kun", lehnte sie sich sanft gegen ihn und sein gewisperter Name brachte ein Lächeln mit auf ihre Lippen.
Auch wenn er sie nicht wirklich liebte, so beherrschte er es jedoch perfekt, es sich so anfühlen zu lassen, als würde er dies tun.
Beinahe in jedem friedlichen Augenblick mit ihm und ganz besonders, wenn er es darauf anlegte.
"Morgen Nacht wirst du für immer mein!" klangen seine leisen Worte weit weniger verschlafen, dafür jedoch irgendwie abwesend,
"Da mir keine andere Wahl mehr bleibt, erzwinge ich eben seine Zustimmung!"
"Zustimmung...erzwingen...?" war sie plötzlich völlig verwirrt, doch dann begriff sie.
Auch wenn es keinen der Brüder die Bohne interessierte, was ihr Vater wollte oder nicht wollte, so war eine Hochzeit doch etwas sehr Offizielles und sie waren nun einmal die Söhne des Königs.
Natürlich wollte Karl-Heinz nicht, dass Ayato sie heiratete, denn schließlich hatte er sie für seinen ältesten Sohn geschaffen.
Mal abgesehen davon, dass er bereits vor Jahren ihren Tod befohlen hatte und sie somit eigentlich nicht einmal mehr für diesen wollte.
Darum war wohl auch ein Kind die letzte Chance für Ayato, die Zustimmung seines Vaters zu bekommen, doch ihr selbst gefiel dieser Plan gar kein bisschen, denn Karl-Heinz war äußerst gefährlich und wohl zu absolut allem fähig.
Dieser Plan konnte ungeahnte Folgen haben und ein so ungutes Gefühl beschlich sie bei dem Gedanken daran, dass sie nicht einmal mehr Ayato´s sanfte Nähe genießen konnte.
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